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wenn aus filmen leidenschaft wird

Author: Ben Page 1 of 89

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Chaos im Netz (3D)

Chaos im Netz

© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Ehrlich gesagt hat es mich schon ein wenig gewundert, als im vergangenen Jahr auf einmal Oscar-Gewinner Clark Spencer die Bühne betrat und uns ein Projekt von Disney vorstellte, das zu dem Zeitpunkt noch weit entfernt vom finalen Stadium war.

Ich hätte verstanden, dass man sich all die Mühe gibt, wenn es sich hierbei um ein monströses Megaprojekt handeln würde, dass schon per Definition zum Erfolg verdammt wäre und man auf keinen Fall verpassen dürfte – aber ein Animationsfilm? Und dazu noch ein zweiter Teil? Serious?

Den Aufwand steckte Disney aber nicht nur in die Promo-Tour quer durch Europa, sondern vielmehr in das Schaffen vor dem Film, indem sich die Crew echt hingesetzt und ernsthafte und kreative Gedanken gemacht hat, wie man das Internet für einen Film möglichst gut einfangen und beschreiben kann.

Man wollte etwas zeitloses, etwas einprägsames, etwas, dass sowohl die Geeks als auch die völligen Nullchecker verstehen würden und das zudem lustig und unterhaltsam ist und dazu eine bombastische Story liefert.

Ihr merkt was?

Oscar®-Gewinner Clark Spencer auf der Promotion-Tour von Ralph reichts 2: Chaos im Netz in München

Genau den Punkt, den man dem Konzern jahrelang vorwerfen konnte, ist man angegangen: Man hat keine alten Geschichten neu aufgewärmt, man hat keine Fremdfirmen für sich arbeiten lassen und heimst nun nur die Lorbeeren ein, man hat den kreativen Schwachsinn ad Acta gelegt und sich darum bemüht, etwas Neues zu schaffen, dass tatsächlich aus eigener Feder kommt und mit frischem Spirit und unglaublicher Unterhaltsamkeit punktet.

Dabei wird die gesamte Palette an Emotionen vielseitig eingesetzt und das Wesen und der Geist vieler Jahrzehnte im Verlauf der digitalen Technik eingefangen und herrlich porträtiert. Man ist historisch und gleichzeitig zeitlos.

In meinen Augen ist Disney damit ein Meisterwerk gelungen, das einerseits den ersten Teil weit in den Schatten stellt und andererseits seit Jahren endlich mal ein Film ist, den man definitiv uneingeschränkt empfehlen kann und bei dem garantiert kein Auge trocken bleibt.

Selbst im Hintergrund, wenn wir wieder zu den kritischen Fragen kommen, z.B. der Finanzierung bestimmter Marken, die zwangsweise auftauchen müssen, wenn man ein ehrliches Bild vom Internet wiedergeben möchte, ist alles richtig abgelaufen: Niemand durfte sich hier einkaufen, sondern die dargestellten Elemente wurden von Disney frei gewählt und hängen nicht mit Sponsorengeldern oder Korruptionsverdächten zusammen.

Spürt ihr, wie mein Mund immer weiter offen steht und offen bleibt?

Das Ding ist – offen gesagt – der absolut krasse Oberhammer und für mich DER Film des neuen Jahres.

.kinoticket-Empfehlung: Clark Spencer hat zu Recht Werbung für das Ding gemacht: Für mich DIE Errungenschaft des beginnenden Jahres 2019.

Hier steckt so viel positive Recherchearbeit drin, so viel liebevolle Details und Umsetzungen und nicht zuletzt eine amüsante, herzzerreißende Geschichte, die aus Chaos im Netz ein Kinoerlebnis der Extraklasse machen.

Geht rein und lasst euch bombastisch gut unterhalten!

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben – bis ganz zum Schluss!

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: Ralph Breaks the Internet
Length: 113 Min.
Rated: FSK 6

Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers

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© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Bei Pferdefilmen ist es genau wie bei Tanzfilmen: Hast du einen gesehen, kennst du alle. Der Plot ist immer der gleiche: Am Anfang ist ein Hof. Irgendein Konkurrent möchte dem Hof böses und sorgt deshalb dafür, dass er garantiert und ohne Umschweife komplett untergeht! Nicht Teile des Hofs müssen geschlossen werden oder bestimmte Bereiche verkauft oder vermietet oder umstrukturiert, nein – der komplette Hof muss schließen!

