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New York – Die Welt vor deinen Füßen

NewYork
© 2020 Happy Entertainment

New York – eine Stadt voller Kriminalität, in der man nachts brutal niedergeschossen wird, die zudem von Müllbergen durchkämmt ist und das kriminelle Herz der USA darstellt … es gibt so manches Vorurteil über die Millionenmetropole, die tatsächlich weltweit kaum würdige Ebenbilder als Konkurrenz vorfindet.

Auch hierzulande erleben wir momentan wieder einmal, was Massenpanik in den Köpfen der Menschen anrichten kann und welche gravierenden, negativen Folgen angstgesteuerte Fehlinformationen in der Gesellschaft auslösen.

Dazu kommt eine mittlerweile fast schon normal gewordene Lebensweise von Menschen, die von Zeitdruck, permanentem Stress und einer Dauerbelastung durchzogen ist, die das Pensum eines gesunden Stresslevels längst überschritten hat und in den meisten Fällen zu Krankheiten und in seltenen Fällen sogar zum Tod führt.

Die Erwartungshaltung, der Leistungsanspruch und das Abverlangen von immer mehr in immer kürzerer Zeit bringt so manchen kurz vor den Abgrund.

Matt Green hat sich dieser Lebensweise entsagt und ist eines Tages aufgestanden, um einfach etwas anders zu machen. Ich möchte an dieser Stelle nichts vorweg nehmen, denn ihr kennt mein Credo: Filme sind immer dann am besten, wenn man eingangs möglichst wenig darüber weiß.

Ich hatte das unglaubliche Privileg, diesen Menschen persönlich kennenlernen zu dürfen und seine völlig fremdartige, von vielen als „sinnfrei“ kritisierte Lebenseinstellung näher zu begutachten und bin der Meinung: Genau deshalb ist es wichtig, was dieser Mann getan hat und immer noch tut.

Jeremy Workman hat ihn dabei 3 Jahre lang begleitet und dabei aus über 600 Stunden Filmmaterial ein Werk geschnitten, das in vielerlei Hinsicht für den Zuschauer ein absolutes Juwel darstellt.

Wer sich gegen meine Empfehlung wieder dem Trailer zuwendet, wird vom Film zusätzlich nochmal positiv überrascht. Der vermittelt nämlich einen anfänglichen Eindruck, der das ganze Ausmaß des Films aber kaum wiederzugeben weiß, sondern nur in Teilen anreißt, worauf man sich bei New York – Die Welt vor deinen Füßen einlässt.

Tatsächlich räumt dieser Streifen auf eine beruhigende und spannend simplifizierte Art mit Vorurteilen auf. Und genau diese Einfachheit ist es, die in Summe zusammengetragen den Blick von Tausenden von Zuschauern umlenken und verändern kann – das Potenzial dieser Dokumentation ist unerschöpflich.

Der Grund, den viele automatisch suchen, erhebt sich aus der totalen Entspanntheit, die Green auch auf dem Screening rübergebracht hat. Beim Q&A wurde erneut deutlich, wie leistungsversessen, aufgeregt und überdreht die Menschheit heutzutage geworden ist.

Doch auch für Liebhaber von Schönem, Menschen, die Humor mögen (und davon gibt‘s in dem Film reichlich) und Personen, die sich Weltreisen momentan nicht erlauben können oder möchten, strotzt diese Doku nur so vor Reichtum, Lebensfreude und einer Idee, die brillanter eigentlich kaum sein könnte: Ganz ehrlich? Ich bewundere ihn, ich bewundere diese Entscheidung und ich sehe mich in Teilen in seinem Tun auch ein Stück weit selbst.

It‘s not just another one… Auch hier fällt es mir grade schwer, mit möglichen Vorurteilen gegenüber „Dokus“ | „Amerika“ | „New York“ | „Intellektuellen-Blabla“ aufzuräumen und fordere etwas unglaublich teures von euch: Vertrauen.

Vertraut mir, wenn ich euch sage: Schaut diesen Film in dem Drang nach Entdeckungen. Findet all die Perlen, die Schönheit, die Eleganz der euch umgebenden Natur, Menschen, Kulturen, Botschaften. Macht diese intime Reise in eine Nation mit, die euch wahrlich traumhafte Ecken einer Stadt vorstellt und Dinge zeigt, die man als Außenstehender so wohl niemals gesehen hätte.

Es ist das liebevollste, ehrlichste, unkomplizierteste und beherzteste Portrait, dass ich je von dieser Stadt zu Gesicht bekommen habe und am Ende eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen der Erzählweise einfach funktioniert, einen bleibenden Eindruck hinterlässt und nicht zuletzt Menschen zu Hunderten wieder zusammenführt, um gemeinsam etwas zu erleben und am Ende das Gefühl zu genießen: „Ich war mit dabei.“

Dieser Coup ist Workman definitiv gelungen.

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Kino ist ja bekanntlich nicht nur die Chance, einfach den Film zu sehen, sondern sollte im Optimalfall ja immer noch das gewisse Extra liefern, das den großen Unterschied zu Streamingportalen und TV ausmacht.

Wie wär‘s denn, wenn ihr auch die Chance dazu hättet, Regisseur Jeremy Workman und Hauptdarsteller Matt Green auf einer Kinotour zu begegnen und euch die Dokumentation bereits bei den Publikumsvorführungen vorab anzuschauen?

Diese finden in den kommenden Tagen nämlich noch in folgenden Städten statt:

Donnerstag, 05. März 2020 um 20:30 Uhr in Wien im Votiv Kino
Samstag, 07. März 2020 um 19:30 Uhr im Abaton in Hamburg

und abschließend am Montag, 09. März 2020 um 20:00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain in der Hauptstadt in Berlin.

Lasst euch diese wunderbare Chance nicht entgehen und entdeckt den wahren Fundus an kreativer Inspiration einfach hautnah zum Anfassen und stellt im Anschluss dann eure Fragen dazu.

.kinoticket-Empfehlung: Ein großartiges Portrait einer Stadt, eines Menschen in dieser Stadt und einer Lebensweise, die uns allen zu denken geben sollte, ob die Welt im Kollektiv momentan nicht auf dem falschen Dampfer ist. Ein wahres Juwel in der Welt der Dokumentationen mit einer lang nachhallenden Botschaft. Reingehen!

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Stadtläufer Matt Green (links) mit Regisseur Jeremy Workman (rechts) | © Florian Jänicke
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Nachspann: Beinhaltet keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: The World Before Your Feet
Length: 95 Min.
Rated: FSK 0


Der Unsichtbare

© 2020 Universal Pictures International

Ich hatte wieder einmal das pure Glück, diesen Film gesehen zu haben, bevor mir der erste Trailer auf der Leinwand präsentiert wurde. Der nämlich enttäuscht auf ganzer Linie.

Der Unsichtbare ist kein klassischer Gruselschocker, der sich lapidar mit Ideenlosigkeit anbiedert, sondern das neue Werk von SAW-Autor Leigh Whannell liefert jede Menge sehenswerte Momente, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Schon zu Anfang punktet man mit einer düsteren, jedoch hoch professionellen Stimmung, die dem Zuschauer ein Umfeld bietet, in dem er sich zwar die Gänsehaut über den Rücken jagen kann, dabei aber nicht in seiner Intelligenz beleidigt wird. Man erschafft eine Atmosphäre, die von dem großartigen Können der Produktionsdesigner und den Vorstellungen von Whannell lebt.

Das Beachtenswerte in meinen Augen ist hierbei, dass man zwar immer wieder Anreißer in Richtung Ghost-Shocking und Übernatürlichkeit aufwartet, jedoch dabei niemals den Absprung zur Lächerlichkeit vollzieht, sondern stets eine konsequente, gut durchdachte und neu konstruierte Linie alter Monster auffährt.

Kurz gesagt: Man merkt jeder Szene an, dass diese Filmemacher kein B-Movie produzieren wollten, sondern jeden Handgriff ihres Tuns sehr wohl verstehen.

Dieses Niveau reißt den Film unweigerlich aus dem Sumpf seiner Konkurrenten nach oben und bietet dem Zuschauer wieder einmal die Chance, wohl dosierten Grusel auf der Leinwand zu genießen.

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch darauf ein und vermeidet am besten jegliche inhaltliche Infos vorab: Ins Blaue hinein entdecken liefert hier den größten Mehrwert.

Nachspann: Gibt keine sehenswerten Szenen mehr preis, man darf den Saal also zum Putzen freigeben.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Invisible Man
Length: 125 Min.
Rated: FSK 16


Parasite

Parasite - Filmplakat
© 2019 Koch Films | Capelight Pictures

Parasite klingt erstmal nach einem Film billigerer Machart, in dem günstige Horror-Elemente und viel Gore-Gekröse auf einen zukommen und den Kinozuschauer gewissermaßen unterhalten sollen.

