Peter Lindbergh – Women’s Stories

Peter Lindbergh - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Mittlerweile gibt‘s ja schon einige Porträt-Filme von berühmten Berühmtheiten: Man hat in der Musik angefangen, sich langsam über Autoren und Künstler weitergerobbt und ist nun bei den Fotografen angelangt – von denen inzwischen auch einige Werke in den Kinos gelandet sind.

Peter Lindbergh – Women‘s Stories gräbt hier einen Fotografen aus, der es durch seine Arbeit erreicht hat, fünf Frauen zu Ruhm und Ehre zu verhelfen und dem mit diesem Werk ein Andenken geschaffen werden soll, auf dass man sich ewig an ihn erinnere.

Bereits im Vorfeld hatte der Streifen keine wirklich guten Kritiken von der Presse, sondern man wirkte eher verhalten und zurückhaltend. Dementsprechend unterschwellig waren meine Erwartungen, als ich den Saal betreten habe mit dem Hintergedanken, dass mich so manches Künstler-Leinwand-Rezitat bereits in der Vergangenheit des öfteren positiv überrascht hat.

Lindbergh hatte – wie jeder andere – seinen eigenen Stil und wenn man sich die Randfakten dieser Filme anschaut, stößt man irgendwo immer auf die gleichen Elemente: Verkannt in der Vergangenheit, Vorwärts-Streber-Gen, „einfach gemacht“, garniert mit unzähligen Zitaten, Interview-Schnipseln von Menschen aus dem Umfeld, die sich herrlich zurückbesinnen auf „damals“ und wie es doch alles gewesen ist usw.

Genau das findet sich hier auch wieder – allerdings hat Jean Michel Vecchiet ein Style-Element integriert, dass mich wirklich begeistert hat: Die Art, wie die Kunst hier präsentiert wird, ist selbst schon fast wieder ein Kunstwerk.

Das Herumspielen mit Fotos, Foto-Reihen, inszenierten Rückblenden und anderes macht in diesem Film den großen Unterschied. Und dass am Ende seine Models irgendwo mehr Weltruhm auf ihrem Namen tragen wie er selbst, ist dann auch nicht weiter schlimm.

Die Darstellung seiner Kunst sowie das fotografische Aufbereiten eines ganzes Lebens ist in dieser Zusammenstellung selbst schon fast wieder ein eigenes Kunstwerk und überdeckt, dass der Film gewissermaßen immer wieder die „gleiche“ Story erzählt und nur andere Namen dafür hernimmt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht ausgesessen werden, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Peter Lindbergh – Women‘s Stories
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

Mister Link - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Auf dem Plakat macht das Aussehen der Figuren womöglich erstmal einen gewöhnungsbedürftigen Eindruck, jedoch sollte man sich nicht vorschnell davon abwenden: Dieser Film hat’s nämlich in sich!

Die Story entpuppt sich zu Recht als Prädikat besonders wertvoll-ausgezeichnet, denn hier ergreift man einmal mehr sehr liebevoll und packend die Herzen von jung und alt und trifft auf Leinwandfiguren, die sich sehr schnell den Weg in die warme Seele der Zuschauer erobern.

Diese Andersartigkeit, die in vielen anderen Filmen fremdartig wirken sollte, wird hier vollkommen neu umgesetzt und zeigt sich durch einen erfrischend anderen Erzählstil von einer ganz neuen Seite.

Somit erntet man relativ früh bereits unzählige Sympathiepunkte beim Zuschauer und hat damit die Möglichkeit, während des Films vollständig in eine neue Welt abzutauchen und den Film bis zur letzten Minute hin zu genießen!

Das wahrlich spannende an der ganzen Sache ist jedoch oft hinter den Kulissen versteckt: Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer wurde in der sogenannten Stop-Motion-Technik gedreht – sprich: Jede Szene wurde mit Puppen bewegt, fotografiert und somit Bild für Bild aneinander gesetzt, so dass der Eindruck von Bewegung entsteht.

