Narziss und Goldmund

Narziss & Goldmund - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Was tun, wenn sich Kino gegen das Urheberrecht wendet und den Wünschen eines Autors vehement widerspricht? Als Kinofan sollte ich diese Einstellung eigentlich begrüßen, als Kunstliebhaber und Wertschätzer ethischer Prinzipien läuft hier aber einiges schief.

Hermann Hesse hat nie ein Geheimnis darum gemacht, dass er niemals wollte, dass seine Werke verfilmt werden und bereits in den 70er Jahren ist man diesem Wunsch schon nicht nachgekommen und hat seine zum Teil als unverfilmbar geltenden Werke auf die Leinwand gebracht.

Ich kann es gewissermaßen nachvollziehen, denn vieles, was ein Autor machen kann, stößt in Bild- und Ausgestaltungsform sehr schnell an Grenzen, denen unsere Realität nun einmal unterworfen ist. Hier wahrlich die richtigen Stilmittel, Ausarbeitungsmethoden und optischen sowie akustischen Umsetzungen zu finden, die exakt den Wünschen des Autors und Urhebers entsprechen, ist nahezu ausgeschlossen. Es ist immer ein Kompromiss, der sehr leicht nach hinten losgehen kann.

Was man jetzt also davon halten kann, dass mit Narziss und Goldmund ein weiteres Hesse-Werk die Leinwand bespielt, darf jeder mit sich selbst ausmachen. Dass es zumindest in deutschen Landen verfilmt wurde und somit aus dem Geburtsland Hesses stammt, mag hier nur ein kleiner Trost sein, die Deutschen können deswegen nicht zwingend besser Kino machen wie bisher.

Unterteilt ist dieser Film mehr oder weniger in zwei Phasen, wobei ich bereits mit der ersten schon gravierende Schwierigkeiten hatte: Irgendwie absolut nicht mein Ding, nicht meine Zeit, nicht meine Umsetzung und die Schauspieler mir persönlich mega unsympathisch.

Danach greift die Boy-Masche, aber auch hier merkt man sehr schnell, dass Authentizität und Realismus nicht die gewünschten Kriterien waren … und zu dem Zeitpunkt hab ich dann auch die Wunschvorstellungen von Hesse abgekoppelt und es als „eigenständigen Film“ betrachtet, der dann durchaus seine sympathischen Momente entwickelt, jedoch mit historischen Lücken und unzähligen Fehlern glänzt – sofern man für so etwas ein Auge hat.

Wer sich daran nicht stört, dem wird optisch viel geboten, auch der historisch-kritisierte Look hat etwas für sich: Man muss eben immer mit dem Deal klar kommen, dass dafür die Echtheit der Zeitgeschichte eingebüßt wird, dann kann man mit dem Rest durchaus seinen Spaß haben.

Man sollte Hesse nicht verfilmen, dann kommt man auch mit diesem Streifen klar: Durch seine eigene Weise entwickelt er im Verlauf durchaus charmante Momente und bietet auf jeden Fall optisch einiges zum Besten. Historische Korrektheit oder glaubwürdige Umsetzungen darf man aber keinesfalls erwarten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. März 2020
Heimkino-Start: 17. September 2020

Original Title: Narziss und Goldmund
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12


The Old Guard

The Old Guard - Filmplakat
© 2020 Netflix

Ein Titel, nach dem ich in letzter Zeit tatsächlich öfters gefragt werde – und bevor ihr anfangt zu nerven, gibt’s die Kritik dazu 😀

Meinen Zwiespalt zu Netflix und anderen VoD-Portalen im Vergleich zu Kino kennt ihr: In meinen Augen gibt es NICHTS, dass Kino gleich kommt. Viele Titel erleben überhaupt erst ihre Geburt dadurch, dass man sie tatsächlich auf einer großen Leinwand sieht.

Kürzlich noch habe ich (weil die jetzt auch wieder auf die Leinwände gebracht werden) mit einem über die Der Hobbit-Trilogie gesprochen und er meinte, dass die im Vergleich zu den Herr der Ringe-Teilen extrem langweilig und lahmarschig wären und man nichts verpasst hätte, wenn man die nicht kennt.

Ich hab mir tatsächlich die Mühe gemacht und mir das Ding auf der Leinwand reingezogen und kann seine Aussage damit herrschaftlich dementieren: Genau das ist das Problem mit illegalen Videoportalen, komischen Streaming-Anbietern … und eben auch Netflix: Die Qualität und das gebührende Umfeld für die Entwicklung und Entfaltung einer großartig erzählten Geschichte ist nirgendwo so gegeben wie in einem Kinosaal. Diskussionsfrei.

Ich weiß nämlich, dass dieser jemand sehr gerne Filme streamt und sehr wenig ins Kino geht – und bin immer wieder überrascht, wie schlecht man manche Werke dann einschätzt, wenn sie auf einem 22 Zoll-Monitor geschaut werden.

Nun kam Netflix aber mit einer ziemlich ausgefuchsten Idee daher: Die haben unfassbar viel Geld gesammelt und ziemlich wenig Mitspracherecht dazu gebündelt, sondern den Leuten die Kohle in die Hand gedrückt und gesagt: Macht mal, wir bringen das dann schon raus. Ergebnis? Unglaublich kreative, neue, frische Luft auf den Displays, weil die ganzen Independent-Fanatiker nun endlich eine Plattform (und die nötigen Mittel) in der Hand hielten, um ihre Geistesblitze Realität werden zu lassen. Und dafür hab ich Netflix tatsächlich geliebt.

Die Medienmogul-Macht Hollywoods schien gebrochen und man konnte sich an immer toll umgesetzten, neuen Machwerken erfreuen, die das konservative Bild des klassischen Films vehement durchbrochen haben und somit eine völlig neue Coolness erschaffen wurde, die auch ich tatsächlich regelmäßig vergöttere.

The Old Guard liefert nun ein komplett anderes Bild. Inzwischen hat man bei Apple TV+ z.B. auch begriffen, dass Inhalte her müssen, die über den Tellerrand solcher Nischenbildungen hinaus gehen und investiert wieder unglaubliche Summen, um hochkarätigen Cast an Land zu ziehen, mit dem man die gewünschten Umsätze generieren kann. Dies tut nun auch Netflix – und ich hatte von Anfang an das Gefühl, man wirbt nicht mehr mit geilen Inhalten, sondern viel mehr mit Charlize Theron – und das meine ich völlig unpersönlich. Ich mag die Frau und habe viele Filme mit ihr sogar in meiner Filmsammlung, jedoch hatte ich beim Sichten von The Old Guard das Gefühl, Netflix opfert seine Genialität zugunsten von „Na, wir haben jetzt ja Prominenz, dann brauchen wir uns nicht mehr anstrengen.“

Und dieser Schuss könnte der Anfang vom Ende sein und einen Krieg auf die Plane rufen, der am Ende wieder Einheitsbrei und Langeweile bedeutet: Niemand braucht ein zweites Hollywood.

Dabei sind die Idee und Ansätze des Drehbuchs nämlich durchaus brauchbar und liefern Hoffnungen auf eine weitere, großartige Geschichte: Die ist aber ziemlich schnell begriffen und bietet für Vielschauer wie meiner einer keine Wow-Momente, die einen tatsächlich vom Hocker hauen, sondern zieht sich halt mehr schlecht als recht durch die Laufzeit, um am Ende – ganz hollywoodlike – auf eben jene Vorahnungen hinauszulaufen, wie man es bereits aus dem klassischen Kino kennt. Und genau das macht mir an dieser Stelle tatsächlich Angst, denn ich hätte mir die Entwicklung genau andersherum gewünscht: Dass Netflix seine Vormachtstellung und Ressourcen nutzt, um im Kino den Wind wieder etwas aufzufrischen und die bislang grandiosen Titel dann auch auf die Big Screens bringt.

Man hat irgendwie das Gefühl, durch die vorhandene Prominenz büßt Netflix das Vorrecht auf Geilheit ein wenig ein und meint, sich nicht mehr richtig anstrengen zu müssen. Idee und Konzept gut, aber so richtig zündet man damit nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kann man gleich weiter klicken, hier folgt nichts weiter.

Streaming auf Netflix: 10. Juli 2020

Original Title: The Old Guard
Length: 125 Min.
Rated: FSK 16


Marie Curie

Marie Curie - Filmplakat
© 2020 StudioCanal

Mit dem Namen Marie Curie verbindet man eigentlich nur die Entdeckung der Radioaktivität, ansonsten weiß man relativ wenig über diese Frau, zumindest ging’s mir so. Aus diesem Grund schätze ich Movies, die sich näher mit dem Leben bekannter Persönlichkeiten auseinander setzen, so entfällt trockene Recherchearbeit oder mühsames Biografien-Lesen und man kann sich in spielerischer Art und Weise mit Wissenslückensschließung beschäftigen und hat dabei im Optimalfall sogar noch richtig Spaß dabei.

Hier muss ich euch leider enttäuschen: Die „weibliche Variante“ der beiden derzeitigen Entdecker-Biografie-Verfilmungen ging leider deutlich nach hinten los.

Irgendwie hatten die Macher zwar Fakten auf dem Tisch liegen, dabei aber weniger Ahnung vom Filmemachen, denn das Ergebnis fühlt sich extrem trocken, rau und unglaublich nach quälender Schulstunde an. Es ist too much. Man versucht, zwei sich völlig abstoßende Elemente miteinander zu vermischen und möchte vehement nicht einsehen, dass hier kein Mischungsverhältnis stattfinden wird, sondern es dafür noch andere filmische Zutaten bräuchte, um daraus etwas Rundes entstehen zu lassen. Stattdessen hackt man immer zwischen ihrem wissenschaftlichen Durchbruch und dem „restlichen Leben“ Szenen an Szenen, die so keinerlei Verbindung finden und man sich als Zuschauer dabei fühlt, als wäre man in zwei Filmen gleichzeitig, die partout miteinander um die Vorherrschaft der Leinwand kämpfen, statt gemeinsam eine Geschichte zu erzählen.

Und durch die Machart und wenig vergnüglichen Elemente schafft man hier eben hartes Uni-Feeling: Stoff, Stoff, Stoff… und nochmal Stoff, Stoff, Stoff. Dieser Film hat keine übliche Spannungskurve, die den Zuschauer in irgendeiner Weise dazu motivieren würde, mitzugehen oder bei Laune zu halten, sondern das Niveau ist da und bleibt einfach so. Es gibt keine Aufregung, es wird nicht emotional, es sind harte Fakten und gnade dir Gott, du steigst aus und verlässt den Saal. Genau so ungemütlich wird sich das vermutlich für die Masse im Kinosaal anfühlen und deshalb läuft der Titel auch gar nicht überall, was wiederum ein schlechter Schachzug ist.

