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In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

.kinoticket-Empfehlung: Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16