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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Zachary Levi

Shazam! (3D)

© 2019 Warner Bros. Ent.

Nein, ich fange jetzt nicht schon wieder an, die alte Leier Marvel vs. DC abzuspulen, auch wenn hier gewisse Parallelen zu erkennen sind: Aber wie gewohnt zieht DC dabei den Kürzeren.

Wenn man Comic-Fans befragt und sie schon unrühmlich mit den Augen rollen und sich wünschen, diesen Superhelden gäbe es gar nicht, weiß man ungefähr, worauf man sich bei diesem Spektakel einlässt. Warum schaffen es dann Titel wie dieser in meine Top 5 der Woche?

Ganz einfach: Von allem, was DC inzwischen abgeliefert hat (ausgenommen Wonder Woman), erreicht man hier ein ungekanntes Niveau dieses Labels, das es tatsächlich schafft, ein würdiges Bild eines Charakters zu zeichnen und ihm per Film die notwendige Ehre zu erweisen, damit sich ein Publikum daran gewöhnen und ihn im Laufe der langen Spielzeit in sein Herz schließen kann… Man erkennt wieder frühe Züge von Marvel, die damals mit Iron Man begonnen haben.

Das Problem ist nur: Schon mit der .trailer-PR hat man redlich versagt und eine Vermutung ans Publikum weitergereicht, die so absolut keinen Bock auf diesen Film macht, weil man sich da bereits fremd schämt und schon gar keine Folgelust hat, sich als Filmheld zu verkostümieren und draußen so vor andere Menschen zu treten. Und da kommt meine Empfehlung wieder ins Spiel: Manche mögen hier gewisse Grundzüge von Deadpool erkennen wollen, auch an dieses Niveau reicht man lange nicht ran, allerdings arbeitet sich der aktuelle Blockbuster DCs redlich aus der Versenkung nach oben und schafft es wirklich, einen Superhelden so zu malen, dass man ihn auch akzeptieren kann.

Vergleiche sind an dieser Stelle unnötig, dumm und völlig aus der Luft gegriffen. Genauso muss aber auch gesagt werden, dass der .trailer wieder mal massiv mehr kaputt gemacht als Lust gemacht hat und daher die Entscheidung, ob dieser Film doch konsumiert werden sollte, nicht allein aufgrund der wenigen Bilder der Vorschau getroffen werden sollte – und wenn doch, hier dem Film ein eindeutiges “Pluspaket” zugesandt werden muss, damit dieser schwerer in die Gewichtung fällt.

Tatsächlich macht es nämlich wirklich Spaß, und man merkt, dass sich DC nun endlich um seinen eigenen Dreck schert und nicht mehr nur abkupfern und hinterhertigern möchte, sondern sich auf die Geschichte besinnt und damit anfängt, Originale zu liefern – genau das, worauf viele Fans seit Jahren beständig enttäuscht gewartet haben.

Ich beginne nun auch nicht, in überschwänglicher Freude über dieses Werk abzufeiern und jeden fanatisch ins Kino zu treten: Dafür ist man noch viel zu weit in den Anfängen. Ich würde eher sagen: “Ganz nett mit extrem positiver Tendenz zum Guten.”

Sollte daraus also wirklich etwas werden, würde man sich hinterher drüber ärgern, wenn man Teil 1 nicht im Kino bestaunen konnte, und dieser Zeitpunkt kommt bekanntlich nicht wieder: Also nehmt euch ein Herz, besauft euch den .trailer wieder aus dem Hirn, gebt euch den Ruck und verköstigt auch diesen Blockbuster auf dem Big Screen. Dann wart ihr – bei Zukunftserfolg – wenigstens von Anfang an dabei.

.kinoticket-Empfehlung: DC hat endlich verstanden, dass es mit eigenen Originalen besser funktioniert als mit Marvel-Nachgeäffe: Man beginnt, eigene Helden zu inszenieren und kümmert sich in dem Film tatsächlich mal um solide Unterhaltung.

Es dauert eine Zeit, bis man firm damit geht, aber der Film schafft es, dass man den Superheld ins Herz schließt und der Streifen am Ende wirklich eine Genugtuung war – allerdings ist die Überwindung dank des furchtbar schlechten .trailers wahrhaftig ein Stolperstein.