Normalerweise sollte man genau solche Filme ja eigentlich für Menschen produzieren, die sich üblicherweise nicht für Physik, Geschichte oder Themen in diesen Bereichen interessieren, um hier Aufklärung zu betreiben, Allgemeinwissen zu schaffen und sie möglicherweise so damit anstecken, dass sich ihr Bildungsweg dahingehend ändert und sie später beruflich in diese Richtungen gehen wollen. Inspiration, Anstachelung zu eigenen Höchstleistungen… eben all das, was man von Kino erwartet, findet hier nicht statt.

Marie Curie ist vielmehr ein professorisches, elitäres Stück, das damit auch genau die Fraktion anspricht, die auf solche Filme nicht mehr angewiesen sind, weil die ihnen dann nichts neues mehr zu bieten haben – und damit endet für mich der Streifen förmlich als „Rohrkrepierer“, da die Zielgruppe völlig verfehlt wurde.

Fühlt sich an wie eine nicht enden wollende Schulstunde, in der man mit Stoff bombardiert wird, der keinerlei Spannungskurven aufweist, sondern einfach nur anstrengt: Die elitären Gruppen, die das interessieren könnte, dürften die vermittelnden Inhalte schon längst kennen. Damit hat der Film seinen Bildungsauftrag verfehlt und als „Kino-Unterhaltung“ versagt er völlig.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Radioactive
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12


Semper Fi

Semper Fi - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Was soll ich sagen, außer dass ich mich in den Streifen verliebt habe?

Und nein: An Jai Courtney liegt’s nicht. Sondern auch an den anderen Jungs 😀

Spaß, zurück zur professionellen Kritik: Ich finde, Semper Fi geht gerade zu Unrecht in den Kinos unter, vielleicht, weil viele durch das Plakat meinen, es geht hier um irgendeinen amerikanisch-patriotischen Bullshit, der „nur was für Männer ist oder welche, die das mögen“ – und dabei ist der Film eine Perle aus Emotion, Freundschaft, Bruderliebe und füreinander da sein.

Ganz im Ernst? Die Jungs spielen allesamt so klasse miteinander, man spürt förmlich, wie jeder für den anderen einstehen würde und wird damit wunderbar in einen Plot geschmissen, der konsequent kurzweilig bleibt und in allererster Linie einmal mehr wunderbare Unterhaltung bietet: Kino, wie es in meinen Augen besser nicht sein könnte.

Und dabei geht’s hart zur Sache. Hinter den Kulissen hat man viel getan, das weit über Set-Design und Kostümausstattung hinausgeht: Jeder Einzelne hat vor dem Dreh unfassbar viel Kraft und Arbeit in seinen Körper gesteckt – und das zahlt sich durch einen verdammt geilen Streifen aus.

Und auch die Bürofraktion hat beim Drehbuch keine Schnitzer zugelassen: Alles matcht, die Handlungen sind präzise, nachvollziehbar, durchdacht und man wartet auch hier immer wieder mit herrlichen Plot-Twists auf, die das Prädikat „Gute Unterhaltung“ allzeit aufrecht erhalten.

Meine lieben Pressekollegen haben sich anschließend herrlich über das Ende aufgeregt, was mich wieder insgeheim die Hände reiben und vergnüglich grinsen lässt: Auch hier hat man sich nicht lumpen lassen und zeigt, dass es manchmal eben nicht so läuft, wie man das gerne hätte.

Und dass man dafür nicht zwingend nach Amerika muss, sondern so etwas in direkter Nachbarschaft stattfinden kann, davon kann ich 2020 ein Liedchen singen.

Tretet euch in den Arsch, sagt eurer Freundin nicht, wo’s hin geht, kauft die Eintrittskarten, während sie Popcorn holt und dann genießt die fucking Show – ein Film, ganz nach meinem Geschmack, für den ich wahrscheinlich wieder mal viel Geld für die heimische Sammlung liegen lassen werde, wenn’s denn so weit ist. Megaspitzenmäßig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, geht lieber zum Ticketschalter und schaut den ganzen Film nochmal 😀

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Semper Fi
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12


Unhinged – Außer Kontrolle

Unhinged - Filmplakat
© 2020 Leonine

„Löwenartig“ könnte man Leonine übersetzen, das Label, dass neuerdings öfters auf der Leinwand an Anfängen von Filmen prangt und irgendwie nach der Krise auf einmal geboren und bereits durch die Pubertät durch war. What?

Wer so steinalt ist, wie ich, erinnert sich vielleicht noch an die Tele München Gruppe, das „Regal-DVD“-Label Concorde oder hat schon einmal etwas von Wiedemann & Berg gehört: Gemeinsam mit dem eher bekannten Universum Film hat man nun alles zusammengeschmissen und quasi „aufgeräumt“ und zählt damit zu den größten Medienkonzernbibliotheken innerhalb der Filmwelt Europas, von der wir in Zukunft hoffentlich viele weitere, gute Titel erwarten können.

Einer davon ist soeben gestartet und wartet gleich mit bombastischen Elementen auf: Einem fulminant-starken Russell Crowe, seiner fantastischen Gegenspielerin Caren Pistorius und einem starken Plot, der eigentlich nur eines vermissen lässt: Filmfehler.

