Meiner Meinung nach war es ein Fehler, diesen Titel in der Vorschau mit dem Namen Til Schweiger zu verbinden, denn das wird für einen Großteil ein Grund sein, die Vorstellung nicht zu besuchen.
Und diese Entscheidung dürften viele spätestens dann bereuen, wenn sich irgendein Fernsehsender die Streamingrechte erkauft hat und das Teil im Free-TV zu sehen sein wird, denn die werbefrei-unangetastete Vollversion des Films erhält man nur, wenn man ein .kinoticket löst und sich das Teil in einem dem Film den gebührlichen Respekt erweisenden Areal anschaut: Nämlich im Kino selbst.
Die Schaffenden hinter der Kamera offenbaren hier nämlich nicht nur ein völlig skurriles Bild, das sich mit viel um die Ecken gedachten Paralellen wieder in Richtung “Musikfilm” bewegt, sondern inszenieren eine neue Art Movie, das in den kommenden Jahren gerne als Startpunkt für eine neue Bewegtbildära gelten darf, die mir als jemand, der ständig auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen ist, mehr als gut gefallen hat.
Der Bruch mit der 4. Dimension mag manch einem ja bekannt sein, aber was man hier an Inception-Moves vereinigt hat (mir fällt grad kein besserer Begriff dafür ein), sucht seinesgleichen.
Und das in einem Titel, bei dem Til Schweiger einen Großteil zu sagen hat.
Spätestens nach diesem Abspann hast du dem Kerl alles vergeben, was dir in der Vergangenheit womöglich bitter aufgestoßen ist. Nicht nur die eigenironische Weise, mit der man sich ständig selbst parodiert, sondern auch die unglaubliche, dem deutschen Film niemals zugetraute Größe, die hier auf einmal auf dem Tablett liegt, hat mich positiv geschockt.
Und ich hasse deutsches Kino – und selbstverliebte Darsteller erst recht. Beides ist in diesem Film nicht zu finden. Die Bühne gehört ganz dem ursprünglichen Sinn von Kinofilmen: Dem Rüberbringen einer faszinierenden, fesselnden Geschichte, wie sie im Buche steht.
Dass hierbei nicht nur echte Menschen involviert sind, die aus dem tatsächlichen Leben erzählen, sondern auch noch eine Verbindung geschaffen wird, die die Tiefgründigkeit einer zumeist oberflächlich dargestellten Persönlichkeit ans Licht bringt in dieser in sich geschlossenen Umgebung hat mich zutiefst beeindruckt.
Wo vorher Abneigung und gehypter Hass im Raum wogte, steht auf einmal Sympathie, Mitgefühl und eine unglaubliche Nähe zu einem Typ, den man vorher noch nie in seinem Leben getroffen hat.
Doch nicht nur die autobiografisch-anmutende Erzählumgebung, sondern auch das Schauspiel der darum stolzierenden Mitbewerber setzt internationale Akzente und sorgt mit dafür, dass sich Deutschland immer mehr Platz auf dem Podest des internationalen Ruhmes erarbeitet und das Repertoire des vorzeigbaren Schauspiels um einen Film erweitert, den man auch noch nach Jahren uneingeschränkt empfehlen kann.
Mich hat es tierisch begeistert, ich war geflasht von der herzergreifenden Basis der Gefühle, die hier auf die Oberfläche transportiert wurde und kann immer noch nicht fassen, dass dieses Ding tatsächlich von Schweiger unterstützt und geschaffen wurde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Springt über euren Schatten und wagt den Griff ins Ameisennest: Diesmal werdet ihr nicht enttäuscht.
Es gibt keine vergleichbaren Werke, die man Unsere Zeit ist jetzt gegenüberstellen kann und somit greifen auch keine Vorurteile von bisher dagewesenen Fehlgriffen, die man dem Mann andichten kann.
Nicht nur die Machart beeindruckt über alle Maßen, sondern auch die Inhalte repräsentieren, dass man hier etwas verstanden hat: Die Menschen zu unterhalten, zu fordern und ihre Seelen ganz tief zu berühren.
Also Abmarsch ins Kino und unbedingt diesen Film schauen – wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Nicht nur die Musik wirkt im Kino unglaublich, sondern nach dem Abspann folgen auch noch weitere Momente, also rennt nicht gleich weg.

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