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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Wüste

Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.

Reiss Aus

© 2019 Abgefahren GbR

Der .trailer reißt einen absolut nicht vom Hocker, in die Vorstellung sollte man unbedingt komplett ohne Vorwissen gehen und anfangs auch ein klein wenig Geduld und Toleranz mitbringen, denn grade da ist es echt schwierig – von der “Einführung” her, die in Wirklichkeit gar keine ist. Man ist einfach sofort drin.

Aber so nach und nach beginnt der Film, tatsächlich die Herzen der Zuschauer zu erobern und man ist irgendwann dabei und fiebert mit, ist gespannt und freut sich über all die Eindrücke, Impressionen und Momente, die Lena und Ulrich hier zum Besten geben.

Man muss dazu sagen, dass dies niemals wirklich “geplant” war, sondern die beiden quasi einfach reisen und ihre Eindrücke – so wie es eigentlich jeder tut, der solche Unternehmungen durchzieht – festhalten wollten, um in erster Linie Bekannte und Familie auf dem aktuellen Stand zu halten. Dass dies dann immer größere Ausmaße angenommen hat, wussten sie anfangs ebenfalls noch nicht, aber genau das ist, was ich an dem Werk letztendlich perfekt finde.

Denn Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum zählt nicht zu den Filmen, die irgendeine Idee aufgreifen, planen und des Films wegen durchziehen, sondern man stellt unfassbar viele Fragen und bleibt einem die Antworten schuldig und filmt einfach nebenher mit. Dadurch wird im Kopf viel angeregt, man sieht einfach die Dinge, man erkennt irgendwann, was hier in Deutschland eigentlich für ein Reichtum und Glück besteht und fängt an, gewisse Dinge, Einstellungen und Gedanken zu hinterfragen und neu einzusortieren.

Genau das ist eigentlich immer ein Aspekt von Reisen: Man kommt hinterher als anderer Mensch wieder zurück. Nun wird sich nicht jeder für zwei Jahre in die Pampa irgendwo in Afrika zwischen Krieg und Terror setzen wollen und erleben, wie es ist, wenn man gebeutelt oder genervt ist – und trotzdem dabei die Schönheit des Landes und der Menschen dort entdecken wollen – dafür dürft ihr euch in ein sauberes, keimfreies, gesundes Kino setzen, euch mit Nahrung eindecken und dann gemütlich den Film genießen – denn die beiden sind bereits für euch ins Auto gestiegen und haben den ungemütlichen Part quasi für alle übernommen.

Doch das wichtigste daran: Auch hier werden unfassbar viele tolle, mutige, schwierige, aber mit Leidenschaft durchgeführte Projekte gefunden, aufgegriffen und die zwei haben bis heute zu allen Personen, die im Film gezeigt werden, regen Kontakt und unterstützen z.B. mit den Filmeinnahmen eben diese Projekte.

Und wie könnte man es schöner schaffen, Menschen in diesen Ländern zu helfen, als mit solch einem Projekt, wo kein Wasserkopf an Bürokratie im Hintergrund all die Spenden und Einnahmen schluckt, sondern direkt und unbürokratisch an Stellen unterstützt wird, die die beiden persönlich bereist und gesehen haben und damit in der Welt wirklich etwas gutes tun?

Hierfür haben sie bereits eine Kinotour in vollem Gange, die das Filmprojekt vorstellt und bei dem sie auch dem Publikum in einem Q&A Rede und Antwort stehen und man sie zu allen möglichen Fragen ausquetschen kann.

Nähere Infos dazu erhaltet ihr hier.

Unter anderem mit dabei sind:

  • Dresden (Schauburg) – 4. März 2019
  • Cottbus (Weltspiegel) – 5. März 2019
  • Berlin (DelphiLUX) – 6. März 2019
  • Potsdam (Thalia Programmkino) – 7. März 2019
  • Leipzig (Passage Kinos) – 8. März 2019
  • Halle (Luchs Kino) – 9. März 2019
  • Magdeburg (Moritzhof) – 9. März 2019
  • Braunschweig (C1 Cinema) – 10. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 11. März 2019
  • Bremen (Schauburg) – 12. März 2019
  • Hannover (Kino am Raschplatz) – 13. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 14. März 2019
  • Oldenburg (Casablanca) – 15. März 2019
  • Soest (Schlachthofkino) – 16. März 2019 (2 Vorstellungen)
  • Dortmund (Schauburg) – 17. März 2019
  • Oberhausen (Lichtburg) – 17. März 2019
  • Düsseldorf (Metropol) – 17. März 2019
  • Köln (Cinenova) – 18. März 2019
  • Marburg (Capitol) – 19. März 2019
  • Herzberg (Central Lichtspiele) – 20. März 2019
  • Jena (Kino im Schillerhof) – 21. März 2019
  • Bamberg (Lichtspiel Kino) – 22. März 2019
  • Schweinfurt (Filmwelt) – 22. März 2019
  • Marktheidenfeld (Movie im Luitpoldshaus) – 23. März 2019
  • Nürnberg (Casablanca) – 24. März 2019
  • … und viele mehr. Schaut einfach auf den Link.
Ulrich und Lena mit ihren beiden Hunden auf der Kinotour im City Kino in München

Im Zuge dessen durfte ich die beiden auch persönlich kennenlernen und möchte euch an dieser Stelle gerne die Projekte kurz vorstellen, die die zwei mit ihrem Tun unterstützen – und die ihr ebenfalls damit unterstützen könnt, euch diesen Film ab 14. März 2019 regulär im Kino zu besehen – oder eben auf der Kinotour zu erscheinen, denn der persönliche Kontakt mit den Hauptdarsteller ist das besondere Etwas, dass Kino eben vor alles andere stellt.