Doch damit nicht genug: Ich kann euch mit Fun Facts erschlagen…

  • Für Mister Link wurden die Puppen nicht – wie üblich – ein Fünftel bis ein Sechstel der echten Größe von Menschen nachgebaut, sondern um 20% kleiner gestaltet: Damit war es möglich, auch die Kulissen kleiner zu machen, um die Arbeit ein wenig zu reduzieren.
  • Der Elefant im Film wiegt ungefähr 16 kg, verfügt über komplett unabhängig bewegbare Zehen und ist das einzige Tier, dass für diese Rolle beim Dreh verwendet wurde: Es gab also keine „Puppen-Doubles“.
  • Mister Link ist die schwerste Hauptfigur, die von LAIKA Entertainment jemals zum Einsatz gebracht wurde.
  • Die Kutsche beanspruchte 180 einzeln aufgehängte und bewegungskontrollierte Quasten. Sitze, Vorhänge und die Bewegung der Kutsche wurde durch 40 unabhängig voneinander operierende Motoren per Fernbedienung gesteuert.
  • Der Salonwagen hat keinen Boden, sondern das komplette Set wurde aufgehängt, damit die Puppenspieler von unten Zugang zu der Szene hatten.
  • Der Zug wurde durch rostig aussehende Klebestreifen auf den Schienen „gebremst“, da er sich zu geschmeidig bewegte.
  • Im Gegenzug dazu wurde das Schiff im Film nicht bewegt, da die Konstruktion zu groß und zu schwer war. Stattdessen bewegte man hier ein Kamera-Set um die Kulisse, die den Eindruck erzeugten, dass Schiff würde auf dem Ozean fahren.
  • Es gab mehr als 110 Sets und 65 unterschiedliche Drehorte.
  • Die Eisbrücke besteht aus 64 individuell geformten Eisblöcken, die unabhängig voneinander bedient werden konnten.
  • Die Karosse des Zugs war das größte Requisit, das im Film zum Einsatz kam.
  • Die Landschaften im Film entstanden aus Siebdruck- und laserbeschnittenem Kraftpackpapier, strukturierten Stoffen, Plastikperlen, Taschentüchern, Eisenbahnmaterial in Miniaturgröße, Ziegenhaar, Schaumstoffbällen sowie Schwarzlichtfarbe.
  • Die Bücher in Lionels Arbeitszimmer wurden – wie Zügel, Zaumzeug und Sättel der Pferde – aus echtem Leder mit traditionellen Techniken gefertigt.
  • Die Stop-Motion-Technik erforderte, dass für jede Sekunde Film insgesamt 24 Fotos gemacht wurden, zwischen denen die Figuren immer wieder ein winziges Stück bewegt wurden. So entstand ein Bild realer Bewegung.
  • Zu Spitzenzeiten befanden sich insgesamt 91 Teams beim Dreh im Einsatz.
  • LAIKA Entertainment besitzt 47 Motion-Control-Kamera-Vorrichtungen, von denen die älteste bereits aus dem Jahr 1928 stammt und seitdem von einem Effektstudio zum nächsten weitergereicht wurde.
  • Die Szene mit dem laufenden Elefanten macht im Film ungefähr 20 Sekunden aus und dauerte insgesamt 3 Monate, sie zu filmen.
  • Die VFX-Abteilung nutzte mehr als ein Petabyte – also eine Million Gigabyte – für die Speicherung des Materials.
  • Der Film benötigte insgesamt 112 Millionen Prozessorstunden, um als gesamtes Werk gerendert zu werden. Das wären mit einem PC 12.765 Jahre, um ihn fertigzustellen.

Und, habt ihr inzwischen ein bisschen Lust drauf bekommen, diesen tollen Film zu sehen?

Eine technische Meisterleistung, die nicht nur durch absolut verblüffende, technische Facts beeindruckt, sondern sich auch durch unglaublich sympathisch-andere Charaktere und einen tollen Plot von anderen Filmen absetzt.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Darf man getrost abwarten, hier folgt noch eine Kleinigkeit.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Missing Link
Length: 94 Min.
Rated: FSK 6


Rocketman

Rocketman - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Musik ist ein Phänomen, dass die Menschen auf unerklärbare Art und Weise immer wieder begeistert. Das merkt man daran, wie stark Musiker*innen weltweit verehrt werden und welche Rolle sie im öffentlichen Leben dieser Gesellschaft spielen.

Kein Wunder also, dass man sich seit einigen Jahren mit harter Konsequenz einen nach dem anderen vornimmt und die Leben derer verfilmt und mit Offenbarungen aus dem Potpourri hinter den Kulissen an die Öffentlichkeit tritt.

Dem hat sich auch eine wahre Song-Legende nicht entziehen können: Elton John. Und bereits im Vorfeld war irgendwo klar, dass Schauspieler Taron Egerton hier die Rolle seines Lebens antreten würde.

Dolby Vision™

Es war mein Einstand im neuen Kino – und ich habe beide Varianten des Films auf der gleichen Leinwand gesehen: Die unfertige Nicht-Dolby-Version und anschließend die finale Dolby Cinema™-Fassung, in der sowohl Dolby Atmos™ als auch Dolby Vision™ am Start waren – und der Unterschied ist immens!

Ich mach mir langsam Gedanken, wie das in Zukunft mit dem Bild weitergehen soll, damit ich nicht in jeder Rezension wieder neu das tiefdunkle Schwarz loben oder die Farbpracht herausheben muss: der schrille Vogel eignet sich definitiv nahezu perfekt, um hier auf farbliche Aspekte zu setzen und dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn wirklich umhaut. Und ich glaube, das ist den Machern durchaus sehr gelungen.

Dolby Atmos™

Des Weiteren darf ich wieder einmal behaupten: Die Tonqualität ist tatsächlich das, was einen in diesem Kino wahrhaftig abholt und außerordentlich den Unterschied zu anderen Kinos macht. Auch anderen Dolby Atmos™-Sälen.

Natürlich spielen Töne in einem Musikfilm eine immense Rolle und damit dürfte dies eigentlich fast selbstverständlich sein. Hört man allerdings verschiedenen Kinogästen zu, bin ich mir manchmal nicht mehr sicher, worauf andere eigentlich heutzutage noch wert legen und was sie von einem Kino erwarten?

Mich jedenfalls hat der Soundtrack definitiv überzeugt – auch die Tatsache, dass sich Elton John höchstpersönlich darauf gefreut hat, die Interpretationen seiner Songs durch Taron Egerton zu erleben, der diese komplett für den Film eigenständig neu eingesungen hat.

In diesem Atemzug möchte ich noch den Score etwas herausheben: Diese „Langsamkeit“ und mediale Schwere hat mir immens imponiert und mich sehr begeistert. Eine wunderschöne neue Form, in die man diese weltbekannten Klänge geschleust und dem Zuschauer auf völlig neue Art und Weise präsentiert hat.

Genau das macht die Seele dieses Films aus – abgesehen von dem natürlich einerseits kalkulierbaren Plot, andererseits aber auch der durchaus beeindruckenden Stärke, die hinter solch einer Entscheidung steht, erneut eine Weltkarriere anzutreten und damit auch zu bestehen.

Der Sound haut einen um, Taron Egerton überzeugt durch eine grandiose Darstellung und auch die Jungdarsteller bezeugen ihr Können durch glaubhafte Umsetzung ihrer Rollen.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Sollte man abwarten, hier folgen noch einige Bilder vom Original und verschiedene Impressionen, die u.a. zeigen, wie großartig der Cast berufen wurde…

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Rocketman
Length: 121 Min.
Rated: FSK 12


Zwischen den Zeilen (inkl. Gewinnspiel)

Zwischen den Zeilen - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 2×2 Freikarten für den Film verlost werden.

Um Zwischen den Zeilen wirklich verstehen zu können, sollte man ihn am besten gleich zwei Mal anschauen. Das Thema ist äußerst brisant und eine viel diskutierte Frage, zu der dieses Meisterwerk an Sprach- und Literaturkunst gleich mehrfache Antworten gibt, die sich dabei an keiner der vorherigen Fallen aufhalten, sondern gezielt und unumwunden allen bekannten Hindernissen ausweichen und somit erfrischend anders sind, als man es bisher so kennt.

Hier geht es um Tradition. Und Erneuerung. Moderne. Und Klassik. Um die „Alten“ und das „Neue“. Und dabei wurde wirklich nichts ausgelassen, was der heutige Bürger sein Alltägliches nennt. Der Umfang ist wahrlich so reichhaltig, dass ich behaupten möchte, jede*r meiner Leser*innen wird sich hier irgendwo wiederfinden.

Und genau das tat mir ungemein gut: Eine geschundene Persönlichkeit, wenns um traditionelle Werte geht und man vehement moderne Technik ausgrenzen möchte – gleichermaßen jemand, der lieber zu Zeitung und Papier greift und den Digitalismus sich selbst überlässt. Zumindest zeitweise.

All die angesprochenen Problematiken hab ich persönlich bereits hinter mir und nächteweise darüber gegrübelt, wie ich nun meine ganz persönliche Zukunft diesbezüglich gestaltet sehen möchte.

Was Zwischen den Zeilen in meinen Augen auszeichnet, ist, dass der Film erstmal sich selbst absolut entspricht und extrem viel Material „zwischen den Zeilen“ liefert, sowohl was die Story und den Plot als auch die Entwicklung der Charaktere in der Geschichte angeht, als auch, was gewisse Grundsatzfragen bezüglich Literatur und Wort betrifft.

Genau da empfand ich die zweite Vorstellung als extrem hilfreich, weil man die Story diesmal dann „ausblenden“ konnte, um sich wirklich auf die Fakten zu konzentrieren, mit denen in diesem Streifen wahrlich nicht gegeizt wird: Die Konversationen prasseln in einer derart schnellen und gehaltvollen Intensität auf einen herunter, dass man sich wirklich konzentrieren sollte, wenn man den Saal betritt, und Zwischen den Zeilen definitiv nicht als gemütliches Beiwerk zum Abend betrachten.

Was mich ebenso begeistert hat, ist die wunderbar blumige Vielfalt an vertretenen Meinungen, die immer wieder herrschaftlich ausgebreitet und dem Zuschauer damit als offene Diskussionswiese mitgegeben werden: Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, dass die Macher es allen Recht machen wollten, sondern findet sich vielmehr in einer aktiven, von Diversität geprägten und verbalkonzentrierten Unterredung, in der solche Probleme angesprochen und mit starken Argumenten pro und contra vertreten werden.

Worauf ich Bock hätte: Diskussionsrunden nach diesem Film. Doch dafür müsst ihr ihn erstmal gesehen haben – und das geht am besten mit dem

Gewinnspiel

Zwischen den Zeilen - Freikarten
© Layout & Gestaltung der Freikarten by Alamodefilm

Alamodefilm hat für meine Leser*innen ein ganz besonderes Angebot: Mir wurden 2×2 Freitickets für den Film überlassen, die ich hiermit an euch weiter verlosen darf.

Diese können von dem/der Gewinner*in bis einschließlich 7. Juli 2019 in allen einsetzenden Kinos – ausgenommen der CineStar-Gruppe sowie Einzelhäuser – eingesetzt werden.

Was ihr dafür tun müsst?

Kommentiert bis einschließlich Montag, 10. Juni 2019 unter diesem Beitrag, ob ihr gerne lest und welches bisher euer liebstes Buch war.

Vergesst dabei nicht, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben, unter der ich euch erreichen kann, um eure Adressdaten abzufragen, damit ich euch die Karten im Gewinnfall auch zuschicken kann.

Diese Daten werden selbstverständlich nur zum Versand verwendet und anschließend wieder gelöscht.

