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Tag: wahre Begebenheit

Club der Roten Bänder – Wie alles begann

© 2019 Universum Film GmbH

Warum tut ihr uns das an?

Der Club der Roten Bänder feierte auf VOX bereits einen Sensationserfolg nach dem anderen und heimste genügend Preise ein, um sich einen Namen im Business der Bewegtbilder zu machen und eine breite Kennerschaft heran zu züchten. Und das Konzept ging auf: Man erzählte die wahre Geschichte von Albert Espinosa, der grundlegende Dinge an die Öffentlichkeit trug und mit seinem Wirken für Vorbildcharakter im Bereich der Krankengeschichten sorgte, die weltweit eine große Fangemeinde erschuf.

Nach insgesamt drei Staffeln und dem “Final”-Aufdruck auf dem Cover der letzten war das Ende dieser Ära besiegelt. Entweder man war dabei und kennt sie nun – oder man kann auf die Archive zugreifen und sich gewissermaßen “nachbilden”. Genau das ist auch der Punkt, an dem viele Fans der Serie nun scheitern werden: Man kennt einfach die Storyline, man weiß über alles Bescheid und bekommt inhaltlich keine Wucht mehr aufs Tablett. An dieser Stelle kommt nicht selten die Frage auf, wieso man etwas irgendwo erfolgreiches nun nochmal zwingend in die Kinos bringen muss, um die Kuh nun vollständig zu melken und nochmal Kapital aus dem vergangenen Erfolg schlagen zu müssen.

Ganz so hart würde ich an dieser Stelle gar nicht mehr ins Gericht gehen, denn: Wer die Serie nicht gesehen hat, bekommt nun einen saftigen Einstieg, der dafür sorgt, dass man das Verpasste möglichst schnell nachholen möchte. Und ich möchte fast sagen, es ist besser, sich erst den Kinofilm anzusehen und dann mit Staffel 1 zu starten, denn die Storyline geht auf und der Film punktet mit etwas, das die Serie nicht bringen durfte: Jürgen Vogel.

Im Ernst? Man hockt im Kino und flennt.

Wer hier schon etwas länger mitliest, kennt meine Allüren mit deutschen Kinomachern – dem Theatersprech-Hass und der absurden Charakterbildung, die das deutsche TV gerne als “normal” abstempelt, was in meinen Augen eigentlich einfach nur krank ist. Und davon gibt’s hier reichlich. Ganze Parts wurden mit solchen Persönlichkeiten besetzt, denen man – nüchtern betrachtet – gerne ins Gesicht schlagen möchte ob ihrer Realitätsfremdheit.

Und dennoch packt der Film jeden Zuschauer bei den Eiern und erreicht diesen Punkt, an dem das alles einfach nur noch egal ist und man von einem Emotionsbombardement zerschlagen wird, das niemandes Augen trocken lässt. Man leidet mit. Man fühlt. Und geht’s nicht genau darum, wenn man in einem Kinosaal sitzt? Um Gefühle?

Und da kommt Jürgen Vogel ins Spiel. Ein großartiger deutscher Schauspieler, der zwar nie sein “Alleinstellungsmerkmal” im Blockbuster-Segment gefeiert hat, jedoch so viele Stücke und Werke vollzogen, dass man ihn längst als feste Größe im Filmbusiness etabliert hat. Und seine Rolle hier: Grandios! Nicht nur im Plot, auch im Schauspiel und der “Begeisterung” – für mich eine seiner Paraderollen, die dem Film das gewisse Etwas geben und eben doch ein Grund sind, sich nochmal ins Kino zu setzen, auch wenn man den Ausgang längst kennt.

Genauso hat man meiner Meinung nach an den Seriencharakteren gefeilt und ihnen etwas mehr “Cineasmus” verpasst, um sie aus der trockenen TV-Ebene ins Kino zu bringen, auch wenn man die Fernsehherkunft kaum leugnen kann und deutlich spürt, aus welchem Boden sie gewachsen sind. Setzt man sich nach dem Kinobesuch hin und kramt die alten Blu-rays wieder raus, stellt man die spürbare Steigerung zum “Beginn” der ersten Staffel fest und merkt, wie “gereift” das ganze nun ist.

.kinoticket-Empfehlung: Serienkenner: Setzt euch ins Kino und schaut euch den Film an – Jürgen Vogel zuliebe.

Der reißt es wirklich raus und liefert genügend Grund, das .kinoticket zu lösen.

Alle anderen: Euch ist der Segen vergönnt, den besten Serienstart ever zu erhalten: Dieser Film ist ein grandioser Auftakt, wenn man die Serie noch nicht kennt und liefert Gründe genug, um anschließend die Läden, VoD-Shops und Streamingportale zu stürmen und sich die Serie endlich anzusehen.

Und vergesst die Tempo-Box nicht auf dem Schoß – ihr werdet sie brauchen!

Nachspann
✅ Sitzen bleiben, hier folgt noch ein bisschen was.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Club der Roten Bänder – Wie alles begann
Length: 113 Min.
Rated: FSK 6

Catch Me!

Catch Me! – ein Spiel, dass glaube ich jeder in seiner Kindheit unzählige Male gespielt hat. Kindheit – die Zeit im Leben, in der man unbeschwert und voller Sorglosigkeit in jeden Tag hineinlebt und ein Abenteuer nach dem anderen durchstreift und dabei immer wieder neue Dinge entdeckt.
Dann kommt das Erwachsensein, man übernimmt Verantwortung, sucht sich Arbeit, wird seriös, macht gewisse Dinge nicht mehr, weil “das so gehört” und benimmt sich nicht mehr kindisch, um in der Gesellschaft nicht negativ aufzufallen.
Der “Ernst des Lebens” beginnt und damit einher gehen Traurigkeit, Depressionen, Sorgen, Nöte, Ängste, Abgründe und unvergleichlich viel negative Emotionen.
So selten fragen sich Menschen dann, wann und vor allem, warum sie die Fähigkeit des Lachens und der Freude aufgegeben haben und was sie eigentlich ganz genau davon abhält, diese Freude auch weiterhin zu verspüren, auch im höheren Alter?
Ich beobachte dieses Phänomen schon seit Jahren und habe mir persönlich damals gesagt, dass es wichtig ist, niemals die Fähigkeit zu opfern, täglich zu spielen. Wer aufhört, das Leben als ein Spiel zu betrachten, der öffnet gewissermaßen Depressionen und Ängsten Tor und Tür.
Catch Me! kommt nun mit einer wahren Geschichte daher, in der ein paar Männer eben jene Fähigkeiten nicht aufgrund ihrer Karrieren oder Lebenswegen geopfert haben, sondern sich alljährlich zusammentun und ihre Kindheit weiterleben lassen, indem sie einfach spielen. Die Idee und Botschaft, die hinter diesem Streifen steckt, ist also außerordentlich und beinhaltet eine gewisse Wichtigkeit, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte.
Filmisch umgesetzt wurde das Thema super lustig, sofern man auf Ed Helms-Humor steht. Ich persönlich kann ihm weniger etwas abgewinnen und war auch kein allzu großer Fan der Hangover-Filme, es ist ganz nice anzuschauen und man lacht sich hier und da auch krumm ob der wirklich abstrusen Einfälle, jedoch verliert sich der Streifen damit ein wenig an “Ernsthaftigkeit”, die das Publikum – das ja nun mal erwachsen ist und bereits in der ‘Ich spiele nicht mehr’-Falle gefangen ist – dadurch nicht wirklich abholt, sondern bestenfalls top unterhält.
Die Message des Films bleibt davon aber absolut unberührt, was ihn für mich dennoch zu einem sehenswerten Film macht, den man am besten mit seinen Freunden im Kino anschauen sollte. Zusammen macht’s eben einfach mehr Spaß! 🙂
 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Botschaft, wahre Story und ein Appell an alle, die die Fähigkeit verlernt haben, sorglos durchs Leben zu spazieren.
Ed Helms hat einen besonderen Humorstyle, den man mögen sollte, um völlig bespaßt zu werden, unterhaltsam und witzig ist das Ding allemal und die Moral von der Geschicht’ würde unsere Welt auch in Teilen etwas mehr auflockern. Kein Überflieger, aber für einen tollen Kinoabend durchaus zu gebrauchen.