Tatsächlich ist dieser Gedanke allerdings grundlegend falsch, denn was hier auf den Fahnen geschrieben steht, ist von einem Niveau, dass man selten im Kino sieht und von dem ich direkt angesteckt war.

Bong Joon Ho lässt uns Westländer auch wieder an China oder Japan denken, jedoch ist das Ursprungsland dieses Films Südkorea, ein Land, von dem man als Außenstehender ziemlich wenig weiß und quasi über jede noch so kleine Information dankbar ist.

Somit hätte man schon den ersten, tiefenpsychologischen Ansatz: Den Titel als Parasiten zu deklarieren, der uns Außenstehenden Einblick nach drinnen gibt und Dinge verrät, an die wir sonst nicht so einfach rankommen.

Tatsächlich ist es überragend, mit welcher Liebe man sich hier der Ausschmückung der einzelnen Charaktere widmet und mit welcher Inbrunst man die Intensität der Lebensweise demystifiziert.

Dabei schafft man so viel Charme, Sympathie und Mitgefühl, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse recht schnell verschwimmen und man – getragen von der Professionalität dieser Erzählung – in einer Sachlage landet, die einen enorm an die Leinwand bindet. Und ab da wird’s extrem spannend!

Wenn zu den Pressevorführungen und im Presseheft vom Regisseur schon die Bitte an die Presse getragen wird: “Ich bitte Sie inständig: Verzichten Sie auf Spoiler“, dann weiß man direkt, dass hier sehr viel Augenmerk auf den Inhalt und den Twist gelegt wird. Genau das erinnert mich an die Spannung als Kind, einen Film nach dem anderen auszugraben und ihm sein Geheimnis entlocken zu können.

Südkorea beweist mit Parasite, dass genau dieses kindliche Entdeckergen noch längst nicht befriedigt und übersättigt im Saal sitzen muss, sondern solche Späße auch im 21. Jahrhundert noch bestens funktionieren.

Somit bleibt mir eigentlich nur noch eine Bitte zu stellen:

.kinoticket-Empfehlung: Ich bitte Sie inständig: Geht in diesen Film und lasst euch dieses kuriose Meisterwerk modernen Kinos auf keinen Fall entgehen: Ihr werdet den Inhalt lange nicht vergessen können und habt auch anschließend genügend Material zum Nachdenken in der Tasche.

Nachspann: Wartet mit keinen Überraschungen mehr auf – rausgehen erlaubt!

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: Parasite
Length: 131 Min.
Rated: FSK 16


After the Wedding

After the Wedding - Filmplakat
© 2019 Telepool

2006 – Nach der Hochzeit. Susanne Biers. Bevor ihr fragt. Ja. Hat’s schonmal gegeben. Ist aber nicht weiter schlimm. Und sollte euch auch gar nicht interessieren.

Denn so erfreulich die originalgetreue Übersetzung ins Englische (hä? :D), so erstaunlich geil der Film! Julianne Moore und Michelle Williams hauen hier ein Charakterportrait raus, das euch seelisch schockfrosten lässt vor Erstaunen und Verblüffung. Der gesamte Film trägt einen mit einer dermaßen ruhigen, erzählerischen Wucht durch die Zeit und obliegt dabei nur seinen eigenen Regeln.

Die werden von meiner Zeitungs-Elite natürlich wieder stark kritisiert, haben für mich in dem Film aber so wunderbar funktioniert, dass ich quasi geistig niedergeschlagen erstarrt im Stuhl saß wie die Maus vor der Schlange.

Selten habe ich eine solche Intensität und durchdringende Gefühlswelt auf der Leinwand erlebt, bei der der Anschluss ans Massenphänomen einfach gepasst hat: Man muss hier mit Klischees arbeiten – anders funktioniert das nicht, und ehrlich gesagt: Anders wollte ich es gar nicht.

Dafür bekommt man inhaltlich dermaßen eins auf die Zwölf, dass dir Hören und Sehen vergeht. Und wann habt ihr zuletzt schon mal einen Film gesehen, dessen Stärke tatsächlich Inhalt war?

Dazu kommt, dass auch vom Cast her hier alles perfekt matcht: Die Bewegungen, die Grazilität, das sanfte Umherschwirren der zarten Seelen und Eindrücke wird so rührend wiedergegeben: Gebt mir ein Bett, das aus diesem Film besteht, und ich werde niemals wieder daraus aufstehen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine gewaltige Explosion von Zärtlichkeit, Harmonie und intensiven Gefühlen. Ein Naturschauspiel menschlichen Talents, das man auf keinen Fall verpasst haben darf!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: After the Wedding
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6


Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte - Filmplakat
© 2019 Weltkino Filmverleih GmbH

Als ich jüngst davon sprach, dass demnächst noch einige tolle Movies ins Kino kommen werden, die sich mit den Ereignissen von vor 30 Jahren auseinandersetzen, und dabei immer wieder einen Film hervorhob, der diese historische Aufarbeitung mit Bravour erledigt, meinte ich diesen hier: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte.

Im Gespräch mit Matthias Bruhn, einem der beiden Regisseure, erwähnte dieser nochmal, dass sich das Zielpublikum im Verlauf der Dreharbeiten eigentlich von “für Kinder” zu “für alle” entwickelte, denn genau diesen Eindruck hatte ich bereits zu den Pressevorführungen vorab schon gewinnen können: Was hier geliefert wird, ist ein einmaliger Blick hinter die Kulissen der DDR und des damals vorherrschenden Systems – aus Sicht von Kindern.

In einer Welt, in der das Wort immer weniger an Bedeutung behält, man überflutet wird von Informationen, teilweisen Falschmeldungen und irregeführten Eindrücken, die sich als Tatsachen behaupten möchten, verliert manchmal die Wahrheit ein Stück weit sich selbst. Es entsteht ein Bild, das die Dinge nicht mehr richtig beleuchtet und ein völlig verdrehtes Gedankengut erschafft, woraus wiederum viele politische und gesellschaftliche Irrlichter entstehen (können), die dann zu absurden Auseinandersetzungen führen, von denen es heute mehr als genug gibt.

In heutiger Zeit haben viele die wahre Identität ihrer Vergangenheit vergessen, ausgeblendet oder stückweise so an ihr Wunschdenken angepasst, dass dieses mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hat. An genau diesem Punkt greift Fritzi – Eine Wendewundergeschichte ein und erzählt – basierend auf wahren Erlebnissen – die Dinge, die damals zum Teil wirklich so passiert sind – und das auf eine erstaunlich einfache und bildungsreiche Art und Weise.

Vielen ist nicht mehr klar, was dieses Gesäusel über diese Epoche im TV wirklich bedeutet. Man verliert das Augenmerk, weil immer wieder etwas darüber gebracht wird, die Stimmen darüber nie verstummen und man manchmal das Gefühl hat, das nur noch trotzig darüber berichtet wird, damit es einfach niemals aufhört.

Welcher Jugendliche möchte sich heute freiwillig mit so etwas auseinandersetzen?

Dazu kommt eine Generation, die von den Ereignissen einfach keinen blassen Schimmer mehr hat, weil die einen Systemwandel niemals erlebt haben, geschweigedenn einen einfachen Führungswechsel in der Politik. Wie können Fehler der Vergangenheit dann vermieden werden, wenn niemand mehr darüber Bescheid weiß?

Des Weiteren hatte ich oft das Gefühl, man verlangt eine gewisse Grundkenntnis über manche Dinge und wird als “dumm” bezeichnet, wenn man über selbige nicht verfügt. Wer nicht fragen darf, kann es nicht wissen – und da kommt Fritzi ins Spiel und fragt. Diese simple Idee schafft hier einen Fundus über die geschichtliche Vergangenheit, die dem Bildungsauftrag extrem nachkommt und über historische Gegebenheiten aufklärt, die frei von politischem Kauderwelsch oder den lahmen Erzählungen von “Opa vom Krieg” sind. Dadurch, dass hier tatsächlich der Rahmen auf den Fokus von Kids gelegt wurde, bleibt es absolut verständlich und erschafft dennoch den Blick auf die komplexen Verwirrungen dieses Systems.

Durch diese Herausarbeitung ist meiner Meinung nach den Schöpfern des Films ein Meisterwerk gelungen, das sich auf eine Ebene mit Werk ohne Autor und Das Leben der Anderen stellen darf, denn großartig andere Erzählungen über diese Zeit, die dieses Potenzial an geschichtlicher Aufarbeitung in sich tragen, gibt es auf den Leinwänden kaum mehr nennenswerte.

Ein weiterer fantastischer Punkt war die örtliche Gegebenheit, in der dieser Film seine Deutschlandpremiere feierte und der tatsächlich auch in der Story eine große Rolle spielt: Die Nikolaikirche in Leipzig.

Ich durfte zur Premiere vor Ort sein und habe viele wunderbare Menschen getroffen, tolle Gespräche geführt und eine fantastische Premiere erleben dürfen, von der ihr im Anschluss noch ein paar Aufnahmen bewundern könnt.

Mit dabei waren u.a. Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn, Autorin der Buchvorlage Hanna Schott sowie Drehbuchautorin Beate Völcker, Winfried Glatzeder – Sprecher des Stasi-Offiziers im Film sowie Ben Blümel vom KiKa, Michael Kölmel und Dietmar Güntsche – die Geschäftsführer von Weltkino und einiges an Prominenz wie z.B. Oliver Schenk – Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Kamilla Senjo, Dr. Med. Carsten Lekutat, Peter Escher, Thomas Schoppe, Bülent Sharif und Rosalind Baffoe.

Nachspann: Darf man gerne noch mitnehmen, hier gibt’s noch ein paar tolle Animationen.

Kinostart: 9. Oktober 2019

Original Title: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte
Length: 86 Min.
Rated: FSK 6


M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit

MC Escher - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Seine Werke kennt sicherlich jeder – zumindest das Bild mit der “unendlichen Treppe” hat inzwischen jeder schon mal zu Gesicht bekommen: M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit ist der Film dazu, der das Leben und die Suche nach mathematischer Perfektion dazu untermalt.

Selten war ich so gebannt von einem Kunstfilm, über den ich quasi nichts anderes sagen kann als “Art at it’s best”.

Und dafür muss man kein mathematisches Genie sein: Allein schon die Zeichnungen von der Leinwand herab auf sich wirken zu lassen verändert etwas in einem, von dem auch die Presse durchweg positiv ergriffen war.

Was sich in der Beschreibung vermutlich schrecklich langweilig anhören wird, was selbst ein Trailer kaum zu vermitteln mag: Es dauert nicht lange und der Streifen zieht dich in sein Geflecht aus lebensverändernder Geschicklichkeit, von der keiner bereuen wird, sie gesehen zu haben.

Ich würde sagen: Insider. Definitiv mitnehmen. Auch, wenn ihr nicht im Kunstkurs der Abendschule eingetragen seid: Allein schon, um mir hinterher zu erklären, warum dieser Film so eine unglaubliche Wirkung auf einen hat. Danach fühlt man sich dermaßen gut unterhalten und positiv gepusht… Keine Ahnung: Mir fehlen seit langem mal wieder die richtigen Worte, um das treffend zu beschreiben.

Also hört auf zu labern, denkt nicht drüber nach, geht in den Film.

Danken könnt ihr mir hinterher.

.kinoticket-Empfehlung: Selten war Kunst so etwas positives, lebensbejahendes, durchgreifend Aufrüttelndes: Die tiefen Einblicke, fast schon technischer Zeichnernatur, in das Leben eines Großmeisters verändern unbeschreibliche Dinge in einem, für die ich bis heute keine richtigen Worte finde. Geht rein!

Nachspann: Braucht man nicht mitnehmen, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Escher: Het Oneindige Zocken
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0


Intrigo: In Liebe, Agnes (Gewinnspiel)

Intrigo - Gewinnspiel - Preis
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de | Coverdesign: btb

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein reiner Gewinnspiel-Beitrag, der zum Kinostart der Intrigo-Filmreihe veröffentlicht wurde.

Wie euch sicherlich bereits aufgefallen ist, starteten die Intrigo-Filme nicht im September, sondern erst diese Woche, weshalb mir der Verleih auch nochmals ein Gewinnspiel aufs Auge drückte, um meine Leserschaft im wahrsten Sinne des Wortes zu befriedigen.

Zur Verfügung stehen insgesamt drei statthafte Bücher, in denen sensationelle fünf Kurzgeschichten von Håkan Nesser inkludiert sind, die ich hiermit zur Feier des Kinostarts an euch weiterverlosen möchte.

Dies umfasst folgende Stories:

  • Tom
  • Tod eines Autors
  • In Liebe, Agnes
  • Die Wildorchidee aus Samaria
  • Sämtliche Informationen in der Sache

Um an dieses literarische Schmuckstück zu gelangen, beantwortet in den Kommentaren folgende Frage:

Welches Genre lest ihr am liebsten und was fasziniert euch daran? Und warum möchtet ihr das Buch gewinnen?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich 14. Oktober 2019 eingehen, entscheidet das Los und die Gewinner/innen werden anschließend via E-Mail benachrichtigt und nach der Adresse zwecks Versand gefragt. Gebt diesbezüglich bitte wieder eine gültige E-Mail an, unter der ihr erreichbar seid.

Viel Glück – und wer sich nochmal den Beitrag mit der Filmkritik durchlesen möchte, bitte hier entlang: https://www.kinoticket-blog.de/intrigo-in-liebe-agnes/

Ich drück auch die Daumen 🙂


Eine ganz heiße Nummer 2.0

Eine ganz heiße Nummer 2.0 - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Eine ganz heiße Nummer feierte bereits im Oktober 2011 einen grandiosen Erfolg und sagenhafte acht Jahre später entschließt man sich nun, das Trio Infernale der bayerischen Ländlichkeit wieder auf die Kinoleinwände loszulassen und bringt mit Eine ganz heiße Nummer 2.0 erneut ein Schmuckstück des Humors in die Kinos, das sich den Weg in die Herzen ländlicher Heimatliebe schwer erkämpft hat.

Als Zielpublikum würde ich mich jetzt nicht mal mehr konsequent auf‘s ARD– und ZDF-Publikum festlegen wollen, denn den Film habe ich nun schon mehrfach gesehen und bin selbst tatsächlich genüsslich davon angetan.

Man ist witzig, urig, bayerisch zünftig, kommt mit der seit Eberhofer gängigen bayerischen Mundart gut zurecht und liefert hier ein humorvolles Ensemble, das sich gewissermaßen thematisch an die Moderne angepasst hat.

In einer Welt des Stresses und der unablässigen Reizüberflutung tut es einfach gut, in einem Film zu landen, in dem alles noch normal scheint, gerade deshalb aber zu unüberwindbaren Problemen führt, die die Frage nach Modernität und Aktualität stellen.

Der Zustand, den man sich als moderner Bürger kaum noch vorstellen kann, wird hier einfach vorausgesetzt und man beschäftigt sich rückwirkend wieder mit der Meisterfrage: Ja oder nein?

Dieses „back-to-the-roots“-Gefühl, die Simplizität des Lebens nochmal genießen zu können und gleichzeitig mit neuen Gedanken und aktualisierten Einstellungen die Dinge des Alltags völlig neu bewerten zu dürfen, macht nebenbei im Kino richtig Spaß.

Dazu gibt‘s tolle Musik, heimatliche Szenen und Bilder und jede Menge Spaß im Kino, der sich durchaus auch für Zielgruppen-Fremde lohnen kann.

Just give it a try.

.kinoticket-Empfehlung: Herzlich, urig, witzig, voll sprühender Lebensfreude und Tatendrang, um den Anschluss nicht zu verlieren: Diese Komödie ist nicht nur für die Generation 50+ gedacht – reingehen!

Nachspann: Der Song ist ziemlich cool, es folgen aber keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Eine ganz heiße Nummer 2.0
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12


Zwischen uns die Mauer

Zwischen uns die Mauer - Filmplakat
© 2019 Alpenrepublik GmbH

Erinnert ihr euch, dass ich kürzlich erwähnte, dass der Mauerfall sein 30jähriges feiert? Im Zuge dessen macht man viel in den Kunstschmieden der Welt und ich finde es toll, wie qualitativ hochwertig die diesjährigen Filme über die Zeit der Grenze und -öffnung tatsächlich sind.

Ich höre schon landesweites Stöhnen darüber, weil keiner mehr mit dem Thema mitziehen möchte, es niemanden interessiert und quasi kaum eine Minute im Leben vergeht, in der nicht irgendwo irgendwas über diese Epoche ausgestrahlt wird – vergesst all das.

Trinkt ein Glas Wasser, zieht euch was warmes an, sucht das nächstbeste Kino auf und löst ein Kinoticket für Zwischen uns die Mauer. Ja, vielleicht blöder Titel, der einige Vermutungen anstellen lässt, aber ihr wisst ja: Vorurteile = böse. Also lasst es.

