.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Ich weiß, das Plakat schreit förmlich nach Kirche … “Gott” bereits im Titel und wenn man dann auf Apple Music nach dem Soundtrack sucht und gleich den ersten Titel hört, fühlt man sich an sakrale Freikirchen erinnert und denkt sich “Oh my godness…” – entspannt euch!

Ich hol euch gleich mal mit ein paar Anmerkungen in den Kinohimmel zurück: Octavia Spencer! Filme mit ihr sind quasi schon ein Garant dafür, dass es ein voller Erfolg wird, denn all ihre Werke haben bisher reingehauen.

Sam Worthington – der Kerl aus Avatar – Aufbruch nach Pandora – was hat der mit kirchlicher Moral und Gottgequatsche zu tun? Seht ihr?

Wenn man sich jetzt im Saal die ersten paar Minuten anhört, gruselt es einen vielleicht immer noch ein wenig, sofern man mit Kirche nicht wirklich viel anfangen kann, aber dann entwickelt sich die ganze Show zu einem unvergesslichen Erlebnis, nach dem man tief bewegt wieder in den Alltag schwebt und sich vielleicht doch die ein oder andere Frage ganz anders stellt.

Gibt es Filme, die ein religiöses Thema behandeln und gleichzeitig keine missionarischen Verschwörungen ausleben und auf Teufel komm raus jeden zu etwas bekehren möchten?

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott ist so einer. Gerade im christlichen Bereich habe ich eine derartig sensible, hochehrbare und defensive Betrachtungsweise in meinem bis dato 33jährigen Leben noch niemals erlebt! Das Kalkül, hier jemandem Überzeugungen aufquatschen zu wollen, ist tot – es lebe die Geschichte.

Dass das Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich nach dem Sichten dieser Story definitiv verstehen. Und die Art und Weise, wie ruhig und gefühlvoll man hier an die Aufarbeitung rangegangen ist, spricht dafür, dass ich sogar strenggläubige Atheisten guten Gewissens mit in diesen Film schleppen würde, denn selbst die dürften sich bei dieser Form von Diskussionseröffnung auf keinen Fall auf den Schlips getreten fühlen, denn es findet keine Diskussion statt.

Auf deutsch gesagt: es tut einfach gut, in den Spuren von Worthington durch die Erzählung zu strudeln und dabei immer mehr merkwürdige Fragen zu stellen, die im Laufe der Zeit beantwortet (oder nicht) werden – ich will hier ja mal nichts vorweg nehmen. Und das war wie eine großartige Umarmung von einem übermenschlichen Wesen, welches sich sanft im Saal ausbreitet und allesamt in seine/ihre Arme schließt und einfach nur liebt.

Kann man in einem Film Frieden finden? Befindet sich Gott tatsächlich auf der Leinwand und spricht zu dir? Kann eine Seele gesund werden, wenn sie diesen Film sieht?

Fragen, die ich definitiv nicht mehr mit “auf gar keinen Fall” beantworten will, denn unzufriedener und wütend oder anderweitig negativ eingestellt war niemand, der mit mir aus dem überfüllten Saal wieder rausspaziert ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bevor die Vorstellung komplett aus den Kinos verschwindet, packt ein paar Freunde und eure Kinder ein, bestellt euch Popcorn und ein Bierchen und dann lehnt euch vergnüglich auf den Sitzen zurück und genießt die Show.

Familientauglich? Yep. Religiös? Nicht wirklich. Dumm und intellektverstoßend? Absolut nicht.

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott erzählt eine wunderbare Geschichte und gleitet dabei sanft wie Federn über ein Thema, dass in der Geschichte unseres Planeten schon mehrfach zu brutalen Kriegen geführt und viele Menschenleben gekostet hat.

Vielleicht ist das hier die liebevolle Entschuldigung dafür, die deine Seele wieder zur Ruhe kommen und dich zu jemand finden lässt, den es bisher nicht für dich gab?

Finde es heraus – in einem Kino deiner Wahl.

 

Nachspann
gibt’s keinen, der gemütliche Walk out of the cinema ist also eröffnet.

0 votes

Previous

Happy Burnout

Next

Zu guter letzt

6 Comments

  1. Ich wäre ja jetzt schon neugierig, welche Fragen der Film stellt, und inwiefern anders.
    Nicht neugierig genug, um ihn mir anzusehen, aber für einen Kommentar reicht’s.

    • Ben

      Soll ich mal provokativ antworten und sagen “Ich glaube, der könnte dir in Ansätzen gefallen?”
      Zum einen, weil er eben keine “einfache, vorgefertigte Meinung” vor die Füße kotzt und erwartet, dass du dich nach den “systematisch absolut logischen religiösen ‘Beweisen’ nur dafür entscheiden kannst, diese eine absolut einzige wahre Religion anzuerkennen”, sondern man hier den Zuschauer mit diesem Überzeugungsmist in Ruhe lässt und auch nicht so dämlich daherkommt wie es z.B. in Auferstanden der Fall war.
      Zum anderen, weil er eben doch den Zuschauer packt, ihn mit dem überdimensional großen Finger wie eine Fliege von seinem Standpunkt wegschnippt und ihm zumindest die Aufgabe stellt und sagt: “Denk einfach mal wieder drüber nach, aber dieses Mal bitte ohne deine vorgefertigten Klischees” und man ganz behutsam an und vielleicht über den Tellerrand geleitet wird um für sich ganz allein so manches rauszufinden.
      Welche Fragen also? Wie wäre es schonmal mit der offensichtlichsten aller Fragen, die allein genügend Diskussionsmaterial für die gesamte Laufzeit bietet: Gibt es jetzt eine göttliche Instanz oder nicht?

  2. Naja, das ist ja jetzt aber weder eine besonders originelle Frage, noch ist sie irgendwie anders gestellt als sonst?
    Ich hab dich so verstanden, dass der Film irgendwie andere Fragen stellt oder sowas, und würde mich freuen, wenn du das ein bisschen konkretisieren würdest, damit ich besser abschätzen kann, ob er mich interessiert. Bisher klingts nämlich eher nicht so, aber du scheinst andererseits ja sehr angetan, und das würd ich gern besser verstehen.

    • Ben

      Der Film stellt diese Frage nicht direkt – er tänzelt unterschwellig um diese Themen und bietet mehr Unterhaltung an, die eben über den alltäglichen Verstand hinaus geht.
      Ich hab durch extrem viele negative Erfahrung mit der Kirche immens viele Probleme und bisher noch nie einen Gläubigen gefunden, mit dem man sich mal ernsthaft so darüber unterhalten kann, dass man sich währenddessen nicht peinlich zur Seite drehen muss weil es einfach wieder nur lächerlich wirkt oder man auf Borniertheit, Ignoranz und stupiden Glauben zurück fällt. In diesem Punkt hat mich der Film zum ersten Mal wirklich umarmt und tatsächlich umgehauen, weil der Autor mit seinen Ausführungen und vor allem der Konklusion so herrlich anders war als alles, was ich bisher darüber gelesen/gehört habe.
      Wenn ich deinen “Was glaube ich”-Beitrag lese, dann denke ich, du wärst in diesem Film hervorragend aufgehoben, allein weil wir zwei dann darüber diskutieren können und ich dir nicht vorher schon alle Pointen kaputt machen muss.
      Ja, ich bin tatsächlich sehr angetan – war bereits 2x drin und werde ihn mir sicherlich auch in meine BR-Sammlung stellen.

  3. Ich fürchte, da schätzt du mich falsch ein. Zwar hab ich deinen Ausführungen über den Film nicht so besonders viel entnehmen können, aber er klingt für mich ziemlich fürchterlich, deshalb werd ich meine Zeit wohl anders investieren.
    Aber danke für die Erläuterungen und das Gespräch.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén