| wenn aus filmen leidenschaft wird

21 Bridges

21 Bridges - Filmplakat
© 2020 Leonine

Entgegen so manchen Behauptungen, dass dieser Film nicht wirklich prickelnd sein soll, hatte ich dabei echt gute Laune und fühlte mich bestens unterhalten. Das Problem scheint wohl zu sein, dass viele eine Art „Verbrecherjagd“ erwarten mit irgendwelchen Auflösungen am Schluss und dann wird’s schon irgendwie gehen alles … und das ist der Film eben nicht.

„Gelöst“ wird quasi mehr oder weniger schon relativ weit am Anfang, was für mich den Ausschlag dafür gab, meine „Was ist das“-Erwartungen völlig über Board zu werfen.

Zu dem Zeitpunkt war ich auch selbst grad im Schreibfieber und habe mir deshalb während des Plots permanent überlegt, wie ich an der Stelle reagieren würde. Wohin ich rennen würde, was ich tun würde – wem mich anvertrauen usw. – und das löste tatsächlich eine Kreativitätsbombe in meinem Kopf aus, die von der Filmmusik und immer neuen Plotelementen untermalt wurde.

Und dadurch, dass so frühzeitig quasi klar wird, wer hier der Böse ist, denke ich auch, dass die Absicht der Macher ebenfalls nicht gewesen ist, eine Verbrecherjagd mit spektakulärer Auflösung zu starten, sondern man vielmehr das Momentum innerhalb der Stadt feiern wollte, und das ist in meinen Augen tatsächlich auch sehr gut gelungen. Natürlich kann man sich jetzt über Sinn und Unsinn des Titels streiten und auch hier wieder aufgeblasene Fragwürdigkeiten anprangern, oder man lässt sich einfach auf den General-Showdown ein und zelebriert es im Stile von Run All Night, der ja auch schon so permanent-aufgekratzt daher kam und bis heute zu einem meiner Lieblingsfilme zählt.

Inzwischen wohl weniger im Kino verbreitet, darf man die wenigen Chancen immer noch gerne nutzen – oder eben in ein paar Wochen auf VoD zurückgreifen, um sich den Film doch noch anzusehen.

Keine Jagd, sondern einfach nur „Es ist was los – und das dauerhaft“. Umsetzung gut, der Plot solide, die Durchführung hat ihre wunderbaren Szenen und über Titel und Sinnhaftigkeit darf man nicht nachdenken, dann ist der Film auch sein Geld wert. Popcorn dazu – Bierchen und der Abend ist gerettet.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiterführenden Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 6. Februar 2020
Heimkino-Start: 12. Juni 2020

Original Title: 21 Bridges
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16


News: Aktuelle Gratis-Angebote im ICE der DB (Stand: August 2020)

ICE Szene in München Pasing
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Folgende Angebote stehen im August 2020 zur Auswahl

Top-Filme

(NEU) Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Jumanji – Willkommen im Dschungel
Sherlock Holmes
Percy Jackson – Diebe im Olymp
Invictus – Unbezwungen
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Avatar – Aufbruch nach Pandora
Männerherzen
Nie wieder Sex mit der Ex

Joyn Originals

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Ma Pa
Check. Check
jerks.
Slavik – Auf Staats Nacken
Dignity
The Entertainers
Frau Jordan stellt gleich
Die Läusemutter
Singles‘ Diaries

Top-Serien

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

(NEU) Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers
The100
The Big Bang Theory
Eine wie Alaska
Atlanta Medical
The Orville
What we do in the Shadows
9-1-1
The Gifted
Genius.

TV-Highlights

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

The Voice of Germany
Queen of Drags
BIG!
Joko & Klaas gegen Pro7
Die Martina Hill Show
The Voice Senior
Alle gegen 1
Mord mit Ansage

Wissenswertes

Mythos Megalodon – Das Geheimnis des Urzeit-Hais
Naturwunder Costa Rica
Teleskop Blick ins Universum
Indien – Wildes Paradies
Into the Blue Hole – Expedition in unbekannte Tiefen
Die Tierwelt Patagoniens
Project C.A.T. – Eine Zukunft für Tiger
Giant Sharks – Hai-Expedition vor Kuba

Für die Kleinen

The Spectacular Spider-Man
Teen Titans Go!
Be Cool Scooby-Doo!
New Looney Tunes
The Tom und Jerry Show
Dorothy und der Zauberer von Oz
Friends
Thomas & Friends


Wir Eltern

Wir Eltern - Filmplakat
© 2019 Wfilm

„Jetzt reißt er wieder seine Fresse auf und dabei hat er überhaupt keine Ahnung…“

Stimmt – ich hab keine Ahnung, was Kinder, Kindererziehung, Familie und das ganze drumrum angeht, außer, dass ich selbst sechs Geschwisterchen habe und somit im „Pool der Unrühmlichkeiten“ auch ordentlich mitgemischt habe.

Eric Bergkraut hat einfach mal seine Family geschnappt, einen Wettbewerb vor Augen gehabt und einen Film kredenzt, in dem es um genau diese Dinge geht: Die Kinder tanzen den Eltern gerne auf der Nase herum und machen einfach ihr eigenes Ding, statt sich ordentlich zu benehmen und für den Rest der Welt ein Vorzeigesöhnchen und -töchterchen zu sein.

Gerade das dürften viele aus eigener Erfahrung kennen: Entweder als stummer Zuschauer an der Supermarktkasse – oder eben im eigenen Heim, was dann dauerhafter und nerviger sein dürfte 😉

Und genau da greift der Film auf humorvolle Weise ein Thema auf, dem sich viele erlegen fühlen und nimmt sowohl Kinder als auch Eltern unter die Fittiche und macht mit ihnen einen Ausflug ins „Was wäre wenn“-Land. Und das macht definitiv viel Spaß, weil man sich dabei so ganz flauschig in seine Nischenecke verkrümeln und mit einem Grinsen im Gesicht der Sache annehmen kann, ohne dabei selbst zu verzweifeln.

Das Zusammenspiel harmoniert zwischen den Darstellern im Allgemeinen sehr gut … und ich denke, das liegt nicht nur daran, dass sie auch im echten Leben (teilweise) eine Familie sind, sondern auch an ihren Fähigkeiten, eine Rolle wirklich überzeugend rüberzubringen.

Auch die lässige Art, hier verschiedene Erziehungsmethoden aufzugreifen und diese spielerisch auseinanderzunehmen, taugt mir sehr, denn der Film zeigt, wie das Leben die Momente oft mit eigenem Zynismus in die Hand nimmt und so ganz anders regelt, als man sich das vorstellt.

Dass all dies zugunsten eines Schmunzlers beim Publikum aufgelöst und verarbeitet wird, ist dann das Sahnehäubchen, dass jedem/jeder Einzelnen zusätzlich das Gefühl gibt, richtig in sein/ihr Kinoticket investiert zu haben.

Großartig, voller Humor, elterlichem Frust, pubertärem Entdecken und emotionaler Herzlichkeit: Diese Komödie baut ihren ganz eigenen Charme auf und übergibt ihn direkt ans Publikum.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Wir Eltern
Length: 98 Min.
Rated: FSK 6


Irresistible – Unwiderstehlich

Irresistible - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Ihr wollt lachen? Jon Stewart kann Comedy – und er gehört zu denjenigen, die Amerika auch nichts durchgehen lassen. Quasi eine Art „seriöserer Michael Moore mit mehr Spaß dabei“.

Genau da haut der Film richtig in die Wunden: Er zeigt auf irrwitzige Art und Weise die Schande, die mit (amerikanischer) Politik verknüpft ist – auf eine dermaßen unterhaltsame Art, dass dir vor Lachen der Bauch weh tut.

Das hier ist ein Stück voller Freude, Euphorie, erfolgsgetriebener Verbissenheit und dem Schalk, der so unverblümt rüber kommt, dass man auch als Vielseher seine Momente hat, wo man doch völlig überrascht wird.

Der Cast ist top besetzt, die Humorspitzen jagen einander, dass manchmal kaum Zeit zum Luftholen bleibt und man wird mit Twists in die Falle gelockt, denen man auch als eingefleischter Cineast unterliegt.

