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Lord und Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken

Lord und Schlumpfi - Filmplakat
© 2020 24 Bilder

Was erwartet ihr beim Anblick des Plakats, wenn ihr tatsächlich absolut null Vorwissen mitbringt?

Ich dachte mir: „Schon wieder ein Musikfilm, irgendwas mit Metal, halt wieder ne Band, die als Film auseinandergepflückt wird, kann man sich anschauen, muss man aber vielleicht gar ned.“

Dann kam das Wort „Kultserie“ und „Episoden“ in den Vordergrund und es wandelte sich eher zu Binge-Watching im Kino um: Eine Serie, die als Film in zusammenhängender Länge auf die große Leinwand kommt… und es wird noch viel besser.

2016 startete Tobias Oller, der sich auf Bühnen und im Kabarett zu Hause fühlt, mit der Show auf YouTube, und die fand – verständlicherweise – total Anklang und baute sich eine große Fangemeinde auf.

Nun hat man die bestehenden 6 Folgen zusammen geschnitten und ihnen eine weitere Staffel spendiert, die es in gesamter Länge ab 17. September 2020 auf der Leinwand zu bestaunen gibt.

Und ich muss sagen: Großartig – es wäre ein herber Verlust, wenn ich meinen anfänglich negativen Gefühlen nachgegeben hätte, denn diese Art von Humor ist grandios!

Abgesehen davon, dass ich diesen Musikstilen auch etwas abgewinnen kann, findet sich hier eine urkomische, lokalangeheftete und wunderbare Parodie des Lebens in einer mit viel Liebe, Inbrunst und Hingabe zum Detail gestalteten Variante wieder, in die man sich auch als Nicht-Metal-Fan augenblicklich verliebt.

Die Ideen und Twists jeder einzelnen Episode sind herrlich schräg, unterhaltsam und sorgen für immense Kurzweil und viele Lacher. Solltet ihr es bereits von YouTube kennen, ist das kein Grund, sich nicht doch ins Kino zu setzen – und wenn ihr bis heute gar nichts damit anfangen konntet, dann wird’s höchste Zeit: Das ist pure Unterhaltung auf hohem Niveau mit etwas Anspruch und viel Freiraum für gute Laune, die Kino wieder zu einem Ort macht, an dem sich das Leben lohnt.

Definitiv ansehen: Wer’s schon kennt, kriegt eine weitere Staffel – und beides auf der großen Leinwand, wer noch nie etwas davon gehört hat: Kennenlernen – ihr werdet es nicht bereuen!

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Man bleibt spaßig auch beim Abspann, also gehts geschmeidig an 😉

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Lord & Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken
Length: 93 Min.
Rated: FSK 12

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Hello Again – Ein Tag für immer

© 2020 Warner Bros. Ent.

Es gibt in der Filmwelt solche ikonischen Momente, die unvergessen bleiben werden, die einmal da waren und bei denen alle Nachäffer, Huldiger, Parodisten und Hommagen niemals in Frage stellen würden, wer das Original geliefert hat. Es ist jeweils ein Kniefall vor dem Moment. Etwas, das jeder kennt und das niemals – auch über Generationen hinweg – in Vergessenheit geraten wird.

Die „Ich bin der König der Welt“-Szene bei Titanic z.B., oder die Hebefigur aus Dirty Dancing, oder aber auch verbale Äußerungen wie „I’ll be back“ von Arnold Schwarzenegger aus den Terminator-Filmen. „Ich bin dein Vater.“ – merkt ihr?

Diese Dinge gehören dem Original.

Nun haben wir einen Film, der sich an einem Genre orientiert, das für sich – und zwar in seiner vollkommenen Gänze – ein ikonischer Moment ist: Und täglich grüßt das Murmeltier. Da gibt es keine speziellen Szenen, oder Aussprüche, oder Dinge, die man einzeln herausnehmen und woanders einpflanzen kann, sondern die Zusammenstellung der einzelnen Plotstränge aneinandergereiht ist selbst der „ikonische Moment“, weswegen man entweder den kompletten Film kopieren kann … oder eben etwas völlig anderes macht.

Hello Again – Ein Tag für immer lässt schon im Titel einiges vermuten… und wer beim Trailer richtig aufpasst, spürt auch sehr schnell, dass es sich hier um einen Zeitschleifenfilm – also um Und täglich grüßt das Murmeltier handelt… und da dies ein „ikonischer Moment“ ist, kriegt man das aus dem Schädel beim Schauen auch nicht raus. Niemand denkt bei der Hebefigur NICHT an Dirty Dancing.

