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Tag: Western

The Last Movie

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© 2018 Rapid Eye Movies

Zuallererst mal: Happy New Year! Ich hoffe, ihr seid alle gut ins 2019. Zeitalter gerutscht und habt den Jahreswechsel gebührend gefeiert.

Inzwischen driften die Meinungen ja auseinander, ob man solch ein Ereignis feiern möchte oder nicht – ob man Böller zünden möchte, oder nicht – ob diese Form der Festlichkeiten noch angebracht ist oder nicht …

Ja, es gibt durchaus berechtigte Gründe, hier zu mosern. Meine Meinung? Überlasst das Feuerwerk den Pyrotechnikern und veranstaltet ein einziges – dafür umso größeres, und wer keinen Bock drauf hat, geht eben nicht hin.

Aber schafft dieses Fest nicht ab: Es ist immerhin eines der wenigen global-gemeinsamen Traditionen, denen in Sydney genauso gehuldigt wird, wie auf den Malediven oder im böhmischen Land. Und gerade eine dieser wenigen Gemeinsamkeiten sollte man definitiv nicht abschaffen.

The Last Movie ist auch nicht der letzte Film hier, sondern eher der erste, dem ich mich im neuen Jahr widmen möchte. Seinerzeit auf dem Film Festival Venedig mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet bringt man dieses Werk nun digital remastered zurück ins Kino und lässt damit den Geist von 1971 wieder aufleben!

Jap, der Inhalt dieses Streifens hat satte 48 Jahre auf dem Buckel und wurde bislang von ziemlich wenigen gesehen – mir eingeschlossen. Vom nächsten großen Blockbuster brauchen wir an dieser Stelle also gar nicht reden.

Vom “größten Mist aller Zeiten” aber genauso wenig. Vielmehr gibt dieser Streifen eine Menge Rätsel auf und gräbt in den Untiefen cineastischer Geschichte. Hier treffen nämlich absonderliche Berühmtheiten aufeinander und erzählen eine sehr seltsame Story, die selbst Hollywood Jahre beschäftigt hat und die meines Erachtens auch betrachtenswert ist. Nicht allein deshalb, weil der Inhalt durchaus sehr selbstkritisch und auch sehr antipathie-hegend dem Kino gegenüber ist – zumindest dem westlich-kommerziellen Sektor, der auch hierzulande einen Großteil aller Schauspiele ausmacht.

Dass das mit einigem an geistiger Denkarbeit einhergeht, versteht sich von selbst. Auch die Effekte sind 48 Jahre nach ihrem Entstehen durchaus sehr beeindruckend, zumal hier einmal mehr deutlich wird, mit welcher Raffinesse man damals noch am Wirken war, um den Zuschauer zu beeindrucken. Kein CGI, keine hyperlastigen Space-Moves, sondern ehrliches, richtiges Kino.

Und das – gepaart mit dem Feeling, einmal selbst beim Filmdreh dabei zu sein – ergibt einen Flair, der auch im Jahr 2019 noch begeisterungswürdig ist und hoffentlich den ein oder anderen ins Independent-Kino lockt, denn The Last Movie dürfte tatsächlich ausschließlich dort zu finden sein.

.kinoticket-Empfehlung: 48 Jahre ist die Entstehung her – und heimste damals gleich den Kritikerpreis ein – Dennis Hoppers The Last Movie.

Back to the roots – möchte man meinen: Der Autor entführt ob seiner Zeit zurück an die Anfänge allen Seins und zeigt einmal mehr, was damals bereits möglich war und welch starke Kraft im Geschichten erzählen liegt.

Für die technologisierte Zukunftswelt ein interessanter Einblick in das Schaffen von damals, den man sich gerne auf der großen Leinwand gönnen darf.

Nachspann
❌ Die gute alte Schule: So etwas wie eine Leinwand-Zugabe gab es damals noch nicht. Rausgehen also erlaubt.