Kurzum: Dies ist ein extrem wichtiges, politisches, Humor-Stück, das nicht zu sehen eine Sünde ist: Zieht euch Tickets für diesen Streifen und fangt an, die Dinge wieder mit einem dicken Grinsen zu beobachten. Der Ernsthaftigkeit tut das keinen Abbruch, aber man ist anschließend nicht vollkommen depressiv, sondern dennoch informiert, aber mit einem sau guten Gefühl dabei im Bauch, wenn man den Saal wieder verlässt.

Klasse gemacht, extrem kurzweilig, mega lustig und mit viel Fingerspitzengefühl so arrangiert, dass auch Cineasten auf ihre Kosten kommen: Besten Dank für diese wunderbare Arie!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Definitiv bleiben: Der Text ist quasi egal, es mündet eher in weiteren Filmteilen!

Kinostart: 6. August 2020

Original Title: Irresistible
Length: 101 Min.
Rated: FSK 6


Waves

Waves - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Dieser Film ist eine Zaubershow: Sie holt dich, fesselt dich in ihren Bann und lässt dich nicht wieder los. Es dauert ein wenig, bis die Magie startet, aber danach bist du so fasziniert, dass du ihn einfach nochmal sehen willst.

Ich weiß nicht, wie ich euch das beschreiben soll. Ihr kennt mich als jemand, der gerne von Formen, Farben und mystischen Elementen fasziniert ist und darüber schwärmt, das hier ist aber noch viel mehr. Eine Form von kunstvoller Ausgestaltung, die in allen einzelnen Bereichen aufs Ganze geht und dabei unwillkürlich begeistert.

Mach, was du willst: Lehn dich zurück und genieße die Musik. Mach die Augen auf und schau den faszinierend aneinander geschnittenen Szenen zu, die in Verbindung mit dem Score wiederum ein Kunstwerk für sich sind, verfolge den Plot – tu, was immer du willst. Es gibt viel Zeit dafür und dabei keinerlei Verpflichtungen, aber eins ist gewiss: Langweilig wird es zu keiner einzigen Sekunde.

Das Plakat suggeriert bereits, dass Filme dieser Art kaum existieren und ich kann mich da voll hinter diese Aussage stellen: Mir fiele kein Vergleichsmovie ein, mit dem man das hier annähernd beschreiben könnte.

So sehr ich von den ersten fünf Minuten abgeschreckt war, so sehr wünsche ich mir, diesen Film einfach noch viele Male ansehen zu können, denn irgendwas passiert mit dir, währenddessen du ihn siehst.

Faszinierend, magisch, elementar und einzigartig: Dieser Film zieht dich in seinen Bann und lässt dich nicht mehr los.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Verzaubert mit Farben und Musik und hält einen weiter im Bann – ihr müsst also nicht gleich raus.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Waves
Length: 137 Min.
Rated: FSK 12


The Vigil – Die Totenwache

The Vigil - Die Totenwache - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Frischfleisch ist manchmal gar nicht so verkehrt … und die ach so unbeliebten „Newcomer“ haben anfangs immer das, was ich bei vielen Alteingesessenen oft vermisse: Mut.

Keith Thomas ist ein neuer Stern am Himmel der Horror-Regisseure und blutjung mit seinen Ideen. Seinem Kurzfilm Arkane, den man z.B. auf YouTube sichten kann, spürt man noch nichts von Können an, sondern der erinnert viel mehr an das „hochetablierte Möchtegernwerk eines Filmschulabsolventen“, der sich selbst maßlos überschätzt. Kein Gespür für Timing, keine guten Effekte, ein lahmarschiges Ende … macht keine Lust auf mehr.

Ganz anders verhält es sich mit seinem ersten Kinofilm The Vigil – Die Totenwache: Nun hat er sich belesen, wie man das mit den Horroreffekten richtig macht und zieht auf einmal voll sein Ding durch – und das so gut, dass einem Horrorfilmliebhaber wie mir zuweilen die Gänsehaut am ganzen Körper senkrecht stand.

Die Effekte passen, die Jumpscares sind weise und unübertrieben gut eingesetzt und auch der Story-Plot hält sich an seine selbst aufgestellten Regeln und verweist damit die typische Dummheit nach draußen.

Kurzum: Man hat sich ein wunderbar unangerührtes Thema geschnappt, eine Story dazu geschrieben (die – zugegeben – zwei, drei Minuten braucht, um zu zünden) und dann eine wunderbare Reise in die gruseligen Momente dieser Nacht unternommen, die im Film wunderbar authentisch durchexerziert wird.