Dieser aufgedrückte, unweigerliche Vergleich schraubt die Erwartungen immens hoch und so etwas geht meist in die Hose.

Muss ich weiter reden? 😉

Meine Generation ist geprägt von Bill Murrays legendärem Auftritt in diesem Film … wir haben ihn unzählige Male gesehen, geliebt, wieder geschaut … und schon im Trailer des „Remakes“ spürt man: Daran kommt die Schauspielerei definitiv nicht ran. Hier ist wieder viel zu viel „eingedeutscht“ worden … und man verhaspelt sich an der kruden Macherei der Filmförderungen, die – wie die Lobbyisten im fernen Amerika bei der Gesetzgebung – auch hierzulande den Autoren und Regisseuren so lange reinreden, bis alles einheitlicher Mist ist, den man dann abliefert.

Dass es im Film um eine Hochzeit geht, verrät das Plakat bereits. Dass es die „traurigste Hochzeit überhaupt“ ist, die ich je in der Filmgeschichte gesehen habe, verrate ich euch jetzt. Die Farben irgendwie trist und kaputt, die Kulisse so la la, alles irgendwie ohne Seele und ohne Herzblut … einfach armselig. So etwas stimmt einen natürlich wahnsinnig traurig und liefert keinen guten Nährboden für einen fantastischen Film, sondern schrammt eher permanent an der Grenze zum Flop.

Dass dies aus plottechnischen Gründen gewollt ist, mag nun als plausible Ausrede herhalten können, jedoch wissen wir anhand des Originals, dass das auch besser geht.

Jemand muss rausfinden, was er zu tun hat, um aus der Schleife wieder zu entkommen? Hier werden allerlei Einfälle durchprobiert, die den Vielsehern im Kino eigentlich von Anfang an klar sind, weil man sich die Auflösung schon nach 10 Minuten zusammenreimen könnte und es im Endeffekt auch genau so passiert („Laaaaangweilig!“).

Eine gute Sache hat der Film: Die Auswahl der Musikstücke. Hier hat man echt Einfallsreichtum und Vielfalt bewiesen und immer neue Varianten herbeigeholt, die den ganzen Film über bestens unterhalten und auch so ziemlich jeden Musikgeschmack abdecken dürften. Genau das fühlte sich aber auch oft aus dem Zusammenhang gerissen an, da die Melodien so weit entfernt von dem Alter der jeweiligen Protagonisten entfernt waren, dass es fast schon unglaubwürdig erschien, dass eine solche Person tatsächlich diese Musik hören würde.

Sei’s drum: Der Versuch zählt.

Und eine Sache ist auch noch spannend: Es gibt Menschen, die den Murmeltier-Film tatsächlich nicht kennen. Und ich habe welche von ihnen gefunden. Die haben Hello Again gesehen und fanden ihn super gelungen, weil er eine große Bandbreite an Emotionen und Möglichkeiten abdeckt und es ihrer Meinung nach um „multiple Universen“ geht… dazu fallen mir aber unglaublich viele Hinweise und Argumente ein, die das widerlegen.

An dieser Stelle schick ich euch dann einfach ins Kino, denn gespoilert wird immer noch nicht – und dann können wir uns gern drüber unterhalten. Am besten, wenn ihr beide kennt: Das Original … und diesen Film hier.

Eine deutsche Kopie von Und täglich grüßt das Murmeltier mit grandioser Musikauswahl, trauriger Kulisse und einem Plot, der sich nach 10 Minuten selbst enträtselt. Menschen, die selten ins Kino gehen, haben daran gewiss Freude.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Bringt noch einige Szenen am Anfang, danach ist Schluss.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Hello Again – Ein Tag für immer
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

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Kase-san and Morning Glories

Screenshot Kase-san and Morning Glories
© 2020 Kazé

Dass sich die Filme hierzulande in Sachen kulturellen Eigenschaften nahezu alle gleichen, ist ja kein Geheimnis. Auch wenn es von Land zu Land kleine Unterschiede gibt: Im Großen und Ganzen bewegt man sich mit geringen Abweichungen auf dem selben Level. Und dabei ist es auch egal, ob man über den großen Teich schaut oder sich im europäischen Raum bewegt: Ja, die einen können bessere Plots, die anderen besseres CGI, von der Art der Herstellungsweise benutzen aber alle irgendwo die selben Mittel.

Auf unserer Erde gibt es da eine riesige Ausnahme: Japan. Die Filme dieses Landes sind ein Genre, das so weit weg allem Europäischen oder Amerikanischen ist, dass ein Vergleich nahezu ausgeschlossen ist.

Auch über die Filme hinaus lassen sich die Animes nicht auf anderes Kulturgut ein: Auch in gezeichneten Werken kann man sich nicht mit „Comics“ hierzulande messen, sondern hat mit Manga eben auch einen unverkennbaren Stil geschaffen. Und nicht nur das: Um die Sache vollkommen abzurunden, finden sich auch in den Tonspuren keine vergleichbaren Elemente mehr, sondern selbst die japanische Musik ist etwas völlig eigenständiges.

Dass dann in den Plots oftmals noch völlig schrille Ideen und diverse Verrücktheiten angenommen und umgesetzt werden, entfernt selbst die Inhalte noch von allem, was wir hierzulande als „normal“ bezeichnen würden.

Umso mehr Spaß macht es mir, mich immer wieder mal in diese völlig fremde Kultur niederzulassen und einen Anime im Kino zu bestaunen, weil’s eben etwas völlig anderes ist.

Kase-san and Morning Glories wurde kürzlich im Rahmen einer Girls Love Anime Night in den Kinos gezeigt.

Wer an dieser Stelle an romantische Schnulzenopern denkt, liegt völlig falsch: Mit dem üblichen Anime-Biss und japanischer Ausgefuchstheit bezieht man einmal mehr Stellung und kümmert sich um gleichgeschlechtliche Liebe. Und das in so einer wunderbaren und liebevollen Atmosphäre, dass man sich auch als Kerl darin wunderbar aufgehoben fühlt.

Sehr zu empfehlen (bei Animes übrigens grundsätzlich) ist es, die Streifen im Original mit Untertiteln anzusehen, denn auch die Sprechweise von japanischer Filmkost geht weit über das hinaus, was sich z.B. Deutsche in der Öffentlichkeit trauen würden.

Insofern hatte man hier die Chance, sich einen Abend lang mit dem Thema Girls Love auf sehr gemütliche und unterhaltsame Weise auseinanderzusetzen.

Animes haben generell einen unfassbar anziehenden Charme und beleben die inneren Gefühle eines Menschen auf einzigartige Art und Weise – hier mit einem soliden Titel über Girls Love, mit der bekannten Witzigkeit und umfassend berührenden Elementen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Grundsätzlich: Bei Animes immer hocken bleiben. Die hören selten beim „Schluss“ auf.

Kinostart: 25. August 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Asagao to Kase-san
Length: 58 Min.
Rated: FSK 0

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The Photograph

The Photograph - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Was fällt mir als Fotograf und Ästhet sofort ins Auge? Dass das Plakat ein Negativ ist – also die Dinger, auf denen früher unsere Fotos „zwischengespeichert“ wurden, bevor man sie zum Entwickeln brachte. Namen der Schauspieler, die berühmten „Schnittpunkte“ etc. – alles da. Die Plakat-Macher haben also den Filmtitel gehabt und daraus etwas brauchbares gestaltet, was sich deren Meinung nach an „Fotografie“ orientiert.

The Photograph macht als Titel ja auch eigentlich den Anschein, als ob es in dem Film möglicherweise um Fotografie gehen könnte … also jemand, der oder die sich mit Kameras irgendwo rumbewegt und etwas fotografiert, oder sich mit dem Thema auseinandersetzt … oder irgendwas … mit Negativ, Bild, Abzug, aufhängen, Kunst oder dergleichen.

Dass es in dem Film eigentlich gar nicht um Fotografie geht (Titel: The Photograph, Plakat: Foto-Negativ, Filminhalt: was völlig anderes – macht Sinn!) konnte ja keiner ahnen. Wer sich ein wenig in Kritiken verfängt, findet auch hier und da das Wörtchen „Smooth Jazz“, und das führt mich zu einer elitären Eliten-Elite, die sich für so etwas interessieren könnte … und tatsächlich finden sich dafür auch wahnsinnig viele Anzeichen im Film wider.

a) die Protagonisten müssen rein überhaupt nichts tun, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sind einfach. „Ich bin, also existiere ich. Stößchen.“ – Klingt nach elitärer Bewegung. Cool.

