Oktober 7, 2022

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Doctor Strange in the Multiverse of Madness

Doctor Strange in the Multiverse of Madness - Filmplakat
© 2022 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Ich hab mir jetzt mit der Kritik richtig Zeit gelassen, immerhin rennt ihr doch sowieso alle rein 😉 – aber auch, um mir ein wenig die Reaktionen der Welt auf diesen Film anzuschauen. Immerhin hat Marvel in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass es das größte aller Studios unserer Zeit ist und einen Blockbuster nach dem anderen rausgehauen, die allesamt so richtig einschlugen und ihre Existenzberechtigung spätestens durch den darauffolgenden Blockbuster bewiesen haben.

Doctor Strange in the Multiverse of Madness ist daher in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein – und zwar nicht zwingend auf der Leinwand, sondern eher hinter den Kulissen, durch den vieles für die Zukunft entschieden wird.

In Zeiten von Avengers – Infinity War und Avengers – Endgame war bereits eine kleine erzählerische Depression anwesend, da ein großes Kapitel abgeschlossen wurde und man als Zuschauer ein wenig Bammel bekam, wie das alles nun weitergehen sollte.

Darauf folgten einige Filme, die das neue Zeitalter einläuteten und quasi das Disney-Plus-Verse mit eingliederten, in dem viele Serien und Kurzfilme dort veröffentlicht wurden und man bezeugte: Es wird weiter gehen.

Im Kino war es erstmal schwer. Teils thematisch, teils, weil der Zuschauer einfach übersättigt von der Größe des bisher Gezeigten war. Filme wie Eternals kamen daher u.a. überhaupt nicht gut beim Publikum an.

Dann startete man mit dem Advertising von Doctor Strange in the Multiverse of Madness und schürte hier wieder ungeahnte Hoffnungen, es würde der Film des Jahrhunderts werden und die Zeit des Wartens sei vorüber. Absolut jeder, den ich kenne, war heiß drauf, diesen Titel im Kino zu sehen – ein Garant für ein super starkes Startwochenende. Hohe Erwartungen zu schüren, mag aber ein riskantes Spiel sein, wenn man bedenkt, dass in den Wochen danach die Begeisterung auch wirklich zünden muss. Und da fängt dieser Streifen ein wenig an zu kriseln.

Sam Raimi, der seinerzeit bekannt durch den Klassiker Tanz der Teufel wurde und dem wir u.a. die Spider-Man-Reihe mit Tobey Maguire zu verdanken haben, ist eher bekannt für seinen Faible für Horror und hat längst bewiesen, dass er sich in diesem Metier einigermaßen zu helfen weiß.

Insgesamt merkt man auch, dass diese Elemente im Film sehr starken Stellenwert genießen. Bislang war kein Marvel-Film so düster und „gruselig“, wie dieser. Man könnte meinen, Marvel hätte aus den Fehlern DCs gelernt und selbst das Zepter für Superheldenfilme mit Horror-Affinität übernommen – die FSK 12-Freigabe ist hier stellenweise wirklich fraglich.

Da kommt dann aber wieder der gute alte, billige Trick zu Einsatz, der in diesem Fall gleich zwei Probleme zu lösen scheint: Niedrigere Freigaben (und damit mehr Publikum gefolgt von noch mehr Einnahmen) erreicht man mit etwas mieseren Animationen im Film, die alles ein wenig unrealistischer erscheinen lassen und somit suggerieren, dass das alles nur Fiktion ist und nichts, wovor man sich wirklich fürchten bräuchte – und gleichermaßen braucht man insgesamt viel weniger Zeit, um den inzwischen superlativen Aufwand für die CGI-Berechnungen durchzuführen: Man kann den Film viel eher releasen und sich zukünftig neuen Projekten widmen.

Und dieser Titel strotzt und trieft nur so brachial vor Animation und Elementen, die zeitgleich wieder etwas neues etablieren: Allein durch verschiedene Szenen im Multiverse „testet“ man am Publikum gleich mal aus, welche Art von Film in Zukunft noch gemacht werden könnte und worüber hinterher die große Masse tatsächlich spricht. Insofern ist dieser Film neben Unterhaltung und Einnahmequelle auch gleich noch ein Testpublikums-Film, der die Weichen für kommende Marvel-Publikationen ausloten kann und hierfür Daten liefert, die man sonst durch Umfragen und umständliche Prozesse erst gewinnen müsste.

Das zeigt, dass der gottgleiche Plan, den dieses Studio in den vergangenen Jahren hingelegt hat, im Moment ein wenig strauchelt und man auch in der Chefetage des Studios langsam ideenlahm wird.

Auch im Film selbst gibt es einige „Längen“, die zwar super schön anzusehen sind und nicht an Detailreichtum und Arbeit gespart haben, dramaturgisch aber verzichtbar wären und somit den Film künstlich in die Länge ziehen.

Es bleibt spannend, wie sich die ganze Sache weiter entwickelt. Eines steht jedenfalls schon fest: Um hier alles zu verstehen, reichen keine drei Jahre Studium mehr, denn das Projekt ist inzwischen so abnormal angewachsen, dass ein Film-Marathon menschlich kaum noch machbar ist.

Achja: Um hier auch noch mal eine Sache zu erwähnen, die in dem ganzen Phantastische TierwesenDoctor Strange-Hype ziemlich unterzugehen scheint: Momentan existieren auch kleinere Filme, die sonderbarerweise mal wieder echt sehenswert sind und denen man genauso eine Chance geben sollte… Sun Children wäre z.B. einer dieser Titel.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Marvel, wie er im Buche steht, der allerdings auch ein kleines bisschen Orientierungslosigkeit und Ideenmüdigkeit in sich trägt und daher weniger auf Inhaltsschwere setzt, sondern sich ein wenig auf der viel zu guten PR um den Film herum ausruht und die Messlatte, die er sich selbst gesetzt hat, nicht so richtig erfüllt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Wie gehabt: Man bleibt bei einem Marvel-Film einfach bis zum Schluss sitzen! Inzwischen kapieren das ja auch viele … 😉

Kinostart: 4. Mai 2022

Original Title: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Length: 126 Min.
Rated: FSK 12

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