Dezember 6, 2021

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Contra

Contra - Filmplakat
© 2021 Constantin Film Verleih GmbH

Sönke Wortmann war einst eine Ikone des deutschen Kinos und brachte Titel wie Frau Müller muss weg und Der Vorname auf die Leinwand. Also sollte man meinen, dass sein neuestes Werk ebenfalls für Qualität steht.

Bereits als ich das erste Mal den Trailer gesehen habe, kamen in mir da große Zweifel auf. Das Original kommt aus Frankreich (Le Brio) und wurde hierzulande bereits wunderbar umgesetzt auf die Leinwand gebracht unter dem Namen Die brillante Mademoiselle Neila. Das traurige in diesem Moment ist, dass ich mir jetzt unsicher bin, ob ich das Original rezensieren und euch von diesem Film hier abraten, oder mich wirklich der Materie des aktuellen Titels annehmen soll.

Im Original geht es nämlich um ein sehr wichtiges Thema, das brillant umgesetzt verschiedene Aspekte des alltäglichen Miteinanders auf den Tisch bringt und in wunderbarer Weise ausarbeitet. Neben dem unfassbaren Charme der Darsteller, die für ihre Rollen hervorragend gecastet wurden, punktet man hier mit unglaublich intelligentem Inhalt und liefert ein hervorragendes Stück, das die Dinge aus einem völlig anderen Blickwinkel beleuchtet.

Genau das war die Stärke des Originals, genau das ist, worauf der deutsche Regisseur verzichtet und damit die komplette Geschichte ad absurdum führt.

Die Aspekte, die das Original so geistreich und anders vor Augen führt, werden im deutschen Remake so gedreht, dass man völlig an der Thematik vorbei die eigentliche Grundaussage des Stücks missachtet und mit Füßen tritt.

Dabei halte ich eigentlich sehr viel von Schauspielern wie Christoph Maria Herbst, auch wenn dieser seine Rolle nicht so einnehmen kann, wie Daniel Auteuil im Original.

An der Besetzung und optischen Aufmachung von Hauptdarstellerin Nilam Farooq erkennt man dann überdeutlich, dass sich hier die deutsche Elite eigentlich nur selbst feiert und man eine Erzählung geschaffen hat, die keinerlei Rücksicht auf fremde Kulturen und den Respekt des Individuums legt, sondern sich genau so positioniert, dass sich die Aktivisten wieder Recht geben können mit dem, was sie seit Jahren an der Männer dominierten weißen Rasse kritisieren.

Dass man einen Film erneut auf die Leinwand bringt, keine eigenen Ideen mehr schafft, schlechtere deutsche Darsteller nimmt – alles geschenkt. Dass man dann aber die Aussage komplett ins Gegenteil verkehrt, ist meiner Meinung nach etwas, dass unter der Würde eines Remakes ist und zumindest bei mir sehr negative Gefühle auslöst.

Contra kommt im Laufe des Films immer wieder mit Momenten durch, an denen man denkt: doch ein hervorragend gemachter Film, hin und wieder echt gute Dialoge, saubere und klare Kameraführung, eigentlich alles in allem spitzenmäßig gearbeitet.

Wenn man das Original kennt, kommt einem dann aber auch in den Sinn, dass die Kameraführung zum Teil exakt die aus dem Original ist, dass die Momente mit den guten Dialogen fast eins zu eins aus dem Original übernommen wurden und dass der Film nur deshalb auf ein Niveau kommt, weil die Filmvorlage eben so gut ist. Und das ist nun wirklich keine Leistung, die man sich selbst zuzuschreiben hätte.

Im Vergleich zu allem anderen, was man hierzulande gerade im Kino sehen kann, ist Contra dennoch ein Film, der sehenswert ist. Wenn man allerdings die Chance hat, sich das Original anzusehen, kann man auf diesen Missgriff sehr gerne verzichten.

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich: Schaut euch lieber Die brillante Mademoiselle Neila an, dann habt ihr einen hervorragenden Film aus Frankreich, der alles richtig macht und auf das deutsche Eingebildet sein verzichtet. Dialoge, Kamerführung und Inhalte sind nahezu 1:1, nur dass das französische Vorbild nicht auf der Würde anderer rumtrampelt und sich selbst dabei in die Höhe lobt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. Oktober 2021

Original Title: Contra
Length: 104 Min.
Rated: FSK 12