Angry Birds 2 (3D)

Angry Birds 2 - Der Film - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich gehöre noch zu der Fraktion, die das „Moorhuhn“ bitter miterleben mussten. In der Kindheit war‘s „Diddl“, den jeder mit sich rumschleppte, dann kamen „Tamagotchi“ und irgendwann waren es eben die „Angry Birds“ – und ja, ich hasse solche Kultavancen.

Tatsächlich erlebe ich auch heute noch genügend Erwachsene, die ihrer Meinung nach aus dem Kindesalter raus sind, um sich mit Filmen aufzuhalten, die schreibunte Farben auf dem Plakat haben und schon so schräg aussehen.

Really? No.

Wir haben jüngst bei Toy Story 4 erleben dürfen, dass dies eigentlich kein Film für Kinder mehr ist, da man sich in den großen Häusern längst darauf besinnt, die ganze Familie glücklich zu machen. Selbst Familienlabel wie Disney kümmern sich inzwischen darum, dass jede Altersklasse der Family ihr Fett wegkriegt und niemand mehr sagen kann „Da ist ja nix für mich dabei“.

Aber mal zurück zu Angry Birds. Tatsächlich war bereits der erste Teil nicht von schlechten Eltern, allerdings hauste der immer noch in der Kinderabteilung im Spielbällebad und hatte somit keinerlei Gründe geliefert, weshalb sich Erwachsene diesen knalligen Kram antun müssten. Ein Film für die Jüngeren, der einem selbst mal zwei Stunden Pause vergönnen würde.

Angry Birds 2 – Der Film ist jetzt nicht einfach der zweite Teil, sondern toppt auf einer völlig neuen Liga auf einmal ganz neu auf: Fortsetzung? Quatsch – versteht man auch ohne den ersten Teil gesehen zu haben.

Lustig? Und wie! Das Teil löst dermaßen die Lachmuskeln aus und scharwenzelt dabei durch die Riege der Generationen, dass gar keine Zeit mehr bleibt, um sich mit solchen Belanglosigkeiten aufzuhalten. Ganz einfach: Wer den Film nicht sehen will, tut sich selbst am meisten Schaden an, denn der ist einfach nur großartig und donnert mit einem Gaggewitter um sich, dass sich nicht nur die Balken biegen.

Die Zeichnung ist hervorragend, man hält Moral, Inhalte, Spaß, Unterhaltung, Vielschichtigkeit und unfassbar hohe Gagdichte bereit, die es einem unmöglich macht, nach dem Film mit auch nur annähernd neutraler – oder gar schlechter – Laune wieder aus dem Saal zu spazieren.

Leute? Bitte bitte bitte geht in den Film!

Und ich sage das nicht nur, weil ich unbedingt möchte, dass die Schöpfer von Erfolg gesegnet in die Planung für Teil 3 gehen, sondern auch, weil ich jedem einzelnen von euch von Herzen gönne, dass ihr dieses Spaßbad über euch ergießen lasst.

.kinoticket-Empfehlung: Angry Birds 2 – Der Film ist längst kein Kinderfilm mehr, sondern losgelöst von allen Schubladen. Am besten auch gar nicht als „Fortsetzung“ betrachten, sondern euch selbst hoch und heilig versprechen: Gönnt euch diesen Spaß, ihr verletzt nur eure gute Stimmung, wenn ihr diesen Film auslasst. GEHT REIN!

Nachspann: Darf man gerne sitzen bleiben, der ist nämlich lustig gemacht und bis zum Ende animiert.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: The Angry Birds Movie 2
Length: 97 Min.
Rated: FSK 0


Downton Abbey

© 2019 Universal Pictures International

Downton Abbey erfreut sich einer großen Serienfan-Gemeinde und enthält so ziemlich alles an fähigen Schauspieler*innen, die Großbritannien zu bieten hat. Ein Grund könnte sein, dass der Schöpfer der Serie – Julian Fellowes – ein Händchen dafür hat, in die “alte Welt” einzutauchen und alles Moderne mit einem Schlag zu killen.

In heutiger Zeit kennt jeder eigentlich nur noch mediale Überlastung: Die Leute sind gestresst, werden online gefordert und kommen niemals zur Ruhe, werden überflutet von Nachrichten, kriegen kaum ihre eigene Timeline abgearbeitet und kommen schon gar nicht mehr dazu, irgendwas mal in Ruhe zu konsumieren, ohne nicht gleichzeitig noch drei andere Dinge mit zu verrichten, weil sonst einfach die Zeit am Tag nicht ausreichen würde.

Kaum ist etwas weltbewegendes passiert, landet man aufgrund der Fülle schon bei der nächsten Katastrophe und hat aus “Speicherplatzgründen im Hirn” die alten Dinge längst wieder vergessen. Betroffen ist man eh nur noch in den seltensten Fällen.

Downton Abbey tut genau das Gegenteil: Es ist langsam. Nicht zu verwechseln mit ermüdend. Die Serie – und überraschenderweise auch der Film – vergeuden keine Zeit mit Belanglosigkeiten, sondern strahlen die altbekannte Ruhe und Gelassenheit aus, die sich um das Leben der Bewohner dieses Anwesens rankt.

Ein riesengroßer Pluspunkt ist natürlich auch die feinfühlige Tatsache, dass der komplette Seriencast ebenfalls für den Film engagiert wurde und man hier nicht – wie nicht selten üblich – andere Darsteller verpflichtet hat. Das gibt einem als Zuschauer das Gefühl, die Serie geht tatsächlich weiter und der miese Beigeschmack von “jetzt auch im Kino” bleibt diesmal völlig auf der Strecke.

