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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Wildpferde

Ostwind – Aufbruch nach Ora

Nachdem ich hier bereits meine “große Freude” an dieser Filmreihe bekanntgegeben habe, hatte ich natürlich “wahnsinnige Lust”, mir dieses von frevelhaftem Deutsch durchzogene Nachfolgewerk im Kino anzuschauen.
Und sorry, ja, ich bin spät dran. Zu spät.
Und sorry für meine Vorurteile. Ich entschuldige mich zutiefst bei den Machern, denn mit dem dritten Teil der Ostwind-Verfilmungen hat man mich gelinde gesagt extrem vom Kinosessel gehauen!
Die Verniedlichungen sind weg. Alle. Das ist kein Kinderfilm mehr, sondern höchster Anspruch auf Erwachsenen-Niveau, der nicht nur metaphysische Gipfel erklimmt, sondern mit einer Tiefgründigkeit aufwartet, die mehr als erstaunlich ist!
Probe gefällig? Dann zappt allein mal in den Soundtrack des Films (Ostwind – Aufbruch nach Ora – “Opener” reicht da schon fast als Track) rein und macht eure Augen dabei zu. Was seht ihr?
Ich sehe keinen Kinderfilm mehr (auch wenn die Spielzeiten das vermuten lassen). Ich sehe großartiges Kino, wohl bedacht, mächtig, mit Tiefgang und Eleganz, ein Epos. Und genau das ist Ostwind – Aufbruch nach Ora auch: Ein mit Menschlichkeit durchzogener Strang einer Geschichte, die für Kinder erzählt anfing und eine tränenbringende Wendung angenommen hat, die mich zutiefst im Herzen erschüttert.
Ich schreie vor Verzweiflung und Ergriffenheit, wenn der Soundtrack in meinen Ohren dröhnt und die imposanten Bilder des Films in seiner glanzvollen Pracht in meinem Kopf nachhallen, während ich ungeduldig darauf warte, dass dieser Film wieder und wieder über die Leinwand flimmert und ich mich erneut in den Fluten dieser von Niedergeschlagenheit und Ernsthaftigkeit durchzogenen Welt verlieren kann und als stiller Begleiter der Hauptdarstellerin durch die Wesenszüge gleite, die dort sanft umspielt, ernsthaft untermauert und mächtig durch den Boden krachend in die Welt posaunt werden.
Das hier ist kein “Wir sind kleine Hippies, die Pferde anhimmeln” mehr. Es ist so viel größer. So viel ehrbarer. So viel imposanter und mächtiger, dass man längst das Genre verlassen muss, weil Kinder nur noch die nette Beigabe sind, die man außerhalb als Entschuldigung braucht, um sich als Erwachsener ein Bild davon machen zu dürfen.
Und sobald man im Saal sitzt und all die bunten, quietschenden Trailer vorbei sind, landet man in einem Emotionsstrudel, der vor Ernsthaftigkeit und Harmonie nur so sprudelt. Man fiebert. Man weint. Man leidet. Und da ist absolut nichts mehr von dem ursprünglichen Hass des Nichtskönnens oder irgendwelcher Sprache. Oder typisch-deutscher Blödheit. Nichts.
Herrschaft, ich seh kaum noch, während ich diese Zeilen schreibe, weil sich meine Augen bereits beim Klang wieder mit Wasser füllen…
Wie konnte man zwischen zwei Filmen so schnell “erwachsen” werden? Wie konnte man aus einer fast schon “Lachnummer” etwas so dermaßen großartiges werden lassen? Ich bin immer noch beeindruckt und wünsche jedem sehnlichst, dass er meine Worte versteht und sich tatsächlich auf den Weg macht und sich den Film im Kino anschaut.
Denn Kino ist der einzige Ort, wo diese präsente Wucht auch gebührend rübergebracht werden kann. Nicht umsonst landete die Ausstrahlung im größten Saal, der dem Film überraschend angemessen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überwindet euren Stolz und traut euch in diesen Film.
Er ist für Erwachsene fast besser geeignet als für Kinder, denn nicht nur die Charaktere sind älter geworden, sondern die Story bezeugt eine derartige Reife, wie sie manch andere – an Erwachsene gerichtete – Filme vermissen lassen.
Mich hat’s zutiefst beeindruckt (und dabei meine ich nicht nur, dass man sich von der üblichen Schmalzigkeit deutscher Filme gelöst hat).
Absolut sehenswert – und dieses Prädikat auch mehr als verdient bekommen!
Reingehen!

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen. Es endet langsam.
Kinostart: 27. Juli 2017

Ostwind 2

An jemandem, der sich dank Kinoflatrate eigentlich alles anschaut, kam auch der neue Pferdefilm Ostwind 2 nicht vorbei. Zielgerichtet an schätzungsweise junge Mädchen, denen es Vergnügen bereitet, Pferdesticker zu sammeln und Glitzerbücher auszumalen, liefert man hier ein Werk, das eine Geschichte im Stil der Kinderbücher erzählt, bei denen es um Pferde, Gestüte, Siege und Verluste geht.
Das klassische Aufbauschema einer typischen Kindergeschichte wird auch hier nicht verlassen. Man liefert hübsch anzusehende Jungs, eine schlecht sprechende Hauptdarstellerin (erwähnte ich bereits, dass ich dieses gestochene Deutsch dermaßen hasse?) und eine überraschend liebreizende Gestütbesitzerin, denen allen der Druck im Nacken sitzt und die über ihre Grenzen springen müssen, um den bevorstehenden Problemen zu entgehen.
Untermalt von bildschönen Landschaften, Wäldern, der Liebe zur Natur und der Freiheit und natürlich jeder Menge tollen Pferden bietet man hier eine wunderbare Kulisse, die die leicht verkindlichte Story zu entschuldigen weiß.
Auch der Soundtrack versteht es, den zärtlichen Windhauch zu unterstreichen, mit dem die gezeigten Bilder zu beeindrucken versuchen. Hat man für diese Nebensächlichkeiten ein Auge, dann entschuldigt das die teilweise unflüssigen Story-Momente und das aus der Spur gleiten, was die Natürlichkeit des Gezeigten angeht.
Die große Geschichte mit professionell erzählenden Darstellern, wie man es z.B. von Der Pferdeflüsterer kennt, bleibt hier leider aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Kinder und Jugendliche – und natürlich für alle Pferdeliebhaber ist dies gefundenes Fressen, um ihren Hobbys auch auf der großen Leinwand wieder einmal zu frönen.
Gestandene Kerle und Leute, die Story mit Biss suchen, sollten sich dezent um den Film herum bewegen, denn die werden eher enttäuscht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, denn der liefert weiterhin wunderschöne Bilder mit Pferden und Natur.

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