Das Ding ist unglaublich gut aufgezogen und startet bereits im Vorspann mit einem grandiosen Soundtrack und einem (endlich mal wieder) wunderschön designten Einstieg, der einen auch im Kopf auf alles vorbereitet und vor Beginn der Erzählung für Rahmenbedingungen sorgt, die hervorragend bis ins Detail ausgearbeitet wurden und viele Fragen von vornherein klären.

Die Einführung der Charaktere und Ausarbeitung ihrer persönlichen Wesenszüge ist genauso bis ins Kleinste durchdacht wie die Welt um alles drumherum: Ich habe tatsächlich konsequent darauf geschaut, da solche Action-Revenge-Filme meistens durch Logiklücken und fehlerhafte Elemente glänzen: Nichts davon ist hier zu finden.

Selbst bis hin zu technischen Details auf den Displays verschiedener Geräte: Auch hier werden IT-affine Nerds nicht durch „Oh, wir brauchen Hacker.. macht mal irgendwas in Grün“ oder solche stupiden „Du telefonierst mit 89% Akku und beim nächsten Herausnehmen des Handys 4 Minuten später im Plot geht auf einmal das Handy aus: Akku leer“-Szenen abgespeist, sondern auch hier wurde sich akkurat an die Wirklichkeit gehalten, was diesen Geschehnissen noch viel mehr Glaubwürdigkeit verleiht als ohnehin schon.

Und dafür, dass man sich auf die Gerard Butler-Ebene begibt und damit auch ein ganz spezielles Publikum ansprechen möchte: Die Szenen sind wahnsinnig gut, wenn Crowe mit seiner Mimik zu dramatischen Höchstleistungen auffährt, die einen rauschend ins Tohuwabohu dieses Filmtages schmettern und dabei immer spüren lassen: Nope, genau das wurde eingangs erklärt, warum dies und das jetzt nicht direkt geschehen kann und und und.

Warum ich eingangs von „Regal-Label“ gesprochen habe? Erwartet kein Marvel-Gegenstück im Blockbuster-Modus, sondern tatsächlich dieses altbewährte, klassische Revenge-Kino, dass man sich als Kind nur allzu gerne nachts im Bett reingezogen hat und von dem man damals restlos begeistert war: Unhinged schafft es, diese Atmosphäre völlig frisch zu beleben und begeistert dabei mit einer unglaublich liebevollen Ausgestaltung um den Hass drumrum.

Definitiv sehenswert!

Dass ihr dafür ins Kino rennen sollt, brauch ich euch an dieser Stelle ja hoffentlich nicht mehr sagen: Es kracht bereits zu Anfang schon richtig nice und der Film begeistert durch die absolute Abwesenheit von Filmfehlern und Logiklücken. Hervorragende Arbeit, toller Soundtrack und ein Russell Crowe mit einer Darstellung, für die er gemacht zu sein scheint.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Liefert weder Anfangs- noch Zwischen oder After-Credits-Szenen: Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Unhinged
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16


Der Spion von nebenan

Der Spion von nebenan - Filmplakat
© 2020 TOBIS Film GmbH

Der Spion von nebenan klingt jetzt nicht sonderlich spektakulär als Titel, ist für mich aber DER Grund schlechthin gewesen, kurz nach Corona-Öffnung wieder ins Kino zu rennen: Dieser Film hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und strotzt nur so vor Lebendigkeit, Witz, Charme und vergnüglicher Beseeltheit.

Dave Bautista glänzte nicht nur in seiner Rolle in Guardians of the Galaxy (wo er vielen zum ersten Mal richtig bewusst auf den Bildschirmen ins Auge gestoßen sein dürfte), sondern hat inzwischen den Absprung aus der WWE-Region auf die Leinwand geschafft und haut einen Hit nach dem anderen raus.

In My Spy belegt er nicht nur eine der Hauptrollen, sondern ist auch gleichzeitig Produzent und beweist, dass in ihm tatsächlich einiges verborgen steckt und wir in den kommenden Jahren (hoffentlich) noch einiges erwarten dürfen.

Ich glaube, kaum einer dürfte bereut haben, den Film, der ja auch schon vor dem Lockdown gestartet war, gesehen zu haben: Inzwischen gibt‘s ihn sogar als VoD und in den Regalen und ich empfehle es jedem: Legt ihn euch in irgendeiner Weise zu oder nutzt die Chance und geht – wie immer am besten – ins Kino, um dort den größtmöglichen Fun-Faktor aus dem Streifen zu ziehen.

Und eine Warnung an alle, die jetzt meinen: „Naaaaaja… schau ich mir erstmal den Trailer an“: Tut‘s nicht – denn der könnte beschissener nicht sein. Der Spion von nebenan ist als Film um so unglaublich vieles besser, als der Trailer zu zeigen vermag und das, was den Film so großartig macht, sieht man keine einzige Sekunde lang in der Vorschau: Er hat das perfekte Timing, man spielt sich die verbalen Humor-Schläge zu und hört bei einem Joke nicht auf und lässt ihn wirken, sondern ballert weiter und weiter und liefert so eine Schlagfertigkeit, die eben nicht nur an Bautista hängen bleibt, sondern sich durch die einzelnen Charaktere durchschlängelt.

