Verlosung: Freikarten für George A. Romeros „Zombie – Dawn of the Dead“

Zombie - Dawn of the Dead - Filmplakat
© 1978 / 2020 koch films

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem jeweils 2x 2 Freikarten für die Kinovorstellung am 29. Oktober 2020 von Zombie – Dawn of the Dead (4K) verlost werden.

Zu George A. Romero brauche ich der Fangemeinde nichts erzählen: Es ist der Horror-Gott, der dieses Genre quasi erschaffen hat und bis heute zu den kultigsten Gestaltern dieser Szene zählt. Seine Werke waren seinerzeit ein absoluter Tabubrecher und sie gelten bis heute als Meilenstein der Filmgeschichte.

An dieser Stelle (und: weil er endlich mal absolut nichts verrät und trotzdem genug transportiert) zeige ich euch einfach mal einen kurzen Teaser, der es in meinen Augen auf den Punkt bringt (dafür müsst ihr den Beitrag möglicherweise auf der Website direkt aufrufen).

Wir haben 2020 – und es gab eine neue Original-Abtastung des Filmmaterials in sagenhaftem 4K, welche euch am 29.Oktober 2020 pünktlich zur Einleitung des inzwischen auch hier legendär gewordenen Halloween-Festes auf der großen Leinwand spendiert wird.

Gewinnspiel

Zombie - Dawn of the Dead - Freikarten (Beispielbild)
2x jeweils 2 Freikarten für die 4K Vorstellung am 29. Oktober 2020
© 2020 koch films

Zwei der schnellsten meiner Leserinnen und Leser dürfen sich ziemlich bald glücklich schätzen, denn der Verleih hat mir jeweils 2×2 Freikarten für diese Vorstellungen zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Achtung: Schnell sein – gilt nur bis zum 27.10.2020 – 12:00 Uhr MEZ!!!

Kommentiert unter diesem Beitrag, welcher Horrorfilm euch bislang am besten gefallen hat. Wer möchte, darf auch gerne mehrere Titel posten. Gebt hierfür eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann, um euch die Tickets zukommen zu lassen.

Bei mehr als zwei Teilnehmern entscheidet das Los.

Anschließend werden die Gewinner von mir ermittelt und via E-Mail benachrichtigt, also ruft bitte zeitnah eure Online-Postfächer ab, damit ich euch die Karten noch rechtzeitig zuschicken kann.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche euch weiterhin viel Gesundheit und ein „Überleben in unserer ganz eigenen Zombie-Apokalypse“ – und natürlich viel Spaß (mit viel Abstand, Maske + ausreichend Hygiene und Rücksicht) im Kino.

Dazu braucht man eigentlich nichts zusätzlich sagen: Fans wissen genau, was sie erwartet – und wenn du es nicht kennst, gehörst du augenscheinlich nicht zur Zielgruppe 🙂 – 2020 zu Halloween in 4K auf der großen Leinwand.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Genießt die Show – und kehrt dann gemütlich und mit Abstand in unsere Zombiewelt zurück.

First Release: 2. August 1979
Kinostart 4K: 29. Oktober 2020

Original Title: Dawn of the Dead
Length: 120 Min.
Rated: FSK 18

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/37Iz2Ya (FSK 18 Freischaltung erforderlich!)
4K UHD: https://amzn.to/3or7gVV (Erscheint am 17. Dezember 2020)
Bluray: https://amzn.to/34osqw6
DVD: https://amzn.to/2HvJLKG

Beachtet bitte bei den Verlinkungen, dass ihr jeweils eine Jugendschutzprüfung durchlaufen müsst, um den Artikel bestellen oder ansehen zu können.


Eine Frau mit berauschenden Talenten

Eine Frau mit berauschenden Talenten - Filmplakat
© 2020 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Die Franzosen sind für gute Stimmung im Kino verantwortlich. Stimmt doch irgendwie oder? Leichtfüßige Komödien, kecker Witz, spaßige Unterhaltung, all das sind Attribute, die man dem französischen Kino ohne zu überlegen zuschreibt.

Eine Frau mit berauschenden Talenten ist wieder so ein Titel, der im Trailer Lust auf mehr macht und dabei schon wieder viel zu viel verrät. Diese wohlfühlige Atmosphäre kommt im Film auch auf und besticht mit einem eigentlich ganz ordentlichen Plot, der im Verlauf dann aber ein paar Schwierigkeiten bekommt.

Insgesamt kränkelt das Werk am Schluss sehr stark an einer gewissen Konsequenzlosigkeit, die im Nachgang mehr oder weniger den kompletten Film hinfällig macht – was extrem enttäuschend ist.

Bis dahin macht es nämlich echt Spaß, ist von Ironie und Schicksal und einer blühenden Comedy beseelt, die durch das Finale am Schluss mit Füßen getreten wird. Dabei merkt man, dass die eigentlich tolle Filmidee nicht weiter gedacht wurde und man irgendwie versucht hat, einen Schluss zu finden, nur um zum Ende zu kommen, und nicht, um den Zuschauer mit einem Höhepunkt zu verblüffen.

Kommt man damit klar, kann man dennoch einen schönen Abend haben, der im Anschluss dann eben mit einem Cocktail bei Kerzenschein noch versüßt werden muss, um hinlänglich perfekt zu werden.

