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Abgerissen

Abgerissen - Blu-ray Packshot
© 2019 Capelight Pictures

Ich liebe Weltuntergangsstimmung, ich mag Katastrophenfilme und ich spiele unendlich gerne im Areal von Angst, Unvorhergesehenheit und horröser Zerstörung. Im Film.

Umso befriedigender, wenn diese Filme dann auch noch unglaublich nah am Realismus entlang schrammen, dann wird der Nervenkitzel auf der Leinwand erst recht richtig geil.

Abgerissen kommt aus Russland – und wir wissen spätestens seit Hardcore Henry, dass die Russen diesbezüglich ziemlich krassen Scheiß drauf haben. Umso mehr verwundert mich die selige Ruhe, mit der man hier in die Geschichte eintaucht: Kein forsches Vordringen in charakteristische Persönlichkeiten, kein großes Aufhalten mit In-Szene-bringen, keine Stimmungsbarrieren, die man der Reihe nach umstößt, um den Zuschauer so richtig fett ins Geschehen zu treiben – nichts.

Viel mehr das Ansinnen, alles möglichst unspektakulär über die Bühne zu bringen. Das Cover weckte in mir den Wunsch, irgendwas in Richtung Open Water geliefert zu bekommen, nur eben in den Bergen mit sehr viel Tiefe und anderen Urängsten, denen der Mensch sich immer wieder zu stellen hat. Als jemand, der zeitweilig fast täglich Seilbahnen „beritten“ hat, kenne ich mich in diesem Metier auch ein wenig aus und weiß um so manches Hintergrundwissen, das man im Laufe der Jahre halt einfach mit aufschnappt. Gerade deshalb hatte ich mich unfassbar auf ein wenig Grusel innerhalb dieses Spektrums gefreut – und umso größer war die Enttäuschung.

Die Situation punktet anfangs zwar mit sehr viel Natürlichkeit und gut gemachter Unaufgeregtheit, mündet dann aber sehr schnell in solch kruder Absurdität, die den Zuschauer teilweise sehr fordert. Kein Mensch würde an gewissen Stellen so reagieren, wie dies die Protagonisten im Film tun – schon allein im Affekt oder aus reiner Unwissenheit würde nahezu jeder gegenteilig agieren. Und je weiter die Laufzeit tickt, umso schlimmer wird es, bis man sich am Schluss teilweise nur noch an den Kopf fasst. Sehr viel schlimmer an den Haaren herbeigezogen kann der Plot gar nicht sein, der jedwede Möglichkeit für Spannung und Überlebensdrang mit Füßen tritt und stellenweise binnen Sekunden komplett in sich zusammenkrachen lässt.

Schön wäre gewesen, wenn dies mit dem Material in der Geschichte und nicht den Emotionen der Menschen vor dem Bildschirm passiert wäre. So bleibt dies einfach nur ein Film, der eine einzige Vorahnung bestens erfüllt: Dass das nur ein billiges B-Movie ist mit dem Hang zu echtem Trash.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man Spannung und Nervenkitzel erwarten, wird man hier leider enttäuscht: Die Kulisse ist zwar atemberaubend und auch die Grundidee lässt auf mehr hoffen, der Hang zum Surrealismus zerstört aber jeglichen Filmspaß und hinterlässt einen eher mit Kopfschütteln statt mit Gänsehaut auf dem Rücken. Schade, daraus hätte man viel mehr machen können.

Nachspann: Anfänglich noch mit Bildern unterlegt, enthält dieser keine weiteren Szenen. Abwarten ist also unnötig.

Streaming auf Amazon Prime: 29. November 2019

Original Title: Отрыв
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16


The Elephant Mother

© 2019 Apple TV+

Über Apple TV+

Angesichts der sonstigen Streaming-Riesen ist Apple TV+ ein Angebot, dass seit seinem Start nicht so richtig aus dem Boden raus kriechen möchte und mit bislang nur sehr wenigen Inhalten punktet.

Derzeit erhält jeder, der sich ein neues Apple-Gerät zulegt, für 1 Jahr kostenlos Apple TV+ und kann sich somit einen Einblick verschaffen, was ihm dann in Zukunft für 4,99 € im Monat geboten werden wird.

Das Angebot ist befristet und Apple behält sich vor, es jederzeit wieder zu beenden. Gleichermaßen muss man aufpassen, sofern man diese Chance genutzt hat, es nicht vorzeitig zu kündigen: Der Zugang endet dann nämlich direkt und nicht erst nach Ablauf des Jahres.

Gestreamt werden kann auf allen üblichen Apple-Geräten (AppleTV, iPhone, iPad, Mac und via AirPlay) sowie am PC und diversen Fernsehern (Roku Players & TVs, fireTV, Samsung Smart TV sowie LG Smart TV).

Apple bietet zudem die Möglichkeit, den Zugang mit bis zu 5 Familienmitgliedern innerhalb der Apple-Family zu teilen und wirbt damit, dass die Angebote immer werbefrei sind.

Grund genug, sich die dort inzwischen angebotenen Inhalte einmal vorzunehmen und hier zu bewerten.

The Elephant Mother

Es war das Aushängeschild vor Start, es war das Bild, das anfangs immer mit dem Portal verknüpft wurde, wenn jemand darüber schrieb. Und tatsächlich: The Elephant Mother wirbt mit Bildern, die eine der Qualitäten zum Vorschein bringt, für die man Apple sowieso kennt: Foto-Markanz.

Angeboten in 4K in Dolby Vision™ und Dolby Atmos™ überzeugt man in dieser Geschichte tatsächlich mit berauschenden Bildern, die einen in die Savanne Afrikas entführen und somit anderen Dokumentationen dieser Art durchaus Konkurrenz machen.

Im Original von Chiwetel Ejiofor gesprochen laggt die deutsche Variante wieder an einer etwas unrühmlichen Synchro und entfernt sich damit von dem hierzulande angelegten Standard-BBC-Maß. Das ist anfangs zwar etwas enttäuschend, aber die gezeigten Bilder mit Kameraeinstellungen, die man als Apple-Kunde inzwischen von den Screensaver-Aufnahmen aus AppleTV gewöhnt ist, verwöhnen auch hier optisch und sorgen damit für einen Ausgleich.

Auch die Kamerawinkel und Bokeh-Aufnahmen zeugen davon, dass man weiß, was man tut und sich die ganze Zeit über hammerhart an den Standards der Marke orientiert, die bekanntermaßen ja relativ hoch angesetzt sind.

Im Verlauf des Films wird man dann auch wirklich in diese Welt gerissen und kann sich einen wunderbaren Einblick in das Leben der Natur und der Zusammenhänge des Lebens verschaffen. Dabei wird die ganze Zeit über sehr darauf wertgelegt, dass die gezeigten Szenen permanent familientauglich bleiben, aber dennoch unschöne Aspekte nicht außen vor lassen.

Die Laufzeit von 1:36h ist in meinen Augen etwas zu lang, da zwar die Story durcherzählt wird und man sich hierbei auch genügend Zeit lässt, um die Bilder auf sich wirken zu lassen, der anfänglich noch existente Überraschungseffekt bei manch tatsächlich herausragenden Blickwinkeln und Nahaufnahmen verliert gegen Ende aber ein wenig seinen Reiz.

Auch insgesamt fehlt mir hier ein Stück weit der Bombast des Erstaunens, den man in den BBC-Dokumentationen sonst immer vorgelegt bekommt. Insgesamt wirkt es – so wie das Portal selbst auch – eben dennoch ein wenig, als würde man nicht richtig aus sich rauskommen wollen und die ganze Zeit mit angezogener Handbremse vor sich hin traben.

.kinoticket-Empfehlung: Am besten auf einem großen Fernseher streamen, der die angebotenen Features auch wirklich unterstützt: Die Bilder sind teils tatsächlich atemberaubend und der ganze Film betört mit einer optischen Ruhe und sanften Ausstrahlung. Die Synchronisation ist für mich das am wenigsten Gelungene des Films, denn die Stimme und auch der Text zeugen nicht von Anmut und Eleganz, sondern eher von Unbeholfenheit. Das stört ein wenig – und auch am Schluss driftet man eher zu Wiederholungen als zu berauschenden Ergebnissen. Im Großen und Ganzen dennoch brauchbar, sofern man auf Dokumentationen dieser Art steht.

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, es folgen jedoch noch zwei Bilder.

Streaming auf AppleTV+: 1. November 2019

Original Title: The Elephant Queen
Length: 96 Min.
Rated: FSK 6


But Beautiful (inkl. Gewinnspiel)

But Beautiful Filmplakat
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem die DVD von But Beautiful verlost wird.

Es gibt derzeit gerade keine Branche, die so unter den Einschränkungen leidet, wie „Kunst und Kultur“. Die Menschen ringen ums Überleben in ihren Köpfen und vernachlässigen alles, was ihrer Meinung nach nicht zwingend zum „Atmen und am Leben bleiben“ notwendig ist.

Leuten wie mir fällt dies extrem auf: Mir fehlt der geistige Anspruch, mir fehlt die designerische Liebe, mir fehlt der tägliche, kulturelle Kick. Derzeit ist alles anders und man kann sich nicht mehr in eines der gemütlichen kleinen Kinos zurückziehen und in Ruhe eine anspruchsvolle Dokumentation ansehen.

Wenn‘s nach Erwin Wagenhofer geht, ist dies ja gar keine Dokumentation, sondern einfach ein Feature Film … für mich ist es eine erquickliche Perle, die die artistische Trockenheit in diesen Tagen mit sprudelndem Quell erfrischender Wohltat beseelt und dem Zuschauer etwas wundervolles näher bringt.

Wer möglicherweise seine vorherigen Werke kennt (We Feed the World, Let‘s Make Money oder Alphabet), der mag sich jetzt denken: „Großer Gott, nicht schon wieder so ein depressives Anprangerungswerk, bei dem üble Missstände offengelegt werden“. – Ich kann euch beruhigen: Genau das Gegenteil ist der Fall: Wagenhofer hat beschlossen, positiv zu sein und sich deshalb in langjähriger Recherche nach Geschichten und Menschen umgesehen, die er in einer absolut beruhigenden, seelenschmeichelnden und wohltuenden Weise in diesem Werk zusammenflicht und dem Zuschauer damit die Kunst auf dem goldenen Tablett nach Hause serviert.

Ich selbst wünsche mir oft dieses Gefühl, welches der Film vermittelt, die einkehrende Ruhe, die eben nicht der Zwangsquarantäne und -tatenlosigkeit entspricht, die viele momentan empfinden.

But Beautiful führt euch genau dort hin und gib euch die Möglichkeit, es in „fertiger Montur“ zu genießen und entführt euch an die Orte, zu Momenten zu den Menschen, die diesen harmonischen Frieden bereits leben und ein Stück davon weitergeben.

Ein Film, den man viele Male sehen und dabei immer wieder neue Schönheiten entdecken und auf sich wirken lassen kann.

Gewinnspiel

But Beautiful DVD Packshot
DVD Packshot
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Und weil ich derzeit niemanden von euch ins Kino schicken kann, drehen wir auch hier einmal den Spieß um: Es mag einige geben, die den Film bereits gesehen haben, denn der ursprüngliche Kinostart war am 14. November 2019 – und gestern feierte das Werk seine Heimkinopremiere und ist ab sofort auf DVD bzw. VoD zu haben.

Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG war deshalb so spendabel und hat mir eine niegelnagelneue DVD des Films But Beautiful zur Verfügung gestellt, die ich euch hiermit weiterverlosen möchte.

Die enthält neben dem Film in Originalfassung (Deutsch, Englisch & Hindi mit Untertiteln) zudem noch eine Fassung für Hörgeschädigte und liefert ca. 30 Minuten weitere Einblicke in die kommenden Filme aus dem Haus Pandora.

Die DVD besitzt außerdem ein Wendecover, so dass kein störendes, unschönes FSK-Logo auf der Front in der Vitrine zu sehen ist.

Schreibt bis zum Samstag, den 25. April 2020 unter diesen Beitrag, worauf ihr euch am meisten freut, wenn die Ausgangssperren wieder gelockert sind und das „normale Leben“ weitergehen kann.

Was ist das erste, das ihr dann tun werdet? Worauf fiebert ihr hin? Worauf freut ihr euch?

Unter allen Kommentaren, die bis zum besagten Zeitpunkt eingehen, wird anschließend die Gewinnerin bzw. der Gewinner ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Gebt bitte diesbezüglich eine gültige E-Mail an, damit ich euch im Gewinnfall erreichen und nach der Adresse fragen kann.

Nun wünsch ich euch viel Glück, natürlich weiterhin viel Gesundheit und bleibt in all dem weiterhin gelassen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine emotionale Perle, die reichhaltig Kultur nach Hause spült und einen tiefsitzenden Frieden vermittelt – pure Schönheit und Eleganz, Vorwärtsstreben und ein durch und durch von Gesundheit und Lebensfreude durchzogener Blick in eine perspektivische Zukunft.

Nachspann: Abwarten, nach dem Endscroll folgen noch weitere Aufnahmen und Szenen.

Heim-Kinostart: 17. April 2020

Original Title: But Beautiful
Length: 116 Min.
Rated: FSK 0


Der Schwarze Diamant

© 2020 Netflix

In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

.kinoticket-Empfehlung: Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16


Brittany Runs A Marathon

Brittany Runs A Marathon - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Es ist Sonntag. Für alle Nicht-Bäcker, Nicht-Gastronomen, Nicht-Kranken- oder Altenpfleger ein Tag, um sich gemütlich aus dem warmen Bett zu schälen und mit einem Heißgetränk auf der Couch niederzulassen und irgendwas anzuschmeißen.

Am besten erst den Kamin, dann irgendeins der gefühlten Milliarden Streamingportale, die es bald überall geben wird. Mal ehrlich: Muss damit eigentlich neuerdings jeder seine Kohle machen? Geht das nicht auch irgendwie bedienerfreundlicher, ohne dass man in ein paar Jahren dann für jeden Film ein extra Jahres-Abo abschließen muss?

Der Zeitpunkt, als Brittany Runs A Marathon up to date war, ist inzwischen auch vergangen. Die Zeit, in der ich “up to date” war, erkämpfe ich mir grad irgendwie zurück. Doch mit einem etwas anderen Fokus: Man sollte manche Dinge vielleicht einfach mal entspannter angehen, nicht immer nur schreien und jagen, sondern manchmal ist die Decke auf der Couch genau das richtige, um einen sonnigen Tag gemütlich zu starten.

Und manchmal sind Streamingportale auch nicht das schlechteste, selbst bei Kritiken, die eigentlich aus dem Kinosaal heraus geschrieben werden. Wenn’s euch also nichts ausmacht, werden hier ab und zu immer wieder mal ein paar Sichtungen von mir kommentiert werden.

Warum ich das alles erzähle? Brittany Runs A Marathon hört sich erstmal unglaublich sportlich und anstrengend an … ist in meinen Augen aber genau die Art Film für einen dieser Sonntag-Morgen, denn das städtisch-verliebte New Yorker-Flair gepaart mit der etwas trapsigen, unbeholfenen Art von Jillian Bell passt hier genau rein.

Wer den Film genießen will, sollte am besten vorher keinen Trailer schauen und sich glücklich schätzen, das automatische Abspielen von “Vorschautrailern” in seinen Accounts deaktiviert zu haben. Der nämlich verrät vieles und deutet dabei in eine völlig andere Richtung, die der Film am Ende geht. Dabei werden wieder künstliche Erwartungshaltungen aufgebaut, an denen die Vorfreuden-Einsteiger am Ende zerbrechen und eher enttäuscht sind.

Und grundsätzlich kann es meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn man das Sex and the City bzw. Friends-Gen ein wenig in sich trägt – genau das ist in meinen Augen die Zielgruppe für diesen Film.

Und da ich früher weder das eine, noch das andere gesehen habe (Friends hole ich gerade nach) und nie so wirklich ein Fan dieser skurrilen Großstadt-Wir-lieben-uns-alle-und-findens-toll-Dinger war, hat mich dieser Film auch nicht so richtig abgeholt.

Vielleicht war es auch einfach nur die große Komödien-Erwartungshaltung, die der Trailer geschürt hat und die der Film einfach viel zu wenig befriedigt. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist angesichts diverser (klischeeuntermauerter) Tatsachen auch soweit nachvollziehbar und schlussendlich denke ich, dass darum der Griff zur Fernbedienung hier eher die richtige Wahl ist denn ins Kino zu gehen.

Und wer von euch hätte in all den Jahren gedacht, dass ich das an dieser Stelle – auf dieser Website – einmal sagen würde? Wer? 😉

.kinoticket-Empfehlung: Für einen gemütlichen Sonntag-Morgen zum Wachwerden und geistig nicht gleich überfordert zu sein, genau das richtige.

Nachspann: Kommt nichts weiter, man kann zum nächsten Titel springen.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Brittany Runs A Marathon
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6