Damit erreicht und hält man ein Humor-Level, das großartiger nicht sein könnte und liefert hier eine kurzweilige, coole und kribbelnde Story, die man – am besten ganz ohne Spoiler – einfach gesehen haben muss.

Für mich einer der gelungensten Filme überhaupt, die dieses Jahr insgesamt gestartet sind bislang. Unfassbar witzig, wahnsinnig gut getaktet und mit einer konstanten Humor-Gewalt, die sich nicht selbst feiert, sondern einfach liefert, liefert, liefert: Geht rein und seht ihn euch auf jeden Fall an!

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Es folgen noch einige Bilder, also dürft ihr ruhig noch etwas hocken bleiben.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: My Spy
Length: 101 Min.
Rated: FSK 12


Chaos auf der Feuerwache

Chaos auf der Feuerwache - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Schon auf dem Plakat lässt sich erahnen: Auch dieser Film richtet sich an die Familie und bedient dabei eher das jüngere Publikum, wobei man jetzt ausdrücklich behaupten kann: Der Blödelei-Faktor ist zwar hoch angesiedelt und driftet teilweise auch in die Lächerlichkeit ab, jedoch zünden viele Gags innerhalb dieses Abenteuerspektakels und sorgen somit eben bei besagten Familien-Küken für jede Menge Vergnügen.

John Cena und seine Crew machen sich hervorragend und die angesetzten Running Gags ermüden zwar im Verlauf des Films ein wenig und auch über Realismus-Verträglichkeit brauchen wir nicht reden, jedoch versprüht dieser Film jede Menge gute Laune und ist im 14:00 Uhr-Programm wahnsinnig gut aufgehoben.

Hier hat man ordentlich schöpferischen Wumms in die Kanonenrohre gepackt, die man im Verlauf des Films immer wieder mit Getöse explodieren lässt – und dabei eben auch oft den Kern des Humors trifft, der auch bei erwachseneren Menschen für Vergnügen sorgen kann.

Mit Comedy ist es nach wie vor eine problematische Sache: Kaum etwas ist so schwierig zu drehen, wie Komödien, nicht nur, weil das Pensum zwischen „Find ich nicht komisch“ und „find ich nicht mehr komisch“ unfassbar eng geschnallt ist und die Zeiger dabei je nach Publikum in die verschiedensten Richtungen ausscheren und es – behaupte ich einfach mal – nahezu unmöglich ist, etwas zu generieren, das wirklich ausnahmslos alle zum Lachen finden.

Chaos auf der Feuerwache hatte jetzt aber genügend Szenen, die auch mich unweigerlich zum Lachen gebracht haben und bei denen grundsätzlich im Saal kein Auge trocken blieb. Allerdings heftet auch an manchen Stellen das Prädikat „Etwas zu übertrieben“.

Hat urkomische Szenen, sorgt für viele Lacher, dreht dabei aber auch sehr auf und übertrifft manchmal bei einigen ein wenig den Zenit des Erträglichen. Insgesamt aber eine gute, unterhaltsame und kurzweilige Story, die gerade in Familienkreisen für jede Menge Gaudi sorgen dürfte.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Sitzen bleiben – hier werden noch jede Menge Outtakes zum Besten gegeben 😉

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: Playing with Fire
Length: 96 Min.
Rated: FSK 0


Paw Patrol: Mighty Pups

Paw Patrol - Mighty Pups - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Die Befürchtungen waren riesig bei allen Menschen, die dem Kindeskindalter entwachsen sind, und ich sag‘s mal so: Machen wir ein Trinkspiel des Todes daraus 😀

Bei jedem „Super“ im Film einen Shot und ihr seid spätestens nach 3 Minuten tot.

Dass sich Transformers und der ganze Kruscht daran orientiert, die Merchandise-Marketing-Maschine anzuwerfen und daraus oft keinen großen Hehl macht: Geschenkt. Sollen sie, immerhin mag ich die transformanten Viecher selbst ohne Ende und hab auch nix dagegen, wenn solche übergroßen Figuren dein Wohnzimmer übernehmen. Same with Lego, same with Barbie, same with Wendy & Co. und und und.

Da stand aber der Filmspaß im Vordergrund und man konnte – auch ohne Merch – trotzdem einigermaßen Freude im Kino empfinden, zumindest, wenn die Leinwände groß und die Boxen laut genug waren.

Nickelodeon, toggolino und Co. sind aber von Beginn an darauf ausgerichtet, Spielzeuge zu verkaufen und hier ist in meinen Augen ein viel zu lang unkritisiertes Phänomen am Start: Es werden keine Filme mehr gemacht, zu denen es dann Figuren gibt, sondern es gibt Figuren, zu denen irgendwas produziert wird, um die Figuren auch zu verkaufen.

Diese Tatsache schlägt bei Paw Patrol: Mighty Pups so hart an, dass es auch mit viel Product-Placement-Toleranz schwer fällt, dem Film wirklich den Willen abzugewinnen, als eigenständiges Werk existieren zu wollen, denn das Ganze gleicht eher einer Marketing-Verkaufs-Show für die Hundies und weniger einer gut erzählten Geschichte.

Und dabei reiht sich ein „Ich bin Super-Hundi mit Superkräften, der super gelaunt diesen Super Auftrag super ausführen wird“ ans nächste, dass mehr oder weniger das gesamte Kino hinterher sich ausschließlich mit „Super“-Sätzen unterhalten hat, weil‘s jeder (auch die Kids) irgendwie affig fand. Böse Zungen mögen behaupten, man wollte so die Produkte mit einem gewissen Verkaufsadjektiv bestücken … aber in dieser Übertreibung geht der Schuss „super“ nach hinten los.

