Februar 3, 2023

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Der Passfälscher

Der Passfälscher - Filmplakat
© 2022 X Verleih AG

Louis Hofmann ist inzwischen fast ein Garant für guten Stoff. Mit der Netflix-Serie Dark hat er sich einen Namen in der aktuellen Generation gemacht und auch im Kino mit Red Sparrow, Prélude oder Deutschstunde inzwischen sehr sehr Brauchbares abgeliefert.

Der Passfälscher ist nun auch schon seit einiger Zeit wieder von den Leinwänden verschwunden, und ich kann mich gut daran erinnern, wie sehr man sich in der Presselobby darüber aufgeregt hat, dass Nazideutschland nicht beleuchtet, sondern der ganze Krieg und das Drumrum so unbeschwert und leicht im Film dargestellt wurde, wie Cioma Schönhaus das auch in seinem Roman beschrieben hat. #Buchtreue.

Dass das keinesfalls Kriegsverharmlosung ist, sondern einfach nur einen völlig neuen Blickwinkel in Territorien wirft, die man sich aufgrund der unzähligen Schwarz-Weiß-Beklecker-Deutsch-Wir-können-nix-anderes-und-nennen-es-einfach-Bildungsauftragsfernsehen bisher nicht getraut hat zu zeigen und jetzt endlich damit hervortritt … großartig!

Der Film hat es sogar in die Vorauswahl der Einreichungsnominierungen von Deutschland für die Academy Awards 2023 geschafft, wurde schlussendlich aber nicht ausgewählt. Aber allein das zeigt, dass die Story hier großartig ist und auch international von Bedeutung.

Hab ich ’ne Hofmann-Macke? Vielleicht. Ich verlange dem Film aber dennoch ab, dass er mich begeistert und die frische Brise durch den Kinosaal wehen lässt, die man sich an einem herrlichen Frühlingsmorgen wünscht. Und genau das liefert man!

Es tut so unglaublich gut, dass der Krieg selbst nur ’ne Randerscheinung ist, bei der die Kamera immer wieder weg schwenkt und sich weiter auf die Protagonisten konzentriert, die konträr zum Geschehen lebten und der Film so ihre Gefühle und Empfindungen weder verletzt, noch kritisiert oder korrigiert, um dem allgemeinen Narrativ zu entsprechen, das das traditionell-konservative Deutschland seiner eigenen Geschichte abverlangt.

Damit publiziert man eine völlig neue, unerzählte Geschichte, die der konservativen Presse die Galle aus dem Magen rausdrückt – und ja, ich feiere es 😉 Ihr wisst ja: Wenn ein Film keinen Streit vom Zaun bricht, dann ist er so harm- und bedeutungslos, dass man ihn besser gar nicht erst gedreht hätte.

.kinoticket-Empfehlung: Wirft ein völlig neues Licht auf die Geschichte und ebnet neue Wege für Erzählungen, die sich der neuen Mode bedienen, neben großen geschichtlichen Ereignissen stattzufinden, ohne diese außer Acht, sich von ihnen aber auch nicht gefangennehmen zu lassen.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Ein paar Texttafeln zeigen noch auf, was aus den jeweiligen Protagonisten geworden ist, nach der Abblende darf man sich dann aus dem Geschehen raus nehmen.

Kinostart: 13. Oktober 2022

Original Title: Der Passfälscher
Length: 117 Min.
Rated: FSK 6

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