The Photograph

The Photograph - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Was fällt mir als Fotograf und Ästhet sofort ins Auge? Dass das Plakat ein Negativ ist – also die Dinger, auf denen früher unsere Fotos „zwischengespeichert“ wurden, bevor man sie zum Entwickeln brachte. Namen der Schauspieler, die berühmten „Schnittpunkte“ etc. – alles da. Die Plakat-Macher haben also den Filmtitel gehabt und daraus etwas brauchbares gestaltet, was sich deren Meinung nach an „Fotografie“ orientiert.

The Photograph macht als Titel ja auch eigentlich den Anschein, als ob es in dem Film möglicherweise um Fotografie gehen könnte … also jemand, der oder die sich mit Kameras irgendwo rumbewegt und etwas fotografiert, oder sich mit dem Thema auseinandersetzt … oder irgendwas … mit Negativ, Bild, Abzug, aufhängen, Kunst oder dergleichen.

Dass es in dem Film eigentlich gar nicht um Fotografie geht (Titel: The Photograph, Plakat: Foto-Negativ, Filminhalt: was völlig anderes – macht Sinn!) konnte ja keiner ahnen. Wer sich ein wenig in Kritiken verfängt, findet auch hier und da das Wörtchen „Smooth Jazz“, und das führt mich zu einer elitären Eliten-Elite, die sich für so etwas interessieren könnte … und tatsächlich finden sich dafür auch wahnsinnig viele Anzeichen im Film wider.

a) die Protagonisten müssen rein überhaupt nichts tun, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sind einfach. „Ich bin, also existiere ich. Stößchen.“ – Klingt nach elitärer Bewegung. Cool.

b) Wenn man genügend Geld hat, sich um existenzielle Dinge einen Scheißdreck scheren muss und zu viel Zeit und Unfug im Schädel hat, dann kommt man ganz schnell in diese Langeweile-Areale, in denen auf einmal völlig andere Dinge wichtig sind: Wer fickt mit wem, wer ist wieder wo mit wem ausgegangen, wer verkehrt mit wem, wer verdient wo wann wieviel Geld … auf Deutsch: tratschen. Auch davon finden wir unfassbar viel in diesem Film wieder.

c) Die Ästhetik. Im Ernst: Schaut euch allein mal den Trailer an und seht dabei genau hin: Das Trägerchen von ihr ist farblich exakt auf das Oberteil von ihm abgestimmt, eine Sekunde später sitzen sie im Restaurant und sind völlig anders gekleidet (macht keinen Sinn, weil es wirklich nur ein harter Schnitt war, aber in solch elitären Kreisen wechselt man natüüüüüürlich die Garderobe vorher), und zwar genau so, dass es auf die Hintergründe und die Pflanzen auf dem Fensterbrett im Bokeh im Restaurant passt – und die Grundierung der Flasche Wein sich exakt in dem Schatten ihrer Ohrringe widerspiegelt…

Ja, der Film trieft vor Ästhetik und jede einzelne fucking Szene ist PERFEKT optisch abgestimmt und ästhetisch so dermaßen ausgewogen, dass es scheppert.

Leider hat man deswegen kaum Zeit gehabt, sich irgendwie um den Plot oder irgendwelche „Vorwärtsbewegungen“ erzählerischer Komponenten zu kümmern, weswegen das Gros der menschlichen Gesellschaft (alles Idioten, dieser Pöbel!) sich mehr oder weniger angewidert und gelangweilt durch diese Scheiße kämpft und selbst meine langjährigen und hartgesottenen Kinofans das Weite suchen, während ich mich brav bis zum Abspann da durch quäle und die Ziffernblätter meiner Apple Watch interessanter finde, als das, was da auf der Leinwand vor sich geht, denn: Dort bewegt sich wenigstens was.

Im Ernst: Es können doch nur solche elitären Vollpfosten sein, die so dermaßen viel Zeit übrig haben, um sich diesen „Ist-Zustand“ über anderthalb Stunden reindröhnen zu können, allen anderen ist die Zeit etwas zu schade dafür.

Und die Plakat- und Titelverarsche obendrein noch ein Kick ins Schienbein.