Und dabei wird eine Stärke von Thomas ganz klar und deutlich: Dieser Mann kann auf einmal Atmosphäre schaffen und sorgt für grandiose Momente, die selbst alteingesessenen Genrefans das Gruseln neu beibringen.

Nun muss ich auch wieder ein wenig meine Meinung zu Blumhouse revidieren, die in meinen Augen in der Vergangenheit auch viel skurrilen Bullshit ans Tageslicht gelassen haben, den ich so nicht abgesegnet hätte. Aber der Einfluss ist hier deutlich zu spüren und hat dem Film wider Erwarten mehr als gut getan.

Am Ende struggelt man ein wenig mit der doch eher unbefriedigenden Auflösung, aber der Weg dorthin ist Bombe und man wünscht sich mehr aus dieser Ecke. Mal sehen, ob’s diesmal gelingt, dass mal jemand nicht ins wirtschaftlich-seelenlose Milieu abkippt, sondern man weiter an solch grandiosen Ideen bastelt. Es würde dem Genre definitiv gut tun.

Hammerharte, starke Momente mit Gänsehautgarantie, die selbst alte Horrorfans aus ihren Höhlen rauslocken und das Fürchten komplett neu lehren: Großartige Situationen, tolle Effekte und ein plausibler Plot – was will man eigentlich mehr?

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. Juli 2020

Original Title: The Vigil
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16


Harriet – Der Weg in die Freiheit

© 2020 Universal Pictures International

Was könnte ich an dieser Stelle anderes sagen als „Es tut mir leid“?

Es tut mir leid, dass es notwendig geworden ist, dass sich jemand hinsetzt und solch einen Film produzieren muss. Es tut mir leid, dass es notwendig ist, andere Menschen über diese Geschehnisse aufzuklären. Es tut mir leid, dass all dies tatsächlich einmal passiert ist und Millionen Menschen solche Taten durchlitten haben.

Du sitzt ganz unverfroren in dem Film und schaust dir den Anfang an und denkst dir: Hoffentlich ist das nur eine Geschichte. Hoffentlich ist das kein Tatsachenbericht. Hoffentlich kommt am Ende nicht „… basierend auf dem Leben von …“ …

Es kommt.

Diese Frau hat genau das erlebt.

Und es tut mir leid, dass wir immer noch hier sitzen und darüber diskutieren, statt endlich einzusehen, dass unzählige Entschuldigungen und Kniefälle notwendig sind, um für dieses Unrecht um Vergebung zu bitten.

Ich kann nichts anderes, als einfach nur meine Klappe zu halten und demütig im Namen aller um Vergebung zu bitten und hoffe, dass sich immer noch möglichst viele finden, die sich den Film in irgendeiner Weise ansehen werden.

Im Kino ist er natürlich „imposant“, setzt sich mit viel mehr Druck im Innersten deiner Seele nieder und erzeugt intensive Gefühle – aber auch zu Hause, im TV, per Streaming oder sonst wie: Dies ist der falsche Zeitpunkt, um irgendwelchen Schau-Prinzipien nachzuheulen, denn dieser Film ist von solch immenser Bedeutung, dass ihn einfach jeder gesehen haben muss. Egal, wie.

Also schaut ihn euch an, versetzt euch in „ihre“ Lage – und spürt einmal, wie das ist, wenn eure Kinder, eure Familie, eure Männer, eure Frauen, eure Freundinnen, eure Bekannten, eure Leute an Stelle der Protagonisten wären. Was würdet ihr empfinden? Wie hättet ihr reagiert?

Genau so fühlen sich 2020 immer noch unzählige Menschen – und jeder davon ist einer zu viel.

