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Out of Play – Der Weg zurück

Out of Play - Der Weg zurück - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Jeder Mensch hat seine Eigenarten, und gerade in Hollywood projiziert diese jede Person immer wieder übergreifend in jedem Stück nach außen. Schaut man sich also genügend Filme von einer Person an, kann man nach einer gewissen Zeit sehr klar erkennen, welche Thematik diesen Menschen beschäftigt.

Zwangsweise lässt sich daraus schlussfolgern, dass ein Schauspieler oder eine Schauspielerin immer einen Film hat, der exakt auf einen passt und die Persönlichkeit nahezu perfekt wiedergibt.

Bei Ben Affleck deutete sich schon immer an, was jetzt in Out of Play gewissermaßen himmelschreiend auf der Bühne steht: diese sanfte, leicht niedergeschlagene Art, die die eigenen Probleme porträtiert und dabei ein sehr zärtliches, aber durchdringendes Abbild seiner emotionalen inneren Gefühlswelt nach außen trägt.

Was mir hierbei außerordentlich gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass endlich mal keins dieser trägen, verurteilenden Klischees aufgegriffen und anprangernd moralisiert wird, sondern man zwar die Kaputtheit zeigt, dabei aber so umfassend durch die verschiedenen Ansichtsweisen und weit über den Tellerrand schaut, dass man als Zuschauer viel besser Verständnis dafür aufbringen kann und die Zusammenhänge mal nicht vorurteilsvoll vom Tisch gewischt werden.

Out of Play ist unterschwellig eher eine Hommage an die amerikanisch-gesellschaftlichen Werte, die einen viel ehrlicheren und glaubwürdigeren Einblick in das alltägliche Leben gewähren, als es unser einer aus den Medien kennt.

Und mit dem Zeigen von Dilemma folgt gleichsam auch sofort die tiefe, innere Einsicht, die ein „darüber reden müssen“ überflüssig macht und es einfach so im Raum stehen lassen kann.

Genau das ist so wohltuend, nicht zuletzt, weil man sich damit aus diesem Genre erhebt und etwas vollkommen Authentisches erschafft, das dem Zuschauer etwas bietet, was heutzutage selten geworden ist: Eine fundierte, liebevolle Ehrlichkeit, die einen tiefen Blick in die Seele zulässt.

Und damit würde ich sagen: Out of Play zählt definitiv zu Afflecks Meisterwerken und damit zu einem seiner gelungensten Filme überhaupt.

Definitiv anschauen: Ben Afflecks Meisterwerk bisher!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 23. Juli 2020

Original Title: The Way Back
Length: 109 Min.
Rated: FSK 12


Edison – Ein Leben voller Licht

Edison - Ein Leben voller Licht - Filmplakat
© 2020 Leonine

Hier kommt nun das Beispiel, wie man‘s richtig macht: Wie man die Geschichte der Menschheit so in einen Film verpackt, dass jeder im Kinosaal Spaß daran hat – mit Spannungskurven, Unterhaltungselementen, Wissensschaffung und emotionalen Veränderungen, die einen nicht steif im Stuhl sitzen und ermüdend zuhören lassen, sondern vielmehr auch die „niederen Gelüste“ des Menschen mitbedienen.

Mit Benedict Cumberbatch, Michael Shannon und Nicholas Hoult hat man dazu drei Koryphäen an Land gezogen, die ihre Rolle in dem auch historisch perfekt ausgestalteten Rahmen so überzeugend einnehmen, dass man jeder der Figuren ihre Rolle glaubhaft abkauft. Dieser Film vermittelt ein realistisches Bild, das einen aus dem Trugschluss unwissender Fehlannahmen herausreißt und offenbart, welch kampflustige Unternehmungen dazu geführt haben, dass unser einer heute in einem Meer aus technischen Errungenschaften leben kann.

Meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist hierbei auch die Charakterzeichnung der einzelnen Persönlichkeiten: Es ist eben keine argwöhnische Huldigung einer einzigen Person, ein „in den Himmel loben“ oder künstlerisches Darniederknien, sondern portraitiert einmal mehr interessante Wesenszüge interessanter Persönlichkeiten und nimmt sich dabei enorm viel Zeit und Raum, um das gesellschaftliche und zeitliche Element drumrum mit zu verinnerlichen. Dies sorgt für viel Erkenntnis geschichtlicher und wissenschaftlicher Zusammenhänge, die im Rahmen dieser Geschehnisse mit auf dem Tisch lagen und dabei arbeitet man sehr gut die Persönlichkeit von Edison heraus, den – wie schon bei Marie Curie – viele „nur“ für seine „Erfindung der Glühbirne“ kennen.

Nach diesem Film ist man definitiv gebildeter und kehrt belustigt, unterhalten und darbieterisch gesättigt wieder an die Tagesoberfläche zurück um festzustellen, wohin das alles geführt hat.

Stilelementarisch eine Huldigung ans Kino mit allen Elementen, die zu einem guten Film gehören: Grandiose Darsteller, tolles Set, ein bedeutungsschwangeres Drehbuch und der Tatsache, dass sich der Film zu keinem Zeitpunkt in sich selbst verfitzt.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Nach den Sprüchen am Schluss dürft ihr raus 🙂

Kinostart: 23. Juli 2020

Original Title: The Current War
Length: 103 Min.
Rated: FSK 6


Semper Fi

Semper Fi - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Was soll ich sagen, außer dass ich mich in den Streifen verliebt habe?

Und nein: An Jai Courtney liegt’s nicht. Sondern auch an den anderen Jungs 😀

Spaß, zurück zur professionellen Kritik: Ich finde, Semper Fi geht gerade zu Unrecht in den Kinos unter, vielleicht, weil viele durch das Plakat meinen, es geht hier um irgendeinen amerikanisch-patriotischen Bullshit, der „nur was für Männer ist oder welche, die das mögen“ – und dabei ist der Film eine Perle aus Emotion, Freundschaft, Bruderliebe und füreinander da sein.

Ganz im Ernst? Die Jungs spielen allesamt so klasse miteinander, man spürt förmlich, wie jeder für den anderen einstehen würde und wird damit wunderbar in einen Plot geschmissen, der konsequent kurzweilig bleibt und in allererster Linie einmal mehr wunderbare Unterhaltung bietet: Kino, wie es in meinen Augen besser nicht sein könnte.

Und dabei geht’s hart zur Sache. Hinter den Kulissen hat man viel getan, das weit über Set-Design und Kostümausstattung hinausgeht: Jeder Einzelne hat vor dem Dreh unfassbar viel Kraft und Arbeit in seinen Körper gesteckt – und das zahlt sich durch einen verdammt geilen Streifen aus.

Und auch die Bürofraktion hat beim Drehbuch keine Schnitzer zugelassen: Alles matcht, die Handlungen sind präzise, nachvollziehbar, durchdacht und man wartet auch hier immer wieder mit herrlichen Plot-Twists auf, die das Prädikat „Gute Unterhaltung“ allzeit aufrecht erhalten.

Meine lieben Pressekollegen haben sich anschließend herrlich über das Ende aufgeregt, was mich wieder insgeheim die Hände reiben und vergnüglich grinsen lässt: Auch hier hat man sich nicht lumpen lassen und zeigt, dass es manchmal eben nicht so läuft, wie man das gerne hätte.

Und dass man dafür nicht zwingend nach Amerika muss, sondern so etwas in direkter Nachbarschaft stattfinden kann, davon kann ich 2020 ein Liedchen singen.

