Little America - Serienplakat
© 2020 Apple TV+

Apple – ansässig im amerikanischen California – repräsentiert schon seit jeher den amerikanischen Traum: Aus dem dreckigen Slum eines verarmten, belächelten Landes irgendwo im Nirgendwo aufbrechen, nach Amerika kommen und dort zu etwas werden.

Was ich als Kind mit der hiesigen Flagge dieses Landes kombiniert habe, konnte man im Verlaufe der Zeit immer wieder in Präsentationen zwischen den Zeilen vernehmen, z.B. anhand der Auswahl der Bilder, die in verschiedenen Keynotes preisgegeben wurden.

Little America ist nun eine Zusammenstellung von acht kleinen Geschichten, die eben jenen amerikanischen Traum repräsentieren und dabei ebenso beispiel- wie klischeehaft darstellen, wozu dieses „großartige Land“ alles in der Lage ist.

Das Augenmerk sollte man als Zuschauer hierbei vielmehr auf die unterhaltenden Komponenten als die geistige Reife richten, denn die Geschichten basieren zwar allesamt auf wahren Begebenheiten, wurden jedoch durch die übliche „Für’s Kino tauglich machen“-Maschine gefleischwolft.

Auch hier erkennt man wieder, dass in punkto Medien, Musik und Ästhetik bei Apple gewisse Vorstellungen und Standards existieren, von denen man kaum abweicht. Davon zeugt nicht zuletzt die angebotene Medialwucht in Form von 4K, Dolby Vision™ und Dolby Atmos™. Auch mit der Kamera hat man sich wieder wunderbar durch die Szenen bewegt, was in meinen Augen im Entertainment-Sektor jedoch keinerlei Bedeutung hat, sofern ein wichtiger Bestandteil nicht funktioniert: Die Erzählung.

Hier stottert man gehörig und hapert mit dem eigenen Wunsch, aus dem Boden hervorzubrechen und in voller Blüte aufzugehen: Die Dialoge sind langsam, die Emotionen fast statisch und so mancher Darsteller erinnert in seinem Handeln einem duschästhetisierten Roboter, der seine genauen Anweisungen präzise erfüllt.

Dies sorgt im Bauch des actioneifrigen, emotionsbeeinflussbaren Cineasten für reichlich bürokratische Kälte und macht das alles ein wenig überflüssig: Man sieht sich diverse Male dem Wunsch gegenüber, einfach abzuschalten und es als „belanglos“ abzutun.

Geschichten dieser Art kennt man inzwischen zur Genüge, also muss etwas her, das den einzelnen Episoden Spitzigkeit und frischen Pep einverleibt, damit der Zuschauer nicht müde drauf rumkaut, sondern es kaum erwarten kann, endlich die nächste Folge zu starten.

Die einzige Episode, die mich wirklich einigermaßen unterhalten hat, war Nr. 4 „The Silence“: Hier konnte ich viele Male echt lachen und hatte meinen Spaß dabei. Der Rest war so la la und in meinen Augen keiner großartigen Erwähnung würdig. Jedoch läuft die Serie anscheinend so gut, dass Apple bereits eine zweite Staffel angekündigt hat. Na mal sehen, ob das dann besser wird.

Wer nicht absolut patriotisch besessen von konservativen Länderklischees ist, wird hierbei nicht so recht seine Freude finden: Die Charaktere sind zwar alle den echten Vorbildern nachempfunden, agieren aber zu statisch und unwirklich, um ihren Handlungen echten Glauben abzuverlangen. Die Optik ist herausragend, inhaltlich bewegen sich die einzelnen Folgen aber eher auf niedrigem Niveau.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es kommen keine weiteren Szenen.

Streaming auf Apple TV+: 17. Januar 2020

Original Title: Little America
Length: 8 Episodes à 32 Min.
Rated: FSK 12