Bereits im TV war Maggie Smith als Violet Crawley herausragend mit ihren Sprüchen und man hat jede Szene von ihr geliebt und verschlungen. Der Film bietet ihr hier eine wunderbare Plattform, auf der sie sich nochmals richtig austoben und das Publikum erstklassig unterhalten kann. Und auch der Rest ist überraschend stimmig: Ganz ehrlich? Ich sehe hier einen Oscar®-Anwärter auf Kostüme und Bühnenausstattung und einen Film, der sein eigenes Publikum im Fernsehen längst gefunden hat, das nun mit einer kolossalen Folge auf dem big screen geehrt wird.

Wer sich damals also schon für die Serie erweichen konnte (ist übrigens derzeit grad auf Amazon Prime für lau anzusehen), ist jetzt im Kino definitiv richtig aufgehoben. Die Normalität von damals wird wiederhergestellt und man hat zwei Stunden Auszeit von der von Hetze geplagten Moderne. Genießt sie – in aller Ruhe.

.kinoticket-Empfehlung: Knüpft nahtlos an die Serie an und führt weiter, was im TV grandios begonnen wurde: Der Zuschauer bekommt das Geschenk von zwei Stunden historischer Ruhe und Gelassenheit, in der er sich in diese vergangene Zeit fallen lassen und innerlich entspannen kann. Mit einer herausragenden Maggie Smith als Bonus obendrauf. Unbedingt ansehen!

Nachspann: Enthält keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen gehen. Wenn man will. 😉

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Downton Abbey
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0


Rambo: Last Blood (inkl. Gewinnspiel)

Rambo: Last Blood - Filmplakat
© 2019 Universum Film GmbH

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 3×2 Freikarten für den Film sowie insgesamt 6 T-Shirts von Rambo: Last Blood verlost werden.

Fangen wir mal für Unwissende mit den Hausaufgaben an und erklären, wovon ihr zumindest im Kino schon lange nichts mehr gesehen habt: Die Timeline von Rambo.

Einst als Literatur von David Morrell ins Leben gerufen fungierte die erste Verfilmung als Wegbereiter des Actionkinos und gleichermaßen als Karriere-Push für Sylvester Stallone, der bis dato – abgesehen von zwei Rocky-Filmen – ausschließlich Flops produzierte.

Rambo erblickte 1982 das Licht der Welt, gefolgt von Rambo II – Der Auftrag (1985) und Rambo III (1988), dem man dann 2008 noch John Rambo nachsetzte und sagenhafte 11 Jahre später erscheint nun der vorerst letzte Teil dieser Saga: Rambo: Last Blood (in Anlehnung an den ersten Original-Titel „First Blood“).

Allerdings hat sich Sly schon dazu geäußert und angemerkt, dass eine Fortsetzung nicht ausgeschlossen sei, insofern der aktuelle Teil gut ankomme.

Ich persönlich durfte den Film bereits vor Kinostart sichten und hatte so meine lieben Erwartungen: Der Trailer war schon mal sehr in Richtung Lonesome-Ranger-Western ausgelegt und sorgte für wunderbare Abwechslung im Rocky-Ableger-Fieber, denn auch in der Neuzeit produziert Stallone keine sonderlichen Kassenschlager mehr, sondern sorgte eher in Fankreisen für gute Unterhaltung (Stichtwort: The Expendables).

Nun haben wir zwei gegensätzliche Kinophänomene auf einem Haufen, die ich kurz ansprechen möchte:

1. Die Zeit zwischen Teil 1 und Teil 5

Zwischen 1982 und 2019 liegen saftige 37 Jahre. Das lasse man sich auf der Zunge zergehen. Eine Quintology, die über einen derart langen Zeitraum ausgearbeitet wurde, hat genügend Freiraum gehabt, um zu reifen, sich den Zeitgeist anzusehen, ihn richtig zu interpretieren und dann etwas Marktführendes vorzulegen. Lange Zwischenräume zwischen zwei Filmen sind meist ein Indikator dafür, dass etwas komplett gelungen ist und man keinerlei Befürchtungen haben muss, dass es in die Hose geht.

Dem gegenüber steht beispielsweise der karge Erfolg von John Rambo im Jahr 2008, der zarte Kritiken erhielt und mit einigen unschönen Dingen punktete: Laut Los Angeles Times werden im Film 236 Menschen getötet, was einem Durchschnitt von 2,59 getöteten Menschen pro Filmminute gleichkommt.

Zudem musste dieser Teil für die Freigabe im Kino gekürzt werden, da die SPIO einer Selbstverpflichtung unterliegt, die es nicht zulässt, Filme „über FSK 18“ ins Kino zu bringen. Dies bedeutete, dass für das Heimkino eine um rund 2 Minuten gekürzte FSK 18-Fassung sowie eine um rund 7 Minuten gekürzte FSK 16-Fassung produziert wurde.

Was dies bedeutet und dass so etwas einen Film komplett zerstören kann, wissen wir bereits von der um 17 Minuten (!) gekürzten FSK 16-Fassung von Blade mit Wesley Snipes.

Nun kann man diesen Gewaltvordrang als Zeitgeist interpretieren, immerhin haben Filmreihen wie Saw brutal vorgelebt, dass immer mehr Zerstörung und Gewalt auf den Leinwänden zelebriert wird und ohne Publikum wäre auch das niemals ein dermaßen großer Erfolg geworden, aus dem insgesamt acht Filme entstanden wären.

