Category: | blockbuster reviews

| blockbuster-filmrezensionen: hollywoods stärken auf normalem kino-niveau


Parasite

Parasite - Filmplakat
© 2019 Koch Films | Capelight Pictures

Parasite klingt erstmal nach einem Film billigerer Machart, in dem günstige Horror-Elemente und viel Gore-Gekröse auf einen zukommen und den Kinozuschauer gewissermaßen unterhalten sollen.

Tatsächlich ist dieser Gedanke allerdings grundlegend falsch, denn was hier auf den Fahnen geschrieben steht, ist von einem Niveau, dass man selten im Kino sieht und von dem ich direkt angesteckt war.

Bong Joon Ho lässt uns Westländer auch wieder an China oder Japan denken, jedoch ist das Ursprungsland dieses Films Südkorea, ein Land, von dem man als Außenstehender ziemlich wenig weiß und quasi über jede noch so kleine Information dankbar ist.

Somit hätte man schon den ersten, tiefenpsychologischen Ansatz: Den Titel als Parasiten zu deklarieren, der uns Außenstehenden Einblick nach drinnen gibt und Dinge verrät, an die wir sonst nicht so einfach rankommen.

Tatsächlich ist es überragend, mit welcher Liebe man sich hier der Ausschmückung der einzelnen Charaktere widmet und mit welcher Inbrunst man die Intensität der Lebensweise demystifiziert.

Dabei schafft man so viel Charme, Sympathie und Mitgefühl, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse recht schnell verschwimmen und man – getragen von der Professionalität dieser Erzählung – in einer Sachlage landet, die einen enorm an die Leinwand bindet. Und ab da wird’s extrem spannend!

Wenn zu den Pressevorführungen und im Presseheft vom Regisseur schon die Bitte an die Presse getragen wird: “Ich bitte Sie inständig: Verzichten Sie auf Spoiler“, dann weiß man direkt, dass hier sehr viel Augenmerk auf den Inhalt und den Twist gelegt wird. Genau das erinnert mich an die Spannung als Kind, einen Film nach dem anderen auszugraben und ihm sein Geheimnis entlocken zu können.

Südkorea beweist mit Parasite, dass genau dieses kindliche Entdeckergen noch längst nicht befriedigt und übersättigt im Saal sitzen muss, sondern solche Späße auch im 21. Jahrhundert noch bestens funktionieren.

Somit bleibt mir eigentlich nur noch eine Bitte zu stellen:

Ich bitte Sie inständig: Geht in diesen Film und lasst euch dieses kuriose Meisterwerk modernen Kinos auf keinen Fall entgehen: Ihr werdet den Inhalt lange nicht vergessen können und habt auch anschließend genügend Material zum Nachdenken in der Tasche.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Wartet mit keinen Überraschungen mehr auf – rausgehen erlaubt!

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: Parasite
Length: 131 Min.
Rated: FSK 16


Ich war noch niemals in New York

Ich war noch niemals in New York - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Ging‘s euch auch so? Trailer gesehen und gedacht: „Oh Gott, bitte nicht?“

Mir schon. Meine Mutter ist der größte Udo Jürgens-Fan aller Zeiten und ich kann die Songs inzwischen mitbeten. Und als der große Hype um den Tod dieses Mannes entstand, hab sogar ich mir einen Song von ihm auf iTunes zugelegt, der in meiner Longtime-Toplist inzwischen ziemlich weit oben ist.

Und: Ich war das erste Mal in meinem Leben im Deutschen Theater in München in einer Vorstellung von Ich war noch niemals in New York (hat mir extrem gut gefallen) und hab darum nochmal eine affinere Verbindung zu diesem Titel. Irgendwie war für mich damit dieses Thema abgehakt und ich habe vergessen, dass es für die Leinwand ja eigentlich noch gar nix gibt.

Und nun kommt …. Deutschland …. mit diesem Cast daher und nimmt das ehrenwerte Haus auseinander?

Presse – ja, ich jammer immer zu viel – Vorurteile wieder in die linke Jackentasche gepackt, Licht geht aus und meine Augen fallen auf einmal raus:

Kinder, das Ding ist abnormal besser als ihr gedacht hättet. Ja, wirklich.

Punkt 1: Katharina Thalbach. Was immer ihr über diese Frau bisher dachtet: Dies hier ist die Rolle ihres Lebens. Sie wurde ihr quasi maßgeschneidert zu Füßen gelegt und sie geht darin auf, dass sich die Balken biegen. Das übertrifft sogar noch den Heiner LauterbachDer Fall Collini-Effekt bei weitem! Diese Frau stiehlt allen die Show und übertrifft sich in ihren schauspielerischen Fähigkeiten, wo selbst ich ihr niemals zugetraut hätte, so exzellente Kost abzuliefern.

Punkt 2: Humor. Der Trailer liefert davon interessanterweise überhaupt nix und ist ein wahres Beispiel für „Großer Gott, bitte nicht!“ – im Film ist das dann völlig anders. Irgendwie kommt fast das gleiche Gefühl wie im Deutschen Theater auf (ich weiß, einige werden mich für diese Aussage jetzt steinigen), ich stehe aber dazu: Es hat echt extrem Spaß gemacht und man war hinterher zufrieden, glücklich und voller Freude und guter Laune.

Punkt 3: (Schnallt euch an) >> Das ist der wohl bislang beste deutsche Film, den Deutschland jemals releast hat bis jetzt!

Schnallt euch an, vergesst den Trailer und seid Zeuge davon, dass wahre Wunder tatsächlich passieren: Katharina Thalbach in der Rolle ihres Lebens in einem der besten deutschen Filme überhaupt bisher.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Verpasst nicht diesen traumhaften Song – es lohnt sich!

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Ich war noch niemals in New York
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0


Dora und die goldene Stadt

Dora und die goldene Stadt - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Langsam muss ich mir Strategien ausdenken, wie es mir zukünftig gelingt, auch Erwachsene in Filme wie diesen zu kriegen: Ihr würdet es bereuen, hättet ihr das Werk nicht auf der Leinwand gesehen.

Ja, es kommt von einer Zeichentrickserie namens Dora und ja, das Zielpublikum sind Kinder … doch: Dora und die goldene Stadt klingt zwar klischeehaft böse nach Kindergarten, ist jedoch humortechnisch definitiv oberste Schublade intellektueller Art angesiedelt und brät seinen Zuschauern einen Gag nach dem anderen über.

Dazu kommt: 49 Millionen US-Dollar Produktionsbudget sind nicht gerade wenig (was den Erwachsenen vielleicht etwas mehr hilft, in den Saal zu tigern) und ein weltweites Einspielergebnis von derzeit 100.5 Millionen US-Dollar sagt eigentlich auch ganz klar, dass hier nicht nur Kids die treibende Kraft sein können.

De facto stellt dieser Film sich in die Presche der „Wir kämpfen für eine Randgruppe der weltweit-breiten Wahrnehmung“ und fungiert als das Black Panther-Pendant für Latinos, die hier unglaublich präsent auftreten und gerade mit der Hauptrolle ein junges Mädchen inszenieren, von deren Coolness sich einige eine Scheibe abschneiden sollten.

Als Oldie (oh mein Gott, hab ich das echt grad gesagt?) fühlt man sich fast ein wenig an die Zeit von Crocodile Dundee zurückerinnert, der auch der Modernität des Westens auf seine althergebrachte Weise begegnete und dessen Filme bis heute absoluten Kultstatus genießen.

Dass dies auch mit peruanischen Wurzeln funktioniert, beweist Dora und die goldene Stadt: Ein Film, der sich das Zuschauerherz behände packt und es charmant einwickelt.

Danach hat man definitiv gute Laune, ist fasziniert und von Glück und purer, positiver Energie nur so geladen. Und wieso sollte dies ausschließlich kleinen Kids vorbehalten bleiben?

Ein seelischer Muntermacher, der immense Lebensfreude, unbändige Coolness und Abenteuerfeeling verströmt und dafür reichlich in die Humorkiste greift. Sollte man dringend gesehen haben. Auch als Erwachsener. Wirklich.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Hier kommt noch ein Song und am Schluss ein ziemlich cooler Tusch – Sitzenbleiben lohnt sich!

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dora and the Lost City of Gold
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6


Skin

Skin - Filmplakat
© 2019 24 Bilder

In meinen Augen gibt es kaum ein Thema, das wichtiger wäre, um darüber zu reden. Und weil keiner mehr zuhört, braucht es Mittel, die Menschen wenigstens für ein paar Minuten … oder wenige Stunden zur Räson zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich etwas erzählen zu lassen.

Wer könnte so etwas besser, als Kino?

