August 13, 2022

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Hannes

Hannes - Filmplakat
© 2021 StudioCanal

Während sich zum einen die Meldungen von abgesagten Pressevorführungen und verschobenen Kinostart-Terminen schon wieder häufen, werden anderswo die bereits bestehenden Veröffentlichungen fast schon mit Gewalt durch die Säle forciert, um schnell noch alles vor dem möglicherweise bevorstehenden Lockdown durch zu haben.

Wie ich kürzlich schon geschrieben habe, ist die Lage für Kino und Kultur zur Zeit mal wieder beschissen und immer weniger Menschen haben Verständnis für diejenigen, die sich bis heute weigern, sich impfen zu lassen um ihren Anteil am gesellschaftlichen Leben beizutragen, der wieder ein Stück mehr Normalität einkehren lassen würde.

Das bedeutet für alle: Lasst euch impfen und startet für euch persönlich mit eurer inneren Einstellung einfach den Countdown, das Zeug wird wohl bleiben, wir werden wohl immer weiter medizinisch dagegen vorgehen müssen, was aktuell heißt: Impfen, doppelt impfen, boostern. Und das jeweils nach Ablauf der Frist, wenn die Widerstandskräfte im Körper wieder abgebaut sind.

Und das bedeutet für’s Kino: Nicht zu lange warten, wenn euch ein Film zusagt, über den hier geschrieben wird – er könnte nächste Woche bereits wieder von der Bildfläche verschwunden sein: Das Angebot ist riesig, die Anzahl der Leinwände hat sich aufgrund einiger Schließungen in Deutschland aber inzwischen sogar verringert, sprich: Mehr Filme für weniger Leinwände = weniger Zeit, die die Filme gezeigt werden können.

Bei Hannes könnte ich mir gut vorstellen, dass der nicht allzulang durch die Säle gebracht wird, obwohl es dafür eigentlich gar nicht so viele Gründe gibt. Der Trailer wirbt u.a. mit dem Slogan, dass der Film „nach dem persönlichsten Roman von Rita Falk“ kommt, die wir alle als die Autorin der Eberhofer-Bücher und somit indirekt für den Erfolg der Eberhofer-Filmreihe kennen und lieben.

Genau dieses „persönlich“ wird hier vermutlich ein wenig zum Schicksal des Streifens: Ohne die dramatischen Erlebnisse des einzelnen Individuums kleinreden zu wollen, sind persönliche Schicksale häufig nichts, womit man ein Massenpublikum zufriedenstellen könnte. Kino ist aber dafür da, um Massen zu befriedigen, ergo wird sich der Film ein wenig schwer damit tun, eine breite Masse zu erreichen.

Dies hätte man ändern können, indem man die Situationen überdramatisiert und damit emotional den Bogen weit überspannt, um diese melancholische Scheiße zu generieren, mit der solche „Schicksals“-Dramen meist den Zuschauer überzeugen wollen. Ich werte es als Pluspunkt, dass das hier nicht geschehen ist, weswegen einerseits der Film selbst nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte funktionieren können, andererseits aber dafür mit übermäßig viel Realismus punktet und ihn somit viel greifbarer und natürlicher wirken lässt.

Punkt 2: Ob dieser Umstände ist es schwierig, einen Trailer zu gestalten, der dem Inhalt, der darauf folgt, wirklich gerecht wird: Das ging hier wieder mal mächtig schief, denn der Trailer suggeriert, dass der Hauptfilm selbst viel schlechter ist, als es im Endeffekt der Fall ist.

Ja, insgesamt spielt die Handlung wieder in der öffentlich-rechtlichen Bubble. Man braucht etwas Zeit, um sich mit diesen Gegebenheiten anzufreunden und irgendwie damit klar zu kommen (und kann sich nebenbei damit ablenken, dass der Kameramann scheinbar einen absolut unbefriedigten Arsch-Fetisch hat, so häufig, wie diesem Körperteil in unzähligen Szenen gehuldigt wird ;-)), aber dann generiert man sehr wohl seine Momente und bringt alles in einen für mich absolut schlüssigen und auch zufriedenstellenden Konsens.

Insgesamt verbirgt man hier unterschwellig wieder gewichtige Fragen, die man sich möglichst früh im Leben beantworten sollte, um nicht später vor dem Scherbenhaufen seiner selbst zu stehen und sich zu fragen, wieso man das nicht vorher schon gemacht hat.

Insofern hat man nach dem Film schon das Gefühl, dass es sich gelohnt hat, ihn anzusehen, die Werbemaschinerie drumrum geht aber wohl im Strudel der aktuellen Unwägbarkeiten unter, weswegen der Titel etwas unter der Oberfläche abtaucht und weniger Sichtbarkeit hat. Ich hoffe, dass ihn sich trotzdem genügend Menschen anschauen.

.kinoticket-Empfehlung: Der einzig schmerzvolle Moment für den Zuschauer ist der Eintritt in die ARD-Bubble, danach landet man in einer sehr gefühlvollen Erzählung, die viele Fragen aufwirft und zu einem wunderschönen Schluss kommt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. November 2021

Original Title: Hannes
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12

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