| wenn aus filmen leidenschaft wird

Sonic The Hedgehog

Sonic The Hedgehog - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Ich hab nun schon von einigen negative Kritik im Vorfeld über diese Verfilmung gehört … und ja, Spieleverfilmungen generell strugglen immer so ein bisschen vor sich hin und haben nie das Zeug, ganz große Kracher zu werden … bis heute.

Ich halte tatsächlich auch nicht so arg viel von Jim Carreys Humor und weiß, dass seine Art sehr speziell ist und man ihn entweder liebt oder hasst. Und auch über Julien Bam gibt es verschiedene Ansichten.

Dazu kommen noch jede Menge Kritikpunkte, die über das Design von Sonic – dem Maskottchen von SEGA – reingehagelt sind und weswegen man den Film nun tatsächlich immer wieder verschoben hat, bis er nun endlich das Licht der Welt erblicken durfte und inzwischen (wieder) auf den Leinwänden zu sehen ist.

Mein Eindruck? Wow!

Meine Stimmung war anfänglich tatsächlich leicht getrübt, weil ich dachte: Nun musst du dich wieder durch so eine quälende Verfilmung pressen, die irgendwas abfeiert, wovon die Realität nichts wissen will. Dazu noch die Kombination zwischen Animation & Realverfilmung, und oben genannte Punkte: Kann eigentlich nur schief gehen. Ist es nicht.

Die Story ist tatsächlich ganz witzig aufgezogen worden, das Design sieht hammerscharf aus und der Streifen verbreitet sofort wahnsinnig gute Laune im Kino. Der Takt (mein neues Lieblingswort :D) stimmt und man landet niemals in langer Weile oder Verdruss, sondern wird kontinuierlich durch den Plot gezogen und kann dabei wahnsinnig gute Szenen feiern, die in ihrer Aufarbeitung professioneller nicht hätten sein können.

Man vergisst, was man vorher über Bam dachte, Jim Carrey ist DIE Überraschung schlechthin – selten hat man ihm so angesehen, wie sehr er diese Rolle liebt und verkörpert: Ein wahnsinnig guter Spieler, dessen Schauspieltalent hier um Welten gestiegen ist: Zum ersten Mal hab ich an ihm tatsächlich absolut nichts auszusetzen gehabt.

Auch die Ideen und die hauchzarten Stränge seelischer Natur, die die Gefühlswelt anregen und dem Kinozuschauer etwas mit auf den Weg geben sollen, winden sich hier wunderbar in das Geflecht ein und vervollständigen den Film zu einem wunderbaren Ganzen.

Ganz ehrlich? Ich saß währenddessen oft im Saal und dachte mir: Wahnsinn, man kriegt hier viel zu viel für sein Geld. Die Action ist hart, der Sound bombastisch, die Optik schneidet in deine Augen und auch der Plot enttäuscht an keiner Stelle.

Ich muss dazu sagen, dass ich zwar damals auf dem Gameboy mit dem Vieh mal in Berührung gekommen bin, aus mir aber dennoch keine Zocker-Seele geworden ist und ich deshalb als Außenseiter spreche und eben keine Rückschlüsse auf die Gamer-Community ziehen kann. Aus dem Grund bin ich raus, was die angefochtenen Kritikpunkte diesseits angeht, sondern eben einfach nur ein dummer, unwissender Kinogänger, der von einer guten Story unterhalten werden will … und wurde.

Dieser Film hat richtig Spaß gemacht und steht seitdem für mich fast ganz oben auf der Liste der Filme, weswegen man sich wieder ins Kino aufmachen sollte.

.kinoticket-Empfehlung: Alle Kritik im Vorfeld hat scheinbar so dermaßen Früchte getragen: Sonic the Hedgehog ist für mich ein durchschlagendes Argument, tatsächlich wieder ins Kino zu rennen, denn der Film ist richtig klasse! Super Action, hochprofessionelle Umsetzung, wahnsinnig gutes Drehbuch und ein herausragend guter Jim Carrey sorgen hier für spitzenmäßige Unterhaltung und jede Menge Spaß. Reingehen!

Nachspann: Auf jeden Fall sitzen bleiben, es kommen noch einige Szenen.