Ich hätte durchaus meinen Spaß daran haben können, denn wie ihr wisst, schau ich mir auch jeden Kinderscheiß an und bewerte ihn hier und bin deshalb auch für solche Geschichten „kritisch empfänglich“, aber das war mir tatsächlich extrem zu viel.

Gut animiert, ja, und wenn man sich mit viel Gewalt von der Merch-Schiene abwendet, dann mag auch die „Story“ ihre liebenswürdigen Momente haben, denen man sogar einen pädagogischen Touch abgewinnen könnte (Zielgruppe: Eben-noch-Baby-gewesen), aber als Erwachsener sollte man definitiv 3 Gallonen Schnaps mit in den Saal nehmen, um die Show einigermaßen zu überleben.

Die Merchandising-Absichten zerstören alles andere über die Maßen, dass einem Hören und Sehen im wahrsten Sinne des Wortes vergeht. Lieber unterschwelligeres Product-Placement als diese „Verkaufs-Show“ für die Spielzeuge, dann hätte man am Film Spaß – und wer will, hinterher an den Figuren beim Spielen auch noch. So wirkt alles extrem übertrieben und seltsam im Kino und man hat das Gefühl, einer kompletten Verkaufssendung beizuwohnen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Teleshopping lässt grüßen.

Kinostart: 5. Juli 2020

Original Title: Paw Patrol – Mighty Pups
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0


Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Anhand dieses Titels können wir zwei gravierende Merkmale des Filmbusiness festhalten:

  1. Etwas, das bereits einmal da gewesen ist, wird in Zukunft nicht zwingend besser
  2. Robert Downey Jr.s Charme unterliegt nahezu jeder.

Ja, mit ihm zu werben, ist ein genialer Geniestreich, denn das war auch der Grund, weshalb ich auf diesen Film heiß war: Ich wollte einfach nur wissen, wie sich dieser Mann in der neuen Rolle macht. So ziemlich jeder dürfte ihn als Tony Stark in der Avengers-Filmreihe kennen, eine Rolle, die ihm zeitlebens auf die Stirn getackert zu sein scheint. Brillanter kann man kaum werden.

Dr. Dolittle verbinde ich zuallererst mit Eddie Murphy, dessen übertriebenem Humor ich auch nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber bin, weswegen ich mich in der Vergangenheit mit diesem Film-„Franchise“ auch ziemlich wenig beschäftigt habe.

Und das, was ich befürchtet hatte, trat genau so ein: Man kann Downey eine professionelle Schauspielerei nicht aberkennen, jedoch stirbt um ihn herum alles andere durch zwar optisch gut gemachtes Aussehen, aber inhaltlich gleichbleibendes „Niveau“, das viel weniger spannend und unspektakulär daherkommt. Irgendwie driftet man fast wieder in Richtung Murphy: Durchgeknallt, absonderlich, merkwürdig – und damit kommt eben im Mainstream kaum jemand zurecht.

Für Kids mag’s zwar abenteuerlich sein, den 104sten Animated-Animal-Movie auf einer Leinwand zu bestaunen, und auch die Geräusch- und Soundkulisse kann sich an gewissen Stellen durchaus sehen lassen, jedoch hat man kaum etwas verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat: Der Twist ist belanglos und es reut einen fast schon, dass so viel enorme Rechenleistung und digitale Arbeit in so einen Plot-Langweiler gesteckt wurde.

182 Mio. US$ Einnahmen (Stand: Februar 2020) ist zwar ein kapitalistischer Grund, solch einen Film überhaupt zu drehen und ebenfalls ein schlagkräftiges Argument, dass gegen folgenden Wunsch spricht: Lasst bereits erzählte Geschichten doch einfach sie selbst sein und kümmert euch in der Zukunft um eigene Ideen: Damit tätet ihr den Zuschauern zumindest einen riesigen Gefallen.

Hier steckt viel CGI und teilweise bombastischer Sound drin, der das jüngere Publikum durchaus zu unterhalten weiß, allerdings zündet der Film in meinen Augen eher gar nicht und trägt mit viel Bekanntem und erzählerischer Langeweile auf. Schade eigentlich, denn der Hauptdarsteller ist zu so viel mehr fähig, wie wir alle bereits wissen.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Es kommt nochmal eine kleine Zwischensequenz, also rennt nicht direkt raus, sondern wartet ein wenig ab. Es lohnt sich 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Dolittle
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Into the Beat – Dein Herz tanzt (inkl. Gewinnspiel)

Into the Beat - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Hinweis: Unter diesem Beitrag gibt es ein Gewinnspiel, bei dem 2x das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG verlost wird.

Reden wir mal über Sprache, Ausdruck und Verständnis. Denn genau dies ist für diesen Beitrag eine essentielle Voraussetzung, um miteinander kommunizieren zu können.

Sprache ist für mich grundsätzlich fehlerhaft. Als Blogger und Autor bin ich jemand, der sich tagtäglich mit Wörtern, Wortschöpfungen, Sprachentwicklung und Veränderlichkeit auseinandersetzt. Der Gewinn von Sprache liegt darin, einander Dinge zu sagen und nicht allzuoft dabei zu scheitern, dass der andere sie gänzlich missversteht. In Anbetracht dieser Tatsache fühlt es sich schon mal grundlegend demütig und defensiv an, überhaupt etwas zu äußern.