Dann gibt es da noch das Pferd. Und eine “sie”, die irgendwie mit dem Pferd verbandelt ist. Sie kann den Hof retten. Die Eltern und Erwachsenen mit Finanzhoheit und Lebenserfahrung haben rein gar keine Chance, es müssen (!) die Kinder machen, denn die Erwachsenen sind in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit vollkommen außer Gefecht gesetzt und dadurch absolut handlungsunfähig. Wären nicht die Kinder, wäre alles verloren!

Irgendein “Eindringling”, der anfangs rein gar keine Beziehung zu Pferden und dem Hof hat, sorgt für Ideen, gilt als Motivator oder Antrieb, der die Kinder dazu befähigt, weit über sich hinaus zu wachsen und im besten Falle mit einem groß angelegten Rennen ein Preisgeld zu kassieren, das den Hof komplett rettet und alle glücklich in den Sonnenuntergang reiten lässt.

Achja, und das Mädchen küsst den Jungen. Abspann.

Wahlweise macht man aus “Hof” eine “Tanzschule”, aus “Pferd verbandelt” ein “Junge verbandelt” und aus “Rennen” ein “Street Dance Event mit Preisgeld” und man hat den Plot für Tanzfilme.

Das garniert jede Fanbase dann mit ihrem eigenen Logo, tut so, als ob es außer ihrer Marke rein gar nichts gibt, was auf diesem Gebiet das Wasser reichen könnte und lebt so, als wäre es immer schon so gewesen. Dazu ein paar rührselige Landschaftsbilder und viel Pferdegetrappel und fertig ist der tolle, atemberaubende Pferdefilm, der das Millionenpublikum begeistert!

Boah … ertrinkt ihr auch gerade so in diesem Kitsch-Schleim?

Yes – der .trailer zu Immenhof hat genau das vermittelt: Just another one … dazu mit den wahnsinnig innovativen, mutigen, aus der Reihe tanzenden Einfällen der Öffentlich-Rechtlichen inkl. Filmförderung, die ja bekannt für “neue Ideen” sind, und … äh ja, die Ironie merkt ihr oder?

Meine Fresse, was hab ich wochenlang abgekotzt und mir gedacht: Lasst es doch einfach sein! Wer braucht das? Immenhof, da hat’s mal irgendwas im Fernsehen gegeben, was dich damals schon nicht interessiert hat und wenn “kleine Mädchen” und ARD/ZDF in einem Atemzug genannt werden, brauch ich per se direkt einen Eimer.

Und dafür hat mich Immenhof – Abenteuer eines Sommers echt überrascht. Positiv. Ja, Ostwind – Aufbruch nach Ora ist für mich immer noch das Maß aller Dinge, weil dieser Film endlich aus dem üblichen Schemata ausbrach und etwas lieferte, was ich bis dato noch nie in einem Pferdefilm gesehen habe: Einen Charakter, der mehr war, als das üblich-schmonzige ARD-Geraffel und etwas, das bereits weit in die Erwachsenenwelt hineinreicht und Avancen hat, größer zu werden, als es jemals war.

Und auf diesen Zug springt Immenhof gewissermaßen auf. Die Szenerien und Landschaftsauswahl gehört zur Kategorie “großartige Bilder” genau wie auch der Soundtrack vermittelt, dass man sich eben von der TV-Serie abwendet und tatsächlich ins Kino möchte. Auch beim Plot spürt man deutlich, dass Kino hier das Maß aller Dinge sein sollte, auch wenn hier und da noch ein wenig die Fernsehlandschaft durchblickt, diese Momente sind ganz schnell wieder vorbei und man entwickelt sich so, dass am Ende tatsächlich der Gang in den Saal von Nöten ist und man das Ding nicht einfach nur auf dem Bildschirm abspulen kann.

Auch charaktertechnisch hat man einiges aufgefahren, was sich eben von dem üblichen Standards abhebt und in einer sehr einfühlsamen Weise zum Ausdruck verhilft, so dass man die Story, wenngleich sie oben beschriebene Elemente enthält, dennoch glaubhaft akzeptiert und hier einen Film erhält, der meiner Meinung nach zwar noch nicht an mein Vorbild heranreicht, jedoch nicht mehr weit davon entfernt ist.

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v.l.n.r. Benjamin Trinks, Rafael Gareisen, Leia Holtwick, Ella Päffgen, Sharon von Wietersheim, Laura Berlin, Moritz Bäckerling auf der Premiere von Immenhof – Abenteuer eines Sommers

© 2019 Petra Schönberger

Vielen Dank an Petra Schönberger für das Bereitstellen des Fotos. Schaut auch mal auf ihrer Seite vorbei: www.events-for-you.eu.

.kinoticket-Empfehlung: Viel positiver, als ich anfangs gedacht habe: Man distanziert sich fast schon aus dem eigenen Genre und liefert Bilder, Soundtrack und Charaktere, die sich vom restlichen Genre deutlich abheben und ein viel “gesünderes Bild” zeichnen als andere Filme dieser Gattung.

