März 28, 2023

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Ein Mann Namens Otto

Ein Mann Namens Otto - Filmplakat
© 2023 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Hannes Holm brachte 2015 Ein Mann Namens Ove in die Kinos und heimste dafür sogar eine Oscar-Nominierung ein. Der Amerikaner ist ja allgemeinhin dafür bekannt, dass er sich mit „fremdländischen Filmen“ im eigenen Staat eher unglücklich fühlt und daher lieber ’ne amerikanische Reproduktion auf die Leinwände wirft, die dann dort funktionieren soll.

Ein Mann Namens Otto erinnert vom Wortlaut nicht nur an den Film, sondern ist eben genau das: Ein amerikanisches Remake dieser Buchverfilmung, die durch seine Nominierung gezeigt hat, dass Potenzial in ihr steckt und man damit durchaus Geld verdienen könnte.

Und wie schon bei Funny Games vs. Funny Games U.S. bekannt, wissen wir: Das funktioniert meist so ziemlich überhaupt äh… gar nicht. Diese Art von Remake sind meist der billige Versuch, etwas kulturell Anspruchsvolles aufs amerikanische McDonalds-„Niveau“ zu drücken, um dann lieber auf eigene Arbeit stolz zu sein, statt anzuerkennen, dass andere Menschen auch gute Filme machen können.

Dementsprechend „groß“ war meine Lust auf den Film, aber Tom Hanks ist halt auch nicht nur ’ne Sidekick-Besetzung des ZDF, sondern hat schauspielerisch bisschen was auf dem Kasten. Also geben wir der Sache ne Chance.

Nun muss ich eines vorab sagen: Ich habe den Film inzwischen zwei Mal gesehen – einmal in der Originalversion in der Pressevorführung und einmal mit deutscher Synchro.

Warum ist das wichtig?

Ihr wisst, dass ich immer ziemlich rumheule von wegen Übersetzungsfehler, Bullshit, keine Ahnung, macht Jokes kaputt, beherrscht die Sprache nicht, geht in der Übersetzung unter, kuckt lieber OV, gibt mehr her etc. – und ehrlich gesagt war ich von der OV-Version ziemlich angepisst. Völlig leidenschaftslos und lame, irgendwie so la la … die Intonation und Klangsprache passt einfach nicht zum Charakter. Wäre ich dabei geblieben, hätte ich den Streifen an dieser Stelle in der Luft zerfetzt und euch geraten, lieber das Original zu schauen.

Tu ich aber nicht.

Es ist wohl das erste Mal in meinem Leben, dass ich euch rate: Bleibt der OV-Version fern und schaut lieber in deutsch! Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Synchronisationscrew hat in den ersten 5-10 Minuten noch ein paar Holprer, um reinzukommen und die Figur zu finden, aber liefert dann um so viele Klassen besser ab als das Original – und zwar bei fast allen Protagonisten, die im Film auftauchen.

Dadurch wird der Film ein völlig anderer, denn die Glaubwürdigkeit und der Realismus ist wieder da – und man kauft den Personen auf einmal ab, was sie da erzählen. Auch, wenn hier wieder viele Klischee-Eigenschaften existieren, auf die man zurückgreift, es funktioniert einfach und macht aus dem versemmelten Original einen wirklich absolut liebens- und sehenswürdigen Film.

Was man auch neidlos anerkennen darf: Der Soundtrack und Score des Films ist gekonnt und punktet an den richtigen Stellen mit den richtigen Melodien, die – wenn man länger drüber nachdenkt – sogar eine super tiefsinnige Bedeutung haben und eben nicht sporadisch ausgewählt wurden, „weil’s grad gut passt und nett klingt“.

So gerne man anfangs drin sitzt und den Film verurteilen möchte: Er holt einen ab und liefert genau das, was man von so einem Streifen auch erwartet – und das (in deutsch) richtig richtig gut.

Es ist also empfehlenswert, sich ein Kinoticket zu organisieren und Ein Mann Namens Otto anzuschauen – aber bitte nicht in OV.

.kinoticket-Empfehlung: Sofern man auf die deutsche Synchronisation zurückgreift, ein super gelungener Film, der in meinen Augen in dieser Kombination sogar das Original toppt: Die Sprache und Interpretation der Synchro gepaart mit dem Schauspiel der Darsteller und Darstellerinnen macht wirklich was her und erzählt eine herzergreifende Geschichte, die man sich so gerne anschaut, auch wenn man Buch und schwedisches Original bereits kennt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 02. Februar 2023

Original Title: A Man Called Otto
Length: 127 Min.
Rated: FSK 12

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