Da wären also die Morocco Animal Aid (Marokko), die sich zum Ziel gesetzt hat, viele Straßentiere zu impfen, zu kastrieren und so für eine gesunde Tierpopulation zu sorgen. Mehr Infos dazu gibt’s direkt hier.

Außerdem Mame Sy’s Kinderhort – La Porte de l’Espoir (Mauretanien), in der Kindern eine Ausbildung ermöglicht wird und dafür gesorgt, dass sie am Tag eine warme Mahlzeit erhalten. Mehr Infos zu diesem tollen Projekt findet ihr hier.

Ebenfalls schon durch den Film Female Pleasure bekannt ist das Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung, durchgeführt von der Target e.V. Rüdiger Nehberg, wo durch Aufklärung die Verstümmelung von weiblichen Körpern verhindert werden soll. Mehr zu diesem Thema findet ihr unter diesem Link.

Zu all den Projekten könnt und dürft ihr Lena und Ulrich auch gerne im Rahmen der Kinotour befragen, sie sind da sehr aufgeschlossen und dankbar für jede Hilfe, egal, in welcher Form.

.kinoticket-Empfehlung: Der Film braucht eine Weile, bis er auftaut und man wirklich drin ist und gespannt mitfiebert, schafft es am Ende aber, dass man sich fühlt, als hätte man die Reise selbst unternommen.

Hier werden extrem viele Projekte im Film gezeigt, die die zwei u.a. mit den Kinofilmeinnahmen weiter unterstützen wollen, um den Menschen auf diesem Kontinent ein besseres Leben bieten zu können und positive Handlungen zu unterstützen. Allein dafür lohnt sich das .kinoticket, dass man am Ende selbst die Erkenntnisse einer Reise mit aus dem Kinosaal trägt, ist quasi ein Geschenk für euch oben drauf.

Nachspann
❌ zeigt alle Sponsoren, Mitarbeiter und Beteiligte an, ist daher ganz interessant zu lesen, muss aber nicht zwingend abgewartet werden. Szenen oder Bilder folgen keine weiter.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.
Length: 120 Min.
Rated: FSK 0

Mein Name ist Somebody

Wer kennt sie nicht – Terence Hill & Bud Spencer, letzterer bereits im glückseligen Western-Himmel. Die beiden werden oft als italienische Stars des Spaghetti-Westerns gefeiert, dabei kommt Hill ursprünglich aus der deutschen Stadt Lommatzsch nähe Dresden und heißt eigentlich Mario Girotti. 1945 hat er mit seiner Familie Deutschland verlassen und ist nach Italien gegangen.
Kaum zu glauben, dass so eine Filmgröße nach so langer Zeit den Weg auf die Leinwand zurückerobert, aber es war längst überfällig, dass er nochmal auf die Bildfläche treten musste, da die ganze Welt mit dem Tod von Bud Spencer einen tiefen Schlag erlitt und sein langjähriges Herzensprojekt somit gleichzeitig die Verarbeitung vom Abschied seines besten Freundes ist.
Diese tiefsitzende Trauer spürt man zu jeder Sekunde. Es ist, als wäre Hill aus seinen einfachen Western in die moderne Welt getreten und würde nun versuchen, die altbekannten Stilmittel neu zu beleben, um ein letztes Mal zu beweisen, wer er war und welches Vermächtnis er an seine treue Fangemeinde längst überreicht hat.
Man spürt deutlich, dass der Anschluss an die teils absurden Filmverhältnisse der Neuzeit vollständig gekappt ist und er sich ganz von selbst sein altes Reich erblühen lässt, ohne dabei jedoch nostalgisch zu wirken. Das Niederknien vor den guten alten Zeiten ist zwar da, die selbstreflektierte Auseinandersetzung mit anderen Umständen jedoch genauso. Und es tut gut, als Zuschauer wieder einmal an das Flair seiner alten Filme herangetragen zu werden und die typische Haudraufstimmung zu erleben, wenngleich sie sehr pointiert und zielgerichtet eingesetzt wird.
Hill nutzt die Chance, um die Rückkehr in sein Mutterland gebührend zu feiern und tritt im Rahmen einer Kinotour noch in folgenden Städten auf:
24.08.18 – Worms – Open Air Worms
25.08.18 – Frankfurt – Cinestar Metropolis
25.08.18 – Sulzbach – Kinopolis Main-Taunus
26.08.18 – Nürnberg – Cinecitta
26.08.18 – München – Mathäser Filmpalast
27.08.18 – Stuttgart – UFA Palast
27.08.18 – Karlsruhe – Open Air am Schloss Gottesaue
Karten dafür gibt’s im Vorverkauf unter https://deinkinoticket.de/filme/mein-name-ist-somebody – bitte rechtzeitig kaufen, da die Nachfrage riesig ist!
Außerdem wird der Film als bundesweites Kino-Event am 26. August 2018 flächendeckend in den deutschen Kinos zu sehen sein und im September auch in Österreich auf den Leinwänden flimmern.
 

.kinoticket-Empfehlung: Macht diesen Film zu solch einem durchschlagenden Erfolg, dass sich die Kinos darum reißen, ihn ins reguläre Programm zu holen: Er hat es sich verdient und es täte unserer Zeit ebenfalls gut, eines dieser gutmütigen Werke ohne Zeitdruck auf dem Big Screen bestaunen zu können.
Hill hat’s immer noch drauf und schenkt der Welt sein Herzenswerk, um einerseits Spencers Tod zu verarbeiten, andererseits eine zutiefst emotionale Geschichte zu erzählen, die die altbekannten Welten nochmal aufleben lässt.