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben – selten so gelacht!
Kinostart: 26. Juli 2018

Die Frau, die vorausgeht

Über Die Frau, die vorausgeht sollte man im Vorfeld nicht allzu viel wissen, weil der Film aus bestimmten Gründen sonst ziemlich schnell langweilig werden kann. Susanna White inszeniert die wahre Geschichte mit Starlegenden Jessica Chastain und Sam Rockwell für die große Leinwand und bringt dabei reichlich weibliche Gefühle und Charme mit ins Spiel.
Als ich ins Kino ging und einige Randfakten über den Film bereits gehört hatte, erwartete ich epochale Schlachten, romantische Bergzüge, indianische Weisheiten und anderes, was dieser Film zwar in gewisser Weise liefert, jedoch vollkommen anders, als ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte.
Der “Drive”, den man in Richtung Epos vielleicht erhofft, bleibt nämlich völlig aus. Stattdessen nimmt man sich die Zeit für Beziehungen, Charakterzüge, gedankliche Entwicklungen und lullt einen dabei mithilfe des Soundtracks dermaßen ein, dass man schon ausgeschlafen sein sollte, um hier wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu bleiben. Nicht nur ich hatte nach dem Film das Gefühl, dass hier gut und gerne 20-40 Minuten gekürzt werden dürften, die geschichtlich keine Lücken aufgetan, dem Film selbst aber ungemein mehr Augenmerk aufs Wesentliche vermacht hätten. Und dabei gehört der mit seinen 102 Minuten gar nicht mal zu den Monsterlängen, die man sonst so im Kino kennt.
Damit wandert das Stück also nicht in die beste Sendezeit auf der großen Leinwand, sondern gehört eher zur gemütlichen Abendlektüre, die man vor ein paar Drinks gerne noch mitnehmen darf, um sich ein wenig in Romantik und weibliche Aggression zu stürzen.
Okay, das klingt bis jetzt alles recht negativ und ausladend, ganz so schlimm ist es aber nicht. Ich meine, hier spielen keine Laien, sondern die von mir heiß geliebte Jessica Chastain, die ihre Sache mit allen anderen Schauspielern meisterhaft durchzieht und in ihrer Rolle auch tatsächlich überzeugt. Sie spielen großartig – alle miteinander. Die Langatmigkeit schreibe ich eher dem Drehbuch oder den “Grundvoraussetzungen” zu, wenn man so möchte, immerhin basiert der Stoff ja auf wahren Begebenheiten. Dafür hätte man meiner Meinung nach dann aber entweder mehr ausholen, oder tiefer in die Psyche der einzelnen Protagonisten absteigen müssen, um hier die ständigen Szenenbilder, in denen nichts passiert, zu überbrücken bzw. ganz auslassen zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht schlecht, aber stellenweise sehr schweratmig und langwierig.
Für die vergleichsweise kurze Laufzeit passiert noch zu wenig, um hier wirklich Spannung und Geschwindigkeit aufkommen zu lassen, dennoch machen alle Darsteller ihre Sache super und in punkto “geile Landschaft” und romantische Stimmungen ist der Film unschlagbar. Zappt durch den .trailer und verschafft euch (ohne Ton) ein paar Eindrücke, dann wisst ihr, wohin die Reise geht und könnt sie guten Gewissens antreten.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, nach dem Finaltext geht’s in die Schwärze.
Kinostart: 5. Juli 2018

Stronger

Wir bleiben im echten Leben und befassen uns mit einer weiteren Persönlichkeit, die es international zu einiger Berühmtheit geschafft hat, auch wenn die Ereignisse dazu höchst tragisch sind.
Letztens gab es schon einmal so einen Film dazu (klickt nicht, wenn ihr euch nicht spoilern lassen wollt), den ich nicht wirklich gelungen fand und der auch hierzulande allgemein nicht sonderlich gut ankam.
Stronger schildert nun eben jene Ereignisse erneut, nur aus einer völlig anderen Sichtweise, der es meiner Meinung nach wesentlich besser gelingt, die menschliche Komponente zu behalten und tatsächlich direkt in das Leben der Betroffenen einzusteigen.
Natürlich wird man auch hier wieder erschlagen von amerikanischem Patriotismus und es braucht jede Menge Kulanz gegenüber dieser kulturellen Eigenart, die man sich in Deutschland oft weg wünscht. Ohne diese Dinge würde der Streifen aber – zumindest in Amerika – gar nicht funktionieren.
Das Pathos, das man bei solchen Filmen in der Moral erwartet, wirkt längst nicht so übertrieben und abgedreht, sondern erstaunlich bodenständig und unaufgeregt, was mir persönlich den Film sehr sympathisch machte.
 