Naja, irgendwen wird’s freuen. Mich (und eine Menge anderer Leute) definitiv nicht.

Ein Film für elitären Ästhetik-Überschwang, der sich so weit von „Normal“ und „Mensch“ entfernt hat, dass es allen anderen einfach nur weh tut, diesen Film zu sehen. Wenn’s ne Top 5 der schlechtesten Filme dieses Jahres gibt: Dieser hat den Hauptgewinn eingefahren. Sorry – geht gar nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The Photograph
Length: 107 Min.
Rated: FSK 0

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)

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The New Mutants

The New Mutants - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

The New Mutants waren meine große Hoffnung, die X-Men irgendwann mal in düster zu erleben und sie im Verlaufe ihres Erwachens irgendwie mit Deadpool zu verheiraten, denn bei dieser Kombination kriege nicht nur ich Gänsehaut. Tatsächlich hat uns der Teaser – und in Folge auch der Trailer – so richtig auf Horror-Franchise gebürstet und die Erwartungen dabei nicht zwingend im unteren Bereich angesiedelt.

Nun startet der Film ganz unverhohlen und man spürte schon im Vorfeld irgendwie, dass manche Dinge im Busch zu sein scheinen. Die Presse schweigt sich aus (okay, das liegt am Embargo – was aber nicht zwingend ein gutes Zeichen sein muss), aus Amerika, wo der Film unlängst gestartet ist, hört man auch nicht überschwelende Reden und auch hier verpufft die Wirkung des „ganz großen Blockbusters“ irgendwo in den kleinen Sälen – zwar vorhanden, aber nicht wirklich präsent.

Alles in Allem sehr schlechte Vorzeichen. Insofern war ich froh, die Pressevorführung zu diesem Streifen in einem größeren Kino präsentiert zu bekommen in Erwartung, dass all die schlechten Anzeichen sich nicht bewahrheiten würden und ich anschließend zu meinen Kinojungs gehen und sie darum anflehen kann, den Film prominenter im Programm zu platzieren.

Tja (und jetzt lest bitte weiter): Das ist tatsächlich nur in Teilen Wirklichkeit geworden. Zugegeben, die X-Men-Reihe war schon immer eher an jüngeres Publikum adressiert und tummelt sich daher eher mit Filmen wie The Darkest Minds oder Die 5. Welle im Konkurrenzkampf um die Heranwachsenden, lediglich Logan war dann doch mal ein etwas erwachsenerer Ausreißer erfreulicher Natur… wenn man sich jedoch mal die ersten Filme von X-Men anschaut (und auch deren Effekte), stellt man sehr schnell fest, dass hier kein Allround-Publikum gebraucht wird.

Dementsprechend hätte es mich gefreut, wenn man sich jetzt nun vollständig in die Nische des Horrors zurückzieht und daraus endlich etwas vernünftiges bastelt … und der Beginn des Films schreit auch förmlich nach großen Leinwänden und guten Boxen… aber dann mündet es eher in eine Love-Story und weniger in einen Action-Horror-Bombast, der einen so richtig wegtrommelt.

Co-Autor Knate Lee zufolge sind die Vorgeschichten der Kids in The New Mutants wesentlich verkorkster und schräger, weswegen eine Tendenz ins Horrorgenre quasi vorgeschrieben war… in meinen Augen hat man im Film dafür dann aber viel zu wenig geliefert und sich relativ unscheinbar von den X-Men-Filmen unterschieden.

Zwar machen die Autoren immer wieder deutlich, dass deren Geschichte zwar bekannt und Verbindungen dazu auch gewollt sein dürfen, jedoch möchte man sich ebenfalls von den X-Men absetzen und eben etwas anderes, düstereres, boshafteres sein … und dazu gibt man dem Entfalten des comic-liken Horrors im Film viel zu wenig Raum.

Dass die Charaktere solcher Filme schon immer unrealistisch viel emotionalen Schwachsinn mit sich ausbrüten und stundenlang nicht darüber hinweg kommen, endlich mal auf die Kacke zu hauen und es einfach nach allen Formen der Kunst brezeln zu lassen, ist ja hinlänglich bekannt. Im Zuge der „Horror-PR“ im Vorfeld bin ich davon aber eher enttäuscht, denn man unterscheidet sich quasi so überhaupt nicht von bisher bereits häufig schon dagewesenem.

ABER:

Dann kommt das Finale. Der Schluss. Während es im Verlauf des Films immer gemütlicher und „richtiger“ in dem angedachten kleinen Kino zu werden scheint, bereut man am Schluss diese Entscheidung wieder, wenn man zum finalen Showdown anschlägt und dann zeigt, dass hier eben doch Geld verbraten und fähige Künstler ans Werk gelassen werden: Hierfür muss die Leinwand wieder groß und die Boxen laut genug stellt sein, um diese Elemente in dem Umfang erleben zu können, wie man sie sich gedacht hat.

Wenn ich jetzt also zurück blicke und tatsächlich die Blu-ray von X Men 1 wieder ins Laufwerk einlegen würde, dann hätten wir hier ein würdiges Pendant, dass danach tatsächlich doch noch alles anders werden lassen kann… wenn man an dieser Sache nun dran bleibt und das Zielpublikum mitzieht, statt immer wieder zurück auf die 14jährigen zu fallen.

Und vielleicht erleben wir es ja eines Tages doch noch, dass die New Mutants und Deadpool auf der Leinwand heiraten, kleine Kinder kriegen und in eine gemeinsame, große Schlacht ziehen. Wir wollen’s hoffen.

Der Anfang ist cool, der Mittelteil eher mit leisen Tönen und verliebt, am Schluss trägt man dann tatsächlich auf, was aber nicht zwingend den Film rettet, jedoch sehr viel Hoffnung auf kommende Teile macht. Ein solider Start.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die Schauspieler werden nochmal schön gezeigt, danach dürft ihr dann raus gehen.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The New Mutants
Length: 93 Min.
Rated: FSK 16

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Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt

© 2020 Telepool

Da sagt man immer, die Deutschen könnten keine Filme machen. Haben kein Talent beim Drehbuchschreiben, können nicht „vernünftig“ sprechen, überzeugen mit ihren Arbeiten immer so halblebig und sorgen dafür, dass Worte wie „Bullshit“ eher in meinen Kritiken zu lesen sind, die sich über solche Filme auslassen und nicht im Titel selbst.

Tja, und dann finden sich ein paar fähige Menschen zusammen, nisten sich in der Stadt Ahlen ein und fangen an, ihr Ding zu drehen … und raus kommt diese Wundertüte an empfehlenswertem, deutschen Humor, der so unterhaltsam, lustig und in sich stimmig ist, dass es lautschreienden Kritikern wie mir tatsächlich die Sprache verschlägt.

Jeder weiß, dass ich mich oft durch mieses Filmmaterial quäle und mir daher alles anschaue … und man kennt meine Voreingenommenheit, wenn schon die ersten Minuten eines Films nicht passen und ich merke: „Ok, deutsch“, dass es dann meist schon rum ist.

Faking Bullshit fängt an, knipst irgendwie einen Schalter um und dann ist man auf so hohem, professionellen Level, dass ich mich frage: Wieso kommt so ein Streifen erst jetzt auf die Leinwand?

Genau das hätten wir seit Jahren gebraucht, um im internationalen Wettstreit ebenfalls Dinge abzuliefern, die man auf Showbühnen der Welt präsentieren kann, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen … und ohne Hitler drin zu haben (wofür deutsche Filme nunmal hinlänglich bekannt sind… leider).

Ganz im Ernst? Das Ding hat mich voll abgeholt, mir unzählige Lacher entrungen und durch seine liebenswürdig-nonchalante Art ein Momentum auf der Leinwand kreiert, in das man nur zu gerne abtaucht und das eigentlich viel zu schnell endet.

Die Atmosphäre im Film ist geladen von prunkvollen Ideen, der Cast ist mega aufeinander abgestimmt, die Running Gags zünden jedes Mal und die Portionen Schalk und Humor sind fantastisch abgestimmt, so dass am Ende ein Komplott voller Energie, filmischen Tatendrangs und empfehlenswerter Kost herauskommt, bei dem ich nicht – wie üblich – sage: „Ganz okay, kann man sich anschauen“… nein, ich sage: Zimmert euch diesen Film zwingend in einem möglichst vollen Kinosaal rein, denn zusammen hat man dabei noch viel mehr Spaß als ohnehin schon.

