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Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution

Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution - Filmplakat
© 2020 Entertainment One Germany GmbH

Eine Sache, die mich schon immer gewundert hat: Dass thematische Sachen sich irgendwie anzuziehen scheinen. Oftmals sogar extrem übergreifend: Wenn an einem Tag zum Beispiel mehrere Pressevorführungen stattgefunden haben, teils von komplett unterschiedlichen Labels, waren die Inhalte des Films überraschend oft thematisch übereinstimmend.

In Anlehnung an meinen Beitrag von gestern geht es heute wieder um das Thema Rechte der Frau – und das soll keine langweilige Show und ermüdendes Fingeraufzeigen werden, sondern der nächste Punkt in dieser Kontroverse.

Niemals Selten Manchmal Immer hat sich eher mit der körperlichen Selbstbestimmung der Frau auseinandergesetzt, Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution ist nun tatsächliche Realität, denn diese Begebenheiten sind wahr und die Protagonisten darin echt.

Diesmal geht es um die öffentliche Wahrnehmung von Frauen, sowohl in den Medien als auch grundsätzlich in der Gesellschaft. Es ist ein bekanntes Problem, dass der Körper und das Erscheinungsbild einer Frau oft sexualisiert, objektifiziert und als Mittel in der Werbeindustrie eingesetzt wird und dies bei Männern definitiv nicht so der Fall ist.

Hierbei werden die Persönlichkeit und das Gesamtbild eines Menschen vollkommen beschnitten und auf die niedrigste Stufe der Wahrnehmung runtergebrochen, was nicht nur unethisch, sondern in höchstem Maße verwerflich ist.

Frauen sind ob ihrer anderen Körperformen keine minderwertigeren Geschöpfe, die deshalb weniger im Kopf hätten oder als Objekt für Fantasien und Vorstellungen benutzt werden dürfen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – jedes Individuum ist gleich – vor dem Gesetz und in seinen Rechten. Dieses Optimum einer Vorstellung dieser Welt ist weit entfernt von der Realität, in der eben immer wieder Unterschiede gemacht werden, die diese Menschen verletzen.

Dass die Medien hier eine tragende Rolle in dieser Angelegenheit spielen, steht außer Frage: Nirgendwo werden Frauen mehr verachtet, als in den darstellenden Medien.

Und die männliche Riege wundert sich, warum die Frauen sich beschweren – und kommen gleichzeitig nicht damit klar, wenn sie von Gays als „Männliches Objekt der Begierde“ wahrgenommen und angegraben werden. Genau diese Umstände erleben Frauen tagtäglich, in vielerlei Hinsicht. Es ist, als würden permanent die Alarmglocken schrillen und man müsste immer auf der Hut sein, weil einem hinterhergepfiffen wird oder irgendwelche dummen Sprüche zu einem rüber fliegen.

Ihr Männer wollt das nicht, die Frauen wollen das genauso nicht. Aber als Mann ruft ihr trotzdem über die Straße, grapscht Frauen an ihre Körper oder bedrängt und belästigt sie, nach dem Motto „Ihr wollt das doch auch“.

Nein. Wollen sie nicht.

Und genau diese Atmosphäre der Enteignung von Persönlichkeit und Würde füllt diesen Film. Er zeigt das schroffe, unerträglich harte Bild einer Welt, die – auch heute – für viele immer noch als normal betrachtet wird – und Leute, das ist sie nicht.

Tatsächlich haben sich diese Ereignisse bereits im Jahr 1970 abgespielt und der Film ist auch in dieser Zeitepoche angesiedelt und zeigt die Welt „von damals“. Das Erschreckende daran ist aber: 2020 – ganze 50 Jahre später – hat sich daran so gut wie rein gar nichts geändert. Es ist, als wäre die Welt in diesem Punkt nahezu stehen geblieben und die meisten Menschen wägen sich immer noch in den falschen Idealen von 1970.

Genau diesen Aspekt kreide ich persönlich dem Streifen ein wenig an, denn ich hätte mir viel mehr „Ausbruch“ und „Revolution“ gewünscht, bezogen auf die heutige Situation. Dass es damals aber schon ein Tabubruch war, wenn eine Frau etwas gesagt hat, verschärft die Situation eigentlich nur noch. Dennoch fährt man hier Avancen auf, die eben die Frau wieder als „unterwürfiges Stück“ präsentieren und nicht als selbstbewusste, aufrechte und würdevolle Person, die den Männern ebenbürtig entgegentreten kann und sollte.

Dass ein Film, der sich um die Rechte der Frauen kümmern möchte, selbst an solchen Problemen zu scheitern scheint, zeigt, wie brisant und extrem aktuell das Thema immer noch ist: Frauen haben immer noch nicht die gleichen Rechte und Voraussetzungen, um z.B. im Berufsleben ein genauso würdiges Leben und Fundament aufzubauen, wie es Männern gegeben ist.

Und auch in der Gesellschaft sehen viele Menschen „die Frau an der Seite des Mannes“ und nicht als eigenständiges Wesen, dass sogar die Vorherrschaft innerhalb einer Beziehung einnehmen könnte.