2. Es ist bereits Teil 5.

Unzählige Fortsetzungen ein und desselben Themas gelten auch in Hollywood irgendwann als ausgelutscht und unerzählbar, weil irgendwann tatsächlich alles gesagt wurde und man sich auch als Fan ab einem gewissen Zeitpunkt wünscht, dass die Macher einfach aufhören. Filme werden unerträglicher, Dinge werden auseinandergerissen, Charme geht zugunsten von „noch mehr …“ verloren und man beginnt, sich selbst zugunsten des Kommerz zu verraten, um noch irgendwie beim Publikum punkten zu können.

Dem gegenüber steht der Name des Films: Last Blood, der mehr oder weniger bewusst den Abschluss bilden möchte und somit der Story um den Veteranen John Rambo ein Ende setzt. Die Frage ist, ob dies als versöhnlicher Akt des guten Willens vorangestellt wird, um Nachfolgendes vorsorglich zu entschuldigen. Und was hat es dann mit den Behauptungen von Sly auf sich, dass ein möglicher sechster Teil kommen könnte?

Tatsächlich beginnt man mit einem rasanten Einstieg, der filmische Atmosphäre schafft und tragende, forsche Elemente in den Ring wirft, die zu Tempo und Erzählung verhelfen. Im Verlauf der Zeit entwickelt man aber immer mehr Zeit, um auf „Nebensächlichkeiten“ zu achten, die einem dann eben doch hier und da böse aufstoßen:

  • schlechte Animationen, die in Zeiten von Disneys Feldzug gegen miese VFX eigentlich nicht mehr sein dürfen
  • brutale Action, die im Zuge des Plots völlig zusammenhanglos und herausgerissen wirkt und nichts mehr mit der Erzählung an sich gemein hat
  • das Gefühl, man hätte hier einen aufgesetzten film noir gedreht, der zwar mit positiven Charaktereigenschaften Stallones punktet, sich jedoch in dem krassen Unterschied zwischen Geschichte und Blut verliert

Sofern die Fans nun anfangen, rumzumäkeln und es hier zu negativ wird: Der Teil hat meine Erwartungen vollends erfüllt, denn ich glaube, das Publikum dieses Films weiß genau, was auf es zukommt und erwartet gar nichts anderes mehr.

Ich habe mit den miesen Darstellungen und dem teils zerbrochenen Plot meinen Frieden geschlossen und einfach nur die boshafte Atmosphäre genossen, die der 70jährige (!) Hauptdarsteller da abgeliefert hat.

Der Schnitt des Films war nämlich tatsächlich wieder einmal hervorragend und auch die Erzählung wirkte als krönender Abschluss der Reihe, wenngleich man sich hier eben mit oben genannten Mankos auseinandersetzen muss.

Hier und da tauchen immer wieder Bilder auf, die einer Leinwand mehr als würdig sind und auch Brian Tylers Soundtrack animiert mich dazu, euch zu empfehlen: Setzt euch ins Dolby Cinema™ und genießt den Film mit der richtigen Technik und nicht einfach irgendwo.

Trifft noch immer jedes Ziel: John Rambo (Sylvester Stallone)
© 2019 Universum Film GmbH

Gewinnspiel

Ich weiß, dass es unter meinen Lesern und Leserinnen einige Rambo-Fans gibt und habe daher mal bei Universum Film angeklopft um ein Gewinnspiel für euch rauszuschlagen, welches mir vom Verleih höchstpersönlich gesponsort wurde:

Universum Film verlost insgesamt 3×2 Kinofreikarten für den Film und zusätzlich 6 Rambo-T-Shirts, die hiermit neue Besitzer/innen suchen.

Kommentiert hierfür unter dem Beitrag und teilt mir mit: Was ist euer bevorzugter Actionheld bzw. Actionheldin im Filmkosmos generell? Wer hat euch evtl. in eurer Kindheit inspiriert oder tut es heute immer noch?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Donnerstag, 26. September 2019 bei mir eingegangen sind, entscheidet das Los und die Gewinner werden via E-Mail von mir benachrichtigt. Gebt also bitte eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich nach euren Adressdaten fragen kann, um euch die Gewinne zuschicken zu können.

Nun aber viel Spaß im Kino und allen viel Glück.

.kinoticket-Empfehlung: Knüpft an die Härte von John Rambo an und führt die Geschichte nahtlos weiter, ist dabei aber etwas gespalten zwischen einem unfassbar simplen Plot, billig gemachten Animationen und absolut reißerischer Brutalität, die in diesem Sinne etwas aus dem Zusammenhang gerissen wirkt. Für Rambo-Fans allerdings gefundenes Fressen.

Nachspann: Zeigt euch noch einen Reigen an Erinnerungen, wie man es z.B. auch von Final Destination 5 kennt. Also rennt nicht gleich weg.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Rambo: Last Blood
Length: 98 Min.
Rated: FSK 18


Ad Astra – Zu den Sternen (inkl. Gewinnspiel)

Ad Astra - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 5 Filmplakate von Ad Astra – Zu den Sternen verlost werden.

”In space no one can hear you scream…” – Im Weltall hört dich niemand schreien … mit diesem legendären Satz aus Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt war meine Begeisterung für Space-Movies geboren und ich habe fortan einen Heidenspaß dabei gehabt, fremde Welten zu entdecken und von der Erdoberfläche abzuheben.

Ganz gleich, welcher Art, alles, was irgendwie im Weltall spielt, reizt mich – stimuliert die Sinne und den Geist und macht den Weg frei für neue Gedanken, neue Ziele, neue Sichtweisen und neuartige Möglichkeiten, dem Leben hier unten zu begegnen.

Dazu haben im Laufe meiner Kino- und Filmkarriere extrem viele Werke beigetragen – sowohl TV-Serien wie z.B. Stargate – Kommando SG-1 oder unzählige Filme, die sich das Weltall als Hauptbühne ausgesucht und mit ihren Ideen bestückt haben.

Ad Astra – Zu den Sternen ist ein von Twentieth Century Fox produzierter Film, der nun gewissermaßen ein neues Konzept für die Generation X vorlegt, das einerseits aus alten Modellen schöpft und diese modern interpretiert, als auch völlig neue Ansätze verfolgt und damit in der Filmwelt für die heutige Zeit einzigartig ist.

Als geneigter Kinogänger kommt man nicht umhin, hier diverse Vergleiche anzustellen, die sich inzwischen auch in vielen Kritiken wiederfinden. Ich bin kein so munterer Freund heiterer Vergleiche, weil ich finde, dass jeder Film seine eigene Daseinsberechtigung hat und nicht aufgrund von Optionen anderer Ideengeber existieren darf oder nicht.

Dennoch findet man sich im Saal wieder und denkt sich: “Ach, genau wie in …” – und das ging auch mir so. Man bedient sich an der Lonesomeness von 2001 – Odyssey im Weltraum – dem legendären Meisterwerk von Stanley Kubrick, man reizt gewisse Elemente aus Mad Max: Fury Road aus und liefert hier Selbstverständlichkeiten, die viele andere Filme selbst zum Thema gemacht hätten. Genau dies hat mich bei Ad Astra auch immens beeindruckt: Das fertige Konzept, das man z.B. besiedelungstechnisch aufs Bild gebracht hat: Kein umständiges Blabla, sondern es ist einfach da und in sich funktionierend. Großartig, was die World Builder hier angeht.

Gleichermaßen sieht man sich auch in einer gewissermaßen gereifteren Variante von Gravity wieder, der auch schon sehr einzigartig in seiner Epoche war und hier wieder das “wenig Leute, wenig Handlung, trotzdem spannend”-Konzept verfolgt.

Nur ist in Ad Astra eben doch alles ein wenig anders. Brad Pitt ins All zu schicken mag marketingstrategische Gründe haben, funktioniert aber trotz allem, weil man keinen Personenkult drum rum gebastelt hat, sondern sich hier tatsächlich auf etwas konzentriert, für das ich noch kein richtiges Wort gefunden habe: Eine Art “Momentankunst”, die einen Zustand analysiert, zeigt und von allen Seiten begehbar macht, indem man “Plot” betritt?

Das klassische Geschichtenerzählen findet nämlich nicht statt und wird von den meisten bis jetzt als “zu langatmig” beschrieben. Dies ist in meinen Augen aber gar nicht der Fall, weil man konsequent daran arbeitet, die Szenerie in Form zu bringen und mehr oder weniger eine Personenanalyse erstellt, die immer mehr Charakterzüge entfaltet und ans Licht bringt, was für’s Weltall wiederum eine wunderbare Metapher ist.

Ad Astra lebt über die Grenzen hinaus – ein Werk, das sich ganz kühl und besonnen ein Thema vornimmt, über das es kaum etwas zu sagen gibt und für das doch hunderttausend Worte gebraucht werden können: Definitiv einen Besuch im Kino wert – schon allein deshalb, weil diese Wucht und Bildgewalt nicht würdig in einem Heimkino projiziert werden könnten. Da fehlt die “Größe” und das Einschlagende, was hier wiederum eine Leinwand liefert.

Gewinnspiel

Twentieth Century Fox hat euch wieder ein Paket zusammengeschnürt, das ich an euch weiter verlosen darf. Und zwar gibt’s diesmal 5 Filmplakate zu gewinnen, die unter allen Kommentatoren und Kommentatorinnen dieses Beitrags verlost werden.

Was müsst ihr tun?

Schreibt in die Kommentare unter Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse bitte, welcher Weltraumfilm bisher euer Lieblingsfilm war und warum.

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Mittwoch, den 25. September 2019 eingehen, wird dann per Zufallsgenerator entschieden.

Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich, gleichermaßen gelten die Vernunft basierten Regeln von Gewinnspielen. Solltet ihr gezogen werden, schreibe ich euch via E-Mail an, um eure Adressdaten zu erfragen, diese werden dem Verleih weitergereicht, damit man euch die Plakate zuschicken kann.

Nun aber viel Spaß im Kino und natürlich ganz viel Glück bei der Verlosung!

.kinoticket-Empfehlung: Eine moderne Interpretation und gleichermaßen Neuschöpfung des dunklen Raumes um unseren Planeten herum: Mit klassischen Elementen und neuen Konzepten wird dieser Titel maßgeblich bei der Gestaltung der Filmhistorie sein und liefert einen ganz eigenen Blick auf die suspekte Psyche des Menschen. Großartig!

Nachspann: Muss man nicht zwingend aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Ad Astra
Length: 123 Min.
Rated: FSK 12


Systemsprenger

Systemsprenger - Filmplakat
© 2019 Port au Prince Pictures

Da jubelt das Herz des Systemgegners… ein Wort, das in letzter Zeit ja einiges an Popularität hinzugewonnen hat: Systemsprenger. Dieses kraftvolle, explosive Gemisch aus Hilflosigkeit und Verzweiflung, Nicht-Einschubladbarkeit und einer Auseinandersetzung, an der einfach jeder verzweifelt.

Systemsprenger fordert auf vielen Ebenen. Es ist nicht leicht, diesem Twist zu folgen, ohne selbst nahe an Verzweiflung heran getrieben zu werden – in vielerlei Hinsicht.

Zum einen akustisch. Ja, es wird geschrieen und ja, es gibt viele, die das allein schon nicht aushalten. In dieser Präsenz und markdurchdringenden Gewalt erst recht nicht. Dieser Film fesselt einen, trotz der widrigen Umstände, denn hier wird die Unschuld mit Füßen getreten und aufgezeigt, mit welcher desaströsen Macht ein Reigen von Menschen kolossal versagt. Diese emotionale Ungerechtigkeit bringt Leute wie mich zusätzlich auf die Palme.

Wunderbar herausgearbeitet ist aber auch die Tatsache, dass es kein “böses Stiefkind” gibt, auf das man alle Schuld laden kann und somit kein klassischer Sündenbock da ist, auf den man hinterher im Kollektiv sauer ist, sondern gezeigt wird, dass jeder Mensch viele Fassaden hat und man immer mal Opfer, mal Täter, mal überhaupt nichts ist.

Zu sehen, wie dieses fragile Element familiären Zusammenhalts konsequent an seine Grenzen geführt wird und zu spüren, wie sich der Schmerz deshalb leibhaftig in einem manifestiert, gehört zu der durchbrechenden Wucht, mit der Systemsprenger ins Firmament sehenswerter Titel einschlägt: Diese Erfahrung werdet ihr nie vergessen.

Es wäre ein Fehler, auch nur eine einzige Sekunde, einen halben Satz dieses Streifens zu verpassen, darum ist Heimkino kein geeigneter Ort, um sich den Film zu geben. Die Garantie, dass eure Aufmerksamkeit nie von der Leinwand weicht und diese emotionale Zerstörungskraft auch wirklich ihre wahre Wirkung entfalten kann, bietet euch nur die Leinwand – also geht ins Kino.

Welches, ist fast schon wurscht, denn laut wird es so oder so.

.kinoticket-Empfehlung: Macht euch auf was gefasst: Diesen Titel werdet ihr euer ganzes Leben lang nie wieder vergessen!

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Systemsprenger
Length: 119 Min.
Rated: FSK 12


Wer 4 Sind

Wer 4 Sind - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Deutschland hat schon einige Künstler hervorgebracht. Selbst im historischen Zeitalter kannte man uns als Wortschöpfer, die auf künstlerischer Ebene Erfolge produzierten, die bis zum heutigen Tage die Menschen prägen und allseits Gehör und Beachtung finden.

Keine Ahnung, wie’s euch geht: Für mich sind “VIPs” immer so entfernt, so unnahbar, so unwirklich. “Ja, da gibt’s irgendwo jemanden, der es zu unfassbarem Reichtum und Ruhm gebracht hat und an den du niemals rankommen wirst.”

Wer 4 Sind möchte genau diese Kluft überbrücken und stellt eines der größten Pop-Phänomene vor, die der Süden dieses Landes erzeugt hat: Fanta 4. Inzwischen gibt es ja einige Dokus über Musikergrößen, die es international zu großem Ruhm gebracht haben, mal mehr, mal weniger gut dargestellt.

Hinter dieser Produktion steckt ganz prominent das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit ZDF, Sky, SRF und arte – verbunden mit Filmförderung eigentlich ein absolut schlechtes Zeichen.

Tatsächlich macht die Dokumentation aber Spaß, wenn auch nicht zwingend die inhaltlichen Parts, sondern eher die Musik.

An dieser Stelle empfehle ich tatsächlich: Sucht euch ein Dolby Atmos™-Saal und schaut ihn dort, dafür wurde der Film produziert. Gespräche und Dialoge sind sehr frontlastig, diese kann man aber getrost ignorieren. Was den Film groß macht, ist seine Musik.

Immer wieder, wenn man Konzertausschnitte, Musikparts oder einfach rappende Männer im Studio hört, beginnt das Werk, aufzublühen und sprüht vor kreativer Schaffenskraft und einer Sensation, die Fanta 4 groß gemacht haben.

Mit einer beeindruckenden Bodenständigkeit werden hier vier Männer vorgestellt, denen es niemals wichtig war, kommerziellen Erfolg zu produzieren und auf Teufel komm raus Geld aus ihren Werken zu pressen, sondern die im Verlauf dieser Doku sehr wohl vermitteln können, dass sie all das nur aus Liebe zur Musik getan haben. Das macht sie zu einem Original, das macht sie zu einem Erfolg.

Um der Musik Willen – und der Möglichkeit, dieses Whoah-Gefühl wieder in Groß zu erleben – nutzt die Chance und schaut ihn euch in den Kinos an.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film lebt von seiner Musik, denn immer dann, wenn der Beat spielt, blüht das Werk vollkommen auf und erzeugt eine unglaubliche Atmosphäre. Der Rahmen drum rum ist etwas wirr, ändert aber nichts daran, dass es sich lohnt, dieses Phänomen auf diese Weise ganz intim kennenzulernen.

Nachspann: Aussitzen – dieses Konzert möchtet ihr nicht verpassen!

Kinostart: 15. September 2019

Original Title: Wer 4 Sind
Length: 101 Min.
Rated: FSK 0


Intrigo: In Liebe Agnes

Intrigo - In Liebe Agnes - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Beim Kauf eures Kinotickets für Intrigo müsst ihr demnächst etwas aufpassen: Es kommen nämlich direkt zwei Filme dieser „Reihe“ parallel ins Kino: Intrigo – Samaria und Intrigo – In Liebe Agnes.