Weiterhin gelten die üblichen, vernunftbasierten Gewinnspiel-Bedingungen: Keine Barauszahlung, keine Doppeleinträge und ähnliches sowie kein Anrecht auf den Gewinn. Der oder die Gewinner*in wird von mir persönlich nach randomisiertem Zufallsverfahren ausgelost und anschließend via E-Mail benachrichtigt.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche viel Glück und: Watch your inbox 😉

Unglaublich gehaltvolles, inhaltsreiches und wortgewandtes Duell verschiedenster Positionen in einer durchtriebenen Geschichte, die ihren Höhepunkt in häufig auftretenden Konversationen findet, die volle Aufmerksamkeit erfordern und den suchenden Geist immens erfreuen.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Fängt bebildert an, braucht aber nicht abgewartet zu werden, nach der Schwarzblende kommen keine weiteren grafischen oder verbalen Impressionen.

Kinostart: 6. Juni 2019

Original Title: Doubles Vies
Length: 107 Min.
Rated: FSK 6


Roads

Roads - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Roadmovies befriedigen eine ganz spezielle Truppe von Zuschauern und lösen gleichermaßen beim Diskutieren oft starke Kontroversen aus: Viele Menschen können sich einfach nicht vorstellen, unterwegs zu sein. Und das, obwohl es fast schon ein Klischee ist, nach der Ausbildung / Schule erstmal ein paar Jährchen auf Reisen zu gehen und die Welt zu entdecken.

Als BahnCard 100-Besitzer gehört Reisen zu meinem Alltag und ich glaube, ich würde verrecken, wenn mir eines Tages mal die Möglichkeit genommen werden sollte, ständig woanders zu sein, ständig neue Dinge zu sehen, neue Menschen zu treffen und die Vielfalt dieses Planeten auf meine eigene Weise erkunden zu können. Diese Freiheit ist mit nichts zu ersetzen – und auch mit nichts zu bezahlen. Genau das bedeutet „Leben“ für mich – bzw. der Tod, wenn man es eines Tages mal nicht mehr können sollte.

Und genau da hoffe ich dann, dass möglichst viele Filme dieser Art existieren, die man sich auch als Rentner nach Hause (wo ist das?) liefern lassen kann, um wenigstens noch in der Seligkeit solcher Roadtrips zu schwelgen und das Gefühl im Kopf zu intensivieren, doch unterwegs zu sein.

Macke? – Yes. Und zwar nicht nur fürs Reisen, sondern auch für Fionn Whitehead.

Fionn Whitehead
Fionn Whitehead auf der Deutschlandpremiere von Roads im Kino International in Berlin

Dieser Kerl hat mich bei bislang allen Movies dermaßen durch seine Ausstrahlung und bloße Existenz überzeugt. Absolut sympathische Persönlichkeit, der in Roads zusätzlich noch ein überaus charmanter Charakter als Rolle angeheftet wurde, dass das Ding quasi schon ohne irgendwas sonst zu einem Erfolg führen muss.

Doch auch hier haben sich die Macher genügend einfallen lassen, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen und eben nicht nur ein weiteres Movie der Art zu sein, das universitär über Lebensphilosophien sinniert und dabei dem Zuschauer das Gefühl gibt, ungebildet zu sein.

Und da fängt die oft in solchen Streifen keine Rolle spielende Story an, Wertigkeit aufzubauen, von Belang zu sein und Momente zu erzeugen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern tiefgreifende Gefühle, Fragen und eigene Kontroversen aufrufen, mit denen man sich dann befassen kann.

Und das in einer absolut angenehmen, ruhigen und fast schon „auf Wohlwollen gefilterten“ Bildsprache, die ich jede Minute genossen habe.

Abschließend noch ein paar Eindrücke vom Roten Teppich am Kino International in Berlin bei der Deutschlandpremiere von Roads.

Bewegend, charmant, sympathisch und mit viel Charisma und Geist: Eine Geschichte, die noch einige Zeit nachhallt und definitiv zu den besseren ihres Genres gehört.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Szenen, Bilder oder weitere Elemente fehlen: Man darf den Saal also gern verlassen.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Roads
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


MA

MA - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Nun gibt’s wahrscheinlich von allen Arthouse-Freunden aufs Maul bei mir: „Wie kannst du nur so einen Film … in so eine Kategorie …“

Ja – Schande auf mein Haupt – ich sollte noch eine zusätzliche Kategorie einführen: Trash-Movies. Und da wäre der dann definitiv richtig. Nun wisst ihr, wieso ich mich bisher so um die Genre-Kategorisierung gedrückt habe: Man kann’s nur falsch machen.

Mein Anspruch: Wenig. Und überschaubar. Und weil’s kein Blockbuster ist (werden wird?), landet der eben hier. Nischenprodukt allererster Güte, der eine ganz bestimmte Klientel befriedigen möchte: Blumhouse-Zuschauer.

Ja, ich habe zu gegebener Zeit schon die Presse beschwichtigt mit den Worten: „… und Octavia Spencer„. Immerhin kann diese Frau Kino. Und dürfte es kaum nötig haben, in irgendwelche billigen Movie-Absteigen einzuchecken, um ihr Konterfei dort zum Verscherbeln freizugeben.

Sie ziert aber das Titelplakat … und nimmt eine gewaltige Rolle in diesem Film ein, der – überraschenderweise – erstmal sehr lange Zeit im düstren lässt, was hier überhaupt gespielt wird.