Kinostart: 13. Februar 2020

Original Title: Sonic the Hedgehog
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Takeover – Voll Vertauscht

TakeOver - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Heiko und Roman Lochmann – vielen auch besser als Die Lochis bekannt – können inzwischen auf eine recht ansehnliche Karriere im medialen Business zurückblicken, die sie sich durch YouTube aufgebaut haben.

Zum Erfolgsrezept gehört auch, dass die beiden einigermaßen gut singen können und damit ihr Zielpublikum (kreischende Teenies im Vorjugend-Alter) sehr wohl erreichen. Nachdem man vor einigen Jahren bereits mit Bruder vor Luder ein klares Kinostatement abgegeben hatte und auf den damaligen „Wir machen jetzt auch Kinofilme“-Hype aufgesprungen war, kommen sie diese Woche mit TakeOver – Voll Vertauscht zurück auf die Leinwand und haben dabei auch einige nennenswerte Elemente im Gepäck.

Ich muss erwähnen, dass hier ganz klar ein sehr spezielles Publikum angesprochen wird und man die deutlichen Anzeichen dieses „YouTube-Lebens“ auch im Film jederzeit spüren kann. Die üblichen Sponsoren, ganz klares Product-Placement, Hinweise und eben alles, womit der Alltag von erfolgreicheren YouTubern gepflastert ist, sind auch im Film allzeit präsent und hinterlassen den ein oder anderen faden Beigeschmack. Aber sei‘s drum.

Und auch die familiäre Bruder-vor-Luder-Botschaft ist diesmal wieder vorne mit dabei, wenngleich der cineastische Einfluss (und damit die geschichtliche Erzählung) viel mehr im Vordergrund steht und man sich jetzt eben mehr aufs Schauspielern und weniger aufs „Geil, ich bin tatsächlich auf der Leinwand“ konzentriert. Natürlich kann man hier keinerlei internationale (oder nationale) Vergleiche heranziehen, mit denen sich der Film messen lassen könnte, sondern das Paralleluniversum, in dem manche YouTuber zu Hause sind, ist auch hier das Maß aller Dinge.

Dennoch kommt die Moral von der Geschicht‘ ziemlich gut ausgearbeitet und sehr unaufgeregt rüber – und das kann ich durchaus begrüßen. Nachdem sich die Kids an ihren „Idolen“ sattgesehen und genügend Bubis und Girlies bewundert haben, driftet man langsam in den emotionaleren Teil und arbeitet für ethische Weltansichten, die es tatsächlich wert sind, genannt und als Weisheit mit auf den Weg gegeben zu werden. Das nimmt dem üblichen „Mein Gott“-Gefühl, welches bei dieser Art Movies oft sehr schnell aufkommt, den Wind aus den Segeln und der übliche emporsteigende Unmut fließt relativ schnell in „Okay, gar nicht so schlecht“ über.

Ja, ich würde jetzt niemandem empfehlen, zwingend da rein zu rennen und sagen: Hallo, ihr verpasst was, wenn ihr das nicht gesehen habt … nein … aber ich sage: Es ist definitiv nicht so schlimm, wie man erwartet, sondern am Ende sogar ein klein wenig herzlich.

Dennoch: Der Einfluss dessen, worin die beiden Jungs aufgewachsen sind, ist überdeutlich zu spüren und auf eine Stufe mit „richtigen Kinofilmen“ sollte man seine Erwartungen hier auch nicht schrauben, dann ist auch dieser Plot durchaus erträglich.

.kinoticket-Empfehlung: McDonalds, Mercedes und kitschiges Klischeeleben … aber eben auch eine Vermittlung guter Werte und eine Moral, die sich sehen lassen kann. Ich selbst bin bei dieser Generation schon wieder out, aber wer weiß: Vielleicht lässt sich für die Zukunft ja doch noch einiges retten. Kein Meilenstein, aber auch nicht die Enttäuschung, die man erwartet hätte.

