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Wo ist Kyra?

Wo ist Kyra - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

I’m late – ich weiß… und ich breche Regeln: Meine 1-Entry-per-Day-Regel, um die Vergangenheit ein wenig schneller aufzuarbeiten und die Filme wenigstens noch mit ins Archiv aufzunehmen, auch wenn diese längst aus dem Kino verschwunden sein dürften … oder auch gar nicht erst dort aufgetaucht sind.

Gesehen hab ich ihn trotzdem und es gehört zum Berufsethos, dann darüber auch einen Eintrag zu machen, auch wenn dieser – getreu dem dieswöchtigen Motto – nicht sonderlich positiv ausfallen dürfte.

Wie jetzt? Dem Plakat nach zu urteilen überschüttet sich die Presse ja förmlich geradezu damit, Michelle Pfeiffer in ihrem Comeback zu lobpreisen. Oder ist dies einfach nur der verzweifelte Versuch, eine Frau wieder an den Start zu bringen, deren Tage längst gezählt sind?

Ja, mir sagt der Name etwas und ich musste – zugegeben – ebenfalls wikipedieren, um zu wissen, aus welchen Filmen ich diese Frau nochmal genau kenne: Dark Shadows – das Vampir-Ding mit Johnny Depp. Auch davor hat sie bedeutende Rollen in weniger bedeutenden Filmen gespielt und sich ein paar mal Welterfolge durch Rollenablehnungen verweigert: Irgendwie kam diese Dame nie so richtig auf den grünen Zweig.

Und auch, wer behaupten möchte, dass sie nun durch ihr Mitwirken in namhaften Megablockbustern wie Ant-Man and the Wasp oder Avengers: Endgame eine Karriere bekommt: Geld – vielleicht, Karriere? Wohl weniger. Immerhin tritt sie dort zwar so auf, dass man sie erkennt und wahrnimmt, aber so richtig im Rampenlicht stehen andere. Durch die Vielzahl an Monströsitäten steigt auch sie hier nicht als Starlight auf das alleinige Treppchen des Ruhms, sondern ist nur ein Laternchen unter vielen.

Dann jetzt vom “großen Comeback” zu sprechen empfinde ich hier also maßlos übertrieben, auch wenn sie in diesem Film eine gute Rolle hinlegt und ihre Abgewracktheit wunderbar zum besten gibt. Dennoch ist der Plot für mich unbefriedigend und auch das Mitwirken von Kiefer Sutherland wirkt seltsam – warum gibt er sich für so etwas her?

Die Thematik ist schwierig zu behandeln, und es gibt tatsächlich wenige Filme, die das erfolgreich geschafft haben, da rettet meiner Meinung nach auch dieser Versuch nichts mehr dran, sondern es wirkt aufgesetzt und selbstkünstlerisch inszeniert, als würde sich eine längst ausgestorbene Riege an Schauspielern selbst feiern, die in der heutigen Zeit längst nichts mehr zu sagen haben.

.kinoticket-Empfehlung: Kühl inszeniert, teils gut gespielt, aber als Plot nicht wirklich rund geschrieben und lückenhaft umgesetzt: Mir fehlt ein Ziel oder das durchschlagende Etwas, das diesen Film zum Erfolg macht. Es fühlt sich eher nach unrealistischer Selbstbeweihräucherung im Schauspiel an, als dass hier tatsächlich der große Wurf gelungen wäre.

Nachspann: Wartet nicht mit mehr Material auf. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 27. Juni 2019

Original Title: Where is Kyra?
Length: 98 Min.
Rated: FSK 6


Photograph

Photograph - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Es ist die Woche des Verrisses – wie mir scheint … denn heute haben wir erneut ein Werk, dessen Kinopublikation schon eine Weile vorrüber ist, und von dessen Leben und Ableben keiner so richtig etwas mitbekommen hat.

Ich kenne einige, die versucht haben, über diesen Film etwas zu bringen und die selbst von den verantwortlichen Pressestellen abgewiesen wurden. Zu Recht?

Photograph zählt für mich als Fotograf in erster Linie erstmal zu den interessanteren Titeln, weil selbst in der Vergangenheit Filme über “Bildermacher” meist interessante Lektüre waren, die man sich als Branchenkenner gerne angesehen hat.