.kinoticket-Empfehlung: So umwerfend, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss, fand ich ihn jetzt nicht.
Wer sich allerdings mit den Ereignissen von 2013 erneut auseinandersetzen und diesmal nicht von der Leinwand herab enttäuscht werden will, dem sei dieser Streifen wärmstens empfohlen.
Gyllenhaal und Maslany liefern beide tolle Shows ab und mit dem überbordenden Patriotismus, der diesen Dingen folgt, muss man sich halt einfach abfinden.

 
Nachspann
braucht nicht ausgesessen zu werden, es folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Hannah

Kürzlich habe ich einen Ausspruch gehört, der sich darauf bezog, dass man die Religionen auf der Welt einfach verbieten sollte, denn es hat noch niemals Anschläge im Namen des Atheismus gegeben, noch wurden im Namen dessen Menschen verletzt oder irgendjemandem Schaden zugefügt.
Je länger man darüber nachdenkt, umso wahrer wird für einen dieser Ausspruch, so man sich die existierenden Welt-Religionen einmal ansieht und deren Geschichte hinterfragt. Die einzigen, die da ein klein wenig hervorstechen, sind die Buddhisten, deren Lebensweise meiner Aussage nach noch am Defensivsten ist, sprich: Sie kümmern sich sehr wohl um die Ausübung ihrer Religion und Verbreitung ihres Gedankenguts, die missionarischen Attitüden bleiben hier aber auf der Strecke.
Wo Moslems, Christen, Islamisten und andere Religionen durchaus provozieren, bekehren oder sogar mit Tod wegen Unglauben drohen, hört man vom Buddhismus… nichts. Und genau dieser Defensivismus machte mir den Glauben schon seit jeher sympathisch, auch wenn ich seinen Lehren selbst wenig abgewinnen kann.
Hier dürfte man jetzt eine Grundsatzdiskussion über das Hilfreich-Sein vs. die dekonstruktive Realität von Religionen starten, aber das will ich an dieser Stelle gar nicht.
Fakt ist: Buddhismus existiert und wir im Westen wissen reichlich wenig über die Hintergründe und Zusammenhänge – ganz zu schweigen über die Probleme und kritischen Auseinandersetzungen mit dieser Religion, die lobenswerterweise auch in dieser Dokumentation nicht zu kurz kommen.
Nun bin ich ein kleines, leicht geschädigtes Kind, was Buddhismus betrifft, da ich früher in der Schule eine Religionslehrerin hatte, deren Ziel es scheinbar war, möglichst viele Schüler zum Zen-Buddhismus zu bekehren und die sich aus Objektivität nicht viel gemacht hat. Als generell kritischer Beobachter solcher Bewegungen bin ich deshalb Informationen aus allen Ecken und Enden der Welt immer aufgeschlossen, weil ich finde, dass man niemals über etwas urteilen sollte, so man es nicht wirklich von “innen heraus” kennt.
Und genau da leistet Hannah unglaubliches: Eine Geschichte über die Frau, die maßgeblich dazu beigetragen hat, den Buddhismus verständlich zu machen und in der Welt zu verbreiten – und zwar aus “erster Hand”. Also keine Gerüchte oder Vorurteile, sondern reale Erlebnisse dokumentarisch aufgearbeitet und nicht heilig präsentiert, sondern durchaus mit provokanten Konfrontationen ausgestattet als Komplettpaket serviert, nach denen man zwar kein Buddhist ist, aber definitiv mehr Verständnis für diese Religion hat.
Was mir positiv aufgefallen ist: Der Friede, der hier oft an erster Stelle steht, verankert in den historischen Bewegungen dieser Zeit, wird auch im Film gut transportiert und auch als Religionskritiker ist man hinterher nicht angepisst, sondern fühlt sich erstaunlich gut informiert, weil eben auch die negativen Seiten dieser Religion nicht zu kurz kommen und schlussendlich alles Menschen sind, die überall ihre Probleme haben.
Damit erzählt man zwar über eine Frau, die dem Buddhismus ihr Leben gewidmet hat, behält aber trotz der religionslastigen Thematik eine wunderbare Objektivität, die aus Hannah meiner Meinung nach ein sehenswertes Stück Filmgeschichte macht, dass für mehr Verständnis und Liebe untereinander sorgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn man sich nicht großartig für Religionen und deren Ursprünge interessiert, ist diese Dokumentation in meinen Augen ungeheuer wichtig, da sie viel zur Völkerverständigung und dem friedlichen Miteinander-Auskommen beiträgt, in dem sie Vorurteile und Halbwissen durch Tatsachenberichte und Wissensschaffung beseitigt.
Besser kann man nicht an die Glaubens-Diversität herangehen, was Hannah zur sehens- und lobenswerten Dokumentation macht, die gerne viele Zuschauer in Empfang nehmen darf.