Skin handelt nicht etwa von Skinheads, sondern erzählt eine wahre Geschichte eines Mannes, der einen weitreichenden Wandel hinter sich hat und u.a. mit dafür verantwortlich war, die Welt zu großen Teilen besser zu machen.

Skin spricht über das getrübte Bild, das in den Medien verbreitet, in Social Media verwüstet und in den Köpfen der Leute zu irrsinnigen Monstren gesponnen wurde.

Skin erzählt etwas, womit sich heute jeder einmal auseinandersetzen sollte.

Skin ist ein Film, den man zwingend mindestens 1x gesehen haben muss. Auch aus entertainment-technischen Gründen: Es fängt krass an, es ist krass zwischendurch und es endet krass. Nicht nur die Bedeutsamkeit ist hier von enormer Wichtigkeit, sondern auch für den geneigten Kinogänger ist dies gefundenes Fressen – mit einem grandiosen Jamie Bell, den so mancher eventuell noch aus Billy Elliot kennt.

Was mich besonders begeistert, ist die unverblümte Art, wie man hier in ein dreckiges Element menschlichen Niedergangs eingeführt wird und geschichtliche, hochaktuelle und -brisante Entwicklungen quasi am “lebenden Objekt” präsentiert bekommt. Niemals wurde etwas so schleierhaft Mystisches derart einfach und verständlich durchleuchtet und von seiner Unkenntlichkeit bereinigt.

Wer das System dahinter verstehen möchte, wer wissen will, wie “die” arbeiten, wer verstehen möchte, wie es “dazu kommen konnte”, der kommt um diesen Film schlichtweg nicht drum rum.

Und damit gilt Skin fast schon als ein Meisterstück deutscher Enthüllungsgeschichte, der zur Grundlektüre eines jeden Staatsbürgers gehören muss, denn wir haben diesen Schwachsinn verzapft und sind verantwortlich für die weltweite Epidemie, die dadurch ausgebrochen ist.

Hier folgt nun die Heilung des Geistes.

Nehmt sie. Schluckt sie. Und verbreitet sie weiter.

Pflicht! Also rein!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr. Außer, dass du geschockt bist!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Skin
Length: 117 Min.
Rated: FSK 16


Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot!

Ready or Not - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Tipp: Schaut euch nicht den Trailer an: Der verrät nahezu alles … auch, dass dieser Titel ein Heidenspaß auf der Leinwand werden wird, den man definitiv nicht verpassen sollte.

Kategorie: Horror >> Lasst euch davon nicht in die Irre leiten. Ich würde eher sagen: “Bride-Komödie blutigen Ausmaßes”. Denn tatsächlich erwirkt der Film sehr viel mehr Lachmuskeltraining, als er Schockmomente einsetzt – und selbst die sind wiederum in höchstem Ausmaß einfach witzig.

Allein für die Idee gehört den Machern eine Packung Kekse zugeschickt: So geil ausgedacht und inszeniert, dass man zwar froh ist, dass die FSK hier doch kein grünes Siegel vergeben hat, aber dennoch aus dem Spielewahnsinn nicht raus kommt und sich dabei fühlt wie ein kleines Kind: “Juppie – und noch einmal” 🙂

In der Sneak Preview kam bei einigen das Ende nicht ganz so gut an, aber auch das enthält Bilder majestätischen Ausmaßes, die fast schon an Tarantinos Grindhouse-Feature erinnern und somit absolut sehenswert sind. Und ich fand die “Wendung” persönlich auch allererste Sahne … weil’s Teil des ganzen Films ist, der damit am Schluss bestens aufgelöst wird.

Mit wehmütigem Herzen in die Zukunft blickend, da Twentieth Century Fox bald nicht mehr selbst produziert, sondern sich mit einem dieser karachoähnlichen Gongschläge ins Nirvana verabschieden wird … genießt die Show bis tief in die Nacht hinein.

Großartiger Spaß, der weit über die Stränge schlägt und damit Vernunft und Anstand hinter sich lässt, ohne dabei seine Contenance zu verlieren: Toll besetzt, grandios gespielt und für die Idee gibt’s noch nen Extrakeks! Reingehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, Spiel beenden erlaubt.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Ready or Not
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16


Get Lucky

Get Lucky - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Als die Pressevorführung lief und ”das kleine ZDF Fernsehspiel” eingeblendet wurde, dachte ich mir: Geil, endlich hab ich euch im Sack! Unglaublich, dass so ein seriöser Sender sich dazu “herablässt” und dieses Kunstwerk königlichen Youth-Fucks inszeniert bzw. mit seinem Logo dafür geradestehen will.

