Unheimlich perfekte Freunde

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Fangen wir mal mit den positiven Dingen an: Die Jungdarsteller und -darstellerinnen überzeugen durch die Bank weg mit ihrer Performance und gehören damit nicht der typischen Nerv-Kind-Sorte an, sondern liefern hier erstklassige Arbeit ab.

Auch die Idee des Films kann sich sehen lassen und ist meiner Meinung nach exzellent umgesetzt.

Problematisch wird’s eher beim Inhalt. Irgendwie hapert es da ein bisschen an der Gesamt-Schnittigkeit und dem überzeugenden Etwas, das keiner so richtig benennen kann. Nach dem Film kam ich aus dem Kino, hatte immense Schwierigkeiten, mich damit anzufreunden, hab ein wenig drüber gesprochen und beim Reden dann erst gemerkt, wie tiefgründig und geil die Botschaft des Films eigentlich ist.

Und da sind wir wieder beim Positiven: Die Moral von der Geschicht’ ist über alle Maßen toll – und irgendwie verreckt dabei auf der Strecke eigentlich nur das Wesentliche.

Na toll, mag jetzt jemand sagen – genau das sollte doch eigentlich passen und überwiegend überzeugen … tut es auch, halt nur indirekt, danach … irgendwie. So ganz rund ist das Konzept eben nicht, aber genau das gehört dann wahrscheinlich auch dazu.

So wie ich manchmal die innere Zerrissenheit und Zerstörung in Form von schrecklichen Texten in eine Rezension einbaue – quasi als “Stilmittel”, so wurde hier an Perfektion und Durchgestyltheit rumgekraxelt, dass am Ende eben das komische Gefühl bleibt, einen nicht so tollen Film gesehen zu haben – der, je länger man darüber nachdenkt, geiler eigentlich nicht sein kann.

Und das nenn ich doch mal eine interessante Mischung, die den Gang ins Kino wiederum rechtfertigt. Doch nicht nur das, auch die beiden Hauptdarsteller sind es wert, sich das Ding zu besehen, selten hab ich so viel Coolness und Schlagfertigkeit in einer so jungen “Krass, mich gibt’s doppelt!”-Rolle gesehen, wie hier.

Und das allergeilste ist irgendwie, dass das zwar ein Kinderfilm ist, der sich aber auch in Richtung Erwachsenen-Dasein räkelt, denn die Gedanken, die man hier hervorruft, sind in vielerlei Hinsicht sehr bemerkenswert und in unzähligen Erziehungsmodellen dringend notwendig, um den Heranwachsenden wieder ein lebenswertes Dasein zu verschaffen, fernab von jedweder skurril-kranker Wahnvorstellungskraft der “Erwachsenen”, die sonst was im Kopf haben außer das Wohl des Kindes.

Uh, böses Thema … sollte am besten gar nicht angeschnitten werden, schon gar nicht von einem kinderlosen Typ in weiß … ich weiß 😉 Also, lasst den Film sprechen, denn die Aussagen da drin gefallen mir über die Maßen gut und ich finde, man darf sich davon gerne eine dicke Scheibe abschneiden – auch wenn der Film komisch ist.

.kinoticket-Empfehlung: Seltsam, irgendwie nicht ganz rund und dennoch mit einer großartigen Pointe, die den Film tiefsinnig und damit doch wieder höchst wertvoll macht.

Die Kids überzeugen, die Erwachsenen werden zur Diskussion gebeten und dieses Thema wird endlich mal wieder exzellent beleuchtet und von jeglichen Skurrilitäten befreit, obwohl alles doch etwas sehr befremdlich ist da drin.

Interessante Mischung, lasst sie euch in einem Kino eurer Wahl munden 😉

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, wenns auf Schwarz geht kommt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Unheimlich perfekte Freunde
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

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