Erinnert ihr euch noch an die Zeit vor – ich glaube – ein oder zwei Jahren? Da war cineastisch überhaupt nichts los. Irgendwie lief nur Scheiße. Selbst die Blockbuster waren zum Kotzen und die Lust auf Kino tendierte gegen Null. Der Zuschauer wurde zu Hauf für blöd gehalten und man hatte das Gefühl, die Intelligenz hätte die Segel gestrichen und wir alle könnten nur noch dabei zusehen, wie die Welt nun vollkommen verdummt.
Recht und Ordnung, Moral und Anstand, profilschichtige Tiefe und sinnvolle Pointen – all das suchte man vergeblich. Es gab kein Independent-Kino mehr, keine Nischenfilme, kein Debüt-Kino, keine Insidertipps – und all das hat mir wahnsinnig Angst gemacht!
Die gute Nachricht: Meine Angst ist komplett vorbei! Ich freue mich so tierisch auf dieses Kinojahr, weil ich vieles davon schon gesehen habe. Ein Film davon ist Wunder und er wurde zu Recht und meines Erachtens mit zu wenig Oscar®-Nominierungen bedacht.
Es gibt ja den Ausspruch: “Nur die Harten kommen in den Garten” und dem möchte ich hinzufügen: Im Garten gibt es viele zerbrechliche Blumen, sinnliche Düfte, emotionale Freuden und andere Empfindungen, die mit Härte und Verbissenheit nur unterschwellig etwas zu tun haben. Und genau das trifft auch auf das Publikum von Wunder zu: An Emotionalität ist dieser Streifen wohl kaum zu überbieten und es ist kein Wunder, wenn es Damen gibt, die die ganze Vorstellung über entweder vor Freude oder Ergriffenheit bloß heulen.
Zur Zeit hab ich tatsächlich das Gefühl, Hollywood räumt nun endlich mal mit der moralischen Verkommenheit auf, die sich in den letzten Jahren in unsere Erdengesellschaft eingeschlichen hat und sorgt endlich wieder dafür, dass mal jemand vorlebt, wie man sich zu verhalten hat.
Und dabei kann man sich von allen eine dicke Scheibe Vorbild abschneiden, denn hier wird nicht schmalzig oder klischeehaft verkorkst, was viele andere Filme nicht in den Griff kriegen, sondern die authentische Liebe und der familiäre Zusammenhalt sind jederzeit spür- und greifbar.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mich hat der Film tief berührt und ich sehe ihn als eines von vielen (kommenden) Beispielen unvergleichbarer Menschlichkeit, die in unser aller Leben wieder vermehrt Einzug halten sollte.
Lasst euch nicht von Owen Wilsons früheren Werken abschrecken: Dieser Film ist ein Beispiel dafür, dass auch er vollkommen ernste und herzergreifende Filme machen kann.

 
Nachspann
lohnt sich das Abwarten nicht, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 25. Januar 2018

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