Februar 3, 2023

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Cloudy Mountain

Cloudy Mountain - Filmplakat
© 2022 PLAION PICTURES GmbH

Phew. Da haut der „Ich würd gern die neue Weltordnung anführen“-Human-Gigant China mal eben einen Blockbuster auf die Leinwand, der da drüben natürlich alle Rekorde sprengt … so sehr, dass es in Deutschland eine Agentur gibt, die mich angeschrieben und eingeladen hat, das Ding zu sichten um ein wenig Werbung dafür zu machen.

Und auch auf anderen Kanälen schwappt das Teil über den Erdball zu uns in die Kinos – zum Beispiel in die Sneak Previews. Der Einfluss, den China auf die westliche Welt nehmen will (und schon seit Jahren nimmt – Stichwort „made in…“) macht also auch vor dem Kino keinen Halt mehr.

Und wie wir als aufgeklärte Menschen inzwischen wissen: Medialer Einfluss ist mächtig, denn was sich der Mensch täglich so vor den Latz knallen lässt und reinzieht, das übernimmt er im Laufe der Zeit ganz automatisch. Nicht umsonst legen autoritäre Staaten wie Russland (und eben auch China) darum unfassbar hohen Wert auf Dinge wie „Staatsfernsehen“, um diese „Propaganda“ stets aufrecht zu erhalten und ihre Form des Lebens beeinflussbar zu lassen.

Der lustige Fun-Fact: Bei China kriegen wir da irgendwie ganz großes Bauchweh und es kommt eine Angst auf, gerade im Hinblick auf Technik und Entwicklung (Überwachung). Bei Amerika? Scheißegal. Ist doch normal.

Genau diese Empfindung („Propaganda-Film“) taucht nämlich in den inzwischen auch im Internet zu findenden Rezensionen oder bei Menschen auf, die den Film bereits gesneakt haben.

Da lenke ich nun mal ein wenig auf die „Art des Films“, mit der wir es hier zu tun haben und muss (leider?) sagen: Das ist beim amerikanisch-hollywoodösen Pendant eigentlich rein genau das gleiche. Wenn wir dieses chinesische Ding verurteilen wollen, dann müssen wir das mit „unserem Roland Emmerich“ genauso tun. Wenn wir Cloudy Mountain dafür an den Pranger stellen wollen, müssen wir das mit San Andreas, The Day after Tomorrow und der … has fallen-Filmreihe genauso machen, denn hier ist es genau das gleiche, nur dass die klischeehaft wehende Fahne im Hintergrund eben eine andere ist.

In Amerika wird bei so etwas (und es gibt so unfassbar viele Filme dieser Art) auch die Zugehörigkeit der Army, Navy Seals oder sonst was gehypt. Dort wird auch Patriotismus groß geschrieben und wir schauen uns das in dem Wissen an und denken uns unseren Teil, aber feiern die Effekte, den Krawoum und den Bass trotzdem ab, denn irgendwie ist es heroisch, auch wenn der Plot noch so platt ist.

Eigentlich wundert mich dabei nur: Warum hat China so lange gebraucht, um dieses eigentlich recht simpel gestrickte Filmformat zu kopieren? Cloudy Mountain macht nämlich genau das – und sogar richtig gut. Man nimmt irgendwie extrem vorhersehbare Charaktere, eine stupide Bedrohung, gegen die der Mensch nicht wirklich was ausrichten kann, hat „die Büroaffen im Hintergrund“ und „die heroischen Helden im Vordergrund“, die dabei auch immer noch irgendwelche dümmlichen, privaten Probleme eruieren und lösen müssen und am Ende weht die Fahne des Sieges, es erklingen patriotische Klänge und man feiert, was man für eine geile Nation ist.

Ganz ehrlich? Wenn man’s so betrachten will, ist all das bei San Andreas dümmlich, und bei Cloudy Mountain eben auch.

Also weg mit dem politischen Dings, weg mit dem Propaganda-Gedanken und hin zum filmischen Können … und da muss ich sagen: Mich wundert der Erfolg nicht. Wenn man auf ältere Filme solchen Kalibers schaut (Tunnel z.B.), dann merkt man, dass der Osten unfassbar viel gelernt hat und inzwischen richtig gute Produktionen raushauen kann, die dem patriotischen Blockbuster aus Hollywood eben in nichts mehr nachstehen.

Die Unterhaltungskurve kommt einem Vielseher wie mir unglaublich bekannt und „familiar“ vor, die krachenden Elemente und die direkt am Anfang erzeugte Katastrophenstimmung steht Titeln wie Moonfall in kaum etwas nach und auch sonst muss ich sagen: Solides Handwerk, nur eben mit chinesischen Hauptdarstellern. Würden wir Gerard Butler und Bruce Willis mit Dwayne Johnson da hin stellen, würde halt einfach nicht auffallen, dass es keine amerikanische Produktion ist – und dafür ein Chapeau an die Macher dieses Werks.

Auch in Sachen Soundtrack, Auswahl und vor allem in Sachen Filmtechnik zieht man hier Geschütze auf und zeigt, „was man hat“. Wenn es also etwas zu kritisieren gibt, dann: Warum hat Europa hier nicht mitgezogen und bringt eigene Drohnen ins Spiel? Eigene künstliche Intelligenzen? Eigene Interfaces, die genauso geil aussehen und die selbe Praktikabilität aufweisen?

Ich würde es also eher als zwinkernden Augenmerk betrachten und sagen: „Okay, ihr habt das inzwischen, wir arbeiten dran. Let’s play.“ – das ist bei diesen Propaganda-Gedanken dann wohl besser und läuft auf fairen Wettbewerb hinaus.

Dann hat man wieder Spaß bei der Sache, Spaß beim Leben … und mit Cloudy Mountain nun eben auch einen chinesischen Blockbuster, der sich zu Recht als Katastrophenfilm seiner Art bezeichnen darf: Gut gemacht. Wir sind am Zug.

.kinoticket-Empfehlung: Frage: Wieso hat das so lange gedauert, bis China das überaus erfolgreiche Konzept des stupiden Bullshit-Plot-Katastrophen-Blockbusters kopiert und selbst auf die Leinwand wirft? Immerhin ist Amerika damit seit Jahrzehnten erfolgreich. Und dieser filmische Erfolg zündet hier auch – weil’s produktionstechnisch eben genauso richtig ist wie all die westlichen Pendants, die unsereiner so kennt.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Hier werden noch viele Bildausschnitte und Clips gezeigt, die man ruhig noch mitnehmen darf, auch wenn sie den bittersüßen Geschmack der Systemtreue in sich tragen…

Kinostart: 01. Dezember 2022

Original Title: Feng bao
Length: 114 Min.
Rated: FSK 12

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