Damit kommt man zwar nicht ganz, aber fast an mein Allzeitvorbild Ostwind – Aufbruch nach Ora ran. Der Gang ins Kino ist damit von mir freigegeben 😉

Nachspann
❌ kann man hocken bleiben und den Pferdchen beim Springen zusehen, weiterführende Szenen gibt es aber keine mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers
Length: 105 Min.
Rated: FSK 0

Glass

Glass

© 2018 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

M. Night Shyamalan‘s Filme gehören zu denen, die man eigentlich verbieten müsste zu erklären: Sämtliche Über-Unter-Erklärbär-Texte machen alles nur noch schlimmer. Dabei sind seine Filme gar nicht so übel, wie man ursprünglich denkt – sie passen schlichtweg nur nicht in das Mainstream-Denken aktueller Generationen, weil sich Shyamalan darum ganz bewusst nicht schert.

Ich selbst liebte seine alten Werke und habe sie als Kind auf DVD hoch und runter gespielt und konnte mit den aktuellen Dingen auch weniger anfangen. Split war bis heute für mich der Tiefpunkt des Regisseurs, da hier einfach viel zu viele Logikfehler gemacht wurden, was die komplette Story an sich unglaubwürdig erscheinen ließ und man danach einfach gar nichts mehr ernst nehmen konnte und alles irgendwo nur noch lachhaft erschien.

Von diesen Logikfehlern hat er sich in Glass nicht vollständig getrennt, sie aber zumindest auf ein übersehbares Maß heruntergespielt, so dass man jetzt schon genauer hinschauen muss, um noch gravierende Fehler zu entdecken.

Allerdings hat mich der Film in der Tat völlig positiv überrascht: Irgendwie schafft man es, eine faszinierende magische Anziehungskraft zu entwickeln, die den Zuschauer schon irgendwo in seinen Bann zieht und einen die Story miterleben lässt.

Steven Gätjen bei der exklusiven Preview von Glass im Mathäser Filmpalast in München

Der eigentliche Hauptgrund, sich den Streifen im Kino anzuschauen, ist allerdings James McAvoy! Und ja, jetzt heulen wieder alte Split-Freunde auf, dass dies ja damals schon der Grund war, weshalb Split so gut ist etc. Blabla … jedoch gibt es hier einen wesentlichen Unterschied: Im alten Film hat er auch schon unterschiedliche Charaktere auf beeindruckende Weise authentisch verkörpern können, jedoch immer mit Schnitten drin, bei denen keiner von uns Zuschauern weiß, wieviel Zeit McAvoy hatte, um sich auf die neue Rolle vorzubereiten und diese anschließend im nächsten Take glaubhaft zu verkörpern.

Glass zieht hier gänzlich andere Saiten auf und holt ein förmliches Lebens-Meisterwerk aus diesem Schauspieler heraus, für das er eigentlich schon jetzt den Oscar® verdient hätte! Hier zu erleben, wie er in mehreren Minuten langen, schnittfreien Shots einfach zig mal die Persönlichkeit wechselt und tatsächlich völlig ohne Pause auf die nächste Person umschaltet, ist gleichermaßen faszinierend wie beängstigend: Probiert es vorm Spiegel mal selbst, wie schwierig es schon ist, mit zwei unterschiedlichen Stimmlagen zu sprechen und dann auch noch völlig anders dabei auszusehen … Das, was McAvoy hier abliefert, ist Kino der Meisterklasse und nahezu alleiniger Hauptgrund, sich Glass definitiv anzusehen!

Dazu wartet der Film mit einem genüsslichen Reigen an diversen Plot-Twists auf, die teilweise zwar vorhersehbar, dadurch aber nicht minder spannend sind und dem Film einen Charme verleihen, der wiederum zur magischen Anziehungskraft beiträgt. Man spürt, dass hier mit „guten alten Mitteln“ gearbeitet wurde und die Chemie zwischen dem Regisseur und Schauspielern stimmt.

Dominik Porschen im Gespräch mit Regisseur M. Night Shyamalan bei der exklusiven Preview von Glass im Mathäser Filmpalast in München

Ich persönlich habe Mitte des vergangenen Jahres bereits das Vergnügen gehabt und durfte M. Night Shyamalan persönlich im Kino kennenlernen und dabei seinen Ausführungen über das neueste Projekt lauschen, bei denen er u.a. erzählte, welche Schwierigkeiten er als Filmemacher hat, sich bei den großen Studios durchzuboxen, um überhaupt gezeigt zu werden.

Es ist gleichermaßen faszinierend, dass gerade Disney als Publisher in Erscheinung tritt, die mit der Tochterfirma Marvel ja nun an der gänzlich gegenteiligen Erzählweise und Film-Form arbeiten und quasi hier etwas präsentieren, das vollständig aus ihrem Portfolio ausbricht und alle Regeln und Gesetze verwirft. Shyamalan mag kein CGI, dreht lieber „analog“ und verzichtet auf so viele Computer wie nur irgend möglich: Sämtliche Szenen im Film sind tatsächlich so dargestellt und wurden auch im Kameraverlauf so durchchoreografiert, dass am Ende ein schlüssiges Bild entsteht und man als Zuschauer wieder mal verwundert sein darf über die ein oder andere Szene.

Diese teils trockene und subtile Erzählsprache ist heute nahezu ausgestorben, da man andernorts fast vollständig auf überbordende Special Effects setzt und mit Gigantismus einander auszustechen versucht, während Shyamalan dies hier mit einigen wenigen Sätzen andeutet und fast förmlich abarbeitet.

Damit zeugt man einmal mehr davon, dass seine Filme nichts im Mainstream verloren haben und immer noch zum Nischenkino gehören, Disney als weltweit führendes Label aber einen Massenmarkt damit erobern möchte und für komplett andere Absichten steht. Auch hier findet man sich in teils unerklärlichen Gefilden wieder, die so typisch für Shyamalans Filme sind.

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: James McAvoy haut einen hier vom Hocker, dass sich die Balken biegen und lässt dabei sogar Split wie ein Kindergartenfest aussehen!

Er allein ist DER Grund überhaupt, in den Film zu gehen, der desweiteren aber ebenfalls positiv überrascht! Plot, Twists und der fein abgestimmte Weg, den man damit einschlägt, überzeugen durchaus und präsentieren quasi den Gegenteils-Marvel-Superhelden auf eine völlig eigene Art und Weise. Damit ist für mich der Tiefpunkt seiner Karriere beendet und Shyamalan wieder voll im Rennen!

Nachspann
✅ Bei Split hat sich schon angedeutet, dass hier kleine Gimmicks versteckt werden und auch damit hat man bei Glass ganze Arbeit geleistet: Neue Szenen kommen zwar keine, jedoch ist der Abspann bis zum Schluss nett anzusehen.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Glass
Length: 130 Min.
Rated: FSK 16 | PG-13

Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn

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© 2019 Filmperlen

Christian Bruhn – Hand aufs Herz – wer kennt ihn? Eine Persönlichkeit wie ich, deren Haupt-Playlists aus Scores und Original Soundtracks bestehen, kennt Namen wie Hans Zimmer oder Alexandre Desplat aus dem FF, aber auch ich tu mich mit Musikgrößen – und dazu noch deutschen Legenden – schwer, die Christian Bruhn heißen.

Man kennt seine Werke – das durchaus. Stücke wie Timm Thaler, Captain Future, Alice im Wunderland, Heidi oder berühmte Werbejingle wie Milka, Zott, McDonalds, Maggi und Co. und dazu … und da kommt der Haken: Jede Menge Schlager.

“Marmor, Stein und Eisen bricht”, “Liebeskummer lohnt sich nicht”, “Zwei kleine Italiener”, “Wunder gibt es immer wieder”, “Ein bisschen Spaß muss sein”, “Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”, “Er ist wieder da” und und und …

Hat’s jetzt geklingelt? Dacht’ ich’s mir. Unterbewusst kennt ihn jeder … und das macht ihn zum heimlichen Star, der selbst niemals Wert auf Presse-Aufmerksamkeit gelegt hat und dennoch so viel Künstlerisches in seinem Leben verbrochen hat, dass ihn wahrscheinlich auch noch 1000 Generationen später jeder kennen wird. Unterschwellig. Versteht sich.

Meine unbewusste “Abneigung” gegen ihn kann ich mir selbst auch erklären: Ich arbeite in der Gastronomie und habe das, was andere 1 Wochenende im Jahr machen – einmal ausgelassen irgendwo in den Bergen feiern – quasi fast jeden Tag um mich rum. Nüchtern. Im Dienst.

Test gefällig?

“Wuuuunnder gibt es immer wieeeeeder ….”
“Wuuunder gibt es immer wieeeder….”
“Wunder gibt es immer wieder …” “Wunder gibt es immer..” “WUUUUNDER gibt es immer WIEEEEDERRRRRR” “Wunder gibt es immer…” “Wun….” “WUNDER gibt es immer wieeeed.” “Wunder gibt es immer wieeeeeder…”

Nervt’s schon? Wir sind erst beim ersten Abend. Geht man mal von durchschnittlichen 20 Tagen im Monat aus und rechnet das hoch auf die Zeit, die ich das schon mache, landen wir irgendwie bei 2400-2500 …

Irgendwann KANNST du den Scheißdreck nicht mehr hören und die ewig gleichen dämlichen Songs kotzen dich einfach nur noch an. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die 1 Milliardste Wiederholung es eben auch nicht noch besser macht. Und just kündigt sich ein neuer „Musiker“ an und spielt auf: „WUUUUNDER GIBT ES IMMER WIEEEEEEDER….“ 😉

Okay, jetzt vielleicht nicht zwingend mit diesem Song, aber unter den 2500 Schlagern, die Christian Bruhn verbrochen hat, sind genügend dabei, mit denen es mir da so geht.

Erstaunlicherweise ist die Dokumentation über sein Leben deshalb aber nicht minder unspannend: Sehr viel mehr braucht es einfach seine Zeit, bis dich der Film in seinen Bann zieht. Und ein klein wenig Nachwirkzeit ebenfalls. Mit seinen 80 Minuten gehört der jetzt nicht zwingend zum mittlerweile überbotenen 120-Minuten-Standard, was einerseits ziemlich erfrischend ist, andererseits dennoch Phasen auftauchen, wo man meint: „Okay, was willst du eigentlich sagen?“

Man sieht minutenlang dabei zu, wie sie durch irgendwelche Gegenden spazieren, Dinge erzählen, dass sie hier früher mal gewesen sind oder uns ein „alter Mann“ einfach sein Dasein zeigt. Der Clou kommt eigentlich erst mit der Musik: Hier wird‘s spannend … und zwar trotz dass du die Titel einfach nicht mehr hören kannst.

Wer was wann wie wo und warum löst tatsächlich irgendwie Hysterie aus. Dazwischen merkt man aber auch leichte Unbeholfenheit und Figuren, die in dem Film einfach nichts zu suchen hätten. Und einen großartigen Höhepunkt hat der Film auch, mit dem ich viel mehr Sendezeit gefüllt hätte… da wir hier aber vom Metier Hofer Filmtage und somit absoluten Beginnern sprechen, sei euch verziehen 🙂

.kinoticket-Empfehlung: Am Ende macht‘s alles Sinn, dass man diesem Mann ein filmisches Porträt gespendet und ihn ein wenig vor die Kamera geholt hat: Nicht zuletzt deshalb, weil man dann eine Vielzahl an Titeln wesentlich besser versteht und ihre Entstehungshintergründe kennt.

Viele teils unwichtige Belanglosigkeiten hätte ich aber weggelassen: Hier kommt oft das Gefühl auf, man hat nichts zu sagen und muss es künstlich auf VIP bügeln, um irgendwie Relevanz zu erlangen. Der Schuss geht nach hinten los, der Film – mit etwas Bedenkzeit danach – bleibt aber in Erinnerung.

Nachspann
✅ Ihr seid in einem musikalischen Film, dann nehmt auch die Musik am Ende mit – auch wenn keine weiteren Bilder mehr folgen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0

Underdog

Im Film dauerte es genau 4 Minuten, bis ich das erste Mal Gänsehaut verspürte. Die größte Überraschung des Abends: Der Film wurde im polnischen Original gezeigt mit … englischen Untertiteln! Ein schöneres Geschenk kann man mir eigentlich gar nicht machen.

Da ich für polnisch normalerweise nicht so viel übrig habe (liegt vermutlich an den nicht vorhandenen Sprachkenntnissen und damit der absoluten Unverständlichkeit) und somit auch dem „polnischen Charme“ wenig abgewinnen kann, ist es mehr oder weniger ein Wunder, dass mir dieser Film echt gut gefallen hat: Man spürt nämlich die zumindest hierzulande bekannten Klischees aus jeder Pore tropfen, was in mir manchmal die Frage auslöste, ob da nun wirklich etwas dran ist oder nicht.

Erschwerend dazu kommt noch eine Form des Sports, bei der ich ebenso liebend gern wegschalte … die Chancen, mich hier zu begeistern, liegen also tendenziell bei … wie gesagt: 4 Minuten und die Gänsehaut war da!

Dank des polnischen Publikums im Saal habe ich erlebt, dass der Film auch einige „Insider-Gags“ gebracht hat, die übersetzt wohl nicht soooo lustig (oder klassisch: verloren gegangen) sind, allerdings saalweit für Lachen gesorgt und somit im Original durchaus spaßiges Ambiente hervorgerufen haben.