Tretet euch in den Arsch, sagt eurer Freundin nicht, wo’s hin geht, kauft die Eintrittskarten, während sie Popcorn holt und dann genießt die fucking Show – ein Film, ganz nach meinem Geschmack, für den ich wahrscheinlich wieder mal viel Geld für die heimische Sammlung liegen lassen werde, wenn’s denn so weit ist. Megaspitzenmäßig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, geht lieber zum Ticketschalter und schaut den ganzen Film nochmal 😀

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Semper Fi
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12


Unhinged – Außer Kontrolle

Unhinged - Filmplakat
© 2020 Leonine

„Löwenartig“ könnte man Leonine übersetzen, das Label, dass neuerdings öfters auf der Leinwand an Anfängen von Filmen prangt und irgendwie nach der Krise auf einmal geboren und bereits durch die Pubertät durch war. What?

Wer so steinalt ist, wie ich, erinnert sich vielleicht noch an die Tele München Gruppe, das „Regal-DVD“-Label Concorde oder hat schon einmal etwas von Wiedemann & Berg gehört: Gemeinsam mit dem eher bekannten Universum Film hat man nun alles zusammengeschmissen und quasi „aufgeräumt“ und zählt damit zu den größten Medienkonzernbibliotheken innerhalb der Filmwelt Europas, von der wir in Zukunft hoffentlich viele weitere, gute Titel erwarten können.

Einer davon ist soeben gestartet und wartet gleich mit bombastischen Elementen auf: Einem fulminant-starken Russell Crowe, seiner fantastischen Gegenspielerin Caren Pistorius und einem starken Plot, der eigentlich nur eines vermissen lässt: Filmfehler.

Das Ding ist unglaublich gut aufgezogen und startet bereits im Vorspann mit einem grandiosen Soundtrack und einem (endlich mal wieder) wunderschön designten Einstieg, der einen auch im Kopf auf alles vorbereitet und vor Beginn der Erzählung für Rahmenbedingungen sorgt, die hervorragend bis ins Detail ausgearbeitet wurden und viele Fragen von vornherein klären.

Die Einführung der Charaktere und Ausarbeitung ihrer persönlichen Wesenszüge ist genauso bis ins Kleinste durchdacht wie die Welt um alles drumherum: Ich habe tatsächlich konsequent darauf geschaut, da solche Action-Revenge-Filme meistens durch Logiklücken und fehlerhafte Elemente glänzen: Nichts davon ist hier zu finden.

Selbst bis hin zu technischen Details auf den Displays verschiedener Geräte: Auch hier werden IT-affine Nerds nicht durch „Oh, wir brauchen Hacker.. macht mal irgendwas in Grün“ oder solche stupiden „Du telefonierst mit 89% Akku und beim nächsten Herausnehmen des Handys 4 Minuten später im Plot geht auf einmal das Handy aus: Akku leer“-Szenen abgespeist, sondern auch hier wurde sich akkurat an die Wirklichkeit gehalten, was diesen Geschehnissen noch viel mehr Glaubwürdigkeit verleiht als ohnehin schon.

Und dafür, dass man sich auf die Gerard Butler-Ebene begibt und damit auch ein ganz spezielles Publikum ansprechen möchte: Die Szenen sind wahnsinnig gut, wenn Crowe mit seiner Mimik zu dramatischen Höchstleistungen auffährt, die einen rauschend ins Tohuwabohu dieses Filmtages schmettern und dabei immer spüren lassen: Nope, genau das wurde eingangs erklärt, warum dies und das jetzt nicht direkt geschehen kann und und und.

Warum ich eingangs von „Regal-Label“ gesprochen habe? Erwartet kein Marvel-Gegenstück im Blockbuster-Modus, sondern tatsächlich dieses altbewährte, klassische Revenge-Kino, dass man sich als Kind nur allzu gerne nachts im Bett reingezogen hat und von dem man damals restlos begeistert war: Unhinged schafft es, diese Atmosphäre völlig frisch zu beleben und begeistert dabei mit einer unglaublich liebevollen Ausgestaltung um den Hass drumrum.

Definitiv sehenswert!