ZDF? Meinen Respekt an euch dafür!

Mein zweiter Gedanke war: Zielgruppe: BRAVO. Und voila – diese Woche landet der Streifen auf den Screens und wird gezeigt in der BRAVO-Preview. Bam – schon wieder ein durchschlagender Erfolg.

Und getreu dem Motto dieser Klientel geht’s um Sperma, Vögeln, Frauen, Männer, Sex und jede Menge Klischees, die nach und nach abgebaut und durch instruierte Bildung ersetzt werden.

What? ZDF erfüllt auf einmal doch den Bildungsauftrag und bringt Oswalt Kolle in modern für die heutige Heranwachsendengeneration? Chapeau … again!

Und genau dafür feier ich dieses Werk. Der Sommer ist vorbei, die Sommer-Sonne-Strandgefühle neigen sich langsam dem Ende zu, man packt wärmere Klamotten aus und verabschiedet sich von dem freizügigen Gefühl tosender Liebe und sprudelnder, sexueller Energie … und darf im Kino mit Get Lucky genau dieser nochmal in aller Ausführlichkeit frönen.

Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass hier Palina Rojinski mit von der Partie ist … der Cast in sich ist ein grandioser Meisterschlag – und ja, das Team versucht, diese Harmonie zwischen den Kids auch in weiteren Projekten zu erhalten und dafür zu sorgen, dass diese Truppe noch die ein oder andere Leinwandstory durchexerzieren darf. Das Feeling zwischen den Kids ist nämlich allererste Sahne. Und da ist “Boysahne” durchaus auch mit gemeint 😉

Lasst euch darauf ein – ein wunderbarer Spaß, der nicht mit Humor geizt, gewissermaßen den Bildungsauftrag erfüllt und trotzdem partout unter der Gürtellinie stattfindet: Ein Experiment, das man gerne mitgemacht haben darf. Und immer dran denken: Schön mit Kondom 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Get Lucky
Length: 98 Min.
Rated: FSK 12


The Kitchen: Queens of Crime

The Kitchen: Queens of Crime - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Manchmal bewundere ich, wie es einige Verleihe doch immer wieder schaffen, in den Suburbs der Kinogeschichte zu verschwinden und trotzdem dabei eine Veröffentlichung auf dem Papier nachweisen zu können. Was ist los? Angst?

The Kitchen: Queens of Crime ist so ein wunderbares Beispiel dafür, dass es manchmal gar nicht so falsch wäre, aufrecht zu stehen für das, was man in den eigenen vier Wänden produziert hat.

Tatsächlich sind die Meinungen zu diesem Film kontrovers und auf Melissa McCarthy ist auch nicht jeder positiv zu sprechen. Hat sie in den vergangenen Jahren einige Blödelrollen angenommen? Ja. Heißt das, dass sie ausschließlich Unfug-Filme veranstalten und keine ernstzunehmenden Rollen verkörpern kann?

Auf keinen Fall! Can You Ever Forgive Me? war dieses Jahr bereits eines der großen Beispiele dafür, dass in ihr definitiv mehr steckt, als die “kleine dicke Lachnummer”, an deren Image sie jahrelang gefeilt hat.

Und an alle Sexismus-Connectierer: “The Kitchen” hat auch nix mit Frauen und Küche zu tun, sondern bezeichnet Hell’s Kitchen – das berühmt-berüchtigte Viertel in New York im Jahre 1978.

Modell für diesen Film hat ein Comic von DC gestanden, und dass die ”böse” eigentlich ganz gut können (bislang noch nur auf dem Papier), ist weithin bekannt. Dazu hat man einen exzellenten Cast herbeigerufen, der sich eigentlich für seine Leistungen feiern muss: Besagte Melissa McCarthy, Tiffany Haddish und Elisabeth Moss.

Würden diese drei nicht so unter den Mankos des Films leiden, hätte hieraus etwas wahrhaft großartiges werden können, was die Schauspielleistungen keinesfalls herabwürdigen soll. Ihnen “bei der Arbeit” zuzusehen – im wahrsten Sinne des Wortes – ist ein wahres Vergnügen.