Nachspann: Nach der Abblende auf die Endroll braucht man nicht weiter warten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: TakeOver – Voll Vertauscht
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0


News: Aktuelle Gratis-Angebote im ICE der DB (Stand: Juli 2020)

ICE Szene in München Pasing
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Folgende Angebote stehen im Juli 2020 zur Auswahl

Top-Filme

Jumanji – Willkommen im Dschungel
Sherlock Holmes
Percy Jackson – Diebe im Olymp
Invictus – Unbezwungen
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Avatar – Aufbruch nach Pandora
Männerherzen
Nie wieder Sex mit der Ex

Joyn Originals

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Ma Pa
Check. Check
jerks.
Slavik – Auf Staats Nacken
Dignity
The Entertainers
Frau Jordan stellt gleich
Die Läusemutter
Singles‘ Diaries

Top-Serien

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

The100
The Big Bang Theory
Eine wie Alaska
Atlanta Medical
The Orville
What we do in the Shadows
9-1-1
The Gifted
Genius.

TV-Highlights

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

The Voice of Germany
Queen of Drags
BIG!
Joko & Klaas gegen Pro7
Die Martina Hill Show
The Voice Senior
Alle gegen 1
Mord mit Ansage

Wissenswertes

Mythos Megalodon – Das Geheimnis des Urzeit-Hais
Naturwunder Costa Rica
Teleskop Blick ins Universum
Indien – Wildes Paradies
Into the Blue Hole – Expedition in unbekannte Tiefen
Die Tierwelt Patagoniens
Project C.A.T. – Eine Zukunft für Tiger
Giant Sharks – Hai-Expedition vor Kuba

Für die Kleinen

The Spectacular Spider-Man
Teen Titans Go!
Be Cool Scooby-Doo!
New Looney Tunes
The Tom und Jerry Show
Dorothy und der Zauberer von Oz
Friends
Thomas & Friends


Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen

Suicide Tourist - Filmplakat
© 2020 DCM Film Distribution GmbH

Der Titel lässt einen erst einmal total sprachlos zurück: Nach Suicide Tourist dauert es eine Weile, bis man seine Worte wiederfindet. Ein Anzeichen dafür, dass dieses Werk tatsächlich absolut gelungen ist und mit erzählerischer Poesie ein Feld durchpflügt, das in vielen Menschen Atemstockungen hervorruft und sehr kontroverse Diskussionen auslöst.

Das Feld ist nicht einfach. Die Art und Weise, mit der Regisseur Jonas Arnby hier seine Gedanken zur Ordnung gebracht und alles in einer fantastisch stimmigen und den Zuschauer tief ins Herz treffenden Story verpackt hat: Großartig! Man spürt, dass sich die vier Jahre intensive Recherche und Arbeit, die hinter diesem Drehbuch stecken, tatsächlich ausgezahlt haben.

Im Kino ist man ja grundsätzlich darauf aus, Stories zu erzählen, die den Zuschauer irgendwie befriedigen und zumindest dafür sorgen, dass keiner sein Geld zurück verlangt. Ich würde sagen: Suicide Tourist geht noch viel viel weiter. Es ist keine Geschichte, sondern irgendwie alles … und gleichzeitig nichts, auf das man die Thesen und Ideen, Gedanken und Emotionen haften könnte. Der Film ist nicht politisch, gleichzeitig aber sehr zielführend bei der Erörterung von Fragen, auf die bis heute keine allumfassenden Antworten gefunden wurden … und möglicherweise auch nie gefunden werden.

Ich persönlich finde das Thema auch schwierig, sich darüber auseinanderzusetzen, wenn man selbst nicht betroffen ist, niemanden kennt, der betroffen wäre bzw. in irgendeiner Weise damit in Berührung käme. In diesem Fall kommt nämlich meist nur blödes Geschwätz aus dem eigenen Mund und sollte dann durch üble Umstände tatsächlich der Fall eintreten, der einen in die Nähe solcher Entscheidungen treibt, ändern sich ganze Weltanschauungen auf einmal binnen Sekunden.

Ich finde, genau dieses Dilemma wurde durch diesen Film herausragend exkludiert, indem man sich fern jeder aggressiven Stimmungsmache aufhält und dem Zuschauer viel mehr einen berauschenden Trip liefert, der einen seelenwohl einlullt und ihn in eine gewisse „Wellness-Trance“ führt, aus der man sich nur sehr schwer wieder erholt.

Der zarte, aber bestimmte Druck wird mit zunehmender Zeit nicht unerträglicher, aber schwerer. Es kommen zu keiner Zeit Hassgefühle hoch, sondern man wird vielmehr in seinen Gedanken begleitet und zu anderen Zielen geführt, ohne dabei jemanden zu enttäuschen. Tod durch Erholung?

Es fällt mir schwer, dieses – durchaus positive – Gefühl irgendwie in Worte zu kleiden, dass dieser Film auslöst. Ich kann euch nur eins sagen: Geht ins Kino und schaut ihn euch dort an: Ihr werdet es auf gar keinen Fall bereuen.

.kinoticket-Empfehlung: Ein berauschender Trip, der die Seele in ihrem Innersten angreift und dessen bestimmtes Ziel dabei ist, dich nicht zu verletzen: Hochkarätig erzählt, intensiv recherchiert und durchdacht auf einem so soliden Fundament, dass selbst Kritikern wie mir die Spucke weg bleibt, um das zu beschreiben. Durch und durch gelungen – sollte man auf jeden Fall gesehen haben!

Nachspann: Hat keine weiteren Bilder oder Szenen, vielleicht braucht man aber die Zeit, um wieder runter zu kommen … also geht’s easy an.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Selvmordsturisten
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12


Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau

Meine Freundin Conni - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch Germany

Was ist das deutlichste Anzeichen, dass die Welt vollkommen verrückt geworden ist?

Wenn der Rebell sich nach Normalität sehnt und sich wünscht, alles wäre wieder beim Alten.

Genau so fühlt es sich an, wenn man gedankenversunken im Kino sitzt und sich Meine Freundin Conni ansieht. Irgendwie ist dann genau das eingetroffen: Alles auf Anfang.

Die Welt ist wieder normal. Alles ist wieder gut. Kinder erleben wieder eine normale, gesunde Welt (und das mein ich nicht im Hinblick auf Konservativismus), in der man lachen, spielen und den alltäglichen Abenteuern nachgehen darf, ohne dabei von irgendjemand verurteilt zu werden.

Kein Massensterben. Keine Tragödien. Kein Hass oder menschenverachtende Missstände.

Einfach nur das ganz normale, heilsame und behutsame Leben eines völlig unmisshandelten Kindesgeists.

Und glaubt mir: Jaaaa, das tut gerade so dermaßen gut, das glaubt ihr gar nicht.

Und dafür wurde auch von den Machern auf alles geachtet. Selbst der Zeichenstil schmiegt sich mit zärtlichen, warmen Farben um deinen Geist und gibt keine verstörenden Signale oder andere aufbrausende Unmöglichkeiten von sich, sondern bewahrt diesen Frieden, ohne dabei das Abenteuer durch altbackene Einstellungen niederzuknüppeln.

Ton- und Geräuschemacher desgleichen: Auch hier haucht man sanfte Klänge, niedliches Miauen und wohlwollende Stimmlagen durch die Soundkanäle, die auf die schönen Merkmale des Lebens hinweisen und unterschwelliges Glück und Zufriedenheit proklamieren, statt Tod und Verderben.

Conni dürfte selbst uns Erwachsenen als Marke im Kindersegment bekannt sein – und es gibt ja inzwischen auch genügend Satiren diesbezüglich und so manch einem mag deshalb vielleicht davor grauen, genau das jetzt auch noch im Kino sichten zu müssen, weil die lieben Kleinen da rein wollen: Ich kann euch beruhigen. Es ist wie eine Zeitreise zurück in eine Ära, in der noch nichts kaputt war.

Lehnt euch zurück, atmet einmal tief aus, schließt eure Augen und sagt ganz leise einmal kurz „Danke“ und dann genießt diese wunderbare Story und den sanften Hauch von vitalem Leben ohne irgend einen Kratzer. Zumindest auf der Leinwand darf ja wenigstens einmal alles einfach nur in Ordnung sein.

.kinoticket-Empfehlung: Wunderschöne Ambitionen, warmer Zeichenstil, angenehme Tonlagen und herzumschmeichelnde Elemente lassen den Geist zurück in eine Zeit streifen, in der die Welt noch völlig in Ordnung war: Genießen wir dieses Juwel, indem wir ein einziges Mal für etwas mehr als eine Stunde einfach alles da draußen abstellen und uns an der ganz normalen Normalität erfreuen. Daumen hoch!

Nachspann: (ich schätze, man braucht ihn nicht abwarten, der war bei der Pressevorführung noch nicht ganz final ;-))

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau
Length: 76 Min.
Rated: FSK 0


The Gentlemen

© 2020 Leonine

Keine Frage: The Gentlemen ist momentan der Publikumsmagnet schlechthin … und ich wage mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Das zeigt wieder einmal, dass sich das Publikum per se für den durchschnittlichsten Film überhaupt entscheidet.

Die Messlatte ist hoch. Und genau diese Voraussetzung sehe ich als den Fallstrick überhaupt für den Film. Guy Ritchie hat sich einen Namen gemacht – und damit auch Anforderungen geschürt, die man an seine Filme richtet. Und ich habe das Gefühl, diesen Ansprüchen wird er nicht mehr gerecht.

Wir alle kennen solche Truppen, die sich in diesem Milieu einen Namen schaffen und Geschichten erzählen wollen … allen voran Tarantino … und irgendwie funktioniert’s ja auch manchmal. Und selbst da merkte man zum Ende hin, dass die Storys eben immer die selben, das aufgesetzte Macho-Image nicht mehr die durchschlagende Wirkung hatte wie damals, als es all das noch nicht auf der Leinwand gegeben hat und verbales Gepose noch als Rebellion gegen das System verstanden wurde.

Irgendwie ist diese Form der Äußerung aber mittlerweile zum Standard etabliert, und wenn man rebellieren möchte, muss man das heute auf ganz andere Weise erledigen.

Und da reicht dann eben ein guter (alter) Name nicht mehr, auch wenn die Eintrittskarten momentan eine andere Sprache sprechen. Ich rede hier von geistiger Befriedigung. Für mich wirkte die Erzählung sehr abgestrampelt, aufgesetzt, unstrukturiert. Man hat irgendwie keinen Takt gefunden und kaum war man dabei, das Metronom erklingen zu lassen, zerstörte man den Vibe wieder mit neuer Strukturierungsorientierungslosigkeit.

Auf mich wirkt es, als würde Ritchie krampfhaft versuchen, die Anforderungen an seinen Namen zu erfüllen und dabei gnadenlos scheitern in Form von, dass es eben einfach nicht zündet. Er wird sich selbst nicht mehr gerecht.

Da hilft dann auch kein hervorragendes Spiel von Matthew McConaughey, dem die Rolle auf den Leib geschneidert erscheint, und auch keine „Rückkehr zu seinen Wurzeln“ (wie inzwischen viele Stimmen behaupten), sondern irgendwie erscheint alles müde und einfallslos.

Charlie Hunnam (den ich in King Arthur – Legend of the Sword richtig mochte) wirkt müde und die Rolle von ihm irgendwie auf der Ersatzbank platziert und nicht mitten im Geschehen.

Der Style, den man plakativ beworben hatte, fehlte mir, auch wenn hier ein gutes Maß an Niveau bereitgestellt wurde: Im Endeffekt wird in meinen Augen alles durch den mangelnden Takt der Erzählung zu einem wirren Schnittgut zusammengestückelt, aus dem sich der Zuschauer dann selbst seine Story basteln soll. Und das ist nunmal eher Aufgabe der Regisseure, oder?

.kinoticket-Empfehlung: Zu wirr, zu unstrukturiert, mit sich selbst uneins. Die wirren Schnitte machen das große Ganze kaputt und widmen sich weniger einer groß ummantelnden Story, als vielmehr einem Wirrwarr an einzelnen Sequenzen, aus denen sich der Zuschauer am Ende seinen eigenen Film zusammenstellen muss. Der Rhythmus des Films fehlt – und damit ist er für mich nicht wirklich gelungen.

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Gentlemen
Length: 113 Min.
Rated: FSK 16


Onward – Keine halben Sachen

Onward - Keine halben Sachen - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH | Pixar Animation Studios

Es gibt eine Regel in der Filmbranche: Pixar produziert keine Flops. Klingt komisch, aber prüft’s selbst nach: Die Jungs und Mädels dieser Filmschmiede haben noch nie einen Kinoflop hingelegt.

Auch, wenn Disney die Zügel nun enger um die hauseigenen Labels schnallt und eben überall mit drauf stehen möchte (was mir zuallererst tatsächlich ein wenig Bauchschmerzen bereitete): Im Falle von Onward waren auch diese Zweifel einmal mehr unbegründet.

Und auch, wenn das Kinoplakat eher suggeriert, dass hier Unterhaltung für Kids und Junggebliebene geboten wird: Auch da darf ich euch freudig enttäuschen: Stimmt nicht. Denn als Erwachsener erlebt man genauso fulminante Action, eine wahnsinnig gut austarierte Erzählung mit emotionalen Höhen und Tiefen, die weitreichende Konsequenzen im Gefühlsleben des Zuschauers hervorrufen.

Und tatsächlich erwischte ich mich immer öfters während des Films, als ich dachte: Mann, hier wurde viel zu viel Energie und Leidenschaft und unfassbar harte Arbeit reingesteckt, um dieses Momentum zu erzeugen. Nicht nur grafisch fährt man Geschütze auf, die einer Leinwand tatsächlich würdig sind, sondern auch beim Ton und in punkto Humor liegt man ganz weit vorn und weiß das Kinopublikum zu begeistern.

Aus genau dem Grund sollte man unter keinen Umständen von der Chance Gebrauch machen, den Film bereits im VoD abzurufen, sondern sich tatsächlich raus trauen und ein Kinoticket für den Streifen lösen: Nehmt eure Geschwister, Eltern, Verwandte und Bekannte einfach mit – es lohnt sich!

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich gut erzählt, grafisch absolut top und auch der Sound und die erzählerischen Stärken punkten hier auf extrem hohen Level. Reingehen!

Nachspann: Seichtes abdriften mit grafischen Präferenzen, jedoch ohne weitere Szenen oder Bildmaterial. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 05. März 2020

Original Title: Onward
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


News: Neue Kinostarts von Walt Disney für 2020

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Angesichts der Corona-Pandemie ist es zum neuen Manager-Volkssport geworden, wichtige Kinofilme immerzu in kurzen Abständen nach hinten zu verschieben. Teils sorgt die politische Entscheidungsungewissheit für eben jene bei den PR-Spezialisten, wann und wie sie ihre Blockbuster ins Kino bringen sollen.

Klar: Wer viel Geld, Zeit, Arbeit und Energie in einen großen Kinofilm investiert, dessen Absicht ist es natürlich, dass möglichst viele Menschen den auch zu Gesicht bekommen. Aufgrund der Abstandsregelungen (trotz Maske) und einiger anderer fragwürdiger Entscheidungen (z.B. werden die Kinos in die Pflicht genommen, sollten sich einzelne Gäste nicht daran halten – und nicht etwa der Gast selbst) sorgen die Kinos selbstverständlich dafür, dass diese hygienischen Bedingungen auch ausnahmslos eingehalten werden.

Dies macht für manch einen den Kinobesuch momentan noch nicht wirklich attraktiv. Und: Für Kinobesitzer selbst ist das auch keine großartige Freude, da in einem Saal nun maximal 30% der Plätze besetzt werden können und der Rest per politischem Dekret brach liegt. Für die Kinobesitzer ist das natürlich das wirtschaftliche Fiasko schlechthin und für Studios, die ihre Titel den Kinos anvertrauen, in der Hoffnung – wie einst – am Startwochenende möglichst viel Kundschaft anzulocken, ebenso.

Dass im Endeffekt alles viel weniger aufgeregt ist und sich die Gäste selbst in meinen beobachteten Fällen vorbildlich an Abstand und Anstand halten, spielt hier vorrangig natürlich erstmal keine Rolle. Die Angst bleibt … und die Verschiebungen somit auch.

Härtestes Beispiel (an dem sich momentan irgendwie alles orientierte, da es der quasi nächste Blockbuster schlechthin ist): Tenet von Christopher Nolan, der aktuell am 12. August 2020 starten soll (ohne Gewähr), und – man konnte es quasi voraussagen – demnach zog Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH nach und verkündete somit für Deutschland folgende Kino-Neustarts für das restliche Jahr 2020:

  1. August 2020: Mulan
  2. August 2020: The New Mutants
  3. September 2020: The King’s Man – The Beginning
  4. Oktober 2020: Tod auf dem Nil
  5. Oktober 2020: The French Dispatch
  6. Oktober 2020: Black Widow
  7. November 2020: Deep Water
  8. November 2020: Soul
  9. Dezember 2020: Free Guy
  10. Dezember 2020: West Side Story

Ich persönlich würde dafür momentan keine Hand ins Feuer legen, sondern dies vorerst mal als freundliche Empfehlung betrachten und es viel mehr davon abhängig machen, wie es nun gesellschaftlich weitergeht.