„Der Mann ist an der Seite der Frau und arbeitet ihr zu“ – merkt ihr? Fühlt sich komisch an, oder? Genau diese Denkstrukturen öffnen und ebnen den Weg hin zu einer Gesellschaft, in der Frauen niemals als gleichwertige Wesen angesehen werden können – und diese Umstände sollten nach 21. Jahrhunderten Menschheitsgeschichte eigentlich vollkommen anders sein.

Dass dieses Thema auf den Tisch kommt und die Frauen gewürdigt werden, die damals diese Revolution losgetreten haben, ist dem Film definitiv hoch anzurechnen – daraufhin müssen aber noch viele Diskussionen, Einsichten, Konversationen und Aufklärung folgen, um den Menschen als Ganzes klar zu machen, dass es tatsächlich Missstände gibt. Und es ist die Aufgabe von jedem einzelnen von uns allen, die so schnell als möglich auszuräumen und jedem Menschen ein würdiges, respektables und anständiges Leben zu ermöglichen.

Dieser Film zeichnet das schreckliche Bild der Entwürdigung eines kompletten Geschlechts und macht in seiner Weise auf die vielen Missstände aufmerksam, die eine Gesellschaft bis heute versäumt hat, endlich auszuräumen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Misbehaviour
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/2SmaA5Z
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


The Outpost – Überleben ist alles

The Outpost - Überleben ist alles - Filmplakat
© 2020 Telepool

First things first: Lass uns mal ein paar Dinge grundlegend klassifizieren, damit es hier zu keinen dümmlichen Diskussionen kommt.

Es gab mal eine Zeit (meine Kindheit), da waren auf der Leinwand Freiheiten vorhanden, die es im regulären Leben niemals gegeben hätte: Dass kleine Kinder z.B. großen Kriegsaktionen zuschauen dürfen (Nachrichten) oder dass man Menschen in Stücke säbelt (Horrorfilme), oder dass man dumme Ideen mit einem seriösen Touch als künstlerischen Erfolg auf die Leinwand bringt und es öffentlich gewürdigt und mit Preisen übersät wird … Damals war es noch ein niemals Wahrheit werdender Traum, darüber nachzudenken, dass man „großartige Monsterreihen“ mal gegeneinander antreten lässt.

„Uhhhh geil, Predator kämpft gegen Alien – was ist das für eine filmische Ehre und was für ein Meilenstein in der Geschichte… wuuuuhhh“

Inzwischen ist alles passiert. Die „shocking moments“, wenn man nach einem Film Marke „unbelievable“ dann „basierend auf wahren Begebenheiten“ gelesen hat, sind längst Geschichte und ziehen heute niemanden mehr hinter dem Sofa vor den Bildschirm.

Durch die immense Vielfalt und das schiere Überangebot an Filmmaterial und „Geschichten“, die im Verlaufe der Jahre wieder und wieder runtergerattert werden, fing man auch ganz unverblümt und unbemerkt an, sich mit den Dingen einfach abzufinden. War es damals noch gravierend, wenn die Dorfschänke die Öffnungszeiten um 30 Minuten anpasste, würde ein Journalist, der heute solch einen Artikel verfassen würde, wegen Belanglosigkeit wahrscheinlich auf die Straße gesetzt werden.

Natürlich hat man inzwischen auch alle möglichen Schandtaten von „Neeeeeeeeein, das ist die Regieeeeeeeerung, die würde doch NIEEEEEEEEEEMALS sowas zulassen, immerhin werden die von Hunderten von Leuten gesehen, das ist Quatsch, was du da erzählst“ aus allen möglichen Perspektiven auserzählt und mit eindringlichen Movies glaubhaft und zur Genüge dargestellt, so dass auch da ein gewisser Interessensabflau an der Tagesordnung ist, getreu dem Motto: „Nee, das ist zwar exakt die selbe Story wie der andere Film da, AAAAABER der Typ heißt Mave und nicht Conrad!!!!!!111“

Als Kind hab ich immer den Standpunkt vertreten: Lasst auf der Leinwand passieren, was immer ihr möchtet – genau das ist eure Spielwiese, bei der niemand irgendeinen Schaden erleidet, sondern alles fiktiv, alles machbar und selbst die absurdesten Fantasien und Gedankenausflüchte kann man dort völlig schadenfrei ausleben.

Wer also gern mal einen Menschen zerstückeln will: Rein in die Movies, anschauen, wie sie der Reihe nach wie die Fliegen niedergemetzelt werden, dann wieder rausgehen, brav seine Limo austrinken und ab ins Bett.

Passt – und funktioniert perfekt.

Inzwischen … ja, inzwischen sind wir im Kollektiv bei so ziemlich jeder Abnormität aus dem Alltag eines ganzen unüberschaubaren Planeten mit Livestream dabei und daher übersättigt von „Millionen von Leichen“ und die üblichen Mahnmähler von Kriegsfilmen verfehlen inzwischen vollständig ihre Wirkung.