Doch diesmal strotzt aus meinem Mund keine Begeisterung, sondern eher ein flaues “Naja”.

Ich kenne ein paar der asiatischen Schinken, ich weiß, was Bollywood zu bieten hat und ich bin auch anders kulturell ausgerichteten Movies wenig abgeneigt. Was man hier allerdings produziert hat, ist in meinen Augen nichts weiter als ein warmer Aufguss eines nicht erfolgreichen Films vergangener Tage.

Die Story schippert so gemütlich vor sich hin, ohne großartig zu fesseln oder mit Pointen zu überraschen. Alles plätschert in einer langwierigen Gemütlichkeit und desolaten Unerträglichkeit vor sich hin, ohne den Zuschauer zu packen oder durch spannende Wendepunkte zu fesseln.

Stattdessen begreift man als Vielseher relativ früh, was gleich passieren wird und muss sich dann minutenlang damit abfinden, dass der Regisseur sich immer noch nicht dazu entschieden hat, den Plotpunkt endlich zu erreichen und abzuarbeiten.

Dadurch werden selbst in heutigen Tagen relativ kurze 109 Minuten zu unerträglicher Unendlichkeit, worüber dann auch die typisch-indische Bildgewalt nicht mehr hinweg hilft.

Am enttäuschendsten fand ich aber den Schluss: Irgendwie gibt es kein Ende, keine Offenbarung, kein Twist oder etwas, dass das beruhigende Gefühl eines Sinns in diesen Film integrieren würde, sondern man geht aus dem Saal und hat eigentlich nur eine Sinnkrise danach.

War das Ziel des Unternehmens? Ich glaube weniger.

.kinoticket-Empfehlung: Punktet nicht durch Stetigkeit oder fesselnde Twists, sondern plätschert sinnlos umher und rettet sich auch nicht mehr durch großartige Bilder – eher ein Touristen-Nepp als eine großartige Attraktion. Schade.

Nachspann: Enthält keine weiteren Szenen. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 11. Juli 2019

Original Title: Photograph
Length: 109 Min.
Rated: FSK 0


I Am Mother

I Am Mother - Filmplakat
© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

I Am Mother ist für mich wieder mal einer der Filme, die alles verkackt haben, was nur irgend möglich ist. Ganz ehrlich? Es regt mich auf! Und zwar tierisch!

Wie oft hab ich schon den Satz runtergebügelt, dass ich Science Fiction liebe und man mich mit Weltall und Zukunftsdystopie immer dran kriegt. Dreimal dürft ihr raten, was euch in dieser Roboter-SciFi-Welt erwartet … Bingo! Ich also, als kleiner Depp völlig unwissend im Kino, freue mich auf einen galanten Film mit neuen technischen Mitteln und dem aktuellen Geist der Zeit und finde? Langeweile.

Yo, SciFi ist das Genre, in dem man sich aus den Spuren der Vergangenheit erheben und den Menschen in absurde Züge entführen und sie vor völlig andere, neue Regeln schmeißen kann, mit denen sie sich dann auseinandersetzen müssen. Die Frage nach dem Warum stellen. Die Dinge analysieren. Mit ihnen völlig unbekannten Tatsachen klar kommen und sich so aus dem schleimigen Trott der Menschheit und ihrer eingefahrenen Regeln erheben müssen.

Da gibt es dann so viele, herzlich geile Möglichkeiten, wie man als Regisseur dieser Dinge frönen kann, um diese geistige Anforderung möglichst exzellent auszuleben und den Zuschauer nicht durch stupides Weltraumgeballer niederzuknüppeln, sondern eben ein gutes Genre gedeihen zu lassen, was sich immer wieder den Herausforderungen stellt und sie neu auf die Waage bringt.

Und I am Mother? Hat an all dem einfach mal überhaupt kein Interesse.

Und dabei geht es hauptsächlich um die grundlegende Arbeit, die am Anfang einer Story steht: Das Heraufbeschwören von Figuren, Menschen, Lebewesen und einer Welt, in der sich all das dann abspielen soll.

Ja, dieser Titel trägt bereits das “Mother” im Namen und lässt somit anklingen, dass es sich hierbei um familiäre Komplexe handelt, die es auszutüfteln gibt. Aber so?