Dazu kommt ein Setting im Film, das dem Flair der DC-Comics gerecht wird. Man fühlt sich als Liebhaber eines solch dreckigen film noir-Stoffes in dieser Umgebung einfach nur wohl und auf perverse Art und Weise geborgen.

Warum nun aber Mankos?

Andrea Berloff hat in diesem Film vergessen, eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen konzentriert sich die Regisseurin vielmehr darauf, in ihrem Film die weiblichen Aspekte der Unterdrückung im Reich des bösen weißen Mannes zu inszenieren, was tatsächlich auch relativ glaubwürdig funktioniert. Zumindest habe ich diese Absichten diesmal viel mehr abgekauft, als bei I am Mother.

Darunter leidet aber der Flow einer Erzählung. Hätte man sich hier mehr auf die Wut und raserische Ausgelassenheit gequälter Seelen konzentriert und versucht, eine Geschichte zu erzählen, wären diese Aspekte genauso gepflegt worden – mit dem Unterschied, dass der Kinozuschauer dann vor Zufriedenheit gegrunzt hätte. Denn der Film strotzt nur so vor Potenzial und guten Rahmenbedingungen – was für mich dann auch Grund genug ist, ihm tatsächlich einen Abend meines Lebens zu schenken, denn als “vertane Zeit” fühlt sich das definitiv nicht an.

Großartiger Cast in einer DC-Comic-Verfilmung, die sich leider nicht aufs Geschichten-Erzählen konzentriert, sondern die Frauenrechte stärken will und dabei ein wenig vom Weg abkommt. Dennoch ein großartiges Setting, das diesen Film definitiv sehenswert macht. Nutzt die Chance auf dem big screen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Ist picturegeschnibbelt – man darf also gemütlich aus dem Saal.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: The Kitchen
Length: 102 Min.
Rated: FSK 16


Angry Birds 2 (3D)

Angry Birds 2 - Der Film - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich gehöre noch zu der Fraktion, die das „Moorhuhn“ bitter miterleben mussten. In der Kindheit war‘s „Diddl“, den jeder mit sich rumschleppte, dann kamen „Tamagotchi“ und irgendwann waren es eben die „Angry Birds“ – und ja, ich hasse solche Kultavancen.

Tatsächlich erlebe ich auch heute noch genügend Erwachsene, die ihrer Meinung nach aus dem Kindesalter raus sind, um sich mit Filmen aufzuhalten, die schreibunte Farben auf dem Plakat haben und schon so schräg aussehen.

Really? No.

Wir haben jüngst bei Toy Story 4 erleben dürfen, dass dies eigentlich kein Film für Kinder mehr ist, da man sich in den großen Häusern längst darauf besinnt, die ganze Familie glücklich zu machen. Selbst Familienlabel wie Disney kümmern sich inzwischen darum, dass jede Altersklasse der Family ihr Fett wegkriegt und niemand mehr sagen kann „Da ist ja nix für mich dabei“.

Aber mal zurück zu Angry Birds. Tatsächlich war bereits der erste Teil nicht von schlechten Eltern, allerdings hauste der immer noch in der Kinderabteilung im Spielbällebad und hatte somit keinerlei Gründe geliefert, weshalb sich Erwachsene diesen knalligen Kram antun müssten. Ein Film für die Jüngeren, der einem selbst mal zwei Stunden Pause vergönnen würde.

Angry Birds 2 – Der Film ist jetzt nicht einfach der zweite Teil, sondern toppt auf einer völlig neuen Liga auf einmal ganz neu auf: Fortsetzung? Quatsch – versteht man auch ohne den ersten Teil gesehen zu haben.

Lustig? Und wie! Das Teil löst dermaßen die Lachmuskeln aus und scharwenzelt dabei durch die Riege der Generationen, dass gar keine Zeit mehr bleibt, um sich mit solchen Belanglosigkeiten aufzuhalten. Ganz einfach: Wer den Film nicht sehen will, tut sich selbst am meisten Schaden an, denn der ist einfach nur großartig und donnert mit einem Gaggewitter um sich, dass sich nicht nur die Balken biegen.

Die Zeichnung ist hervorragend, man hält Moral, Inhalte, Spaß, Unterhaltung, Vielschichtigkeit und unfassbar hohe Gagdichte bereit, die es einem unmöglich macht, nach dem Film mit auch nur annähernd neutraler – oder gar schlechter – Laune wieder aus dem Saal zu spazieren.

Leute? Bitte bitte bitte geht in den Film!