 
Nachspann
✅ zollt ihm diesen Respekt und rennt nicht vorschnell aus den Kinos, zumal er sowieso in vielen Orten persönlich anwesend sein wird.
Kinostart: Bundesweites Einmal-Event am 26. August 2018 und im September in Österreich.

Señora Teresas Aufbruch in ein neues Leben

Es ist wohl der Horror schlechthin, wenn einem von uns das passiert, womit sich Paulina Garcia in diesem Film abfinden muss – und gleichzeitig der befreiende Schritt in eine neue Zukunft: Dieser Film verbindet ästhetisch miteinander verwobene Elemente von Angst, Einsamkeit und das zwielichtig unbehagliche Gefühl von Selbsterkenntnis und -findung auf einer völlig versteckten Ebene.
Der zwanghafte Ausbruch aus alten Mustern, eingefangen in gefühlvollen, ruhigen und stilistisch-simplen Bildern, eingetaucht in die Ode fremder Kultur, die voller seelischer Vielfalt trieft und sich dabei in ihrer Simplizität kein Stück nimmt – ein galantes Stück moderner Erzählkunst, das an längst vergangene Tage erinnert, in denen Filme alle irgendwie noch einen Mehrwert hatten, den man heute in dem Haufen von Geld, um des nur noch zu gehen scheint, oftmals vergeblich sucht.
Willkommen im Nischenfilm. Willkommen im Nichts.
Und es ist eine Erfahrung, in diese Ruhe einzutauchen, etwas völlig anderes zu sehen. Fast unwirklich. Und dabei mit so viel Reichtum angefüllt, der das Herz und die Seele beflügelt: Auf in neue Welten. Ein Trip, der sich wirklich lohnt, auch wenn man dafür nicht unbedingt das Kino braucht. Aber der wird höchstwahrscheinlich sowieso fast kaum gezeigt werden, also wartet die Heimveröffentlichung ab – aber seht ihn euch spätestens dann endlich an!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ruhig, stilvoll, elegant, einsam und mit einer durchschlagenden, erzählerischen Kraft: Ein Film, den zu schauen es sich unbedingt lohnt, auch wenn dafür das kuschelige Heimkino ausreichen wird.

 
Nachspann
Klassisch ohne weitere Szenen: Rausgehen erlaubt. Aber weiter drüber nachdenken bitte 🙂
Kinostart: 30. November 2017

Gods of Egypt (3D)

Kennt ihr das, wenn euch der ganze intellektuelle Kram zum Hals raushängt und ihr einfach mal Bock auf stupides RTL II-Fernsehen habt, wo man nicht nachdenken muss, sondern einfach nur dümmlich unterhalten wird?
Mit genau diesen Erwartungen bin ich in Gods of Egypt und erhoffte mir bombastische 3D-Unterhaltung ohne großartige Inhalte, sondern einfach nur mit Haudrauf-Action und jeder Menge cineastischem Zündstoff.
Jemanden, der jetzt höherwertigere Erwartungen mitbringt, wird man in den ersten 20 Minuten auch erstmal davon überzeugen müssen, dass dieser Film tatsächlich sein Geld wert ist, aber dann geht’s los.
Superlativen? Braucht hier keiner. Geöffnet wird das Portal ins Land der Götter und Mythen, die dem ganzen “deine Religion-meine Religion”-Schwachsinn mal gehörig das Hirn waschen und hier eine völlig andere, erstaunlicherweise glaubwürdige Götterwelt etablieren, in der sich der Zuschauer nur zu gerne gefangen nehmen und von dem Geschehen mitreißen lässt.
Obgleich man bei der verbalisierten Akustik hier ganz und gar nicht von gottgleichem Können sprechen kann, sondern sich ob der teils wirklich unterirdischen Konversationen wünscht, man hätte das Ganze in einen Stummfilm umgewandelt, so entdeckt man mit fortwährender Spielzeit immer mehr Tiefe und Sinn hinter dem Ganzen und sieht sich fast schon dazu genötigt, zur ägyptischen Lehre zu konvertieren, um dort seinen Seelenfrieden zu finden.
Der Titel holt einen definitiv ab und reißt sogar deinen Intellekt aus dem Winterschlaf, sobald der Einstieg überstanden ist. Mit der teils labilen Humoreinstellung der Götter und menschlichen Protagonisten findet man sich mit der Zeit ab und entdeckt eine Art Sympathie, die schwer zu beschreiben ist.
Fakt ist: Jeder, der nicht in dem Film war, sprach abfällig darüber, was für ein Scheißdreck da wieder produziert wurde und diejenigen, die aus der Vorstellung rausgingen, unterhielten sich mit Worten wie “Mal ehrlich, ich wäre niemals in so einen Film gegangen”, “Doch, der war echt gut.”, “Das hätte ich nach dem Trailer auf keinen Fall erwartet.”
Dem kann ich nur beipflichten. Gods of Egypt erschafft ein religiöses Fundament, das im Entfernten an die mystische Welt aus Stargate SG:1 erinnert und einen mit Vollkaracho in diese göttlichen Ebenen katapultiert.
Mein Gedanke dazu? Ganz einfach:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht ins Kino und schaut euch den Film keinesfalls im Fernsehen oder außerhalb eines Kinos an.
Wieso? Ganz einfach: Selbst meine wahnsinnig übertriebene Heimkino-Anlage ist unwürdig für dieses Actionspektakel, das nahezu nach gigantischer Größe und Superlative schreit.
Es gibt Szenen – viele Szenen – in diesem Film, derer ist kein Fernseher, kein Handy, keine Heimkino-Anlage gewachsen.
Dort bliebe dann nur die teils labbrige Story, die nicht in dieser Größe und Intensität in die fremde Welt entführt, was ein völlig falsches Bild auf das Gesamtwerk würfe.
Also geht ins Kino, wartet die ersten 20 Minuten ab und dann lasst euch entführen in eine Welt, über die es gerne zwei, drei oder auch mehr Fortsetzungen geben darf.

 
Ich für meinen Teil war bereits 2x drin und ich würde auch ein drittes Mal eine Vorstellung buchen, sofern garantiert ist, dass diese in einem meiner Stammkinos stattfindet, wo der Sound und das 3D dich definitiv tief mitreißen.
 
Nachspann
kommt keiner außer das übliche, unterlegt mit dem monströsen, ägyptischen Sound, der auch schon im Film sehr zum Tragen kommt und die Welt nochmal ein wenig sinnlicher für Augen und Ohren gestaltet.
Kinostart: 21. April 2016
Social: www.facebook.com/GodsofEgypt.derfilm

Ein Hologramm für den König

Hinweis für die Sneak am Montag: Wer jetzt auf die Sneak Preview-Beiträge gewartet hat, darf nochmals auf den Eintrag von Hardcore klicken, den ich letztens bereits veröffentlicht habe und der letzte Woche in der Sneak erneut als deutsche Version gezeigt wurde.
Mein Kritikpunkt wieder wie üblich: OV ist authentischer, echter und man traut sich mehr, während in der deutschen Variante der Spielgeist etwas untergeht und man stillschweigend versucht, der (auch sprach-)gewaltigen Härte etwas Erträglichkeit zu geben, was aber so ganz und gar nicht in diesen Film passt. Wer also des Englischen mächtig ist und diesen Film in seiner ganzen Fülle sehen will: Sucht euch OV-Vorstellungen und besucht diese.
Stattdessen gibt es heute hier eine Rezension zu dem Film, der nun endlich zur Veröffentlichung freigegeben ist und auf den ich seit der Pressevorführung hinfiebere: Ein Hologramm für den König.
Mit von der Partie ist Tom Hanks, dessen deutsche Synchronstimme bereits für jede Menge vorläufigen Unmut im Netz gesorgt hat: Jungs und Mädchen, beruhigt euch. Ja, es ist immer etwas seltsam, wenn man bekannte Charaktäre dann auf einmal mit einer anderen Stimme hört und für Fans und eingeschworene Fanatiker fast unerträglich, was man nicht zuletzt an der Synchronneubesetzung von Marge Simpson allzudeutlich gespürt hat.
Aber haben wir uns nicht alle an die Neuerung gewöhnt und schauen trotzdem weiter Die Simpsons im allabendlichen Vorprogramm? Also macht euch locker und besinnt euch lieber auf die wunderbare, einträgliche und ins Herz treffende Story, die in diesem Film rübergebracht werden will.
Tom Hanks ist meiner Meinung nach sowieso ein Garant für gute, ruhige und tiefgreifende Filme. Davor macht auch Ein Hologramm für den König absolut keinen Halt. Ich fand es wunderbar, wie zart, behutsam und respektvoll man hier auf eine fremde Kultur losgegangen ist, um die persönlichen Probleme eines Mannes mithilfe einer völlig fremden Lebensweise lösen zu wollen. Das ganze in einer glamourös eingewickelten Verpackung subtil-charismatischer Unterhaltung voller Charme und Herzlichkeit mit jeder Menge Stoff zum Lachen – was will man mehr?
So ergriffen aus einem Kinofilm spaziert bin ich dieses Jahr selten. Auf die Frage, wie ich den Film fand, kamen kaum Worte aus mir heraus, ich war einfach nur mitgenommen und positiv bewegt. Hätte mir das Teil sofort nochmal angesehen und freue mich wie ein Kaninchen darauf, dass der nun endlich im Kino anläuft.
Besonders hervorstechend und vorbildhaft empfand ich die sagenhafte Ruhe und Geduld, mit der man hier an völlig unausstehliche Tatsachen herangeführt und mit Problemen konfrontiert wird, bei denen jeder von uns längst ein paar Sicherungen hätte opfern müssen, um schadlos aus diesen Situationen hervorzugehen. Und genau da findet man sich inmitten einer süffisanten Hassliebe einer fremden Kultur gegenüber wieder, die nicht nur wahnsinnig viel Spaß macht, sondern sich ihren Weg ganz tief in den Korpus der Emotionen gräbt und da drin für jede Menge Wärme und Geborgenheit sorgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich selbst etwas Gutes tun möchte, der sollte schleunigst für .kinotickets sorgen und jeden da mit reinschleppen, dem man eine Freude machen möchte.
Ein Hologramm für den König holt den Zuschauer aus seiner alltäglichen Hetzerei und platziert ihn inmitten einer zärtlichen, sarkastischen, unterhaltsamen und liebevollen Culture-Clash-Komödie, die ein leidiges Thema zu einer wahnsinnig kurzweiligen Unterhaltung macht und für einen super angenehmen und ruhespendenden Kinoabend sorgt.
Wenn man einen Film im Kino gesehen haben muss, dann ist es dieser hier.