 
Nachspann
Sitzenbleiben zwecklos, gebt den Kinosaal zum Reinigen frei und nehmt euren Müll selbst mit raus.
Kinostart: 18. Januar 2018
Kinotermine: http://wfilm.de/hannah/kinotermine/

Greatest Showman

Fühler ausstrecken und da ist sie: Die Vermutung, dass ein Zeitalter angebrochen ist, in dem uns Kinogängern auch andere Formen der Kunst schmackhaft gemacht werden sollen – quasi das theatralische Mit-dem-Fuß-Aufstampfen in Richtung der Kunstbanausen, die sich nicht ins Theater oder Musical trauen, um ihnen diese Form geistiger Unterhaltung etwas schmackhafter zu machen.

Disney hat da in der Vergangenheit viel “mit Singen” gemacht und es gab hier und da auch ein paar andere Streifen, in denen die Darsteller eher trällernd und tanzend durch die Gegend geflogen sind, als sich – ganz normal – dem Plot zu ergeben und einfach zu schauspielern.

Berühmtestes Beispiel dafür aus jüngster Zeit ist wohl La La Land, welches an dieser Stelle aber nur schwer als Vergleichsobjekt hergenommen werden kann – aus folgenden Gründen:

La La Land hatte meiner Meinung nach noch ein klein wenig Geschichte. Es ging darum, etwas zu erzählen und dabei auch Tanzeinlagen und andere Songelemente einzubauen, die zwar sehr an Musical erinnerten, aber doch irgendwie noch als etwas anderes auf der Leinwand durchgingen.

Greatest Showman reißt hier ganz andere Töne an und offenbart sich eher als Plot-Versager….. äh Moment: Das heißt doch nichts schlimmes: Es ist nämlich tatsächlich ein Musical, das quasi mehr oder weniger ausschließlich für den Big Screen adaptiert wurde und nichts mehr mit Film im klassischen Sinne zu tun haben möchte.

Die Vorwärtsbewegungen finden hier ausschließlich in den Songs statt – wiederum auf eine unglaublich professionelle und galante Weise, die sowohl bestaunenswert als auch inhaltlich trächtig ist. Die erzählenden Momente dazwischen gibt es in dem Sinne nicht mehr. Dafür findet innerhalb eines Songs so unfassbar viel Handlung, Veränderung und inhaltliche Botschaft statt, und dazu mit noch so einer schwerwiegenden Moral und vorbildlich-ethischen Einstellung, die in meinen Augen ausschließlich bewundernswert ist.

Damit bildet Greatest Showman ein herausragendes Beispiel dafür, dass Leinwände nicht nur für erzählende Künste, sondern auch für andere Kunstformen herhalten können und das tatsächlich auch funktionieren kann: Die einschlägigen Berichte der Presse bisweilen sind ja ausschließlich positiv. Und das politische Statement, dass man hier mit prestigeträchtigen Namen wie Zac Efron, Hugh Jackman oder Zendaya inszeniert, ist es mehr als wert, in der Welt verbreitet zu werden.

.kinoticket-Empfehlung: Nutzt die Chance, euch diesen Film im Kino anzuschauen, denn für den Heimgebrauch auf kleineren Leinwänden ist der einfach nichts.

Klar kann man sich eine Zirkusnummer auch auf dem Handy anschauen, aber der Wow-Effekt bleibt dabei einfach aus und es mündet in einem müden Clip mit etwas scheinbar Großartigem.

Die Leinwand bietet hierfür die angemessene Fläche und sorgt dafür, dass man tatsächlich ins Staunen kommt, obwohl in dem Sinne eigentlich gar nicht so viel passiert.

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 4. Januar 2018

Original Title: The Greatest Showman
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6

Deepwater Horizon

“Oh mein Gott, nicht schon wieder ein Film, wo ein reales Ereignis verfilmt wird, das jetzt wieder bis aufs Blut ausgeschlachtet wird? Muss man wirklich alles zu Geld machen?”
So, oder so ähnlich könnte es einem ergehen, wenn man den Titel liest und sich Gedanken darüber macht, dass genau das eintreffen wird. Und der Trailer präpariert das Hirn zusätzlich mit amerikanischem Patriotismus, dem typischen Heldenmut und einer Story, die unter aller Sau ist.
Und tatsächlich, die ersten Sekunden des Streifens lösten im Kinosaal das blanke Entsetzen aus, keiner hatte wirklich Lust auf den Titel. Allgemeines Raunen ging durch die Reihen.
Sobald dann das Bild einsetzte, wurden die Stimmen leiser.
Und im Verlauf des Films saßen glaube alle mit offenem Mund betroffen schweigend da.
Was Deepwater Horizon in einer unermüdlichen und überzeugenden Weise generiert, sind Bilder, die deine Seele tief berühren. Nicht nur von den Kameraeinstellungen her, sondern die Eindrücke sind so gewaltig, dass wirklich jedem irgendwann der Atem stockt und man einfach nur gebannt auf das Geschehen starrt, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen davon abwenden zu können.
Die Bildgewalt, die hier auf einen runterprescht, ist teilweise so heftig, dass im Saal nur noch Totenstille herrschte und keiner auch nur ansatzweise etwas anzumerken hatte oder sich in irgendeiner Weise äußerte.
Auch die vom Trailer angeschnittene Heldenehre, die sich die USA so gerne auf die Fahnen schreiben, wurde so dezent eingesetzt, dass sie nicht auf die Nerven geht, sondern tatsächlich dem Geschehen den Raum lässt, den es verdient. Und die Momente sind abartig, das vermag man sich als Zeitungsleser oder Nachrichtenschauer gar nicht ausmalen.
Die Umsetzung ist wirklich erstklassig und imposant und hinterlässt bei jedem Kinosaalbesetzer tiefe Furchen im emotionalen Spielfeld. Und das ist gut so.
Auch wenn im Abspann wieder die übliche Dramatisierung für unterhaltsame Zwecke-Meldung aufkreuzt, so empfinde ich den Film dennoch als wichtig, aufklärend und lehrreich, denn man bekommt als Zuschauer nicht nur ein Ereignis bildhaft vor Augen geführt, das tatsächlich so passiert ist, sondern erhält auch ganz tiefe Einblicke in diesen Zweig der Wirtschaft und fühlt sich gewissermaßen ein Stück weit selbst mitverantwortlich für die Geschehnisse, da man als “Kunde” tatsächlich auch irgendwo dafür sorgt, dass derartige Unternehmungen überhaupt stattfinden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die tiefe Betroffenheit, die ehrliche Bodenständigkeit und das sanfte Dahinscheiden des amerikanischen Heldenpatriotismus machen aus diesem Film ein Stück wertvolle Geschichtsaufarbeitung, die die Menschen ehrt, die bei dem wahren Ereignis 2010 ihr Leben gelassen haben.
Ich würde sagen, der Trailer hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun und bete dafür, dass genügend Menschen über ihren Schatten springen und sich diesen Film ansehen – denn er ist es wirklich wert und trifft einen tief in seiner Seele.
Erstklassiges Kino, erstklassige Unterhaltung und eine wunderbare Geste von Kurt Russell an die Opfer des Unglücks.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf dann gern wieder nach draußen.

Eddie The Eagle – Eindrücke von der Pressekonferenz am 21. März 2016

20th Century Fox hat zur Pressekonferenz geladen und CinemaxX präsentiert eine Woche vorher dazu im Rahmen der Sneak Preview das deutsch übersetzte Finish des bereits rezensierten Meisterwerks Eddie The Eagle, der die unvergleichliche Geschichte des olympischen Ski-Springers mit dessen unermüdlichen Mut zur Selbstverwirklichung erzählt.
Ich hatte das Privileg und durfte im Rahmen der PK viele Eindrücke von den Schauspielern und vor allem dem echten Michael Edwards gewinnen und möchte euch nun an dieser Stelle ein paar Insider-Infos weitergeben, die ich im Zuge dessen aufgeschnappt habe.
Mit von der Partie waren Regisseur Dexter Fletcher, der originale Michael “Eddie The Eagle” EdwardsHugh Jackman, Taron Egerton, Iris Berben und jede Menge mediale Prominenz.
Iris Berben bemerkte, dass es sehr ungewöhnlich ist, wenn sie im deutschen Fernsehen untertitelt wird und sprach damit eine meiner größten Befürchtungen der deutschen Übersetzung dieses Films an, die sich irgendwo auch bewahrheitet hat: Die Sprachgrenzen-Jokes sind tatsächlich der Übersetzung anheim gefallen und finden sich somit nur in der Originalversion des Films wieder.
 

Iris Berben: “Die Magie dieses Mannes ist einfach: Er macht Mut. Er zieht einen mit, er reißt einen mit. Es ist tatsächlich möglich, gegen alle Widerstände etwas zu erreichen, und das ist natürlich eine gute Botschaft […] zu sagen: Trau dich, mach es, sei nicht konform, mach nicht alles, was von dir von anderen erwartet wird, sondern erfülle deine eigenen Erwartungen.”

 

Damit bringt sie den Kern des Films meines Erachtens nach bereits auf den Punkt. Eddie The Eagle spornt nicht nur dazu an, über sich selbst hinauszuwachsen, sondern lebt es mit einer beschwingten, komödiantischen und beinahe überdimensionierten Art und Weise vor, dass Hugh Jackman sich dazu genötigt sah, davon abzuraten, tatsächlich selbst auf die Rampe zu steigen und diese Sprünge zu wagen, man soll da sehr sensibel rangehen und gut darüber nachdenken, denn solche Sprünge können dich töten!

Auch Regisseur Dexter Fletcher bekräftigt, dass für ihn die Message der Glaube an sich selbst ist.

Michael Edwards hat sich gestern auf der Filmpremiere in Deutschland den Film bereits zum 5. Mal angeschaut und ihm kamen jedesmal die Tränen.

 

Michael Edwards: “I don’t need to understand the german to appreciate the moment in the film.”

“Ich brauch kein Deutsch zu verstehen, um den Moment im Film zu schätzen.”

 

Der bringt die Emotionen und Gedanken, die Hürden und Probleme und das Selbstengagement nämlich in einer visuellen Bildkraft rüber, bei dem nicht nur die Farben rauschend eingestellt sind, sondern der ganze Film eine gewaltige Schubkraft entwickelt, die einen selbst dazu antreiben, seine eigenen Ziele zu erreichen.

Hugh Jackman antwortet auf die Frage, ob der echte Michael Edwards mutiger ist, als er, mit den simplen Worten: “150%!” Er sprach u.a. darüber, dass man im Bonusmaterial von X-Men sehen kann, wie er schreit und weint und dass das alles nichts im Vergleich zu dem ist, was Michael Edwards auf sich genommen hat, um dieses Ziel zu erreichen. Er hat ihn gefragt, wieviele Knochen er sich in der Zeit seiner Laufbahn gebrochen hat und Edwards meinte zu ihm: “Frag mich lieber, wieviele ich mir nicht gebrochen habe: Drei.”

Taron Egerton implementierte, dass dieser Film keine forensische Untersuchung darstellt, sondern dazu designt wurde, zu inspirieren und dass sie von dieser Geschichte inspiriert wurden.

