Crawl - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Mit Sam Raimi wird geworben – er ist aber nicht der verantwortliche Guru für das Teil, sondern “nur” Produzent. Seine Handschrift spürt man jedoch deutlich im Film, den ich mal liebevoll mit “Director’s Trash” bezeichnen würde: Genau so etwas habe ich mir auch erwartet – das aber heiß und innigst.

Crawl steht für bissige Action, Zähne fletschen, viele Schreie und Blut. Und genau das liefert der Film, wenn auch mit ein paar markanten Kanten, die meiner Meinung nach nicht hätten sein müssen.

Der Optik des Films sieht man das große Budget an, die Viecher sind durch die Bank weg top animiert und auch das Setting des Films strahlt durch bravouröse Größe: Bereits zu Beginn wird man als Zuschauer in eine Atmosphäre geschleudert, von der ich schon lange träume. Oder um es mit den Worten der Presseveranstalter zu sagen: “Es passiert nix und du hast schon mal Angst.”

Tatsächlich kommt hier wirklich Stimmung auf, die das Ganze einleitet und extrem viel Spaß macht. Große Boxen, düstre Säle, und Lautstärke – und ihr habt Spaß dabei!

Der Wehmutstropfen kommt dann in puncto “Realität”: Das Thema ist viel zu geil, um es an fantastische Ideologien zu verschleudern. Hier hätte man sich ein klein wenig Jurassic Park-Ehre abscheiden sollen und diverse Plotfehler von vornherein eliminieren.

Es passieren wieder die typischen Filmidiotien, die der geneigte Horrorfan schon seit Jahren zu kritisieren weiß. Die Action ist mit fortlaufender Zeit immer unglaubwürdiger, denn mal schreit man wie am Spieß vor Schmerz, drei Szenen weiter: auf einmal wieder unbändige Kraft, man kann wieder galant durchs Leben turnen, während man weitere drei Sekunden später wieder vor Schmerz kaum aus den Augen sehen kann … Da hört irgendwann die Sympathie des Zuschauers auf und geht stark in die B-Trash-Movie-Riege über, wobei der Film dafür zu galant gemacht ist, um ihn als solches bezeichnen zu können.

Das Problem ist seine eindeutige Dualität: Der Trailer verspricht von vornherein “spaßige Augenzwinker-Action”, während der Film dann versucht, ernsthafte Unterhaltung zu liefern – und der Schuss geht nach hinten los.

Hat man deswegen weniger Haudrauf-Gaudi? Nope.

Ist der Film deswegen schlecht? Nope.

Es macht trotzdem Spaß, weil’s halt einfach geil aussieht und – sofern man bei jedem Plot-Patzer nen Shot trinkt – der Entertainment-Faktor gegeben ist. Zwar hätte zu meinen Jugendzeiten die FSK angesichts der blutverströmten Strömung längst zum farblich passenden Label gegriffen, aber darüber scheint die Menschheit hinaus gewachsen zu sein, sonst wäre auch dieser Titel kaum ab 16. Dafür sind manche Szenen aber schon sehr hart, auch wenn ihnen eine gewisse Realitätsnähe abzugewinnen wäre.

.kinoticket-Empfehlung: Hält nicht, was der Trailer verspricht, sieht dafür aber verdammt gut aus und bringt zum Beginn des Films bereits extrem krasse Stimmung auf, für die sich meiner Meinung nach das Kinoticket wieder lohnt.

Nachspann: Enthält keine bissigen Features mehr. Rausgehen erlaubt! Der Song rockt allerdings 😉

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Crawl
Length: 87 Min.
Rated: FSK 16