b) Wenn man genügend Geld hat, sich um existenzielle Dinge einen Scheißdreck scheren muss und zu viel Zeit und Unfug im Schädel hat, dann kommt man ganz schnell in diese Langeweile-Areale, in denen auf einmal völlig andere Dinge wichtig sind: Wer fickt mit wem, wer ist wieder wo mit wem ausgegangen, wer verkehrt mit wem, wer verdient wo wann wieviel Geld … auf Deutsch: tratschen. Auch davon finden wir unfassbar viel in diesem Film wieder.

c) Die Ästhetik. Im Ernst: Schaut euch allein mal den Trailer an und seht dabei genau hin: Das Trägerchen von ihr ist farblich exakt auf das Oberteil von ihm abgestimmt, eine Sekunde später sitzen sie im Restaurant und sind völlig anders gekleidet (macht keinen Sinn, weil es wirklich nur ein harter Schnitt war, aber in solch elitären Kreisen wechselt man natüüüüüürlich die Garderobe vorher), und zwar genau so, dass es auf die Hintergründe und die Pflanzen auf dem Fensterbrett im Bokeh im Restaurant passt – und die Grundierung der Flasche Wein sich exakt in dem Schatten ihrer Ohrringe widerspiegelt…

Ja, der Film trieft vor Ästhetik und jede einzelne fucking Szene ist PERFEKT optisch abgestimmt und ästhetisch so dermaßen ausgewogen, dass es scheppert.

Leider hat man deswegen kaum Zeit gehabt, sich irgendwie um den Plot oder irgendwelche „Vorwärtsbewegungen“ erzählerischer Komponenten zu kümmern, weswegen das Gros der menschlichen Gesellschaft (alles Idioten, dieser Pöbel!) sich mehr oder weniger angewidert und gelangweilt durch diese Scheiße kämpft und selbst meine langjährigen und hartgesottenen Kinofans das Weite suchen, während ich mich brav bis zum Abspann da durch quäle und die Ziffernblätter meiner Apple Watch interessanter finde, als das, was da auf der Leinwand vor sich geht, denn: Dort bewegt sich wenigstens was.

Im Ernst: Es können doch nur solche elitären Vollpfosten sein, die so dermaßen viel Zeit übrig haben, um sich diesen „Ist-Zustand“ über anderthalb Stunden reindröhnen zu können, allen anderen ist die Zeit etwas zu schade dafür.

Und die Plakat- und Titelverarsche obendrein noch ein Kick ins Schienbein.

Naja, irgendwen wird’s freuen. Mich (und eine Menge anderer Leute) definitiv nicht.

Ein Film für elitären Ästhetik-Überschwang, der sich so weit von „Normal“ und „Mensch“ entfernt hat, dass es allen anderen einfach nur weh tut, diesen Film zu sehen. Wenn’s ne Top 5 der schlechtesten Filme dieses Jahres gibt: Dieser hat den Hauptgewinn eingefahren. Sorry – geht gar nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The Photograph
Length: 107 Min.
Rated: FSK 0

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Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt

© 2020 Telepool

Da sagt man immer, die Deutschen könnten keine Filme machen. Haben kein Talent beim Drehbuchschreiben, können nicht „vernünftig“ sprechen, überzeugen mit ihren Arbeiten immer so halblebig und sorgen dafür, dass Worte wie „Bullshit“ eher in meinen Kritiken zu lesen sind, die sich über solche Filme auslassen und nicht im Titel selbst.

Tja, und dann finden sich ein paar fähige Menschen zusammen, nisten sich in der Stadt Ahlen ein und fangen an, ihr Ding zu drehen … und raus kommt diese Wundertüte an empfehlenswertem, deutschen Humor, der so unterhaltsam, lustig und in sich stimmig ist, dass es lautschreienden Kritikern wie mir tatsächlich die Sprache verschlägt.

Jeder weiß, dass ich mich oft durch mieses Filmmaterial quäle und mir daher alles anschaue … und man kennt meine Voreingenommenheit, wenn schon die ersten Minuten eines Films nicht passen und ich merke: „Ok, deutsch“, dass es dann meist schon rum ist.

Faking Bullshit fängt an, knipst irgendwie einen Schalter um und dann ist man auf so hohem, professionellen Level, dass ich mich frage: Wieso kommt so ein Streifen erst jetzt auf die Leinwand?

Genau das hätten wir seit Jahren gebraucht, um im internationalen Wettstreit ebenfalls Dinge abzuliefern, die man auf Showbühnen der Welt präsentieren kann, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen … und ohne Hitler drin zu haben (wofür deutsche Filme nunmal hinlänglich bekannt sind… leider).

Ganz im Ernst? Das Ding hat mich voll abgeholt, mir unzählige Lacher entrungen und durch seine liebenswürdig-nonchalante Art ein Momentum auf der Leinwand kreiert, in das man nur zu gerne abtaucht und das eigentlich viel zu schnell endet.

Die Atmosphäre im Film ist geladen von prunkvollen Ideen, der Cast ist mega aufeinander abgestimmt, die Running Gags zünden jedes Mal und die Portionen Schalk und Humor sind fantastisch abgestimmt, so dass am Ende ein Komplott voller Energie, filmischen Tatendrangs und empfehlenswerter Kost herauskommt, bei dem ich nicht – wie üblich – sage: „Ganz okay, kann man sich anschauen“… nein, ich sage: Zimmert euch diesen Film zwingend in einem möglichst vollen Kinosaal rein, denn zusammen hat man dabei noch viel mehr Spaß als ohnehin schon.

Was bleibt einem da noch weiter übrig, als ein Chapeau auf das Drehbuch, die Idee und die wunderbare Umsetzung zu sagen, den Drink zu kippen und sich dann mit dieser herrlich schrägen Erzählung unterhalten zu lassen?

Wischt jegliche Ideen, die euch beim Besehen des Plakats oder lesen des Titels in den Kopf kommen sollten, behände beiseite und löst absolut entspannt euer Kinoticket für diesen wunderbaren Streifen: Selten hat man in deutschen Filmlanden so wunderbare Kost vorgesetzt bekommen, die ich euch an dieser Stelle uneingeschränkt empfehlen kann. Habt Spaß – und sagt mir gerne in den Kommentaren, wie euch der Titel gefallen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

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Petla

Petla - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Hallo Geheimdienste, macht’s euch gemütlich… Kaffee?

So, da wir nun alle so hübsch beieinander sitzen ein paar kurze Worte über ähm… Realität.

Petla ist ein Film, wie damals Snowden, der voller Wahrheit und krasser Ungeschöntheit glänzt und deswegen im Hauptpublikum so richtig schön derb tief untergeht.

Warum? Denkt nach. Niemand möchte, dass Wahrheiten ans Licht kommen. Keiner möchte, dass Leute Zusammenhänge herstellen und niemand möchte für irgendwelchen Bullshit in der Öffentlichkeit grade stehen.

Und dennoch wundern wir uns an manchen Stellen immer wieder, warum so überdeutlich etwas schief zu laufen scheint, weshalb Menschen auf einmal ganz seltsam reagieren, warum manche (politische) Entscheidungen so völlig skurril und zusammenhanglos getroffen werden … und die Medien berichten darüber, kassieren ihren Lohn und interessieren sich 5 Stunden später nicht weiter dafür.

Das Volk übrigens auch nicht, das wird seit Jahren mit Informationen und Material geflutet, das hat gar keine Zeit und keinen Überblick mehr, um hier irgendwelche Korrelationen herstellen zu können.

Aber wir haben ja Petla. Der kümmert sich hervorragend darum. Zwar nicht um das Zeitproblem (so krass viel, wie da reingepackt werden musste, da ist auch in keinem anderen guten Film genügend Zeit), also hetzt man förmlich durch die Phasen und befindet sich nach der Geburt in Minute 1 bereits im Erwachsenenalter in Minute 5 und es wird dennoch nicht zwingend beruhigender.

Antoni Królikowski und Piotr Stramowski spielen mit einer derart harten Konfrontations- und Brutalitätstour auf, dass man meinen könnte, FSK 18 wurde nicht zu unrecht vergeben… ABER: Es ist viel viel schlimmer, als ihr alle denkt.

Der Film bricht richtig heftig in den Sumpf von blutiger Grausamkeiten, erzählt in kurzen Stücken, wie ein Mensch an gewisse Grenzen geführt werden kann und ist insofern ein unfassbar unterhaltsamer, fresher, über alle Maßen witziger Film, der das Publikum sofort mitreißt und sein Genre total unterhält.

Uns taten die Bauchmuskeln weh vom vielen Lachen, von der Heftigkeit der „Jokes“ und dem ganzen grausamen Brimborium … und ich muss euch an dieser Stelle ein klein wenig spoilern:

Der ganze Shit wird immer abgefuckter und ist einfach mal fucking real.

Es ist wahr.

Facepunch.

Die Welt ist grausam? Irgendwas schlimmes passiert? Blabla – alles schon mal gehört.

Geht fucking nochmal in diesen Film und schaut einmal hin. Glaubt mir, es ist witzig … und gleichzeitig ein heftiger Schlag in die Fresse.

Denn: Anschließend geht ihr ins Netz und schlagt nach, recherchiert einige Zeitungsbeiträge von seriösen Medien (und damit meine ich keine BILD-Pendants aus der Schweiz) und dann fällt euch einiges auf.

Patryk Vega ist in Polen mittlerweile ein gefeierter Regisseur (verdient!) und hat im Presseheft zum Besten geben, dass er Einblicke in die Materialien hatte – also das Originalmaterial … und daraus einen Film gemacht, der einem den „Spielfilm“ nur vorgaukelt, weil so eine Scheiße sowieso niemand glauben würde.

Und nachdem ihr dann aus dem Film raus seid, fragt ihr euch mal, wieso die beiden sich auf der öffentlichen Bühne immer so „seltsam“ begegnen…

Wer?

Russland.

Und die USA.

Und dann zählt 1:1 zusammen und legt euch den Film in euer Regal. Ist quasi ne „Gebrauchsanweisung“, um heutige Korrelationen zu verstehen, die sich da draußen abspielen. Alles deutet darauf hin, dass genau die beiden gemeint sein könnten.

Der witzigste Facepunch, den ich je in meine Cinema-Fresse gekriegt habe… mit einer unerträglichen Dosis Wahrheit: Noch nie haben menschliche Abgründe so viel Spaß gemacht und gleichzeitig so heftig weh getan.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht weiter abgewartet zu werden, irgendwann reicht’s.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Pętla
Length: 105 Min.
Rated: FSK 18

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Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas

Ausgrissn! - Filmplakat
© 2020 Majestic Sunseitn

Es läuft nicht immer alles nur so, wie’s einem die Alten vorgeben … genau das beweisen Julian und Thomas Wittmann in ihrem neuen Film: Ausgrissn! auf valide Art und Weise, und zwar vor und hinter der Kamera.

Die beiden haben sich nämlich eines Tages auf den Weg gemacht und wollten einfach die Freiheit finden… daraus wurde ein Filmprojekt, über das die „Großen der Filmindustrie“ bereits gesagt haben: „Lasst den Schmarrn“ – und die Jungs haben sich geantwortet: „Naa, des machmer jetz oifach.“ – und BÄM, steht auf einmal ein Movie auf der Leinwand, von dem sich die big productions ne fette Scheibe runterschneiden können.

Ausgrissn! ist nicht nur ein Film, sondern wird förmlich zu einem Kult, da hier nicht nur eine Geschichte der zwei Buam erzählt wird, sondern man auch eine gewisse Weltanschauung in Frage stellt und sich auf die Suche nach Alternativen begibt. Dabei werden die konservativ-kritischen Eigenschaften der ländlichen Bevölkerung genauso ins Boot geholt, wie die draufgängerischen Verrücktheiten der Gestörten-Fraktion, die aus altbekannten Weltbildern ausbrechen und einfach die Dinge anders machen wollen. Und da sage ich mal schlicht und einfach: Willkommen im Club.

Gedanken wie „Boah, noch ein Reisefilm“ etc. könnt ihr euch direkt stecken, auch wenn die anfangs vielleicht vorhanden sein sollten: Dieser Sache nehmen sich die Zwei in ihrem neu erschaffenen Genre „Spielfilmdokumentation“ direkt an und bilden hier einen wunderbaren Rahmen aus erzählerischen und fiktiven Elementen, die miteinander verflochten etwas in Perfektion erledigen: Den Nagel auf den Kopf treffen.

Noch nie hat man ganze Landstriche durch ein paar Protagonisten so perfekt beschrieben und ist dabei so immens schnell in einer ergreifenden Story gelandet, die tatsächlich die richtigen Fragen stellt und dabei niemals vergisst, übermäßig viel Herzblut, Seele und Leben in ihre Arbeit zu stecken: Man kümmert sich nicht mehr um die bekannten Instagram-Klischees, sondern fängt wunderbar an zu leben, zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und aus all dem auszubrechen, was einem oftmals von „Omi und Opi“ mitgegeben wurde.

Dass dabei jetzt kein Generationenkonflikt-Gespräch entsteht, sondern auch die Sorgen der „Niedergelassenen“ berücksichtigt werden, zeigt, mit wie viel Umsicht die beiden während ihrer physischen und mentalen Reise umgegangen sind.

Wie sagte mir die Dame vom Verleih? „Die Zwei sin der Kracha“ – und davon durfte ich mich längst persönlich überzeugen, als sie in München im Kino Mond und Sterne-Freilichtkino ihren Streifen vorgestellt haben.

Thomas Wittmann (links), Ben von .kinoticket-blog.de (Mitte) und Julian Wittmann (rechts) auf der Präsentation von Ausgrissn! im Kino, Mond und Sterne in München | © 2020 https://www.kinoticket-blog.de | Andrea Hailer

Wie man am tosenden Applaus nach der Vorstellung bemerken konnte: Die Movie-Obermacker hatten Unrecht: Diese Kombination funktioniert hervorragend und hat das gesamte Publikum begeistert!

Also tut euch selbst einen Gefallen, sucht euch die Tourdaten auf der Homepage des Films raus oder schaut, in welchem Kino ihr den Streifen abgreifen könnt – und gönnt euch die Tour und den ganzen Spaß auf der großen Leinwand: Selten hat es sich so sehr gelohnt, ins Kino zu gehen, wie hier.

Das Herzblut und die Filmseele triefen aus allen Poren und verpacken diese neue Idee in frische Gewänder: Bayerisches Dokutainment mit viel Innovationsgeist und Mut zu neuen Ideen und Lebensweisen.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Es lohnt sich, bis ganz zum Schluss sitzen zu bleiben!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

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Soundtrack: https://amzn.to/3bzTV7Z


Die Epoche des Menschen

Die Epoche des Menschen - Filmplakat
© 2020 Happy Entertainment

Okay, wie machen wir’s?

Halt einmal kurz an, bleib kurz stehen, hol einmal tief Luft … STOPP!

Okay, hab ich deine Aufmerksamkeit?

Gut. Ist heutzutage ja nicht mehr so einfach, wo alles nur noch aus „Drüberwischen“, „schnell hochscrollen“, „kurzer Blick“ und „Ah, schon wieder die nächste App“ besteht.

Und sollte doch mal jemand über den Tellerrand schwappen und sich für etwas eine Stunde Zeit nehmen, oder auch zwei, zum Beispiel einen Film (aber bloß ohne Abspann, gnade dir Gott, du verpasst irgendwas da draußen im Leben, wenn du 1:36 Minuten länger im Saal sitzen bleibst!!!), dann äh … greifen die Vorurteile.

„Anthropozän“ zum Beispiel klingt ja schon mal fürchterlich langweilig, schrecklich, so nach Geologie-Unterricht mit irgendwas … ach komm… keine – uh, da ist Facebook schon wieder…. und Insta….

STOPP!

GEHT. IN. DIESEN. FILM.

´kay?

Wirklich.

Setzt euch ins Auto, parkt das Gefährt in den Tiefgaragen oder irgendwo in einer Seitengasse, schlendert zum Kino, löst ein Ticket und geht in Die Epoche des Menschen. Lasst euch einfach drauf ein.

Das ist kein Film. Keine Doku. Kein „Oh, alles ist schlecht, die Welt geht unter, Blabla-arte-Schrott.“ Das ist auch nichts für die Eliten. Oder Menschen, denen Geografie in der Schule tatsächlich gefallen hat.

Nö.

Das hier ist etwas… anderes. Eigentlich hat der Film gar kein Konzept, kein Drehbuch, keine Richtung gehabt – und zwar von Seiten der Macher aus, sondern sie haben einfach nur gezeigt.

Keine „Wir machen den Planeten kaputt“-Doku, hab ich doch eben schon gesagt.

Was sie hier zeigen, ist irgendwas seelisches. Etwas, das tiefer durch dich durch geht und … ohne Worte … etwas vermittelt. Du spürst, wie ein neues Zeitalter anbricht (angebrochen ist) und dieser Film hilft dir dabei, es zu verstehen.

Ich würde am liebsten meinen ganzen Quatsch, den ich hier grad runterschreibe, in Gänze wieder löschen, aus Angst, ihr schaut euch deswegen dann den Film nicht an.

Ehrlich: Ich hab noch nie etwas so beruhigendes, befriedendes und kurioserweise erholsames gesehen, wie Die Epoche des Menschen.