Was mir unglaublich gut gefallen hat: Die gemütliche Lebensweise der beiden Hauptdarsteller und das eine einzige Wort, für das ich sterben würde: Ehre!

Ja, die Botschaft des Films ist zum Knutschen und ich mochte das Ende so dermaßen, dass ich lächelnd den Saal verlassen habe (als letzter, klaro!) und Underdog damit den besten Schlussstrich unter ein tolles Wochenende von mir gezogen hat und mir den Sonntagabend versüßte.

Durch die polnischen Eigenheiten ist dieses Werk auch nicht mit anderen Filmen dieses Genres vergleichbar, sondern schafft für sich ein eigenes Umfeld und lebt sich darin bestens aus: Als Event-Sondervorstellung im Kino durchaus zu gebrauchen und laut Aussagen der Kinobetreiber auch prächtig bis ausgebucht besucht.

.kinoticket-Empfehlung: Eine tolle Botschaft in einem Filmuniversum, dass dir ein ganzes Land vorstellt und dabei den Geist des Sports beflügelt: Selten wurde so eloquent an ein Mysterium herangeführt, wie hier.

Durch seine landestypischer Eigenheiten nicht zwingend vergleichbar mit anderen Filmen dieses Genres und darum als „Kinoevent“ sehr gut zu gebrauchen: Nutzt die Möglichkeiten, die sich euch noch bieten, gerne aus: Auch Polen kann Kino!

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. Januar 2019

Original Title: Underdog
Length: 116 Min.
Rated: FSK 16

Heavy Trip

Headbangen … bei Heavy Metal denk ich sofort an Schweden, Dänemark und Finnland… Wikingerlanges Haar, schrammelige Gitarren und grölende Laute, die irgendwie „Musik“ abgeben.

Wenn man genauer hinhört, entdeckt man ziemlich bald eine zarte Liebe zu diesen durchdringenden Tönen und – sofern es nicht ausschließlich Geschrei ist, sondern hier und da etwas Melodisches abgespielt wird – zählt diese Musikrichtung bald zu den öfters gehörten Stücken in der hauseigenen Playlist.

Seitdem ist „Heavy Metal“ bei mir irgendwie finnisch.

Heavy Trip ist nicht etwa irgendeine Band-Doku, sondern das klamaukbehaftete Beispiel eines „Blödheini-Films“, der für ziemlich viel Furore sorgt und im Kinosaal kein Auge trocken bleiben lässt. Tatsächlich ist man hier weit entfernt von Seriösität, Anstand und moralischen Werten und haut auf deutsch gesagt einfach mal richtig mächtig auf die zwölf. Dabei zählen Dummheit, Übertreibungen, und skurrile Momente, die immer wieder von boshaftem Humor untermalt werden und rein gar nichts mit political correctness zu tun haben.

Und damit macht dieser Film zwischen „wahren Begebenheiten“, tiefgründigem Arthouse-Kino und anspruchsvoller Kostümlektüre als geistige Entspannung zwischendurch richtig Laune.

.kinoticket-Empfehlung: Befreit euren Geist … und habt einfach mal wieder ausgelassen Spaß im Kino: Bitterböser Humor, Galgen-Klamauk und das tief-dunkle, finnische Böse in einem Film über Heavy Metal und seine nicht ganz ernstzunehmende Genre-Politik dazu.

Macht Spaß, ist herrlich politisch-unkorrekt und spiegelt einfach mal die pure unterhaltsame Blödheit wider.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Hevi reissu
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Kalte Füße

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Kalte Füße enthält im Titel keine super-duper-hightech-nonchalanten Superheldencharaktäre und deutet darauf hin, dass hier eher eine TV-Produktion ins Kino gehievt wurde, die sich mit Ach und Krach behaupten will. Dazu noch talentierte Schauspielgrößen wie Heiner Lauterbach oder Leinwand-Emporkömmling Emilio Sakraya und man ist mittendrin im deutschen Kino.

Nur: Diesmal eben in richtig gut!

Bereits der .trailer hat angedeutet, dass hier tatsächlich echte Gagschreiber am Werk waren und – soviel sei verraten – er nimmt nichts vorweg, sondern lässt genügend Zeit und Spielraum, damit die Story sich entwickeln kann und nicht einfach nur die vorgezeigten Szenen zusammenfügt und abarbeitet.

Und obwohl hier und da schon ein klein wenig die fernsehbegabte Arbeitsweise durchschimmert und auch der ein oder andere Dialog eher den Öffentlich-Rechtlichen entsprungen sein könnte: Man gibt sich hier so viel Mühe, eine wirklich unterhaltsame, spannende und vor allem coole Geschichte zu präsentieren, die auf der Leinwand durchweg Spaß macht!