 
Nachspann
liefert nur Text und kein weiterführendes Bildmaterial mehr.
Kinostart: 28. April 2016
Social: http://www.facebook.com/EINHOLOGRAMMFUERDENKOENIG

Star Wars: Das Erwachen der Macht (3D)

Ich glaube, kein anderer Film hat je so tiefe Schneisen in den Köpfen der Menschen hinterlassen, wie die Star Wars-Filmreihe. Beginnend mit Episode IV, V und VI erzählt George Lucas eine Geschichte, die nicht nur Science Fiction-Fan-Herzen höherschlagen lässt, sondern selbst zu einem derart intensiven Kult wurde, der heute aus der Filmwelt kaum mehr wegzudenken ist.
Auf diesen Erfolg folgten drei weitere Filmteile, die geschichtlich vorangestellt die Vorgeschichte dessen erzählen sollten, was nunmehr überall bekannt war: Episode I, II und III. Danach war jahrelang Ruhe, zumindest was den Hauptfilmbereich angeht.
Klar ist, dass heutzutage Filme nicht mehr nur einzelne Werke sind, die künstlerisches Gut vermitteln oder wertvolle Botschaften an möglichst viele Menschen weitergeben wollen, sondern hinter jedem Kinobewegtbild-Werk auch ein riesiger Apparat aus Jobmöglichkeiten, Merchandising und anderweitiger Kapitalgenerierung steht.
Und da spielt Star Wars keine kleine Rolle dabei. Mit Lego-Bausets über T-Shirts hin zu Figuren, Taschen und allem, was man sich nur vorstellen kann, wird hier schon seit jeher Geld verdient. Und irgendwie brennt das Feuer des Geldverdienens seit Jahren weiter und weiter. Kein Wunder also, dass Star Wars eine der Filmreihen ist, die auch nach Jahrzehnten noch nicht im Preis gesunken sind, sofern man sich die Werke auf Blu-ray aneignen wollte.
Dazu kommt ein weiterer Meilenstein menschlichen Irrsinns mit auf den Plan: Rechte. Die Rechte an einem Werk innezuhaben ist heutzutage fast schon mehr wert, als irgendwelches Gold im Keller gebunkert zu haben. Warum? Weil mit den Rechten einfach alles möglich ist. Und die hat George Lucas nun irgendwie an Disney vermacht. Der Konzern, der dieses Jahr mehrfach unangenehm damit aufgefallen ist, die Geldpumpe bei kleinen Kinos so dermaßen überzustrapazieren, dass die Kunstkultur Film in punkto Vielfalt bald schwer zu kämpfen haben dürfte, sollten andere Studios ebenfalls auf den Zug aufspringen und die Kinoketten mit derartigen Auflagen belasten.
Dann nämlich stehen wir bald vor dem großen Problem, dass die Vielfalt schwindet und damit eine wunderbare Form von Unterhaltung, geistiger Nahrung und einfallsreicher Ideenvielfalt zerstört wird – zugunsten von … Geld.
Geld, dass von Disney verlangt wird, das kleinere Kinoketten in den Ruin treibt, da diese die mainstreamgeforderten Filme nicht zeigen können, da ihnen notwendige Kompensationsmöglichkeiten fehlen, um das Übermaß an Gier zu befriedigen, damit Disney auf seine Kosten kommt.
Macht dieser Schachzug nun in den kommenden Jahren die Runde, wird bald mehr und mehr auf Wachstum gesetzt und es passiert genau das gleiche wie in der Lebensmittelwirtschaft: Kleinere Betriebe verschwinden, größere Betriebe machen mehr Umsätze, das allseits gepredigte Wachstum macht Schule und die Studiobosse freuen sich ein Loch in ihren Bauch.
Daraus resultierend werden kleinere Filmideen gar nicht mehr umgesetzt, da waghalsige Schritte (die meist zu wahnsinnig spannenden und oft auch aufrüttelnden Filmen führen) gar nicht mehr erst angehört werden, weil mit groß angelegten Dumm-Blöd-Blockbustern viel schneller viel mehr Geld verdient werden kann, als ohnehin schon.
Und da lebt Disney dieses Jahr mit einem Mega-Blockbuster (Avengers – Age of Ultron) eine Unart aus, die ich an dieser Stelle ganz öffentlich mal kritisieren möchte und keinesfalls gut heiße. Gefolgt von erneuten Verhandlungsschwierigkeiten, die es sogar in die Presse geschafft haben bei einem Film, der eben nicht nur eine kleine Trilogie darstellt, sondern weltweites Ansehen genießt und damit wieder tiefe Furchen in die Zeitgeschichte des Films reißen dürfte.
Was erwartet uns nun also, angesichts der Tatsache all der oben genannten Fakten, wenn wir – recht früh – in einen Film spazieren, dessen Vorläufer uns früher mehr oder weniger seicht umschifft haben, da ich nicht einsehe, für 17 Jahre alte Filme knapp 90 € auf den Tisch zu legen?
Auf jeden Fall mal immense Erwartungen, denn allein die Produktionskosten in Höhe von 200 Millionen US Dollar sind ja nun auch kein kleiner Pappenstiel. Oder um es mal anders zu verdeutlichen: Würde man das Budget auf einzelne Personen aufteilen und sagen wir mal 2500 Dollar-Monatsgehalt-Pakete schnüren, könnte man damit sechstausendsechshundertsechsundsechzig Menschen ein komplettes Jahr lang sorgenlos durchs Leben schicken! Und all das für 135 Minuten Unterhaltung.
Rechtfertigt der neue Film nun in meinen Augen das, was dabei herausgekommen ist?
Fakt ist: Mit 200.000 vorverkauften Kinokarten stellt Star Wars: Das Erwachen der Macht mal eben einen neuen Rekord auf. Und ja, die Kinosäle sind tatsächlich voll, weil so ziemlich jeder im Verlauf seines Lebens mal mit Star Wars in Kontakt gekommen ist und – gleichsam mit Jurassic Park oder Bond – nun in Materie reinschnüffeln will, die nostalgisch an das eigene Leben erinnert.
Genau diese Nostalgie wird von der Presse bereits verschrieen, da die Erwartungen hier eben nicht erfüllt wurden. Zu simpel, zu altbacken, zu bekannt, zu vorhersehbar … bei einem solch großen Giga-Event auf der Leinwand sollten derartige Fehler nicht passieren.
Der Streifen vermittelt uns tatsächlich wieder die authentische Geschichte im bekannten Star Wars-Universum, wobei man hier auf bereits vorhandene Elemente verzichtet hat und sich nun tatsächlich wirklich dem Auftakt der nächsten Trilogie widmet: Episode VII, VIII und IX. Die Geschichte wird weitererzählt, damit einhergehend neue Charaktäre eingeführt (und alte in der Gunst der Zuschauer aussortiert) und somit im Prinzip nur der Boden für die Fortsetzungen geschaffen, die geschichtlich da weitermachen, wo Episode VI einst endete.
Betrachtet man die Story und Umsetzung nun aus Augen wie meinen, die weder Fanboy noch Hater repräsentieren, sondern möglichst neutral auf ein Filmwerk schauen, dann dürfte man von der Story leicht enttäuscht sein. Wie Spectre dieses Jahr schon vorgemacht hat, zielt man hier tatsächlich nicht darauf ab, selbst groß zu sein, sondern rollt einfach nur den roten Teppich aus für das, was in kommenden Jahren noch auf uns zuströmt. Und damit verschenkt man Potenzial. Potenzial, dass man für 200.000.000 $ erkauft hat und großangelegt in viele weitere Wirtschaftsbereiche streut.
Technisch ist an den Umsetzungen nichts auszusetzen, monumental und episch hätte ich mir durchaus etwas mehr gewünscht. Den Urtümlichkeiten anhängend in allen Ehren, aber bei diesem Gros an Staraufgebot und filmischer Bedeutsamkeit hätte man hier ruhig die alten Zeiten feiern können, dabei aber durchaus technische Neuerungen involvieren und somit auch hinter der Kamera neue Maßstäbe setzen. Diesbezüglich müssen wir wohl eher auf Avatar 2 hoffen.
In diesem Sinne: Schlecht gepokert.
3D hat der Film auch zu bieten, einige Szenen sind auch ganz hübsch anzusehen, jedoch wird das hier keine Effektorgie, sondern endet eher im mittelprächtigen Feld. Da haben andere Filmchen die Schnauze weitaus mehr am Puls der Zeit. Doch darauf baut man auch kein solides Unterhaltungsmachwerk, weswegen das noch als verzeihlich durchgeht.
Unverzeihlich hingegen finde ich die Tatsache, dass die Story eben nur so dahinplätschert und man nicht so wirklich vom Hocker gerissen wird. Wer nun also kein wahrer Fanboy ist, dem schon allein beim Anblick des Logos einer abgeht, der schaut faszinationsmäßig ziemlich blöd aus der Wäsche. Da wären wir nun also wieder bei der schrecklichen Vorhersehbarkeit, die die Presse unlängst kritisiert hat. Warum also nicht aus bekannten Mustern ausbrechen und selbst die Fans mit gigantisch-neuen Einfällen überraschen, die weder das alte Universum zerstören, noch sich panisch penibel in Zurückhaltung üben?
Ich weiß es nicht.
So bleibt Star Wars: Das Erwachen der Macht in meinen Augen eben nur ein monumentaler Film, der vielen eingefleischten Fans sehr viel bedeutet und dem Rest nicht wirklich etwas sinnvolles zu bieten hat. Die Aufmerksamkeit der Welt hätte man gehabt, das Potenzial aber leider verschenkt, denn herausgekommen ist nur ein weiteres Stück Star Wars-Geschichte ohne großartige Überraschungen oder technische Raffinessen, die einen dann tatsächlich vom Hocker gehaut hätten.
Zuletzt bleibt bei mir die Hoffnung, dass zwischen den Nachfolgern, die für 2017 und 2019 angekündigt sind, noch viele Nischenfilme produziert werden, die die intellektuellen Erwartungen und filmischen Überraschungen dann doch pflegen und somit auch noch Nährboden für etwas anderes als Geldgier vorhanden ist, auf dem sich der Kinogänger ausruhen darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wahre Fans der Star Wars-Filme braucht man sowieso nicht ins Kino schicken, die waren alle schon um 0:01 Uhr zugegen und haben sich den Streifen direkt am Starttag angesehen.
Alle anderen sollten sich überlegen, ob die mittlerweile gigantischen .kinoticket-Preise den Film wirklich wert sind, denn großartige Unterhaltung sieht in meinen Augen anders aus. Was hier geboten wird, ist solide SciFi-Action, die mit altertümlichen Nostalgie-Faktoren spielt und somit die Emotionen vieler Menschen anspricht, die sich im gegenwärtigen Sumpf stumpfsinnigen Fernsehens nicht zu Hause fühlen. Diejenigen sind es dann auch, die im Internet jubilieren und den Film gebührend feiern.
Ich für meinen Teil hätte wesentlich mehr erwartet, denn in meinen Augen ist die Handbremse in dieser Liga noch viel zu angezogen, um hier wirklich von einem bahnbrechenden Kinostück zu reden.

