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| nach der apokalypse: wenn einem nur noch der heimische fernseher bleibt


Artemis Fowl

Artemis Fowl - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mit Kreativität sind nicht alle Menschen gesegnet. Auch in der Filmwelt lässt der Einfallsreichtum oftmals zu wünschen übrig, daher ist es Gang und Gäbe, sich an anderen Kreativen zu bedienen und beispielsweise eine Buchreihe als Vorlage für kommende Kinofilme herzunehmen.

So auch hier passiert: Der Autor nennt sich Eoin Colfer und ist mit weltweit 25 Mio. verkauften Exemplaren dieser Reihe nun kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Seinen Büchern sagt man bereits vom 1. Band ab Parallelen zu Harry Potter nach, was er jedoch vehement abstreitet, da er (angeblich) zum Zeitpunkt, als die Bücher entstanden, Harry Potter nicht gelesen hatte. Lassen wir das mal so stehen.

Tatsächlich wusste ich beim Schauen des Films absolut gar nichts darüber, dass dies eine Buchreihe ist und dachte mir des öfteren: Naaaaa, braucht Disney nun sein eigenes Harry Potter-Universum, um damit auch Kohle zu machen?

Es macht nämlich auch im Film unglaublich den Eindruck: Man wird geflutet von fabelhaften Normalitäten, die weder ausgearbeitet, noch irgendwie anständig zelebriert werden, viele merkwürdige Dinge werden – genau wie in Rowlings Universum – einfach als gegeben hingenommen und das Drehbuch mit seinen Dialogen und Ausarbeitungen zeugt nicht sonderlich von einem Welterfolg, sondern eher von stümperhaften Versuchen, irgendetwas „Großartiges“ zu vollbringen und damit vollkommen zu versagen.

Ich dachte zwischendurch manchmal an ein Mix zwischen Green Lantern, Anflügen aus Riddicks Welt – gepaart mit der miesen Kindervariante von Harry Potter, dazu haben u.a. auch die deutschen Synchronisationsstimmen ihren Anteil getragen: Man kann‘s schwerlich ernst nehmen.

Durch das „Wir machen alles einfach, und zwar zackig“ wirkt es auch nicht so, als wolle man die Zuschauer hier verzaubern und in eine völlig magische Welt entführen, sondern man hastet das wie einen ungeliebten Vokabeltest alles schnell runter, um möglichst schnell fertig zu werden. Hier hätte man von dem üppigen Budget in Höhe von 125 Mio. $ ruhig den ein oder anderen davon in vernünftige Inszenierung und bessere Dialogschreiber investieren können.

Nun kennen wir ja einige Science Fiction-Flops dieser Größenordnung, die grafisch und mit CGI durchaus etwas hermachen, dann aber mit so dermaßen dämlichen Handlungen und teils unfähigen Schauspielern „begeistern“, dass es ein Millionengrab geworden ist – Jupiter Ascending zum Beispiel, den ich von der Komplexität der Welt eigentlich gar nicht so schlecht fand, der beim Gesamtpublikum aber unfassbar gefloppt ist.

In diese Reihe münden auch Werke wie Percy Jackson, wobei ich Artemis Fowl noch niedriger ansetzen würde, da das Zielpublikum hier scheinbar noch jünger sein darf.

Und dann kommen wir zur sensationellen Veröffentlichungspolitik, mit der sich Disney bei Mulan ja gerade eine Lorbeere nach der anderen einheimst: Ja, wir haben COVID-19 und irgendwie gab‘s kurz Pausen, in denen Kinos geschlossen und Geldverdienen nicht so einfach war. Alles gut und schön.

Dass solch eine Megaproduktion wie Artemis Fowl in dieser Budget-Klasse dann aber klammheimlich den Kinostart entzogen kriegt und auch wieder süß und leise auf Disney+ veräußert wird, spricht eigentlich schon wieder Bände. Da hatte man noch keine großartigen PR-Aktionen gefahren, sondern ein, zwei Trailer präsentiert und war direkt wieder weg vom Fenster.

Der eigentliche Grund, weswegen man sich erneut „elegant aus der Affäre zieht“, wird vermutlich eher die harsche Kritik an dem Film sein, der so eben nicht zu einem Kinoflop mutiert, der dann für ewig in den Geschichtsbüchern der Moviekreation stehen wird, immerhin kennt niemand genaue Zahlen über den Erfolg eines einzelnen Films innerhalb dieses Portals.

So kann man den eigentlich völlig in den Sand gesetzten Monsterfilm ästhetisch als … äh …. „und das haben wir auch noch für euch“ seinen zahlenden Streamern verkaufen und versuchen, zu verhindern, dass es ein Vollfiasko wird, von dem sich Disney dann nicht mehr so schnell erholen wird.

Hätte man sich hier etwas mehr Zeit genommen, mehr Liebe in die Produktion eines Films investiert und nicht mit Dollar-Augen auf die Scheinchen gegeiert, wie man das mittlerweile leider von Disney kennt, dann wäre den Menschen dieser Streifen wohl auch nicht so mies aufgestoßen, wie er das momentan tut: 9% auf Rotten Tomatoes spricht ja eigentlich an dieser Stelle auch eine mehr als deutliche Sprache.

Schade eigentlich, denn das Potenzial, mit diesen Welten etwas zu machen, scheint ja definitiv gegeben zu sein, denn ohne selbiges wären die Bücher wohl kaum so ein Welterfolg geworden, wie sie heute sind.

Disney, wie wäre es, wenn eure Absichten, Filme zu machen, in Zukunft wieder an die Idee (nur ne Idee…) geknüpft sind, sie tatsächlich irgendwie auf so großen weißen Dingern zu zeigen? So Leinwand? Kino? Dings? Saal? Dunkel und so… mit äh Vorspann und Popcorn und das alles? Irgendwer? 🤷🏼

Ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür, wie man 125 Mio. $ grandios versenken kann: Erinnert an schlechte John Travolta-Filme und kaum an einen Megablockbuster aus der Wizard World, der dieser Film irgendwie gerne sein würde. Spart‘s euch.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht auszusitzen, hier kommt nichts weiter.

Kinostart: 14. August 2020 (exklusiv auf Disney+)

Original Title: Artemis Fowl
Length: 95 Min.
Rated: FSK 6

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Porträt einer jungen Frau in Flammen

© 2020 Alamodefilm

Hinweis in eigener Sache:

Corona hat uns in Teilen in unsere Wohnzimmer verbannt und dazu verdammt, den Leinwänden für die Dauer des Lockdowns den Rücken zuzukehren. Das hat dazu geführt, dass einige Titel nicht mehr im Kino angesehen werden konnten bzw. sorgt aktuell immer noch dafür, dass vieles das Licht der Leinwand gar nicht erst erblickt.

Außerdem ist es seit jeher Gang und Gebe, die Filme nach einem gewissen Zeitraum auch online auf VoD-Portalen sowie auf Blu-ray und DVD anzubieten. Da habt ihr ab sofort die Möglichkeit, .kinoticket-blog.de aktiv zu unterstützen, indem ihr eure Käufe über die jeweiligen Links am Ende jedes Beitrags tätigt. Dadurch helft ihr dabei, dieses Blog am Leben zu erhalten, da ich als Amazon-Partner an qualifizierten Verkäufen verdiene.

Es wäre toll, wenn ihr diese Chance in Zukunft häufig nutzt, denn damit ist im Endeffekt allen geholfen. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle.

Und nun zum Film: Der ging bereits vor dem wirtschaftlichen Kollaps auf die Leinwände und wurde von mir nicht mehr rechtzeitig rezensiert, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits in meiner Krankenphase befunden und keine Kritiken veröffentlicht habe. Da er momentan aber z.B. über Amazon Prime Video abrufbar ist, dachte ich, arbeiten wir nun die Warteliste ein wenig ab.

Wer sich nicht zu viel Spannung aus dem relativ unaufgeregten Plot herausnehmen möchte, sollte einen Bogen um den Trailer machen, der andererseits aber wiederum sehr gut das Wesen dieses Films zum Besten gibt. Nicht umsonst ist Porträt einer jungen Frau in Flammen ein gefeierter Insider bei Arthouse-Fans und bekommt zu Recht genügend Aufmerksamkeit zugespielt.

Noémie Merlant und Adèle Haenel vertiefen sich hier in die verflochtenen Entdeckungen des gegenspielerischen Charakters, wobei sich die beiden immer mehr aneinander annähern und dabei die tiefen Tiefen menschlicher Empfindungen entdecken und auf eine sehr stilvolle und ambient-lastige Weise zelebrieren.

Man spürt sehr deutlich, welche schöpferische Kraft hier der Kunst zugesprochen wird und feiert diese Form der Weltwahrnehmung durch sensationell ausgestaltete Kameraeinstellungen und sehr gesichtsbezogene Darstellung. Dabei steht kaum im Weg, dass die Abhandlungen bereits einige Jahrhunderte in der Vergangenheit liegen, denn das schafft Platz, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können und ermöglicht dem Zuschauer, die Szenerie frei von politischen und modernen Einflüssen zu genießen.

Die prekäre Schärfe und kantige Art, die von beiden hierbei auf die Leinwand gebracht wird, ist zu Recht preisverdächtig und wurde in Cannes bereits in Form des besten Drehbuchs ausgezeichnet.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass es doch möglich ist, ein sensationelles Drehbuch zu verfassen, eine Gabe, die ich in unserem Land noch schmerzlich vermisse.

Definitiv mitnehmen, wahrlich prachtvolle Inszenierung einer unglaublichen Annäherung in einem Metier, das wohl keiner aus seinem Alltag kennen dürfte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Oktober 2019

Original Title: Portrait de la jeune fille en feu
Length: 122 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/3hLLc4L
Bluray: https://amzn.to/2Zje2Cj
DVD: https://amzn.to/35eNaav


The Old Guard

The Old Guard - Filmplakat
© 2020 Netflix

Ein Titel, nach dem ich in letzter Zeit tatsächlich öfters gefragt werde – und bevor ihr anfangt zu nerven, gibt’s die Kritik dazu 😀

Meinen Zwiespalt zu Netflix und anderen VoD-Portalen im Vergleich zu Kino kennt ihr: In meinen Augen gibt es NICHTS, dass Kino gleich kommt. Viele Titel erleben überhaupt erst ihre Geburt dadurch, dass man sie tatsächlich auf einer großen Leinwand sieht.

Kürzlich noch habe ich (weil die jetzt auch wieder auf die Leinwände gebracht werden) mit einem über die Der Hobbit-Trilogie gesprochen und er meinte, dass die im Vergleich zu den Herr der Ringe-Teilen extrem langweilig und lahmarschig wären und man nichts verpasst hätte, wenn man die nicht kennt.

Ich hab mir tatsächlich die Mühe gemacht und mir das Ding auf der Leinwand reingezogen und kann seine Aussage damit herrschaftlich dementieren: Genau das ist das Problem mit illegalen Videoportalen, komischen Streaming-Anbietern … und eben auch Netflix: Die Qualität und das gebührende Umfeld für die Entwicklung und Entfaltung einer großartig erzählten Geschichte ist nirgendwo so gegeben wie in einem Kinosaal. Diskussionsfrei.

Ich weiß nämlich, dass dieser jemand sehr gerne Filme streamt und sehr wenig ins Kino geht – und bin immer wieder überrascht, wie schlecht man manche Werke dann einschätzt, wenn sie auf einem 22 Zoll-Monitor geschaut werden.

Nun kam Netflix aber mit einer ziemlich ausgefuchsten Idee daher: Die haben unfassbar viel Geld gesammelt und ziemlich wenig Mitspracherecht dazu gebündelt, sondern den Leuten die Kohle in die Hand gedrückt und gesagt: Macht mal, wir bringen das dann schon raus. Ergebnis? Unglaublich kreative, neue, frische Luft auf den Displays, weil die ganzen Independent-Fanatiker nun endlich eine Plattform (und die nötigen Mittel) in der Hand hielten, um ihre Geistesblitze Realität werden zu lassen. Und dafür hab ich Netflix tatsächlich geliebt.

Die Medienmogul-Macht Hollywoods schien gebrochen und man konnte sich an immer toll umgesetzten, neuen Machwerken erfreuen, die das konservative Bild des klassischen Films vehement durchbrochen haben und somit eine völlig neue Coolness erschaffen wurde, die auch ich tatsächlich regelmäßig vergöttere.

The Old Guard liefert nun ein komplett anderes Bild. Inzwischen hat man bei Apple TV+ z.B. auch begriffen, dass Inhalte her müssen, die über den Tellerrand solcher Nischenbildungen hinaus gehen und investiert wieder unglaubliche Summen, um hochkarätigen Cast an Land zu ziehen, mit dem man die gewünschten Umsätze generieren kann. Dies tut nun auch Netflix – und ich hatte von Anfang an das Gefühl, man wirbt nicht mehr mit geilen Inhalten, sondern viel mehr mit Charlize Theron – und das meine ich völlig unpersönlich. Ich mag die Frau und habe viele Filme mit ihr sogar in meiner Filmsammlung, jedoch hatte ich beim Sichten von The Old Guard das Gefühl, Netflix opfert seine Genialität zugunsten von „Na, wir haben jetzt ja Prominenz, dann brauchen wir uns nicht mehr anstrengen.“

Und dieser Schuss könnte der Anfang vom Ende sein und einen Krieg auf die Plane rufen, der am Ende wieder Einheitsbrei und Langeweile bedeutet: Niemand braucht ein zweites Hollywood.

Dabei sind die Idee und Ansätze des Drehbuchs nämlich durchaus brauchbar und liefern Hoffnungen auf eine weitere, großartige Geschichte: Die ist aber ziemlich schnell begriffen und bietet für Vielschauer wie meiner einer keine Wow-Momente, die einen tatsächlich vom Hocker hauen, sondern zieht sich halt mehr schlecht als recht durch die Laufzeit, um am Ende – ganz hollywoodlike – auf eben jene Vorahnungen hinauszulaufen, wie man es bereits aus dem klassischen Kino kennt. Und genau das macht mir an dieser Stelle tatsächlich Angst, denn ich hätte mir die Entwicklung genau andersherum gewünscht: Dass Netflix seine Vormachtstellung und Ressourcen nutzt, um im Kino den Wind wieder etwas aufzufrischen und die bislang grandiosen Titel dann auch auf die Big Screens bringt.

Man hat irgendwie das Gefühl, durch die vorhandene Prominenz büßt Netflix das Vorrecht auf Geilheit ein wenig ein und meint, sich nicht mehr richtig anstrengen zu müssen. Idee und Konzept gut, aber so richtig zündet man damit nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kann man gleich weiter klicken, hier folgt nichts weiter.

Streaming auf Netflix: 10. Juli 2020

Original Title: The Old Guard
Length: 125 Min.
Rated: FSK 16


Zwingli – Der Reformator

Zwingli - Der Reformator - Filmplakat
© 2020 W-film Distribution

Wenn der Film startet, fühlt man sich an vieles erinnert, was heutzutage (wieder) aktuell ist: Eine „Seuche“, die die Menschheit „dahinrafft“, Unbehagen und totale Orientierungslosigkeit bei vielen Bürgern, einige Mächtige, die sich offensichtlich über das Wohl aller erheben und damit einen Großteil der ihr unterstellten Bevölkerung schamlos ausnutzen und betrügen… Es gibt so viele Punkte, die zum Teil auch in meinem Leben nicht spurlos an mir vorübergegangen sind, auch wenn man in punkto Schwere keinerlei Vergleiche ziehen kann. Aber ich kann es verstehen und nachempfinden.

Zwingli – Der Reformator greift hier mit einer wunderbaren Autorität ein und fängt an, den „Dreck nach draußen zu schaffen“ und für klare Verhältnisse zu sorgen. Dass der Mensch – der im Allgemeinen ein Gewohnheitstier ist, das eben jene Gewohnheiten höchst ungern in Frage stellt oder gar ändert – damit in den häufigsten Fällen so gar nicht zufrieden ist, ist gemeinhin keine Neuigkeit.

Das Erschreckende bei mir war: Die angeprangerten Zustände sind allesamt mehr oder weniger höchstaktuell … der Film handelt aber von Huldrych Zwingli, dessen Geburtsjahr auf 1484 beziffert ist. Die angegangenen Missstände, die dieser Reformator seiner Zeit vor die Augen der Zuständigen in Zürich hielt, wünscht man sich heute – 2020 – in Großteilen immer noch reformiert und denkt im ersten Moment: Okay, nun kann‘s los gehen: Endlich reißt mal jemand seine Klappe auf und spricht Tacheles.

Das zeigt, dass ein Hinterfragen der alltäglichen Normalität bis zum heutigen Tag immer noch enorme Bedeutung inne hält und in meinen Augen noch viel zu wenig in der Öffentlichkeit praktiziert wird. Dass die Dinge „schon immer so gewesen sind, darum sind sie auch heute so“ war für mich noch nie eine plausible Erklärung für bestimmtes Handeln.

Gehen wir – ganz banal – mal in andere Bereiche, zum Beispiel die Küche: Nur, weil man im 9. Jahrhundert gut fand, dass man seine Rüben an gewissen Metallrändern aufschlitzen konnte (heute auch als „Küchenreibe“ bekannt), bedeutet das noch lange nicht, dass ich heute 25 kg Weißkohl nicht viel leichter (und verletzungsfreier) mit einer entsprechenden Gastro-Maschine zerhäckseln kann. Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt ist hier auch viel weniger körperliche Arbeit und natürlich auch viel weniger Zeit von Nöten.

Aber geht mal in die Gastronomie und versucht, eine solche bereits schon vorhandene Maschine für den Gebrauch zu aktivieren und merket auf, welch Widerstand und Irr-Reden euch dabei begegnen: „Nein, ich hab doch meine liebe Küchenreibe, damit geht das doch viel schneller und …. AUA!“ #Blut.

Es ist eine wahre Freude, dem Hauptdarsteller Simonischek hier beim Aufräumen solcher missgeleiteten Gedanken und Abhandlungen zuzuschauen… zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Denn – wie bei allen Revolutionen in der Geschichte unserer Spezies bisher auch – kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem alles ausartet. Man streitet sich, man versteht den Grundgedanken nicht, man übertreibt, man dreht völlig ab.

Auch, wenn die geschichtlichen Aspekte, die im übrigen sehr gut umgesetzt sind und ein sehr stimmiges und gutes Bild abliefern, bereits dem ein oder anderen bekannt sein könnten, liefert dieser Film einen völlig neuen (Auffrischungs-)Einblick in die Geschichte und zeigt, dass neben dem hierzulande wohl bekanntesten Reformator Martin Luther auch andere maßgeblich bei der Gestaltung der religiösen und alltäglichen Lebensweisen unseres Planeten tätig und wichtig waren.

Lobend erwähnen möchte ich auch einige handwerkliche Momente des Films: Da wäre die Kostümierung, die sich sehr originalgetreu an Bildstichen Zwinglis orientiert und damit eine zeitgetreue Klammottage aufführt, ebenso gibt es im Film unzählige Momente, in denen sehr präzise und gekonnte Kameraeinstellungen und Blickwinkel zu sehen sind, die für sich ein absoluter Augenschmaus sind und Hand in Hand mit dem Kolorit des Films eine optische Basis bieten, die – abseits der Geschichte – allein schon extrem angenehm und sehenswert ist.

Und: Der Soundtrack. Leute – das ist ein schweizer Kinoprojekt, deutschsprachig produziert und ragt so dermaßen aus dem sonstigen Wust deutschen Kinoversagens heraus. Was hier extra von Baldenweg produziert und komponiert wurde, ist für sich eigenständig publizierwürdig und trägt eine dermaßen angenehme sakral-chorale und orchestrale Offenbarung zur Schau, dass man sich den Film allein deshalb anschauen sollte.

Und das geht – in Zeiten von Corona – ganz einfach über http://zwingli.vod.wfilm.de per Streaming oder direkt zum Kauf. Gleichermaßen könnt ihr den Film auch via iOS, Android, Apple TV, Roku und Chromecast sichten bzw. erwerben.

Insgesamt ein sehr bewegender, packender Film, der sich mit historischen Meilensteinen auseinandersetzt und die schweizerische Seite der Reformation in allen Facetten sehr originalgetreu beleuchtet und wiederbelebt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Oktober 2019
VoD: 14. Mai 2020
Heimkinostart: 29. Mai 2020

Original Title: Zwingli – Der Reformator
Length: 128 Min.
Rated: FSK 12


Abgerissen

Abgerissen - Blu-ray Packshot
© 2019 Capelight Pictures

Ich liebe Weltuntergangsstimmung, ich mag Katastrophenfilme und ich spiele unendlich gerne im Areal von Angst, Unvorhergesehenheit und horröser Zerstörung. Im Film.

Umso befriedigender, wenn diese Filme dann auch noch unglaublich nah am Realismus entlang schrammen, dann wird der Nervenkitzel auf der Leinwand erst recht richtig geil.

Abgerissen kommt aus Russland – und wir wissen spätestens seit Hardcore Henry, dass die Russen diesbezüglich ziemlich krassen Scheiß drauf haben. Umso mehr verwundert mich die selige Ruhe, mit der man hier in die Geschichte eintaucht: Kein forsches Vordringen in charakteristische Persönlichkeiten, kein großes Aufhalten mit In-Szene-bringen, keine Stimmungsbarrieren, die man der Reihe nach umstößt, um den Zuschauer so richtig fett ins Geschehen zu treiben – nichts.

Viel mehr das Ansinnen, alles möglichst unspektakulär über die Bühne zu bringen. Das Cover weckte in mir den Wunsch, irgendwas in Richtung Open Water geliefert zu bekommen, nur eben in den Bergen mit sehr viel Tiefe und anderen Urängsten, denen der Mensch sich immer wieder zu stellen hat. Als jemand, der zeitweilig fast täglich Seilbahnen „beritten“ hat, kenne ich mich in diesem Metier auch ein wenig aus und weiß um so manches Hintergrundwissen, das man im Laufe der Jahre halt einfach mit aufschnappt. Gerade deshalb hatte ich mich unfassbar auf ein wenig Grusel innerhalb dieses Spektrums gefreut – und umso größer war die Enttäuschung.

Die Situation punktet anfangs zwar mit sehr viel Natürlichkeit und gut gemachter Unaufgeregtheit, mündet dann aber sehr schnell in solch kruder Absurdität, die den Zuschauer teilweise sehr fordert. Kein Mensch würde an gewissen Stellen so reagieren, wie dies die Protagonisten im Film tun – schon allein im Affekt oder aus reiner Unwissenheit würde nahezu jeder gegenteilig agieren. Und je weiter die Laufzeit tickt, umso schlimmer wird es, bis man sich am Schluss teilweise nur noch an den Kopf fasst. Sehr viel schlimmer an den Haaren herbeigezogen kann der Plot gar nicht sein, der jedwede Möglichkeit für Spannung und Überlebensdrang mit Füßen tritt und stellenweise binnen Sekunden komplett in sich zusammenkrachen lässt.

Schön wäre gewesen, wenn dies mit dem Material in der Geschichte und nicht den Emotionen der Menschen vor dem Bildschirm passiert wäre. So bleibt dies einfach nur ein Film, der eine einzige Vorahnung bestens erfüllt: Dass das nur ein billiges B-Movie ist mit dem Hang zu echtem Trash.

Sollte man Spannung und Nervenkitzel erwarten, wird man hier leider enttäuscht: Die Kulisse ist zwar atemberaubend und auch die Grundidee lässt auf mehr hoffen, der Hang zum Surrealismus zerstört aber jeglichen Filmspaß und hinterlässt einen eher mit Kopfschütteln statt mit Gänsehaut auf dem Rücken. Schade, daraus hätte man viel mehr machen können.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Anfänglich noch mit Bildern unterlegt, enthält dieser keine weiteren Szenen. Abwarten ist also unnötig.

Streaming auf Amazon Prime: 29. November 2019

Original Title: Отрыв
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16


Little America (Season 1)

Little America - Serienplakat
© 2020 Apple TV+

Apple – ansässig im amerikanischen California – repräsentiert schon seit jeher den amerikanischen Traum: Aus dem dreckigen Slum eines verarmten, belächelten Landes irgendwo im Nirgendwo aufbrechen, nach Amerika kommen und dort zu etwas werden.

Was ich als Kind mit der hiesigen Flagge dieses Landes kombiniert habe, konnte man im Verlaufe der Zeit immer wieder in Präsentationen zwischen den Zeilen vernehmen, z.B. anhand der Auswahl der Bilder, die in verschiedenen Keynotes preisgegeben wurden.

Little America ist nun eine Zusammenstellung von acht kleinen Geschichten, die eben jenen amerikanischen Traum repräsentieren und dabei ebenso beispiel- wie klischeehaft darstellen, wozu dieses „großartige Land“ alles in der Lage ist.

Das Augenmerk sollte man als Zuschauer hierbei vielmehr auf die unterhaltenden Komponenten als die geistige Reife richten, denn die Geschichten basieren zwar allesamt auf wahren Begebenheiten, wurden jedoch durch die übliche „Für’s Kino tauglich machen“-Maschine gefleischwolft.

Auch hier erkennt man wieder, dass in punkto Medien, Musik und Ästhetik bei Apple gewisse Vorstellungen und Standards existieren, von denen man kaum abweicht. Davon zeugt nicht zuletzt die angebotene Medialwucht in Form von 4K, Dolby Vision™ und Dolby Atmos™. Auch mit der Kamera hat man sich wieder wunderbar durch die Szenen bewegt, was in meinen Augen im Entertainment-Sektor jedoch keinerlei Bedeutung hat, sofern ein wichtiger Bestandteil nicht funktioniert: Die Erzählung.

Hier stottert man gehörig und hapert mit dem eigenen Wunsch, aus dem Boden hervorzubrechen und in voller Blüte aufzugehen: Die Dialoge sind langsam, die Emotionen fast statisch und so mancher Darsteller erinnert in seinem Handeln einem duschästhetisierten Roboter, der seine genauen Anweisungen präzise erfüllt.

Dies sorgt im Bauch des actioneifrigen, emotionsbeeinflussbaren Cineasten für reichlich bürokratische Kälte und macht das alles ein wenig überflüssig: Man sieht sich diverse Male dem Wunsch gegenüber, einfach abzuschalten und es als „belanglos“ abzutun.

Geschichten dieser Art kennt man inzwischen zur Genüge, also muss etwas her, das den einzelnen Episoden Spitzigkeit und frischen Pep einverleibt, damit der Zuschauer nicht müde drauf rumkaut, sondern es kaum erwarten kann, endlich die nächste Folge zu starten.

Die einzige Episode, die mich wirklich einigermaßen unterhalten hat, war Nr. 4 „The Silence“: Hier konnte ich viele Male echt lachen und hatte meinen Spaß dabei. Der Rest war so la la und in meinen Augen keiner großartigen Erwähnung würdig. Jedoch läuft die Serie anscheinend so gut, dass Apple bereits eine zweite Staffel angekündigt hat. Na mal sehen, ob das dann besser wird.

Wer nicht absolut patriotisch besessen von konservativen Länderklischees ist, wird hierbei nicht so recht seine Freude finden: Die Charaktere sind zwar alle den echten Vorbildern nachempfunden, agieren aber zu statisch und unwirklich, um ihren Handlungen echten Glauben abzuverlangen. Die Optik ist herausragend, inhaltlich bewegen sich die einzelnen Folgen aber eher auf niedrigem Niveau.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es kommen keine weiteren Szenen.

Streaming auf Apple TV+: 17. Januar 2020

Original Title: Little America
Length: 8 Episodes à 32 Min.
Rated: FSK 12


The Elephant Mother

The Elephant Queen - Filmplakat
© 2019 Apple TV+

Über Apple TV+

Angesichts der sonstigen Streaming-Riesen ist Apple TV+ ein Angebot, dass seit seinem Start nicht so richtig aus dem Boden raus kriechen möchte und mit bislang nur sehr wenigen Inhalten punktet.

Derzeit erhält jeder, der sich ein neues Apple-Gerät zulegt, für 1 Jahr kostenlos Apple TV+ und kann sich somit einen Einblick verschaffen, was ihm dann in Zukunft für 4,99 € im Monat geboten werden wird.

Das Angebot ist befristet und Apple behält sich vor, es jederzeit wieder zu beenden. Gleichermaßen muss man aufpassen, sofern man diese Chance genutzt hat, es nicht vorzeitig zu kündigen: Der Zugang endet dann nämlich direkt und nicht erst nach Ablauf des Jahres.

Gestreamt werden kann auf allen üblichen Apple-Geräten (AppleTV, iPhone, iPad, Mac und via AirPlay) sowie am PC und diversen Fernsehern (Roku Players & TVs, fireTV, Samsung Smart TV sowie LG Smart TV).

Apple bietet zudem die Möglichkeit, den Zugang mit bis zu 5 Familienmitgliedern innerhalb der Apple-Family zu teilen und wirbt damit, dass die Angebote immer werbefrei sind.

Grund genug, sich die dort inzwischen angebotenen Inhalte einmal vorzunehmen und hier zu bewerten.

The Elephant Mother

Es war das Aushängeschild vor Start, es war das Bild, das anfangs immer mit dem Portal verknüpft wurde, wenn jemand darüber schrieb. Und tatsächlich: The Elephant Mother wirbt mit Bildern, die eine der Qualitäten zum Vorschein bringt, für die man Apple sowieso kennt: Foto-Markanz.

Angeboten in 4K in Dolby Vision™ und Dolby Atmos™ überzeugt man in dieser Geschichte tatsächlich mit berauschenden Bildern, die einen in die Savanne Afrikas entführen und somit anderen Dokumentationen dieser Art durchaus Konkurrenz machen.

Im Original von Chiwetel Ejiofor gesprochen laggt die deutsche Variante wieder an einer etwas unrühmlichen Synchro und entfernt sich damit von dem hierzulande angelegten Standard-BBC-Maß. Das ist anfangs zwar etwas enttäuschend, aber die gezeigten Bilder mit Kameraeinstellungen, die man als Apple-Kunde inzwischen von den Screensaver-Aufnahmen aus AppleTV gewöhnt ist, verwöhnen auch hier optisch und sorgen damit für einen Ausgleich.

Auch die Kamerawinkel und Bokeh-Aufnahmen zeugen davon, dass man weiß, was man tut und sich die ganze Zeit über hammerhart an den Standards der Marke orientiert, die bekanntermaßen ja relativ hoch angesetzt sind.

Im Verlauf des Films wird man dann auch wirklich in diese Welt gerissen und kann sich einen wunderbaren Einblick in das Leben der Natur und der Zusammenhänge des Lebens verschaffen. Dabei wird die ganze Zeit über sehr darauf wertgelegt, dass die gezeigten Szenen permanent familientauglich bleiben, aber dennoch unschöne Aspekte nicht außen vor lassen.

Die Laufzeit von 1:36h ist in meinen Augen etwas zu lang, da zwar die Story durcherzählt wird und man sich hierbei auch genügend Zeit lässt, um die Bilder auf sich wirken zu lassen, der anfänglich noch existente Überraschungseffekt bei manch tatsächlich herausragenden Blickwinkeln und Nahaufnahmen verliert gegen Ende aber ein wenig seinen Reiz.

Auch insgesamt fehlt mir hier ein Stück weit der Bombast des Erstaunens, den man in den BBC-Dokumentationen sonst immer vorgelegt bekommt. Insgesamt wirkt es – so wie das Portal selbst auch – eben dennoch ein wenig, als würde man nicht richtig aus sich rauskommen wollen und die ganze Zeit mit angezogener Handbremse vor sich hin traben.

Am besten auf einem großen Fernseher streamen, der die angebotenen Features auch wirklich unterstützt: Die Bilder sind teils tatsächlich atemberaubend und der ganze Film betört mit einer optischen Ruhe und sanften Ausstrahlung. Die Synchronisation ist für mich das am wenigsten Gelungene des Films, denn die Stimme und auch der Text zeugen nicht von Anmut und Eleganz, sondern eher von Unbeholfenheit. Das stört ein wenig – und auch am Schluss driftet man eher zu Wiederholungen als zu berauschenden Ergebnissen. Im Großen und Ganzen dennoch brauchbar, sofern man auf Dokumentationen dieser Art steht.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Braucht man nicht aussitzen, es folgen jedoch noch zwei Bilder.

Streaming auf AppleTV+: 1. November 2019

Original Title: The Elephant Queen
Length: 96 Min.
Rated: FSK 6


But Beautiful (inkl. Gewinnspiel)

But Beautiful - Filmplakat
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem die DVD von But Beautiful verlost wird.

Es gibt derzeit gerade keine Branche, die so unter den Einschränkungen leidet, wie „Kunst und Kultur“. Die Menschen ringen ums Überleben in ihren Köpfen und vernachlässigen alles, was ihrer Meinung nach nicht zwingend zum „Atmen und am Leben bleiben“ notwendig ist.

Leuten wie mir fällt dies extrem auf: Mir fehlt der geistige Anspruch, mir fehlt die designerische Liebe, mir fehlt der tägliche, kulturelle Kick. Derzeit ist alles anders und man kann sich nicht mehr in eines der gemütlichen kleinen Kinos zurückziehen und in Ruhe eine anspruchsvolle Dokumentation ansehen.

Wenn‘s nach Erwin Wagenhofer geht, ist dies ja gar keine Dokumentation, sondern einfach ein Feature Film … für mich ist es eine erquickliche Perle, die die artistische Trockenheit in diesen Tagen mit sprudelndem Quell erfrischender Wohltat beseelt und dem Zuschauer etwas wundervolles näher bringt.

Wer möglicherweise seine vorherigen Werke kennt (We Feed the World, Let‘s Make Money oder Alphabet), der mag sich jetzt denken: „Großer Gott, nicht schon wieder so ein depressives Anprangerungswerk, bei dem üble Missstände offengelegt werden“. – Ich kann euch beruhigen: Genau das Gegenteil ist der Fall: Wagenhofer hat beschlossen, positiv zu sein und sich deshalb in langjähriger Recherche nach Geschichten und Menschen umgesehen, die er in einer absolut beruhigenden, seelenschmeichelnden und wohltuenden Weise in diesem Werk zusammenflicht und dem Zuschauer damit die Kunst auf dem goldenen Tablett nach Hause serviert.

Ich selbst wünsche mir oft dieses Gefühl, welches der Film vermittelt, die einkehrende Ruhe, die eben nicht der Zwangsquarantäne und -tatenlosigkeit entspricht, die viele momentan empfinden.

But Beautiful führt euch genau dort hin und gib euch die Möglichkeit, es in „fertiger Montur“ zu genießen und entführt euch an die Orte, zu Momenten zu den Menschen, die diesen harmonischen Frieden bereits leben und ein Stück davon weitergeben.

Ein Film, den man viele Male sehen und dabei immer wieder neue Schönheiten entdecken und auf sich wirken lassen kann.

Gewinnspiel

But Beautiful - DVD Packshot
DVD Packshot
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Und weil ich derzeit niemanden von euch ins Kino schicken kann, drehen wir auch hier einmal den Spieß um: Es mag einige geben, die den Film bereits gesehen haben, denn der ursprüngliche Kinostart war am 14. November 2019 – und gestern feierte das Werk seine Heimkinopremiere und ist ab sofort auf DVD bzw. VoD zu haben.

Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG war deshalb so spendabel und hat mir eine niegelnagelneue DVD des Films But Beautiful zur Verfügung gestellt, die ich euch hiermit weiterverlosen möchte.

Die enthält neben dem Film in Originalfassung (Deutsch, Englisch & Hindi mit Untertiteln) zudem noch eine Fassung für Hörgeschädigte und liefert ca. 30 Minuten weitere Einblicke in die kommenden Filme aus dem Haus Pandora.

Die DVD besitzt außerdem ein Wendecover, so dass kein störendes, unschönes FSK-Logo auf der Front in der Vitrine zu sehen ist.

Schreibt bis zum Samstag, den 25. April 2020 unter diesen Beitrag, worauf ihr euch am meisten freut, wenn die Ausgangssperren wieder gelockert sind und das „normale Leben“ weitergehen kann.

Was ist das erste, das ihr dann tun werdet? Worauf fiebert ihr hin? Worauf freut ihr euch?

Unter allen Kommentaren, die bis zum besagten Zeitpunkt eingehen, wird anschließend die Gewinnerin bzw. der Gewinner ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Gebt bitte diesbezüglich eine gültige E-Mail an, damit ich euch im Gewinnfall erreichen und nach der Adresse fragen kann.

Nun wünsch ich euch viel Glück, natürlich weiterhin viel Gesundheit und bleibt in all dem weiterhin gelassen.

Eine emotionale Perle, die reichhaltig Kultur nach Hause spült und einen tiefsitzenden Frieden vermittelt – pure Schönheit und Eleganz, Vorwärtsstreben und ein durch und durch von Gesundheit und Lebensfreude durchzogener Blick in eine perspektivische Zukunft.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Abwarten, nach dem Endscroll folgen noch weitere Aufnahmen und Szenen.

Heim-Kinostart: 17. April 2020

Original Title: But Beautiful
Length: 116 Min.
Rated: FSK 0


Der Schwarze Diamant

Uncut Gems - Filmplakat
© 2020 Netflix

In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16


Brittany Runs A Marathon

Brittany Runs A Marathon - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Es ist Sonntag. Für alle Nicht-Bäcker, Nicht-Gastronomen, Nicht-Kranken- oder Altenpfleger ein Tag, um sich gemütlich aus dem warmen Bett zu schälen und mit einem Heißgetränk auf der Couch niederzulassen und irgendwas anzuschmeißen.

Am besten erst den Kamin, dann irgendeins der gefühlten Milliarden Streamingportale, die es bald überall geben wird. Mal ehrlich: Muss damit eigentlich neuerdings jeder seine Kohle machen? Geht das nicht auch irgendwie bedienerfreundlicher, ohne dass man in ein paar Jahren dann für jeden Film ein extra Jahres-Abo abschließen muss?

Der Zeitpunkt, als Brittany Runs A Marathon up to date war, ist inzwischen auch vergangen. Die Zeit, in der ich „up to date“ war, erkämpfe ich mir grad irgendwie zurück. Doch mit einem etwas anderen Fokus: Man sollte manche Dinge vielleicht einfach mal entspannter angehen, nicht immer nur schreien und jagen, sondern manchmal ist die Decke auf der Couch genau das richtige, um einen sonnigen Tag gemütlich zu starten.

Und manchmal sind Streamingportale auch nicht das schlechteste, selbst bei Kritiken, die eigentlich aus dem Kinosaal heraus geschrieben werden. Wenn’s euch also nichts ausmacht, werden hier ab und zu immer wieder mal ein paar Sichtungen von mir kommentiert werden.

Warum ich das alles erzähle? Brittany Runs A Marathon hört sich erstmal unglaublich sportlich und anstrengend an … ist in meinen Augen aber genau die Art Film für einen dieser Sonntag-Morgen, denn das städtisch-verliebte New Yorker-Flair gepaart mit der etwas trapsigen, unbeholfenen Art von Jillian Bell passt hier genau rein.

Wer den Film genießen will, sollte am besten vorher keinen Trailer schauen und sich glücklich schätzen, das automatische Abspielen von „Vorschautrailern“ in seinen Accounts deaktiviert zu haben. Der nämlich verrät vieles und deutet dabei in eine völlig andere Richtung, die der Film am Ende geht. Dabei werden wieder künstliche Erwartungshaltungen aufgebaut, an denen die Vorfreuden-Einsteiger am Ende zerbrechen und eher enttäuscht sind.

Und grundsätzlich kann es meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn man das Sex and the City bzw. Friends-Gen ein wenig in sich trägt – genau das ist in meinen Augen die Zielgruppe für diesen Film.

Und da ich früher weder das eine, noch das andere gesehen habe (Friends hole ich gerade nach) und nie so wirklich ein Fan dieser skurrilen Großstadt-Wir-lieben-uns-alle-und-findens-toll-Dinger war, hat mich dieser Film auch nicht so richtig abgeholt.

Vielleicht war es auch einfach nur die große Komödien-Erwartungshaltung, die der Trailer geschürt hat und die der Film einfach viel zu wenig befriedigt. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist angesichts diverser (klischeeuntermauerter) Tatsachen auch soweit nachvollziehbar und schlussendlich denke ich, dass darum der Griff zur Fernbedienung hier eher die richtige Wahl ist denn ins Kino zu gehen.

Und wer von euch hätte in all den Jahren gedacht, dass ich das an dieser Stelle – auf dieser Website – einmal sagen würde? Wer? 😉

Für einen gemütlichen Sonntag-Morgen zum Wachwerden und geistig nicht gleich überfordert zu sein, genau das richtige.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kommt nichts weiter, man kann zum nächsten Titel springen.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Brittany Runs A Marathon
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6