Wer also wieder mal ungeniert lachen möchte und eine wunderbar erzählte Geschichte erleben, der darf hier beherzt zugreifen und sich ein .kinoticket sichern!

.kinoticket-Empfehlung: Für die deutsche Machart übertrieben gut!

Man schafft es, witzig zu sein und präsentiert eine Coolness, die ich bei anderen deutschen Filmen oft vermisse oder als lächerlich empfinde: Keine Fremdscham, guter Humor, interessante Handlung und ungenierter Kinospaß! Mitnehmen!

Nachspann
✅ ist nett animiert, aber nicht zwingend notwendig … man braucht allerdings nicht direkt rausstürmen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Kalte Füße
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

Capernaum – Stadt der Hoffnung

Capernau

© 2019 Alamodefilm

Nadine Labaki möchte etwas erzählen und hat sich dafür drei Jahre Zeit genommen, um Persönlichkeiten zu finden, die dieses Elend tatsächlich durchlitten haben und damit nicht schauspielern müssen, sondern ihren Gefühlen freien Lauf lassen konnten.

Schaut man sich das Plakat einmal näher an, bemerkt man schnell, dass hier keine alten Haudegen am Werk sind, sondern der zerbrechlichsten aller Sorten Mensch eine Bühne geboten wurde: Kindern. Kleinkindern.

Capernaum – Stadt der Hoffnung erzählt eine schier unglaubliche Story, die allein von Zain Al Rafeea getragen wird. Nun kann man darüber erbost sein, dass Kinder nun auf diese Weise ausgebeutet werden und vor aller Welt vorgeführt … oder man öffnet seine Augen und sieht, was im Hintergrund wirklich passiert:

Al Rafeea, der niemals zur Schule gehen konnte, sondern 2012 als Flüchtling aus Syrien in den Libanon ging, hat durch seine internationale Aufmerksamkeit nun ein Ausreisevisum für Norwegen bekommen und kann dort mit seiner Familie ein neues Leben beginnen und zur Schule gehen.

Treasure kommt aus dem Libanon und lebte während der Dreharbeiten bei der Casting-Direktorin, da ihre Eltern tatsächlich verhaftet wurden. Um deren Freilassung kümmerte sich das Filmteam und setzte sich auch hier dafür ein, dass die Familie sicher aus dem Land ausreisen und nun in Freiheit leben kann.

Yordanos Shiferaw, Treasures Film-Mutter arbeitete illegal im Libanon und wurde ebenfalls tatsächlich verhaftet, weil sie keine Papiere vorweisen konnte. Ihre Tränen im Film sind deshalb echt, weil sie exakt diese Situationen real durchlebt hat und sich zu dem Zeitpunkt daran erinnerte. Im Film kann sie ihr Erlebtes zum Ausdruck bringen und verarbeiten.

Kawthar Al Haddad, Zains Film-Mutter hat ebenfalls keine Ausweispapiere und kämpft mit ihrem Mann um die Registration ihrer Söhne, damit diese Bildung, Impfungen und Zugang zum Gesundheitswesen bekommen. Teile der Geschichte hat sie selbst durchlebt. Im Gerichtssaal durfte sie zum ersten Mal aussprechen, was man ihr vorher bislang verboten hatte.

Die Regisseurin hat extremen Wert darauf gelegt, dass hier einzig Aufrichtigkeit das Wort erlangt und keine der Darsteller und Darstellerinnen etwas vor der Kamera spielen muss, sondern jeder seine eigenen Erlebnisse einpflegen und damit der Weltbühne präsentieren kann, was in diesen Ländern so vor sich geht. Der ganze Film ist ein einziges Prestige-Projekt, um die Gewaltdarstellungen zu demonstrieren, die vielen Menschen immer noch angetan werden und sie um grundlegende Grundrechte betrügen. Capernaum – Stadt der Hoffnung ist ein Aufschrei all jener, die auf dem Erdball leben müssen und niemals in den Genuss kamen, freie eigene Entscheidungen treffen zu können um ein Leben zu führen, dass das Attribut “Würde” auch trägt.

Die imposanten Darstellungen lassen garantiert niemanden kalt und erzeugen hier einerseits ein unglaublich tief einschneidendes Momentum, dem man sich garantiert nicht entziehen kann, sorgen andererseits aber auch für Betroffenheit und erzeugen Aufmerksamkeit für Themen, die dringend auf den Tisch gehören.

Die Erzählung ist “fiktiv”, also nicht wirklich so passiert, besteht aber ausschließlich aus Puzzle-Steinen der Recherche, die Nadine Labaki in den drei Jahren vollzogen hat und erzählt hier quasi “nur Wahres”. Der einzige “unwahre Charakter” ist sie selbst in einem kurzen Auftritt, alle anderen haben diese Dinge eben so erlebt, wie sie im Film geschildert werden.