Mein Kniefall vor ihren Taten, ein leises „Dankeschön, dass du aufgestanden bist“ und ein lautes „Vergib uns allen, die euch so etwas angetan haben und bis heute stellenweise antun.“

Als Mensch, der in Deutschland geboren wurde, männlichen Geschlechts mit heller Hautfarbe ist, habe ich kein Recht, irgendwelche Urteile in dieser Sache abzugeben: Alles, was an dieser Stelle richtig wäre, ist: Um Entschuldigung zu bitten und mich ehrfürchtig vor dem Leben von Harriet zu verneigen und ihr zu danken, dass sie damals aktiv geworden ist um für ihre Freiheit zu kämpfen. Es ist bis heute immer noch sehr sehr notwendig. Leider.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Zeigt euch ein paar der Original-Bilder, also springt nicht gleich auf, sondern gebt dem Film Zeit, zu einem Ende zu kommen.

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Harriet
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12


Out of Play – Der Weg zurück

Out of Play - Der Weg zurück - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Jeder Mensch hat seine Eigenarten, und gerade in Hollywood projiziert diese jede Person immer wieder übergreifend in jedem Stück nach außen. Schaut man sich also genügend Filme von einer Person an, kann man nach einer gewissen Zeit sehr klar erkennen, welche Thematik diesen Menschen beschäftigt.

Zwangsweise lässt sich daraus schlussfolgern, dass ein Schauspieler oder eine Schauspielerin immer einen Film hat, der exakt auf einen passt und die Persönlichkeit nahezu perfekt wiedergibt.

Bei Ben Affleck deutete sich schon immer an, was jetzt in Out of Play gewissermaßen himmelschreiend auf der Bühne steht: diese sanfte, leicht niedergeschlagene Art, die die eigenen Probleme porträtiert und dabei ein sehr zärtliches, aber durchdringendes Abbild seiner emotionalen inneren Gefühlswelt nach außen trägt.

Was mir hierbei außerordentlich gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass endlich mal keins dieser trägen, verurteilenden Klischees aufgegriffen und anprangernd moralisiert wird, sondern man zwar die Kaputtheit zeigt, dabei aber so umfassend durch die verschiedenen Ansichtsweisen und weit über den Tellerrand schaut, dass man als Zuschauer viel besser Verständnis dafür aufbringen kann und die Zusammenhänge mal nicht vorurteilsvoll vom Tisch gewischt werden.

Out of Play ist unterschwellig eher eine Hommage an die amerikanisch-gesellschaftlichen Werte, die einen viel ehrlicheren und glaubwürdigeren Einblick in das alltägliche Leben gewähren, als es unser einer aus den Medien kennt.

Und mit dem Zeigen von Dilemma folgt gleichsam auch sofort die tiefe, innere Einsicht, die ein „darüber reden müssen“ überflüssig macht und es einfach so im Raum stehen lassen kann.

Genau das ist so wohltuend, nicht zuletzt, weil man sich damit aus diesem Genre erhebt und etwas vollkommen Authentisches erschafft, das dem Zuschauer etwas bietet, was heutzutage selten geworden ist: Eine fundierte, liebevolle Ehrlichkeit, die einen tiefen Blick in die Seele zulässt.

Und damit würde ich sagen: Out of Play zählt definitiv zu Afflecks Meisterwerken und damit zu einem seiner gelungensten Filme überhaupt.

Definitiv anschauen: Ben Afflecks Meisterwerk bisher!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 23. Juli 2020

Original Title: The Way Back
Length: 109 Min.
Rated: FSK 12


Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz - Filmplakat
© 2020 Entertainment One Germany GmbH

Berlin Alexanderplatz ist ab sofort nicht mehr nur ein unfassbar bekannter, touristischer Hotspot in Deutschland, sondern auch ein artistisches Kunstwerk, das in 183 Minuten ein offenbarendes Porträt der Gesellschaft einfängt und wiedergibt, das so manchem die Augen öffnen könnte.

Man lässt sich auf eine Talfahrt in die Hölle menschlichen Agierens ein, die hinab in die Abgründe der Seele führt und einen dort alleine lässt. So schleichend der Prozess beginnt, so brachial bricht am Ende alles über einen hernieder und schickt den Zuschauer mit einem Donnerknall voller Erkenntnis wieder raus in die Welt, deren Offenbarung man gerade ungeschönt auf der Leinwand präsentiert bekommen hat.

Besonders stark: Jella Haase, die die meisten in ihrer eher unbeholfen-naiven Art aus Fack Ju Göhte kennen, die sich hier eine Rolle zugesteht, die ernsthafter und seriöser nicht sein könnte.