Kinostart: 27. Dezember 2018

Original Title: The Last Movie
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Mein Name ist Somebody

Wer kennt sie nicht – Terence Hill & Bud Spencer, letzterer bereits im glückseligen Western-Himmel. Die beiden werden oft als italienische Stars des Spaghetti-Westerns gefeiert, dabei kommt Hill ursprünglich aus der deutschen Stadt Lommatzsch nähe Dresden und heißt eigentlich Mario Girotti. 1945 hat er mit seiner Familie Deutschland verlassen und ist nach Italien gegangen.
Kaum zu glauben, dass so eine Filmgröße nach so langer Zeit den Weg auf die Leinwand zurückerobert, aber es war längst überfällig, dass er nochmal auf die Bildfläche treten musste, da die ganze Welt mit dem Tod von Bud Spencer einen tiefen Schlag erlitt und sein langjähriges Herzensprojekt somit gleichzeitig die Verarbeitung vom Abschied seines besten Freundes ist.
Diese tiefsitzende Trauer spürt man zu jeder Sekunde. Es ist, als wäre Hill aus seinen einfachen Western in die moderne Welt getreten und würde nun versuchen, die altbekannten Stilmittel neu zu beleben, um ein letztes Mal zu beweisen, wer er war und welches Vermächtnis er an seine treue Fangemeinde längst überreicht hat.
Man spürt deutlich, dass der Anschluss an die teils absurden Filmverhältnisse der Neuzeit vollständig gekappt ist und er sich ganz von selbst sein altes Reich erblühen lässt, ohne dabei jedoch nostalgisch zu wirken. Das Niederknien vor den guten alten Zeiten ist zwar da, die selbstreflektierte Auseinandersetzung mit anderen Umständen jedoch genauso. Und es tut gut, als Zuschauer wieder einmal an das Flair seiner alten Filme herangetragen zu werden und die typische Haudraufstimmung zu erleben, wenngleich sie sehr pointiert und zielgerichtet eingesetzt wird.
Hill nutzt die Chance, um die Rückkehr in sein Mutterland gebührend zu feiern und tritt im Rahmen einer Kinotour noch in folgenden Städten auf:
24.08.18 – Worms – Open Air Worms
25.08.18 – Frankfurt – Cinestar Metropolis
25.08.18 – Sulzbach – Kinopolis Main-Taunus
26.08.18 – Nürnberg – Cinecitta
26.08.18 – München – Mathäser Filmpalast
27.08.18 – Stuttgart – UFA Palast
27.08.18 – Karlsruhe – Open Air am Schloss Gottesaue
Karten dafür gibt’s im Vorverkauf unter https://deinkinoticket.de/filme/mein-name-ist-somebody – bitte rechtzeitig kaufen, da die Nachfrage riesig ist!
Außerdem wird der Film als bundesweites Kino-Event am 26. August 2018 flächendeckend in den deutschen Kinos zu sehen sein und im September auch in Österreich auf den Leinwänden flimmern.
 

.kinoticket-Empfehlung: Macht diesen Film zu solch einem durchschlagenden Erfolg, dass sich die Kinos darum reißen, ihn ins reguläre Programm zu holen: Er hat es sich verdient und es täte unserer Zeit ebenfalls gut, eines dieser gutmütigen Werke ohne Zeitdruck auf dem Big Screen bestaunen zu können.
Hill hat’s immer noch drauf und schenkt der Welt sein Herzenswerk, um einerseits Spencers Tod zu verarbeiten, andererseits eine zutiefst emotionale Geschichte zu erzählen, die die altbekannten Welten nochmal aufleben lässt.

 
Nachspann
✅ zollt ihm diesen Respekt und rennt nicht vorschnell aus den Kinos, zumal er sowieso in vielen Orten persönlich anwesend sein wird.
Kinostart: Bundesweites Einmal-Event am 26. August 2018 und im September in Österreich.