Wer es also bis dato geschafft hat, den Trailer zu umschiffen, erlebt hier eine erstmalige Sensation: Blumhouse verrät nicht innerhalb der ersten drei Minuten, wie der Film enden wird.

Und damit hatte man mich am Spieltisch und ich hab mich voller Vergnügen auf das Spektakel eingelassen und meine archivierten Zornestöne gegen dieses „Hasslabel“ ein bisschen weiter gen Schredder wandern lassen.

Und tatsächlich überzeugt MA auf überraschende Art und Weise in vielerlei Hinsicht. Wo sich andere jetzt an Octavia Spencer und einer immensen Hollywoodgröße aufhängen, der man alle positiven Attribute im Kampf um Gleichberechtigung zuschreiben kann, möchte ich den restlichen Cast noch dazu addieren: Mir hat die Auswahl der Schauspieler*innen nämlich über alle Maßen gut gefallen. Das typische „Klischee“-Zusammenwürfeln ist zwar gewissermaßen dennoch vorhanden, fällt hier aber weniger auf, da die Darsteller*innen nahezu perfekt zu ihren Rollen passen und diese dann auch überzeugend rüberbringen.

All dies natürlich unter Beachtung des Niveaus, das vom Plot und der Rahmenhandlung natürlich gravierende Einschränkungen erlebt. Doch innerhalb dieser „Schlachtplatten-Wiese“ fungieren allesamt hervorragend und genau so, wie man sich das in einem Film wie diesem wünscht.

Dazu kommt: Spannung.

Ja, das Gegenteil dessen, was man aus Erzeugnissen dieser Filmschmiede sonst so kennt – zumindest, wenn man ein Vielschauer ist wie ich. Kaum löst sich ein Bestandteil der Hauptpersönlichkeit auf, gewinnt der Film neue Stränge und erzeugt somit neue Fragen, neue Motive, neue Optionen und bastelt somit nicht mehr im Hintergrund mit den Bauklötzchen während das Drehbuch niedergeschrieben wird, sondern fummelt quasi „live“ damit rum und lässt dem Zuschauer die Illusion, gedanklich an der Story mitwirken zu dürfen, während man sich im Suff der umgebenden Belanglosigkeiten ertränkt.

Und auch das kenne ich von Blumhouse so sonst nicht.

Man könnte also meinen, die Jungs (und Mädels) haben langsam begriffen, dass es doch noch andere Türchen in ihrer Festung gibt, die zu betreten man viel zu lange abgewartet hat und die man jetzt endlich zu ergründen beginnt.

Das gewünschte Ziel der Filmkonstruktion ist noch lange nicht erreicht, aber die Richtung und Tendenz stimmt definitiv: Blumhouse setzt Premierenmomente und fährt mit neuen Optionen auf, die Spannung erzeugen und das nervige Vorher-alles-schon-Verraten auf der Leinwand endlich einstellen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Nachsitzen lohnt sich nicht: Alles wurde erzählt, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: MA
Length: 100 Min.
Rated: FSK 16


Godzilla II: King of the Monsters

Godzilla 2: King of the Monsters - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.

Spätestens jetzt habt ihr einen Grund, eure Reise zum Dolby Cinema™ anzutreten, denn: Wenn es einen Film gibt, den man in diesem Kino gesehen haben sollte, dann den.

Wer sich die Mühe macht und mal in einschlägigen Film-Datenbanken nach Godzilla sucht, wird feststellen, dass die Welt förmlich überschwemmt von Angeboten dieser Art ist: Hunderte Movies, Serien, Universen aus Japan, die einen Klassiker von Moviemonster erschaffen haben, der es hierzulande scheinbar nie zu solch bühnenreifer Allgegenwärtigkeit geschafft hat, wie dort.

Genau das wird Godzilla II: King of the Monsters jetzt wohl ändern.

Wenn Amerika etwas kann, dann das: Groß, größer, noch größer, Actionschlachten, viel Gebrüll und wenig Inhalt, dafür aber auf die Fresse, dass alles um einen herum zittert und man förmlich in tosendem Gewüte untergeht.

Eine brachiale Schlacht der Superlative, die vor CGI nur so strotzt und genau das par excellence liefert – in einer nie da gewesenen Überwältigung.

Dolby Vision™

Godzilla II: King of the Monsters ist von natura schon so aufgebaut, dass nicht mit präziser Schärfe und Knalligkeit, sondern eher mit Staub, Wirbeln, Ungenauigkeit und einer gewissen Computerspiele-Vehemenz gearbeitet wird, die die Tierchen eben nicht in jahrelange Rechen-Exzesse schicken, sondern sich nicht allzu sehr mit grafischen Details aufhalten, immerhin ist am Ende sowieso alles im Arsch.

Das heißt jetzt nicht, dass hier mit Minecraft-ähnlichen Blöckchen-Miesepeter-Grafiken gearbeitet wurde, sondern einfach nur, dass es etwas neblig, regnerisch und generell „dusty“ in der Atmosphäre ist und man sich somit nicht all zu sehr auf oberkantige Linien konzentrieren musste, wie es z.B. bei Transformers oft der Fall war.

Und das heißt ebenfalls nicht, dass an irgendeiner Stelle die brachiale Gewalt in irgendeiner Form weniger beeindruckend wäre.

Und das Schwarz sieht im Dolby Cinema™ immer noch besser aus, als in anderen Kinos.

Der Grund, dieses Kino zu wählen liegt jedoch wieder einmal bei…

Dolby Atmos™

Yes. Hier – wird – gebrüllt! Und zwar wie!

Wer sich die Blöße geben möchte, sollte auf YouTube alles zusammensuchen, was er an originalem Trailermaterial auftreiben kann, seine Familie und Nachbarn an irgendeinen entfernten See schicken und dann die Boxen aufdrehen, dass sich schmutzige Scheiben und Fensterbretter von selbst putzen: Die PR-Arbeit für diesen Film ist obererste Sahne und sowas von mächtig geil, dass allein das schon reichen würde, damit einem im Kino einer abgeht.

Und der Höhepunkt ist dann, wenn man im Dolby Cinema™ hockt und wirklich alles um einen herum anfängt, zu toben: Dieses Spektrum an Sound-Effizienz und alles umgebender Lautstärke ist genau das, was diesen Film großartig macht: Ein Spektakel technisch überragender Majestät, die es so kein weiteres Mal auf der Welt gibt.

Und nein, ich übertreibe nicht.

Ja, der Film hat zwischendurch seine Längen, trieft wieder vor Schlecht-Sein in punkto Plot, hat die gleichen dämlichen Charaktere ohne Tiefgang und Profil und ist absolut vorhersehbar, doch deswegen geht man nicht in so einen Film, oder?

Was man hier sehen will, ist Action, Gewalt, Krach, fetzige Kämpfe, lautes Geschrei und eine Superlative nach der anderen – und genau das kriegt ihr geliefert.

Lasst euch nicht davon abschrecken, dass das nur ein zweiter Teil ist: Die Macher haben es absolut drauf und liefern erstklassiges Popcorn-Action-Kino, das – nicht übertrieben – alles bisherige weit in den Schatten stellt. Superlativen, lautes Gebrüll und monströse Giganten, die aufeinander losgelassen werden und sich dabei eine epische Schlacht apokalyptischen Ausmaßes liefern, die nur im Kino wirklich wirkt. Alles andere ist Quatsch und sollte gar nicht erst in Betracht gezogen werden.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Auch, wenn eure Mit-Kinogänger vorzeitig aus dem Saal rennen: Ihr seid am Ende diejenigen, die ihnen sagen können „Da kam tatsächlich noch eine sehr lange Sequenz, die die Vorfreude auf den nächsten Godzilla angeheizt hat, der bereits 2020 in die Kinos kommen soll.“ – Also bleibt bitte unbedingt bis ganz zum Schluss sitzen!

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Godzilla: King of the Monsters
Length: 132 Min.
Rated: FSK 12


Antiporno

Antiporno - Filmplakat
© 2019 ONE Filmverleih

Japans Regisseur Sion Sono wirft einen Film auf die Weltgemeinschaft, den ich tief in der Kunstkritik verankern möchte und der mich durch verschiedene Elemente sehr begeistert hat.

Von Beginn an zielt man deutlich auf die Farbenpracht ab, die man aus Filmen östlicher Kultur inzwischen ja kennt, jedoch beeindrucken die Szenen und der schiere Aufwand dahinter teilweise allein schon durch die bloße Anwesenheit.

Des Weiteren – und da werden sich womöglich einige dran stören – provoziert man sehr stark, nicht nur durch gewaltsame Ausdrücke und harte Sprache, sondern in Form einer Rebellion, die dieser Tage einigen Menschen nicht mehr schmeckt und deshalb sogar noch an Relevanz gewinnt.

Ich stelle mir oft die Frage: Wie soll etwas besser werden, wenn niemand dafür aufsteht und seine Stimme erhebt? Dass drastische Mittel zu drastischen Änderungen führen, hat die Geschichte unseres Planeten oft genug bewiesen. Das Thema des Films ist bis heute hoch aktuell, auch wenn offensichtlich die japanischen Gepflogenheiten angegangen werden: Bedeutsam sind sie auf der ganzen Welt.

Während man da sitzt und sich die teils verstörenden, teils faszinierenden Szenen zu Gemüte führt, wird man immer tiefer zu einer relevanten inneren Stellungnahme getrieben und provokant konfrontiert, um gesellschaftliche Gegebenheiten zu hinterfragen.

Dass dabei nicht unter dem Deckmantel der Kunst gearbeitet wird, sondern eine ganze Reputation aufs Spiel gesetzt, zeigt erneut, dass es dem Regisseur mit dem Thema mehr als ernst ist.

Damit zählt Antiporno für mich zu einer bemerkenswerten Erfahrung, der ihr euch in Deutschland noch in folgenden Städten aussetzen könnt:

Heute, 29. Mai 2019 in:

  • Berlin (Brotfabrik Kino, Ladenkino, Wolf Kino, Filmrausch Moabit)
  • Köln (Lichtspiele Köln-Kalk)

Heute, 29. Mai 2019 bis 05. Juni 2019 in:

  • Nürnberg (Filmkunsttheater Casablanca)
  • Karlsruhe (Schauburg)

30. Mai 2019 bis 05. Juni 2019 in:

  • Berlin (Zukunft am Ostkreuz)
  • Rostock (Lichtspieltheater Wundervoll)

06. Juni 2019 bis 12. Juni 2019 in:

  • Lübeck (Kommunales Kino)

