Dezember 2, 2022

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Der Nachname

Der Nachname - Filmplakat
© 2022 Constantin Film Verleih GmbH

Nach dem durchschlagenden Erfolg von Der Vorname war irgendwo abzusehen, dass es einen Nachfolger geben würde. Wie schon bei Die Wunderübung, wo man ebenfalls ein bereits erfolgreiches Theaterstück für die Leinwand adaptiert hat, wurde auch bei Der Vorname ein rühmlich-funktionierendes Erzählwerk neu interpretiert und von der Bühne auf die Leinwand geholt. Dieser Umstand ist meist ein Garant für Erfolg bei den Zuschauern.

Genau dieser Punkt wurde bei Der Nachname aber geflissentlich ignoriert: Hier steht kein Theater-Erstlingswerk als Vorbild Modell, sondern man bedient sich ausschließlich der typisch alltäglichen Fortsetzungsmechanismen und zwingt sich irgendwie selbst dazu, die Geschichte auf Gedeih und Verderb weiter zu führen.

Das kann funktionieren (wenn man z.B. extraordinary-talented script writer in der Gehaltsliste stehen hat), muss es aber nicht… und tut es in den meisten Fällen auch nicht.

Ja, man spürt die Einflüsse eines Sönke Wortmann, der sich inzwischen seine ganz eigene Geschichtenwelt erschaffen hat und man findet auch die immergleichen deutschen Schauspielcharaktere, die sich wieder in den alten Rollen üben und so versuchen, geistreich zu sein… aber irgendwie zündet für mich der Stoff nicht wirklich. Nach dem Vorgänger weiß man nun einfach, was kommen wird und braucht kaum mehr Hirn, um vorauszuahnen, was es mit den angekündigten Plot-Twists auf sich hat.

Der ein oder andere Gag trifft pointenreich ins Schwarze und sorgt auch für Lacher, das Gros der Zuschauergefühle ist allerdings eher durchwachsen und „so la la“. Eben wieder mal ein typisches Werk für Nachzügler, die „die alten Teile“ nicht kennen und sich darum amüsiert auf den „jetzigen Teil“ stürzen und so tun, als hätte es nie was besseres gegeben.

Schade eigentlich, denn das Thema hat durchaus Potenzial, um hieraus etwas nachdenkliches oder gesellschaftlich-relevantes zu machen und sich mit dem Thema Namensgebung weiter auseinanderzusetzen (was einer der Stärken des ersten Teils war!), stattdessen konzentriert man sich aber eher auf säuselnde Krisen innerhalb der Familie, die jetzt auch nichts in der Richtung bieten, für das man zwingend ins Kino rennen müsste und verbrät einen Christoph Maria Herbst der Extraklasse, denn wie wir alle wissen, kann dieser Typ genau solche Art Film eigentlich verdammt gut, wird hier aber mit einem Drehbuch gefesselt, das ihm keinerlei Spielraum zur Entfaltung seiner Möglichkeiten bietet.

Angesichts ausgeprägter Alternativlosigkeit wird dieser Teil jedoch ebenfalls sein Publikum finden und allein durch die Besucherzahlen zum „Kinohit des Jahres“ mutieren, denn der Cast stimmt und trifft so ziemlich ausgewogen exakt die Zielgruppe von Constantin.

Bleibt zu hoffen, dass damit dann Schluss ist und nicht etwa noch Der Geburtsname, Der Mittelname und Der „geborene als“-Name nachgeschoben wird.

.kinoticket-Empfehlung: Wirkt irgendwie einfallslos und langweilig, konzentriert sich nicht mehr auf Namen, sondern auf eher laue Familiengeschichten und stiehlt sich somit selbst die Relevanz. Der Biss aus dem ersten Teil ist definitiv weg – und für mich damit auch der Grund, sich den Teil im Kino anzusehen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Oktober 2022

Original Title: Der Nachname
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0

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