Rafft euch ein Herz – geht ins Kino und denkt wieder dran: Je größer, desto besser.

Nachspann
✅ Wenn man Marvel schon alles nachmacht, dann auch konsequent: Auch hier werden Mid- und Aftersequenzen geboten, die man unbedingt mitnehmen sollte.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Shazam!
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12

Bo und der Weihnachtsstern

Gerade in der Adventszeit wird wieder sehr viel für Familien mit Kindern in den Kinos gezeigt, um sich die Wartezeit bis zum großen Fest noch ein wenig zu versüßen. In diesem Jahr spürt man deutlich, dass der in den letzten Jahren aufgebaute Hype rund um Weihnachten mit all seinen Umstrebungen deutlich abgenommen hat und man sich allseits wieder zurückbesinnen möchte zu den Ursprüngen.
Hat man früher in Fernsehshows noch darüber gelacht, wenn einer sich so dämlich angestellt hat und nicht wusste, was dieses Fest für eine Bedeutung hat, gehört dies heute dank kultureller und religiöser Vielfalt fast schon zum Alltag, das teilweise solche absurden Züge angenommen hat, die dann in Wortschöpfungen wie “Wintermarkt” enden.
Im Zuge dieser politischen Entgleisungen, die sich überall breit machen, finde ich es sehr angenehm, dass es tatsächlich noch Produktionen gibt, die ihre Herkunft nicht vergessen. Es ist doch affig, wenn man – im Namen der Integration einer ganzen Welt – lokale Festivitäten nun auch dem Gleichstellungsmassaker in den Schlund wirft und einfach seine eigene Herkunft verleugnet, statt sie – ganz klassisch – gleichberechtigt neben andere kulturelle Events zu stellen und gleichermaßen zu feiern.
Dieses Vorgehen der eigenen Selbstleugnung ist meines Erachtens genauso falsch wie die Intoleranz gegenüber anderen – beides sollte im Leben keinen Platz finden, sondern einer friedlichen Zusammenkunft vieler Völker Platz schaffen, bei dem die einen Gast der anderen sind und sich zurückhaltend in Akzeptanz und Frieden üben, den ja irgendwie alle Weltreligionen als Wunsch vorangestellt haben (okay, mit Ausnahmen – keine Diskussionen an dieser Stelle).
Bo und der Weihnachtsstern erfüllt diesen Wunsch im Rahmen der westlichen Kultur und erzählt die klassische Weihnachtsgeschichte – aus völlig anderer Sicht. Bemerkenswert ist dabei das Humorlevel, dass man den einzelnen Charakteren angedeihen ließ: Es macht echt Spaß und löst auch bei den Kiddies jede Menge vergnügliche Schreie aus.
Man baut auf Running Gags, Situationskomik und andere erfreuliche Vorlieben und schlängelt sich dabei völlig ohne religiöses Gehabe durch eine Geschichte, die von ihrer Faszination noch lange nichts verloren hat und hier auch keinen fad-altbackenen Kirchengeschmack mitbringt, sondern auch in atheistisch-fröhlicher Runde genossen werden darf: Dieses Feingefühl bekommt von mir ein großartiges Lob.
Überhaupt ist diese fanatisch-religiöse Zornesgestalt, die man den Religionen immer andichten möchte, in diesem Film so unfassbar zurückhaltend und defensiv, dass es fast schon wieder Faszination auslöst, die einen eher wieder in die Kirchen zieht als die Menschen durch Abscheu zu vertreiben. Und das so auf die Reihe zu kriegen – innerhalb einer tief christlichen Story: Respekt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man könnte sagen: Bo und der Weihnachtsstern hat genau das, was der Welt da draußen zur Zeit fehlt.
Sei es der Friede, sei es die liebevolle Umarmung in Form der Zeichnung und des Verhaltens, sei es die unbekümmerte Teilnahme an etwas, das man nicht mehr so selbst sein eigen nennt: Dieses Werk macht sehr vieles richtig und sollte daher auch von vielen gesehen werden.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also raus.
Kinostart: 7. Dezember 2017

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