Dezember 6, 2021

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After Love

After Love - Filmplakat
© 2021 Constantin Film Verleih GmbH

Hat irgendwer in letzter Zeit mal „Filmreihen“ hier im Blog gesichtet? 😀

I got another one … diesmal wurde während der Pandemie in Bulgarien gedreht und auch hier stützt man sich auf eine unfassbar erfolgreiche Buchreihe, diesmal von Anna Todd, die mit ihren Werken zuerst auf Wattpad und anschließend in den Verlagen für Furore gesorgt hat, weil sich alle wie wild drauf gestürzt haben.

Zu Recht, denn auch ich habe irgendwo in ferner Vergangenheit versprochen gehabt, mir zu dem unfassbar schlechten ersten Film ein zweites „Erstes Mal“ zu gönnen und das Buch zu lesen, um herauszufinden, ob die Fraktion „Das Buch ist viel besser wäh wäh“ diesmal doch recht hat.

Hat sie.

Ich habe inzwischen 4 Bände Marke „gebraucht“ hier rumliegen, die wirklich unglaublich sensibel in das Thema rein greifen und mit erzählerischem Feingefühl die Dinge beschreiben, nach denen sich so manch einer tatsächlich sehnt.

Darum wundert mich der literarische Erfolg kein bisschen, denn man trifft hier wirklich einen Nerv der Zeit und lebt sich in Dingen aus, die der Alltag wohl kaum so hergeben dürfte. Umso schöner, wenn man dann in diese Welten abtauchen und sich zumindest ein bisschen von den Unliebsamkeiten des täglichen Irrsinns ablenken kann.

But first things first: Wo kommt’s her?

Auch hier gibt’s inzwischen einen klaren literarischen Fahrplan zu verzeichnen und der heißt:

After Passion (2019)
After Truth (2020)
After Love (2021)
After Forever (derzeit unbekannter Starttermin)

Und so, wie ich die Filmbranche kenne, werden sie sich auch auf die weiteren Teile à la Spin-Of stürzen, welche dann wären:

Before us
Nothing more
Nothing less

Taugt’s was?

Das Problem mit der filmischen Adaption eines solchen Stoffs liegt irgendwo auf der Hand: Sexuelle Begierde findet im Kopf statt und der größte Treiber solcher Emotionen ist eine starke Fantasie.

Hier hat definitionsbedingt der Film schon mal schlechte Karten. „Wie sehen die beiden dabei gerade wohl aus?“-Fragen, die man beim Lesen durchaus im Schädel hat, werden durch den Cast quasi direkt zu Beginn geklärt. Das übliche „Ein Buch schafft 1 Million mögliche Welten, der Film begrenzt sich auf die eine des Regisseurs“-Problem trägt hier zum Untergang der Leinwandversion bei.

Das, was im Buch tatsächlich richtig Laune bereitet und einen durch die struggling-Momente von Tessa führt, wird im Film mehr oder weniger „zusammenhanglos“ in „Szenen aus dem echten Leben“ und „Vögel-Szenen“ unterteilt, wobei man sich hier immer wieder abwechselt. Da hatte das Buch tatsächlich einen viel smootheren Übergang, was als geschriebenes Wort viel authentischer wirkte und somit auch realistischer einzuordnen war und im Film fast schon abgehackt und unnatürlich rüberkommt.

Manko 2: Die Darsteller haben in meinen Augen nicht wirklich eine verwertbare Aura, die der im Buch auch nur annähernd nahe kommt. Viel zu glattgebügelt, viel zu profillos und ohne Charme, in den man sich im Buch tatsächlich sofort verschießt. Auch hier spürt man wieder deutlich, dass Buch und Film zwei völlig unterschiedliche Welten sind, die man eigentlich niemals miteinander vermischen sollte.

Positiv an dem Film (und eben dem Plot – also wieder dem Buch zu verdanken): Es passiert was – und zwar mal richtig viel. Das ganze Emotionsgeschiss, was eher wie „14jährige lesen Bravo und keulen sich darauf einen“ wirkt, tritt völlig in den Hintergrund und die Story (Ja, schlagt mich! :-)) wird vorangetrieben.

Dabei gibt sich After Love echt Mühe und wartet auch mit der ein oder anderen Überraschung und einem ziemlich coolen Cliffhanger auf, um die Leute bei der Stange zu halten. Zündet’s?

Bei mir ja – ihr dürft das aber alle gerne selbst entscheiden. Noch ist der Streifen in ausgewählten Kinos zu sehen und demnächst ganz sicher auch in den offiziellen Heimkino-Kanälen zu bewundern.

.kinoticket-Empfehlung: Struggelt ein wenig an der Personality der Darsteller und den üblichen ‚Man kann Bücher nicht verfilmen‘-Dingen, die hier den Kern der Schriftstücke töten, bevor er die Leinwand erreicht. Treibt allerdings die Story wahnsinnig gut voran und ist dadurch sehr unterhaltsam und kurzweilig.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 02. September 2021

Original Title: After We Fell
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12