Dann kommt Ausdruck. Ausdruck gibt es zum Beispiel mit Worten, oder mit Mimik oder Körpersprache. Hier liegt die Interpretationsfreudigkeit wieder auf einem völlig anderen Niveau, denn es gibt kein „Wort“, das man „so oder so“ verstehen kann, sondern das Spektrum ist viel weiträumiger gefasst. Ausdruckstanz zum Beispiel kann unzählige Interpretationsmöglichkeiten bieten und von jedem anders verstanden werden, obwohl alle in der selben Vorstellung hocken.

Daraus leitet sich dann das ganz persönliche Verständnis ab: Die „fertige“ Interpretation des Ausdrucks dessen, das irgendwer irgendwo gesagt haben will. Sprich: Es ist von vornherein absolut unmöglich, dass bei einer Sache alle tatsächlich exakt dasselbe verstehen, denn allein schon die Wortbedeutung interpretiert jeder Mensch mit unterschiedlicher Gewichtung und in verschiedene Richtungen (je nach Erfahrung etc.). Ziel ist hier viel mehr die Annäherung und möglichst große Teilmenge beider Parteien.

Diese Sache setze ich persönlich zum Beispiel grundsätzlich voraus, vor allem hier im Blog. Ich habe seit Bestehen immer wieder verkündet und darauf geachtet, darzulegen, dass dies hier alles meine persönlichen Ansichten und Meinungen sind, dass ich journalistisch betrachtet den totalen Klogriff abfeiere. Nix mit Objektivität, nix mit „beide Seiten gleichermaßen darstellen und den Zuschauer entscheiden lassen“, sondern subjektiv, polarisiert, einseitig, die eigene Meinung.

Jeder, mit dem ich persönlich gesprochen habe, weiß, dass es hier ausschließlich um meinen eigenen Geschmack geht und dass ich selbst sehr wohl weiß, dass dieser keine Allgemeingültigkeit hat, sondern ich immer wieder dazu aufrufe, sich ein paar Filme durchzulesen um meinen Geschmack einigermaßen kennenzulernen und dann entweder Gemeinsamkeiten oder Differenzen zu entdecken und sich daran zu orientieren.

Bei Into the Beat prallen nun Welten aufeinander, die dermaßen kontroverse Diskussionen in den Kinofoyers ausgelöst haben, dass ich mich nun tatsächlich tagelang darauf vorbereitet habe, hierzu etwas zu äußern und dabei den bereits auf mich zufliegenden Steinen auszuweichen 😀

Ganz einfach:

Ich bin kein „Tanzfilmtyp“. Street DanceHoneyFootlooseStep Up und wie sie alle heißen mögen: Ich „hasse“ dieses Genre, denn der Plot ist mir einfach zu platt und die Gegensätze zu krass. Ich persönlich kann dieser Kunstform absolut nichts abgewinnen.

Irgendein Mädchen/Junge aus dem „klassischen“ Sektor entdeckt „rebellisches Hip Hop“ und macht es sich zur Lebensaufgabe, gegen die alten Vormünder zu rebellieren und das Genre zu wechseln, entdeckt dabei ganz zufällig noch die Liebe und am Ende liegt sich jeder in den Armen und alles ist toll, weil Hip Hop auf einmal Bach und Chopin ablöst.

So könnte man bausteinhaft jeden dieser Filme beschreiben und der Plot würde sich jedesmal wieder 1A in das Systemgefüge einpassen lassen, denn davon gibt es partout keine Abweichungen.

Was bleibt, sind also die Dance-Moves, die Körperbeherrschung und Kraft benötigen, was ich als Laie nun auch wiederum extrem schwer einschätzen kann: Für mich sieht das mehr oder weniger sowieso alles „gleich“ aus und ist demnach „unspektakulär“, denn es reizt mich nicht und man kann mich damit – auch wenn es vielleicht mega professionell ist – nicht vom Hocker reißen.

Also geh ich hin und „blende den ganzen Tanzmist aus“ und bewerte die Filme nach reinem Kinovergnügen. Und da sind mir bei Into the Beat tatsächlich einige positive Aspekte aufgefallen, für die mich manche inzwischen schon mehrfach gesteinigt haben :D

Bislang war in solchen Filmen der „emotionale Abstand“ der einzelnen Charaktere immer sehr schwarz-weiß. Es gab keine Grautöne: entweder, oder – oder tot. Man durfte als „Klassikliebhaber“ noch nicht mal „normales Radio“ anmachen, sondern ausschließlich Klassik hören, während Rapper keinerlei Annäherung an andere Musikgruppen oder -geschmäcker entwickeln durften, ohne unten durch zu sein. Auch innerhalb von Familien oder (vormals) engen Freunden absolute Nulltoleranz. Diese Zerrissenheit ist mir immer too much gewesen, und genau da fing man hier durch stilistische Mittel an, sich einander anzunähern.

Dies kommt in Form von ausbleibenden, erwarteten Streits zum Beispiel oder der geheiligten Tonspur, auf die ich gern weiter eingehen möchte. Der Film hat einen ganz bestimmten Takt und es gibt keine krassen „Risse“, sogenannte Hard Cuts, die abrupt abbrechen und in das andere Genre wechseln, sondern man fadet immer sehr smooth durch die einzelnen Lager und verbindet alles, während der Zuschauer seinen wippenden Fuß niemals unterbrechen muss, sondern den Beat durchweg mit Metronom weiterverfolgen kann. Und auch die Bilder switchen manchmal, obwohl der Klang der gleiche bleibt und man deutlich merkt, dass auch der „Gegner“ zu den eigenen Tönen Bewegungen machen kann, die zueinander passen. Musikalisch bewertet also absolut spitze gelöst, was wiederum nichts über den Plot oder die Realität der Handlungen aussagt.

Nun kommen die Tanzfilmkritiker und schreien rum, dass die zwei nichts drauf hätten – und ja, auch da hab ich tatsächlich schon beeindruckendere Moves gesehen, jedoch ist dieser Teil für mich gar nicht die Absicht des Films gewesen (was der Trailer fälschlicherweise vermittelt hatte), sondern es geht vielmehr um eine Geschichte, die dann leider wieder an den Tanzfilm-Klischees struggelt und schließlich daran stirbt.

Der Plot ist also nach wie vor kacke, die (akustische) Umsetzung fand ich diesmal aber definitiv viel besser gelungen als bei anderen Filmen dieser Art. Der Soundtrack macht im Kino wirklich Spaß und auch die Stücke wurden meines Erachtens gut ausgewählt … das war einer der Gründe, weshalb ich den Film tatsächlich bereits 2x gesehen habe: Der Beat ist unvergleichlich und den Soundtrack würde ich mir sofort holen.

Was in meinen Augen auch ganz okay war, ist das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere. Es wird viel gelacht, weniger verurteilt, alles etwas lockerer gehalten: Die Nulltoleranz wird umgangen und auch da finden sich wieder Annäherungen, die ich so von anderen Filmen dieser Gattung bislang nicht kannte.

Was mir gefehlt hat, war ein „ordentliches Finale“. Da merkt man dann, dass die Macher scheinbar keinen Bock auf einen Tanzfilm hatten und – bei genauerem Hinsehen – entdeckt man dies den ganzen Film über andeutungsweise in Form der einzelnen Schnitte. Immer dann, wenn’s zur Sache gehen sollte, beendet man die Szenen oder führt andere Blickwinkel ein, sodass man leicht überspielen kann, dass die artistische Leistung eben nicht so beeindruckend ist, wie man sie möglicherweise aus dem Theater oder Ballett tatsächlich kennen könnte – und dieses „Nicht können“ mündet in einem absolut unbefriedigendem Finale, dass eben keinen Paukenschlag abfeiert, sondern eher verblüffend ruhig und unwirklich daherkommt.

Damit ist der Film zerrissen, und das hört man danach auch vom Publikum: „Niemand würde sich entscheiden, so eine Karriere abzubrechen, wenn man bereits so weit gekommen ist“ vs. „Wenn du es von Anfang an nie wolltest, aber vom Vater dazu gezwungen wirst, wird es höchste Zeit, die Karriere abzubrechen, weil sie dich dauerhaft nicht glücklich machen würde“, „Die Moves waren Klasse“ vs. „Was sollte das? Was können die überhaupt?“, „Der Film hat mich auf allen Ebenen berührt und ist einfach toll“ vs. „Das war die totale Scheiße und sogar für einen Tanzfilm mega schlecht“ … die Meinungen gehen hier so krass auseinander, dass ich eigentlich sagen müsste: Gut gemacht, nur ein Film, der extrem polarisiert, ist ein guter Film … und dafür landen wahrscheinlich gleich wieder 300 Steine an meinem Kopf.

Also: Machen wir’s anders.

Gewinnspiel

Into the Beat - Book Cover
Buchcover „Into the Beat“ – Das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG

Mir wurden nämlich freundlicherweise zwei Bücher zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Da hätten wir das nächste Kriegsgeflecht: Film vs. Buch, wenn der Film also schlecht ist, kann das Buch ja nur gut sein – und die eigene Fantasie und Kreativität im Kopf regt einen ja beim Lesen bekanntlich auch immer monströs an, weshalb ich das Buch jedem ans Herz lege.

Schreibt einfach bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 in die Kommentare, zu welchem Song ihr zu Hause ganz gerne mal tanzt (oder tanzen würdet) und welche Beats euch in Wallung bringen.

Die beiden Gewinner*innen werden anschließend im Losverfahren ausgewählt und von mir benachrichtigt, gebt also bitte eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch erreichen und nach der Adresse fragen kann. Diese wird ausschließlich im Rahmen der Verlosung von mir persönlich genutzt und nach dem Versand wieder gelöscht.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche allen viel Glück und sage mal vorsichtig: Geht ins Kino und bildet euch eure eigene Meinung – und lasst sie mich hinterher wissen 🙂

Kontrovers, deutsch, scheitert beim Plot an den üblichen Struggles des Genres, aber: Geheiligt sei die Tonspur: Hier wurde beeindruckend gearbeitet. Ein Film, der Diskussionen auslöst und entweder geliebt oder gehasst wird.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Werden mit einigen Tanz-Choreos eingeleitet, faden dann aber ins Schwarz und enthalten keine weiteren Szenen. Aufstehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Into the Beat – Dein Herz tanzt
Length: 98 Min.
Rated: FSK 0