Weihnachten

All posts tagged Weihnachten

Der Grinch
© 2018 Universal Pictures International

 

Disney hat’s vorgemacht, der Rest tut ihnen gleich: Vor dem Hauptfilm werden ab jetzt immer öfters Kurzfilme gezeigt, die sowohl in der Presse als auch in allen regulären Vorstellungen eingespielt werden. Coole Sache, denn diesmal trifft es mit Illumination natürlich die Minions auf der Flucht – ein Hochkaräter, der das .kinoticket bereits lohnenswert macht und für die richtige Stimmung vor dem Hauptfilm sorgt.

Dies wäre aber gar nicht nötig, denn Der Grinch erzeugt nur in vorurteilsbehafteten Köpfen lautstarkes Gähnen… Ich mein: Klar, es ist Weihnachten, was auch immer mit diesem Miesepeter verbunden ist, grün, Jim Carrey und allerlei Blödelei, die man nicht mehr sehen kann und wer dann noch Benedict Cumberbatch weiß und auf den deutschen Plakaten Otto liest, dem dürfte der letzte Appetit auf dieses Filmhäppchen auch noch vergangen sein.

Kein Ding – ging mir genauso. Ich hörte schon Ottos markante Lache den ganzen Film über in meinem Kopf nachhallen und dachte mir: Wieso?

… bis ich dann den Streifen tatsächlich sah und vor Lachen nicht mehr konnte.

Illumination ist kein Label, dass bislang keine Erfolge vorweisen kann, sondern die Jungs haben’s immer noch extrem drauf. Die Jokes sind teilweise so erstklassig, dass man sich zwanghaft beruhigen muss, um nicht die drei Nachfolgenden zu verpassen. Und wenn man jemanden rein schleppt, der absolut keine Ahnung hat, dann fällt gar nicht großartig auf, dass Otto das Ding synchronisiert hat: Der Mann hat dermaßen Eier bewiesen, wofür ich ihm riesigen Respekt zolle. Sich so “normal” verstellen zu können und sämtliche Typus-Markanzen von sich abzulegen ist eine Meisterleistung, die hier sagenhaft funktioniert hat! Großartig!

Doch nicht nur dies, sondern auch die altbekannte Animationszeichnung, die aus dem Hause Illumination bekannt ist, sorgt für jede Menge Heiterkeit und die Einfälle, mit denen hier groß und klein unterhalten werden, gehören auch in die Top-Schubladen, die dieses Filmbusiness hergibt.

Das Schöne ist: Man kann ihn sich wieder und wieder ansehen – es bleibt einfach spannend und macht auch beim vierten Mal immer noch ungemein Spaß, die Feldzüge gegen den weihnachtlichen Irrsinn in diesem bunten Motzgewitter untergehen zu sehen.

Dass dabei auch noch emotional getanzt wird, man sich zeitweilig vor Rührung kaum bewegen kann, gehört nebenbei noch zu den Gewinnen, die die Eltern erziehungsmäßig für ihre Kinder miteinkaufen: Die Moral von der Geschicht’ glänzt nämlich mit vorbildlichen Zügen – nicht umsonst hat dieser Film das Prädikat “wertvoll” eingeheimst!

 

.kinoticket-Empfehlung: Lirum, larum – wer schon kennt und was befürchtet – dem sei gesagt: Alles ist anders und zehntausendmal besser!

Versteckt die Vorurteile gegenüber der Geschichte, dem “immergleichen Erzähltsein” und den angeblich falsch gewählten Synchronisationstalenten: Hier wird hochkarätige Arbeit abgeliefert, die in meinen Augen DEN Film für diese Jahreszeit schlechthin auf die Leinwand bringt: Besser geht’s grad nicht!

Moral, Emotion, Miesepetrigkeit und Otto als Sychnronstimme: Illumination packt wieder ein großes Geschenk auf den Tisch und sorgt für jede Menge Spaß und Freude bei groß und klein. Geht bedenkenlos rein, eure Kinder werden “gesünder” wieder aus dem Saal rauskommen.

