Anspruchsvisage aufgesetzt: Hier kommt ein Film, bei dem die Dummen schon vorher den Saal verlassen sollten – oder sich zumindest darauf einstellen, dass sie nach dem Gesehenen nicht mehr als solche bezeichnet werden können.

FaktThe Big Short trägt derart mit verbaler Kommunikation zwischen den Zuschauern und Machern auf, dass selbst gebildeten Bürgern das Folgen der Leitlinien im Film schwer fallen dürfte. Dies stellt jedoch kein Betrachtungs-Dilemma auf, da Adam McKay gekonnt Stilmittel einsetzt, um den Zuschauer bei der Stange zu halten und selbst trockene Themen wie diese unterhaltsam und kurzweilig präsentiert.

Fakt 2: Wer irgendwas mit Geld zu tun hat, sollte sich diesen Film ansehen!

Fakt 3: Wer nichts mit Geld zu tun hat, sich aber für Aktien, Banken, Finanzen, Gelder, Geldströme und die ausbeuterischen Machenschaften der (Welt)-Banken interessiert, sollte sich diesen Film ansehen!

Außerdem jeder, der einkaufend tätig ist oder in irgendeiner Form Waren gegen Geld veräußert oder ersteht. Und dann noch alle, die in unserem Zeitalter leben und die Finanzkrise 2008 bei lebendigem Leib mitgekriegt haben.

Zuguterletzt diejenigen, die planen, irgendwas in Richtung Aktien, Fonds, Anlagen, Wertpapiere, Wetten und ähnlichem in naher und später Zukunft zu machen.

Was hier offenbart wird, basiert zwar nur teilweise auf wahren Begebenheiten und erhält seine Inspiration ansonsten aus einem Buch von Michael Lewis, dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass mit dem Unwissen um unsere Finanzwelt hart und offen abgerechnet wird, indem man das dumme Publikum schlichtweg einfach mal eben … bildet.

Wo ARD, ZDF und Konsorten mit ihrem Bildungsauftrag versagten und stattdessen wild das unverständliche Gelaber der Presseagenturen herunterbeten, um die Zeit zwischen 20:00 Uhr und dem Spielfilm zur Primetime irgendwie sensationsheischend zu füllen, schickt sich dieser Film hier an und erpresst das Hirn eines jeden Zuschauers in kürzester Zeit mit wahnsinnig wichtigen Fakten, die einem – die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehend vorausgesetzt – jede Menge Geld einbringen können.

Was offensichtlich breit und fett auf den Bannern der Macher stand: Wissen schaffen. Wissen schaffen im Wirrwarr der unverständlichen Bezeichnungen im Finanzwesen, mit denen Banken auf legale Art und Weise Menschen ausbeuten, Existenzen vernichten, Menschen dazu erziehen, über ihre Verhältnisse zu leben und sie systematisch mit immer neuen – scheinbar tollen – Angeboten in den Ruin locken und nebenbei mit dem Geld, das sie daraus ziehen, zocken und somit im großen Stil Unheil anrichten. Denn zahlen tut immer der, der am wenigsten dafür kann: Du.

The Big Short gibt hiermit eine wahnsinnig wichtige Anweisung mit auf den Weg, wie man als Privatbürger in Zukunft mit der Bank seines Vertrauens umgehen kann, um eben jener Abzocke zu entweichen und sich nicht mehr mittäterisch an den inhumanen Machenschaften zu beteiligen.

Dass hierbei nicht an Witz, Komik und Unterhaltung gespart wird, ist für mich mehr als ein großes Kunststück, denn der Blick hinter die Kulissen unserer Zeit ist hier so offensichtlich und großangelegt, dass einem beim Schauen oftmals fast schon schlecht werden kann, wenn der Erkenntnishammer wieder und wieder von innen gegen die Schädeldecke schlägt.

Überträgt man die gewonnenen Einsichten dann auf das Gebrabbel aus den Abendnachrichten, stellt man sehr schnell fest, dass “Buch” und “Fiktion” aus diesem Kapitel Kinogeschichte ganz schnell gestrichen werden können und hier fast schon als Stilmittel eingesetzt wurden, damit der Bürger nicht zu hart mit den Fakten unserer Realität konfrontiert wird und brav weiter sein “Es ist ja nur ein Film und nicht die Wirklichkeit” runterbeten kann.

Leute, die jedoch Freude daran haben, ihre Augen zu öffnen und die Dummheit begehen, einfach mal hinzusehen, werden anschließend völlig anders mit ihrem Geld umgehen und feststellen, dass der Reichtum im eigenen Denken begraben liegt, da einfach absolut jeder mit seinen derzeitigen Finanzen um so vieles reicher sein könnte, als es anfangs den Anschein hat.

Wenn man sich an die Botschaft hält, die dieser Film mit auf den Weg gibt.

.kinoticket-Empfehlung: Das ist keine Empfehlung, das ist ein Befehl: GEHT IN DIESEN FILM!

Geht meinetwegen auch nochmal rein. Wartet bis zur Veröffentlichung, damit ihr die Stellen pausieren und euch die Untertexte in Ruhe durchlesen und verstehen könnt, aber geht solange ins Kino und schaut ihn euch an.

Jede Minute, die verstreicht, in der ihr nicht über diese Machenschaften aufgeklärt seid, ist eine Minute, in der ihr in eurem Leben viel Geld verlieren könnt, einfach aus dem Unwissen heraus, in das die Finanzwelt euch rein erzogen hat.

Die Zeiten sind vorbei, in denen einigen exklusiven Menschen das Recht auf Wissen und Reichtum vorbehalten war. Heute kann jeder dazu beitragen, sich selbst zu bilden und über die Dinge Bescheid zu wissen, die sich vor unseren Augen abspielen, um hinterher gezielt und richtig und vor allem wirkungsvoll darauf zu reagieren.

Eine wahnsinnig spannende, unterhaltsame, witzige und zutiefst intelligente Methode, um sich in diesem Sektor zu bilden, stellt dieser Film. Man darf sich also sogar zurücklehnen und weiß hinterher trotzdem besser, was da draußen vor sich geht.

Also geht verdammtnochmal einfach rein und lasst mich nicht ständig darum betteln!

Nachspann
✅ Im Nachspann flackern hier und da noch ein paar Bildchen auf, mit dem Rausrennen kann man sich also Zeit lassen. Lieber das Gesagte noch eine Weile sacken lassen und verinnerlichen.

Kinostart: 14. Januar 2016

Original Title: The Big Short
Length: 131 Min.
Rated: FSK 6

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