Was bleibt einem da noch weiter übrig, als ein Chapeau auf das Drehbuch, die Idee und die wunderbare Umsetzung zu sagen, den Drink zu kippen und sich dann mit dieser herrlich schrägen Erzählung unterhalten zu lassen?

Wischt jegliche Ideen, die euch beim Besehen des Plakats oder lesen des Titels in den Kopf kommen sollten, behände beiseite und löst absolut entspannt euer Kinoticket für diesen wunderbaren Streifen: Selten hat man in deutschen Filmlanden so wunderbare Kost vorgesetzt bekommen, die ich euch an dieser Stelle uneingeschränkt empfehlen kann. Habt Spaß – und sagt mir gerne in den Kommentaren, wie euch der Titel gefallen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Petla

Petla - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Hallo Geheimdienste, macht’s euch gemütlich… Kaffee?

So, da wir nun alle so hübsch beieinander sitzen ein paar kurze Worte über ähm… Realität.

Petla ist ein Film, wie damals Snowden, der voller Wahrheit und krasser Ungeschöntheit glänzt und deswegen im Hauptpublikum so richtig schön derb tief untergeht.

Warum? Denkt nach. Niemand möchte, dass Wahrheiten ans Licht kommen. Keiner möchte, dass Leute Zusammenhänge herstellen und niemand möchte für irgendwelchen Bullshit in der Öffentlichkeit grade stehen.

Und dennoch wundern wir uns an manchen Stellen immer wieder, warum so überdeutlich etwas schief zu laufen scheint, weshalb Menschen auf einmal ganz seltsam reagieren, warum manche (politische) Entscheidungen so völlig skurril und zusammenhanglos getroffen werden … und die Medien berichten darüber, kassieren ihren Lohn und interessieren sich 5 Stunden später nicht weiter dafür.

Das Volk übrigens auch nicht, das wird seit Jahren mit Informationen und Material geflutet, das hat gar keine Zeit und keinen Überblick mehr, um hier irgendwelche Korrelationen herstellen zu können.

Aber wir haben ja Petla. Der kümmert sich hervorragend darum. Zwar nicht um das Zeitproblem (so krass viel, wie da reingepackt werden musste, da ist auch in keinem anderen guten Film genügend Zeit), also hetzt man förmlich durch die Phasen und befindet sich nach der Geburt in Minute 1 bereits im Erwachsenenalter in Minute 5 und es wird dennoch nicht zwingend beruhigender.

Antoni Królikowski und Piotr Stramowski spielen mit einer derart harten Konfrontations- und Brutalitätstour auf, dass man meinen könnte, FSK 18 wurde nicht zu unrecht vergeben… ABER: Es ist viel viel schlimmer, als ihr alle denkt.

Der Film bricht richtig heftig in den Sumpf von blutiger Grausamkeiten, erzählt in kurzen Stücken, wie ein Mensch an gewisse Grenzen geführt werden kann und ist insofern ein unfassbar unterhaltsamer, fresher, über alle Maßen witziger Film, der das Publikum sofort mitreißt und sein Genre total unterhält.

Uns taten die Bauchmuskeln weh vom vielen Lachen, von der Heftigkeit der „Jokes“ und dem ganzen grausamen Brimborium … und ich muss euch an dieser Stelle ein klein wenig spoilern:

Der ganze Shit wird immer abgefuckter und ist einfach mal fucking real.

Es ist wahr.

Facepunch.

Die Welt ist grausam? Irgendwas schlimmes passiert? Blabla – alles schon mal gehört.

Geht fucking nochmal in diesen Film und schaut einmal hin. Glaubt mir, es ist witzig … und gleichzeitig ein heftiger Schlag in die Fresse.

Denn: Anschließend geht ihr ins Netz und schlagt nach, recherchiert einige Zeitungsbeiträge von seriösen Medien (und damit meine ich keine BILD-Pendants aus der Schweiz) und dann fällt euch einiges auf.