Unter politischen, ethischen oder belehrenden Aspekten also inzwischen ein völlig nutzloses Genre, das keinerlei Mehrwert im bildungstechnischen Sinne mehr aufweist, und dennoch kein Griff ins Klo.

Tatsächlich ist The Outpost – Überleben ist alles super ehrlich mit seinem Publikum – und das fängt schon beim Plakat an: Es ist drin, was drauf steht, es wird geliefert, was erwartet wird und die Zuschauer werden bereits nach einer Sekunde auf das Genre vorbereitet, was dafür sorgt, dass hier wirklich nur die Leute rein gehen, die genau so etwas sehen wollen.

Warum mein kranzlanger „Vorspann“ dazu?

Weil hier nämlich dann die „Wertung“ keine Rolle mehr spielt. Man muss diesen Film nicht mehr unter political correctness oder ethischen Standpunkten bewerten und sich dann darüber aufregen, wie heroisch patriotisch diese „meist ausgezeichneten Soldaten“ doch ihren unglaublichen Kampf für das Wohle der Menschheit geleis….. – nein: Es geht um etwas völlig anderes.

Inzwischen ist mir persönlich (der dieses Genre defacto ziemlich liebt) diese schnulzige Moralapostel-Komponente bei solchen Streifen nämlich auch in Galle und Leber übergelaufen und stimmt mich säuerlich, weil so etwas in heutiger Zeit einfach nicht mehr sein muss.

Damals hat man Kriegsfilme gesehen mit Jahreszahlen wie 1979 – und dachte sich (als deppertes Kind): Mei, die haben’s halt nicht besser gewusst, aber nun ist man ja schlauer und würde so etwas Wahnsinniges nie wieder Wirklichkeit werden lassen. Passt – Film, andere Zeit – abgehakt.

Inzwischen lesen wir andere Jahreszahlen, die eben nicht aus düsterer Vergangenheit mit Schrammen am Mittelalter markiert sind, sondern 2009 oder höher ausfallen, und denkt sich: Ähm… Was ist kaputt bei denen, die so etwas beginnen und durchziehen?

Yo, genau das sind die Bilder des Krieges, der euch in den Medien als abendfüllende Unterhaltung mit tageschau-Logo verpackt serviert wurde – und das ist hässlicher Scheiß, den man auch im Nachgang nicht zwingend huldigen muss – wir hätten andere Optionen…. AAAAABER wollten an dieser Stelle ja nicht diskutieren.

Wieso also der Film?

Weil Freunde dieses Genres einfach ne geile Schlacht sehen wollen. Weil man ins Kino geht, um es ordentlich rummsen zu hören, um zu testen, was die alten Bassboxen im hinteren Eck noch alles so drauf haben und zu spüren, dass irgendwie alles eskaliert, bis am Schluss dann alles in Rauch und Flammen aufgeht und man vorher möglichst lange etwas von diesem irrsinnigen Schauspiel genießen konnte.

Und genau das bringt dann die Frage auf: Was ist euch Soldaten das wert? Euer Leben für so einen …. Bullshit … zu riskieren, nur damit wir Idioten hinterher im Kino sitzen und uns von euren toten Kameraden unterhalten lassen können? Muss man dafür heute noch Krieg spielen?

Der Effekt des vernichtenden Schauspiels funktioniert hervorragend, zieht mächtig an, sorgt für selten Langeweile und rummst ordentlich und durch die Bank weg, so dass Freunde dessen tatsächlich auf ihre Kosten kommen.

Der „Moraleffekt“ wird am Schluss jedoch auch geholt – und in meinen Augen völlig übertrieben. Natürlich ist es ganz nett, die wahren, echten Personen vor die Kamera zu holen und ihre echten Gesichter zu zeigen, auch in Kriegsfilmen ist dies eine hohe Würdigung, die durchaus auch funktionieren kann (Stichwort: Clint Eastwood). Hier wird’s jedoch vollständig übertrieben und immer wieder noch einer oben drauf gesetzt, dass man als Zuschauer – ohne oben besagten Anspruch – auf einmal das Gefühl hat, man will einem doch verkaufen, wie geil die Army ist und dass es sich lohnt, dort einzutreten, weil all der Schmerz und die zerbrochenen Seelen am Schluss keine deutliche Sprache sprechen.

Das Ding funktioniert in Amerika, dort haben sie einfach eine völlig andere Grundeinstellung zu solchen Dingen und sind damit im Alltag völlig anders verankert (dort wird der Film auch hoch gelobt und gefeiert), stößt hierzulande aber wieder auf völliges Unverständnis und macht im Prinzip den „Gaudi“ von vorher dann vollständig kaputt.

Und über all diese Dinge muss man mit einem mega dicken Fell hinwegsehen, dann hat man einen großartigen Film, der gut unterhält, der eine wahre Geschichte erzählt (die in Wahrheit eines der größten Fiaskos in der Geschichte der amerikanischen Kriegsführung ist) und der damit extrem mies umgeht, wenn’s um die Aufarbeitung der Geschehnisse geht, um der Sache doch wieder etwas Ernsthaftigkeit abzugewinnen.

Da diese Tatsache wiederum aber diejenigen kaum stören dürfte, die sich aufgrund des Plakats für den Film entscheiden, siegt hier wieder die unverdrossene Ehrlichkeit der Gesamtpackung: Das Konzept geht auf und die Zuschauer des Films dürften zufrieden wieder von dannen ziehen.

Auf dass alle in unserer Realität damit aufhören, solche Kriege weiterhin existieren zu lassen.

Es kracht, es pfeift, es scheppert und unterhält auf einem Niveau, bei dem man nicht werten darf, und bastelt sich am Ende ein paar Fallstricke, indem man doch noch versucht, ernsthaft zu werden – in dieser Kombination nicht wirklich gelungen. Als Genrefilm für Liebhaber von „Guns and Ammo“ allerdings wahnsinnig gutes Fressen, das solche Triebe ausgiebig und perfekt befriedigt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Kann man getrost komplett aussitzen, da passiert noch so viel, dass der Text quasi völlig in Vergessenheit gerät.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: The Outpost
Length: 123 Min.
Rated: FSK 16

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/2Ru91CK
DVD: https://amzn.to/33tjfIU


The New Mutants

The New Mutants - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

The New Mutants waren meine große Hoffnung, die X-Men irgendwann mal in düster zu erleben und sie im Verlaufe ihres Erwachens irgendwie mit Deadpool zu verheiraten, denn bei dieser Kombination kriege nicht nur ich Gänsehaut. Tatsächlich hat uns der Teaser – und in Folge auch der Trailer – so richtig auf Horror-Franchise gebürstet und die Erwartungen dabei nicht zwingend im unteren Bereich angesiedelt.

Nun startet der Film ganz unverhohlen und man spürte schon im Vorfeld irgendwie, dass manche Dinge im Busch zu sein scheinen. Die Presse schweigt sich aus (okay, das liegt am Embargo – was aber nicht zwingend ein gutes Zeichen sein muss), aus Amerika, wo der Film unlängst gestartet ist, hört man auch nicht überschwelende Reden und auch hier verpufft die Wirkung des „ganz großen Blockbusters“ irgendwo in den kleinen Sälen – zwar vorhanden, aber nicht wirklich präsent.

Alles in Allem sehr schlechte Vorzeichen. Insofern war ich froh, die Pressevorführung zu diesem Streifen in einem größeren Kino präsentiert zu bekommen in Erwartung, dass all die schlechten Anzeichen sich nicht bewahrheiten würden und ich anschließend zu meinen Kinojungs gehen und sie darum anflehen kann, den Film prominenter im Programm zu platzieren.

Tja (und jetzt lest bitte weiter): Das ist tatsächlich nur in Teilen Wirklichkeit geworden. Zugegeben, die X-Men-Reihe war schon immer eher an jüngeres Publikum adressiert und tummelt sich daher eher mit Filmen wie The Darkest Minds oder Die 5. Welle im Konkurrenzkampf um die Heranwachsenden, lediglich Logan war dann doch mal ein etwas erwachsenerer Ausreißer erfreulicher Natur… wenn man sich jedoch mal die ersten Filme von X-Men anschaut (und auch deren Effekte), stellt man sehr schnell fest, dass hier kein Allround-Publikum gebraucht wird.

Dementsprechend hätte es mich gefreut, wenn man sich jetzt nun vollständig in die Nische des Horrors zurückzieht und daraus endlich etwas vernünftiges bastelt … und der Beginn des Films schreit auch förmlich nach großen Leinwänden und guten Boxen… aber dann mündet es eher in eine Love-Story und weniger in einen Action-Horror-Bombast, der einen so richtig wegtrommelt.

Co-Autor Knate Lee zufolge sind die Vorgeschichten der Kids in The New Mutants wesentlich verkorkster und schräger, weswegen eine Tendenz ins Horrorgenre quasi vorgeschrieben war… in meinen Augen hat man im Film dafür dann aber viel zu wenig geliefert und sich relativ unscheinbar von den X-Men-Filmen unterschieden.

Zwar machen die Autoren immer wieder deutlich, dass deren Geschichte zwar bekannt und Verbindungen dazu auch gewollt sein dürfen, jedoch möchte man sich ebenfalls von den X-Men absetzen und eben etwas anderes, düstereres, boshafteres sein … und dazu gibt man dem Entfalten des comic-liken Horrors im Film viel zu wenig Raum.

Dass die Charaktere solcher Filme schon immer unrealistisch viel emotionalen Schwachsinn mit sich ausbrüten und stundenlang nicht darüber hinweg kommen, endlich mal auf die Kacke zu hauen und es einfach nach allen Formen der Kunst brezeln zu lassen, ist ja hinlänglich bekannt. Im Zuge der „Horror-PR“ im Vorfeld bin ich davon aber eher enttäuscht, denn man unterscheidet sich quasi so überhaupt nicht von bisher bereits häufig schon dagewesenem.

ABER:

Dann kommt das Finale. Der Schluss. Während es im Verlauf des Films immer gemütlicher und „richtiger“ in dem angedachten kleinen Kino zu werden scheint, bereut man am Schluss diese Entscheidung wieder, wenn man zum finalen Showdown anschlägt und dann zeigt, dass hier eben doch Geld verbraten und fähige Künstler ans Werk gelassen werden: Hierfür muss die Leinwand wieder groß und die Boxen laut genug stellt sein, um diese Elemente in dem Umfang erleben zu können, wie man sie sich gedacht hat.

Wenn ich jetzt also zurück blicke und tatsächlich die Blu-ray von X Men 1 wieder ins Laufwerk einlegen würde, dann hätten wir hier ein würdiges Pendant, dass danach tatsächlich doch noch alles anders werden lassen kann… wenn man an dieser Sache nun dran bleibt und das Zielpublikum mitzieht, statt immer wieder zurück auf die 14jährigen zu fallen.

Und vielleicht erleben wir es ja eines Tages doch noch, dass die New Mutants und Deadpool auf der Leinwand heiraten, kleine Kinder kriegen und in eine gemeinsame, große Schlacht ziehen. Wir wollen’s hoffen.

Der Anfang ist cool, der Mittelteil eher mit leisen Tönen und verliebt, am Schluss trägt man dann tatsächlich auf, was aber nicht zwingend den Film rettet, jedoch sehr viel Hoffnung auf kommende Teile macht. Ein solider Start.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die Schauspieler werden nochmal schön gezeigt, danach dürft ihr dann raus gehen.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The New Mutants
Length: 93 Min.
Rated: FSK 16

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Bluray: https://amzn.to/35oYl08
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Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

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Mulan

Mulan - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mulan zählt zu den Phänomenen, mit denen so viele ihre Kindheit verbracht haben, und Disney arbeitet nicht erst seit gestern daran, all die Klassiker mit menschlichen Darstellern neu zu beleben und in dieses Jahrhundert zu überführen.

So auch mit Mulan, der inzwischen seinen langfristigen Corona-Arrest hinter sich hat und als große Hoffnung auf den Neustart galt … und ihn versemmelte. Dabei war die Vorarbeit so dermaßen grandios, dass sogar ich als großer Disney-Kritiker mit offenem Mund am Boden kniete und den Herren und Damen meinen Respekt zollen musste: Ja, alle bisher erschienenen Teaser und Trailer sind super großartig und erzeugen jedesmal Gänsehaut auf dem ganzen Körper, wenn sie in einem der immer noch fast leeren Kinosäle den Neuanfang ankündigten.

So viele haben sich drauf verlassen, dass Tenet den Beginn macht, als die immer wieder abgesprungen sind, lag die Hoffnung auf Mulan und zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Text hier schrieb, hatte ich noch nicht einmal mehr die Hoffnung, dass dieses Werk überhaupt je in einem großen Saal gezeigt werden würde (und die Vorbestellung zu Tenet längst in der Tasche).

Immerhin kann sich Disney mit seinem großartig gestarteten und klug inszenierten eigenen VoD-Portal immer elegant aus der Affäre ziehen, ohne sein Gesicht zu verlieren – getreu dem Motto: „Schaut her, was wir euch für großartigen Content im Vergleich zu anderen bieten… extra für das Portal designt und kreiert.“

Dabei gehört ein Werk wie dieses auf die Leinwände und sonst nirgendwo hin.

Und letztendlich ist es noch schlimmer gekommen, als ich gedacht hätte: Man hat den Leinwänden den Release versagt und ihn direkt zu Disney+ geschoben, aber nicht etwa so, dass die Abonnenten dieses vergleichsweise teuren Portals ihn dann einfach schauen können: Nein, man benötigt zu dem bestehenden Disney+ Abo zusätzlich nocheinmal Geld … und zwar saftige 21,99 €, um einen VIP Access zu erkaufen, der es dann erst ermöglicht, den Film tatsächlich abspielen zu können.

Was genau verdienen die Kinos daran? Genau: 0,00 €! Disney als Familienunternehmen, das traditionelle Werte vertritt und für ein gutes Leben plädiert? Am Arsch… wir lassen die kleinen Kinos einfach verrecken, wenn wir uns dann überteuert noch viel mehr Geld zu 100% in die eigenen Taschen stopfen können. Das ist laut deren Ansicht nun die „beste Option“, den Film zu releasen, und es reut mich, sagen zu müssen, dass ich einer der wenigen bin, die ihn jemals auf der Leinwand gesehen haben. Ich hätte es jedem einzelnen von euch gegönnt!

Aber zurück zum Plot: Über die Geschichte und etwaige Veränderungen brauchen wir nicht reden, die kommen immer wieder auf, seitdem irgendwer den großartigen Gedanken hatte, Grimms Märchenstunde neu zu interpretieren und den Zuschauern neuartigen Inhalt aus alten Geschichten zu backen.

Genauso wenig möchte ich an dieser Stelle über Animation vs. Humans diskutieren: Ich denke, das trägt nicht zur Debatte bei. Mulan zählt nämlich tatsächlich zu den Werken, die man sehr wohl im Kino gesehen haben darf, denn die Re-Interpretation kann sich sehr wohl sehen lassen und wurde ordentlich gemeistert.

