Ein Film, der den schlichten Titel “Der Junge” trägt, lässt nicht wirklich vermuten, dass es hier um erstklassigen Suspensehorror geht, bei dem die großen Beschützer unserer Nation so richtig tief in die Scheiße gegriffen haben.
Wieso? Das Teil hat von der Jugendschutzwahnsinnigenorganisation das Label FSK 12 verpasst bekommen. Was zu deutsch heißt, dass es absolut kein Problem darstellt, wenn Kinder im Alter von 6 (!!!) Jahren in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigen diesen Film ansehen.
Äh … nein! Never. Ever.
Ich bin ein Freund von Horrorfilmen und LIEBE es, wenn man mir Gänsehaut auf den Rücken schickt – und aufgrund der unzähligen, zehntausenden Titel, die ich in meinem Leben bereits gesehen habe, ist es verdammt schwierig, mich wirklich zu gruseln und das spannende Gefühl ausschüttenden Adrenalins zu produzieren. The Boy schafft das mit links.
Mein Stammkino weist bereits mit roten Schildern in den Foyers darauf hin, dass sie es als wertvoll und wichtig erachten, ihre persönliche FSK-Empfehlung dazu auszusprechen. Mein Gedanke dabei: FSK 16 ist sogar teilweise noch ein Kompromiss. Warum nicht 18?
Achja, dann verdient man ja nichts mehr. Es geht keiner rein und das Publikum schrumpft erheblich zusammen. Immerhin dürften solche Filme vor einer bestimmten Uhrzeit nicht gezeigt werden. Auch später im Fernsehen nicht.
Solltet ihr erwachsen sein, dann macht euch den Spaß und besucht eine Vorstellung von The Boy und überlegt euch, ob ihr dies eure Kinder um 14 Uhr alleine auf RTL II schauen lassen wollt. Ist nämlich mit dieser FSK-Freigabe der Jugendschutzwahnsinnigen kein Problem.
Ja, genau. Die Institution, die es für extremst wichtig erachtet, dass auf allen verkauften Filmdatenträgern vorne übergroße FSK-Logos prangen, um die Kinder und Jugendlichen vor geistiger Zerstörung zu schützen (!!!) ist exakt die gleiche, die es fertig gebracht hat, einem Film wie The Boy FSK 12 (!) aufzulabeln.
Dieses Mal bin ich mir fast sicher, dass diese Freigabe gekauft worden ist. Kein Mensch mit funktionierendem Verstand würde zulassen, dass solch ein Material in die Hände von 6jährigen Kindern gelangt! Willkommen, schöne, brutale Welt.
Sich damit zu entschuldigen, dass hier ja nix gezeigt wird kann man dieses Mal nämlich nicht. Dieser Film war der erste seiner Art, bei dem das Restpublikum wirklich still war. Und das, obwohl sie bei den Vorschautrailern am Anfang noch wild gekreischt haben.
War es Schock? War es die brutale, geistige Härte, die sich im Kopf abspielt, wenn man das sieht?
Nur eines vorweg: Der Trailer – egal, welcher – zeigt gar nichts. Was genial ist. Denn dann macht der Film trotz Trailerspoilerei noch tierisch Spaß.
Ich war auf jeden Fall geflasht und froh darüber, dass dies mein 250ster Film innerhalb meines Kinojahres war. Der kommt definitiv in die heimische Filmsammlung, denn ansehen kann man sich den ruhig noch drei, vier weitere Male. Wenn man erwachsen ist. Und sowas verträgt.
Mir hat das ganze Unterfangen einfach nur bewiesen, was für ein Heuchler die Freiwillige Selbstkontrolle Film ist. Wir ärgern uns heute immer noch über diesen scheiß Jugendschutzzwang auf den Covern, die die Industrie dazu veranlasst, Wendecover zu erfinden, um die Sammler nicht ganz so vor den Kopf zu stoßen und gleichzeitig lassen sie sich dazu herab, diesen Titel an Kinder auszuschenken und widersprechen damit ihren eigenen Prinzipien. Ist das die neue Art von Welt, in der wir leben? In der Kohle wirklich alles ist und das Wort Schutz offensichtlich nur als Gelddruckmaschine missbraucht wird, um hier und da noch etwas mehr abzukassieren?
Ich weiß es nicht. Ändert aber nichts daran, dass jeder geneigte Suspense-Fan sich diesen Scheiß hier reinziehen sollte. Denn so einen geilen, abartigen und gänsehautproduzierenden Wahnsinn habe ich immer gesucht und bisher nie gefunden.
Und in den großen, dunklen Kinosälen mit einem Betreiber, der weiß, dass solche Filme laut sein müssen, macht dieser Schocker nämlich richtig Laune! Ich könnte mir vorstellen, dass von der Intensität einiges flöten geht, wenn man ihn auf dem heimischen Fernseher schaut, dessen Bildgröße einem iPad Pro gleicht. Also Abflug ins Kino.
Und zuletzt noch ein Wort an die FSK: Wundert euch nicht, wenn wir in 10-20 Jahren mit ein paar Geisteskranken mehr überflutet werden, denn die Kinder, die sich das anschauen, können nur mit geistigen Schäden daraus hervorgehen – und daran seid IHR Schuld!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte wissen, dass der Trailer absolut nichts von der Schockstarre zeigt, die sich im Kopf der Zuschauer manifestieren könnte, wenn man sich den ganzen Film ansieht.
Ich fand’s affengeil und würde jederzeit wieder reingehen, wenn dieser Titel nicht nur in den Spätvorstellungen laufen würde. Das wiederum haben die Kinos aber sensationell gelöst, um so zumindest etwas einzudämmen, dass sich kleine Kiddies diesen Kram ansehen. Laut Freigabe ist dies nämlich möglich, laut Inhalt sollte man genau das aber tunlichst vermeiden.
Fans von Suspense feiern hier eine Orgie, die so schnell sicher nicht überboten werden wird.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, aber du bist zutiefst berührt und grundiert geschockt. Das reicht, um wankend wieder auf die Straße zurückzukehren und ins echte Leben zu finden.

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