Dezember 6, 2021

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Halloween Kills

Halloween Kills - Filmplakat
© 2021 Universal Pictures International

Das inzwischen im Mainstream angekommene Halloween-Fest nähert sich und just ploppen im Kino wieder neue Halloween-Filme aus dem Verließ: Dieses Jahr einmal mehr mit Jamie Lee Curtis, die – genau wie das Filmfranchise selbst – kaum tot zu kriegen ist.

Meine Vermutung: Wenn die Schauspielerin irgendwann mal das Zeitliche gesegnet haben sollte, wird man wohl immer noch einen weiteren Teil produzieren, in dem sie dann überraschenderweise auf einmal auftaucht. Wer weiß.

Die kultige Titelmelodie von John Carpenter werden wohl auch Nichtkenner der Filmreihe lieben, immerhin existiert diese seit 1978, als mit Halloween – Die Nacht des Grauens alles begann.

Und dann ging die Odyssey mit unzähligen weiteren Teilen los, die in sich verschachtelt, mal wieder vergessen, mal überspannt, mal wieder geremaked und dann mit Fortsetzungsfilmen und sonst was überzogen wurden: Ein kultiges Durcheinander, das immer wieder Fans von trashigem Horror-Klamauk erfreut:

Halloween II – Das Grauen kehrt zurück (1981)
Halloween III (1982)
Halloween IV – Michael Myers kehrt zurück (1988)
Halloween V – Die Rache des Michael Myers (1989)
Halloween VI – Der Fluch des Michael Myers (1995)
Halloween H20 (1998)

Dieser Teil war kommerziell dann wieder erfolgreich, u.a. weil er die vorherigen Teile alle Terminator: Dark Fate-like als nicht-existent betrachtete und direkt an Halloween III anknüpfte. Kurioserweise sollte hier Schluss sein, aufgrund des Erfolges produzierte man aber weiter.

Demnach folgte 2002 noch Halloween: Resurrection, bevor es dann unübersichtlich wird:

2007 startete man mit Halloween die Serie neu.
2009 produzierte man ein Sequel dazu und nannte es Halloween II.

2018 kam dann ein Film namens Halloween auf den Markt (kommt ihr noch mit oder seid ihr schon ausgestiegen?), der wiederum so tat, als hätte es alles vorherige nicht gegeben, und wieder an den allerersten Teil von 1978 anknüpft.

Dem folgt nun Halloween Kills (2021) und Halloween Ends (angekündigt für 13. Oktober 2022).

Eine 43 Jahre alte Kultur in einem Zeitalter, das schon alles kennt

Halloween Kills hat es meiner Meinung nach extrem schwer, heute noch zu punkten und Menschen wirklich zu begeistern. Dafür sollte man ein paar Augenblicke an die Ursprünge verschwenden, weshalb ich auch hier versucht habe, wieder einen filmischen Einblick zu geben, um ein wenig ein Gefühl dafür zu bekommen, wo das alles her rührt.

1978 startete John Carpenter mit seinem Werk ein neues Genre: Die sogenannten Slasher-Filme wurden in Stein gemeißelt und vereinten erstmalig alle vorherigen Einflüsse in einem Film.

Carpenter selbst ist bekannt dafür, aus wenig viel zu machen und gilt als Genremacher für (Low-Budget)-Horror und Science Fiction. Versetzt euch in diese Zeit zurück: Was hat es gegeben? Was haben die Leute schon gesehen? Welche Bücher gab es? Damals brauchte es wenig, um die Menschen an den Rand ihrer Ängste zu treiben und auch durch die technischen und vor allem analogen Arbeitsweisen beim Film konnte man vieles drehen, ohne dass gleich auffiel, mit welchen Tricks da gearbeitet wurde.

Also hatten die Regisseure viele Jahre Zeit, um uns immer neue, spektakuläre Tode vorzusetzen und diese immer wieder frisch zu inszenieren und sich selbst dabei zu übertreffen.

Inzwischen sind wir technischerseits aber schon so weit vorangeschritten, dass selbst Laien Millisekunden im Film anhalten, interpretieren und erkennen können, da 4K UHD inzwischen auch auf den Leinwänden der Standard ist und wir optisch durch andere große Blockbuster und viel Animation extrem verwöhnt wurden.

Die grisselig inszenierte, unscharfe im Bokeh verschwindende Tötung eines Jugendlichen, gefilmt hinter dickem Schilf, wo man sowieso kaum etwas erkennen kann, ist somit nichts mehr, was heutzutage noch in irgendeiner Weise beeindruckt oder Kopfkino entstehen lässt, sondern allenfalls nostalgische Gefühle ankratzt bei denjenigen, denen die technologisierte Welt über den Kopf gewachsen ist.

Und die Gefahr dabei ist, dass man zwischen (nicht vorhandenem) Plot und schockierenden Gore-Bildern abwechselt und sich damit in einem Selbstzerwürfnis wiederfindet, das als solches keine Einheit mehr bietet.

Geht man zurück zu den kultigen Klassikern wie John Carpenter’s Vampire, Die Klapperschlange oder The Fog – Nebel des Grauens, erkennt man eine Synergie aus Einzigartigkeit, Stimmung und Atmosphäre, Soundtrack, Handlung und Tod. Diese in sich funktionierende Harmonie wird durch den technologischen Fortschritt und das dadurch aufkommende Abgestumpftsein der Zuschauer systematisch immer weiter auseinandergerissen in mies konstruierte Plots (und seien wir ehrlich: Einen guten Erzählstrang hatten Horrorfilme irgendwie noch nie) und immer exotischeren, hochauflösenden Bildern von innerem Gekröse und blutigen Gedärmen.

Und von eben jenen hat inzwischen jedes Kind schon so viel gesehen und ist müde und gelangweilt. Und genau so wirkt Halloween Kills auch auf mich: Man ködert im Eingang mit dem bewusst „schlecht“ gemachten Intro und feiert damit die nostalgischen Werte, erzählt dann aber keine wirkliche Geschichte, sondern rattert nur einen weiteren Low-Budget-C-Movie runter, der einmal mehr nicht verspricht, dass hier nun wirklich alles endet.

Aber da Regisseur David Gordon Green versprochen hat, eine Geschichte in zwei unabhängig voneinander existierenden Teilen zu erzählen, die direkt an das Original von damals anknüpfen, ist es wohl noch ein Jahr zu früh, um sich darüber wirklich ein Urteil zu bilden.

Dass dabei aber dann der große Knall geliefert wird, um diese Saga in unsere Zeitepoche zu katapultieren und sie in der Modernität ankommen zu lassen, wage ich heute schon zu bezweifeln.

.kinoticket-Empfehlung: Kratzt nostalgische Gefühle hervor und bildet sie in hochauflösenden Bildern neu ab: Eine seltsame Mischung aus kultigem Trash-Slasher und einer Zeit, in der die Menschen alles schon einmal gesehen haben. Halloween Kills wirkt dadurch etwas müde und abgekämpft, statt hier den Durchbruch zwischen Kult und Modernität hinzukriegen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. Oktober 2021

Original Title: Halloween Kills
Length: 105 Min.
Rated: FSK 18