 
Nachspann
darf man sich schenken, hier folgt kein Teaser oder anderweitiger Kram mehr.

Der kleine Prinz (3D)

Schlagt mich tot – aber hier ist ein Buch, das ich als Kind unwissentlich umschifft habe, von dem ich zwar den berühmten Ausspruch kenne, aber keinerlei Ahnung im Zusammenhang der Geschichte vorweisen kann.
Demzufolge gibt’s an dieser Stelle eine vorurteilsfreie Rezension über eine Geschichte, der ich in dieser Form zum ersten Mal im Leben begegnet bin.
Die Rede ist vom Kleinen Prinz. Mein Vorwissen beschränkt sich auf die Aussage eines guten Freundes, der mir mit auf den Weg gab, dass das Buch sehr anstrengend geschrieben sei und er es deshalb vorab zur Seite gelegt und nicht fertig gelesen habe. Mein Gegenbeispiel bei der Filmvariante ist ein etwa 5jähriges Mädchen, das zwei Stühle weiter in meiner Reihe saß und anfangs zwar noch etwas interessiert rumgesprungen ist (wahnsinnig gutes 3D by the way!), dann aber ruhig auf seinem Stuhl saß und die Story nicht nur bis zum Schluss aufmerksam verfolgt, sondern – anhand der Tränen zu urteilen – wohl auch irgendwo verstanden hat.
Was ich als übermäßig gelungen empfand, war die dreiteilige Weise, mit der man die teils schwere Kost, die sich im Hintergrund vermuten lässt, auf die Leinwand gebracht hat. Du kannst den Formen und Farben folgen, die Bilder hernehmen und dich von ihnen tragen lassen, du kannst das Gesagte verstehen und so der Erzählung an sich folgen oder dein eigenes Hirn berappen und anfangen, das Gezeigte in Verbindung mit den Worten zu interpretieren und dir damit die Mega-Variante des Ganzen zusammendichten, worin ich beim Schreiben dann auch eher die Schwierigkeiten sehen würde, da hier das audiovisuelle Verständnis fehlt.
Es war, als schwirrte dein Geist durch die teils großartigen Bahnen, die umflügelt von einer fantasiereichen Einfallsvielfalt getragen doch eine Erzählrichtung aufwiesen, und je nachdem, auf welcher der drei Bahnen du dich bewegst, du trotzdem immer wieder sanft am Rande des Abgrunds aufgefangen und in die richtige Richtung gelenkt wirst. Dieses Kunststück zu vollziehen ist für mich große Filmkunst, weswegen ich Der kleine Prinz in punkto Genialität weit über bisher bekannte Disney-Welten einsortieren würde.
In punkto Verständlichkeit also ein volles Plus, was sich gegebenenfalls negativ auf die Buchliebhaber niederschlagen wird (wo ist das denn eigentlich bitte mal nicht so?), in Sachen filmisches Können von mir eine Eins Plus, da die Art der Generationenzusammenführung vor solch ein Thema gigantisch gelöst wurde.
Wo sich die Kiddies an niedlichen Tieren und toll animierten Figuren in einer wirklich herzerwärmenden Welt erfreuen können, dürfen Erwachsene weit über den Rand des Metaphysischen hinaus sinnieren und ihre eigene Person irgendwo in den Untiefen dieser Geschichte suchen und wiederfinden.
Wie oft landet man selbst in genau den Situationen, die hier verteufelt und bloßstellend zur Anschauung postiert werden, während der Film direkte Ansätze liefert, die ein so viel besseres Leben ermöglichen und die verloren gegangene Portion Leben wieder mitbringen, die vielen von uns fehlt, um aus unserer Welt wieder das zu machen, was sie einmal war.
Klar ist das mehr oder weniger Wunschdenken, dem man sich hier ergibt, jedoch ist genau die Sehnsucht nach eben jenen Werten das, was Menschen im Alltag zu Veränderungen treibt, die dann eben doch den kleinen Unterschied ausmachen, der letztlich alles verändert.
Angesichts der Tatsache, dass man hier in eine wirklich niedliche, herzliche und behütete Welt abtauchen kann, die das Träumen in allen Facetten zulässt und dazu noch eine sanfte Moral, struktuelles Denken und mögliche, persönliche Interpretationsweisen mitliefert, empfinde ich das als einen der wenigen gelungenen Filme, die tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt das Licht der Welt erblicken und so auch außerhalb vom Kino ihre emotionale Aufgabe erfüllen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Muss man sich diesen Film ansehen, um mitreden zu können?
Gewiss nicht, denn das Buch wird seine Wirkung auch anders entfalten, sonst wäre es niemals ein derart prestigeträchtiger Bestseller geworden. Macht man also einen Fehler, wenn man stattdessen ins Kino rennt und sich dort die Geschichte in neuer Interpretation zu Gemüte führt? Definitiv: Nein!
Was hier im Auge ankommt, ist eine wunderbar liebevoll animierte, überaus mehrdimensionale Geschichte, die nicht nur in 3D mehr als gelungen über den Äther streicht, sondern auch erzähltechnisch einige Etagen über sich lässt und weit über das Normalmaß hinaus reicht.
Sowohl Kinder als auch Jugendliche und Menschen gesetzteren Alters werden hier definitiv ihre Freude haben, denn gerade das Herausstechen aus allen bisher bekannten Formen des Films sorgt für eine wohlbehütete Atmosphäre, die kein anderes Klischee anreißt, aufgreift oder gar erfüllt. So wie das Buch bislang unangefochten seinen eigenen Platz in der Bücherwelt innehat, so reiht sich der Film außerhalb allen bisher Gezeigten in die Geschichte des Kinos ein und hinterlässt einen wunderbaren Geschmack von Reife, Heranreifen und dem niemals vergessenen Kind, das definitiv in allen von uns drinnen schläft.
Lasst es wieder raus – dieser Film hilft euch dabei.

