Ich glaube, wenn man sich das Plakat des Films näher betrachtet, sticht einem sofort die Farbenvielfalt und -intensität ins Auge, von der der Film wahrlich einen unermesslichen Reichtum hat.
Gurinder Chadha erzählt hier mit viel weiblichem Einfühlungsvermögen einen politischen Staatsakt nach, der geschichtlich kaum Aufmerksamkeit bekommen und im Sumpf unsrer ewig-gleichen Erzählungen absolut kein Gehör gefunden hat – bis jetzt.
Die Story ist gleichermaßen beeindruckend wie erschütternd: Die Fahrt ins Grauen menschlicher Entscheidungen mündet in einem alles verändernden Moment, der Unmengen von Menschen einen tiefen Einschnitt in ihr Leben brachte und die Bildung unserer heutigen Weltgeschichte ganz neu entfaltet.
Schaut man sich Szenenmaterial oder den Trailer an, darf man nicht in Versuchung geraten, diesen Film mit Bollywood gleichzusetzen, denn beides hat rein gar nichts miteinander zu tun. Vielmehr erwischt man sich hier als Teilhaber historischer Momente, die mit Hingabe und Liebe zum Detail aufbereitet wurden und deren wahre Größe sich erst beim zweiten Hinschauen eröffnet.
Die Arbeit liegt eher im Zusammentragen von Fakten, dem Ausarbeiten der zeitgemäßen Kostüme, der Vielfältigkeit einer vollkommen anderen Kultur und dem unermüdlichen Kampf, diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und die Bilder wirken noch lange nach, die Münder stehen offen und der imposante Schmerz ist fast spürbar im Saal.
Der Stern von Indien hat bereits das Prädikat “besonders wertvoll” erhalten und trägt diese Auszeichnung meiner Meinung nach auch zu Recht.
Nicht nur Hugh Bonneville sondern auch Gillian Anderson, die viele vielleicht als Akte X-Ermittlerin kennen, leistet hier Großartiges. Das delinquent durchgeführte Gebaren Einzelner wird hier in einer historisch beeindruckenden Offenbarung dem breiten Publikum zugeführt und ermöglicht so auch geschichtlich nicht Versierten einen zutiefst visuellen, bildgewaltigen und absolut sehenswerten Einblick in die Geschichte unseres Planeten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn die Bilder vielleicht nicht jeden gleich vom Sessel reißen, sollte man sich doch die 106 Minuten Zeit nehmen und das Werk in seiner Fülle und Farbenpracht bewundern.
Der Gang ins Kino ist hier definitiv lohnenswert, da viele Szenen ihre wahre Größe auch erst auf einer entsprechend großen Leinwand entfalten und die Macht und Durchdringung der unterschiedlichen Diversitäten erst durch plastische Größe greifbar wird.
Zu recht ausgezeichnet und hoffentlich beim Publikum Anklang findend demnächst im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
bleibt interessant, da auch hier einige überraschende Erkenntnisse publiziert werden. Also ruhig Blut und nicht gleich rennen.
Kinostart: 10. August 2017

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