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben, der ist nämlich wunderbar animiert.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Dr. Seuss’ The Grinch
Length: 89 Min.
Rate: FSK 0

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
© 2018 KSM

 

Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

IMG_4312
 
Was für ein fulminantes Jahr!
Doch ich möchte mich gar nicht in Rückblicken verzweigen, sondern alle neuen Besucher herzlich willkommen heißen. Mein Dank gilt gleichermaßen allen treuen Freunden dieses Blogs – es ist der Wahnsinn, was ihr mittlerweile aus diesem Projekt gemacht habt.
Ein ganz ganz großes Dankeschön geht auch an all die unermüdlichen Helfer und Presseveranstalter, die mit ihrem intensiven Einsatz und ausdauernder Arbeit dafür sorgen, dass jeder von uns immer mehr Filmmaterial zu Gesicht bekommt. Ich habe mich im vergangenen Jahr über jede einzelne Einladung gefreut, auch wenn ich längst nicht jede wahrnehmen konnte.
Und natürlich geht ein dickes, fettes Danke an all die großartigen Filmemacher, denen wir unfassbar viele Stunden puren Kinogenuss verdanken – macht einfach weiter damit!
 
Die Weihnachts-Toplist
Natürlich ist an Heiligabend auch im Kino abends kein Licht mehr an, da auch diese Mitarbeiter Familien und Freunde haben, mit denen sie ihr Weihnachten verbringen möchten. Aber morgen geht’s schon wieder weiter und daher hier noch eine kleine Empfehlungsliste meiner besten Filme, die man sich rund ums Fest dieses Jahr anschauen kann:
 

Platz 1: La Mélodie – Der Klang von Paris – Eine berührende und wahre Begebenheit
Platz 2: Eine bretonische Liebe – Voller Sinn für Familie und emotionale Beziehungen
Platz 3: Paddington 2 – Der süßeste und liebste und lustigste Film aller Zeiten
Platz 4: Coco – Lebendiger als das Leben – Tragisch, emotional und herzallerliebst
Platz 5: The Killing of a Sacred Deer – Schräg und daher eine prima Alternative
Platz 6: Dieses bescheuerte Herz – Spaßig und ergreifend zugleich
Platz 7: Madame – Französischer Witz und karikative Verbissenheit
Platz 8: Bo und der Weihnachtsstern – Eine gelungene Weihnachtsgeschichte
Platz 9: Liebe zu Besuch – Für die einsamen Romantiker
Platz 10: Star Wars – Die letzten Jedi – Wem das auf unserem Planeten alles zu viel ist…

 
Und damit entlasse ich euch an den Christbaum: Feiert, lasst euch reich beschenken und gebt die Liebe im kommenden Jahr permanent an andere weiter – nur so schaffen wir es, das Böse permanent zu besiegen.
Euer Ben von www.kinoticket-blog.de

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , . Leave a Comment

Weihnachten ist die Zeit der Familien. Und damit auch die Zeit, in der wieder der ganze familiäre Quatsch ausgepackt und auf die Leinwand geschmissen wird: Bad Moms 2, Girls Trip und dazu gehört dann auch Daddy’s Home 2.
Aus dem nicht so prickelnden ersten Teil, der scheinbar genügend Erfolge abgeräumt hat, schloss man in Hollywood, dass dieses Jahr eine Fortsetzung folgen muss, die die Geschichte fortführen und zusätzlich exponieren soll.
Dies ist, betrachtet man das Kinopublikum in den Preshow-Sälen, auch sehr wohl gelungen. Ob die Lacher nun ob der Doofheit mancher Teilnehmer oder tatsächlich aus Unterhaltungsgründen stattfanden sei irrelevant: Der Coup ging wohl auf. Auch wenn mir die Schwarmintelligenz der Truppe eher weniger zusagt und ich darin vielmehr eine absolut synchrone Männerversion von Bad Moms 2 gesehen habe, die Stück für Stück abarbeitet, wodurch sich kürzlich die weibliche Filmriege durchgebissen hat.
Auch wenn die Botschaft mehr oder weniger wieder dieselbe ist wie in allen anderen Filmen dieser Klassifikation auch – man darf diesen Film gerne als Klischeemeisterwerk seiner Zunft einsortieren – und hat dann im Kino vielleicht sogar unerhofft viel Spaß beim Schauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich für meinen Teil empfand ihn eher schmalzig und kann mich für diese Art von Humor weniger begeistern, der zwar viel Lärm produziert, aber nicht wirklich auf lebensverändernden Pointen fußt.
Das allgemeine Kinopublikum hat aber Spaß dabei und der sei jedem einzelnen von euch sehr wohl vergönnt.
Also schaut euch den .trailer an und entscheidet auf Basis dessen – die Bissigkeit von Mel Gibson nervt zwar zuweilen, tut aber ansonsten ihr übriges, um den Film immer wieder emporzuheben.

 
Nachspann
Komisch, aber bitteschön, der ganze Film ist nicht ganz so ernst zu nehmen. Das Rausstürmen darf man sich aber getrost sparen.
Kinostart: 7. Dezember 2017

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Wer an Bad Moms denkt, dem tanzen doch sofort Bilder der neuartigen Möchtegern-Power-Party-People im Kopf rum, also die Sorte Film, die brutal hart auf feier-jugendlich macht, obwohl der Hauptanteil der Darsteller-Charaktere längst den Zenit von “Party” überschritten hat.
Solcher Art “Gute Laune-Unterhaltung” ist bei mir in der Vergangenheit immer unten durch gewesen und ein zweiter Teil macht sowas nicht sonderlich besser.
Dazu kommt das unübersehbare Thema Weihnachten, das schon in Office Christmas Party einen mega schlechten Eindruck hinterlassen hat und schon ist die Kinolaune tiefer als der Keller.
Und weil’s alles Frauen sind noch ein bisschen Gender-Wahnsinn dazu und fertig ist die schlechteste Komödie des Jahres.
Soweit mal zu meiner Vorstimmung. Erwartungen also unter aller Sau und der Kinosaal gespickt mit Kindern jenseits der 14 – abwärts.
Und dafür muss ich sagen, war der Film verdammt gut. Die Grundbotschaft aller dieses Jahr erschienenen Christmas-Filme war ja irgendwie immer, dass man genug von der Scheiße hat, die jedes Jahr zu dieser Feierzeit veranstaltet wird – und bereits der .trailer ließ ja anmerken, dass man auch hier keine Ausnahme von dieser Message machen würde.
Was aber vorher nicht so offensichtlich mitgeteilt wurde: Teil zwei basiert nur auf den Charakteren aus dem ersten Film und stellt somit keine wirkliche Fortsetzung dar, sondern ist viel viel besser als erwartet. Dieser Zinnober mit “Wir müssen jetzt zwingend witzig sein und cool noch oben drauf” findet überhaupt nicht statt, sondern die Damen waren erfrischend sympathisch und viel freier von solchen Allüren als vorerst angenommen.
Klar braucht man an dieser Stelle nun auch kein übermäßig anspruchsvolles Stück erwarten, dass in jederlei Hinsicht punktet und der Renner des Jahres wird, aber für die Erwartungen und Vorraussetzungen, unter denen man Bad Moms 2 bekannt gemacht hat, war die Show überraschend angenehm.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Erwachsene wohl eher zu anspruchslose Kost, auch wenn der Film insgesamt wesentlich sympathischer und angenehmer rüberkommt, als man vorerst glauben mag.
Die grundsätzliche Moral ist wohl vertretbar, dafür hinkt Bad Moms 2 aber noch zu sehr an seinen Klischees und bietet zu wenig Überraschendes oder Neues. Halt einfach “just another christmas movie”.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf den Saal also mit der Schwarzblende verlassen.
Kinostart: 9. November 2017

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Schaut euch das Kinoplakat an, dann bekommt ihr einen ziemlich treffenden Einblick darüber, was dieser Film darstellen will – wobei man Michael Mittermeier deutlich herausheben muss, denn seine Sprechrolle im Film ist gigantisch und passt total.
Der Rest hebt sich nicht sonderlich von den üblichen Mainstream-Kinderfilmen ab, die eben vor Weihnachten quasi immer von der Stange produziert in die Kinos geworfen werden, um die Familien mit irgendeinem Weihnachtskruddel zu unterhalten….
Zumindest könnte man das denken, wenn man jetzt weiter in Vorurteils-Beuteln rumwühlt und etwas daraus hervorkramen möchte.
Mir hat der Film in seiner Essenz nämlich sehr gut gefallen, weil wir genau dieses Problem haben: Es ist nichts neues mehr für diese Zeit vorhanden, dass man Kindern und Jugendlichen noch vorsetzen könnte, dass sie nicht schon zum 1000sten Mal gehört, gelesen oder gesehen hätten. Und genau hier setzt man mit Hexe Lilli rettet Weihnachten an und überbringt eine Botschaft, die den Konsumwahn und das Rumgeeiere zu Weihnachten wieder etwas eindämmt und uns zurück zu den Wurzeln führt, für die diese Tage ursprünglich mal gedacht waren.
Dabei zählt dann eben nicht mehr das Geschrei von kleinen Kindern nach kapitalistischer Aufmerksamkeit oder anderer Firlefanz, den sich irgendwer mal irgendwann ausgedacht hat und bei dem die Meute mittlerweile nur noch augenrollend durch den Dezember stolpert und sich quasi den Content von Bad Moms 2 wünscht, um dem ganzen Trubel zu entgehen, sondern man versucht, den Kindern wieder einzuimpfen, was Weihnachten tatsächlich bedeutet und worauf man wert legen sollte – und das auf eine sehr einfühlsame und lehrreiche Art und Weise.
Und dafür: Daumen hoch und eine klare Sichtungsempfehlung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die meisten Eltern sind im Endmonat des Jahres sowieso oft mit Entscheidungen überfordert – daher spreche ich hier mal eine klare Empfehlung aus, wenn’s darum geht, was man sich vor Weihnachten mit der Familie im Kino besehen möchte.
Hier wird nicht nur spannende Unterhaltung geboten, sondern man rechnet mit der wütenden Raserei ab, die sich rund um dieses Fest gebildet hat und führt die Kleinsten wieder zurück zu den wahren Absichten, für die diese Feiertage ursprünglich mal gedacht waren. Und damit meine ich nicht irgendwas Religiöses.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende darf man also gern nach draußen.
Kinostart: 9. November 2017

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Bryan Cranston ist spätestens seit Breaking Bad ein Publikumsmagnet und begeistert in seinen Rollen immer wieder eine Schar seiner Fans. Wo er früher in Malcolm Mittendrin noch eher die unsichere Rolle dargestellt hat, zeigt er in Why Him?, dass er längst aus dieser Unbeholfenheit entwachsen und in seiner Glaubwürdigkeit ungeschlagen ist (Ja, das hat er in Breaking Bad schon bewiesen …).
Das ihm hier aufgeschusterte Rollenbild stellt er nicht nur perfekt dar, sondern symbolisiert damit schon fast den rettenden Fels in der Brandung, den man im Verbalgaggewitter von James Franco und dessen absolut übertriebener Verrücktheit durchaus braucht, um diese zartlinige Odyssey humoristischen Ausmaßes heil zu überstehen.
Dabei schlägt sich Why Him? weit über dem Niveau deutscher Comedy, auch wenn die Ausflüge oberhalb der Grenzen des guten Geschmacks kaum dominieren. Gerade am Anfang des Films bombardiert man mit einem Gag-Feuerwerk, dass ebenso schrägt wie funktionell ist und damit garantiert die Masse erreicht. Und das erstaunlicherweise nicht auf Fremdschäm-Niveau, sondern durchaus mit Stil und Charme, während der Zuschauer auch hier wieder permanent aus der Wohlfühlzone gekickt wird.
Damit treffen die Macher durchaus den Nerv der Zeit und beweisen, dass selbst das rabiate Sprachbild unserer Generation mit Stil durchleuchtet und gewissenhaft wiedergegeben werden kann, ohne dabei den Intellekt älterer Zuschauer zu vergrämen.
Im weiteren Verlauf des Films verzahnt man sich dann hier und da mit ein paar Längen, wird zeitweise ernster und erinnert sich stellenweise wieder an das Cindy aus Marzahn-Niveau, das allerdings immer wieder abgefedert wird und somit nie richtig zur Geltung kommt. Der Film funktioniert, wenn auch nicht in der Oberklasse sehenswerter Filme.
Sei’s drum: Im Publikum kam er an und überzeugte mit einer überragenden Mehrheit bei den Bewertungen der Sneak-Preview und sorgte somit für positive Stimmung selbst außerhalb der Kinos. Denn: Sogar in den U-Bahnen wurde anschließend fröhlich weiter darüber diskutiert und Späße gerissen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mehr als einmal würde ich ihn mir jetzt auch nicht anschauen, die Witze sind aber durchaus gelungen und treffen moderat den Geist der Zeit.
Das Zusammenspiel zweier Extreme wurde hier wunderbar miteinander verwoben, endet schließlich aber in einer etwas ernstzunehmenderen Länge, die sich zeitweise wirklich zieht.
Das gibt dem Film jetzt nicht den Todesstoß, jedoch spürt man, dass zum Schluss die Luft irgendwie raus ist.
Nichtsdestotrotz ist der Ausflug in diese Welt durchaus als sehenswert zu bezeichnen und erfreut ab Donnerstag hoffentlich auch ein paar mehr Kinogäste.

 
Nachspann
sollte mitgenommen werden, denn hier kommt noch ein bisschen was.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

ZDF lässt grüßen. In Sachen Altbackenheit. Traditionell. Opa-Flair. Dazu noch zweitklassige Animationen und fertig ist ein Film, der höchst seltsam anmutet und hier die Kinderschar begeistern will.
In der Kinderbuchwelt scheinbar wieder ein etabliertes Werk, das man als Elternteil kennen sollte (Gottseidank hab ich keine Kinder) und von dem es schon einige Vorläufer und Serien gibt. Ändert nichts daran, dass der Film irgendwo nicht zünden will.
Zielpublikum sind hier wohl die 4jährigen, die eine Geschichte rein instinktiv über die Momentaufnahmen einiger Bilder wahrnehmen und sich den Rest mit ihrer kindlichen Fantasie dazu ausmalen. Oder man wirft etwas ein und schaut sich das Teil auf einem Trip an, das könnte dann auch spannend werden.
So bleibt hier eine Verniedlichung, die kaum auszuhalten ist und rein gar nichts mit der Realität zu tun hat. Allerhöchstens mit der des ZDF – ich weiß es nicht. Ich zumindest hätte meinen Namen nicht für so etwas hergegeben. Und als Familienfilm taugt der auch nur, wenn man sich hinterher heftig mit der Jugendfraktion auseinandersetzen und zerstreiten möchte, weil der Tag im Arsch ist.
Ja, hier sollen Werte vermittelt werden, die mit Freundschaft, Familie, Hilfe und anderen Dingen zu tun haben, aber das Umfeld ist derart surreal, dass ich an dieser Stelle noch nicht mal von einem Lerneffekt durch eine eindrückliche Moral sprechen will, sondern mich eher zügeln muss, damit keine Aggressionen hervorbrechen, die in breiten Kotzattacken enden.
Es war schwierig, den Film bis zum Ende anzusehen und es ist noch schwieriger, darüber zu schreiben, ohne mich strafbar zu machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ihr zur rollkragenpullovertragenden farblosen Generation gehört, die nach Omi-Parfum stinkt und bei denen die Moderne komplett ausgeschlossen ist, euch Schmonzetten absolut nichts ausmachen und ihr keine gute Moral wollt, sondern einfach nur eine Geschichte, die hinterm Mond anzusiedeln ist, dann geht hier rein.
Ganz im Ernst: Ich liebe Weihnachten und mach diesen ganzen scheiß Kitsch mit, weil es mir was bedeutet, einfach mal ein paar Tage im Jahr nachdenklicher zu werden und sich allgemein zu beruhigen.
Aber damit es ein schönes Weihnachten wird, werde ich alles dafür tun, um diesem Film so fern wie möglich zu bleiben. Anders kann ich es für mein Empfinden an dieser Stelle nicht ausdrücken. Sorry ZDF.

 
Nachspann
Ob es sich lohnt, hier zu warten, ist fraglich, denn die Sequenz ganz am Schluss ist … nichtssagend. Hm.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Die Masse braucht Stoff. Stoff, um an Weihnachten unterhalten zu werden. Man nehme eine Portion von etwas, das jeder kennt (“Die Coopers”) und einen passenden Rahmen dazu (“Weihnachten”) und bastle daraus eine Komödie, die die Massen ins Kino zieht und den Machern zu jeder Menge weihnachtlicher Kohle verhilft.
Das zumindest vermittelt der Trailer, wenn halbherzige Witze wieder und wieder wiederholt werden und damit schon partout nach wenigen Sekunden Langeweile erzeugen und vorführen, dass man es hier wohl mit einem etwas anstrengenderen Werk zu tun kriegen wird.
Anstrengend wird es – aber nicht so, wie anfangs gedacht. Die Anstrengung liegt eher darin, dass hier nicht der falsche Inhalt angeteasert wurde, sondern das falsche Genre: Statt Komödie erwartet einen eine eher ergreifend-trächtige Tragödie, die die Geschichte einer Familie durchleuchtet, die mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat als dem weihnachtlichen Traditions-Zusammenkommen.
Nach einiger Zeit macht das charakteristische Aufschlüsseln der einzelnen Familienmitglieder sogar richtig “Spaß” (obgleich das Wort in diesem Zusammenhang wohl eher missgünstig gewählt ist) und die Tiefe, in die man dabei vordringt, bricht einen Damm vorurteilsbehafteter Einstellung und lockert die Atmosphäre etwas auf.
Es ist halt Weihnachten und irgendwie bekommt man das Gefühl nicht los, dass die Macher dieses Thema zwanghaft aufarbeiten mussten, um vom cineastischen Weihnachtskuchen auch ein Stück abzubekommen. So richtige Adventsstimmung taucht auf jeden Fall nicht auf und das Lachen bleibt selbst dem gediegenen Comedy-Liebhaber sanft im Halse stecken.
“Bis jetzt ist es eher eine Tragödie.” sprach mein Nachbar zu mir … und meinte damit das Genre des Filmes, was man – unter uns – auch auf das Machwerk als solches projizieren könnte. Zwar hat man hier schon liebevoll gearbeitet und lässt den Personen irgendwo ihren Raum, um sich selbst zu entfalten, allerdings sind entweder die Charaktäre zu schräg, um damit bei der Zuschauerschaft anzukommen, oder die Story als solches einfach zu blass, um mit irgendeinem filmischen Phänomen auf der Bildfläche aufzutauchen.
Auf jeden Fall wandert man mit einer gleichgültigen Haltung wieder aus dem Kino. Die Lachen-Woller mit enttäuschter Miene, weils kein Comedy war, die Weihnachts-Fuzzis, weil kein Weihnachten auftaucht und die Standard-Movie-Gänger, weil nicht so wirklich eine Geschichte erzählt wurde. Es ist eben wie bei fast allem heute: Man erwartet alles ein bisschen, kriegt das dann auch, dafür aber eben nur so la la und nicht mehr wie in guten alten Zeiten, wo man sich auf die Ansagen auf der Verpackung auch verlassen konnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich auf tummelnden Weihnachtsmärkten aufhält, den Kaufrausch der kapitalisierten Wachstumsgesellschaft mitmacht und dabei dann nach ein wenig Ruhe und Runterkommen sucht, der darf sich gerne die Laufzeit über in den Kinosaal verkriechen und seine Seele zur Ruhe kommen lassen.
Das nämlich ist eines der Dinge, die dieser Film wahnsinnig gut kann: Er erschreckt nicht, er weckt nichts in einem und er fordert nichts – keine geistigen Anstrengungen, keine zerreißenden Muskeln, keine Anspannung. Man kommt einfach nur runter und hinterlässt ein fades Gefühl der Ruhe in den Herzen der Zuschauer, wenn diese den Saal wieder verlassen.
Einmal mehr ein Beweis dafür, dass das kitschige Weihnachten, wie man es bislang kannte, irgendwo am Aussterben ist und diese Facette nun auch im Kino offensichtlich zur Schau stellt.