Die Glorreichen Sieben (2016)

Einen Film aus dem Jahre 1960 2016 wieder in die Kinos zu bringen, gehört für mich nicht unbedingt zu den billigen Abklatschen, die schmerzlich als “Remake” an die Zuschauerschaft verkauft werden. Genauso wenig zählt das für mich als Einfallslosigkeit oder sprödes Kohle scheffeln wollen, wenn man sich dieses Themas glanzvolle 56 Jahre später erneut annimmt.
Dass die Generation X, die gerade auf dem Spielplan der Welt steht, sich keine Streifen mehr von vor knapp 60 Jahren reinziehen möchte, ist für mich vollkommen nachvollziehbar und somit ist es zugunsten der Geschichte sinnig, dieses Thema etwas modernisiert wieder auf die Leinwand zu bringen.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, der immer wieder leise das Wort “Remake” flüstert, das gleichzeitig all die negativen Beigefühle mit auf den Plan ruft und einem schon von vornherein etwas die Lust am Schauen verderben will.
Völlig zu Unrecht.
Die Glorreichen Sieben offenbart sich als exzentrisches Werk voller Hingabe, Ideologie, Krach und einer soliden, eigenen Welt: Das Bild der Darsteller, das in diesem Machwerk gezeichnet wird, strahlt geradezu vor Authentizität und Glaubhaftigkeit. Keine dieser überzeichneten Fantasy-Charaktäre, die man neuerdings in Computerspielverfilmungen gerne auf den Platz lässt, genausowenig das typisch-westernhafte Klischee des huttragenden Cowboyhelden, der sich durch nichts weiter definiert als seinem Aussehen, sondern schöne, geprägte, ausgereifte Kerle, die alle eine Geschichte im Hintergrund verbergen, über die man auch im Verlauf der Spielzeit nicht unbedingt alles erfährt.
Das Mysterium um die Legenden, von denen hier gesprochen wird, bleibt etwas im Hintergrund, doch statt des erwarteten überbordenden Getöse durch die Überladung an Actionsequenzen nimmt hier eine rühmliche Bodenständigkeit den Platz ein und führt durch den Film, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Es rummst schon mächtig, man ist auch als Spektakel-Fan definitiv unterhalten und hat seine Freuden, doch niemals kommt es zu derartigen CGI-Übertreibungen, dass dem gepflegten Freund des Kinos das Lachen im Halse stecken bliebe. Stattdessen braucht die Story etwas Zeit, um anzuwärmen und rennt dann gnadenlos in eine Schlacht, die beim Zusehen tierisch Spaß macht und einen vergessen lässt, dass es derlei bereit schon mal auf der Kinoleinwand gegeben hat.
Und all das sind doch verdammt gute Zeichen dafür, sich durchaus ein .kinoticket für Die Glorreichen Sieben zu lösen und den Film mit seinen besten Freunden zu genießen. Denn wieder einmal gilt: Nur im Kino kommen die Momente und Sphären so rüber, wie sie gedacht waren und für’s Heimkino ist das mal definitiv nichts.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn man Verfechter von Originalen ist, sollte man dieser Neuauflage eine Chance geben: Die Portierung von alt in neu hat dieses Mal nämlich richtig gut funktioniert.
Der Film besticht mit einer authentischen Art, sympathischen Darstellern, einem ausgereiften Bühnenbild und jeder Menge unterhaltsamer Power, die nur im Kino richtig zur Geltung kommt.
Überzeichnung oder -ladung sind fehl am Platze und die erwartete Grobheit eines modernen Remakes bleibt tatsächlich aus. Stattdessen definiert dieser Film das Westerngenre in einer modernen Art und Weise wieder gänzlich neu und führt auch heutige Generationen erneut in die Zeit des Wilden Westens.
Daumen hoch: So was darf man sich gerne anschauen!

 
Nachspann
anfangs noch schön im Zeichenstil des Films gemacht (auch hier wieder ein Original statt eine Kopie), verlässt der Abspann dann bald die Farbebene und läuft bis zum Schluss nur noch in schwarz-weiß runter – man darf sich also wieder ans Sonnenlicht begeben.

Hail, Caesar!

Die Zeiten, wo man sich über tiefsinnige Fehlbeiträge auf den deutschen Kinoleinwänden beklagen konnte, sind vorbei. Mit Hail, Caesar! geht ein weiterer Film ins Rennen, dem ich das Prädikat zuspreche, von Hollywood für Hollywood gemacht worden zu sein.