Und ich sage das nicht nur, weil ich unbedingt möchte, dass die Schöpfer von Erfolg gesegnet in die Planung für Teil 3 gehen, sondern auch, weil ich jedem einzelnen von euch von Herzen gönne, dass ihr dieses Spaßbad über euch ergießen lasst.

Angry Birds 2 – Der Film ist längst kein Kinderfilm mehr, sondern losgelöst von allen Schubladen. Am besten auch gar nicht als „Fortsetzung“ betrachten, sondern euch selbst hoch und heilig versprechen: Gönnt euch diesen Spaß, ihr verletzt nur eure gute Stimmung, wenn ihr diesen Film auslasst. GEHT REIN!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Darf man gerne sitzen bleiben, der ist nämlich lustig gemacht und bis zum Ende animiert.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: The Angry Birds Movie 2
Length: 97 Min.
Rated: FSK 0


Downton Abbey

Downton Abbey - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Downton Abbey erfreut sich einer großen Serienfan-Gemeinde und enthält so ziemlich alles an fähigen Schauspieler*innen, die Großbritannien zu bieten hat. Ein Grund könnte sein, dass der Schöpfer der Serie – Julian Fellowes – ein Händchen dafür hat, in die “alte Welt” einzutauchen und alles Moderne mit einem Schlag zu killen.

In heutiger Zeit kennt jeder eigentlich nur noch mediale Überlastung: Die Leute sind gestresst, werden online gefordert und kommen niemals zur Ruhe, werden überflutet von Nachrichten, kriegen kaum ihre eigene Timeline abgearbeitet und kommen schon gar nicht mehr dazu, irgendwas mal in Ruhe zu konsumieren, ohne nicht gleichzeitig noch drei andere Dinge mit zu verrichten, weil sonst einfach die Zeit am Tag nicht ausreichen würde.

Kaum ist etwas weltbewegendes passiert, landet man aufgrund der Fülle schon bei der nächsten Katastrophe und hat aus “Speicherplatzgründen im Hirn” die alten Dinge längst wieder vergessen. Betroffen ist man eh nur noch in den seltensten Fällen.

Downton Abbey tut genau das Gegenteil: Es ist langsam. Nicht zu verwechseln mit ermüdend. Die Serie – und überraschenderweise auch der Film – vergeuden keine Zeit mit Belanglosigkeiten, sondern strahlen die altbekannte Ruhe und Gelassenheit aus, die sich um das Leben der Bewohner dieses Anwesens rankt.

Ein riesengroßer Pluspunkt ist natürlich auch die feinfühlige Tatsache, dass der komplette Seriencast ebenfalls für den Film engagiert wurde und man hier nicht – wie nicht selten üblich – andere Darsteller verpflichtet hat. Das gibt einem als Zuschauer das Gefühl, die Serie geht tatsächlich weiter und der miese Beigeschmack von “jetzt auch im Kino” bleibt diesmal völlig auf der Strecke.

Bereits im TV war Maggie Smith als Violet Crawley herausragend mit ihren Sprüchen und man hat jede Szene von ihr geliebt und verschlungen. Der Film bietet ihr hier eine wunderbare Plattform, auf der sie sich nochmals richtig austoben und das Publikum erstklassig unterhalten kann. Und auch der Rest ist überraschend stimmig: Ganz ehrlich? Ich sehe hier einen Oscar®-Anwärter auf Kostüme und Bühnenausstattung und einen Film, der sein eigenes Publikum im Fernsehen längst gefunden hat, das nun mit einer kolossalen Folge auf dem big screen geehrt wird.

Wer sich damals also schon für die Serie erweichen konnte (ist übrigens derzeit grad auf Amazon Prime für lau anzusehen), ist jetzt im Kino definitiv richtig aufgehoben. Die Normalität von damals wird wiederhergestellt und man hat zwei Stunden Auszeit von der von Hetze geplagten Moderne. Genießt sie – in aller Ruhe.

Knüpft nahtlos an die Serie an und führt weiter, was im TV grandios begonnen wurde: Der Zuschauer bekommt das Geschenk von zwei Stunden historischer Ruhe und Gelassenheit, in der er sich in diese vergangene Zeit fallen lassen und innerlich entspannen kann. Mit einer herausragenden Maggie Smith als Bonus obendrauf. Unbedingt ansehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Enthält keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen gehen. Wenn man will. 😉

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Downton Abbey
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0


Rambo: Last Blood (inkl. Gewinnspiel)

Rambo: Last Blood - Filmplakat
© 2019 Universum Film GmbH

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 3×2 Freikarten für den Film sowie insgesamt 6 T-Shirts von Rambo: Last Blood verlost werden.

Fangen wir mal für Unwissende mit den Hausaufgaben an und erklären, wovon ihr zumindest im Kino schon lange nichts mehr gesehen habt: Die Timeline von Rambo.

Einst als Literatur von David Morrell ins Leben gerufen fungierte die erste Verfilmung als Wegbereiter des Actionkinos und gleichermaßen als Karriere-Push für Sylvester Stallone, der bis dato – abgesehen von zwei Rocky-Filmen – ausschließlich Flops produzierte.

Rambo erblickte 1982 das Licht der Welt, gefolgt von Rambo II – Der Auftrag (1985) und Rambo III (1988), dem man dann 2008 noch John Rambo nachsetzte und sagenhafte 11 Jahre später erscheint nun der vorerst letzte Teil dieser Saga: Rambo: Last Blood (in Anlehnung an den ersten Original-Titel „First Blood“).

Allerdings hat sich Sly schon dazu geäußert und angemerkt, dass eine Fortsetzung nicht ausgeschlossen sei, insofern der aktuelle Teil gut ankomme.

Ich persönlich durfte den Film bereits vor Kinostart sichten und hatte so meine lieben Erwartungen: Der Trailer war schon mal sehr in Richtung Lonesome-Ranger-Western ausgelegt und sorgte für wunderbare Abwechslung im Rocky-Ableger-Fieber, denn auch in der Neuzeit produziert Stallone keine sonderlichen Kassenschlager mehr, sondern sorgte eher in Fankreisen für gute Unterhaltung (Stichtwort: The Expendables).

Nun haben wir zwei gegensätzliche Kinophänomene auf einem Haufen, die ich kurz ansprechen möchte:

1. Die Zeit zwischen Teil 1 und Teil 5

Zwischen 1982 und 2019 liegen saftige 37 Jahre. Das lasse man sich auf der Zunge zergehen. Eine Quintology, die über einen derart langen Zeitraum ausgearbeitet wurde, hat genügend Freiraum gehabt, um zu reifen, sich den Zeitgeist anzusehen, ihn richtig zu interpretieren und dann etwas Marktführendes vorzulegen. Lange Zwischenräume zwischen zwei Filmen sind meist ein Indikator dafür, dass etwas komplett gelungen ist und man keinerlei Befürchtungen haben muss, dass es in die Hose geht.

Dem gegenüber steht beispielsweise der karge Erfolg von John Rambo im Jahr 2008, der zarte Kritiken erhielt und mit einigen unschönen Dingen punktete: Laut Los Angeles Times werden im Film 236 Menschen getötet, was einem Durchschnitt von 2,59 getöteten Menschen pro Filmminute gleichkommt.

Zudem musste dieser Teil für die Freigabe im Kino gekürzt werden, da die SPIO einer Selbstverpflichtung unterliegt, die es nicht zulässt, Filme „über FSK 18“ ins Kino zu bringen. Dies bedeutete, dass für das Heimkino eine um rund 2 Minuten gekürzte FSK 18-Fassung sowie eine um rund 7 Minuten gekürzte FSK 16-Fassung produziert wurde.

Was dies bedeutet und dass so etwas einen Film komplett zerstören kann, wissen wir bereits von der um 17 Minuten (!) gekürzten FSK 16-Fassung von Blade mit Wesley Snipes.

Nun kann man diesen Gewaltvordrang als Zeitgeist interpretieren, immerhin haben Filmreihen wie Saw brutal vorgelebt, dass immer mehr Zerstörung und Gewalt auf den Leinwänden zelebriert wird und ohne Publikum wäre auch das niemals ein dermaßen großer Erfolg geworden, aus dem insgesamt acht Filme entstanden wären.

2. Es ist bereits Teil 5.

Unzählige Fortsetzungen ein und desselben Themas gelten auch in Hollywood irgendwann als ausgelutscht und unerzählbar, weil irgendwann tatsächlich alles gesagt wurde und man sich auch als Fan ab einem gewissen Zeitpunkt wünscht, dass die Macher einfach aufhören. Filme werden unerträglicher, Dinge werden auseinandergerissen, Charme geht zugunsten von „noch mehr …“ verloren und man beginnt, sich selbst zugunsten des Kommerz zu verraten, um noch irgendwie beim Publikum punkten zu können.

Dem gegenüber steht der Name des Films: Last Blood, der mehr oder weniger bewusst den Abschluss bilden möchte und somit der Story um den Veteranen John Rambo ein Ende setzt. Die Frage ist, ob dies als versöhnlicher Akt des guten Willens vorangestellt wird, um Nachfolgendes vorsorglich zu entschuldigen. Und was hat es dann mit den Behauptungen von Sly auf sich, dass ein möglicher sechster Teil kommen könnte?

Tatsächlich beginnt man mit einem rasanten Einstieg, der filmische Atmosphäre schafft und tragende, forsche Elemente in den Ring wirft, die zu Tempo und Erzählung verhelfen. Im Verlauf der Zeit entwickelt man aber immer mehr Zeit, um auf „Nebensächlichkeiten“ zu achten, die einem dann eben doch hier und da böse aufstoßen:

  • schlechte Animationen, die in Zeiten von Disneys Feldzug gegen miese VFX eigentlich nicht mehr sein dürfen
  • brutale Action, die im Zuge des Plots völlig zusammenhanglos und herausgerissen wirkt und nichts mehr mit der Erzählung an sich gemein hat
  • das Gefühl, man hätte hier einen aufgesetzten film noir gedreht, der zwar mit positiven Charaktereigenschaften Stallones punktet, sich jedoch in dem krassen Unterschied zwischen Geschichte und Blut verliert

Sofern die Fans nun anfangen, rumzumäkeln und es hier zu negativ wird: Der Teil hat meine Erwartungen vollends erfüllt, denn ich glaube, das Publikum dieses Films weiß genau, was auf es zukommt und erwartet gar nichts anderes mehr.

Ich habe mit den miesen Darstellungen und dem teils zerbrochenen Plot meinen Frieden geschlossen und einfach nur die boshafte Atmosphäre genossen, die der 70jährige (!) Hauptdarsteller da abgeliefert hat.

Der Schnitt des Films war nämlich tatsächlich wieder einmal hervorragend und auch die Erzählung wirkte als krönender Abschluss der Reihe, wenngleich man sich hier eben mit oben genannten Mankos auseinandersetzen muss.

Hier und da tauchen immer wieder Bilder auf, die einer Leinwand mehr als würdig sind und auch Brian Tylers Soundtrack animiert mich dazu, euch zu empfehlen: Setzt euch ins Dolby Cinema™ und genießt den Film mit der richtigen Technik und nicht einfach irgendwo.

Trifft noch immer jedes Ziel: John Rambo (Sylvester Stallone)
© 2019 Universum Film GmbH

Gewinnspiel

Ich weiß, dass es unter meinen Lesern und Leserinnen einige Rambo-Fans gibt und habe daher mal bei Universum Film angeklopft um ein Gewinnspiel für euch rauszuschlagen, welches mir vom Verleih höchstpersönlich gesponsort wurde:

Universum Film verlost insgesamt 3×2 Kinofreikarten für den Film und zusätzlich 6 Rambo-T-Shirts, die hiermit neue Besitzer/innen suchen.

Kommentiert hierfür unter dem Beitrag und teilt mir mit: Was ist euer bevorzugter Actionheld bzw. Actionheldin im Filmkosmos generell? Wer hat euch evtl. in eurer Kindheit inspiriert oder tut es heute immer noch?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Donnerstag, 26. September 2019 bei mir eingegangen sind, entscheidet das Los und die Gewinner werden via E-Mail von mir benachrichtigt. Gebt also bitte eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich nach euren Adressdaten fragen kann, um euch die Gewinne zuschicken zu können.

Nun aber viel Spaß im Kino und allen viel Glück.

Knüpft an die Härte von John Rambo an und führt die Geschichte nahtlos weiter, ist dabei aber etwas gespalten zwischen einem unfassbar simplen Plot, billig gemachten Animationen und absolut reißerischer Brutalität, die in diesem Sinne etwas aus dem Zusammenhang gerissen wirkt. Für Rambo-Fans allerdings gefundenes Fressen.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Zeigt euch noch einen Reigen an Erinnerungen, wie man es z.B. auch von Final Destination 5 kennt. Also rennt nicht gleich weg.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Rambo: Last Blood
Length: 98 Min.
Rated: FSK 18