 
Nachspann
nach traditioneller Manier: Hier wird familiär weitergefeiert, bis zum letzten Atemzug.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Humor ist so eine Sache. Die einen mögen, was die anderen hassen – und vice versa. Bei schwarzem Humor sieht es da schon ein klein wenig anders aus, mit dem kommt man zurecht – oder eben nicht.
Wenn darum dann noch ein herrlich wüster, irrwitzig schräger Film gebastelt wird, der sich nicht mit den Rühmlichkeiten des zunichte gemachten Weihnachtsfestes abgibt, sondern eher den dunklen Schatten das Feld räumt, dann erhält man einen Film, der in meinen Augen der beste Weihnachtsfilm dieses Jahres überhaupt ist: Krampus.
Schon der Trailer ließ mein Herz vor Freude zucken, denn ich steh auf Horror, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt und man nicht vor billige Tatsachen gestellt wird, mit denen man sich abzufinden hat.
Krampus macht hier den Unterschied, indem man einfach jegliche Normalität wegnimmt und so dermaßen über den Rand hinausschießt, dass es nicht mehr lächerlich, sondern beängstigend real und vor allem fast schon tiefgründig zur Sache geht. Trotz des Irrsinns knistert hier eine ernstzunehmende Authentizität durch den Raum, die sich eben nicht mehr nur um eine Saga aus südlichen Gefilden unserer Breitengrade dreht, sondern ein Stück weit mehr sein will … und auch ist.
Es gab Szenen, bei denen ich mir dachte: “Endlich räumt mal jemand mit dem Verkorkstsein des wirtschaftlich und religiös zunichte gemachten Weihnachtsfests auf und richtet die Dinge wieder gerade.” Keine Einkäufe, kein Geldausgeben, kein Zwangsschenken, keine liebe heile Welt, obwohl man sich das ganze Jahr über nur anschreit und eigentlich alles im Argen liegt – sondern reinen Wein in volle Gläser.
Die Ehrlichkeit, mit der die Thematik hier angegangen wird, ist Balsam für das zerschundene Seelenherz, dass sich tief drin eigentlich sehr nach einer Welt sehnt, die in Ordnung ist. Insofern ist es fast erlösend, wenn die Kacke dann so richtig am Dampfen ist und man mit wunderbar überzogenen Effekten und derartig abstrusen Ideen durch den Kakao gezogen wird und währenddessen weder von Schauspielern noch Machern von einer bitterbös-schwarzen Ironie abgewichen wird. Die Trockenheit, mit der die überdrehten Witze rüberkommen – poetisch!
Die Eskalation, in der die Geschichte schon fast zu Beginn mündet, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen und gleichzeitig so ernst, so “echt”, so non-unrealistisch – kein Plan, wie man das auf die Reihe gekriegt hat.
Gefeiert hab ich auch am Schluss, als endlich mal eines der Filmenden auf dem Tisch lag, von dem ich seit Jahren träume. Ein Paukenschlag, ein Finale, das nicht nur wunderbar zu diesem Film passt, sondern fast 1:1 meinen Lebenstraum eines Filmendes widerspiegelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte viel Toleranz und Handlungsspielraum im Schädel mitbringen und den Film nicht anhand von anderen bewerten wollen, denn das ist nicht möglich.
Krampus liefert schwarzen Humor reinster Güte verbunden mit der Entwirrung des ganzen Christmas-Wahnsinns in einer Geschichte, die ganz zum Schluss einfach nur Sinn ergibt und mit ihrer Botschaft – sofern man sie versteht – ganz tief drinnen ankommt.
Für mich einer der besten Weihnachtsfilme überhaupt, bei dem man allerdings nicht popcornmampfend dasitzen und sich unterhalten lassen kann, sondern ganz genau hinsehen und vor allem zuhören muss.
Wer das tut, der geht hinterher auch gern nochmal rein, denn irgendwie wirkt die “dunkle Magie” auf ihre ganz eigene Weise. Der zynische Charme versprüht allzeit weihnachtliche “Wärme”.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf getrost nach draußen springen.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment