Das Wunder im Meer von Sargasso - Filmplakat
© 2019 RFF – Real Fiction Filmverleih e.K.

Wenn man unverblümt ohne Vorwissen und -urteile in diesen Film geht, riecht man sofort den Duft von Roadtrip-Freiheit, der zu Beginn aus allen Ecken quillt und die Lust auf Abenteuer, Freiheit, Ausbruch und Systemferne unbändig nährt.

Genau dies wird dem von der Presse bis dato hochgelobten Werk in meinen Augen zum Verhängnis: Ich liebe Roadtrips, ich lebe selbst ein Leben ohne festen Anker auf einem Boden, zu dem es mich immer wieder zurück zieht. Ich weiß von dem Gefühl des beständigen Vorwärtsgehens und der ganzen metaphysischen Ausbruchsstimmung, die damit einhergeht.

Ich liebe das Gefühl des Vorankommens und der Wege, die das Leben manchmal ganz plastisch, manchmal aber auch im Kontext der Charakterbildung geht.

Und genau da fängt das Werk alsbald an zu stocken und bewegt sich dann kein Stück mehr weiter. Einen Film wie diesen darauf hinauslaufen zu lassen, ob und wenn ja, was evtl. passiert oder nicht, ist für einen Genredurchbruch viel zu wenig. Prinzipiell ahnt man auch als Kinofremder schon, was passieren wird und Vorhersehbarkeit gleicht dem Tod jedweder Erzählung.

Dass hierbei dann nur noch manche Szenen mit überraschender Brutalität aufwarten und das Schauspiel von Angeliki Papoulia durchaus positiv zu erwähnen ist, rettet meiner Meinung nach nicht die komplette Show. Man bekommt mit fortlaufender Spieldauer immer mehr Aggressivität in seinen Körper, die einen dazu anstachelt, die Figuren anzuschreien, dass sie endlich handeln sollen und das ganze Gequatsche darüber sein zu lassen, was nicht nur in mir negative Assoziationen auslöste.

Damit war der gewollte Bombeneffekt am Schluss des Films in seiner Wirkung vollkommen verpufft und jeder im Saal wünschte sich anschließend eigentlich nur, dass der Schluss der Anfang des Films gewesen wäre und man eine andere Geschichte daraus gesponnen hätte.

.kinoticket-Empfehlung: Das beschriebene Wunder entpuppt sich eher als mauer Schlag in den Magen der Vernunft, indem man sich viel zu viel Zeit für unnötige Entwicklungsphasen lässt, die schlussendlich auf eingangs vermutete Ziele hinauslaufen und dem Film damit jede mögliche Spannung schon kurz nach Beginn nehmen. Damit läuft die Show ins Leere und das Empfinden von Befriedung bleibt vollkommen aus.

Nachspann: Muss nicht ausgeharrt werden, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: To thávma tis thálassas ton Sargassón
Length: 121 Min.
Rated: FSK