Dezember 5, 2021

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Eternals (3D)


Eternals - Filmplakat
© 2021 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Chloe Zhao ist spätestens seit Nomadland und der dafür ausgezeichneten Oscar-Prämierung in Hollywood kein unbeschriebenes Blatt mehr. Es gab im Vorfeld dieses Films sehr viele Diskussionen darüber, ob sie als Road-Movie-Regisseurin für eine so große Aufgabe tatsächlich geeignet ist oder nicht. Wenn man sich das ein oder andere Interview mit ihr auf YouTube angeschaut hat, konnten einem berechtigte Zweifel aufkommen, ob sie dieser Aufgabe wirklich gewachsen ist.

Mit Eternals startet der nun mittlerweile 26. Film im Marvel Cinematic Universe, kurz MCU genannt, der sich dank seiner Comicvorlagen von den restlichen Marvel-Filmen in einigen Punkten unterscheidet.

Genau hier hat die Presse im Vorfeld schon einen großen Teil Missgunst und Hass gegen den Film gesät, was für mich nicht ganz nachvollziehbar ist.

Um das Wesen des Streifens richtig verstehen zu können, muss man auch hier wieder starke Verbindungen zu den Comics herstellen und sich einmal damit beschäftigen, wer oder was die Eternals überhaupt sind. Das ganz große Problem im Kinosaal ist nämlich folgendes: unsere Spezies bevorzugt bei Filmen und Geschichten immer einen Helden mit Profil, jemand der aus seiner Situation etwas herausarbeitet, sich weiter entwickelt und sein Profil verstärkt oder verbessert.

Die Eternals sind per Definition schon einmal das völlige Gegenteil, da es sich hier um Gottheiten handelt, die eben nicht mit Profilen ausgestattet sind, sondern sich möglichst aus allem raushalten und quasi das Neutrum darstellen.

Dies hat die Regisseurin zum Anlass genommen, um diesen Film perfekt durchzugendern. Ich habe wirklich selten eine so perfekte Ausgewogenheit entdeckt, wie hier. Dabei ist nicht nur das Verhältnis zwischen Mann und Frau ausgeglichen, sondern auch so ziemlich alle diversen Charaktere, die einem in den Sinn kommen könnten, mit involviert, die sich in diesem Film auch alle auf ein und der selben Augenhöhe begegnen und keine Unterschiede machen. Es gibt nicht den starken Mann und die schwache Frau, die zu ihm aufsieht. Für jeden Tod in dem einen Geschlecht folgt ein Tod in dem anderen, hier wird wirklich komplett darauf Wert gelegt, dass es zu keinerlei Zuspitzung kommt.

Das interessante dabei: man arbeitet nicht mit der Holzhammermethode, sondern lässt dieses alles unterschwellig passieren, so dass es manchen vielleicht gar nicht auffällt. Dadurch liefert Zhao den Beweis, dass Gendern tatsächlich durchführbar ist, ohne den Menschen auf die Füße zu treten oder sie zu provozieren.

Hier haben wir dann aber auch gleich das „Warum leckt sich der Hund die Eier? Weil er’s kann.“-Dilemma: Es gäbe keinen perfekteren Film, um mit dieser Geschlechtergerechtigkeit anzufangen, weil es sich die Figuren ob ihrer Definition einfach leisten können, profillos zu sein – genau dafür sind sie nämlich da. Und das stößt dann vielleicht unterschwellig dem ein oder anderen bitter auf.

Dieser Umstand ändert rein gar nichts daran, dass die Grafik-Architekten bei Marvel nach wie vor ihr Handwerk zu 100% verstehen. Das ändert auch nichts daran, dass die Bilder, Szenen und Momente großartig und eines Marvel-Films würdig sind. Und es ändert nichts daran, dass endlich wieder einmal das 3D sagenhaft ist: Du vergisst dich vollständig und entfliehst in eine völlig andere Welt, tauchst extrem ins Geschehen ein. Selten ein so gutes 3D gehabt, das in meinen Augen allein schon der Grund schlechthin ist, diesen Film auf einer riesigen Leinwand zu bestaunen.

Und noch etwas war ein grandioser Schachzug von Marvel. Sind wir mal ganz ehrlich: Nach Avengers: Endgame kam doch überall so ein bisschen die Depression hervor. Alles war erzählt, die Story als solches zu einem glänzenden Ende geführt. Alles war bestens und der geneigte Cineast bekam es mit der Angst zu tun: was würde jetzt noch folgen?

Dieser Nebencharakter, den man wundersam in den Hauptfilmen noch nicht völlig ausgeschlachtet hat? Dieser Nebenstrang, der auch nochmal einen neuen Film rechtfertigen würde – oder eben nicht? Was sollte da noch kommen, damit es für uns auch in Zukunft noch spannend bleiben würde?

Dafür legt Eternals nun einen meisterhaften Grundstein, denn der Twist, den dieser Film mit sich bringt, macht erneut wieder so richtig Bock aufs zukünftige MCU und lässt in mir riesige Vorfreude aufflammen.

Ich kann also den weinerlichen Kritiken der Fachpresse kaum etwas abgewinnen und euch nur empfehlen: zieht euch den Titel in 3D im Kino rein: selten hat es sich so gelohnt, im Saal zu sitzen und sich in etwas völlig Fremdes entführen zu lassen.

.kinoticket-Empfehlung: Branchenführendes 3D, Blockbuster-würdiges Ausbrechen aus bisherigen Grenzen und Gegebenheiten und ein gewaltiger Push in die Zukunft: hier wurden die Weichen für das kommende MCU gestellt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | It’s Marvel, also „Dreimal Ja“ 😉

Kinostart: 03. November 2021

Original Title: Eternals
Length: 157 Min.
Rated: FSK 12