Patryk Vega ist in Polen mittlerweile ein gefeierter Regisseur (verdient!) und hat im Presseheft zum Besten geben, dass er Einblicke in die Materialien hatte – also das Originalmaterial … und daraus einen Film gemacht, der einem den „Spielfilm“ nur vorgaukelt, weil so eine Scheiße sowieso niemand glauben würde.

Und nachdem ihr dann aus dem Film raus seid, fragt ihr euch mal, wieso die beiden sich auf der öffentlichen Bühne immer so „seltsam“ begegnen…

Wer?

Russland.

Und die USA.

Und dann zählt 1:1 zusammen und legt euch den Film in euer Regal. Ist quasi ne „Gebrauchsanweisung“, um heutige Korrelationen zu verstehen, die sich da draußen abspielen. Alles deutet darauf hin, dass genau die beiden gemeint sein könnten.

Der witzigste Facepunch, den ich je in meine Cinema-Fresse gekriegt habe… mit einer unerträglichen Dosis Wahrheit: Noch nie haben menschliche Abgründe so viel Spaß gemacht und gleichzeitig so heftig weh getan.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht weiter abgewartet zu werden, irgendwann reicht’s.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Pętla
Length: 105 Min.
Rated: FSK 18

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Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas

Ausgrissn! - Filmplakat
© 2020 Majestic Sunseitn

Es läuft nicht immer alles nur so, wie’s einem die Alten vorgeben … genau das beweisen Julian und Thomas Wittmann in ihrem neuen Film: Ausgrissn! auf valide Art und Weise, und zwar vor und hinter der Kamera.

Die beiden haben sich nämlich eines Tages auf den Weg gemacht und wollten einfach die Freiheit finden… daraus wurde ein Filmprojekt, über das die „Großen der Filmindustrie“ bereits gesagt haben: „Lasst den Schmarrn“ – und die Jungs haben sich geantwortet: „Naa, des machmer jetz oifach.“ – und BÄM, steht auf einmal ein Movie auf der Leinwand, von dem sich die big productions ne fette Scheibe runterschneiden können.

Ausgrissn! ist nicht nur ein Film, sondern wird förmlich zu einem Kult, da hier nicht nur eine Geschichte der zwei Buam erzählt wird, sondern man auch eine gewisse Weltanschauung in Frage stellt und sich auf die Suche nach Alternativen begibt. Dabei werden die konservativ-kritischen Eigenschaften der ländlichen Bevölkerung genauso ins Boot geholt, wie die draufgängerischen Verrücktheiten der Gestörten-Fraktion, die aus altbekannten Weltbildern ausbrechen und einfach die Dinge anders machen wollen. Und da sage ich mal schlicht und einfach: Willkommen im Club.

Gedanken wie „Boah, noch ein Reisefilm“ etc. könnt ihr euch direkt stecken, auch wenn die anfangs vielleicht vorhanden sein sollten: Dieser Sache nehmen sich die Zwei in ihrem neu erschaffenen Genre „Spielfilmdokumentation“ direkt an und bilden hier einen wunderbaren Rahmen aus erzählerischen und fiktiven Elementen, die miteinander verflochten etwas in Perfektion erledigen: Den Nagel auf den Kopf treffen.

Noch nie hat man ganze Landstriche durch ein paar Protagonisten so perfekt beschrieben und ist dabei so immens schnell in einer ergreifenden Story gelandet, die tatsächlich die richtigen Fragen stellt und dabei niemals vergisst, übermäßig viel Herzblut, Seele und Leben in ihre Arbeit zu stecken: Man kümmert sich nicht mehr um die bekannten Instagram-Klischees, sondern fängt wunderbar an zu leben, zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und aus all dem auszubrechen, was einem oftmals von „Omi und Opi“ mitgegeben wurde.

Dass dabei jetzt kein Generationenkonflikt-Gespräch entsteht, sondern auch die Sorgen der „Niedergelassenen“ berücksichtigt werden, zeigt, mit wie viel Umsicht die beiden während ihrer physischen und mentalen Reise umgegangen sind.

Wie sagte mir die Dame vom Verleih? „Die Zwei sin der Kracha“ – und davon durfte ich mich längst persönlich überzeugen, als sie in München im Kino Mond und Sterne-Freilichtkino ihren Streifen vorgestellt haben.