Man spart weder an feinfühligen, asiatischen Nuancen, noch an Action und Bombast und lässt hier niemanden wirklich auf der Strecke. Das altbekannte „Jeden in der Familie zufrieden stellen“ funktioniert auch jetzt noch und liefert hier wirklich Unterhaltung, die jedoch von der großen Leinwand lebt.

Also bockt auf, was immer ihr findet, reißt die Leinwände in die Breite, donnert die Boxen hoch und lasst das Spektakel über euch ergehen: Enttäuscht zu werden fühlt sich in der Tat ganz anders an…….. Achnee, geht ja nicht, denn Disney möchte euch das ja lieber gerne vorenthalten. Ach scheiße verdammt… ähm … ja … also … äh …. keine Ahnung.

Gelungener Sprung in die menschliche Realität: Die Geschichte überzeugt nach wie vor und durch die unfassbaren Gelder und Talente im Hintergrund lässt auch die Umsetzung niemand im Stich: Lohnt sich, in einem Kino zu sehen: Und das möchte Disney euch gerne ersparen, denn etwas mehr Geld in den eigenen Taschen ist vieeel besser als ein zufriedenes Publikum!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die ersten Momente kann man ruhig noch mitnehmen, danach folgt die übliche Blackroll.

Kinostart: 4. September 2020 exklusiv auf Disney+ mit VIP Access für zusätzliche 21,99 € … und ab 4. Dezember 2020 gibts ihn dann inklusive des „normalen“ Disney+ zu sehen.

Original Title: Mulan
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze) 


Tenet

Tenet - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Am Mittwoch war es endlich soweit und Großmeister Christopher Nolan brachte seinen lang erwarteten Film Tenet endlich ins Kino.

Vieles hat sich seitdem geändert. Man spürte in der Vorstellung, dass Kino die ganze Zeit eigentlich auf Pause stand und kein Material auf der Leinwand gezeigt wurde, welches auch nur annähernd den Anspruch von ihm erreicht und die Stärken und Größen von Kino ausspielen kann.

Bereits in der Einführungssequenz wurde man als Zuschauer schon wieder mit Eindrücken und geballter visueller Kraft erschlagen, so dass unmissverständlich klar gemacht wurde: ab jetzt läuft es wieder anders.

Der ganze Film strotzt vor einem Übermaß an Eindrücken, Verflechtungen, Verschachtelung und erfordert solch ein immenses Ausmaß an geistiger Wachsamkeit, die nahezu ausgeschlossen bei einem Menschen in dieser Form vorhanden sein kann.

Damit gelingt Nolan der Schachzug, den Kinos tatsächlich Material in die Hände gespielt zu haben, welches das Publikum wieder anlockt, denn: man muss den Film nicht nur drei oder vier mal gesehen haben, um überhaupt begreifen zu können, was da gerade passiert ist.

Und an dieser Stelle spreche ich rein von dem Geschehen der Erzählung und noch nicht davon, weitere Verbindungen oder Querverweise erkennen zu können. Die stecken nämlich ebenfalls hinter jedem ach nur erdenklichen Winkel, was es selbst erfahrenen Kino-Freaks unmöglich macht, alles bereits nach wenigen Malen Film zu erfassen und zu verstehen. Die zahlreichen Twists im Plot, die sich mit der Zeit neben immer neuen Verwirrungen hier und da auflösen, überraschen mit geistigem Einfallsreichtum und einem wahnsinnig ausgeklügelten System, was abermals zeigt, welch hingebungsvolle kreative Kraft in diesem Regisseur steckt.

Tenet ist nicht dafür gemacht, einmal gesehen und dann abgehakt zu werden, selbst wenn das ebenfalls befriedigend sein kann, da der Film weder an Action noch an großartiger Unterhaltung spart. Ich wette, Leute wie wir, die kinobesessen sind, werden bis ins hohe Alter diesen Film immer wieder sehen können und dabei jedes Mal neue Querverweise und versteckte Easter Eggs entdecken können.

Eine Sache sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: das Schauspiel von Robert Pattinson. Dieser Mann liefert in diesem Film eine derartig brillante Schauspielleistung, die ihn endgültig aus seiner Rolle, mit der er groß geworden ist, enthebt und zu einem der wertvollsten Schauspieler unserer Generation macht.

Nun wissen wir, weshalb dieser Film so lange gebraucht hat, um endlich releast zu werden: dafür braucht es die Möglichkeit, in kurzer Zeit relativ häufig ins Kino zu gehen und ihn sich immer wieder ansehen zu können. Und nachdem man oft genug auf großer Leinwand mit viel Platz zum Suchen die Chance hatte, diese brachiale Wucht auf sich wirken zu lassen, kann man dann in tiefere Recherchen vorgehen und ihn sich wieder und wieder zu Hause anschauen.

Deshalb ist es auch gut, dass keine anderen Filme im Kino starten, denn wir Zuschauer haben jetzt erst einmal richtig viel zu tun, um dieses Werk auch nur annähernd zu begreifen und zu verstehen.