Fakt ist: Die Angst, die man politisch bereits von Anfang an schürt, ist in vielen Fällen unbegründet, denn die meisten Menschen halten sich an Abstand, Mundschutz, desinfizieren sich die Hände und waschen sich gründlich, was natürlich keine Garantie für Ansteckungsfreiheit ist, aber zumindest in großen Teilen dafür sorgt, dass man doch relativ sorglos umherspazieren kann und eben auch Besuche in den Lichtspielhäusern keine lebensgefährliche Sache darstellen.

Solltet ihr euer Kino unterstützen wollen, plant definitiv einen Besuch an der Gastro-Theke mit ein: Davon haben die Kinos auch vor der Krise schon vornehmlich gelebt.

Ich bleibe natürlich an der Sache dran und versorge euch auch weiterhin mit den aktuellen Tipps, womit man sich zur Zeit sein Leben etwas versüßen kann. Der richtige Ort, um einen Film wirklich in vollem Ausmaß genießen zu können, ist nach wie vor das Kino, daran ändern auch die mittlerweile hervorragenden Bildqualitäten zu Hause nichts. Das Feeling ist auf der großen Leinwand dennoch ein vollkommen anderes.

Aus diesem Grund gibt’s in eurem Lieblingsblog natürlich weiterhin die aktuellsten Kinokritiken vollkommen spoilerfrei, die nächste kommt gleich heute. Stay tuned… und bleibt gesund.


Ip Man 4: The Finale

Ip Man 4: The Finale - Filmplakat
© 2020 Koch Films

Auch, wenn sich der Name in der asiatischen Filmgeschichte längst einen Namen gemacht hat – für alle anderen hier nochmal ein kurzer Rückblick:

2008 startete man mit dem ersten Ip Man, zwei Jahre später folgte dann Ip Man 2 und 2015 wurde die Reihe mit Ip Man 3 fortgeführt.

Die Geschichte des echten Ip Man wurde zudem noch mit weiteren Filmen gekürt, die jedoch mit der Original-Reihe nichts am Hut haben: Ip Man Zero, Ip Man: The Final Fight und Master Z: Ip Man Legacy.

Letztes Jahr kam dann Ip Man 4: The Finale ins Kino, der wiederum an die ersten drei Teile der Original-Filmreihe anschließt und diese auch vervollständigt.

Dank der „Krise“ haben Kinoliebhaber nun die Chance, alte Streifen wieder auf den großen Leinwänden bewundern zu dürfen, denn man bringt vieles aus der „Already published“-Kiste wieder zum Vorschein und lässt es erneut über die Beamer der Kinos flimmern: Zu unser aller Freude.

So auch geschehen mit Ip Man 4: The Finale, der die Chronologie mit einem Paukenschlag beendet und an die modernen Gepflogenheiten der westlichen Hemisphäre anschließt und altbekannte (und -berüchtigte) Bruce Lee-Action zurück auf den großen Screen wirft.

Ich für meinen Teil habe damals Master Z: Ip Man Legacy bewundern dürfen und war recht angetan von den durchchoreografierten Vibes, die dieser Film im Großmaß versprühte.

Ip Man 4: The Finale hält sich hier wieder etwas mehr zurück und devotiert sich der chinesischen Machthaber-Strategie, die Ideologien dieses Landes weltweit vertreten zu sehen, auch wenn man sich jetzt in westliche Gefilde vorbewegt. Dennoch haftet dem Film eine zu sehr offensichtliche Regierungspolitik an, die eben das ethische Wesen Chinas nicht wirklich repräsentiert, sondern zu sehr auf politische Interessen schielt.

Das dürfte die Fans asiatischer Kampfkunst aber recht wenig scheren, denn der Spirit Lees ist auch hier allgegenwärtig und versprüht seinen üblichen Leinwandcharme, als wäre nie etwas gewesen.

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan dieser Geschichte / Filmreihe sollte man definitiv die Chance nutzen und die Magie des Kinos wieder wirken lassen: Nichts kann einen Film besser umschlingen, als die großen, düstren Weiten eines gemütlichen Kinosaals.

Nachspann: Im Stile von Final Destination gibt man sich nochmals die Ehre, nach der Blende auf die bekannte Textroll kann man den Saal verlassen, hier folgen dann keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 05. März 2020
Heimkinostart: 17. September 2020

Original Title: IP Man 4: The Finale
Length: 105 Min.
Rated: FSK 16


Der Fall Richard Jewell

Der Fall Richard Jewell - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Was macht ihr, wenn ihr eines Morgens die Zeitung aufschlagt und darin lest: “Clint Eastwood ist gestern verstorben”? Hinterlassen wir nach unserem Ableben auch so ein mächtiges Erbe für die Welt wie er?

Was hat dieser Kerl bereits alles für’s Kino getan?

Manch einer erinnert sich noch an Million Dollar Baby, Gran Torino und weitere Werke, die wir seinem Schaffen zu verdanken haben … und was ist bei all den Filmen immer aufgefallen?

Richtig: Der Mann kann Geschichten erzählen. Er berührt das Herz!

Menschen, die in Der Fall Richard Jewell sitzen, können dies vielleicht in den ersten 30-40 Minuten nicht ganz nachvollziehen. Für mich war’s anstrengend. Die Erzählweise ist absolut nicht mein Fall. Das dröge Dahinplätschern, das zwielichtige, versuchte Aufbauen von komödiantischer Unbeholfenheit – irgendwie stört mich vieles an der Art von Jewells Charakter. Oder vielleicht war’s auch einfach nur die Stimmlage des Synchronsprechers … ich weiß es nicht.

Gleichzeitig spürt man aber auch diese filmische Ruhe, die einen in so mancher Szene verwundert zurücklässt, weil man – ganz im Stile dieser Art von Film – eigentlich erwartet, dass einem gleich 100.000 Journalisten die Bude stürmen oder man viel mehr Wirbel um die einzelnen Erzähl-Elemente reißt.

Und was wird geliefert?

Genau: die Ruhe Eastwoods, die wir aus seinen Filmen kennen.

Ganz ehrlich? Ich hab’s vorher total vercheckt, dass dieser Streifen ja von ihm ist und bin daher völlig unwissend in den Saal gegangen. Und genau das kommt dann zum Tragen: Eastwoods heilende Einflüsse, die aus dem Film doch etwas schaffen, das die Hände wieder tief in deine Brust bohrt und zärtlich um dein Herz schmiegt, um es wärmend in den Händen zu wiegen. Du gehst mit einem Kloß im Hals wieder nach draußen und denkst dir: Eigentlich hätte der Titel auch “Eine Ballade über einen guten Menschen” heißen können, was schlussendlich auch nicht mehr Leute ins Kino gelockt hätte, inhaltlich aber absolut zutreffend wäre.

ATLANTA, GEORGIA – DECEMBER 10: Clint Eastwood and Barbara „Bobi“ Jewell attend „Richard Jewell“ Atlanta screening at Rialto Center for the Arts on December 10, 2019 in Atlanta, Georgia. (Photo by Paras Griffin/Getty Images for Warner Bros.)

Es packt dich – vollends – und am Schluss denkst du dir: Wow! Muss ich irgendwie nochmal sehen! Tatsächlich ist es nämlich ein Meisterwerk, auch wenn du die volle Blüte des Films nicht sofort auf den ersten Blick erkennst: Es wurde tiefgründig gearbeitet und dabei alles richtig gemacht. Selbst bis hin zum Cast, den ich an dieser Stelle ebenfalls nochmal lobend erwähnen möchte: Die Zusammenstellung ist bis ins Detail gelungen und jeder (!) hat seine Sache hier wirklich grandios gemacht.

.kinoticket-Empfehlung: Ich ködere euch nun mal mit Clint Eastwood und gebe euch dazu mit auf den Weg: Gebt dem Ding einfach ein wenig Zeit, um sich zu entwickeln … danach packt’s euch richtig und ihr bereut den Abend auf keinen Fall.

Nachspann: Wartet die Text-Tafeln noch ab, danach dürft ihr gehen.

Kinostart: 25. Juni 2020

Original Title: Richard Jewell
Length: 129 Min.
Rated: FSK 12