Thomas Wittmann (links), Ben von .kinoticket-blog.de (Mitte) und Julian Wittmann (rechts) auf der Präsentation von Ausgrissn! im Kino, Mond und Sterne in München | © 2020 https://www.kinoticket-blog.de | Andrea Hailer

Wie man am tosenden Applaus nach der Vorstellung bemerken konnte: Die Movie-Obermacker hatten Unrecht: Diese Kombination funktioniert hervorragend und hat das gesamte Publikum begeistert!

Also tut euch selbst einen Gefallen, sucht euch die Tourdaten auf der Homepage des Films raus oder schaut, in welchem Kino ihr den Streifen abgreifen könnt – und gönnt euch die Tour und den ganzen Spaß auf der großen Leinwand: Selten hat es sich so sehr gelohnt, ins Kino zu gehen, wie hier.

Das Herzblut und die Filmseele triefen aus allen Poren und verpacken diese neue Idee in frische Gewänder: Bayerisches Dokutainment mit viel Innovationsgeist und Mut zu neuen Ideen und Lebensweisen.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Es lohnt sich, bis ganz zum Schluss sitzen zu bleiben!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
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Die Epoche des Menschen

Die Epoche des Menschen - Filmplakat
© 2020 Happy Entertainment

Okay, wie machen wir’s?

Halt einmal kurz an, bleib kurz stehen, hol einmal tief Luft … STOPP!

Okay, hab ich deine Aufmerksamkeit?

Gut. Ist heutzutage ja nicht mehr so einfach, wo alles nur noch aus „Drüberwischen“, „schnell hochscrollen“, „kurzer Blick“ und „Ah, schon wieder die nächste App“ besteht.

Und sollte doch mal jemand über den Tellerrand schwappen und sich für etwas eine Stunde Zeit nehmen, oder auch zwei, zum Beispiel einen Film (aber bloß ohne Abspann, gnade dir Gott, du verpasst irgendwas da draußen im Leben, wenn du 1:36 Minuten länger im Saal sitzen bleibst!!!), dann äh … greifen die Vorurteile.

„Anthropozän“ zum Beispiel klingt ja schon mal fürchterlich langweilig, schrecklich, so nach Geologie-Unterricht mit irgendwas … ach komm… keine – uh, da ist Facebook schon wieder…. und Insta….

STOPP!

GEHT. IN. DIESEN. FILM.

´kay?

Wirklich.

Setzt euch ins Auto, parkt das Gefährt in den Tiefgaragen oder irgendwo in einer Seitengasse, schlendert zum Kino, löst ein Ticket und geht in Die Epoche des Menschen. Lasst euch einfach drauf ein.

Das ist kein Film. Keine Doku. Kein „Oh, alles ist schlecht, die Welt geht unter, Blabla-arte-Schrott.“ Das ist auch nichts für die Eliten. Oder Menschen, denen Geografie in der Schule tatsächlich gefallen hat.

Nö.

Das hier ist etwas… anderes. Eigentlich hat der Film gar kein Konzept, kein Drehbuch, keine Richtung gehabt – und zwar von Seiten der Macher aus, sondern sie haben einfach nur gezeigt.

Keine „Wir machen den Planeten kaputt“-Doku, hab ich doch eben schon gesagt.

Was sie hier zeigen, ist irgendwas seelisches. Etwas, das tiefer durch dich durch geht und … ohne Worte … etwas vermittelt. Du spürst, wie ein neues Zeitalter anbricht (angebrochen ist) und dieser Film hilft dir dabei, es zu verstehen.

Ich würde am liebsten meinen ganzen Quatsch, den ich hier grad runterschreibe, in Gänze wieder löschen, aus Angst, ihr schaut euch deswegen dann den Film nicht an.

Ehrlich: Ich hab noch nie etwas so beruhigendes, befriedendes und kurioserweise erholsames gesehen, wie Die Epoche des Menschen.