Massentaugliche Unterhaltung ist etwas völlig anderes. Im Ernst: Hier werden Arbeitsweisen auf den Tisch gebracht, die so mancher Regisseur wohl leidlich kennen dürfte, die aber eher persiflierend von der Meute der Filmschaffenden auf die Bildfläche projiziert wurde, um mit nicht funktionierender Unterhaltung eines zu tun: zu unterhalten.

Die Selbstironie, mit der man das Filmbusiness damit aufs Korn nimmt, zeugt von extrem hoher Qualität und sorgt im Vorbeigehen dafür, dass nicht nur die Kinozuschauer fluchtartig den Saal verlassen, sondern auch die Vorstellungsanzahl rapide abnimmt, wenn man sich die Spielpläne einiger Kinos mal näher betrachtet.

In meinen Augen geschieht beides völlig zu unrecht, da hier doch mit einer enorm großen Portion Verstand an die Sache rangegangen wurde und man im Stile großer Abendunterhaltung à la arte ein Portfolio an funktionierenden Gags und cineastischem Flair geschaffen hat, bei dem nicht nur George Clooney überzeugend wirkte.

Vielleicht liegt’s auch einfach nur daran, dass Josh Brolin einfach schauspielern kann und mit seiner selbstfinderischen Art den Film zusammenhält wie sonst kein anderer. Das Ganze als ein Art Geschichte zu bezeichnen, grenzt in meinen Augen schon fast an Sünde. Es von der Leinwand zu nehmen oder – wie in vielen Fällen – gar nicht erst abzuspielen, genauso.

Hail, Caesar! ist ein Werk, das zeitlich vollkommen richtig platziert wurde und im Zuge der Academy Award-Verleihungen auch nochmals unterstreicht, dass man in Hollywood nicht ausschließlich Filme produziert, um Kohle zu scheffeln, sondern hier und da auch künstlerisches Können publiziert, um Liebhaber selbiger zu unterhalten.

Dieser Film mitsamt seinem Charme, seiner verdrehten Art und den selbstironischen Partikeln, die explodierend überall durch die Luft fliegen, gehört für mich jetzt schon zu den Errungenschaften, die viele Samstag Abende gekonnt in ihren Bann ziehen und für die “Bettlektüre” taugen.

Eine tiefe Verbeugung vor dem Hollywood vergangener Tage und zugleich eine Selbstbeweihräucherung eigener Fehler, die man hier offen im Film eingesteht und gekonnt in Szene setzt.

Dass der Zuschauer dabei noch lachen kann, ist quasi der Bonus oben drauf.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte jemand tatsächlich noch ein Kino finden, dass dem Massenwahn der aktuellen Blockbuster noch entgegenwirken kann und diesen Titel tatsächlich in seinem Programm führt, sollte man schleunigst die Chance nutzen und sich das Werk gemeinsam mit einer Handvoll erlesener Kunstkenner zu Gemüte führen.

Denn nirgendwo macht Film schauen so viel Spaß, wie im Kino – für das Filme gemacht worden sind.

Und wer noch eine Portion mehr Glamour benötigt, um reinzugehen: Bitteschön.

Alden Ehrenreich * Ralph Fiennes * Jonah Hill * Scarlett Johansson * Tilda Swinton * Channing Tatum * Christopher Lambert * Dolph Lundgren …

Nachspann
❌ Wer braucht schon einen Nachspann, wenn er einen guten Film gesehen hat, hm? Ganz genau!

Kinostart: 18. Februar 2016

Original Title: Hail, Caesar!
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

Jane Got A Gun

Am Anfang rauchts schmachvoll richtung Überstands-Western aus den Colts. Doch sind wir mal ehrlich: Was genau kennt man denn heutzutage alles noch, das in Richtung Western ausgelegt ist?
Bud Spencer – also der Blödel-Western mit Haudrauf-Garantie und dem alles durch den Kakao ziehenden Einschlag humoristischer Kunst mit Colts und Flatterbändern an den Ärmeln. Und Quentin Tarantino. Der uns immer wieder mit seiner durchschlagenden Verbalkraft und den aneinandergereihten Eigenarten Filme verkauft, die dafür sorgen, dass man nichts versteht und eben jenen Fakt denen vorhält, die seine Filme kritisieren.
Als wäre der Umstand, dass etwas mal augenscheinlich keinen Sinn ergibt (und damit einem erwähnenswerten Kultfaktor Daeinsberechtigung verschafft) geradezu darauf ausgerichtet, genial zu sein. Es kann auch einfach mal der Griff ins Klo werden.
Und eben jene Befürchtung hat man, wenn die ersten 5-10 Minuten des Films über die Leinwand flimmern. Die erhabene Eleganz einer offensichtlichen Nicht-Verblödung der Hauptdarsteller, kein Aufrauschen komischer Artefakte im Spiel um den Sieg und dazu auch keine lustvoll triefende, romantische Story, die im güldenen Sonnenschein zu einem huldvollen Stück irrationaler Liebesschnulze verkommt.
Im Gegenteil: Die Integration der Frau findet ihren Höhepunkt auf der Leinwand und lässt das männliche Geschlecht blöd dastehen. Dazu paart sich im Laufe der Zeit eine sehr tiefgreifende Story mit Elementen, die – transferiert in den modernen Alltag – einem jeden begegnen können. Als Zuschauer keimt geradezu der Wunsch nach so einer Frau im Hause auf. Natalie Portman macht ihre Sache hier wirklich grandios und behält sich dabei auch stets im Griff, um nicht doch wieder in einen Liebesroman abzurutschen.
Selten hab ich erlebt, dass man sich für eine Geschichte derart viel Ruhe und Zeit nimmt. Das Ganze trägt sich die komplette Spielzeit hindurch, als gäbe es kein Morgen. Allein beim Anschauen der Blätter im Wind, die Zurückgezogenheit in der Wüste, das Am Rande der Welt sein-Gefühl begleitet einen ständig und lässt die Story weit weit zurück in der Zeit reisen, wo alles noch irgendwo normal erschien verglichen mit den Abstrusitäten der heutigen Welt.
Probleme werden auf das Offensichtliche runtergebrochen, Hilfe sucht man eben nicht beim Gesetz oder den Richtern, sondern nimmt die Dinge auf beherzte Weise selbst in die Hand und entfesselt damit einen Reigen emotionaler Erfahrungen, die nicht nur die Gegenspieler auf der Leinwand hart treffen.
Und dieser Ernst, mit dem das alles angegangen wird, heilt viele filmische Wunden der Vergangenheit. Es muss mal keine Comedy sein. Es muss keine herzzerreißende Geschichte erzählt werden, die mit den RTL-Tränendrüsen spielt und die Zuschauer an den Rand des Empfindsam-Möglichen treibt. Und selbst die Größe eines bahnbrechenden Blockbusters greift man schon während der Mache gar nicht erst auf.
Man ist klein, besinnt sich auf das Wesentliche und hält alles ganz einfach – und dabei so prächtig professionell, dass der Slogan Großes Kino wie die Faust aufs Auge passt. Gerade zwischen monumentalen Werken wie Star Wars – Episode VII – Das Erwachen der Macht oder wirtschaftlichen Totschlägern wie James Bond: 007 – Spectre gibt sich dieser Film hier auf eine Weise die Ehre, die für sich schon wieder als ehrbar zu bezeichnen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es tut so wahnsinnig gut, mal einen ernstzunehmenden Film zu erleben, der sich im Bereich klischeehafter Genres einnistet, diese dabei aber nicht bedient.
Kaum zu glauben, dass im Jahr 2015 Western gedreht werden, die auf der Leinwand wirklich zünden und dabei auf keine Machart zurückgreifen, die man aus längst vergangenen Jahrzehnten bereits kennt.
Ich wage fast, zu behaupten, dies wäre der erste und einzige anständige Western, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe (wenn man vom üblichen Spiel mir das Lied vom Tod einmal absieht). Die erfrischende Ernsthaftigkeit und das überaus genussvolle Maß an Ruhe und Zeit, die einem hier als Zuschauer gegeben wird, ist für mich ein wahres Geschenk.

 
Nachspann
kommt keiner mehr. Beim Anbruch der Textzeilen am Schluss darf man sich also getrost wieder in die Wirklichkeit aufmachen. Der Trip in die Vergangenheit bleibt trotzdem cool.

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