August 13, 2022

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Encanto

Encanto - Filmplakat
© 2021 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Zur Situation in den Kinos

Aktuell gelten (zumindest in meinem Heimatland Bayern) die aberwitzigen Vorschriften, dass man sich trotz Genesenen-/Geimpften-Status zusätzlich nochmals eine FFP2-Maske aufs Gesicht wirft UND on top noch mit einem tagesaktuellen Schnelltest bzw. einem weniger als 48 Stunden alten PCR-Test ausweisen muss, bevor man die Kinos betritt.

Angesichts der Tatsache, dass sich Geimpfte zwar anstecken können, diese Ansteckungen aber in den seltensten Fällen wirklich schwerwiegend sind oder gar tödlich enden, hätte hier die schon vorher gültige 3G-Regel durchaus ausgereicht. Immerhin ging es seit Beginn der Pandemie darum, die Kliniken nicht mit einem Schwall an Leuten gleichzeitig zu fluten, sondern die Infizierten schön kontrolliert durch die Krankenbetten zu schleusen.

Eine Impfung sollte NIEMALS 100% vor Ansteckung schützen und ist auch keine 100%ige Garantie dafür, dass nichts passiert. Sie verhindert einfach nur, dass direkt mal die Intensivstationen übervoll und das standardmäßig überforderte Personal so über-überfordert ist, dass es den Job hinschmeißt.

Warum das zum heutigen Zeitpunkt einige „Impfgegner“ immer noch nicht begriffen haben, ist mir schleierhaft. Genauso erschließt sich mir die Tatsache nicht, dass den Kinos und Kultur-Einrichtungen (die bekanntlich erwiesenermaßen seit Beginn NIEMALS ein Treiber der Pandemie waren) jetzt wieder so finanzschädigende Auflagen aufs Auge gepresst werden, während man zeitgleich Fußballspiele mit 80.000 Zuschauern (die während dem Spiel garantiert nicht durchgehend Maske tragen) zulässt, wo die Leute dann rumschreien, wild durcheinander laufen und wohl kaum den Sicherheitsabstand einhalten können, der in den Kinos schon per Ticketkauf und fest zugewiesenem Sitzplatz von den Betreibern generell eingefordert und demnach auch eingehalten wird.

Der Zeitpunkt, in dem der Kinosaal jubelnd aufspringt und sich wild in den Armen liegt und vor Freude weint, steht zumindest mal noch aus.

In dieser Hinsicht ist es zur Zeit fraglich, inwieweit man Kino überhaupt empfehlen kann, da es (auch für die, die alles notwendige dafür getan haben, dass der Pandemie-Dreck endlich endet) momentan mit erheblichen Hürden verbunden ist und man daher Kino quasi eher einfach „mitnimmt“, wenn man sich wegen etwas anderem sowieso hat testen lassen müssen.

In meinen Augen haben inzwischen diejenigen, die eine kostenlose, nachweislich wirksame Impfung ausschlagen, einen erheblichen Verantwortungsanteil an dem, was da draußen zur Zeit los ist (auf Deutsch: Ihr habt diese Leben auf dem Gewissen)!

Aber kommen wir mal zurück zu den schönen Dingen des Lebens: Encanto.

Bekanntlich bin ich schon längere Zeit kein wirklicher Disney-Fan und gehe daher immer sehr kontrovers und kritisch in den Kinosaal, wenn dieser Verein zur Presse lädt und wieder mal ein neues Werk vorstellen möchte.

Mit den üblichen Gepflogenheiten („Jetzt singen sie auch noch“ – frei nach Barbara Schöneberger) haben wir uns bei der Filmschmiede ja längst angefreundet. Den Animationsstil kennen wir inzwischen auch schon von vielen überragenden Animations-Krachern, die über den Teich zu uns rüber schwappen – und an vielen Stellen hat Disney diesmal wirklich alles richtig gemacht.

Beginnend beim Plot, der … hier immer noch nicht verraten wird 😉 … mir aber immens zugesagt hat, da er sehr herzergreifende Momente inne hat und wieder einmal an die Essenz eines guten Lebens anknüpft, das man seinerzeit in guten Filmen immer mitnehmen durfte. Hier könnte man fast metaphysische Diskussionen vom Zaun brechen, in welche Regionen die Schöpfer hier vordringen und einmal ganz banale Fragen in den Raum stellen, mit denen sich so manch einer tagtäglich psychologisch rumschlägt.

Inzwischen hat sich die Eigenwahrnehmung bei vielen Menschen durch die sozialen Einflüsse unseres Alltags ja zunehmend verschlechtert – und hier ballert man mit intensiver inhaltlicher Kraft einen aufs Brett, was unglaublich schön anzusehen ist und seelisch einfach mal richtig gut tut.

Thema Gesang: Musical ist das eine, diese Darbietung der Kunst ist tatsächlich nicht zwingend für jeden etwas, die Songs sind aber allesamt ausnahmslos gut und punktieren so manchen Gag, vor denen es im 60. Film der Walt Disney Animation Studios nur so strotzt. Wir erinnern uns gerne zurück an Coco, der auch schon mit intensiver Farbenpracht und einigen guten Songs punkten konnte. Encanto führt diese Wahrnehmung hin zur Vollkommenheit und generiert super gute Laune, ist ein optischer Hochgenuss und punktet endlich wieder mal mit sinnvollem Inhalt.

Desweiteren hat Disney es diesmal geschafft, nicht wirklich nur ein einziges Publikum anzusprechen (getreu dem Motto „Naja, ist halt für Kinder, aber einer muss ja mitgehen“), sondern irgendwie findet sich jede Person in diesem Streifen irgendwo wieder. Man hat einen super schönen Generationenmix, der sich quer durch alle Altersschichten schiebt und auch eine Vielzahl an Persönlichkeiten durchleuchtet, die alle mit ihren alltäglichen Struggles zu kämpfen haben. Dieses warmherzige Aufgehoben-Fühlen hatte ich lang nicht mehr in so einer geerdeten Stimmigkeit.

Next thing: Der ganze Film hat kein einziges Element, was irgendwie an Kitsch-Weihnachten erinnert, kam mir allerdings die ganze Spielzeit über so vor, als wär’s der perfekte Weihnachtsfilm: Die Lichtstimmungen passen, die familiär-liebevolle Aura wie sie normalerweise sein sollte und in vielen anderen Punkten strahlt dieser Film die Wärme aus, die ursprünglich mal das (inzwischen verbotene) Warmlicht heißer Glühlampen zu Weihnachten ausgestrahlt hat. Wer also ein wunderbares Fest ohne den ganzen Christmas-Quatsch genießen möchte => Das ist euer Film.

Wer also immer die Chance hat (oder sich extra dafür testen lassen geht): Es lohnt sich.

Wer den Umweg über Apotheke- und Testcenter nicht gehen möchte: Disney bietet den Film zu Heiligabend dann auch auf dem hauseigenen Streamingportal an – und spätestens hier solltet ihr zuschlagen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine huldvolle Verneigung von einem Disney-Kritiker an dieser Stelle: Hier hat man alles richtig gemacht. Punktet mit den üblichen Animations- und Song-Standards, liefert aber auch einen krass guten Content und stellt sich Fragen, die zeitgemäß sind – alles in einem Film, der generationenübergreifend massiv viele Individuen anspricht und erreicht: Hier hat sich Disney selbst übertroffen.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Nicht gleich raus springen, hier kommt noch ein bisschen was …

Kinostart: 24. November 2021

Original Title: Encanto
Length: 103 Min.
Rated: FSK 0

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