Leichte, französische Unterhaltungskost, die am Schluss mit Folgenlosigkeit statt einem triumphalen Finale aufwartet und sich damit selbst im Weg steht. Der Weg dorthin ist aber unterhaltsam.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 8. Oktober 2020

Original Title: La Daronne
Length: 104 Min.
Rated: FSK 12

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Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution

Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution - Filmplakat
© 2020 Entertainment One Germany GmbH

Eine Sache, die mich schon immer gewundert hat: Dass thematische Sachen sich irgendwie anzuziehen scheinen. Oftmals sogar extrem übergreifend: Wenn an einem Tag zum Beispiel mehrere Pressevorführungen stattgefunden haben, teils von komplett unterschiedlichen Labels, waren die Inhalte des Films überraschend oft thematisch übereinstimmend.

In Anlehnung an meinen Beitrag von gestern geht es heute wieder um das Thema Rechte der Frau – und das soll keine langweilige Show und ermüdendes Fingeraufzeigen werden, sondern der nächste Punkt in dieser Kontroverse.

Niemals Selten Manchmal Immer hat sich eher mit der körperlichen Selbstbestimmung der Frau auseinandergesetzt, Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution ist nun tatsächliche Realität, denn diese Begebenheiten sind wahr und die Protagonisten darin echt.

Diesmal geht es um die öffentliche Wahrnehmung von Frauen, sowohl in den Medien als auch grundsätzlich in der Gesellschaft. Es ist ein bekanntes Problem, dass der Körper und das Erscheinungsbild einer Frau oft sexualisiert, objektifiziert und als Mittel in der Werbeindustrie eingesetzt wird und dies bei Männern definitiv nicht so der Fall ist.

Hierbei werden die Persönlichkeit und das Gesamtbild eines Menschen vollkommen beschnitten und auf die niedrigste Stufe der Wahrnehmung runtergebrochen, was nicht nur unethisch, sondern in höchstem Maße verwerflich ist.

Frauen sind ob ihrer anderen Körperformen keine minderwertigeren Geschöpfe, die deshalb weniger im Kopf hätten oder als Objekt für Fantasien und Vorstellungen benutzt werden dürfen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – jedes Individuum ist gleich – vor dem Gesetz und in seinen Rechten. Dieses Optimum einer Vorstellung dieser Welt ist weit entfernt von der Realität, in der eben immer wieder Unterschiede gemacht werden, die diese Menschen verletzen.

Dass die Medien hier eine tragende Rolle in dieser Angelegenheit spielen, steht außer Frage: Nirgendwo werden Frauen mehr verachtet, als in den darstellenden Medien.

Und die männliche Riege wundert sich, warum die Frauen sich beschweren – und kommen gleichzeitig nicht damit klar, wenn sie von Gays als „Männliches Objekt der Begierde“ wahrgenommen und angegraben werden. Genau diese Umstände erleben Frauen tagtäglich, in vielerlei Hinsicht. Es ist, als würden permanent die Alarmglocken schrillen und man müsste immer auf der Hut sein, weil einem hinterhergepfiffen wird oder irgendwelche dummen Sprüche zu einem rüber fliegen.

Ihr Männer wollt das nicht, die Frauen wollen das genauso nicht. Aber als Mann ruft ihr trotzdem über die Straße, grapscht Frauen an ihre Körper oder bedrängt und belästigt sie, nach dem Motto „Ihr wollt das doch auch“.

Nein. Wollen sie nicht.

Und genau diese Atmosphäre der Enteignung von Persönlichkeit und Würde füllt diesen Film. Er zeigt das schroffe, unerträglich harte Bild einer Welt, die – auch heute – für viele immer noch als normal betrachtet wird – und Leute, das ist sie nicht.

Tatsächlich haben sich diese Ereignisse bereits im Jahr 1970 abgespielt und der Film ist auch in dieser Zeitepoche angesiedelt und zeigt die Welt „von damals“. Das Erschreckende daran ist aber: 2020 – ganze 50 Jahre später – hat sich daran so gut wie rein gar nichts geändert. Es ist, als wäre die Welt in diesem Punkt nahezu stehen geblieben und die meisten Menschen wägen sich immer noch in den falschen Idealen von 1970.

Genau diesen Aspekt kreide ich persönlich dem Streifen ein wenig an, denn ich hätte mir viel mehr „Ausbruch“ und „Revolution“ gewünscht, bezogen auf die heutige Situation. Dass es damals aber schon ein Tabubruch war, wenn eine Frau etwas gesagt hat, verschärft die Situation eigentlich nur noch. Dennoch fährt man hier Avancen auf, die eben die Frau wieder als „unterwürfiges Stück“ präsentieren und nicht als selbstbewusste, aufrechte und würdevolle Person, die den Männern ebenbürtig entgegentreten kann und sollte.

Dass ein Film, der sich um die Rechte der Frauen kümmern möchte, selbst an solchen Problemen zu scheitern scheint, zeigt, wie brisant und extrem aktuell das Thema immer noch ist: Frauen haben immer noch nicht die gleichen Rechte und Voraussetzungen, um z.B. im Berufsleben ein genauso würdiges Leben und Fundament aufzubauen, wie es Männern gegeben ist.

Und auch in der Gesellschaft sehen viele Menschen „die Frau an der Seite des Mannes“ und nicht als eigenständiges Wesen, dass sogar die Vorherrschaft innerhalb einer Beziehung einnehmen könnte.