Dadurch, dass man eben nicht urteilt, dass man nicht hasst, verurteilt, „aufzeigen“ möchte, „Aufklärung machen muss“ oder den ganzen Bullshit, den es seit Jahrhunderten zu geben scheint und den bis heute kein einziger wahrlich in sein Leben aktiv einbaut und umsetzt … und wenn doch, dann gleich so fanatisch, dass es auch wieder kacke ist … dadurch, dass all dies hier nicht vorkommt, ist diese … was eigentlich? „Doku“ ist es nicht… dieses … Ding völlig anders. Reiner. Pur.

Es ist wie eine Bestandsaufnahme (bei dem jetzt viele schon wieder an arte-Dokumentationen denken), merkt ihr, wie verkorkst wir inzwischen eigentlich alle sind?

Die Epoche des Menschen befreit euch davon.

Und wenn ihr ihn gesehen habt, dann sagt mir einfach, wie. Ich hab nämlich keine Ahnung – aber ich weiß, dass es funktioniert.

Das ist kein Film, keine Dokumentation, kein roter Faden oder sowas … sondern höher. Reiner. Es boostet von innen heraus mit der Kraft einer ganzen Epoche – und völlig wertungsfrei. Eines der wichtigsten Dokumente unserer Ära. Unglaublich fesselnd, durchgreifend und extrem wichtig, um alle Zusammenhänge wieder zu verstehen. Ein Must-See.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Ja dann rennt halt raus, mein Gott …

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Anthropocene: The Human Epoch
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/2EZuVex
DVD: https://amzn.to/2ZgsT0p


Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

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News: Aktuelle Gratis-Angebote im ICE der DB (Stand: September 2020)

ICE Szene in München Pasing
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Folgende Angebote stehen im September 2020 zur Auswahl

Top-Filme

(NEU) Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Sherlock Holmes
Percy Jackson – Diebe im Olymp
Invictus – Unbezwungen
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Avatar – Aufbruch nach Pandora
Männerherzen
Nie wieder Sex mit der Ex

Joyn Originals

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Ma Pa
Check. Check
jerks.
Slavik – Auf Staats Nacken
Dignity
The Entertainers
Frau Jordan stellt gleich
Die Läusemutter
Singles‘ Diaries

Top-Serien

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers
The100
The Big Bang Theory
Eine wie Alaska
Atlanta Medical
The Orville
What we do in the Shadows
9-1-1
The Gifted
Genius.

TV-Highlights

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

The Voice of Germany
Queen of Drags
BIG!
Joko & Klaas gegen Pro7
Die Martina Hill Show
The Voice Senior
Alle gegen 1
Mord mit Ansage

Wissenswertes

Mythos Megalodon – Das Geheimnis des Urzeit-Hais
Naturwunder Costa Rica
Teleskop Blick ins Universum
Indien – Wildes Paradies
Into the Blue Hole – Expedition in unbekannte Tiefen
Die Tierwelt Patagoniens
Project C.A.T. – Eine Zukunft für Tiger
Giant Sharks – Hai-Expedition vor Kuba

Für die Kleinen

The Spectacular Spider-Man
Teen Titans Go!
Be Cool Scooby-Doo!
New Looney Tunes
The Tom und Jerry Show
Dorothy und der Zauberer von Oz
Friends
Thomas & Friends


Mulan

Mulan - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mulan zählt zu den Phänomenen, mit denen so viele ihre Kindheit verbracht haben, und Disney arbeitet nicht erst seit gestern daran, all die Klassiker mit menschlichen Darstellern neu zu beleben und in dieses Jahrhundert zu überführen.

So auch mit Mulan, der inzwischen seinen langfristigen Corona-Arrest hinter sich hat und als große Hoffnung auf den Neustart galt … und ihn versemmelte. Dabei war die Vorarbeit so dermaßen grandios, dass sogar ich als großer Disney-Kritiker mit offenem Mund am Boden kniete und den Herren und Damen meinen Respekt zollen musste: Ja, alle bisher erschienenen Teaser und Trailer sind super großartig und erzeugen jedesmal Gänsehaut auf dem ganzen Körper, wenn sie in einem der immer noch fast leeren Kinosäle den Neuanfang ankündigten.

So viele haben sich drauf verlassen, dass Tenet den Beginn macht, als die immer wieder abgesprungen sind, lag die Hoffnung auf Mulan und zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Text hier schrieb, hatte ich noch nicht einmal mehr die Hoffnung, dass dieses Werk überhaupt je in einem großen Saal gezeigt werden würde (und die Vorbestellung zu Tenet längst in der Tasche).

Immerhin kann sich Disney mit seinem großartig gestarteten und klug inszenierten eigenen VoD-Portal immer elegant aus der Affäre ziehen, ohne sein Gesicht zu verlieren – getreu dem Motto: „Schaut her, was wir euch für großartigen Content im Vergleich zu anderen bieten… extra für das Portal designt und kreiert.“

Dabei gehört ein Werk wie dieses auf die Leinwände und sonst nirgendwo hin.

Und letztendlich ist es noch schlimmer gekommen, als ich gedacht hätte: Man hat den Leinwänden den Release versagt und ihn direkt zu Disney+ geschoben, aber nicht etwa so, dass die Abonnenten dieses vergleichsweise teuren Portals ihn dann einfach schauen können: Nein, man benötigt zu dem bestehenden Disney+ Abo zusätzlich nocheinmal Geld … und zwar saftige 21,99 €, um einen VIP Access zu erkaufen, der es dann erst ermöglicht, den Film tatsächlich abspielen zu können.

Was genau verdienen die Kinos daran? Genau: 0,00 €! Disney als Familienunternehmen, das traditionelle Werte vertritt und für ein gutes Leben plädiert? Am Arsch… wir lassen die kleinen Kinos einfach verrecken, wenn wir uns dann überteuert noch viel mehr Geld zu 100% in die eigenen Taschen stopfen können. Das ist laut deren Ansicht nun die „beste Option“, den Film zu releasen, und es reut mich, sagen zu müssen, dass ich einer der wenigen bin, die ihn jemals auf der Leinwand gesehen haben. Ich hätte es jedem einzelnen von euch gegönnt!

Aber zurück zum Plot: Über die Geschichte und etwaige Veränderungen brauchen wir nicht reden, die kommen immer wieder auf, seitdem irgendwer den großartigen Gedanken hatte, Grimms Märchenstunde neu zu interpretieren und den Zuschauern neuartigen Inhalt aus alten Geschichten zu backen.

Genauso wenig möchte ich an dieser Stelle über Animation vs. Humans diskutieren: Ich denke, das trägt nicht zur Debatte bei. Mulan zählt nämlich tatsächlich zu den Werken, die man sehr wohl im Kino gesehen haben darf, denn die Re-Interpretation kann sich sehr wohl sehen lassen und wurde ordentlich gemeistert.

Man spart weder an feinfühligen, asiatischen Nuancen, noch an Action und Bombast und lässt hier niemanden wirklich auf der Strecke. Das altbekannte „Jeden in der Familie zufrieden stellen“ funktioniert auch jetzt noch und liefert hier wirklich Unterhaltung, die jedoch von der großen Leinwand lebt.

Also bockt auf, was immer ihr findet, reißt die Leinwände in die Breite, donnert die Boxen hoch und lasst das Spektakel über euch ergehen: Enttäuscht zu werden fühlt sich in der Tat ganz anders an…….. Achnee, geht ja nicht, denn Disney möchte euch das ja lieber gerne vorenthalten. Ach scheiße verdammt… ähm … ja … also … äh …. keine Ahnung.

Gelungener Sprung in die menschliche Realität: Die Geschichte überzeugt nach wie vor und durch die unfassbaren Gelder und Talente im Hintergrund lässt auch die Umsetzung niemand im Stich: Lohnt sich, in einem Kino zu sehen: Und das möchte Disney euch gerne ersparen, denn etwas mehr Geld in den eigenen Taschen ist vieeel besser als ein zufriedenes Publikum!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die ersten Momente kann man ruhig noch mitnehmen, danach folgt die übliche Blackroll.

Kinostart: 4. September 2020 exklusiv auf Disney+ mit VIP Access für zusätzliche 21,99 € … und ab 4. Dezember 2020 gibts ihn dann inklusive des „normalen“ Disney+ zu sehen.

Original Title: Mulan
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze) 


After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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