Keine Angst, wenn man bereits nach 10 Minuten aussteigt, zu verstehen, wer was wie warum und wo: Schaut es durch. Löst noch ein Ticket und geht wieder rein … und dann wiederholt das ein paar Mal. Wir haben Zeit, bis der nächste große Film im Kino startet … und genau die werden wir auch brauchen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. August 2020

Original Title: Tenet
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12


Fantasy Island

Fantasy Island - Filmplakat
© 2020 Sony Pictures Entertainment

Die Nachwehen von Corona sind immer noch nicht ausgestanden, darum gibt es bis heute die Chance, Filme auf der Leinwand zu erleben, die unsereiner noch niemals „in groß“ gesehen hat. Dabei tummeln sich alte Klassiker neben kürzlich releasten Titeln und ich finde, man sollte die Chancen nutzen und sich die Filme tatsächlich im Kino ansehen.

Die Abstände zwischen den einzelnen Gästen sind ausreichend groß, man wird immer wieder vehement aufs richtige Tragen der Masken hingewiesen und die Kinos kommen euch – ganz im Sinne der neuen wirtschaftlichen Handhabe – auch preislich entgegen und fordern quasi nichts und bieten dafür viel.

Und im Falle von Fantasy Island sollte man einen Kinobesuch gleich mehrfach einplanen, denn dieser Film überfordert einen mit Impressionen und Denkstoff, dass ein einziger Besuch unmöglich ausreicht, um die ganze Fülle an Eindrücken und Elementen richtig verarbeiten und einordnen zu können.

Einmal braucht man allein, um überhaupt rauszufinden, wohin das führt. Um was geht es? Wer spielt mit und wohin läuft es hinaus?

Ein weiteres Mal kann man dafür verwenden, um festzustellen, dass hier tatsächlich keine logischen Fehler oder Continuity-Patzer gemacht wurden. Und weitere Male sind nötig, um die ganzen Details und Wunder zu entdecken, die man sich beim Erschaffen dieses Films zu Herzen genommen und umgesetzt hat: Und das ist wirklich ein Titel von Blumhouse – also ja, ich bin weiterhin zwiegespalten zwischen „total schlecht“ und „wow – grandios“. Die Zeiten des unteren Niveaus scheinen wirklich stellenweise vorbei zu sein.

Ich hatte vor Jahren mal ein Erlebnis in Augsburg im Kino, wo ich um 23:00 Uhr in einer Nachtvorstellung eines Horrorfilms gesessen habe, der so richtig hart in diese Tageszeit gepasst hat. Dort ist für mich das „23 Uhr-Horror“-Genre entstanden, dem ich Fantasy Island genauso zuordnen möchte: Es darf gerne draußen dunkel sein und die Welt in Teilen bereits schlafen, so dass man ruhig das Gefühl hat, draußen gleich alleine zu sein, wenn man durch den dunklen Park zurück nach Hause spazieren muss. Mit diesem Hintergedanken wütet der Film noch ein bisschen besser in deiner Fantasie und erzeugt einen fulminant guten Grusel, der bei mir noch lange nachgehallt hat.

Und sollte jemand die Serie dazu noch nicht kennen: Schaut erst den Film und knüpft euch dann die Serie vor.

Überraschend vielseitig, tiefschichtig und komplex: Man wird förmlich von Impressionen überschüttet und sollte sich den Film eher mehrfach anschauen, um wirklich alle Winkel entdecken und verarbeiten zu können: Großartiges Kino!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Februar 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Fantasy Island
Length: 110 Min.
Rated: FSK 16


Nightlife

© 2020 Warner Bros. Ent.

Wenn ProSieben das Regiezepter in die Hand nimmt, stöhnen viele schon per se auf und sagen sich: Nö, das kuck ich nicht. Im Fall von Nightlife find ich das tatsächlich schade, denn obwohl ungetrübt die Handschrift des Senders auf dem Film liegt, überrascht der dennoch mit einer wunderbaren Harmonie zwischen Elyas M’Barek und Frederick Lau, die ein fantastisches Team abgeben und gemeinsam mit Palina Rojinski zu belustigen und zu unterhalten wissen.

Der Fremdschamfaktor kommt gar nicht auf, sondern M’Bareks Charakter zeigt bereits zu Beginn Anflüge von Seriösität und deshalb kauft man den beiden später auch viele Gags munter ab, denn die Gesamtkomposition stimmt im Ganzen einfach.

Romantisch, kitschig, selbstverliebt, deutsch-dämlich … alles Adjektive, die man hier vergeblich in der Rezensenten-Schublade aufhebt, denn die Witze erreichen ein Niveau, bei dem man einfach Spaß hat und keine Langeweile oder Facepalm-Momente an den Start gehen.

Im Verlauf der Story wird’s irgendwann so schräg, dass ein Lacher den anderen jagt und man nicht mehr darüber nachdenkt, ob das jetzt lustig ist oder nicht – man wird einfach mitgerissen und hat tierisch gute Laune – und die hält sich dann auch bis zum Schluss.

Aus dem Grund würd ich sagen: Spitze gelöst, toll gemacht – ich hab mir den Film inzwischen 2x angesehen – und genau das solltet ihr auch tun: Kinoticket lösen, mitnehmen und Spaß dabei haben!

