Ausgeflogen - Filmplakat
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Wenn’s französisch klingt, ist’s herzig … so könnte man pauschalisieren und würde damit in den meisten Fällen noch nicht mal arg daneben liegen. Mon Bébé ist tatsächlich ein absolut kitschig klingender Titel, der im Deutschen nicht besser wird und dem man all die nervigen kleinen “Dududus” und “Dadadas” anhängen darf, die so mancher an werdenden Eltern so extrem hasst.

Wer an dieser Stelle aber den Fehler macht und tatsächlich glaubt, dass das ganze Kleinkindgequengel nun Bühne auf der Leinwand findet, der schadet sich selbst und verweigert von vornherein einen Film, den ich auf die ToDo-Liste eines jeden Kinofans setzen möchte, denn Ausgeflogen ist wirklich ein Insidertipp.

Um euch die Angst vor “Oh mein Gott, er wird alt und kriegt langsam die Krise” ein bisschen zu nehmen: Ja, ich kann diesem ganzen Generve von Babys und Kleinkindern immer noch nichts abgewinnen – ich bin kein “Vatertyp”, ich hab keinen eigenen Familiensinn und allein der Gedanke, mich mit jemand zu verbünden und irgendwann eigene kleine Kids in die Welt zu setzen, löst Horror und Schrecken bei mir aus: “Hilfe, ich verliere meine wohlgeliebte Einsamkeit, meine Lebensfreiheit und mein Recht, durchgeknallt und anders zu sein als andere und das in vollen Zügen auszukosten.” Ihr braucht also nicht zu fürchten, dass jetzt auf einmal auch kleine, dicke, komisch aussehende Babys auf den Tisch kommen und ich beschwörend anfange, drumrum zu tanzen und eben jenes Szenario heilige.

Ganz im Gegenteil: Ausgeflogen kümmert sich um andere Dinge – von anderen Seiten aus, und tut dies in einer romantisch-erträglichen Version, von der ich nur zu gern mehr sehen würde. Hier schlägt das “französische Gen” wieder einmal zu, das quasi mehr oder weniger garantiert, dass der Film gut werden wird – und beide Hauptdarstellerinnen erledigen hier auch einen Job, der nach Schauspielschul-Vorbild ausschaut: Extrem gut gespielt, extrem einfühlsam und emotionsnah und auf eine wohlige Art und Weise, in der man sich gern für eine Zeit lang selbst ertränken möchte, um es richtig auszukosten.

Der Film hat Tempo, fordert also auch durch seine permanente Fahrweise und lässt einem wenig Zeit, zur Ruhe zu kommen und das Gesehene irgendwie zu verarbeiten – leise ist also was anderes, aber die Geschwindigkeit und der “Lärm” nerven nicht, sondern sind hingebungsvoll und ehrlich, eine liebevolle Ode an das Leben und seine Wendepunkte.

.kinoticket-Empfehlung: Wer immer die Chance hat, das Ding im kleinen Rahmen cineastisch zu konsumieren: Tut es! Ausgeflogen ist ein Insidertipp, der durch einen möglicherweise schlecht gewählten Originaltitel dazu verleitet, den großen Fehler zu begehen, diesen Film zu ignorieren. Absolut liebevoll gespielt – eine Ode an das Leben.

Nachspann: Muss man nicht sitzen bleiben, es folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Mon Bébé
Length: 87 Min.
Rated: FSK 6