Oktober 7, 2022

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Ambulance

Ambulance - Filmplakat
© 2022 Universal Pictures International

Ach Gottchen, was war es für einige aus der Presse für eine Plage, sich diesen „patriotischen Bullshit“ reinziehen zu müssen, unerträglich! Man hätte das Kino bereits nach 40 Minuten verlassen und sich geschworen, nie wieder einen Michael Bay zu schauen.

Gut, der Mann hat inzwischen einiges auf dem Kerbholz und längst gezeigt, wofür sein Name steht: Urpatriotischen Heroismus, kein (!) Plot, einfach nur martialische Schlachten, gute Kinobilder, fetter Sound – fertig.

Wenn auf dem Kinoplakat dann „Ein Michael Bay Film“ steht, richtet er sich auch genau an diese Zuschauergruppe – nämlich die des Blockbuster-Popcorn-Kinos – und da erfüllt der Film bei weitem alle Erwartungen, die man an ihn stellt.

Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Für einen Bay ist der fast schon viel zu intellektuell … aber auch sonst gibt es viele Gründe, sich diesen Film zwingend in einem Kino anzusehen. Welche? Ich verrate es euch.

Starten wir mal mit dem Soundtrack und Lorne Balfe, den ich seit seinen Machenschaften in Assassin‘s Creed tief in mein Herz geschlossen habe und der wirklich einiges auf dem Kasten hat. Der Beat ballert hier aus allen Rohren und erfüllt das Action-Drive-Herz eines jeden Blockbusterfans mit urgewaltiger Brachialität. Unterstützt wird alles von einem absolut fähigen Soundeffects-Team, das hier keine „Erstmal die kleinen Waffen, später dann die Kanonen“-Methodik auspackt, sondern direkt aus allen Rohren feuert und den Zuschauer durch wuchtige Brummer und mächtiges Getöse direkt mal in den Action-Himmel katapultiert.

Es muss laut, mächtig und durchdringend sein – und das kriegt in dem Fall nur ein Kino so hin, wie der Film es braucht und will.

Der nächste Grund, ins Kino zu gehen: Die Kamera. Nun wird sich der durchschnittliche Zuschauer fragen, wieso… weil der vielleicht sowieso nichts damit anfangen kann. Bay zieht hier aber alle Register einer guten Kameraführung und verwöhnt uns mit Einstellungen und Kamerafahrten, die begeistern und – wenn man genau aufpasst – sogar die Stimmung des Teams immer wieder spiegeln: Shaky, wenn sie nicht wirklich wissen, was zu tun ist, glatt und graziös, wenn sie einen genauen Plan haben. Dabei werden endlich (!!!) mal neue Einstellungen genommen und weg von dem ausgenudelten „Kamera-Umkipp“-Shot gegangen und ansatzweise sogar honorable die Arbeit von The Dark Knight gewürdigt – alles in allem trägt die Kamera und der Thrill dieser Bilder dazu bei, dass es bei 137 Minuten Laufzeit nicht ein einziges Mal zu Längen kommt oder man das Gefühl hat, auf irgendetwas zu warten. Damit trifft Michael Bay total ins Schwarze und liefert Bilder, die nur eine riesige Leinwand umgeben von einer brüllenden Tonspur so richtig zur Geltung kommen lässt, weil man sich mittendrin statt nur dabei fühlt.

Die ganzen Ächter sind dann wieder diejenigen, denen „das zu blöd war, sondern die brav darauf gewartet haben, dass der auf ProSieben in der PrimeTime läuft und sie ihn auf ihrem 137cm-Fernseher anschauen haben können“ – und dort ist er dann halt einfach wieder nur ein dummer Film.

Dann kommen wir mal zum Plot: Die theateraffine Kunst-Exhibition braucht man ganz klar nicht erwarten, allerdings finde ich, dass selbst hier Bay weit über dem ist, was er sonst so abgeliefert hat: Alles ist super authentisch, super reell, man findet tatsächlich nirgendwo Dummheit wieder (wie es z.B. in den Transformers-Filmen war), sondern alles hat einen tieferen Sinn, der auch glaubwürdig erklärt wird. Man hat durchaus seine Momente, wo es wirklich zur Sache geht und verliert dabei niemals seinen Humor, was die Charaktere an sich wieder super sympathisch rüber kommen lässt… und uns gleich zum nächsten Punkt führt:

Die Charaktere. Der Film lebt von drei super starken Persönlichkeiten, die alle so tierisch unterschiedlich sind und allesamt über die ganze Länge niemals von ihrer exorbitanten Erscheinung einbüßen. Es gibt kein „das süße kleine Mädchen“ und „der große starke Mann“-Klischee mehr, sondern keiner nimmt dem anderen etwas und alle ergänzen sich auf ihre Art gemeinsam und tragen den ganzen Film über. Auch auffallend: Es gibt keine Arschlöcher in dem ganzen Film. Man entwickelt keinen Hass aufs FBI oder irgendwelche Polizisten, man hasst niemandem und wünscht ihm den Tod, sondern alles ist so super ausgeglichen und harmoniert in dieser Story total – und vermittelt damit dem Zuschauer unterbewusst ein Bild von Frieden und Gelassenheit, obgleich man über die Highways rast und die Action nur so auf einen runter krachen lässt.

Dass dabei dann natürlich die patriotischen Elemente immer wieder auftauchen (das einprägsame blau-rot der Polizeileuchten, die amerikanischen Flaggen, die schwarzen Polizei-Schlitten etc.) ist ganz klar und war bei Bay auch niemals anders. Es hätte eher gewundert, wenn das mal nicht der Fall ist – und ich finde, das gehört zu so einem Film auch dazu.

Next thing: Die Kulisse. Der Film ist eine Ode an die Stadt Los Angeles und würdigt sie mit traumhaften Kamerafahrten über die Skyline, besucht sie in allen Winkeln mit allen technischen Raffinessen der Kunst, die filmtechnisch inzwischen im Portfolio Hollywoods zu finden sind und macht die Stadt selbst zu einem „Charakter“. Auch hier verwöhnt uns Bay einfach mit tollen Bildern, untermalt vom genialen Soundtrack Lorne Balfes – und wenn dann selbst mal ein paar Szenen kommen, wo man die Polizei etwas schlechter Auto fahren lässt, dann kommt da keine Wut auf, sondern es sind ja trotz allem genau die Bilder, die man sehen will und Bay liefert uns genau das, warum wir überhaupt ins Kino gegangen sind.

.kinoticket-Empfehlung: Ich finde, besser hätte man es kaum machen können, denn hier stimmt einfach alles: Soundtrack, Sound Effects, Kameraführung, Charaktere, Plot, Thrill und damit liefert der Film dem Action-Popcorn-Kino-Fetischisten mehr, als er durch den Trailer erwarten würde. Nailed it!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Der Abspann glidet aus dem Film ins Schwarz über und zählt außerdem zu einem der kürzesten Blockbuster-Abspänne, die ich kenne.

Kinostart: 24. März 2022

Original Title: Ambulance
Length: 137 Min.
Rated: FSK 16

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