Unknown User Dark Web

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Am 16. Juli 2015 schickte man mit Unknown User ein völlig neues Filmkonzept in die Säle und eröffnete damit ein cineastisch neues Feld, dass es fortan zu erschließen galt. Die Idee glänzte mit einem vollkommen frisch erfundenen Siegel der Unberührtheit und entführte in eine Welt, die es vorher so auf der Leinwand noch nicht gegeben hatte.

Kurz darauf zerstörte man eben jene Idee sofort wieder mit einer grottenschlechten Umsetzung, die hierzulande Unfriend hieß und den gleichen Schmarren durchziehen wollte und dabei die wesentlichen Merkmale des Films vollkommen ignorierte. Das, was man an Unknown User so schätzte, diese technische Richtigkeit und das Nicht-Verarscht-Werden, wenn es um IT und Software geht, wurde hier völlig beiseite gestoßen zugunsten eines absolut lächerlichen Plots.

Nun muss man beide Filme aber auseinanderhalten können – und da geht der Wahnsinn gleich weiter:

Unknown User heißt im Original Unfriended während …
Unfriend im Original wiederum Friend Request heißt. Nun kommt
Unknown User 2: Dark Web – im Original wiederum Unfriended: Dark Web ins Spiel.

Also nicht durcheinander kommen, liebe Übersetzungsfanatiker 😀

Aber zurück zum Thema: Das, was man in Unfriend dann so richtig verhauen hat, wurde zwischenzeitlich mit Searching einer technischen Perfektion unterzogen, die sogar die Originalidee bei weitem in die Tasche steckte: Hier war wirklich absolut nichts mehr so, wie es nicht in der Realität auch wäre … nur der Plot ließ sinnstiftend teilweise etwas zu wünschen übrig.

Und jetzt? Meldet sich das “Original” zurück und möchte eine Stufe tiefer gehen, nämlich ins “Dark Web”, was in den Medien oft als ziemlich verwüsteter Horror-Areal-Boden dargestellt wird, von dem die meisten tatsächlich überhaupt keine Ahnung haben.

Dazu müsste man IT-Strukturen verstehen, sich völlig neutral und emotional unbefangen mal ein paar simple Beispiele erklären lassen und dann einen objektiven Entschluss fassen, dass alles gar nicht so ist, wie es eigentlich den Anschein hat – aber bitte, wir leben immerhin im Facebook-Zeitalter, bei dem die meisten gar keine Ahnung haben, was hier wirklich abgeht.

Siehe The Cleaners. Siehe das wunderbare Buch von Veit EtzoldDark Web, in dem meiner Meinung nach ziemlich realistisch dargestellt wird, was hier tatsächlich gemeint ist.

Und diese Ideen dreht man nun also durch den Blumhouse-Schredder und verwurstet sie auf schräg-geniale Art und Weise.

Genial?

Tatsächlich, denn die Struktur der Persönlichkeiten, die man hier nun an die Bildfläche setzt, zeugt viel mehr von Natürlichkeit und Menschlichkeit, als es in solchen Filmen sonst der Fall war. Selbst in Unknown User hat man nicht einen so realistischen, sympathischen und “best-buddy”-mäßigen Bezug zu den Darstellern herstellen können, wie es jetzt der Fall ist.

Und das geht so lange, bis man sich nun endlich in die Tiefen des “Dark Web” stürzen möchte und auf einmal alles nur noch lächerlich wirkt – garniert mit Twists, die das Attribut “genial” wiederum verdienen würden.

Müsste ich in einem Satz resümieren, wäre ich gefangen zwischen “Soooooo schlecht, wie man meint, war der gar nicht” und “Hol die Charaktere des Films raus und sobald es spannend wird, geh aus dem Saal, aber nimm die Twists noch mit” … Schwierig.

Man stirbt eben selbst wieder an den unrühmlichen Verquerungen, die man sonst eigentlich nur vom allwissenden ZDF-Redakteur im Sonntag-Abend-Tatort kennt, der sich inzwischen ja das “weltfremd”-Attribut selig verdient hat.

Und genau das ist das Problem: Ein Movie mit FSK-16-Freigabe zu gestalten, in dem es um Dinge gehen soll, die eindeutig weit über FSK-18-Niveau sind, ist per se zum Scheitern verurteilt … und dafür hat man einen exzellenten Cast und supergeile Rollen geschrieben und technisch zumindest anfangs noch alles richtig gemacht.

Erst, als man beschließt, jetzt eben doch wieder ein wenig Blumhouse-Spielwiese zu betreten, wird’s lächerlich, was auch die genialen Twists schlussendlich nicht mehr vollkommen rausreißen können.

Dabei hätte das echt DER große Wurf werden können, so bleibt gutes Mittelmaß mit Tendenz zum Besseren. Macht also einfach den dritten Teil und legt dann den absoluten Durchbrenner hin … vielleicht sogar mit roter Auszeichnung? Ich hätte Bock drauf.

.kinoticket-Empfehlung: Großartig gecastet, sympathisch gespielt und auch technisch sehr durchdacht – bis man ins “Dark Web” stürzen möchte und alles nur noch lachhaft wirkt.

Die Planlosigkeit, mit der man dann versucht, auf blumhouse‘sche Art zu schocken, ist total daneben und sorgt eher für Amüsement denn Grusel und verfehlt damit gänzlich seine Wirkung. Auch die Twists reißen es nicht komplett rum, das Allzeit-Mies-Gefühl bleibt dennoch aus: Man kann sich den Film durchaus im Kino besehen.

Nachspann
✅ fördert jetzt keine neuen Szenen parat, für Coder aber recht liebenswert gestaltet und eine wahnsinnig gute Idee – und da bleib ich gern noch eine Minute länger hocken … Ausgang ist eh verstopft 😉

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Unfriended: Dark Web
Length: 88 Min.
Rate: FSK 16

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