06. Juni 2019 bis 26. Juni 2019 in:

  • Heidelberg (Karlstorkino)

04. Juli 2019 bis 10. Juli 2019 in:

  • Leipzig (Cineding)

Provokant, tiefgreifend, eindringlich und extrem: Antiporno spricht Dinge aus, die tief in die alteingesessene Denkweise vieler Völker eingreift und hier mal kräftig durchmischt. Die Gefühle, Sym- und Antipathien, die sich währenddessen entwickeln, sind erstaunlich und machen aus dem hier Gezeigten wahre Kunst, der man sich öffnen muss, um sie vollends zu verstehen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Antiporno
Length: 78 Min.
Rated: FSK 16


John Wick: Kapitel 3

John Wick: Kapitel 3 - Parabellum - Filmplakat
© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Das Timing

John Wick: Chapter 3 – Parabellum wurde mir bereits vor einiger Zeit in meiner Lieblingsversion (OV) von der Presse vor die Nase gesetzt und ich hätte euch davon erzählen sollen und hab‘s nicht getan.

Aus gutem Grund. Ich fand den Film nämlich absolut scheiße. Er kam definitiv nicht rüber, wirkte in die Länge gezogen, stupide, einfallslos und mittelmäßig.

Und eigentlich kennen wir John Wick ganz anders.

Immerhin ist das hier auch nicht mehr im „normalen Rezensionsbereich“, sondern? – Yes – Dolby Cinema™ – und genau da hab ich ihn mir auch kürzlich nochmal angeschaut. Für Geld.

Um eines vorweg zu nehmen: Das wird mit Filmen, die dort gezeigt werden, in Zukunft jetzt öfters so passieren: Späte Rezensionen, teilweise nach Kinostart, dafür aber auf dem Level, von dem ich euch hier bereits vorgeschwärmt habe.

Einzige Chance, das eher zu publizieren? Die Pressevorführungen davon waren im Dolby Cinema™ und ich konnte mir so bereits die finale High-End-Fassung zu Gemüte führen und brauch darum nicht mehr drauf warten.

Ich denke, davon haben letztendlich alle etwas, denn: Dolby Cinema™ ist für mich das neue Maß aller Dinge und eigentlich die alternativlose Option, Kino tatsächlich zu leben. Und genau das ist mein Mindestanspruch.

Dolby Vision™

Die John Wick-Filme leben vom visuellen Anspruch. Hier geht’s nicht um Story, eine breitgefächerte Anzahl an Charakteren mit tieferen Psycho-Profilen oder grandiose Twists, sondern es geht um Augenficks.

Visuelles Bombardement mit prächtigen Farben, viel schwarz und enorm detailreichen Shots, die einfach eine Augenweide darstellen und den Zuschauer optisch absolut verwöhnen.

Genau das liefern die Regisseure auch, nur die Kinos drumrum können da nicht mithalten – und genau da haut Dolby Cinema™ voll rein, bringt es auf den Punkt und liefert somit doch genügend Gründe, sich den Film im Kino anzusehen, denn: Auf einmal ist er affenscharf und einfach geil. Die Seele ist wieder da und pumpt sich durch den Raum in eure Sinnesorgane rein.

Gerade im Schlussakt sind dermaßen geile Szenen aufgebaut worden, die tatsächlich das ganze Equipment der Dolby-Generation zum Zittern bringen und das volle Potenzial davon ausschöpfen – und das begeistert hier dann auch richtig.

Im vorherigen Kino dachte ich an der Stelle nur: „Naja, sieht ganz okay aus, sollte wohl optisch beeindrucken, aber naja“.

Und im Dolby Cinema™? „Fuck, das sieht wirklich richtig heiß aus!“

Dolby Atmos™

Doch der Hauptgrund, weshalb ihr euch den Streifen im Dolby Cinema™ – und zwar nur hier – anschauen solltet, ist Dolby Atmos™.

Kinder? Lasst mich kurz ausholen!

Eine der inflationärsten Soundeffekte im Kino ist der Schuss aus einer Pistole, right?

Ich weiß nicht, ob die Zahl überhaupt existiert, wieviele Schüsse bereits durch meine Ohren geklungen sind im Laufe meines bis dato recht kurzen Lebens. Sprich: Man hat sich längst daran gewöhnt. Es ist normal geworden. Langweilig möchte man fast schon sagen.

Um in dieser Riege zu beeindrucken, vermochte man irgendwelche abnormen Waffengeschosse aufzufahren, die mit derartiger Ballerwucht und Exklusivität auch auf dem Waffenmarkt daherkommen, dass der Rumms des Sounds dann tatsächlich wieder etwas begeisterungsfähiger war.

Wisst ihr was?

Wir haben jetzt ne Superlative, die selbst aus den billigsten Scheißwaffen wieder grandiose Erfahrungen generiert: Dolby Cinema™!

Ohne scheiß, ihr hockt im Kino und werdet live erschossen! Kann nicht sein?

Ich sags euch: Jede verfluchte Kugel findet durch Schallwellen den Weg durch euren Körper. Wird ihm in den Magen geschossen, spürt ihr es in eurem Magen und zuckt leicht zusammen, weil der ganz normale Knall einer stinklangweiligen Pistole auf einmal zur Erfahrung wird.

Wie die das machen? Kein Plan.

