Erinnert ihr euch noch an die Anfänge der Flüchtlingsströmung, die nach Deutschland einreiste und halb Europa mental verrückt gemacht hat? Durch Medien, gezielte Berichterstattung und jeder Menge seltsam kodierter Schreckensmeldungen auf Facebook und in sozialen Netzwerken ist dieses Phänomen längst nicht mehr objektiv bewertbar und hat uns Wortschöpfungen wie “Fake News” eingebrockt.
Die Menschen haben sich in Verbindung mit den politischen Ereignissen und der zunehmend verschobenen Denkweise einiger Verirrter längst einen völlig neuen Begriff dafür definiert und sich ihre teils absurde Meinung darüber gebildet.
Passt soweit auch – gehört ja u.a. zu einer der Errungenschaften einer Demokratie, eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten. Ob man die nun verstehen oder gar mitvertreten will, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Schaut man sich heute die Fakten mal an, erörtert die einstigen Ängste dieser Sorgenbürger, die eine Überfremdung und völlige Entmenschlichung der natürlichen Verhältnisse befürchtet haben und schaut sich um, was tatsächlich in diesem Land abgeht, wird man schnell folgendes feststellen:

  • Man kann immer noch auf deutsch seine Brötchen beim Bäcker ordern.
  • Die Landessprache hat auch 2018 noch nicht in arabisch oder “islamistisch” gewechselt, sondern ist weiterhin Deutsch.
  • Die unzähligen Massen, die aufgrund der illegalen Flüchtlinge alle ihre Arbeit verlieren werden, arbeiten weiterhin täglich in ihrem üblichen Job und wurden noch nicht durch Senegalesen, Irakis oder andere Weltbürger reihenweise aus ihrem Job verdrängt.
  • Es gibt immer noch mehr christliche Kirchen innerhalb dieses Landes, als Moscheen.
  • Die Ausübung des christlichen Glaubens (Hand auf’s Herz: Wer tut dies aus voller Überzeugung und nicht nur, weil Ostern oder Weihnachten ist?) ist auch weiterhin problemlos möglich – es wurde noch niemand erschossen, nur, weil er weiterhin in die Kirche geht und noch nicht zum Islam konvertiert ist.
  • Durch die Auseinandersetzung mit fremden Menschen und anderen Kulturen hat sich Deutschland der Aufgabe gestellt, über seinen eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und an ungewöhnlichen Situationen zu erstarken.
  • Diesem Land geht es – trotz vermeintlicher Überflutung von Flüchtlingen – unfassbar gut.

Beleuchtet man dies also alles ein wenig distanzierter und entspannter, stellt man unglaublich schnell fest: Die Dinge scheinen viel weniger spektakulär, als sie uns so manch Anhänger einer seltsamen Partei weismachen will.
Warum ich das alles erzähle?
Transit handelt nicht von der aktuellen Flüchtlingskrise, sondern dreht den Spieß einmal rum: Der Deutsche flieht – und das nicht 2018, sondern weit weit früher – 1940. Dies ist eine wunderbare Romanverfilmung, die sich nicht auf wahre Ereignisse stützt, sondern vielmehr das Verständnis für Fliehende ganz neu aufmischt und eine völlig andere Perspektive liefert, die man gerne auf heutige Zustände kopieren darf.
Genau dieses “altmodische” Verständnis dafür hat mir an dem Film sehr gefallen. Das beruhigte, unaufgeregte und einfach erzählerische, dass sich mit Situationen auseinandersetzt, die wir heute in unserer Raserei vielleicht vollkommen nüchtern bewerten sollten, um ein gutes Miteinander zu schaffen, bei dem Gewalt, Hass und Argwohn außen vor bleibt.
Wer jetzt glaubt, nur weil die Zahl 1940 aufgetaucht ist, wieder in einer der Schwarz-Weiß-Kriegsschmonzetten zu landen, der irrt gewaltig: Weiß man das nicht, fällt es einem gar nicht auf und man könnte meinen, der Autor hätte einfach ein sehr seltsames Weltbild unserer heutigen Situation. Also keine Angst: Es ist alles in Farbe und zeugt nicht von altdeutschem Charakter.
Dennoch – vielleicht gerade deshalb – ist die Sichtweise, die uns der Regisseur offenbart, eine sehr wertvolle, weil sie unsere Flüchtlings”krise” völlig neu bewertet und zumindest Anlass dafür gibt, sie einmal neu zu diskutieren. Was eignet sich dabei mehr als Einstieg, als ein toller Unterhaltungsfilm?
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Einblicke in das Leben der Menschen, die in den Ländern, wo sie verweilen, nicht geduldet sind.
Der Film gibt Aufschluss über das Leben als Verstoßener und bietet reichhaltige Chancen, ein unaufgeregteres, saubereres Bild unserer Welt zu gestalten, das nicht mehr vom Gift des Hasses durchsät ist. Allein dafür lohnt sich der Blick ins Innere eines Kinosaals.

 
Nachspann
Der Film darf vorzeitig verlassen werden, hier folgt nichts nach dem Abspann.
Kinostart: 5. April 2018
 
Und zum Abschluss gibt es noch ein paar Eindrücke von der Filmpremiere am 5. April 2018 in München im City Kino, bei der u.a. Regisseur Christian Petzold, Kameramann Hans Fromm, Darstellerin Maryam Zaree, Darsteller Matthias Brandt sowie Hauptdarsteller Franz Rogowski zu Gast waren.
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