.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Witwe

Greta

Greta
© 2019 Capelight Pictures

 

Greta folgt dem Weg der mysteriösen Geschichte, für die wir Leinwand eigentlich immer gemocht haben: Das Absurde, das Seltsame, das Kuriose in einer toll erzählten Dimension auf der Leinwand präsentiert zu bekommen und dabei zu wissen, dass in der Realität keinem Menschen Leid zugefügt wurde.

Die Art, mit der man hier eingestiegen ist, macht am Anfang auch tatsächlich extrem Lust auf mehr, allerdings verfitzt man sich schon bald in diversen kleinen Mankos, die aus einem aufstrebenden Nischen-Meisterwerk nur ein zweitklassiges B-Movie werden lassen. Warum?

Chloë Grace Moretz als heranwachsendes Jüngchen zu erleben, dass sich mitten ins Leben stürzt und dabei allerlei Kuriositäten begegnet, ist zu Beginn des Films wunderbar anzusehen und ihre Figur ist – bis auf die Tatsache, dass sie sich zum Ende in ein Klischee entwickelt – auch absolut glaubhaft und gut dargestellt. Meine Probleme lagen eher in ihrem Gegenpart und der Tatsache, dass der Film zu schnell Auflösungsansätze liefert, die von Filmkennern natürlich direkt korrekt gedeutet werden und den Plot dann unerträglich langsam durch den Äther schippern lassen.

Auch, wenn Isabelle Huppert in ihrem Auftreten dennoch eine gewisse Graziosität vermuten lässt, ihre Figur ist für mich zu unausgereift und zu schnell erklärt. Und das lässt stellenweise Langeweile aufkommen und führt zu einem finalen "Ich habs von Anfang an gewusst", statt einem großartigen und überraschenden Filmende zu kommen.

Empfehlen kann man dies tatsächlich bloß für diejenigen, die sich seltenst Filme anschauen und damit der naiven Grundordnung filmischer Grundsätze noch nicht erlegen sind, sondern sich von "Alltäglichkeiten" noch überraschen lassen können. Die erleben dann tatsächlich ein völlig neues Movie, dass mit Überraschungen und illustrer Düsternis punktet und den Zuschauer mit Abnormität begeistert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für alte Filmhasen, dafür steckt zu viel Alltag im Filmgeschehen und die Charaktere werden zu schnell aufgelöst.

Wer jedoch nur hin und wieder ins Kino geht, erlebt hier eine Geschichte der anderen Art, die durchaus den Abend versüßen kann.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Greta
Length: 98 Min.
Rated: FSK 16

Meine Cousine Rachel

Willkommen im vergangenen Jahrhundert. Nicht, weil der Stoff so altbacken klingt und nur Generation Oma anspricht, sondern, weil die Bestandteile dieses Stückes in ihrer ehrbaren Eleganz wohl am besten in dieses Jahrhundert passen.
Meine Cousine Rachel entführt in eine Zeit, in der die allgegenwärtige Hektik und das Übermaß an Technologisierung noch nicht stattgefunden hat und man sich stattdessen vielmehr auf familiäre Werte und emotionale Beziehungen konzentrieren konnte, ohne von unzähligen Schreckensmeldungen abgelenkt zu werden.
Genau dieses Gefühl steigt auch langsam beim Zuschauer auf, wenn die Türen sich schließen und der Film in seinen unbestechlichen Bildern in eine Welt entführt, die längst vergangen zu sein scheint.
Die ausgeklügelte Story entwindet sich der Feder einer vorzüglichen Buchautorin und den unbändigen Charme dieses Metiers hat man in dieser Adaption durchaus gekonnt eingefangen. Nicht nur Rachel Weisz, sondern auch Sam Claflin passen generös in diese Rolle, die sie mit ihrem Schauspielkönnen und eloquenter Liebe füllen.
Für mich war es ein faszinierender Genuss, diesen Film mit jeder Minute aufzusaugen und endlich mal wieder in Anspruch gebadet zu werden – fernab jedweder Redundanz moderner Kinofilme.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine absolut sehenswerte Filmperle, die mit faszinierenden Bildern und unglaublich eleganter Anmut besticht und die Zuschauer in ihren Bann zieht.
Claflin und Weisz geben der Rolle so viel Wohlwollen, dass man sich nur in sie verlieben kann. Der Plot und die absolut herausragende Darstellung überzeugen auf ganzer Linie.

 
Nachspann
kommt nur in schwarz-weiß, also braucht man nicht extra bis ganz zum Schluss abzuwarten.
Kinostart: 7. September 2017

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén