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Downton Abbey erfreut sich einer großen Serienfan-Gemeinde und enthält so ziemlich alles an fähigen Schauspieler*innen, die Großbritannien zu bieten hat. Ein Grund könnte sein, dass der Schöpfer der Serie – Julian Fellowes – ein Händchen dafür hat, in die “alte Welt” einzutauchen und alles Moderne mit einem Schlag zu killen.

In heutiger Zeit kennt jeder eigentlich nur noch mediale Überlastung: Die Leute sind gestresst, werden online gefordert und kommen niemals zur Ruhe, werden überflutet von Nachrichten, kriegen kaum ihre eigene Timeline abgearbeitet und kommen schon gar nicht mehr dazu, irgendwas mal in Ruhe zu konsumieren, ohne nicht gleichzeitig noch drei andere Dinge mit zu verrichten, weil sonst einfach die Zeit am Tag nicht ausreichen würde.

Kaum ist etwas weltbewegendes passiert, landet man aufgrund der Fülle schon bei der nächsten Katastrophe und hat aus “Speicherplatzgründen im Hirn” die alten Dinge längst wieder vergessen. Betroffen ist man eh nur noch in den seltensten Fällen.

Downton Abbey tut genau das Gegenteil: Es ist langsam. Nicht zu verwechseln mit ermüdend. Die Serie – und überraschenderweise auch der Film – vergeuden keine Zeit mit Belanglosigkeiten, sondern strahlen die altbekannte Ruhe und Gelassenheit aus, die sich um das Leben der Bewohner dieses Anwesens rankt.

Ein riesengroßer Pluspunkt ist natürlich auch die feinfühlige Tatsache, dass der komplette Seriencast ebenfalls für den Film engagiert wurde und man hier nicht – wie nicht selten üblich – andere Darsteller verpflichtet hat. Das gibt einem als Zuschauer das Gefühl, die Serie geht tatsächlich weiter und der miese Beigeschmack von “jetzt auch im Kino” bleibt diesmal völlig auf der Strecke.

Bereits im TV war Maggie Smith als Violet Crawley herausragend mit ihren Sprüchen und man hat jede Szene von ihr geliebt und verschlungen. Der Film bietet ihr hier eine wunderbare Plattform, auf der sie sich nochmals richtig austoben und das Publikum erstklassig unterhalten kann. Und auch der Rest ist überraschend stimmig: Ganz ehrlich? Ich sehe hier einen Oscar®-Anwärter auf Kostüme und Bühnenausstattung und einen Film, der sein eigenes Publikum im Fernsehen längst gefunden hat, das nun mit einer kolossalen Folge auf dem big screen geehrt wird.

Wer sich damals also schon für die Serie erweichen konnte (ist übrigens derzeit grad auf Amazon Prime für lau anzusehen), ist jetzt im Kino definitiv richtig aufgehoben. Die Normalität von damals wird wiederhergestellt und man hat zwei Stunden Auszeit von der von Hetze geplagten Moderne. Genießt sie – in aller Ruhe.

.kinoticket-Empfehlung: Knüpft nahtlos an die Serie an und führt weiter, was im TV grandios begonnen wurde: Der Zuschauer bekommt das Geschenk von zwei Stunden historischer Ruhe und Gelassenheit, in der er sich in diese vergangene Zeit fallen lassen und innerlich entspannen kann. Mit einer herausragenden Maggie Smith als Bonus obendrauf. Unbedingt ansehen!

Nachspann: Enthält keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen gehen. Wenn man will. 😉

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Downton Abbey
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0