„Der Mann ist an der Seite der Frau und arbeitet ihr zu“ – merkt ihr? Fühlt sich komisch an, oder? Genau diese Denkstrukturen öffnen und ebnen den Weg hin zu einer Gesellschaft, in der Frauen niemals als gleichwertige Wesen angesehen werden können – und diese Umstände sollten nach 21. Jahrhunderten Menschheitsgeschichte eigentlich vollkommen anders sein.

Dass dieses Thema auf den Tisch kommt und die Frauen gewürdigt werden, die damals diese Revolution losgetreten haben, ist dem Film definitiv hoch anzurechnen – daraufhin müssen aber noch viele Diskussionen, Einsichten, Konversationen und Aufklärung folgen, um den Menschen als Ganzes klar zu machen, dass es tatsächlich Missstände gibt. Und es ist die Aufgabe von jedem einzelnen von uns allen, die so schnell als möglich auszuräumen und jedem Menschen ein würdiges, respektables und anständiges Leben zu ermöglichen.

Dieser Film zeichnet das schreckliche Bild der Entwürdigung eines kompletten Geschlechts und macht in seiner Weise auf die vielen Missstände aufmerksam, die eine Gesellschaft bis heute versäumt hat, endlich auszuräumen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Misbehaviour
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/2SmaA5Z
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Niemals Selten Manchmal Immer

Niemals Selten Manchmal Immer - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Unsere Welt ist laut geworden. Überall schreien die Menschen, üben wüste, aufgebrachte Bürger irgendwelchen Bullshit aus, meckern, mosern, schimpfen, und „argumentieren“ (ich möchte dieses Wort an der Stelle kaum benutzen) mit perfiden Ängsten und irrsinnigen Monologen, denen ein Sinn längst abzuerkennen wäre.

Daraus sind Mobs, wütenden Mengen und lauthalses Geschrei in den öffentlichen und sozialen Medien geworden, die solch eine übertrieben irrsinnige Unübersichtlichkeit gebracht hat, dass die meisten Menschen schon längst vergessen haben, worüber sie überhaupt reden.

Es reicht heute fast schon, ein einziges Wort zu denken und schon rast der aufgebrachte Mob los und wütet, dass sich die Balken biegen.

Probieren?

Frauenrecht.

Das Recht auf eigene Körperbestimmung.

Gleichberechtigung (im klassischen Sinne des eigentlich urtümlich guten Gedankens).

Naaa? Tobt der Magen schon und rauschen die Sinne in Wallung, um loszulegen?

Genau. Tatsächlich ist es heute immer noch so, dass viele Menschen sich überhaupt nichts darunter vorstellen können, wie es im 21. Jahrhundert ist, als Frau im Alltag zu leben. Ich bin ein Mann. Ich kann es genauso wenig.

Ich versuche, mich in die Lage hineinzuversetzen, ich stelle viele Fragen, ich höre zu. Und ich weiß, dass das allein nicht reicht. Ich habe mir jedoch viele Geschichten erzählen lassen und Vorkommnisse, die mich tatsächlich sehr nachdenklich gemacht haben.

Und es sind Fragen dabei aufgetaucht, die ich einfach mal rausplätschern lasse, okay?

Wie kann sich eine Gesellschaft anmaßen, über den Körper eines Menschen zu urteilen und Entscheidungen zu fällen, obwohl sie das rein überhaupt nichts angeht?

Wie können fremde Personen über lebenswichtige und lebensverändernde Situationen urteilen, ohne die Hintergründe und Lebensumstände derjenigen zu kennen?

Wieso ist es Thema, dass wir uns – im 21. Jahrhundert – immer noch darüber unterhalten müssen, dass Menschen nicht eigenständig entscheiden dürfen?

Wieso gestehen wir nicht jedem einzelnen, lebenden Individuum die gleichen Rechte zu?

Warum machen wir einen Unterschied bezüglich des Geschlechts, wenn es um Fragen der Selbstbestimmung und des eigenen Lebens geht?

Ihr merkt: Man könnte Diskussionen entfachen, die Dinge philosophisch, ethisch und in vielerlei anderer Hinsicht betrachten und erörtern und würde damit auch in Monaten und Jahren längst nicht fertig.

Und da kommt Niemals Selten Manchmal Immer ins Spiel. Eliza Hittmann (glücklicherweise eine Frau!) hat als Regisseurin eine Geschichte ins Leben gerufen und verfilmt, die sich mit eben jener Thematik auseinandersetzt – und dabei filmisch voll ins Schwarze getroffen.

Warum?

Der ganze Film wertet nicht.

Und ja, das geht. Sie zeigt. Sie offenbart, sie lässt uns an den Gefühlen und Empfindungen ihrer Protagonisten teilhaben und erzählt das vollständige Spektrum aus jedweder Hinsicht aller Betroffenen – und wertet dabei nicht.

Diese Wertungsfreiheit, die keineswegs gleichbedeutend mit Egalität ist, gibt dem Film selbst einen unbezahlbaren Wert: Dadurch wird diese Story zu einer der wichtigsten in der großen Frage um dieses wichtige Thema.

Und das bedeutet: Ihr solltet eure Sachen schnappen, euch mit viel Abstand ins Kino hocken und euch den Film zu Gemüte führen. Wenngleich daraus auch nicht zwingend echte Gespräche entstehen sollten, so fördert man hier definitiv etwas unfassbar wichtiges: Das große Verständnis für die Probleme, weswegen denen überhaupt Worte wie „Gleichberechtigung“ im Alltag entstanden sind – und sorgt für viel Aufklärung, damit Menschen wie ich, die von dieser Thematik absolut nicht betroffen sind, endlich verstehen können, warum so viele Menschen zur Zeit so laut schreien.

Wer weiß: Wenn sich genügend Leute diesen Film ansehen und anfangen, ihn zu verstehen, vielleicht wird es eines Tages ja wieder etwas ruhiger… zumindest, was diese Sache angeht. Die Chance besteht auf jeden Fall.

Ein absolut sehenswertes Stück Aufklärung zu einem heiß diskutierten Thema innerhalb eines Films, der mit einem unbezahlbaren Attribut daherkommt: Wertungsfreiheit. Man lässt die Menschen einfach entscheiden und existieren – und diese Kombination ist wunderbar und schürt die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Never Rarely Sometimes Always
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/3is3irS
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Enfant Terrible

Enfant Terrible - Filmplakat
© 2020 Weltkino Filmverleih GmbH

Es gibt eine Zeit, die der heutigen Generation langsam entfleucht, denn sie hatte nie Grund, sich damit auseinanderzusetzen. Mit Büchern oder gar alten Originalwerken braucht man dies heut auch kaum mehr probieren: Wenn jemand etwas über einen Sachverhalt kennenlernen soll, dann mach einfach einen Film darüber.

So geschehen durch Oskar Roehler, der seinen Enfant Terrible dem Leben von Rainer Werner Fassbinder – grandios gespielt von Oliver Masucci – gewidmet hat.

Dieses ereignisreiche und zugleich tragische Leben ist durchzogen von damals verständnisloser Kunst, die sich zu einem Meilenstein deutscher Bühnen- und Leinwandgeschichte entwickelt hat, nach der sich so manch alter Hase heute suchend sehnt.

Fassbinders Art, alles auf den Kopf zu stellen, ist in meinen Augen schwierig einzufangen. Ich habe Respekt vor solchen Versuchen und stelle mich gern den Offenbarungen, die man nach so einem Film durchaus erleben kann. Ich zähle mich auch nicht zu den Kennern der Filmhistorie oder gar als Insider von Theater und Kunst, sondern bin ein absoluter Nobody, was das angeht. Es wäre interessant zu wissen, was Freunde seiner Filme dazu zu sagen haben, denn mich hat es durchaus beeindruckt, mit welch visueller Kraft und bestialischer Energie man hier zu Werke rauscht und den Kinozuschauer mitreißt.

Dass dabei keine Scheuklappen aufgesetzt oder Promi-Bonus vergeben wurde, zeugt nur mehr von guter Recherche, denn nichts ist schlimmer, als ein unkritisches Heiligsprechen von Persönlichkeiten. So wurden sowohl seine positiven Veränderungen, als auch seine harsche Art und gleichermaßen sein sensibles Inneres im Film ausreichend gewürdigt.

Auch der Cast weist reichlich deutsche Berühmtheiten auf und weiß sich gebührlich in Szene zu setzen, jeder Part passt gut in die vorgesehene Rolle und gibt sich dabei überzeugend.

Ein Film, der deutsche Filmgeschichte erzählt und aufarbeitet: Ein Stück, dass man gesehen haben muss, um den Werdegang auf der Leinwand besser verstehen zu können. Und Masucci ist herausragend in seiner Rolle!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 01. Oktober 2020

Original Title: Enfant Terrible
Length: 134 Min.
Rated: FSK 16

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/33g7U0c
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Persischstunden

Persischstunden - Filmplakat
© 2020 Alamodefilm

Ich überlege mir, seit ich den Film gesehen habe, wie ich ihn anders hätte nennen können. Ganz ehrlich? Der Titel zieht doch niemanden wirklich ins Kino. Schon gar nicht in Deutschland … und dazu noch ohne irgendwelche Verbindungen zu Persien…

Und dabei wäre es so wichtig, dass möglichst viele Menschen diesen Film sehen. Schaut man sich das Plakat an, mag man ahnen, welche Epoche der deutschen Geschichte hier aufgegriffen wurde (und innerlich bereits wieder stöhnen). Und an dieser Stelle möchte ich sofort einhaken und sagen: Stopp – nein, genau das kommt eben nicht.

Persischstunden überzeugt durch seine völlig andere, kompetente, auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte, die zwingend auf Leinwand gehört und die zu erzählen längst überfällig ist.

Dabei brillieren Nahuel Pérez Biscayart und Lars Eidinger in einer Form, die für mich das deutsche Kino auf ein neues Niveau hebt.

Ganz ehrlich? Ich war besessen, als der Film lief und habe jede einzelne Sekunde in mich aufgesogen. Es ist so dermaßen gut ausgearbeitet und filmisch umgesetzt. Dabei stimmt einfach alles: Die Atmosphäre, das Licht, die Kolorierung, das Ensemble der Darsteller und die Verrücktheit dieser krassen Situation, die im Endeffekt so viel Ehre und Werte zurück in die Öffentlichkeit trägt, dass ich als langeingesessener Kinonarr eine tiefe Verneigung vor diesem Werk tätigen möchte.

Selten hat ein Paukenschlag am Schluss eines Movies so überzeugt und mitgerissen, wie hier. Es ist wirklich ein dringendes Muss, sich ein Kinoticket für diesen Titel zu holen und ihn – solange er noch läuft – in den Lichtspielhäusern zu sehen.

Grandiose, deutsche Schauspielleistung zu einem Thema, bei dem noch längst nicht alles erzählt wurde – ein wichtiges, zeithistorisches Dokument mit einem prägnanten Finale!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Entlässt euch mit staunendem Mund nach draußen, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 24. September 2020

Original Title: Persian Lessons
Length: 127 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/3idSspl
Bluray: https://amzn.to/2ELpPCl
DVD: https://amzn.to/3n1GmU1


The Outpost – Überleben ist alles

The Outpost - Überleben ist alles - Filmplakat
© 2020 Telepool

First things first: Lass uns mal ein paar Dinge grundlegend klassifizieren, damit es hier zu keinen dümmlichen Diskussionen kommt.

Es gab mal eine Zeit (meine Kindheit), da waren auf der Leinwand Freiheiten vorhanden, die es im regulären Leben niemals gegeben hätte: Dass kleine Kinder z.B. großen Kriegsaktionen zuschauen dürfen (Nachrichten) oder dass man Menschen in Stücke säbelt (Horrorfilme), oder dass man dumme Ideen mit einem seriösen Touch als künstlerischen Erfolg auf die Leinwand bringt und es öffentlich gewürdigt und mit Preisen übersät wird … Damals war es noch ein niemals Wahrheit werdender Traum, darüber nachzudenken, dass man „großartige Monsterreihen“ mal gegeneinander antreten lässt.

„Uhhhh geil, Predator kämpft gegen Alien – was ist das für eine filmische Ehre und was für ein Meilenstein in der Geschichte… wuuuuhhh“

Inzwischen ist alles passiert. Die „shocking moments“, wenn man nach einem Film Marke „unbelievable“ dann „basierend auf wahren Begebenheiten“ gelesen hat, sind längst Geschichte und ziehen heute niemanden mehr hinter dem Sofa vor den Bildschirm.

Durch die immense Vielfalt und das schiere Überangebot an Filmmaterial und „Geschichten“, die im Verlaufe der Jahre wieder und wieder runtergerattert werden, fing man auch ganz unverblümt und unbemerkt an, sich mit den Dingen einfach abzufinden. War es damals noch gravierend, wenn die Dorfschänke die Öffnungszeiten um 30 Minuten anpasste, würde ein Journalist, der heute solch einen Artikel verfassen würde, wegen Belanglosigkeit wahrscheinlich auf die Straße gesetzt werden.

Natürlich hat man inzwischen auch alle möglichen Schandtaten von „Neeeeeeeeein, das ist die Regieeeeeeeerung, die würde doch NIEEEEEEEEEEMALS sowas zulassen, immerhin werden die von Hunderten von Leuten gesehen, das ist Quatsch, was du da erzählst“ aus allen möglichen Perspektiven auserzählt und mit eindringlichen Movies glaubhaft und zur Genüge dargestellt, so dass auch da ein gewisser Interessensabflau an der Tagesordnung ist, getreu dem Motto: „Nee, das ist zwar exakt die selbe Story wie der andere Film da, AAAAABER der Typ heißt Mave und nicht Conrad!!!!!!111“

Als Kind hab ich immer den Standpunkt vertreten: Lasst auf der Leinwand passieren, was immer ihr möchtet – genau das ist eure Spielwiese, bei der niemand irgendeinen Schaden erleidet, sondern alles fiktiv, alles machbar und selbst die absurdesten Fantasien und Gedankenausflüchte kann man dort völlig schadenfrei ausleben.

Wer also gern mal einen Menschen zerstückeln will: Rein in die Movies, anschauen, wie sie der Reihe nach wie die Fliegen niedergemetzelt werden, dann wieder rausgehen, brav seine Limo austrinken und ab ins Bett.

Passt – und funktioniert perfekt.

Inzwischen … ja, inzwischen sind wir im Kollektiv bei so ziemlich jeder Abnormität aus dem Alltag eines ganzen unüberschaubaren Planeten mit Livestream dabei und daher übersättigt von „Millionen von Leichen“ und die üblichen Mahnmähler von Kriegsfilmen verfehlen inzwischen vollständig ihre Wirkung.

Unter politischen, ethischen oder belehrenden Aspekten also inzwischen ein völlig nutzloses Genre, das keinerlei Mehrwert im bildungstechnischen Sinne mehr aufweist, und dennoch kein Griff ins Klo.

Tatsächlich ist The Outpost – Überleben ist alles super ehrlich mit seinem Publikum – und das fängt schon beim Plakat an: Es ist drin, was drauf steht, es wird geliefert, was erwartet wird und die Zuschauer werden bereits nach einer Sekunde auf das Genre vorbereitet, was dafür sorgt, dass hier wirklich nur die Leute rein gehen, die genau so etwas sehen wollen.

Warum mein kranzlanger „Vorspann“ dazu?

Weil hier nämlich dann die „Wertung“ keine Rolle mehr spielt. Man muss diesen Film nicht mehr unter political correctness oder ethischen Standpunkten bewerten und sich dann darüber aufregen, wie heroisch patriotisch diese „meist ausgezeichneten Soldaten“ doch ihren unglaublichen Kampf für das Wohle der Menschheit geleis….. – nein: Es geht um etwas völlig anderes.

Inzwischen ist mir persönlich (der dieses Genre defacto ziemlich liebt) diese schnulzige Moralapostel-Komponente bei solchen Streifen nämlich auch in Galle und Leber übergelaufen und stimmt mich säuerlich, weil so etwas in heutiger Zeit einfach nicht mehr sein muss.

Damals hat man Kriegsfilme gesehen mit Jahreszahlen wie 1979 – und dachte sich (als deppertes Kind): Mei, die haben’s halt nicht besser gewusst, aber nun ist man ja schlauer und würde so etwas Wahnsinniges nie wieder Wirklichkeit werden lassen. Passt – Film, andere Zeit – abgehakt.

Inzwischen lesen wir andere Jahreszahlen, die eben nicht aus düsterer Vergangenheit mit Schrammen am Mittelalter markiert sind, sondern 2009 oder höher ausfallen, und denkt sich: Ähm… Was ist kaputt bei denen, die so etwas beginnen und durchziehen?

Yo, genau das sind die Bilder des Krieges, der euch in den Medien als abendfüllende Unterhaltung mit tageschau-Logo verpackt serviert wurde – und das ist hässlicher Scheiß, den man auch im Nachgang nicht zwingend huldigen muss – wir hätten andere Optionen…. AAAAABER wollten an dieser Stelle ja nicht diskutieren.

Wieso also der Film?

Weil Freunde dieses Genres einfach ne geile Schlacht sehen wollen. Weil man ins Kino geht, um es ordentlich rummsen zu hören, um zu testen, was die alten Bassboxen im hinteren Eck noch alles so drauf haben und zu spüren, dass irgendwie alles eskaliert, bis am Schluss dann alles in Rauch und Flammen aufgeht und man vorher möglichst lange etwas von diesem irrsinnigen Schauspiel genießen konnte.

Und genau das bringt dann die Frage auf: Was ist euch Soldaten das wert? Euer Leben für so einen …. Bullshit … zu riskieren, nur damit wir Idioten hinterher im Kino sitzen und uns von euren toten Kameraden unterhalten lassen können? Muss man dafür heute noch Krieg spielen?

Der Effekt des vernichtenden Schauspiels funktioniert hervorragend, zieht mächtig an, sorgt für selten Langeweile und rummst ordentlich und durch die Bank weg, so dass Freunde dessen tatsächlich auf ihre Kosten kommen.

Der „Moraleffekt“ wird am Schluss jedoch auch geholt – und in meinen Augen völlig übertrieben. Natürlich ist es ganz nett, die wahren, echten Personen vor die Kamera zu holen und ihre echten Gesichter zu zeigen, auch in Kriegsfilmen ist dies eine hohe Würdigung, die durchaus auch funktionieren kann (Stichwort: Clint Eastwood). Hier wird’s jedoch vollständig übertrieben und immer wieder noch einer oben drauf gesetzt, dass man als Zuschauer – ohne oben besagten Anspruch – auf einmal das Gefühl hat, man will einem doch verkaufen, wie geil die Army ist und dass es sich lohnt, dort einzutreten, weil all der Schmerz und die zerbrochenen Seelen am Schluss keine deutliche Sprache sprechen.

Das Ding funktioniert in Amerika, dort haben sie einfach eine völlig andere Grundeinstellung zu solchen Dingen und sind damit im Alltag völlig anders verankert (dort wird der Film auch hoch gelobt und gefeiert), stößt hierzulande aber wieder auf völliges Unverständnis und macht im Prinzip den „Gaudi“ von vorher dann vollständig kaputt.

Und über all diese Dinge muss man mit einem mega dicken Fell hinwegsehen, dann hat man einen großartigen Film, der gut unterhält, der eine wahre Geschichte erzählt (die in Wahrheit eines der größten Fiaskos in der Geschichte der amerikanischen Kriegsführung ist) und der damit extrem mies umgeht, wenn’s um die Aufarbeitung der Geschehnisse geht, um der Sache doch wieder etwas Ernsthaftigkeit abzugewinnen.

Da diese Tatsache wiederum aber diejenigen kaum stören dürfte, die sich aufgrund des Plakats für den Film entscheiden, siegt hier wieder die unverdrossene Ehrlichkeit der Gesamtpackung: Das Konzept geht auf und die Zuschauer des Films dürften zufrieden wieder von dannen ziehen.

Auf dass alle in unserer Realität damit aufhören, solche Kriege weiterhin existieren zu lassen.

Es kracht, es pfeift, es scheppert und unterhält auf einem Niveau, bei dem man nicht werten darf, und bastelt sich am Ende ein paar Fallstricke, indem man doch noch versucht, ernsthaft zu werden – in dieser Kombination nicht wirklich gelungen. Als Genrefilm für Liebhaber von „Guns and Ammo“ allerdings wahnsinnig gutes Fressen, das solche Triebe ausgiebig und perfekt befriedigt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Kann man getrost komplett aussitzen, da passiert noch so viel, dass der Text quasi völlig in Vergessenheit gerät.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: The Outpost
Length: 123 Min.
Rated: FSK 16

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/2Ru91CK
DVD: https://amzn.to/33tjfIU


Lord und Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken

Lord und Schlumpfi - Filmplakat
© 2020 24 Bilder

Was erwartet ihr beim Anblick des Plakats, wenn ihr tatsächlich absolut null Vorwissen mitbringt?

Ich dachte mir: „Schon wieder ein Musikfilm, irgendwas mit Metal, halt wieder ne Band, die als Film auseinandergepflückt wird, kann man sich anschauen, muss man aber vielleicht gar ned.“

Dann kam das Wort „Kultserie“ und „Episoden“ in den Vordergrund und es wandelte sich eher zu Binge-Watching im Kino um: Eine Serie, die als Film in zusammenhängender Länge auf die große Leinwand kommt… und es wird noch viel besser.

2016 startete Tobias Oller, der sich auf Bühnen und im Kabarett zu Hause fühlt, mit der Show auf YouTube, und die fand – verständlicherweise – total Anklang und baute sich eine große Fangemeinde auf.

Nun hat man die bestehenden 6 Folgen zusammen geschnitten und ihnen eine weitere Staffel spendiert, die es in gesamter Länge ab 17. September 2020 auf der Leinwand zu bestaunen gibt.

Und ich muss sagen: Großartig – es wäre ein herber Verlust, wenn ich meinen anfänglich negativen Gefühlen nachgegeben hätte, denn diese Art von Humor ist grandios!

Abgesehen davon, dass ich diesen Musikstilen auch etwas abgewinnen kann, findet sich hier eine urkomische, lokalangeheftete und wunderbare Parodie des Lebens in einer mit viel Liebe, Inbrunst und Hingabe zum Detail gestalteten Variante wieder, in die man sich auch als Nicht-Metal-Fan augenblicklich verliebt.

Die Ideen und Twists jeder einzelnen Episode sind herrlich schräg, unterhaltsam und sorgen für immense Kurzweil und viele Lacher. Solltet ihr es bereits von YouTube kennen, ist das kein Grund, sich nicht doch ins Kino zu setzen – und wenn ihr bis heute gar nichts damit anfangen konntet, dann wird’s höchste Zeit: Das ist pure Unterhaltung auf hohem Niveau mit etwas Anspruch und viel Freiraum für gute Laune, die Kino wieder zu einem Ort macht, an dem sich das Leben lohnt.

Definitiv ansehen: Wer’s schon kennt, kriegt eine weitere Staffel – und beides auf der großen Leinwand, wer noch nie etwas davon gehört hat: Kennenlernen – ihr werdet es nicht bereuen!

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Man bleibt spaßig auch beim Abspann, also gehts geschmeidig an 😉

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Lord & Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken
Length: 93 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Hello Again – Ein Tag für immer

© 2020 Warner Bros. Ent.

Es gibt in der Filmwelt solche ikonischen Momente, die unvergessen bleiben werden, die einmal da waren und bei denen alle Nachäffer, Huldiger, Parodisten und Hommagen niemals in Frage stellen würden, wer das Original geliefert hat. Es ist jeweils ein Kniefall vor dem Moment. Etwas, das jeder kennt und das niemals – auch über Generationen hinweg – in Vergessenheit geraten wird.

Die „Ich bin der König der Welt“-Szene bei Titanic z.B., oder die Hebefigur aus Dirty Dancing, oder aber auch verbale Äußerungen wie „I’ll be back“ von Arnold Schwarzenegger aus den Terminator-Filmen. „Ich bin dein Vater.“ – merkt ihr?

Diese Dinge gehören dem Original.

Nun haben wir einen Film, der sich an einem Genre orientiert, das für sich – und zwar in seiner vollkommenen Gänze – ein ikonischer Moment ist: Und täglich grüßt das Murmeltier. Da gibt es keine speziellen Szenen, oder Aussprüche, oder Dinge, die man einzeln herausnehmen und woanders einpflanzen kann, sondern die Zusammenstellung der einzelnen Plotstränge aneinandergereiht ist selbst der „ikonische Moment“, weswegen man entweder den kompletten Film kopieren kann … oder eben etwas völlig anderes macht.

Hello Again – Ein Tag für immer lässt schon im Titel einiges vermuten… und wer beim Trailer richtig aufpasst, spürt auch sehr schnell, dass es sich hier um einen Zeitschleifenfilm – also um Und täglich grüßt das Murmeltier handelt… und da dies ein „ikonischer Moment“ ist, kriegt man das aus dem Schädel beim Schauen auch nicht raus. Niemand denkt bei der Hebefigur NICHT an Dirty Dancing.

Dieser aufgedrückte, unweigerliche Vergleich schraubt die Erwartungen immens hoch und so etwas geht meist in die Hose.

Muss ich weiter reden? 😉

Meine Generation ist geprägt von Bill Murrays legendärem Auftritt in diesem Film … wir haben ihn unzählige Male gesehen, geliebt, wieder geschaut … und schon im Trailer des „Remakes“ spürt man: Daran kommt die Schauspielerei definitiv nicht ran. Hier ist wieder viel zu viel „eingedeutscht“ worden … und man verhaspelt sich an der kruden Macherei der Filmförderungen, die – wie die Lobbyisten im fernen Amerika bei der Gesetzgebung – auch hierzulande den Autoren und Regisseuren so lange reinreden, bis alles einheitlicher Mist ist, den man dann abliefert.

Dass es im Film um eine Hochzeit geht, verrät das Plakat bereits. Dass es die „traurigste Hochzeit überhaupt“ ist, die ich je in der Filmgeschichte gesehen habe, verrate ich euch jetzt. Die Farben irgendwie trist und kaputt, die Kulisse so la la, alles irgendwie ohne Seele und ohne Herzblut … einfach armselig. So etwas stimmt einen natürlich wahnsinnig traurig und liefert keinen guten Nährboden für einen fantastischen Film, sondern schrammt eher permanent an der Grenze zum Flop.

Dass dies aus plottechnischen Gründen gewollt ist, mag nun als plausible Ausrede herhalten können, jedoch wissen wir anhand des Originals, dass das auch besser geht.

Jemand muss rausfinden, was er zu tun hat, um aus der Schleife wieder zu entkommen? Hier werden allerlei Einfälle durchprobiert, die den Vielsehern im Kino eigentlich von Anfang an klar sind, weil man sich die Auflösung schon nach 10 Minuten zusammenreimen könnte und es im Endeffekt auch genau so passiert („Laaaaangweilig!“).

Eine gute Sache hat der Film: Die Auswahl der Musikstücke. Hier hat man echt Einfallsreichtum und Vielfalt bewiesen und immer neue Varianten herbeigeholt, die den ganzen Film über bestens unterhalten und auch so ziemlich jeden Musikgeschmack abdecken dürften. Genau das fühlte sich aber auch oft aus dem Zusammenhang gerissen an, da die Melodien so weit entfernt von dem Alter der jeweiligen Protagonisten entfernt waren, dass es fast schon unglaubwürdig erschien, dass eine solche Person tatsächlich diese Musik hören würde.

Sei’s drum: Der Versuch zählt.

Und eine Sache ist auch noch spannend: Es gibt Menschen, die den Murmeltier-Film tatsächlich nicht kennen. Und ich habe welche von ihnen gefunden. Die haben Hello Again gesehen und fanden ihn super gelungen, weil er eine große Bandbreite an Emotionen und Möglichkeiten abdeckt und es ihrer Meinung nach um „multiple Universen“ geht… dazu fallen mir aber unglaublich viele Hinweise und Argumente ein, die das widerlegen.

An dieser Stelle schick ich euch dann einfach ins Kino, denn gespoilert wird immer noch nicht – und dann können wir uns gern drüber unterhalten. Am besten, wenn ihr beide kennt: Das Original … und diesen Film hier.

Eine deutsche Kopie von Und täglich grüßt das Murmeltier mit grandioser Musikauswahl, trauriger Kulisse und einem Plot, der sich nach 10 Minuten selbst enträtselt. Menschen, die selten ins Kino gehen, haben daran gewiss Freude.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Bringt noch einige Szenen am Anfang, danach ist Schluss.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Hello Again – Ein Tag für immer
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

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Kase-san and Morning Glories

Screenshot Kase-san and Morning Glories
© 2020 Kazé

Dass sich die Filme hierzulande in Sachen kulturellen Eigenschaften nahezu alle gleichen, ist ja kein Geheimnis. Auch wenn es von Land zu Land kleine Unterschiede gibt: Im Großen und Ganzen bewegt man sich mit geringen Abweichungen auf dem selben Level. Und dabei ist es auch egal, ob man über den großen Teich schaut oder sich im europäischen Raum bewegt: Ja, die einen können bessere Plots, die anderen besseres CGI, von der Art der Herstellungsweise benutzen aber alle irgendwo die selben Mittel.

Auf unserer Erde gibt es da eine riesige Ausnahme: Japan. Die Filme dieses Landes sind ein Genre, das so weit weg allem Europäischen oder Amerikanischen ist, dass ein Vergleich nahezu ausgeschlossen ist.

Auch über die Filme hinaus lassen sich die Animes nicht auf anderes Kulturgut ein: Auch in gezeichneten Werken kann man sich nicht mit „Comics“ hierzulande messen, sondern hat mit Manga eben auch einen unverkennbaren Stil geschaffen. Und nicht nur das: Um die Sache vollkommen abzurunden, finden sich auch in den Tonspuren keine vergleichbaren Elemente mehr, sondern selbst die japanische Musik ist etwas völlig eigenständiges.

Dass dann in den Plots oftmals noch völlig schrille Ideen und diverse Verrücktheiten angenommen und umgesetzt werden, entfernt selbst die Inhalte noch von allem, was wir hierzulande als „normal“ bezeichnen würden.

Umso mehr Spaß macht es mir, mich immer wieder mal in diese völlig fremde Kultur niederzulassen und einen Anime im Kino zu bestaunen, weil’s eben etwas völlig anderes ist.

Kase-san and Morning Glories wurde kürzlich im Rahmen einer Girls Love Anime Night in den Kinos gezeigt.

Wer an dieser Stelle an romantische Schnulzenopern denkt, liegt völlig falsch: Mit dem üblichen Anime-Biss und japanischer Ausgefuchstheit bezieht man einmal mehr Stellung und kümmert sich um gleichgeschlechtliche Liebe. Und das in so einer wunderbaren und liebevollen Atmosphäre, dass man sich auch als Kerl darin wunderbar aufgehoben fühlt.

Sehr zu empfehlen (bei Animes übrigens grundsätzlich) ist es, die Streifen im Original mit Untertiteln anzusehen, denn auch die Sprechweise von japanischer Filmkost geht weit über das hinaus, was sich z.B. Deutsche in der Öffentlichkeit trauen würden.

Insofern hatte man hier die Chance, sich einen Abend lang mit dem Thema Girls Love auf sehr gemütliche und unterhaltsame Weise auseinanderzusetzen.

Animes haben generell einen unfassbar anziehenden Charme und beleben die inneren Gefühle eines Menschen auf einzigartige Art und Weise – hier mit einem soliden Titel über Girls Love, mit der bekannten Witzigkeit und umfassend berührenden Elementen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Grundsätzlich: Bei Animes immer hocken bleiben. Die hören selten beim „Schluss“ auf.

Kinostart: 25. August 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Asagao to Kase-san
Length: 58 Min.
Rated: FSK 0

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