Dass dies keine “dramatische Dokumentation” sondern ein Spielfilm ist, der es versteht, packende Situationen zu erzeugen und dem Kinogänger ein unvergessliches Bild von Teilen dieser Erde zu vermitteln, ist ein Grund mehr, seine Hufen zu schwingen und ins Kino zu gehen. Fakten wie diese sollte man kennen – gerade in Zeiten, wo sich jeder über Schutzsuchende aufregt und sich in seinem Wert beschnitten sieht.

.kinoticket-Empfehlung: Mich hat der Film zutiefst beeindruckt, der hier ausschließlich auf recherchierte Wahrheiten zurückgreift und sie zu einem “fiktiven Ganzen” zusammenfügt.

Die Darsteller bringen ihren Part zur Story alle aus eigener Erfahrung mit und “spielen” nicht vor der Kamera, sondern bekommen erstmalig die Chance, der Weltbühne ihren Seelenschmerz zu präsentieren und nach Gerechtigkeit zu fragen.

Die sollte man ihnen geben, indem man ihnen zuhört … und ganz nebenbei noch einen Spielfilm bekommt, den man lange nicht vergisst. Geht ins Kino und nehmt euch dickes Fell dazu mit!

Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, rausgehen erlaubt, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Capharnaüm
Length: 123 Min.
Rated: FSK 12

Robin Hood

© 2018 StudioCanal

Robin Hood gehört zu den Geschichten, die jeder als Kind mindestens einmal erzählt bekommen hat. Auch die Filmwelt hat sich darum gekümmert, dass bereits unzählige Interpretationen davon über die Bildschirme geflackert sind und die Lebenden unseres Zeitalters haben sich längst damit abgefunden, dass hier “nichts neues mehr kommen wird”.

Entsprechend verhalten reagiert das Publikum im Saal bei anderen Movies, wenn der .trailer dazu gezeigt wird und man kann die Gedanken in den Köpfen nur erraten: Irgendwie wirkt es, als ob man einen Film herausbringt, der zwar Größe aufweisen könnte, jedoch permanent mit angezogener Handbremse an den Start geht und dadurch niemals richtig aus sich raus kommt.

Ich halte große Stücke auf Taron Egerton und weiß, dass dieser Junge schauspielern kann und finde die Idee, ihn als Jungtalent auf so eine Geschichtsikone loszulassen, durchaus spannend, kann aber verstehen, warum der Stoff hier nicht so richtig zünden will. Es ist genau diese Art von “Blockbuster”, die zwar alles mitbringt, was man für einen Erfolg braucht, jedoch genau wie z.B. The Great Wall dieses gewisse Unbenannte aufwartet, mit dem der Zuschauer nichts anfangen kann.

Die Technik stimmt, die Optik stimmt, der Soundtrack ist große Klasse und extra erwähnenswert, nur schafft man es eben nicht, die Aquaman-Männerbrust-Stärke auf den Jungspund zu übertragen und ihn als “mächtigen Eroberer” zu kennzeichnen, der es tatsächlich mit dem System aufnehmen und hier den exzellenten Widersacher geben kann. Da zeichnen sich dann erste Actionfilm-Lächerlichkeiten ab, die zwar nicht schlecht geschauspielert sind, aber deutlich an Glaubwürdigkeitsdefiziten leiden, die der Zuschauer auch selbst aus keiner Reserve erübrigen kann.

Damit zerstört man ein wenig das Gesamtbild und durch die von anderen Seiten her erzwungene “Wir wollen brüllen und die ganze Zeit auf kampf-männlich machen” lässt man eben nicht zu, dass sich Egerton glaubhaft entwickelt.

Und darunter leidet letztendlich der ganze Film, der hoch explosives Potenzial in sich birgt und irgendwie in den falschen Kanonenrohren entfesselt. Mal schauen, was der Rest von euch dazu zu sagen hat.

.kinoticket-Empfehlung: Egerton als Jungdarsteller in solch einen Geschichtsepos hinein zu hieven ist ein gewagtes Unterfangen, welches Mut beweist, aber mit unglaubwürdiger Männlichkeit entblößt wird.

Dadurch verliert das Gesamtbild an Tragfähigkeit und mündet in einem eher belächelnswerten Film, bei dem zwar das ganze Drumherum stimmt, der jedoch in seiner Hauptaussage zu wenig Kraft mitbringt, um ihn für die Ewigkeit in den Köpfen der Kinogänger zu festigen.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Robin Hood
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12

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