Ist es geil? Aber sowas von! Alter – ich hab keine größeren Waffen gebraucht, um begeistert zu sein … aber sie werden geliefert!

Und auf einmal fickt dich John Wick: Kapitel 3 sowas von – und zwar nicht nur ins Hirn, deine Hörorgane und Augen, sondern dein ganzer Körper wird zu einer extremen Erfahrung, von der du am Ende einfach nur berauscht und begeistert bist.

Und ich verspreche euch: KEIN anderes Kino (und ja, ich hab alle Kategorien in meinem Leben inzwischen ausreichend oft erlebt und gesehen) kann euch diese Erfahrung auch nur annähernd so vermitteln, wie dieses Paradies von Kino!

Auf einmal ist der Film in seiner optischen und akustischen Variante genau so, wie die Macher ihn geplant haben und auf einmal beeindruckt er auch aus allen Rohren und lässt vergessen, dass hier eigentlich gar keine Handlung da ist, sondern es wirklich nur um die technischen Features geht – eben genau das, wofür wir John Wick schon die ganze Zeit geliebt haben.

Und damit wird’s ein spektakulärer Abend. Versprochen!

FSK 18

Und noch eine erfreuliche Botschaft: John Wick: Kapitel 3 beweist, dass auch Filme mit FSK 18-Rating im Kino bestehen können und Geld einspielen.

Lockte der erste Teil 2015 am Startwochenende noch 142.000 Besucher in die Kinos, schaffte Teil 2 es 2017 inzwischen auf 228.000 Besucher, die der dritte Part nun mit 24% Auftrieb und 285.000 Besuchern mit einem Umsatz von 2.746.000 € in 550 Kinos nach diesem Wochenende verzeichnet. Bestes Einspielergebnis des Startwochenendes der gesamten Reihe.

Klares Signal an DC, endlich das Universum etwas düsterer zu gestalten? Die Kundschaft wäre da…

Entfaltet seine Seele erst im Dolby Cinema™ und braucht theoretisch nirgendwo anders angeschaut zu werden: Nur hier zählt er zu den besten John Wick-Teilen, die es bisher gab und löst volle Begeisterung aus. Durch die essentielle Sucht nach visueller und akustischer Explosivität benötigt man heutzutage dann auch das richtige technische Equipment, um diesem Anspruch gerecht zu werden und nicht einfach nur ein billiger Abklatsch zu sein, der in vielen Kinos Deutschlands wohl geliefert werden wird. Große Leinwand, monströser Sound (nichts unter Dolby Atmos™ bitte!) und am besten eben in meinem zu Hause: Dolby Cinema™!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, wenn man den Sound nicht hören möchte: Hier folgt kein weiterer Einsatz.

Kinostart: 23. Mai 2019

Original Title: John Wick: Chapter 3 – Parabellum
Length: 131 Min.
Rated: FSK 18


All My Loving

All My Loving - Filmplakat
© 2019 Port au Prince Pictures GmbH

Lars Eidinger ist gerade gefühlt in jedem deutschen Kinofilm zu sehen. Ich finde das Phänomen immer wieder spannend, dass man von Schauspielern erstmal kleine Ewigkeiten lang absolut nichts hört und sie dann binnen kürzester Zeit ständig und überall auftauchen, als ob es niemand anderen sonst mehr geben würde.

Sei‘s drum. All My Loving zielt klar auf das Independent-Publikum ab, versucht sich dabei aber an deutscher Filmschule und richtet sich somit stellenweise selbst hin.

Das altbekannte Problem: Hierzulande gibt es einfach keine guten Drehbuchschreiber, die annähernd dazu in der Lage wären, ihren Job so auszuführen, dass am Ende wahrhaft gut erzähltes Kino übrig bleibt, das nur noch mit fähigen Schauspielern bestückt werden muss.

Stattdessen greift man immer wieder auf den selben unfähigen Einheitsbrei zurück und produziert damit TV-Ware am Fließband, die einem zwar scheinbar das Gefühl vermitteln kann, man säße tatsächlich in einem niveauträchtigen Independent-Movie, der jedoch sehr bald offenbart, dass man eigentlich doch bloß der uncoole Loser vom Schulhof ist, der die Standardaufgaben vom Lehrer cool findet und dabei nicht merkt, dass er bei allen anderen längst unten durch ist.

Die teilweise schrägen Charaktere, mit denen hier aufgefahren wird, machen diesen Fremdscham-Faktor zwar etwas wett, retten in meinen Augen aber nicht den Gesamtabsturz, denn am Ende ist es eben doch „bloß ein weiterer deutscher Film, der nicht über seine Grenzen hinauswächst“.

Man möchte im Spiel der großen Arthouse-Events mitmischen, vergisst dabei aber, auf deutsche Filmkonventionen zu verzichten und stolpert deshalb wieder über alte Fallen. Das ist insofern tragisch, da hier tatsächlich einige spannende Charaktere aufgefahren werden, die sich im Rahmen des Filmhochschul-Flairs aber nicht so entfalten können, wie man sich das als Zuschauer gern wünscht. Damit ist zwar „was da“, das Prädikat „unvergessen“ bleibt diesem Film aber – wie anderen Inlandsfilmen ebenfalls – weiterhin vorenthalten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss auch diesmal wieder nicht abgewartet werden, es folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 23. Mai 2019

Original Title: All My Loving
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12