Chapeau ans Drehbuch, auch wenn man deutlich die Einflüsse des deutschen TVs hier merkt, die Komik und Unterhaltung leidet darunter kein Stück: Man hat Fun, es ist kurzweilig und die Ideen sind teilweise so gut, dass nichts anderes geht außer Lachen. Reingehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, es sei denn man steht auf die Songs.

Kinostart: 13. Februar 2020

Original Title: Night Life
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12


21 Bridges

21 Bridges - Filmplakat
© 2020 Leonine

Entgegen so manchen Behauptungen, dass dieser Film nicht wirklich prickelnd sein soll, hatte ich dabei echt gute Laune und fühlte mich bestens unterhalten. Das Problem scheint wohl zu sein, dass viele eine Art „Verbrecherjagd“ erwarten mit irgendwelchen Auflösungen am Schluss und dann wird’s schon irgendwie gehen alles … und das ist der Film eben nicht.

„Gelöst“ wird quasi mehr oder weniger schon relativ weit am Anfang, was für mich den Ausschlag dafür gab, meine „Was ist das“-Erwartungen völlig über Board zu werfen.

Zu dem Zeitpunkt war ich auch selbst grad im Schreibfieber und habe mir deshalb während des Plots permanent überlegt, wie ich an der Stelle reagieren würde. Wohin ich rennen würde, was ich tun würde – wem mich anvertrauen usw. – und das löste tatsächlich eine Kreativitätsbombe in meinem Kopf aus, die von der Filmmusik und immer neuen Plotelementen untermalt wurde.

Und dadurch, dass so frühzeitig quasi klar wird, wer hier der Böse ist, denke ich auch, dass die Absicht der Macher ebenfalls nicht gewesen ist, eine Verbrecherjagd mit spektakulärer Auflösung zu starten, sondern man vielmehr das Momentum innerhalb der Stadt feiern wollte, und das ist in meinen Augen tatsächlich auch sehr gut gelungen. Natürlich kann man sich jetzt über Sinn und Unsinn des Titels streiten und auch hier wieder aufgeblasene Fragwürdigkeiten anprangern, oder man lässt sich einfach auf den General-Showdown ein und zelebriert es im Stile von Run All Night, der ja auch schon so permanent-aufgekratzt daher kam und bis heute zu einem meiner Lieblingsfilme zählt.

Inzwischen wohl weniger im Kino verbreitet, darf man die wenigen Chancen immer noch gerne nutzen – oder eben in ein paar Wochen auf VoD zurückgreifen, um sich den Film doch noch anzusehen.

Keine Jagd, sondern einfach nur „Es ist was los – und das dauerhaft“. Umsetzung gut, der Plot solide, die Durchführung hat ihre wunderbaren Szenen und über Titel und Sinnhaftigkeit darf man nicht nachdenken, dann ist der Film auch sein Geld wert. Popcorn dazu – Bierchen und der Abend ist gerettet.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiterführenden Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 6. Februar 2020
Heimkino-Start: 12. Juni 2020

Original Title: 21 Bridges
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16


Irresistible – Unwiderstehlich

Irresistible - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Ihr wollt lachen? Jon Stewart kann Comedy – und er gehört zu denjenigen, die Amerika auch nichts durchgehen lassen. Quasi eine Art „seriöserer Michael Moore mit mehr Spaß dabei“.

Genau da haut der Film richtig in die Wunden: Er zeigt auf irrwitzige Art und Weise die Schande, die mit (amerikanischer) Politik verknüpft ist – auf eine dermaßen unterhaltsame Art, dass dir vor Lachen der Bauch weh tut.

Das hier ist ein Stück voller Freude, Euphorie, erfolgsgetriebener Verbissenheit und dem Schalk, der so unverblümt rüber kommt, dass man auch als Vielseher seine Momente hat, wo man doch völlig überrascht wird.

Der Cast ist top besetzt, die Humorspitzen jagen einander, dass manchmal kaum Zeit zum Luftholen bleibt und man wird mit Twists in die Falle gelockt, denen man auch als eingefleischter Cineast unterliegt.

Kurzum: Dies ist ein extrem wichtiges, politisches, Humor-Stück, das nicht zu sehen eine Sünde ist: Zieht euch Tickets für diesen Streifen und fangt an, die Dinge wieder mit einem dicken Grinsen zu beobachten. Der Ernsthaftigkeit tut das keinen Abbruch, aber man ist anschließend nicht vollkommen depressiv, sondern dennoch informiert, aber mit einem sau guten Gefühl dabei im Bauch, wenn man den Saal wieder verlässt.

Klasse gemacht, extrem kurzweilig, mega lustig und mit viel Fingerspitzengefühl so arrangiert, dass auch Cineasten auf ihre Kosten kommen: Besten Dank für diese wunderbare Arie!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Definitiv bleiben: Der Text ist quasi egal, es mündet eher in weiteren Filmteilen!

Kinostart: 6. August 2020

Original Title: Irresistible
Length: 101 Min.
Rated: FSK 6