 
Nachspann
ist interessant, da er mal ein klein wenig anders gestaltet ist. Auf abschließende Sequenzen oder weitere Animationen braucht ihr allerdings nicht warten.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (3D)

Der teils selbst spoilernde Trailer des zweiten Teils brachte mich dazu, mir Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth auf Blu-ray zu organisieren und zu schauen.
Kritiken im Freundeskreis verhießen nichts gutes und beim Schauen stellte sich bei mir auch eine gewisse “Was soll das”-Manier ein, denn so richtig schlau wurde man aus dem Gezeigten tatsächlich nicht. Erinnerte mich ein Stück weit an die geniale Cube-Trilogie, in der quasi auch kaum Auflösungen zu sehen waren, was das Gesehene durchaus spannend bleiben ließ und bis zum bitterbösen Schluss konsequent für mentale Folter sorgte.
Hier sind es halt keine Erwachsenen, sondern Kinder in einer Welt, die keiner versteht. Die üblichen Rudelkämpfe, ein paar Überflieger und viel Masse – zusammengerührt ergibt das einen Cocktail an Darsteller-Figuren, mit denen schon in der Bestimmung-Serie für Furore gesorgt werden sollte, was ja bekanntlich mächtig in die Hose ging.
Tja, was soll ich sagen: Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste macht an dieser Stelle in meinen Augen einfach alles goldrichtig.
Zum einen: Die Stimmung! Man ist sofort in der Geschichte, die einen nicht nur abtauchen lässt, sondern in der man schier ertrinkt. Auftauchen zur Oberfläche? Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten? Fehlanzeige. Kaum kommen die Darsteller ein wenig zur Ruhe, reißt dich der nächste Strom überwältigender Bilder und Kopfkino-Geschichten zurück in den Sog der Tiefe und offenbart das Grausamste aller Gefühle, das die Menschheit je hervorbringen konnte.
Der Action-Faktor in diesem Teil: Sensationell. Gepaart mit dem Beat des Soundtracks und den gezeigten Szenen hievt man hier nicht irgendwelche elektronischen Bauteile auf die Showbühne der Superlative, sondern erschafft eine Form von “Breaking Out”, die den Zuschauer in seinen Bann reißt und förmlich in alle Richtungen katapultiert. Es wird nie langweilig, es werden keine “Sich darauf einstellen können”-Pausen inszeniert, sondern gnadenlos abgeschossen, was abzuschießen geht. Grandios!
Der Soundtrack ist eine eigenständige Erwähnung wert. Hier wird schön düster und unaufdringlich die dystopische Zukunftsvision untermalt und geerdet durch die Spielzeit hindurch geführt, ohne dabei das Gefühl zu geben, man würde selbst in die Tiefen des Nichts abstürzen. Man ist niemals genervt noch wird man zeitweise von der Musik im Stich gelassen: Im Gegenteil – alles zur rechten Zeit in der rechten Menge und Länge – mit Bravour bestanden.
Die Kulisse beeindruckt zu jeder Zeit. Was sich die Macher hier einfallen lassen haben, um die unterschiedlichen Schauplätze richtig zur Geltung zu bringen, gepaart mit einem sensationellen 3D, das andere Produktionen weit in den Schatten stellt – genau für solche Filme wurde Kino in seiner Größe und Gloria erschaffen, um Zuschauern ein derartiges Erlebnis zu bieten, das sie weit aus dieser Realität rausreißt und so richtig tief in eine Geschichte wirft, die zu keiner Zeit Zweifel daran zulässt, als wäre sie nicht echt.
Die Laufzeit war viel zu schnell um und man hat nicht eine Sekunde daran gedacht, dass es noch ein Hier und Jetzt gibt.
Die Horror-Einlagen schocken derart wirkungsvoll, dass sich Filme wie The Visit noch eine große Scheibe davon abschneiden sollten. Stellenweise zuckte der komplette Saal zeitgleich von den Stühlen hoch. Schuld daran sicher auch die ehrwürdige Soundabstimmung und die entsprechende Lautstärke, in der der Film gezeigt wurde. Der Flow, mit dem hier die Zeit niedergetrampelt wird, sucht seinesgleichen. Ich dachte mir oft: “Ja, es heißt Maze Runner und nicht Maze Slowwalker”. Den Pitch nach vorne und das “Davonrennen” hat man gekonnt und meisterhaft in Szene gesetzt.
Zusammen ergibt das einen Film, der seinen Vorgänger nicht nur weit hinter sich lässt, sondern auch die letzten Zweifel ausräumt, hier nicht mit der Genialität eines Cube mithalten zu können. Selten so ein überzeugendes Actionkino erlebt, das eine Story erzählt, die so von anderen auch hätte kommen können, aber niemals derart perfekt aufeinander abgestimmt aufgetreten ist. Das What the Fuck-Gefühl bleibt auch hier bis zum Schluss bestehen, da es an Auflösungen nur so mangelt, was tierisch Bock auf den dritten Teil macht und somit eine grandiose Geschichte ruhmreich zu ihrem Finale trägt.
Can’t wait 4 it.
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein! Und zwar so schnell als nur irgend möglich mit 3D-Brille bewaffnet in die Mitte des Saals setzen und Kino in Vollendung erleben.
Dieses Werk wurde geschaffen, um die tiefen Sehnsüchte und Bestimmungen von Kinosälen nicht nur zu beantworten, sondern zu ihrer Vollkommenheit zu führen. Action, Sound, Antrieb, Kulisse, 3D und Unvorhersehbarkeit: Hier stimmt einfach alles.
Das Zuschauen bereitet nicht nur Freude und unterhält, sondern man ertrinkt förmlich in der Tiefe der Geschichte, bei der keine Zeit zum Atmen bleibt, sondern man permanent auf Trab gehalten wird.
Adrenalin pur, Entertainment vom Feinsten wie es das Herz eines jeden Kinogängers begehrt. Mehr davon!

 
Nachspann
Manchmal reichen “letzte Sätze” aus, um genügend Vorabinformationen zu geben. Die Anfänge des Abspanns sind wunderbar 3D-animiert und zeigen noch einmal so richtig, wozu man heutzutage in der Lage ist.

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