August 13, 2022

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Der Sommer mit Anaïs

Der Sommer mit Anais - Filmplakat
© 2022 PROKINO Filmverleih GmbH

Willkommen im Genrekino. Und zwar ganz tief drin. Mir fällt schwer, ein genaues Zielpublikum auszuwählen, auf den der Film zugeschnitten ist, ohne dabei meine Feuilleton-Hasstiraden anzustimmen.

Angesprochen dürften sich hier definitiv die kunstverliebten, älteren Herrschaften fühlen, denen so ziemlich alle Elemente um die Ohren geschmeichelt werden, die man in der Trickkiste der Independent-Filme dieser Art finden kann: Paris, die Liebe, junge Mädchen, künstlerische Ambitionen, viel Natur, sentimentale Stimmungen und einen Soundtrack, der in den knarzenden, kleinen Kinos Marke Arthouse geläufig ist.

Dann ist man auch schon mittendrin im quirligen Leben der Protagonistin, die ihre Jugendlichkeit auf ihre bestimmte Art und Weise auszuleben scheint und dabei immer mehr etwas aufbaut, das selbst Menschen wie mich, die das sexuell definitiv falsche Zielpublikum sind, anzuziehen scheint: ihre Gegenspielerin hat eine wunderbar mystische Aura um sich herum und offenbart, was dieser ganze Film sein möchte: ein fantasiedurchtriebener Sommertraum, der all die Elemente in sich trägt, die es braucht, um dieser Realität zu entfliehen.

Als männliches Gegenstück könnte man vielleicht Anne Fontaines Tage am Strand hernehmen, der gewissermaßen die selben Ziele verfolgt und dem Zuschauer das Sommerloch vergnüglicher machen möchte: Ein elitärer Film zum Träumen, sich verlieren und der Realität entsagen. Im Zuge dessen kann man verzeihen, dass hier wieder ein Weltbild etabliert wird, das die Wünsche und Sehnsüchte in weite Ferne schweifen lässt und damit genau die Punkte triggert, die ich den Feuilleton-Freunden so ankreide: keine Ahnung davon zu haben, wie es auf der Straße wirklich zugeht.

Zugute halten kann ich dem Streifen aber, dass er auch keineswegs Ansinnen bestrebt, glaubhaft zu sein – dafür schafft man ein ganz anderes Meisterwerk: die Liebe einer Frau filmisch zu erfassen, ohne dass es (wie leider so oft in diesem Genre) ein totaler Reinfall ist. Im Gegenteil: dieser Part ist den Schöpfern mehr als gelungen.

.kinoticket-Empfehlung: Sinnlich, elitär und nicht wirklich glaubhaft, dafür aber ein Garant zum Träumen, der alles mitbringt, was nötig ist, um der Realität zu entfliehen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 21. Juli 2022

Original Title: Les amours d‘Anaïs
Length: 98 Min.
Rated: FSK 12

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