Der ganze Film strotzt nur so vor Weiblichkeit, dass einem schlecht wird. Und ich meine jetzt nicht das “Ich hasse Frauen”-schlecht, sondern vielmehr stelle ich die Frage: Was hat dieser Schwachsinn bitteschön im Weltall verloren? Warum muss man dafür auf “andere Planeten”?

Hätte man daraus einen Genderwahnsinnswirwolleneuchalleaufweckenmissionsfilm gemacht, wäre ich voll bei euch. Aber das?

Ihr spuckt auf ein Genre. Im ganzen Movie ist nicht ein einziger Mann oder männliche Person zu sehen, sondern alles – wirklich alles – ist derart extrem verweiblicht, dass es fern jeder Realität ist.

Nicht nur die Figuren sind, bewusst, weiblich angelegt, sondern auch die Bewegungen, das Schreien, die “Sorgen” etc. – hier geht’s niemals um Dinge, die eigentlich logisch wären (z.B. in einer Notsituation erstmal zu überleben), sondern klischeerührend “Oh mein Gott – das Kind!”.

Auch diese dämlich-verallgemeinernde Bezeichnung von allem … Ein paar “Namen” hätten dem Plot gut getan und trotzdem erkennen lassen, dass es sich hier um “weibliche Protagonistinnen” handelt.

Wäre von “Anna” die Rede, würde ich auch nicht per se vermuten, dass das jetzt zwingend männliche Eigenschaften aufweisen muss. Aber dieses ständige “Tochter!” und “Mutter”-Gelaber lässt viel mehr auf einen unfassbar unkritischen und eingeschnappt-langatmigen Feministinnen-Schwachsinn hindeuten getreu dem Motto: “Wir brauchen mal etwas, wo wir allen beweisen, dass es eben auch ohne euch weiße alte Männerpisser geht” – und damit raubt man sich selbst die Ehre und entzieht sich allen Boden unter den Füßen.

Der Film hat nämlich auch gutes: Das Set. Gleich zu Einführung das rührselige Gefühl von “Yeah – Raumschiff” – was in meinen Augen ziemlich gut designt ist und immer wieder für optische Augenweiden sorgt – allerdings hat man vergessen, eine Geschichte in dieses geile Set hineinzuschreiben.

Oder der Twist (keine Angst, Blog ist und bleibt spoilerfrei) liefert auch ein Bombardement an Geilheit ab – was das Set angeht.

Meine Reaktion?

.kinoticket-Empfehlung: Fuck – gebt mir das Set und ein paar Kameras und ich dreh endlich den Film, der dieser brachialen Welt würdig ist. Die hier habens vollständig verkackt. Sorry.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: I Am Mother
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12


Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

Mein Lotta-Leben - Filmplakat
© 2019 Wild Bunch

Mein Lotta Leben wurde bereits in 33 Sprachen übersetzt … ein Erfolg, der innerhalb des Lotta-Universums mit inzwischen über 3,8 Millionen verkauften Exemplaren geradezu nach einem Film schreit.

Und der ist phänomenal geworden.

Yup, ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten, in die Materie einzutauchen, weil mir die Machart anfangs nicht zusagte. Dieser Umstand ist aber bald vergessen und dann sitzt man nicht nur als Zielpublikums-Kiddo, sondern auch als Familienoberhaupt mit im Kino und freut sich über diesen Kinderbuch-Gaudi. So andersartig die Machart der Präsentation am Anfang des Films wirkt, so sehr gehört sie am Ende einfach dazu und man kann sich nicht mehr vorstellen, dass es anders hätte produziert werden können.

Damit erachte ich diesen Film als absolut gelungen an und lege euch ans Herz, ihn wirklich zu schauen – denn die Art ist tatsächlich mal völlig anders, als man Kinderfilme sonst so kennt.

.kinoticket-Empfehlung: Spaßiges Adventure, viel irrsinniger Humor und für Kinder als auch für Erwachsene gut herausgearbeitet. Als Familienfilm absolut zu empfehlen.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. August 2019

Original Title: Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!
Length: 95 Min.
Rated: FSK 0


Das zweite Leben des Monsieur Alain

Das zweite Leben des Monsieur Alain - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Hervé Mimran zeugt mit seinem neuesten Kinowerk davon, dass Klischees oft nicht brauchbar sind. Eines davon wäre: “Frankreich kann Komödien”. Können sie, dies hier ist aber keine.

Und oftmals erwische ich viele kleine Gedanken von Leuten, die französische Cover sehen oder irgendwelche Accent-Namen auf den Plakaten entdecken, deren Erwartungen dann immer in Richtung “Das muss lustig sein” tendieren.

Kein Grund, Das zweite Leben des Monsieur Alain zu verschmähen: Der Typ hat bereits in einigen Werken mitgewirkt, die den César – das französische Pendant zum Oscar – abgegriffen haben, er weiß also was mit seinem Handwerk anzufangen.

Und das spielt man hier professionell aus und landet in einer Riege, die zwar nicht sonderlich komisch, dafür aber umso ergreifender ist und in emotionale Gefilde eintaucht, die in meinen Augen wunderbar austariert und in sich verschlungen sind, so dass einem eine grandiose Reise der Seele im Kinosaal gelingt. Der Zuschauer wird in vielleicht ihm unbekannte Welten gerissen und erlebt einen umschmeichelnden Wandel von Persönlichkeiten, die aus ihrem Alltag gerissen und dazu gezwungen werden, sich neu zu orientieren.

Meine Worte lesen sich selbst schon fast wieder kitschig, aber ich versicher euch, dass hiervon im Film absolut nichts bemerkt wird: Die Story ist voll mit Leben und Seele und sowohl Fabrice Luchini als auch Leïla Bekhti überzeugen voll in ihren Rollen.

Und all das ist keine Fiktion, sondern basiert auf der Autobiografie des Konzernmanagers Christian Streiff und dessen Verarbeitung mit den Erlebnissen.

.kinoticket-Empfehlung: Wer etwas fürs Herz sucht, ist hier genau richtig. Und nein: Kein Romantic Comedy oder Schnulzenscheiß, sondern oscarwürdige Veredelung von Gefühlen, Emotionen und Erlebnissen, die tief in das Innere der Seele vorgreifen und für mächtig Unruhe sorgen.

Nachspann: Hier kommen noch einige Ausschnitte, sitzenbleiben erlaubt.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Un Homme Pressé
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0


Paranza – Der Clan der Kinder

Paranza - Der Clan der Kinder - Filmplakat
© 2019 PROKINO Filmverleih GmbH

Der Cineast ist kriminalverwöhnt. Es gibt kaum Filme, in denen nicht irgendein Leid geschieht oder Kriminalität in bildhafter Sprache zum Ausdruck kommt und somit in Teilen die Realität dieser Welt abbildet.

Paranza – Der Clan der Kinder ist ein eindrückliches Werk, dessen Hauptaufgabe es ist, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. Die Schauplätze wurden zwar im richtigen Land gewählt, jedoch weist man ausdrücklich darauf hin, dass dies keine Tatsachenberichte sind oder gar die realen Zustände dieser Regionen wiederspiegeln.

Wenn solche “Warnungen” bereits ausgesprochen werden, könnt ihr euch vorstellen, mit wie viel überzeugendem Realismus man hier eine Schauspieler-Fraktion auf die Welt loslässt – und welch einschlagende Ergebnisse die Kids liefern. Trotzdem: Bestsellerverfilmung – und keine Realität!

Ja, ich weise ständig darauf hin – dies zeigt vielleicht ein klein wenig meine Begeisterung über dieses Werk, das großartigen Meilensteinen der Kinogeschichte Konkurrenz macht und in 20-30 Jahren mal selbst auf dem Treppchen der zeitlosen Klassiker stehen wird.

Coming-of-Age als Genre zu wählen, gehört derzeit grade zum guten Ton in der Filmwelt: Die Darsteller werden immer jünger, den Kids wird immer mehr zugemutet und immer öfters enden solche Unternehmungen darin, dass die Hauptdarsteller*innen ihre eigenen Filme nicht sehen dürfen, weil “zu jung”.

Ganz so krass ist es bei Paranza zwar noch nicht, jedoch ist die Wirkung zugegebenermaßen umso heftiger, je jünger das darstellende Publikum ist.

Und damit hat man in meinen Augen einen Hit abgeliefert, der zurecht in den Nischen als Favorit gehandelt wird. Sucht euch die Kinos in den dunklen Gassen und genießt das nervenzerreißende Abenteuer. Es lohnt sich!

