Februar 3, 2023

.kinoticket-blog.de

| highest standard in cinema addiction |

Babylon – Rausch der Ekstase

Babylon - Filmplakat
© 2023 Paramount Pictures Germany GmbH

Sou! Wir alle haben die Trailer gesehen, die in den Kinos hoch und runter liefen. Mit dem ersten hatte ich so meine Schwierigkeiten, der zweite: Oh my fucking goodness! Das Teil allein ist schon ein Epos für sich – der Schnitt, das Gemengelage der gezeigten Personen, die Umschweife und der Pitch – es sitzt und macht sowas von wahnsinnig geil auf den Film – Fuck it and take my money!

Releasezeitpunkt: Ungünstig. In Amerika verkackt Avatar 2 grad jeden anderen Kinostart (Gut so, das Ding muss Welterster werden und bleiben, damit’s weiter damit geht in Sachen Kinobranche) und zum anderen: Amerika ist zwar riesig, repräsentativ (was Hollywood angeht) aber für diesen Film das unfassbar falscheste Publikum, was es geben könnte. Stichwort: Nippel. Da ist im TV ja schon Schluss.

Ihr erinnert euch ein wenig an Climax? Das jugendliche Tanzwerk, bei dem man auch ein wenig über die Stränge schoss und in wüstem Desaster endete, was als Kinoorgie gefeiert einfach nur geil war und man mal so richtig abgeduzzelt nach draußen konnte und sich gefragt hat: What the heck did I do last night?

Das war irgendwie der Kindergarten dazu. Babylon ist erwachsen geworden – in jederlei Hinsicht. Babylon – um hier auch mal ein bisschen Aufklärungsarbeit zu leisten – ist die Stadt der Sünde aus den biblischen Archiven der Antike. In Babylon feierte man die niedersten Gelüste der Menschheit und fiel Frevel und Verderben zum Opfer – es wurden rauschende Exzesse gefeiert und die Stadt schlussendlich von Gott vernichtet. Fickende Dekadenz sozusagen.

Herrlich, was? 😀 Nun kommt ein fucking genius namens Damien Chazelle aus Hollywood und „unveilt“ die Tagebücher des Sündenpfuhls dieser Filmschmiede – und zwar in einer ästhetisch beeindruckenden, grenzenlosen, bilderschmachtenden Dekadenz der Schande mit Bildern, dass sich die Balken biegen.

Kinder – auch hier gilt: Leinwand auf Maximum und Ton hoch regeln: Es wird gefeiert! Die größte Party eures Lebens in einer ausufernden Wucht, dass alles bisher dagewesene einpacken und nach Hause gehen kann, ihr habt leider keinen Mamizettel dabei!

Gleichsam ist Babylon aber auch irgendwie ein extrem gelungenes „Was bisher geschah…“-Mashup der Filmindustrie. Wie alles begann, woher alles kam, wie alles verlief. Eben der klassische „Vorspann“ zu „Jetzt“ mit einer tiefen Huldigung an die unöffentlichen Sünden dieser Generationen.

Und hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Hat er alle Oscars verdient? Redlich! Ich habe, nachdem ich den Film gesehen habe, aber inzwischen meine tiefen Zweifel, ob das „glamouröse Hollywood“ diese dekadente Obszönität und ungeschönte Realität feiern und auspreisen wird, oder sich lieber elegant davon distanziert. So etwas zu preisen, damit möglichst viele in den Genuss des Films kommen und danach gieren? Welch Schande! Also wird man wohl eher davon ablenken wollen… wäre allerdings das Größte, wenn dieser Brocken dann auch wirklich die Oscars kriegt und damit Größe gezeigt wird („So waren wir halt, das war die Zeit damals“).

Was wäre dann aus unserer Traumschmiede geworden? Was würde die Weltöffentlichkeit über die Produktionsstätte von „Liebe“, „Romantik“ und grenzenlosen Wünschen dann denken? Es wäre eine Selbstoffenbarung des Sündenfalls des Menschen wie sie im Buche steht … und das darf ja nicht sein oder? 😉 Schauen wir mal, ob unsere erbärmliche Generation schon bereit dafür ist, oder man lieber wieder brav den Schwanz einzieht und daraus nen „Kinoflop“ macht 😀

Leutz, ich feier es – und zwar tierisch! Ganz ehrlich? Verdoppelt die größten Leinwände, die die Welt besitzt – stellt noch 20 Boxen mehr daneben, clustert die Kinos und dann zeigt dieses Teil! Es war selten ehrlicher. Es war selten aufrichtiger. Es war selten soooooowas von demütigend offenbar und authentisch. Und es ist genau das, was wir an Kino lieben: Die Dekadenz einer Freiheit, die für viele in dieser Realität nicht existiert und die wir alle auf der Leinwand feiern können.

KAWOUM!

Daneben gibt es soooo viele Dinge, die man an einem Film lieben kann, die hier stattfinden: Brad Pitt: Es gab so Phasen, wo ich dachte: Okay, man kostet seinen Namen aus und presst raus, was immer geht – hier hat er endlich wieder eine Rolle, die fundamental aus dem Boden knockt und einem wirklich zeigt, was Phase ist.

Margot Robbie: Yes, die Suicide Squad-„Schlampe“ liefert hier einen Auftritt, der alles bisher dagewesene weit in den Schatten tritt. Direkt rein, direkt und ohne Umschweife direkt zur absoluten Durchgeknalltheit – und yes – was macht sooooo tierisch Spaß!!!

Soundtrack! Kinder – der Soundtrack ist der Hammer (und dafür braucht ihr die großen Boxen!) – Es wird nicht geklimpert, es werden die Fanfaren Jerichos auf den Plan gerufen und alles eingelesen, was die Zeit so hergibt: Es kracht und tönt und umhüllt einen, man hat Bock drauf!

Über Bühnenbild brauch ich nicht sprechen – Dialoge: Meisterhaft! Das ist kein stümperhafter „Rastet mal aus, dann nehmen wir noch bissl Drogen und plakatieren den ‚wildesten Film den es je gegeben hat‘-Lügenschwachsinn“, sondern hier wird solide aufgefahren und sowas von abgegangen: Packt die Schwänze aus, vögelt einfach mit und rammt euch in den Arsch, was grade greifbar ist – es fällt sowieso nicht auf. Kapische?

Es geht rund! 😀 Und es macht wirklich wirklich Laune!

Dieser Film ist nicht für die Masse – und gleichzeitig doch. Es ist ein Mainstream-Independent-Meisterwerk, was die Masse angeht, aber fürs Individuum produziert wurde. Es braucht Größe und darf dennoch ganz kleine Nischen herrlich ausfüllen und seinen Lustsaft darauf versprühen und raussprudeln lassen.

Wenn du so dermaßen angewidert bist, dass du dich wegdrehen willst, aber die Bilder sowas von ästhetisch und geil aussehen, dass du nicht weg schauen kannst – und dann mit Ehrlichkeit um die Schlappen geschlagen wirst, dass es weh tut, aber gleichzeitig befreit: Es ist die Geburt in die Hölle der Ehrlichkeit – und das liebe Freunde – bezeichne ich fast schon als mein Lebens-Crescendo: That’s me!

Es ist der Schuss, den ich erwarte, wenn etwas Großartiges vollbracht ist: Die Ekstase, die ich feiere, wenn die Leute über Board gehen und anfangen, zu klatschen, weil’s nicht mehr anders geht. Das erhebende Wallen von Begeisterung, was durch die Massen rauscht und am Ende einen ganz großen Moment generiert – und der hat jeden Oscar verdient.

.kinoticket-Empfehlung: IN – YOUR – FUCKING – MINDASS!

Kino groß! Sound laut! Mamizettel verbrennen! Dann zur Zoohandlung und ein paar Eulen und Jaguare kaufen und ab auf die Party! Es lohnt sich!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hier folgt nichts weiter – ab nach Hause und den Rausch ausschlafen!

Kinostart: 19. Januar 2023

Original Title: Babylon
Length: 189 Min.
Rated: FSK 16

Das solltest du nicht verpassen

Bulldog - Filmplakat
5 min read
Close - Filmplakat
3 min read
Caveman - Filmplakat
5 min read