Der Film lässt viele Gedanken über das Bild unserer heutigen Gesellschaft entstehen und wirft wichtige Fragen auf, über die man anschließend noch lange nachdenkt.

Den Trailer sollte man sich aus zwei Gründen nicht anschauen: Er verrät wieder viel zu viel Inhalte und Wendungen und außerdem führt er in ein völlig falsches Genre, das dem Film selbst nicht gerecht wird, sondern bei vielen die Klischeekeule triggert, die sich daraufhin entscheiden, den Streifen lieber nicht sehen zu wollen.

Lasst euch von dem Titel nicht in die Irre führen: Dieses Porträt gesellschaftlicher Analyse ist ein wichtiges Werk, das viele Ansätze zum Überdenken des eigenen Weltbilds liefert und von den Darsteller*innen extrem überzeugend gespielt wird. Definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Berlin Alexanderplatz
Length: 183 Min.
Rated: FSK 12


Yummy

© 2020 Busch Media Group

„Facelifts, Boob Jobs und… Zombies“. Trash. Denkst du. Und genau das nährt anfangs auch deine Gedankengänge, wenn du dabei aufpasst, wie jemand unfassbar schlechte Synchro vom Stapel lässt, Persönlichkeiten introduced, die so dämlich sind, dass man sich eine Heerschar an Facepalm-Helfern wünscht, weil die beiden eigenen Hände längst nicht ausreichen, um sich damit vor Scham den Schädel anzuschlagen.

Und der Plot dazu wird auch nicht besser … und du denkst dir nur die ganze Zeit: Wo zur Hölle bin ich hier rein geraten?

Ganz einfach: In den besten Horrorfilm, den es seit Jahren gegeben hat 😀

Ja, ernsthaft! Irgendwann benötigst du keine eigene Brustprellung mehr, um am ganzen Oberkörper Schmerzen zu verspüren, weil die deine ungewollten Lacher von alleine produzieren: Die Story artet so dermaßen aus und man lässt sich völlig frei von jedweden Grenzen endlich in das Blutbad klassischen Zombie-Gemetzels fallen, das damals noch die super geile Angewohnheit hatte, mit dem Genre „Comedy“ zu konkurrieren und dabei garantiert immer zu gewinnen … Yes, Man!

Es strömt Blut, es schreit, es brüllt, es fliegen die Fetzen und man jubiliert, denn endlich … ENDLICH ist mal wieder etwas garantiert gerechtfertigt und ungeschönt mit FSK 18 auf der Leinwand zu sehen und sprudelt nur so vor all den geliebten, triefenden Dümmlichkeitsklischees, die es braucht, um bei so einer Show verboten viel Spaß zu haben.

Auf einmal wachsen dir die Charaktere ans Herz, auf einmal triumphierst du bei jedem neuen Ausbruch verbaler Blödheit, die meine heiß geliebte Feuilleton-Fraktion binnen Sekunden ins geistige Grab katapultieren würde – und du feierst es: Die guten alten Zeiten sind zurück – denn Yummy ist zu Recht das gefeierte Werk der Stunde.

An alle Fans, die sich weg vom Mainstream bewegen und mal etwas sehen wollen, das kapitalistisch überhaupt keinen Sinn hat, dafür aber unglaublich viel Seele und Herzblut offenbart: Zieht euch Yummy rein und nutzt die wenigen Vorstellungen, die der Film bislang überhaupt abkriegt.

Die guten alten Zeiten sind zurück und Horror triumphiert als Genre endlich wieder über die Humor-Domäne und zeigt, was es drauf hat, wenn man sich einfach traut. Das haben die Macher dieser Schlachtorgie getan und ein Werk geliefert, das den geneigten Fan zur vollen Güte befriedigt und mit allen Stilmitteln um sich schlägt, die hierbei Erfolg verzeichnen können. Ein absolut gelungenes Stück voller Herzblut und Liebe an ein viel zu selten gewürdigtes Areal der Kinolandschaft – vielen Dank hierfür!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Das abzuwarten hätte mich eine Nacht auf der Straße gekostet: Also .. äh … keine Ahnung 🤷 ?

Kinostart: 23. Juli 2020

Original Title: Yummy
Length: 89 Min.
Rated: FSK 18