Dass ihr dafür ins Kino rennen sollt, brauch ich euch an dieser Stelle ja hoffentlich nicht mehr sagen: Es kracht bereits zu Anfang schon richtig nice und der Film begeistert durch die absolute Abwesenheit von Filmfehlern und Logiklücken. Hervorragende Arbeit, toller Soundtrack und ein Russell Crowe mit einer Darstellung, für die er gemacht zu sein scheint.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Liefert weder Anfangs- noch Zwischen oder After-Credits-Szenen: Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Unhinged
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16


Der Spion von nebenan

Der Spion von nebenan - Filmplakat
© 2020 TOBIS Film GmbH

Der Spion von nebenan klingt jetzt nicht sonderlich spektakulär als Titel, ist für mich aber DER Grund schlechthin gewesen, kurz nach Corona-Öffnung wieder ins Kino zu rennen: Dieser Film hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und strotzt nur so vor Lebendigkeit, Witz, Charme und vergnüglicher Beseeltheit.

Dave Bautista glänzte nicht nur in seiner Rolle in Guardians of the Galaxy (wo er vielen zum ersten Mal richtig bewusst auf den Bildschirmen ins Auge gestoßen sein dürfte), sondern hat inzwischen den Absprung aus der WWE-Region auf die Leinwand geschafft und haut einen Hit nach dem anderen raus.

In My Spy belegt er nicht nur eine der Hauptrollen, sondern ist auch gleichzeitig Produzent und beweist, dass in ihm tatsächlich einiges verborgen steckt und wir in den kommenden Jahren (hoffentlich) noch einiges erwarten dürfen.

Ich glaube, kaum einer dürfte bereut haben, den Film, der ja auch schon vor dem Lockdown gestartet war, gesehen zu haben: Inzwischen gibt‘s ihn sogar als VoD und in den Regalen und ich empfehle es jedem: Legt ihn euch in irgendeiner Weise zu oder nutzt die Chance und geht – wie immer am besten – ins Kino, um dort den größtmöglichen Fun-Faktor aus dem Streifen zu ziehen.

Und eine Warnung an alle, die jetzt meinen: „Naaaaaja… schau ich mir erstmal den Trailer an“: Tut‘s nicht – denn der könnte beschissener nicht sein. Der Spion von nebenan ist als Film um so unglaublich vieles besser, als der Trailer zu zeigen vermag und das, was den Film so großartig macht, sieht man keine einzige Sekunde lang in der Vorschau: Er hat das perfekte Timing, man spielt sich die verbalen Humor-Schläge zu und hört bei einem Joke nicht auf und lässt ihn wirken, sondern ballert weiter und weiter und liefert so eine Schlagfertigkeit, die eben nicht nur an Bautista hängen bleibt, sondern sich durch die einzelnen Charaktere durchschlängelt.

Damit erreicht und hält man ein Humor-Level, das großartiger nicht sein könnte und liefert hier eine kurzweilige, coole und kribbelnde Story, die man – am besten ganz ohne Spoiler – einfach gesehen haben muss.

Für mich einer der gelungensten Filme überhaupt, die dieses Jahr insgesamt gestartet sind bislang. Unfassbar witzig, wahnsinnig gut getaktet und mit einer konstanten Humor-Gewalt, die sich nicht selbst feiert, sondern einfach liefert, liefert, liefert: Geht rein und seht ihn euch auf jeden Fall an!

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Es folgen noch einige Bilder, also dürft ihr ruhig noch etwas hocken bleiben.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: My Spy
Length: 101 Min.
Rated: FSK 12


Chaos auf der Feuerwache

Chaos auf der Feuerwache - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Schon auf dem Plakat lässt sich erahnen: Auch dieser Film richtet sich an die Familie und bedient dabei eher das jüngere Publikum, wobei man jetzt ausdrücklich behaupten kann: Der Blödelei-Faktor ist zwar hoch angesiedelt und driftet teilweise auch in die Lächerlichkeit ab, jedoch zünden viele Gags innerhalb dieses Abenteuerspektakels und sorgen somit eben bei besagten Familien-Küken für jede Menge Vergnügen.

John Cena und seine Crew machen sich hervorragend und die angesetzten Running Gags ermüden zwar im Verlauf des Films ein wenig und auch über Realismus-Verträglichkeit brauchen wir nicht reden, jedoch versprüht dieser Film jede Menge gute Laune und ist im 14:00 Uhr-Programm wahnsinnig gut aufgehoben.

Hier hat man ordentlich schöpferischen Wumms in die Kanonenrohre gepackt, die man im Verlauf des Films immer wieder mit Getöse explodieren lässt – und dabei eben auch oft den Kern des Humors trifft, der auch bei erwachseneren Menschen für Vergnügen sorgen kann.

Mit Comedy ist es nach wie vor eine problematische Sache: Kaum etwas ist so schwierig zu drehen, wie Komödien, nicht nur, weil das Pensum zwischen „Find ich nicht komisch“ und „find ich nicht mehr komisch“ unfassbar eng geschnallt ist und die Zeiger dabei je nach Publikum in die verschiedensten Richtungen ausscheren und es – behaupte ich einfach mal – nahezu unmöglich ist, etwas zu generieren, das wirklich ausnahmslos alle zum Lachen finden.

Chaos auf der Feuerwache hatte jetzt aber genügend Szenen, die auch mich unweigerlich zum Lachen gebracht haben und bei denen grundsätzlich im Saal kein Auge trocken blieb. Allerdings heftet auch an manchen Stellen das Prädikat „Etwas zu übertrieben“.

Hat urkomische Szenen, sorgt für viele Lacher, dreht dabei aber auch sehr auf und übertrifft manchmal bei einigen ein wenig den Zenit des Erträglichen. Insgesamt aber eine gute, unterhaltsame und kurzweilige Story, die gerade in Familienkreisen für jede Menge Gaudi sorgen dürfte.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Sitzen bleiben – hier werden noch jede Menge Outtakes zum Besten gegeben 😉

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: Playing with Fire
Length: 96 Min.
Rated: FSK 0


Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Anhand dieses Titels können wir zwei gravierende Merkmale des Filmbusiness festhalten:

  1. Etwas, das bereits einmal da gewesen ist, wird in Zukunft nicht zwingend besser
  2. Robert Downey Jr.s Charme unterliegt nahezu jeder.

Ja, mit ihm zu werben, ist ein genialer Geniestreich, denn das war auch der Grund, weshalb ich auf diesen Film heiß war: Ich wollte einfach nur wissen, wie sich dieser Mann in der neuen Rolle macht. So ziemlich jeder dürfte ihn als Tony Stark in der Avengers-Filmreihe kennen, eine Rolle, die ihm zeitlebens auf die Stirn getackert zu sein scheint. Brillanter kann man kaum werden.

Dr. Dolittle verbinde ich zuallererst mit Eddie Murphy, dessen übertriebenem Humor ich auch nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber bin, weswegen ich mich in der Vergangenheit mit diesem Film-„Franchise“ auch ziemlich wenig beschäftigt habe.

Und das, was ich befürchtet hatte, trat genau so ein: Man kann Downey eine professionelle Schauspielerei nicht aberkennen, jedoch stirbt um ihn herum alles andere durch zwar optisch gut gemachtes Aussehen, aber inhaltlich gleichbleibendes „Niveau“, das viel weniger spannend und unspektakulär daherkommt. Irgendwie driftet man fast wieder in Richtung Murphy: Durchgeknallt, absonderlich, merkwürdig – und damit kommt eben im Mainstream kaum jemand zurecht.

Für Kids mag’s zwar abenteuerlich sein, den 104sten Animated-Animal-Movie auf einer Leinwand zu bestaunen, und auch die Geräusch- und Soundkulisse kann sich an gewissen Stellen durchaus sehen lassen, jedoch hat man kaum etwas verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat: Der Twist ist belanglos und es reut einen fast schon, dass so viel enorme Rechenleistung und digitale Arbeit in so einen Plot-Langweiler gesteckt wurde.

182 Mio. US$ Einnahmen (Stand: Februar 2020) ist zwar ein kapitalistischer Grund, solch einen Film überhaupt zu drehen und ebenfalls ein schlagkräftiges Argument, dass gegen folgenden Wunsch spricht: Lasst bereits erzählte Geschichten doch einfach sie selbst sein und kümmert euch in der Zukunft um eigene Ideen: Damit tätet ihr den Zuschauern zumindest einen riesigen Gefallen.

Hier steckt viel CGI und teilweise bombastischer Sound drin, der das jüngere Publikum durchaus zu unterhalten weiß, allerdings zündet der Film in meinen Augen eher gar nicht und trägt mit viel Bekanntem und erzählerischer Langeweile auf. Schade eigentlich, denn der Hauptdarsteller ist zu so viel mehr fähig, wie wir alle bereits wissen.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Es kommt nochmal eine kleine Zwischensequenz, also rennt nicht direkt raus, sondern wartet ein wenig ab. Es lohnt sich 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Dolittle
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Batman Begins

Batman Begins - Filmplakat
© 2005 Warner Bros. Ent.

Ist es geil, oder was?

Kinder: Dieser Titel ist einfach mal fucking 15 Jahre alt … und läuft derzeit in den Kinos auf der Leinwand! Ich kann euch kaum beschreiben, was das für ein Gefühl ist, zurück in die Zeit geschleudert zu werden und dieses großartige Meisterwerk wieder durch die Säle brettern zu hören.

Christopher Nolans Batman-Trilogy ist etwas, das an Vollkommenheit kaum zu überbieten ist. Machen wir so weiter und verrecken eines Tages allesamt an unserer eigenen Dummheit und Uneinsichtigkeit und Äonen später kommen Außerirdische auf diesen Planeten und finden irgendwelche Relikte, dann braucht man ihnen eigentlich nur diese Filme vorlegen. Die enthalten die Essenz all dessen, was menschlich ist – im Guten wie im Schlechten.

Ich vergöttere Nolan für diese Werke – und kenne die Filme daher in und auswendig. Wer tut das nicht? Gefühlt jeder hat die drei Streifen in irgendeiner (oder mehreren) Form(en) zu Hause rumstehen und mit Sicherheit mehr als einmal gesehen.

Und doch ist es wahr: Wir hocken im Saal – im großen Kino – vor der großen Leinwand … und es läuft Batman Begins … ich fühl mich wie ein kleines Kind, dem man gerade offenbart hat, dass zukünftig 4x im Jahr Weihnachten gefeiert wird: Leute: GÄNSEHAUT!!!

Comicverfilmungen hin oder her – es gibt viel Scheiß, grade auch aus dem Hause DC in Kooperation mit Warner Bros. haut man in der Neuzeit oft keine so sensationellen Granaten raus … davon merkt man hier halt einfach mal rein überhaupt nichts.

Und jetz‘ sag einer, die Zwangspause war zu nichts gut: Es geht nämlich weiter, denn ab nächster Woche wird The Dark Knight und eine Woche drauf The Dark Knight Rises gezeigt und ich zitter jetzt schon vor Aufregung und Vorfreude.

Es gibt KEINE Ausreden, diese Woche irgendwas als Vorwand zu nutzen, um nicht eine der Event-Vorstellungen zu besuchen, um sich diesen Film wieder im Kino reinzuziehen: Spätestens dann merkt ihr, dass VoD und der ganze Home-Cinema-Bullshit einpacken können und die große Leinwand IMMER gewinnt.

DAS ist wahrhaftiges Kino ohne all die jammerläppigen Eigenschaften, die moderne Filme inzwischen so an sich tragen: die alte, unberührte Kunst, die ein Epos feiert, wie es das bisher kein zweites Mal gibt.

Allein die Tiefe der Batman-Saga, ihre Verwurzeltheit mit den tiefsten Urängsten und -instinkten der Menschheit ist einmalig und in meinen Augen hat Nolan genau das auf den Punkt gebracht. Seine Düsternis, diese von anderen hin und wieder kritisierte „Dunkelheit“, die eben nicht auf Humor und Tralala aufbaut, sondern sich gediegen wie ein kristallscharfes Schwert ungehindert durch deine Adern schiebt, ist genau mein Ding.

Ich feiere es, dass man nun (gezwungenermaßen) zu alten Mitteln greift, um die Menschen zurück ins Kino zu holen … und nicht die Kinos gewinnen, sondern ihr, wenn ihr die Chancen nutzt, denn dieses Ereignis ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

Achja: CinemaxX z.B. bietet die Filme derzeit übrigens für 4,99 € an … wer da noch rumjammern möchte, dem ist tatsächlich auch nicht mehr zu helfen. Eben genau wie vor 15 Jahren – auch beim Preis.

ZIEHT EUCH DIESES EPOS REIN! So eine Chance kriegt ihr nicht wieder!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Die Musik, Leute! Diese unfassbare, eindringliche und beispiellose Musik … wer darauf verzichten möchte … bitteschön.

Kinostart: 16. Juni 2005

Original Title: Batman Begins
Length: 140 Min.
Rated: FSK 12


Knives Out – Mord ist Familiensache

Knives Out - Filmplakat
© 2020 Leonine

Es muss nicht immer Agatha Christie sein, auch andere können gute Krimis erzählen und mit einem wunderbar professionellen, verwobenen Plot im Kino begeistern. Knives Out – Mord ist Familiensache ist nun schon eine Weile lang auf den Leinwänden zu sehen und hat bis heute noch nichts von seiner Attraktivität eingebüßt.

Herrlich verschroben mit immer neuen Türchen eröffnet sich hier puzzlehaft ein Rätsel, bei dem man mitraten und mitfiebern kann. In diese Richtung hätte ich mir übrigens The Gentlemen gewünscht!

Eine der treibenden PR-Kräfte ist selbstverständlich Daniel Craig, den ich als miesmuschelnden Bond-Charakter kennengelernt habe, der mehr mit „Mimimi“ beschäftigt war, als einfach seinen Job zu erledigen. Im Laufe der Zeit wanderten dann aber doch irgendwie alle CraigBond-Teile in meine Sammlung, weil die Sympathie so nach und nach durchgedrungen ist und ich ihn letztendlich als großartigen Schauspieler doch irgendwie mag.

Gleichsam betrachte ich ihn als PR-Coup in dieser Story etwas fehlbesetzt als Aushängeschild, da seinen Charakter irgendwie jeder hätte spielen können (was nicht heißt, dass er das schlecht gemacht hätte), aber es braucht nicht zwingend einen Daniel Craig, um diese Persönlichkeit im Plot darzustellen. Das ändert auch nichts an dem ansonsten hochkarätigen Cast, der durch die Bank weg hervorragende Schauspielarbeit abliefert und den Zuschauer hier mit Durchtriebenheit und Eleganz zu verblüffen weiß.

Wer also noch nicht das Vergnügen hatte, darf sich gerne in eines der Lichtspielhäuser verzupfen und diese Gelegenheit nachholen: Es ist definitiv kein Fehler, diesen Streifen auf der Leinwand gesehen zu haben.

Es muss nicht immer Agatha Christie sein, dieser Krimi ist mindestens genauso spannend und absolut hochkarätig besetzt – ein Spaß auf der Leinwand, den man sich gerne zu Gemüte führen darf.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend ausharren, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 2. Januar 2020

Original Title: Knives Out
Length: 131 Min.
Rated: FSK 12


Sonic The Hedgehog

Sonic The Hedgehog - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Ich hab nun schon von einigen negative Kritik im Vorfeld über diese Verfilmung gehört … und ja, Spieleverfilmungen generell strugglen immer so ein bisschen vor sich hin und haben nie das Zeug, ganz große Kracher zu werden … bis heute.

Ich halte tatsächlich auch nicht so arg viel von Jim Carreys Humor und weiß, dass seine Art sehr speziell ist und man ihn entweder liebt oder hasst. Und auch über Julien Bam gibt es verschiedene Ansichten.

Dazu kommen noch jede Menge Kritikpunkte, die über das Design von Sonic – dem Maskottchen von SEGA – reingehagelt sind und weswegen man den Film nun tatsächlich immer wieder verschoben hat, bis er nun endlich das Licht der Welt erblicken durfte und inzwischen (wieder) auf den Leinwänden zu sehen ist.

Mein Eindruck? Wow!

Meine Stimmung war anfänglich tatsächlich leicht getrübt, weil ich dachte: Nun musst du dich wieder durch so eine quälende Verfilmung pressen, die irgendwas abfeiert, wovon die Realität nichts wissen will. Dazu noch die Kombination zwischen Animation & Realverfilmung, und oben genannte Punkte: Kann eigentlich nur schief gehen. Ist es nicht.

Die Story ist tatsächlich ganz witzig aufgezogen worden, das Design sieht hammerscharf aus und der Streifen verbreitet sofort wahnsinnig gute Laune im Kino. Der Takt (mein neues Lieblingswort :D) stimmt und man landet niemals in langer Weile oder Verdruss, sondern wird kontinuierlich durch den Plot gezogen und kann dabei wahnsinnig gute Szenen feiern, die in ihrer Aufarbeitung professioneller nicht hätten sein können.

Man vergisst, was man vorher über Bam dachte, Jim Carrey ist DIE Überraschung schlechthin – selten hat man ihm so angesehen, wie sehr er diese Rolle liebt und verkörpert: Ein wahnsinnig guter Spieler, dessen Schauspieltalent hier um Welten gestiegen ist: Zum ersten Mal hab ich an ihm tatsächlich absolut nichts auszusetzen gehabt.

Auch die Ideen und die hauchzarten Stränge seelischer Natur, die die Gefühlswelt anregen und dem Kinozuschauer etwas mit auf den Weg geben sollen, winden sich hier wunderbar in das Geflecht ein und vervollständigen den Film zu einem wunderbaren Ganzen.

Ganz ehrlich? Ich saß währenddessen oft im Saal und dachte mir: Wahnsinn, man kriegt hier viel zu viel für sein Geld. Die Action ist hart, der Sound bombastisch, die Optik schneidet in deine Augen und auch der Plot enttäuscht an keiner Stelle.

Ich muss dazu sagen, dass ich zwar damals auf dem Gameboy mit dem Vieh mal in Berührung gekommen bin, aus mir aber dennoch keine Zocker-Seele geworden ist und ich deshalb als Außenseiter spreche und eben keine Rückschlüsse auf die Gamer-Community ziehen kann. Aus dem Grund bin ich raus, was die angefochtenen Kritikpunkte diesseits angeht, sondern eben einfach nur ein dummer, unwissender Kinogänger, der von einer guten Story unterhalten werden will … und wurde.

Dieser Film hat richtig Spaß gemacht und steht seitdem für mich fast ganz oben auf der Liste der Filme, weswegen man sich wieder ins Kino aufmachen sollte.

Alle Kritik im Vorfeld hat scheinbar so dermaßen Früchte getragen: Sonic the Hedgehog ist für mich ein durchschlagendes Argument, tatsächlich wieder ins Kino zu rennen, denn der Film ist richtig klasse! Super Action, hochprofessionelle Umsetzung, wahnsinnig gutes Drehbuch und ein herausragend guter Jim Carrey sorgen hier für spitzenmäßige Unterhaltung und jede Menge Spaß. Reingehen!

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Auf jeden Fall sitzen bleiben, es kommen noch einige Szenen.

Kinostart: 13. Februar 2020

Original Title: Sonic the Hedgehog
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6