.kinoticket-Empfehlung: Der Pate kommt in die Pubertät und fesselt den Zuschauer gebannt an die Leinwand: Dieses Coming-of-Age-Drama müsst ihr gesehen haben!

Nachspann: Muss man nicht ausharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: La Paranza Dei Bambini
Length: 105 Min.
Rated: FSK 16


Gloria – Das Leben wartet nicht

Gloria - Filmplakat
© 2019 SquareOne Entertainment GmbH

Time has come … time has gone bye … Gloria ist in erster Linie eine Vergötterung der 80er Jahre, was man gleich zu Beginn merkt. Hierbei habe ich in den vergangenen Wochen ein interessantes Phänomen beobachtet: Ich fand den Film ehrlich gesagt ziemlich doof (erklär ich gleich, warum), aber: Sämtliches Publikum älterer Generation feiert ihn ab, als gäbe es kein Morgen.

Dann schleppt man die nächsten in die Spotlight-Vorstellungen und führt den Film vor in Erwartung an gleichmeinigender Negativ-Kritik und hört: “Nö, fand ihn ehrlich gesagt ziemlich gut.”

What?

Ich weiß selbst, dass es im Kino eigentlich viel zu wenig solcher Filme gibt, die nicht mit einer dermaßen immensen Filmgeschwindigkeit auftrumpfen, sondern alternde Gemütlichkeit an den Tag legen. Der bestrebend erschwerte Vorwärtsdrang und immerwährende Lärm der letzten Jahre zehrt ungemerkt an vielen Nerven und es sollte eigentlich unfassbar gut tun, mal einen Film zu erleben, der sich wirklich in allem tragend Zeit lässt und niemanden großartig erschreckt.

Darin ist Gloria groß: Es passiert quasi kaum etwas und der ganze Plot wäre in einem kurzen Satz erzählt. Dennoch hat mich die Machart des Films gleich zu Beginn extrem gestört.

Ich selbst bin ein Kind der 80er – ich bin aufgewachsen in genau den Klängen, die man dort auflegt – und zwar dankenderweise mal nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern eben auch ein paar Klamotten aus den Nischenkisten dieses Jahrzehnts. Und das tat selbst mir richtig gut – zumindest so lange, bis alles von den üblen Cuts zerschnitten wurde. Ganz im Ernst: Hat da jemand einfach keinen Bock mehr gehabt und einfach gesagt: Schluss aus, weiter, nächste Szene? Die Schitte im ganzen Film sind derart wüst – kein einziger Fade oder mal sanfter Ausklang oder auch mal ein Songtitel noch in die nächste Szene reinklingen lassen … nein, immer abruptes Abbrechen und Sofortstopp ohne Gnade. Was bringt das? Gegenteilig zur sanften Ruhe und Ausgeglichenheit, die man offensichtlich ja eigentlich ausstrahlen wollte oder? Ich checks nicht.

Dazu gepaart die seelige Es-passiert-absolut-nichts-Stimmung, in denen Julianne Moore singt und singt und singt … ja, auch ich habe begriffen, dass sie die nächsten Plot-Teile immer durch ihre Songtexte vorher selbst spoilert, aber was zur Hölle soll das? ARD für Arme, damit auch ja keiner Herzinfarkt kriegt, weil mal irgendwas passiert?

Nichts gegen Moore oder auch Turturro: Letzteren kennt unsereiner eher aus Blockbuster-Krachern wie Transformers oder gar noch aus The Big Lebowski, aber auch er nervt in seiner Persönlichkeit hier eher, als dass man ihn “witzig” und unterhaltsam findet. Zumindest ging’s mir so: Die ganz Show war einfach armselig banal und langweilig und hat meiner Meinung nach eher im TV als im Kino etwas verloren, weil selbst der Zeitgeist dieses Jahrzehnts dadurch nur bedingt rüberkommt und man den rettenden Absprung ins “Ach scheiß drauf, lass einfach leben” eben im Film nicht wirklich zelebriert, sondern alles nur dröge dahin siecht.

Was also finden alle an dem Teil so geil, dass mir keiner mit negativer Kritik ankommt und sagt: “Naja, geht so?” Dass der Film realistisch ist? Dass das genau so passieren kann? Dass man im Alter träger wird und sich eine statische Langsamkeit einstellt, in der eben einfach nicht mehr wild getanzt werden muss, sondern man froh ist, wenn man morgens aufwacht und noch in normalen Zyklen atmet?