Um Letzteren soll es in dieser Kritik gehen.

Inzwischen ist es aus den Medien ja schon wieder verschwunden, dass der Konzern Disney das Unternehmen Twentieth Century Fox aufkaufen möchte beziehungsweise aufgekauft hat und wir in Zukunft auf die klassische Fanfare des traditionellen FOX-Logos verzichten müssen.

Für mich immer noch ein herber Schlag in der Kinowelt. Umso bedeutsamer, dass wir nochmals in den Genuss eines ausschließlich von Twentieth Century Fox produzierten Werkes gelangen, das uns einen klassischen Krimi erzählt, der alle Elemente in Perfektion in sich vereint, die man für solch eine Erzählung braucht.

Man könnte sagen: FOX at it’s best!

Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder bewundert, wie sehr dazu in der Lage man in diesem Label ist, Geschichten wahrhaftig so zu erzählen, dass sie einen nicht nur oberflächlich berühren, sondern mit einer Tiefe überraschen und vereinnahmen, die einzigartig ist.

Dazu gehören nicht nur ausgefeilte Charaktere und tiefgründige Personenprofile, sondern eben auch intelligente Dialoge und ein ausgeschmückter Plot, der die Vernunft und Intelligenz des Zuschauers nicht durch Dummheit beleidigt.

All dies ist hier zu finden.

Was anfangs möglicherweise etwas trocken wirkt, entpuppt sich bald als eine durchtriebene Wucht, die mit trickreichen Twists und unglaublich guten Schauspielerinnen punktet, umschmeichelt von dem Atmosphäre schaffenden Soundtrack, der diesen Film wieder in ein Erlebnis katapultiert, das man so schnell nicht vergisst.

Da es sich bei der Intrigo-Reihe um eine Buchverfilmung handelt, ist sprachliches Versagen durch die Erzählung nahezu ausgeschlossen. Sonst hätte man sich wohl kaum die Mühe gemacht und diesen Stoff aufwendig verfilmt.

Mein Leitsatz „Filme können Sie!“ wird auch hier weiter verfolgt und einmal mehr bewiesen, dass Kommerz und Publikumsbefriedigung keine Gegensätze sein müssen und es sehr wohl geht, guten Content auf die Leinwand zu bringen und dabei wirklich alle Kleinigkeiten zu beachten, auf die es in so einem Werk ankommt.

.kinoticket-Empfehlung: Klare Schauempfehlung: Wenn jemand Geschichten wirklich fesselnd und gut erzählen kann, dann dieser Verleih. Genießt es, solange ihr noch könnt.

Nachspann: Muss nicht abgewartet werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Intrigo: Dear Agnes
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12


Und der Zukunft zugewandt

Und der Zukunft zugewandt - Filmplakat
© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Ist das eigentlich jemand inzwischen aufgefallen? Die Öffnung der Grenzen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands feiert demnächst 30jähriges Jubiläum und im Zuge dessen kommen immer mehr Dokus und Filme auf die Leinwand, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und die historisch einmaligen Ereignisse erneut dokumentieren.

Was ich von dieser geschichtlich immer wiedergekäuten Dauerbeschallung im Fernsehen halte, wisst ihr: Ich glaube, es ist noch kein Tag vergangen, an dem mal keine Hitler-Doku im Fernsehen ausgestrahlt wurde – und noch keine Stunde irgendeines Tages, an dem man sich nicht auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigt hätte.

Dass diese zumeist absolut schlecht gemacht sind und man als “cooler Jugendlicher” kaum Lust hat, sich so ernsthaft damit auseinanderzusetzen, versteht sich da fast schon von selbst.

Und jetzt kommt Und der Zukunft zugewandt – schon der Titel mit den richtigen Assoziationen: Vergangenheitsbewältung und -aufarbeiten im großartigen Stil, das eben nichts mit den historisch ausgelutschten Aussagen zu tun hat, sondern “neue” Vorfälle ans Licht bringt, die das Problem im Kern beleuchten: Ein System, dass damals als “perfekt” angepriesen wurde, unter dem eine Vielzahl an Menschen gelitten haben, was auch bis zum heutigen Tag immer noch nicht in Gänze von vielen verarbeitet wurde.

Und hier leistet das Werk Großartiges: Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde im Rahmen einer Polizeiruf 112-Aufzeichnung dem jetzigen Regisseur zugetragen, der davon dann nicht abließ und die Story erzählen wollte.

Und glaubt mir: Es ist spannend und zeugt von Integrität menschlich-ethischen Verhaltens, die auch kein System brechen kann … und wenn es erst Jahrzehnte dauert, bis so etwas ans Tageslicht kommt.

Und noch ein spannender Fakt: Die Dame, die das alles betrifft, hat im Film sogar eine eigene Rolle bekommen, auch wenn sie sich nicht selbst spielen kann, da die Vorfälle ja ein paar Jahre zurückliegen.

So muss in meinen Augen historische und gesellschaftliche Aufarbeitung aussehen: Themen ans Tageslicht zu bringen, deren wahrer Kern unbestreitbar ist und die Aufklärung in die Runde werfen, die für alle verständlich und vor allem auch spannend inszeniert wird, damit auch die jüngeren Generationen, die diese Ära nicht miterlebt haben, Interesse daran haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Das schafft Wissen, was wiederum dafür sorgen kann, dass derartige Aktionen nicht nochmal gestartet werden, auch wenn politisch gesehen derzeit alles danach aussieht.

Und da weder Schulen, noch einige Medien, noch Politiker oder andere öffentliche Personen großartiges Interesse daran haben, hier im großen Stil derartige Wissensbildung vorzunehmen, darf wieder einmal Kino als grandiose Plattform dafür herhalten, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass auch neue Generationen über alte Fehler unterrichtet werden und die Zusammenhänge nun easy verstehen können.

Dann sind es auf einmal nicht mehr nur irgendwelche Satzfetzen, die jeder schonmal irgendwo gehört hat, deren Zusammenhang oder Tragweite aber keiner so richtig versteht, der sich nicht näher mit der Materie auseinandergesetzt hat. Dann sind es nicht mehr Mutmaßungen, die einfach da waren, weil jeder immer so reagiert bei dem Thema, ohne zu wissen, warum.

Dann ist es ein Vorfall, der überdeutlich schildert, was an der ganzen Sache dran – und gravierend falsch war, was auf einmal andere logische Konsequenzen im Kopf schafft und ein völlig neues Bild auf die deutsche Geschichte richtet.

Damit schafft man Fakenews aus der Welt, damit schafft man irrationale Behauptungen aus der Welt, damit sorgt man dafür, dass die Menschen ihren eigenen Kopf benutzen und anfangen, nachzudenken.

Damit hätten neuartige Geschwüre geistiger Umnachtung keine Chance mehr, in diesem Land so zu gedeihen, wie sie es derzeit tun.

Also: Geht bitte rein! Und nehmt so viele Leute mit, wie ihr finden könnt.

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Dieser Film leistet Aufarbeitung historischer Wunden und erklärt ein missratenes System auf extrem spannende Weise, die auch heutigen Generationen völlig easy verdeutlicht, warum eine solche politische Hierarchie nie wieder entstehen darf! Großartig!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Und der Zukunft zugewandt
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn

Freudenberg - Filmplakat
© 2019 Filmperlen

Freude, Berg, Suche, Sinn … alles Worte, die in meinem alltäglichen Wortschatz fast täglich vorkommen. Und tatsächlich hab ich bis zu dieser Vorstellung noch nie etwas von Freudenberg gehört – und schon gar nicht gewusst, dass dies in Deutschland – und dazu noch ganz in der Nähe eines Ortes sei, in dem ich lange gewohnt habe.

Freudenberg räumt mit diesem Unwissen auf und erzählt die Geschichte durch pures Zuschauen. Es wird kaum erklärt, nahezu nicht recherchiert, nicht objektiv beleuchtet, sondern einfach gemacht.

Und exakt das ist für mich das Durchfallkriterium in beiderlei Hinsicht: Es ist keine Doku mehr, sondern ein reiner Propagandafilm für diese Einrichtung, deren Absichten meisterhaft hinter wohlklingenden Phrasen verschleiert werden und über dessen mögliche Kontroverse niemand zu reden vermag. Zumindest im Film nicht. Danach sehr wohl.

Dass man in einzigartigen, verrückten Zeiten zu einzigartigen, verrückten Methoden greifen muss, um im Leben etwas zu erreichen oder irgendwie den Überblick über Geist und Seele zu behalten, mag eine Sache sein. Dass darüber Filme gemacht werden, ist ebenfalls legitim, allerdings erwarte ich dann von einem Filmteam, dass es umfassend – und vor allem über den Tellerrand hinaus – recherchiert und ebenfalls kritische Fragen aufwirft, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Sonst müsste auch im Kino – wie seinerzeit bei TV Total – ein ständiges “Dauerwerbesendung” oben eingeblendet werden, denn nichts anderes ist dieser Film.

Interessant wäre gewesen:

  • Was kostet so etwas? Wer verdient daran – wieviel anteilig?
  • Wie gehen Umliegende mit den Situationen um? Gibt’s hier Dispute, Auseinandersetzungen oder gar Harmonie mit allen?
  • Welchen Stellenwert bezieht man damit innerhalb einer Kommune? Wie fügt sich diese Idee in das Landschafts- und Gesellschaftsbild genau ein?
  • Gibt es Gegner und wenn ja, was haben die zu sagen?
  • Wie ist der Blick von außen nach innen? Gelten sie evtl. sogar als Sekte oder gibt es womöglich überhaupt keine Wahrnehmung davon, sondern – wie in meinem Fall – absolutes Unwissen darüber?

Ihr merkt, ich kann partout sofort genügend wichtige Fragen aufzählen, deren Antworten ich im Vorfeld erörtern und bei meiner Suche nach Aufklärung dann bereits die Kameras mitlaufen lassen würde – denn so vermittelt man ein objektiveres Bild einer so skurrilen Möglichkeit, sein Leben in den Griff zu kriegen.

Und das nächste ist: Wer geht da hin? Für wen ist das interessant? Irgendwie erinnert mich das vielmehr an das biogene Gewäsch esoterisch-angehauchter Abgestalten, die dem Bezug zur Realität vollständig entglitten sind und keine andere Chance mehr sehn, als in ihrem geistigen Wahn zu solchen Methoden zu greifen.

Andersartigkeit? Begrüßenswert, denn so etwas kann durchaus die Sinne klären und einen verschärften Blick mit neuen Sichtweisen auf das Leben fördern, dazu gehört meiner Meinung nach aber immer (!) gesunde Skepsis, egal, wie gut ein Konzept ist. Skepsis macht etwas erst real, authentisch. Wenn man sich prüfen lässt und diese Prüfungen besteht, hat man das Recht, sich hinterher auch zu beschweren, wenn andere über einen meckern. Sich einfach auf Gottes Grund und Boden zu stellen und Behauptungen loszuwerden, die als gottgegeben gelten sollen, ist in meinen Augen viel näher an gefährlichem Sektierertum als alles andere.

Wen’s selig macht, der soll ruhig dort hin (mich interessiert wirklich mal, was die dafür wollen, denn ernsthaft: Was mir dazu persönlich einfällt, ist einfach nur: “Seriously?”) und sich damit auseinandersetzen, wenn so etwas im eigenen Wohnzimmer nicht geht.

Um Gras zu streicheln, brauch ich nicht einen Kurs buchen, sondern einfach nur meinen Körper nach draußen bewegen und meine Hände auf den Grund legen und anfangen damit. Hier zählen für mich noch viel mehr schwachsinnige Erfindungen dazu, die der Mensch sich im Laufe der Zeit hat einfallen lassen, um Millionen Euro damit zu scheffeln, weil einigen scheinbar nichts mehr einzufallen scheint, was ihrem Leben noch einen Sinn gäbe.

Ganz ehrlich? Sucht euch einen Nebenjob und spendet die Einnahmen für wohltätige Zwecke.

Die Humanitarian Pilots Initiative zum Beispiel braucht dringend ein neues Flugzeug, um Menschen vor dem Tod zu retten. Wenn der Film Werbung machen kann, dann kann ich das hier auch mal: https://www.hpi.swiss/ – da macht ihr dann mit eurem Erspartem etwas, für das euch die lieben kleinen Engelein im Himmel immer dankbar sein werden.

Und Mütter mit Kindern und Familien, deren Angehörige nicht im Meer beerdigt werden, ebenfalls.

Und zwar ihr Leben lang.

Wie wär’s also damit?

Achja: Der Preis für’s Kinoticket … als Spende ebenfalls dorthin? Denen hilft auch jeder Cent.

Und vielen anderen auch.

Also tut etwas sinnvolles und lasst diesen propagandistischen Schwachsinn da liegen, wo er hingehört.

.kinoticket-Empfehlung: Durch die Abwesenheit jeglicher distanzierter, objektiver Durchleuchtung leider absolut unbrauchbar und auch nicht mehr im Rahmen einer Dokumentation, sondern reine Propaganda, die man getrost ignorieren darf. Sorry, so etwas regt mich auf!

Nachspann: Birgt keine esoterischen Überraschungen mehr. Rausgehen dringend empfohlen.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn
Length: 75 Min.
Rated: FSK 0


Die Wurzeln des Glücks

Die Wurzeln des Glücks - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Schaut mal auf das Plakat und findet das Schwein … und ruft euch dann ins Gedächtnis, dass dieser Film im Original Holy Lands heißt: Das heilige Land… also Israel. Warte mal, Judentum und Schweinefleisch? War da nicht etwas?

Genau. Hier haben wir direkt den Einstieg ins Business dieses Films, der sich exakt mit diesem Fakt auseinandersetzt und dies auf ironisch-komisch und gleichsam verstörende Art und Weise zu einem Religions-Clash zusammenmischt, bei dem am Ende niemand mehr wirklich den Durchblick hat und man noch verstörter von dannen zieht, als man schon gekommen ist.

Dass hochkarätiger Cast an Land gezogen wurde, trägt u.a. dazu bei, dass dieser Film dennoch seine Daseinsberechtigung hat: James Caan (von mir geliebt in Misery) neben Tom Hollander (nicht zu verwechseln mit Tom Holland (ohne -er) – dem Spider-Man der Neuzeit) und Jonathan Rhys Meyers (bekannt u.a. aus der TV-Serie Vikings) sorgen hier für ziemlich aufwühlende Begegnungen, die teils satirisch, teils bissig-zynisch, teils beschämend und verletzend, teils aber auch vorbildlich auf unterschiedliche Kulturen und Religionen hindeuten und ihre eigene Interpretationsmöglichkeit von Zusammenleben ermöglichen.

Dabei hapert es ein wenig an der Ernsthaftigkeit, mit der z.B. ein Atheist diesen Film sehen könnte: Hier schwingt immer ein wenig die übernatürliche Unglaubwürdigkeit im Raum mit, was den Fokus dann auf Dinge wie Zwischenmenschlichkeit lenkt, weil man entweder mit abgedroschenen Phrasen abgespeist oder mit zu viel Informationsbombardement in den Aufmerksamkeits-Tod geschickt wird.

Ich hab mich mal umgehört bei denen, die den Film schon gesehen haben und bekam als Antwort, dass sie den familiären Aspekt wichtiger fanden, trotz kultureller und religiöser Unterschiede miteinander klar zu kommen und dabei Glaubensfragen eher in den Hintergrund gerückt wissen wollten.

“Ich sehe da eher das gesetztere, leicht konservative Publikum Mitte 40, die einfach mal ARD-Kost im Kino sehen wollen. Bei den meisten Filmen, die bei diesen Sendern laufen, muss man keinen Sinn oder etwas davon mitnehmen, trotzdem fühlt sich deren Zielpublikum unterhalten und hat daran seinen Spaß.”

Und da fährt das Movie tatsächlich auch einige ganz komische Momente auf, die insgesamt aber etwas zu sehr in die Länge gezogen wirken und darum den “Heidenspaß” etwas verpuffen lassen.

.kinoticket-Empfehlung: Israel kommt als Land immer mehr in den Fokus der Leinwand – auch in Deutschland. Holy Lands spielt einmal mehr mit den kulturellen Religionen Mischmasch, punktet dabei am Ende aber in einer ganz anderen Liga. Gutes Mittelmaß.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, es kommt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Holy Lands
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6