Dem Presseheft ist zu entnehmen, dass die Sprünge im Film durch sehr viel akkurate Kleinarbeit so aussehen, als hätten sie tatsächlich stattgefunden, diese Höhen jedoch von den Schauspielern aus Sicherheitsgründen niemals gesprungen wurden. Jackman kommentierte die Frage, ob er selbst je irgendeine Höhe gesprungen ist, mit den Worten: “Wenn Tom Cruise Bronson Peary gespielt hätte, hätte er die Sprünge durchgeführt.” (in Anlehnung an den irren Stunt, den er mit dem Flugzeug in Mission Impossible – Rogue Nation tatsächlich selbst gemacht hat).

Michael Edwards wurde gefragt, ob es in echt auch einen Coach wie Bronson Peary im Film gegeben hat, da diese Person aus strategischen Gründen eingesetzt wurde, um den “Flow” des Films besser voranzutreiben. Edwards antwortete: “Ich wünschte, ich hätte so einen gehabt.”

Er hat in seiner Skispringer-Karriere 20-30 Coaches gehabt und ihm war egal, ob es ein Schulteam, regionales Team, nationales Team war. Er hat einen Trainer gehabt, der 12 Jahre alt war. Er hat mit Amerikanern, Kanadiern, Japanern, Österreichern, Deutschen, Franzosen, Schweizern, Norwegern und vielen Nationalitäten trainiert und immer versucht, so gut zu springen, wie er konnte.

Dexter Fletcher entgegnete auf die Frage, wieso es 20 Jahre gedauert hat, bis jemand einen Film über eine so unglaubliche Geschichte wie Eddies Leben gedreht hat, mit den Worten: “We have to wait for Taron to be born […]” – “Wir haben darauf warten müssen, dass Taron geboren wird…” – der meistert die Authentizität nämlich mit bemerkenswert großer Schauspielkunst.

Aus Gesprächen zwischen anderen Medienvertretern konnte ich entnehmen, dass Michael Edwards zur Filmpremiere darüber sprach, dass er sich selbst auf der Leinwand wiedererkannt hat und die Verhaltensweisen und Mimiken von Taron Egerton unglaublich authentisch und real die Persönlichkeit von ihm widerspiegeln. Und ehrlich gesagt war das auch ein Punkt, bei dem ich Egerton eine unglaublich gekonnte Schauspielleistung zuspreche, denn die Mimik von ihm allein ist es wert, sich diesen Film näher zu betrachten. Einsame spitze!

Jedoch sei der Film erst heute in diesen Dimensionen möglich geworden, weil die Technik dazu ausgereift ist und früher ein solcher Aufwand kaum zu schaffen gewesen wäre, um diese Geschichte derart authentisch zu transportieren.

Michael Edwards wurde gefragt, woher er all seine ganze Kraft genommen hat, warum er niemals aufgegeben hat. Seine Antwort: “I don’t know. I guess from my parents, my grandparents […] I always as a child had to push myself.” – “Ich weiß es nicht. Ich vermute von meinen Eltern, meinen Großeltern … Ich musste mich als Kind immer selbst antreiben.”

 

Dexter Fletcher:Eddie the Eagle is for me one of my greatest achievements.”

Eddie the Eagle ist für mich eine meiner größten Errungenschaften / Erfolge.”

Iris Berben: “Eddie the Eagle is for me … ein ganz großer Glücksgriff gewesen. […] ich habe einen winzigen Part. Es ist wirklich nichts, wo ich sagen möchte, das ist in meiner schauspielerischen Tätigkeit jetzt etwas ganz besonderes, aber es wurde etwas besonders, weil ich an einem Film beteiligt bin, den ich für einen ganz ganz wunderbaren Film halte, der ganz viel erzählt, der ganz viel Leute ins Kino bringen sollte, finde ich, gerade in einer Zeit wie heute, und ich denke, er hat etwas warmes, er hat etwas zufriedenes und das ist in einer Zeit wie heute – glaube ich – ein ganz schöner Zustand, warum man ins Kino gehen könnte, sollte und muss.

 

Und damit trifft diese Frau wieder mal den Kern der Sache und spricht aus, was meine wortlosen Gedanken waren, als ich aus dem Kinosaal der Pressevorführung raus spaziert bin und irgendwie mit dem Gesehenen klar kommen musste.

Also gönnt euch die Freude, ladet all eure Freunde, Familie und Bekannten dazu ein und genießt die Verfilmung eines Menschen, der uns allen ein Vorbild mit dem ist, was er in der Vergangenheit geleistet hat.

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