Dadurch, dass man eben nicht urteilt, dass man nicht hasst, verurteilt, „aufzeigen“ möchte, „Aufklärung machen muss“ oder den ganzen Bullshit, den es seit Jahrhunderten zu geben scheint und den bis heute kein einziger wahrlich in sein Leben aktiv einbaut und umsetzt … und wenn doch, dann gleich so fanatisch, dass es auch wieder kacke ist … dadurch, dass all dies hier nicht vorkommt, ist diese … was eigentlich? „Doku“ ist es nicht… dieses … Ding völlig anders. Reiner. Pur.

Es ist wie eine Bestandsaufnahme (bei dem jetzt viele schon wieder an arte-Dokumentationen denken), merkt ihr, wie verkorkst wir inzwischen eigentlich alle sind?

Die Epoche des Menschen befreit euch davon.

Und wenn ihr ihn gesehen habt, dann sagt mir einfach, wie. Ich hab nämlich keine Ahnung – aber ich weiß, dass es funktioniert.

Das ist kein Film, keine Dokumentation, kein roter Faden oder sowas … sondern höher. Reiner. Es boostet von innen heraus mit der Kraft einer ganzen Epoche – und völlig wertungsfrei. Eines der wichtigsten Dokumente unserer Ära. Unglaublich fesselnd, durchgreifend und extrem wichtig, um alle Zusammenhänge wieder zu verstehen. Ein Must-See.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Ja dann rennt halt raus, mein Gott …

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Anthropocene: The Human Epoch
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0

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After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise

© 2020 Little Dream Pictures

So, jetzt haben wir alle das Plakat gesehen und können uns wieder beruhigen und gemächlich an den Kinokassen ein Ticket für den Film lösen. Und schön Abstand halten dabei.

Was?

Äh…

Ja, genau! Einer der lustigsten, wuscheligsten und coolsten Kidsmovies, die ich seit langem gesehen habe. Und wenn die Kinder förmlich zum Störfaktur mutieren, weil die Erwachsenen im Saal den Film mehr feiern als die Kleinen, dann wisst ihr, was gespielt wird.

Tatsächlich geht man mit einer forschen, absolut fitten und aufgeweckten Schnuffigkeit zur Sache, die nicht nur den Plot voran treibt, sondern ein großartiges Schauspiel auf die Bildfläche zaubert, bei dem alle Faktoren, die mir dabei so einfallen, bestens gelöst werden.

Es ist dramatisch, es ist seelig, man trifft den Nerv der Emotionen. Es ist herzlich, verliebt, kindlich, verspielt, durchtrieben, rasant, wild, abenteuerlustig, magisch, zum Teil episch und es steckt Kohle da drin irgendwie … keine Ahnung.

In China ist dies wohl eine Serie, die man dort schon in vielerlei Hinsicht abfeiert und mit Comics und Episoden gesegnet hat, Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise ist nun der Kinofilm dazu, der allerdings internationale Erfolge einheimst – und das in meinen Augen völlig zu Recht.

Natürlich gibt es immer noch die Menschen, die der Meinung sind, dass ich Kinderfilme grundsätzlich verreiße (Mach ich wirklich diesen Eindruck? 🤷) und ich kann euch sagen: Ganz im Gegenteil. Ich hab ihn gefeiert und mich köstlich darüber amüsiert, dagegen kann sogar der neue Minions-Trailer einpacken!

Um es also nochmal im Presse-Slang zu sagen: Eine der erfolgreichsten chinesischen Cartoon-Shows mit über 600 produzierten Folgen seit 2012 in über 80 Ländern war die Ausgangs-Idee dieses Kinofilms, der selbst inzwischen mehr als 100 Mio. US-Dollar Einnahmen verzeichnen kann und somit zu Chinas zweiterfolgreichstem Animationsfilm gehört und für den Golden Rooster Award nominiert wurde, einem von Chinas wichtigstem Filmpreisen.

Also schnappt alles, was laufen kann, zwei Augen hat und während der Vorstellung die Klappe hält und dann rasch rasch ins Kino: Diesen Film solltet ihr unter gar keinen Umständen nicht gesehen haben 😉

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Sitzen bleiben, hier kommt noch einiges … und auch den Zwischen-Black-Roll abwarten, am Schluss erwartet euch noch eine kleine Szene.

Kinostart: 27. August 2020

Original Title: Xiong chu mo: Yuan shi shi dai
Length: 93 Min.
Rated: FSK 6

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