Sorry, wenn das grad alles etwas altersfeindlich klingt – auch ich bin nicht mehr der Jüngste und den “Boyz freaking Out”-Zeiten hat mein Körper ebenfalls bereits den Kampf angesagt, jedoch kann’s doch echt nicht sein, dass es so dermaßen gravierende Generationenunterschiede gibt, die einen so krass unterschiedlichen Geschmack an diesem Film kenntlich machen, wie ich es in den letzten Wochen so erlebt habe?

Tell me – was findet ihr an dem Teil so heiß? Kinopublikum übrigens vorwiegend ältere Frauen: Genau denen hätte ich das Werk jetzt auch zugeschrieben. Ändert nichts an meiner Meinung, Geschmäcker sind jedoch zum Glück immer verschieden. Transformers-Bubis sitzen hier aber definitiv im falschen Film.

.kinoticket-Empfehlung: Der Film hält, was der Trailer nicht verspricht: Hier werden wohl viele enttäuscht rausgehen, dafür punktet er mit mir unbegreiflichen Komponenten, die allernorts Gefallen auslösen, mich aber ehrlich enttäuscht haben: 80er Jahre Style kurz vorm seelischen Tod in einer höchst merkwürdigen Story, die kaum Bewegung liefert, aber das Volk begeistert. Dann bitte >> Genießt die Show.

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Gloria Bell
Length: 102 Min.
Rated: FSK 0


Measure of a Man – Ein fetter Sommer

Measure of a Man - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Dieser “Sommer” ist quasi fast untergegangen, zumindest hab ich mal keine großartigen Kinos gefunden, die diesen Film überhaupt plakatiert haben. Und das in meinen Augen völlig zu Unrecht.

Natürlich kann man jetzt anfangen mit dem großartigen Donald Sutherland, der hier auch wirklich wieder eine grandiose Rolle abliefert und seinem unterschwelligen Bombast nochmal einen Schippe drauf legt, ich finde jedoch, dass dieser Film durch ganz andere Paritäten glänzt.

Zum einen: Blake Cooper. Ja, es tut den ganzen Film über weh, zu sehen, wie diesem Kerl zugesetzt wird und wie er sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder auferhebt und über seine psychisch angeknackste Seele stolpert, um am Ende zu wahrer Größe zu finden. Klingt kitschig? Ist es aber nicht.

Was mich zu Punkt 2 führt: Genau dieses ausgequetschte Konzept von Versager und Held, von Loser und Gewinner, von “Ich helf dir, du hilfst mir” ist in der Filmgeschichte gefühlt in jedem Film zu finden. Measure of a Man konzipiert daraus aber ein vollkommen anderes Erlebnis und erzeugt Gefühle in einem, die man bis dato so nicht kannte – zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

Diese Geschichte rührt von einem Bestseller aus der Bücherwelt – und das zu Recht – und hat in meinen Augen auf der Leinwand viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren, was man nun dringend nachholen sollte. Inzwischen dürfte der Titel ja auch in den VoD-Vorratsschränken aufgetaucht sein. Aus diesem Grund hab ich beschlossen, trotz meiner unfassbaren Langsamkeit gerade, diesen Titel doch noch ins Blog-Archiv zu integrieren: Er ist viel zu gut, als dass er irgendwo in Vergessenheit geraten dürfte.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Plot, der aus bekannten Elementen etwas völlig neues zimmert und dabei die Emotionen der Seele aufs Tiefste anspricht: Dazu ein wundervoller Cast, rührselige Bilder und eine Geschichte, die von wahrer Größe erzählt.

Nachspann: Muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Measure of a Man
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Back to Maracanã

Back to Maracana - Filmplakat
© 2019 jip Film & Verleih

Fußballfilme sind derzeit wieder aktuell, aus diesem Grund wird cineastisch alles vor die Kamera gezerrt, was sich nicht rechtzeitig sträubt.

Back to Maracanã ist allerdings kein Film über einen Fußballspieler oder eine Doku über einen Verein, auch wenn die Handlung an wahre Ereignisse anlehnt und sich quasi im Rahmen des Spielfeldes bewegt.

Jedoch blieb bei mir bei diesem Film die Begeisterung einigermaßen gebändigt. Das Problem ist, dass man nicht die euphorische Kraft und geballte Sehnsucht der Fans loslassen kann, sondern mit einem Plot an die Menschen heran tritt, der irgendwie nicht so richtig weiß, wohin er will.

Damit hat man zwar Fußball – ja – aber mit einer Story, die eben keine Richtung aufweist und am Ende auch irgendwie keinen Sinn macht. Wichtige Elemente der Geschichte muss man erraten oder sich selbst herleiten und fragt sich deshalb als Zuschauer des Öfteren einmal, was das alles überhaupt soll.

Dies ist insofern enttäuschend, als dass man in fremde Länder abgetaucht und hier tatsächlich die Chance hätte, andere Fußballkultur etwas besser kennen zu lernen und zu erleben.

Somit würde ich diesen Film als Mittelklasseevent einstufen, dass zwar nice anzusehen ist, aber eben nicht wirklich mit Power überzeugt.

.kinoticket-Empfehlung: Handelt im Rahmen von Fußball, ist aber keine Doku und lässt somit die pure Begeisterung der Fans auf der Strecke. Einige Punkte der Erzählung erschließen sich für den Zuschauer nur schwer.

Nachspann: Seichter Abgang, also rennt nicht gleich raus 😉

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Back to Maracanã
Length: 92 Min.
Rated: FSK 0


Vox Lux

VOX Lux - Filmplakat
© 2019 Kinostar

Das Plakat wirbt mit einer “gewaltigen Provokation” und ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob der Zuschauer damit gemeint ist oder man – wie anzunehmen wäre – den Stoff anspricht. Provokativ ist es auf jeden Fall – und zwar für den Zuschauer, der sich seines Geldes beraubt sieht und nicht weiß, wie hoch die Verarsche noch sein kann, die einem da von der Leinwand aus entgegen schlägt.

In den USA hat dieser Titel sein Release bereits verjähren lassen und scheinbar hatte hierzulande keiner Lust, auf den aktuellen Zug mit aufzuspringen und den Streifen ins Programm aufzunehmen, weil er dort zu schlecht ankam?

Warum produziert man so etwas nicht als Direct-to-DVD-Option und lässt die Kinoauswertung aussen vor? Dann besinnt man sich automatisch bloß auf die Fan-Anhängerschaft und belässt es als Nischenprodukt ohne “gewaltige Wirkung”. Das hätte wohl so manche Peinlichkeit erspart.

Nichts gegen Natalie Portman oder Jude Law – beides herausragende Darsteller, die in der Vergangenheit wunderbare Werke abgeliefert und sich ihre Titel und Anerkennungen damit redlich verdient haben – doch in diesem Plot?

All das ist absolut übertrieben, driftet mit Vollkaracho in die “In den USA ist jeder behindert”-Klischeewand und reißt dann mit unübersichtlichen Besetzungsproblemen und irgendwelchen lapidaren Annahmen absolut nichts mehr aus dem Häuschen.

Singen? Irgendwo wirbt man mit Sia, die tatsächlich ein zwei Songs rausgebracht hat und tatsächlich singen kann – aber auf der Leinwand geht’s darum irgendwie überhaupt nicht, sondern man macht einfach was, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann zusammenhanglos irgendwas, vielleicht ist’s ein Rückblick – vielleicht aber auch einfach nur – ach nee, das ist .. hä? Warum ist die jetzt in der Vergangenheit die andere und die andere auf einmal wieder ne andere? Was war das nochmal? Nee … ach egal.

Genau das ist das breitflächige Gefühl gewesen, nach dem sich die Presse samt mir einig darüber war, dass Vox Lux (der Titel hat übrigens auch überhaupt nix mit dem Film zu tun komischerweise) der schlechteste Film des Jahres überhaupt ist.

Und diesen Titel muss man sich auch bei mir toleranter Sau erst einmal redlich verdienen.

Schade drum. Potenzial hat das Ding nämlich.

.kinoticket-Empfehlung: Ein absoluter Schuss, für den noch nicht mal ein Ofen herhalten will: Grausam zusammengestellt, absolut null kuratiert und für den Zuschauer eine reine Langeweile.

Nachspann: Hat noch zwei Hintergrundbilder … muss man aber nicht zwingend abwarten.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Vox Lux
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12