Van Gogh

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Hier schrieb ich einst über den Künstler Julian Schnabel und war begeistert von seinen Werken und dem Schaffen, dem er sich verpflichtet hat. Nun ist “Kunst” immer so etwas, das fern irgendwo in angestaubten Museen oder auf irgendwelchen historischen Vergangenheitsausstellungen bewundert werden durfte und dem die aktuelle Zeitgesellschaft nie so richtig die Würde abverlangt, die es auch verdient.

Oftmals gelangen Worte wie “Ja, das hätte ich damals machen müssen, als es aktuell war” ins Hirn, wenn man sich dann Abhandlungen und Gedankengänge darüber durchliest und fühlt sich einfach der Sache so fremd wie eh und je. Außer, man ist Kunstliebhaber und macht den ganzen lieben langen Tag nichts anderes, als sich in diesen Gefilden rumzutreiben.

Nun: Time has come … ihr könnt einem aktuellen Kunstwerk Schnabels beiwohnen, indem ihr eure müden Gebeine in einen der kunstvoll ausgestatteten Kinosäle hievt und euch dort niederlasst – mit einem Papierschnipsel in der Hand, auf dem Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit steht.

Aber lasst euch gesagt sein: Dies hier ist Kunst, keine entartete Unterhaltungsform des spielerischen Entertainments: Ihr werdet gequält. Irgendwo auf positive Art und Weise.

Es geht – ihr habt es unlängst erraten – um Van Gogh und dessen Machenschaften, ebenfalls ein nicht unbekannter Künstler, der es in der Geschichte der Menschheit zu zweifelhaftem Ruhm brachte und oft auf das Abtrennen eines Körperteils reduziert wird – dabei bewegte diesen Mann so viel mehr.

Schnabel hat hier gewissermaßen die Befangenheit, den gequälten Geist in seiner Machform auf den Zuschauer gelegt und quält ihn damit durch die Zeit, ohne dabei von gutem Stil und gekonnten Bildern loszulassen: Dieses Werk ist überragend in seiner vereinnahmenden Klasse und zugleich enorm kräftezehrend und tragend: Nicht umsonst hat man diese Fügung mit einer Oscar-Nominierung bedacht.

Und ich stelle mir vor, wie schwierig es für Ausnahmetalent Willem Dafoe gewesen sein muss, dieser absurden Persönlichkeit solches Leben einzuhauchen und dabei nicht selbst kaputt zu gehen. Es ist definitiv ein sehenswertes Momentum, bei dem niemals vergessen werden darf: Ihr seid in einer Kunstausstellung – nicht im Kino.

.kinoticket-Empfehlung: Großartig gespielt, zu Recht von der Academy nominiert und mit unglaublich übertragensreicher Gestik aufs Publikum gestülpt: Man spürt förmlich die geistige Kaputtheit durch unerträgliche Schwere und intellektuelle Qual – was das Werk an sich trotz allem meisterlich emporhebt und ein großartiges Kunstwerk darstellt: Einer Zusammenfügung animierter Bilder, die das Porträt eines Künstlers wiedergeben – geschaffen von einem Künstler.

Schnabel genießt auch bei mir hohes Ansehen – und trotzdem hatte ich enorme Probleme damit, diese Krudheit auf der Leinwand zu ertragen – genau das Gefühl, das er vermutlich ausdrücken wollte.

Nachspann
✅ bleibt sitzen – es hat einfach eine faszinierende Wirkung.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: At Eternity’s Gate
Length: 111 Min.
Rated: FSK 6

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