Tatsächlich hat mich in den vergangenen Jahren oft die nostalgisch-schwelgende Art von Menschen gestört, die vermutlich keine Minute in der DDR gelebt haben und sich nun nach einem System sehnen, in dem angeblich alles so viel besser war: Das Bild, das von der DDR gezeichnet wurde, war in meinen Augen romantisch verklärt und keinesfalls korrekt und wahrheitsgemäß.

Dies holen Filme wie dieser nun mit Bravour nach und eröffnen, unter welch schwierigen Bedingungen Freigeister und Menschen mit ganz normalen Sehnsüchten leben mussten und wie abnormal der Alltag „drüben“ gewesen ist.

Genau diese Entwicklung sehe ich in vielen der Titel, die zum diesjährigen Jubiläum gestartet werden und es freut mich ungemein, dass der Wahrheit nun endlich Genüge getan wird. Vorbei mit falschen Behauptungen, vorbei mit selektiver Wahrnehmung, rein in die Wirklichkeit – basierend auf dem autobiografischen Roman von Katja Hildebrand, den zu lesen ich seitdem auf meiner To-Do-Liste habe.

.kinoticket-Empfehlung: Endlich spricht man breitflächig die Wahrheit über das System „DDR“ und zeigt anhand einer wunderbaren wahren Begebenheit, was damals wirklich Sache war. Kein „Just another … movie“, sondern absolut positiv überraschend – geht unbedingt rein!

Nachspann: Muss man nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Zwischen uns die Mauer
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6


Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Enzo und die wundersame Welt der Menschen - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Die Übersetzungs-Titel-Problematik hatten wir ja schon oft thematisiert: Englische Originale, die inzwischen von immer mehr Deutschen ebenfalls verstanden werden würden, erfahren üble Sprachverbrechen, wenn es darum geht, sie in die jeweilige Landessprache zu transportieren.

Die Folge: Im Titel landet meist irgendwas mit „Tod“ (verkauft sich anscheinend besser) und unfassbar viel sprachliche Ästhetik geht verloren – und mit ihr oft gleich ein großes Stück Sinn hinter den sicherlich weise gewählten Worten.

Schaut man sich The Art of Racing in the Rain einmal genauer an, merkt man sofort, dass hier nahezu romantisches Potenzial steckt und dies keins der üblichen Billigheimer sein kann, die bei solchen Titelbildern in dieser Kategorie Film normalerweise zu erwarten wären.

Und ja, ich bin immer noch kein Hundefreund und habe immer noch nicht wirklich meinen Frieden mit eben jenen Filmen geschlossen, die auf den „Oh Tier – süß“-Button drücken und damit Emotionsdrüsentränen verströmt sehen wollen. Funktioniert bei mir nicht.

Und ich liebe Enzo und die wundersame Welt der Menschen. Das liegt jedoch nicht (nur) daran, dass Patrick Dempsey Produzent der ganzen Sache ist, sondern schlichtweg daran, dass die Macher en gros verstanden haben, wie man Geschichten erzählt.

Das hier ist eine. Eine die packt, eine die wunderbar ist, eine, die man gerne anschaut bzw. liest. Nicht umsonst war die Buchvorlage dazu 3½ Jahre auf den Bestsellerlisten und wurde in 38 Sprachen übersetzt: Das schreit förmlich nach Kino!

Und voilà: Hier ist es. Großartig gecastet, großartig gefilmt mit einer Stärke, auf die immer mehr Filme verzichten: Einen sensationellen Plot, der Wert auf Inhalt und nicht auf Kitsch legt und damit allen anderen seines Fachs weit voraus ist.

Dass es hier nicht zwingend um den Hund geht (wie man es z.B. von Bailey kennt), sondern tatsächlich The Art of Racing in the Rain gezeichnet wird, zeugt von künstlerischem Charakter und wartet mit viel Liebe, Gefühlsdetailreichtum und jeder Menge großartiger Szenen und Momenten auf, die herzerwärmend sind und keinerlei Aggression hervorrufen.

.kinoticket-Empfehlung: Ihr müsst nicht schon wieder durch einen Tierfilm, ihr solltet stattdessen aufgebaute Vorurteile ablegen und euch auf diese großartige Geschichte einlassen, deren Stärke intensiver Inhalt ist und die von dramatischem Kitsch nichts wissen möchte. Wenn Hundefilme (falsches Wort!), dann so hier!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: The Art of Racing in the Rain
Length: 109 Min.
Rated: FSK 6